13.01.2012

13. Januar 2012

Wir haben November und sind nun schon zwei Monate in Deutschland. Es gibt nach so langer Abwesenheit doch einiges zu regeln. Wir haben beide neue Pässe beantragt, so dass jetzt von uns beiden jeder zwei hat, ganz offiziell natürlich. Mit der Begründung dass wir uns längere Zeit auf großer Fahrt befinden werden und in dem einen oder anderen Fall während unseres Aufenthaltes der Pass ein behalten wird und wir uns im Ausland nicht ohne Ausweise bewegen wollen. Hat geklappt. Aber nicht nur Amtsgänge und andere Pflichten erledigen wir, sondern auch schöne Dinge. Eins davon ist eine Kanufahrt auf der Werra, in der Nähe von Eschwege, auf dem ehemaligen Grenzfluss zwischen Ost und West.

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Auf der Werra

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Schwanensee auf der Werra

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Werraufer

Nachdem ich dann wieder den Süden Deutschlands aufgesucht habe, habe ich nach vielen, vielen Jahren endlich mal wieder die Gelegenheit auf den Bergen rum zu kraxln. Nur ein bisschen kraxln, nicht klettern, denn dafür bin ich schon zu lange aus der Übung. Trotzdem macht es Spaß durch das Kaisergebirge zu wandern, den Friedenrath zu besuchen und den Brünnstein zu besteigen.

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Blick vom Brunnstein zum Kaisergebirge

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Blick vom Peterskopfl ins Inntal

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Fast am Ziel

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Gleich geschafft

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Kaisergebirge

Es ist Samstag. In 10.000 Meter Höhe bei einer Geschwindigkeit von im Moment 950 km/h suche ich mir gerade einen Action Film mit Sean Connery aus, der mir die 14 Std. Flug etwas verkürzen soll. Annemarie sitzt neben mir und schaut sich ihren Film bereits an, während ich noch am Menü herum fummle.
Nach einem nicht enden wollenden Flug kommen wir am nächsten Tag in Rio de Janeiro an, wo wir erst mal 4 Stunden Aufenthalt haben. Diese verbringen wir schlafend oder besser gesagt dösend im Transitgebäude des Flughafens bevor es weiter nach Buenos Aires geht, welches wir dann endlich am Sonntag Mittag erreichen. Nach einer 60 km langen Fahrt mit der Remise (ein Taxi, nur etwas preiswerter), sind wir dann endlich an unserem Schiff angelangt. So schnell wie möglich verstauen wir unsere Sachen und schon liegen wir im Bett um den verlorenen Schlaf nachzuholen. Erst am nächsten Tag (Montag) fühlen wir uns etwas erholter.
Von Victoria fahren wir mit dem Zug ein paar Stationen weiter nach Tigre. Wir müssen uns beim Zoll zurückmelden und um eine Genehmigung zur Verlängerung für den Aufenthalt unseres Schiffes ersuchen denn, diese läuft in 4 Tagen aus. Wir brauchen diese um noch unser nicht hundert prozentig funktionierendes Ruder zu reparieren. Als wir beim Zollbüro ankommen empfängt uns eine mürrisch drein blickende Dame und fragt nach unserem Anliegen. Wir bzw. ich versuche es ihr zu erklären. Wenn Annemarie etwas sagen will beachtet sie sie gar nicht und fordert mich auf zu reden. Sie stellt mir Fragen die ins private gehen und meiner Meinung nach mit der Sache nicht wirklich zu tun haben, wie z.B. warum wir nach Deutschland geflogen sind, warum wir so lange dort waren, was wir denn gemacht hätten usw. Geduldig stehe ich Rede und Antwort. Plötzlich fragt sie zu mich ob ich denn eine Genehmigung vorweisen könne zum verlassen des Landes bzw. um das Schiff alleine hier in Argentinien liegen lassen zu dürfen. Natürlich habe ich und zeige ihr das vom Zoll ausgestellte Dokument, welches ich mir vor dem Abflug noch geholt hatte. Ich glaube Enttäuschung in ihrem Gesicht zu sehen. Wie aus der Pistole geschossen kommt die Frage wer denn dieses Dokument ausgestellt hat. Weiß ich natürlich nicht, ich kenne doch nicht die Mitarbeiter dieses Büros. Also zeige ich auf die Unterschrift und sage dieser Herr war es. Damit gibt sie sich zufrieden. Als wir damals das Dokument für die Genehmigung das Boot alleine liegen lassen zu dürfen beantragten, fragten wir gleich nach einer Verlängerung, da wir ja nach unserer Rückkehr nur noch vier Tage Zeit haben das Land zu verlassen, sagte man uns damals es würde reichen wenn wir zurück kommen. Jetzt aber belehrt mich die „freundliche“ Dame, dass der Zeitpunkt bereits vor vier Wochen gewesen wäre. Ist doch prima. Besser kann´s doch gar nicht laufen. Langsam wird mir das Gequatsche doch zu blöd und ich beschließe dem ein Ende zu bereiten. Also sage ich zu ihr, wenn sie uns anweist das Land zu verlassen, dann werden wir es auch tun und innerhalb der nächsten drei Tage samt unserem Boot abreisen. Ich sage es ohne Emotionen und auch nicht mit einem gewissen Grimm in der Stimme, sondern ganz normal. Da schwenkt sie plötzlich um, wird richtig freundlich und meint: nein, natürlich brauche ich nicht mit dem defekten Ruder abfahren. Sie braucht von mir nur ein Schreiben des Clubs in dem wir sind, dass das Ruder auch wirklich defekt ist und dass das Boot aus dem Wasser muss. Also fahren wir wieder zurück zum Club, lassen uns vom Büro die Bestätigung ausstellen und gondeln wieder nach Tigre. Nun geht alles ziemlich schnell. Nach der Frage wie lange wir noch bleiben wollen(müssen) erkläre ich, dass zwei Monate reichen würden. Mit dem Dokument in der Tasche fahren wir zurück zum Schiff.

Heute ist es so weit. Unser Boot wird an Land gehoben. Nachdem aufgebockt und das Unterwasserschiff mit einem Hochdruckreiniger abgespritzt ist machen wir uns gleich an die Arbeit. Wir bauen das Ruder aus. Wir, das sind Annemarie ich und Udo von der La Boheme, dessen Frau Heidi ihm heute „frei“ gegeben hat, um zu helfen. Es dauert nicht lange, das Ruder ist ausgebaut und das Ruderlager an seinem vorbestimmten Platz. Am Abend sind wir fertig und alles funktioniert. Am zweiten Tag schleifen wir das Unterwasserschiff etwas ab, tragen Grundierung auf und dann wird das Antifouling erneuert. Morgen können wir dann schon wieder ins Wasser.

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Unsere Lady geht an Land

Wir sind wieder im Wasser und ich fahre zurück zum Liegeplatz. Den Motor lasse ich noch eine ganze Weile laufen, denn dieser war das letzte mal vor vier Monaten in Betrieb. Routinemäßig prüfe ich den Motor auf Dichtigkeit und stelle fest, dass ein Dieselfilter leckt. Das werde ich wohl beheben müssen. Das schlimmere aber ist, dass ich Wasser in der Bilge entdecke. Ich gehe der Sache auf den Grund und entdecke, dass die Wellenabdichtung leckt und zwar ziemlich heftig. Verdammt noch mal, das hat gerade noch gefehlt. Wenn ich Pech habe muss ich nochmal aus dem Wasser und die Welle abdichten. Problem ist nur, ich habe eine spezielle Wellenabdichtung die hier in Buenos Aires bestimmt nicht zu bekommen ist. Und wenn, dann vermutlich nur für horrendes Geld, kostet die in Deutschland schon über 300 €. Sogleich mache ich mich an die Arbeit. Und tatsächlich, nach etwa zwei Stunden bekomme ich sie wieder hin. Das Teil ist wieder dicht. Aber eine neue Dichtung muss ich auf alle Fälle als Ersatz besorgen.

Wie sieht es weiter aus? Wir werden Anfang Februar Argentinien für einige Zeit verlassen und nach Uruguay segeln. Dort möchten wir zusammen mit noch einem Boot den Rio Uruguay bis zum Rio Negro hochfahren, und einige Zeit bleiben um die Gegend etwas zu erkunden. Davon aber mehr, wenn es so weit ist.

Es gibt wieder neue Bilder. Entweder den folgenden Link kopieren und in die Befehlszeile setzen oder noch besser gleich rechte Seite am Blogrol auf „Neue Webalben der Out of Rosenheim“ klicken. Übrigens Sailinx, ebenfalls rechte Seite Blogroll, darf wieder besucht und abgestimmt werden :-). Ich sage schon mal Danke

Link zum Webalbum https://picasaweb.google.com/110953844027179763848

24.10.2011

In eigener Sache

Es lebe der Computer, falls alles funktioniert. Meine Festplatte ist geschrottet und alle Daten sind weg. Das hat folgende Konsequenzen: Es gibt eine neue E-Mail Adresse und ich kann Euch nicht mehr verständigen falls ein neuer Bericht erscheint. Der Ausweg ist, mir eine E-Mail mit Eurer Adresse zu schreiben. Dann, so verspreche ich Euch bekommt Ihr auch wieder Nachricht von mir.
Meine neue Adresse lautet: SY.Out-of-Rosenheim@web.de

13.09.2011

13.09.2011

Wir haben den Kontinent gewechselt und befinden uns in Europa, genauer gesagt in Deutschland wo wir bis Anfang Dezember bleiben werden. Dann wird es um so schöner, denn wir fliegen anschließend aus der europäischen Kälte in den südamerikanischen Hochsommer. Solange gibt es mit den Berichten eine Pause. Melde mich dann wieder aus Argentinien oder aus Uruguay, das steht noch nicht genau fest.
Haltet durch, ich weiß Ihr schafft es :-)

Es grüßt Euch alle Kapitän Werner und Admiral Annemarie

Info aus erster Hand vom Seenotfall der Kalythea. Hier der Original Text. Ich
habe ihn ohne Veränderung übernommen:

 

Rückfahrt von Salvador da Bahia Brasilien nach den Kanarischen Inseln


Nach dem wir reichlich Lebensmittel gebunkert, in Itaparica noch mal Quellwasser in unsere leeren Wasserflaschen gefüllt hatten, starten wir von der Marina Pier Salvador die große Rücktour.

Erst noch einmal Mittag essen im Kilo-Restaurante der Marina, denn wegen der Tide mussten wir sowieso bis Mittag warten aber 14:00 können wir auslaufen.

Der Himmel sieht noch grau aus, wie meist in den letzten Wochen, denn es ist ja Regenzeit. Wir umrunden die Halbinsel Ribeira hinter der die Marina liegt und laufen unter Motor zum Centro Nautico Salvador, um an der schwimmenden Tankstelle unsere Tanks mit Diesel aufzufüllen. Anschließend suchen wir eine windgeschützte Stelle und setzen unsere Segel. Um 16:00 sind wir auf dem Weg nach Hause. Die Sonne scheint inzwischen und wir laufen mit 4-5 kt aus der Bahia in Richtung Atlantik. Die positive Wetterentwicklung nehmen wir für ein gutes Vorzeichen und freuen uns schon auf eine schöne Segelzeit und letztendlich auf zu Hause.

Laut Wetterbericht, der uns Südwind versprach, können wir nicht, wie geplant, nach nordost segeln, sondern nur, da der Wind nichts anderes zulässt, nach südost.

21:00 gehen wir schließlich auf Backbordbug und laufen in nördlicher Richtung. Es gelingt uns gerade an Salvador vorbei zu kommen, denn der Wind und der Current drückt uns immer wieder in Richtung Küste. Unser ursprünglicher Plan sah vor schräg über den Südatlantik in nord-östlicher Richtung die Cabo-Verdes anzusteuern. Daraus wurde erst einmal nichts. Wir segeln weiter die brasilianische Küste ab, bis in die Höhe von Recife. Erst dann durch den natürlichen Verlauf der Küste nach nord-west gewinnen wir etwas mehr Abstand und kommen mit Mühe östlich an der Insel Fernando de Naronha vorbei.

Das Wetter macht uns oft zu schaffen. Viele Tage sind grau und liefern oft heftige Regenschauer mit stürmischen Winden oder es gibt gar keinen Wind zum Segeln und Kalythea ist einfach nicht mehr steuerbar, dreht im Mondschein Kreise und lässt uns verzweifeln oder es hat zu viel Wind und wir stellen nach so einer Nacht fest, dass der Flaggenstock samt Edelstahlhalterung einfach abgerissen wurde. Auch unser Toplicht hat es vom Mast gefegt. Dabei sind wir noch auf dem Südatlantik und nicht in den Kalmen, die für ihre Squalls bekannt sind. Als wir eines morgens das Großsegel trimmen wollten, erwartete uns eine besondere Überraschung: das Kutterstagsegel lag auf Deck! Das Fall war durchgescheuert. Was tun? Mit dem am Top angeschlagenen Reservefall und einem zusätzlichem Schäkel setzen wir es wieder. Geht wunderbar!

Nun stehen wir 100 nm vor dem Äquator und die nördliche Hemisphäre rückt in greifbare Nähe. Aber so einfach entlässt uns der Südatlantik nicht und die letzte Nacht steckt uns noch in den Knochen. Kalythea raste durch die Nacht, durch den dicksten Squall (es können auch mehrere gewesen sein) über eine sehr rauhe See gegen die Wellen mit viel Schräglage und einem Gefühl wie bei einer Fahrt über eine alte Brandenburger Kopfsteinpflasterstrasse mit extra großen Schlaglöchern in einem alten Bus mit kaputter Federung. Wasser kann so hart sein. An schlafen war da nicht zu denken.

Als am Morgen die Sonne aufgeht und alles wieder friedlich aussieht, kann man kaum glauben wie uns die Nachtfahrt zugesetzt hat.

Die Äquatorüberquerung findet bei herrlichstem Sommer-Sonnen-Segelwetter am 25.06.2011 um 12:10 statt und wird mit einem Gläschen Rum, Kaffee und „Äquator-Kuchen“ gefeiert. Als besonderen Moment empfinden wir diese Überquerung auch wieder, denn innerhalb einer Minute verlässt man die Südhalbkugel und erreicht die Nordhalbkugel, wechselt vom Winter in den Sommer. Das jetzt schöne sonnige Wetter begleitet uns auch weiter, aber die See ist ruppig und wir erfreuen uns an einem kräftigen Südost, der uns voran bringt.

Ab 5° Nord gibt es wieder mehr Wolken, z.T. Ist der Himmel ganz bedeckt aber es bleibt vorerst trocken. Wir versuchen unsere Windsteueranlage Aries einzusetzen, da der Autopilot nicht immer mit den durcheinander laufenden Wellen klar kommt. Die Aries schafft das auch nicht. Also war letzte Nacht viel „Handarbeit“ angesagt und wenig Schlaf. Am nächsten Tag beschäftigen wir uns weiter mit unserer Aries. Sie hält den Kurs mitunter über einige Stunden, läuft dann aber ohne Grund aus dem Ruder. Wir können ihr nicht vertrauen. Der Autopilot muss steuern, auch wenn es Strom kostet. Nachts erwischt uns dann der erste Squall nach dem Äquator und damit beginnen für uns die Kalmen. In der Nacht haben wir einen wunderbaren Sternenhimmel, wenig Wind und Welle und Kalythea zieht leise rauschend ihre Bahn. Eine Nacht, die viel zu schön ist um sie zu verschlafen. Der Körper aber verlangt seinen Schlaf, bekommt er doch durch den 3-Stunden-Rhythmus der Wachen viel zu wenig davon.

Morgens sehen wir auf dicke Wolkentürme, die sich immer weiter zusammen schieben und uns mit Regenwänden regelrecht einkreisen. Da es keinen Wind gibt motoren wir den ganzen Tag. In der Nacht versuchen wir mit einem Lüftchen zu segeln. Wenn der Wind auf 0 kt geht, kann auch der Autopilot nicht mehr steuern. Am nächsten Tag haben wir das Gefühl, dass die Kalmen zu Ende gehen, denn die Sonne löst viele Wolken auf und blauer Himmel zeigt sich an verschiedenen Stellen. Bald zieht sich der Himmel wieder zu und ist nur noch grau. Der Motor ist wieder gefragt. Ab 12:00 ist der Wind da – südost. Wir sind begeistert endlich mal wieder richtig segeln zu können. Gegen Abend überrascht uns ein riesiger Squall , der mehrere Stunden anhält und uns gehörig durchrüttelt. Etwas später schläft der Wind ein. Die Segel knallen. Wir nehmen das Großsegel weg, da es uns zu sehr auf die Nerven geht und wir Sorge haben es könnte Schaden nehmen. Dafür rollen wir nun in alle Richtungen und können nicht schlafen. Am nächsten Tag hängen wir mächtig durch. Nach Sonnenaufgang versucht Peter das Schiff auf Kurs zu bringen, damit wir in die richtige Richtung dümpeln und stellt erschreckt fest, dass sich Kalythea nicht mehr steuern lässt. Alle Steuerversuche schlagen fehl. Die Gedanken überschlagen sich. Was tun? Ist das das Aus? Nach der ersten Aufregung beginnen wir nach der Ursache zu suchen. Es zeigt sich, dass der Ruderquadrant die Ruderwelle nicht mitbewegt. Die sorgfältig abgedichtete Serviceklappe im Cockpit muss geöffnet werden. Nach einer Weile findet Peter den Fehler. Die Feder, die Ruderquadrant und Ruderwelle verbindet, fehlt und der Ruderquadrant ist abgerutscht und sitzt viel zu tief. Ein Kraftakt, kopfüber im Schiff hängend, brachte alles wieder ins Lot. Die nächsten Tage und Nächte sind bestimmt von einem diffusen Licht bedingt durch eine hohe Wolkenschicht und meist wenig Wind, so dass wir sanft durch die Dünung gleiten oder ruppigen Kreuzseen uns das Leben schwer machen. Besonders unter Deck bedarf es akrobatischer Einlagen beim Kochen oder Backen. Ab 15° N wird es noch ungemütlicher. Die Wellen werden aggressiver und größer. Sie krachen gegen das Schiff und gehen teilweise ganz darüber hinweg. Wir kontrollieren das Auge von unserm Kutterstagsegel und stellen fest, dass es leicht beschädigt ist. Wir reparieren mit einem Palsteg. 2 Tage später fällt Peter auf, dass die Rollfock sich eigenartig bewegt. Beim genaueren Hinsehen stellen wir fest, dass das T-Stück vom Vorstag-Wantenspanner-Terminal abgebrochen ist. Unter großen Schwierigkeiten bergen wir das Rollfock-Segel. Peter verbindet den Bugspriet mit dem Vorstag mit Schäkeln zur Stabilisierung und um unsere Rollanlage vor Verbiegen zu schützen. Spannung kann damit keine hergestellt werden. So verzichten wir darauf das Groß wieder zu setzen und nutzen nur noch das Kutterstagsegel. Damit kommen wir aber nicht gegen Wind, Wellen und Strömung an. Wir brauchen dringend einen Hafen zum Reparieren. Mindelo auf den Cabo Verdes ist „nur ca. 560 nm“ entfernt und damit unser nächstes Ziel., welches wir nur unter Motor anlaufen können. Alles ist gegen uns, Wind ,Wellen und der Current und wir werden immer weiter nach Westen gedrückt. Kalythea wird auf Grund der hohen Wellen hin und her geworfen. Wir entschließen uns einen Distress- Ruf zu senden, da wir Diesel benötigen. Unser neues Ukw-Funk gerät löst aber keinen Distress-Ruf aus, obwohl laut Anzeige alles richtig programmiert wurde. Zum Glück können wir über das AIS sehen, wenn ein Schiff in der Nähe ist. So bitten wir das Schiff „Nordstern“ einen Distress-Ruf für uns abzusetzen. Nach 3 Stunden bekommen wir eine Bestätigung des Ruf und am nächsten Morgen meldet sich der Tanker „Sonagol Namibe“, der uns Diesel bringen will. Das Wetter ist freundlich und trotzdem wird es ein rabenschwarzer Tag für uns. Wir sollen dicht an den Tanker heranfahren und je eine Leine zu Befestigung am Vorschiff und Heck zu übernehmen. Wir lassen schnell wieder los, denn Kalythea schrammt an der Bordwand. Bei erneuter Ansteuerung werden wir durch die hohen Wellen und den Current gegen die Bordwand gedrückt, wobei unser Bugspriet bricht. In der inzwischen heruntergelassenen Gangway verfängt sich unser Geräteträger mit den Solarpanel und wird zu Schrott. Wir brechen erschreckt ab. Als sich die Aufregung etwas legt fällt uns auf, das auch das Backstag abgerissen und die Saling angebrochen ist. Gegen Abend, zur Zeit unserer regelmäßigen Bilgenkontrolle, stellten wir Wasser im Schiff fest. Vermutlich waren die starke Beschädigung im Bereich des Bugspriet und Wasserstags die Ursache.

Der nächste Tag ist grau und passt somit zu unserer Stimmung. Wir bergen einen 20l Kanister mit Diesel, der uns noch von der Sonagol Namibe zum Aufpicken zugeworfen worden war und der während der Nacht aussenbords festgelascht war. Der Diesel ist dunkelbraun und wasserhaltig. Damit hätten wir unseren Motor gleich ins Aus gebracht.

In immer kürzeren Abständen müssen wir unsere Pumpe laufen lassen.

Am nächsten Vormittag entschließen wir uns, da wir keine Alternative sehen- Diesel geht zu ende, wir machen ständig mehr Wasser und können nicht mehr segeln -, die EPIRB-Rettungsboje zu aktivieren. Erleichtert stellen wir fest, dass sie sendet.

5 Stunden später meldet sich „Imola Express“ und ist gegen 17:00 bei uns. Das Schiff ist extrem hoch. Es liegt mit dem Bug im Wind, so dass die Wellen zu beiden Seiten des Schiffes gleich hoch laufen. Auch hier gibt es wieder eine starke Strömung, die verhindert, dass wir ohne Gefahr in die Nähe des Schiffes gelangen können. Die Lotsenleiter hängt an der Bordwand und reicht nicht bis ins Wasser. Wir können uns nicht vorstellen, wie wir da an Bord gelangen können, ohne unser Leben ernsthaft in Gefahr zu bringen. Außerdem beginnt es dunkel zu werden und die Scheinwerfer an Bord blenden uns. Wir brechen den Versuch ab. Noch hatten wir für ca. 24 Stunden Diesel um Wasser abzupumpen und zur Stromversorgung und hofften auf eine zweite ultimative Chance. Der Kapitän der Imola-Express war uns in sofern behilflich, dass er sich über Funk nach einem anderen geeigneterem Schiff erkundigte. Die M.V. Spar Gemini sollte am Morgen zu uns kommen. Ein Bulk-Carrier mit weniger hoher Bordwand. Dieselsparend laufen wir in der Nacht vor dem Wind ab, immer hoffend, dass der Wind und die Wellen endlich weniger werden. Es passierte nicht. Im Gegenteil gegen morgen brieste es weiter auf.

Gegen 3:30 meldet sich M.V. Spar Gemini. Im Morgenlicht machten wir das uns zu Hilfe kommende Schiff aus. Bis das Schiff gestoppt hatte, und wir in der Nähe waren, war es ganz hell. Der Kapitän Joshi erklärte über Funk die geplante Rettungsaktion. Das gab uns ein gutes Gefühl, zu wissen, was auf uns zukam. Die M.V. Spar Gemini wurde genau quer zum Wind gelegt, so dass die recht hohen Wellen nur noch mäßig hoch waren und uns eine Ansteuerung an die Bordwand und ein Festmachen am Mast und Heck ermöglichten. Das war trotzdem nicht einfach, denn jedes Zusammentreffen von Kalythea und dem Frachter erschütterten unser kleines Schiff heftig. Dabei die Leinen einzufangen und z.B. am Mast fest zu machen ohne das Gleichgewicht zu verlieren, war beängstigend.

Das Abbergen sollte mittels eines Rettungskorbes aus dem Cockpit erfolgen. In unserem verbogenem Geräteträger, dem Achterstag und der Heckleine verfing sich der Korb immer wieder. Deshalb kam die Lotsenleiter zum Einsatz, die bis in unser Cockpit reichte. Gleichzeitig erfolgte eine Sicherung mittels Lifbelt. Kalythea hob und senkte sich ca. 2 m neben dem Frachter. Die Leiter reichte bis zum Boden des Cockpits und im nächsten Moment war sie 2 m höher. Wir mussten sie gleichzeitig mit Füssen und Händen erwischen. Von der Crew der Spar Gemini wurde das Ausschlagen des Mastes und der Wanten beobachtet. Im ungefährlichen Moment wurde die Leiter wie ein Fahrstuhl schnell nach oben gezogen, um uns aus der Gefahrenzone zu bringen. So schnell hätten wir das mit Klettern nie geschafft. Peter hatte mir geholfen auf die Leiter zu kommen. Oben hatte man mich zu einer Sitzgelegenheit geführt, da die Beine ihren Dienst versagten. Nach ein paar Minuten fiel mir auf, dass unser Gepäck auf Deck landete und alle gespannt auf unser kleines Schiffchen schauten, sich sorgenvoll anblickten, die Leiter auf der Reling hin und her geschoben wurde aber Peter nicht in Sicht kam. Da ich von meinem Platz aus nichts sehen konnte, anfangs auch nicht in der Lage war aufzustehen, um an die Reling zu gehen, hatte ich fürchterliche Angst irgend etwas könnte passiert sein. Mir wurde kalt und heiß und schlecht, bis ich mich zwang aufzustehen, um über die Reling zu sehen. Glücklicherweise sah ich Peter, wie es schien unverletzt, im Cockpit stehen und nach der Leiter angeln. Später stellte sich heraus, dass er noch einmal unter Deck gegangen war ,um seine Brille zu holen.

8:00 waren wir beide, zwar völlig geschafft, an Bord der M.V. Spar Gemini. Dort hatte man während der Vorbereitung einen großen Sani-Koffer, nebst Trage und Decken bereitgestellt. Das alles wurde zu Glück nicht gebraucht.

Nachdem wir geraume Zeit an Deck der M.V. Spar Gemini gesessen hatten, ging es uns langsam besser. Wir sahen zu, wie Kalythea sich immer weiter entfernte und langsam versank.

Uns wurde auf der M.V. Spar Gemini die Lotsenkabine als Schlafplatz zugewiesen und in der Offiziersmesse 2 Plätze am Tisch des Kapitäns. Dort wurden wir an allen Tagen wie VIP-Gäste bedient. Wir erfuhren auch, dass wir von einem norwegischen Schiff mit indischer Crew geborgen worden waren. Das die Bergung ohne Verletzungen gelang, lag sicher auch daran, dass der Kapitän des Schiffes sehr großen Wert auf Sicherheit legt und seine Mannschaft immer wieder entsprechende Trainings absolvieren lässt. Davon konnten wir uns während unseres Aufenthaltes an Bord überzeugen.

Am gleichen Abend traf sich die ganze Besatzung auf der Brücke und wir hatten Gelegenheit jedem einzelnen „Danke“ zu sagen. Der Kapitän hatte schon Requisiten bereitstellen lassen, die für Gruppenfotos mit der ganzen Crew bestimmt waren. Es war eine entspannte und glückliche Atmosphäre und wir hatten das Gefühl in die „Bordfamilie“ aufgenommen zu sein.

Die nächsten Tage bestanden für uns vorwiegend aus essen und schlafen. In der Zwischenzeit hatten wir erfahren, dass der Frachter in Brasilien im Amazonas-Delta Erz laden wird. Da wir vor 6 Wochen in Brasilien ausklariert hatten und erst nach 6 Monaten wieder einreisen durften, machten wir uns Sorgen. Aber der Kapitän wiegelte ab und meinte er mache das schon. Uns war aber trotzdem nicht wohl. Es hatte uns in eine Gegend verschlagen mit der wir uns nie beschäftigt hatten, nicht wussten wo es einen Flughafen gibt, welche Transportmöglichkeiten sonst noch bestehen…… und da es kein Internet an Bord gab, konnten wir uns auch nicht informieren. Ein Gefühl der Hilflosigkeit machte sich breit.

Bei der Einklarierung des Schiffes kamen 6 Personen an Bord und wir wurden am Schluss dazu geholt. Nachdem der Kapitän unser Problem geschildert hatte, wollte der Mister Diego die deutsche Botschaft informieren und riet uns Flugtickets von Deutschland aus buchen zu lassen. Der Kapitän stellte uns das Imarsat-Telefon des Schiffes zur Verfügung, so dass wir unsere Tochter in Berlin informieren konnten

Am nächsten Tag kam von besagtem Mister Diego eine Rechnung in Höhe von ca. 4000 USD über Dienstleistungen, die nicht nachzuvollziehen waren. Zahlbar bis zum Abflug. Nun war guter Rat teuer, teuer im ganz realen Sinn, denn soviel Bargeld hatten wir nicht dabei. Eine Überweisung auf eine Caribische Bank mit Weiterleitung nach Honduras war auch noch möglich. Die Volksbank weigerte sich auf das angegebene Konto zu überweisen. Wir fühlten uns so richtig in der Klemme. Die deutsche Botschaft, die von unserer Tochter inzwischen kontaktiert worden war, riet von einer Zahlung ab, da es völlig unüblich wäre, für eine Not-Einklarierung bezahlen zu müssen und verhandelte per Telefon mit besagtem „Diego“. Nach vielen hin und her Telefonaten zwischen unserer Tochter und der Botschaft und uns erhielten wir die Zusicherung, dass wir maximal 250 USD zahlen müssten und das akzeptieren sollten. Inzwischen hatten wir unsere Flugbuchung von Belem nach Recife und weiter nach Frankfurt/Main für den 05.08. in der Hand. Uns fehlte aber immer noch der Flug von dem „Internationalen Aerport(chen) Macapa“ nach Belem. Diese Strecke konnte nicht im Internet gefunden werden und alles schien daran zu scheitern. Wir wussten ja nicht, dass diese Strecke fast immer ausgebucht ist. Letztlich gelang es unserer Tochter aber doch noch, sozusagen im letzten Moment, einen Internetzugang zu diesem kleinen Aerport zu finden und 2 Plätze zu buchen. Uns fiel ein Stein vom Herzen und der Kapitän Peter um den Hals, denn er hatte täglich mit uns gezittert, ob alles gut ausgeht.

6 Stunden vor der Abflugzeit wurden wir am Verladeplatz vom Schiff abgeholt, um uns unsere Einreise zu genehmigen und uns dann am Flughafen abzusetzen. Wir waren sehr angespannt, wussten wir doch nicht genau, ob die telefonischen Absprachen mit der deutschen Botschaft greifen oder wir uns doch noch gehörigen Geldforderungen gegenüber sehen. Aber es lief alles reibungslos und ohne Kosten ab. Erst als wir im Flieger saßen, konnten wir es glauben.

Eine etwas heikle Situation gab es noch beim Abflug von Recife nach Frankfurt /Main. Dort fand es die Policia Federal sehr merkwürdig, dass wir einen Einreisestempel im Pass hatten, der 6 Wochen nach unserer Ausklarierung in Salvador vergeben war. Erst nachdem der Verantwortliche den ganzen Vorgang im Computer gelesen hatte, alle Passagiere längst abgefertigt waren, war er von der Richtigkeit überzeugt und entließ uns.

Der Rest der Heimreise verlief ohne weitere Zwischenfälle.

9.08.2011

07. August 2011

Seenot

Bildquelle: Spar Gemini (zum vergrößern Bilder anklicken)

 

Eine Seefahrt die ist lustig eine Seefahrt die ist schön… dass dieser Text der Wahrheit entspricht möchte ich manchmal ganz stark bezweifeln. Mein Freund Peter und seine Partnerin Elke von der Segelyacht „Kalythea“ stimmen mir hierbei ganz bestimmt zu.

Wir lernen Peter 2007 in Lanzarote in der Marina Rubicon, wo er neben uns am Steg liegt, kennen. Er kommt gerade aus La Gomera mit etlichen hundert Litern Wasser an Bord, die eigentlich nicht da sein sollten. Er hat vergessen eine Luke zu schließen und dabei Wasser ins Schiff „geschaufelt“. Der Schaden ist schnell behoben und das Boot wieder trocken. In den folgenden Wochen lernen wir uns näher kennen und tauschen Erfahrungen aus und Pläne für die Zukunft. Dann segelt Peter wieder zurück nach La Gomera.. Kurze Zeit später schreibt er mir, dass er Elke, seine jetzige Partnerin, kennen gelernt hat und er sich vorbereite einen großen Törn zu unternehmen. Wir sind des öfteren über E-Mail in Kontakt und tauschen uns aus. Eines Tages bekomme ich von ihm die Nachricht, dass er es nun wagen werde einen größeren Törn zu starten und unterwegs sei in Richtung Cabo Verde. Es dauert auch nicht lange und es erreicht mich die Meldung von ihm, dass er die Kap Verden erreicht habe und nun in Richtung Salvador weiter segelt. Eigentlich die gleiche Route die Annemarie und ich 2009 auch schon gesegelt sind.

Elke und Peter verbringen einige Zeit in Brasilien bevor sie sich entschließen wieder zurück zu den Kanaren zu segeln. Kurz vor ihrer Abfahrt bekomme ich Nachricht, dass sie sich auf den Weg machen werden.

Einige Wochen später verständigt mich plötzlich Elkes Tochter, dass Elke und Peter auf dem Atlantik vermisst werden. Meine Bestürzung ist groß. Was soll ich machen? Helfen kann ich von hier aus nicht, außer per E-Mail der Tochter Hoffnung zusprechen.

Dann erfahre ich, dass sie von einem Frachter gesehen wurden, der ihnen Diesel übergab. Mehr nicht. Danach sind sie wieder verschollen. Einige Tage später schreibt mir Uta , Elkes Tochter, dass inzwischen die Position der „Kalythea“bekannt sei und zwar bei 14°N und 34°W, das ist etwa 500 Meilen westlich der Kap Verden.

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Spar Gemini

Sie haben einen Mastbruch und treiben im Atlantik. Den Diesel den sie vorher von einem Frachter übernommen haben ist vermutlich schon wieder verbraucht. Nun haben sie auch noch Wassereinbruch auf dem Schiff. Ihre Position liegt nicht in der Nähe einer Schifffahrtslinie und für Rettungshubschrauber sind sie zu weit von der Küste entfernt. Der norwegische Frachter „Spar Gemini“ der sich in der „Nähe“ befindet wird per Funk benachrichtigt und zum Havaristen umgeleitet. Sie werden gefunden und nach einer vermutlich nicht gerade leichten Bergung sind sie in Sicherheit. Die „Kalythea“ muss zurückbleiben und sinkt einige Zeit später.

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Elke

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Peter

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gerettet

Peter und Elke fahren mit dem Frachter zurück nach Brasilien. Von dort aus geht es dann mit dem Flugzeug zurück nach Deutschland – glauben sie wenigstens

Doch dem ist nicht so. Nun macht die Policia Federal Schwierigkeiten. Sie wollen die Notlage ausnutzen und verlangen einige Tausend Dollar (wofür eigentlich?), zu überweisen auf eine Bank in der Karibik Das stinkt aber wirklich zum Himmel. Da erhebt sich die Frage, was ist das für eine Welt (oder Staat)wenn in Not geratene Personen von offizieller Seite ganz unverfroren erpresst werden? Der Aufenthalt auf dem Frachter ist begrenzt, er muss weiter da er einen Auftrag der Reederei zu erfüllen hat. Also muss gehandelt werden und zwar schnell. Die deutsche Botschaft in Brasilien wird eingeschaltet und kümmert sich um den Fall. Das Problem wird diplomatisch geregelt und die beiden dürfen ausreisen. Die Botschaft lässt wissen, dass wohl alles auf sprachliche Schwierigkeiten und Missverständnisse zurückzuführen sei. Elke und Peter sind inzwischen zu Hause eingetroffen.

Ende gut alles gut? Wir wünschen den beiden für die Zukunft viel Glück und alles Gute.

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Kalythea

7.07.2011

6. Juli 2011

Es ist nicht immer leicht einen Bericht zu schreiben, wenn man längere Zeit an einem Ort verbringt, denn dann treten sich die Pfade immer mehr aus, soll heißen es kommt eine tägliche Routine zustande mit wenig Abwechslung. Würde man versuchen zu Hause in Deutschland oder wo auch immer, Berichte zu schreiben was du so täglich alles erlebst , obwohl du nur morgens aufstehst, frühstückst, zur Arbeit fährst, abends dann nach Hause kommst, das Abendessen vertilgst und dich dann vor den Fernseher verfrachtest, dann, so kann ich mir vorstellen, dass die Berichte nicht sehr viele Höhepunkte beinhalten. In einer ähnlichen Lage befinden wir uns auch. Denn wir sind bereits schon seit drei Monaten hier in Argentinien und eine gewisse tägliche Routine kann man nicht verleugnen.

Drei Monate. Drei Monate lang dürfen wir uns hier aufhalten. Dann müssen wir das Land verlasen oder um eine Verlängerung der Aufenthaltsgenehmigung nachsuchen. Also fahren wir mit dem Zug zur nächsten Stadt mit Emigration und fragen nach einer Verlängerung des Dokuments. Leider Fehlanzeige, denn wir bekommen zu hören, dass eine Verlängerung der Genehmigung nur in der Hauptstelle in Buenos Aires möglich ist und dass diese umgerechnet 100 € kostet. Na super! Wir setzen uns in den Zug und fahren vom Anfang(Tigre) bis zur Endstation in Buenos Aires. Die ca. 40 km. kosten 1,35 Pesos pro Person (ca.0,23 €). Wenigstens das ist billig. Am Bahnhof aussteigen und 10 Minuten bis zur Emigration laufen, vorausgesetzt man läuft den richtigen Weg. Aber warum sollten wir. Aus den zehn Minuten sind dann schließlich eine halbe Stunde geworden.. Ein wenig genervt kommen wir bei der (vermeintlich) richtigen Stelle an. Es ist das gleiche Büro in dem wir bei der Ankunft schon waren. Wieder Fehlanzeige, denn nicht diese Stelle ist für die Verlängerung zuständig sondern die im Nebengebäude. Wir kommen in den Vorraum und dort warten mindestens 300 Personen. Das passt doch! Nicht faul sause ich an den Wartenden vorbei und frage am Schalter ob das hier richtig wäre für die Verlängerung eines Touristenvisums. Nein, das ist im Nebenraum. Dort stehen zwar nicht 300 aber immerhin mindestens 150 Personen. Wieder gegen die „Laufrichtung“ an den Schalter gespurtet und gefragt ob ich hier für mein Anliegen richtig wäre. Ja, hier sind Sie richtig. Stellen Sie sich hinten an. Danke und Tschüss. Zwar haben wir Zeit aber nicht die Geduld den Rest des Tages durch anstehen zu vertrödeln. Ich sehe mir mal die Leute genauer an die hier sind. Männer, Frauen mit und ohne Kinder, alte bzw. ältere Leute und junge. Die meisten wohl aus dem Norden aus Kolumbien, Peru usw. Ein großer Anteil an Indios. Vermutlich Emigranten. Also dann Tschüss, stellt Euch alleine an.

Also bleibt uns nur noch die zweite Möglichkeit nämlich das Land zu verlassen. Da hat es unser Boot doch etwas besser als wir, denn das darf acht Monate hier bleiben. Das gibt uns die Möglichkeit auszureisen in dem wir mit der Fähre nach Uruguay fahren.

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Deltacat

Am Sonntag ist es dann so weit. Morgens um sechs klingelt der Wecker und wir stehen auf. Nach dem Frühstück laufen wir zum Bahnhof. Es ist saukalt so gegen Null Grad. Aber was jammere ich, schließlich hatten wir am 21. Juni Winteranfang. In Tigre angekommen laufen wir langsam zur Fähre die in einer Stunde abfährt. Die Tickets hatten wir uns bereits im voraus besorgt, so dass wir nur noch den Zoll passieren mussten. Nach genauer Leibesvisitation und Beschnüffelung durch einen Drogenhund dürfen wir endlich auf die Fähre. Es ist ein nicht zu großer aber gemütlicher und vor allen Dingen gut geheizter Katamaran. Die ca 50 Meilen (ca. 90 km) schafft er in zwei Stunden. Es ist eine herrliche Fahrt durch verschiedenen Flüsse und Kanäle wie Rio Lujan, Rio Parana, Rio de la Plata und andere. Wir haben die Möglichkeit, durch eine Glasscheibe getrennt, die Fahrt aus der Sicht des Kapitäns mitzuerleben. Wir können alles genau beobachten, das Echolot (Tiefenmesser), GPS mit Plotter, Geschwindigkeit des Bootes usw. So schön die Fahrt auch sein mag aber mit unserem Boot könnten wir diese Strecke nicht segeln, da das Echolot des öfteren nur 1,10 Meter anzeigt. Wir aber brauchen 1,90 Meter. Trotzdem, dass die Fähre an die 100 Personen transportieren kann, hat sie einen Tiefgang von nur 0,90 Metern.

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auf der Brücke

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Hafeneinfahrt

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Heckwelle

In Carmelo in Uruguay angekommen müssen wir abermals durch den Zoll. Ein großes Schild weist darauf hin, dass es verboten ist Lebensmittel einzuführen. Verdammt, wir haben Brotzeit und zwei Äpfel dabei. Ein Griff in den Rucksack, die Äpfel sind weg und Annemarie hat eine wundersame Brustvergrößerung erfahren Als wir am Zollbeamten vorbei gehen tue ich so als wolle ich, etwas umständlich, meinen Tagesrucksack öffnen. Der Beamte fragt mich ob wir Lebensmittel dabei hätten. Mit dem unschuldigsten Lächeln das mir gelingt sage ich nein und wir können passieren. Die Brotzeit ist gerettet.

Wir gehen in Carmelo spazieren und schauen uns die Geschäfte an. Was sollen wir auch sonst tun. Im Ort gibt es nicht viel zu sehen und er ist absolut tote Hose. So latschen wir dann eben etliche Stunden dort hin und hier hin. Wir überqueren einen Fluss und folgen dem Wegweiser „Puerto Nautico“. Nach einiger Zeit sehen wir den Puerto Nautico. Ein einziger Segler hängt einsam an einer Boje und das war´s dann auch. Ein ganzes Stück weiter gibt es einen „Pinien Park“. Was daran so toll sein soll können wir nicht in Erfahrung bringen, trotzdem setzen wir uns auf eine Bank und machen Brotzeit. Wir wollen an der Mole zurück zur Fähre gehen, geben aber das Unternehmen schnell auf, denn vom Fluss her weht ein eiskalter Wind der uns zur Umkehr zwingt. Also laufen wir den Weg wieder zurück. An der Fähre angekommen haben wir noch zwei Stunden Zeit bis zur Abfahrt. Da es nun schon später Nachmittag ist und die Sonne den Zenit schon lange überschritten hat wird es empfindlich kalt und wir beschließen uns in den Warteraum zu setzen. Schließlich geht auch diese Zeit vorüber und wir fahren wieder zurück. Gegen 19:30 Uhr sind wir wieder in Tigre zurück. Die Prozedur mit Leibesvisitation und Schnüffelhund lassen wir über uns ergehen und stehen vor dem Emigrationsbeamten. Der drückt seinen Einreisestempel mit dreimonatiger Gültigkeit in unsere Pässe und das war´s. Wir mussten keine 600 Pesos bezahlen, denn die Fahrt war um einiges billiger und wir hatten nebenbei noch einen relativ schönen Tag in Uruguay verbringen können. Das Wichtigste dabei ist allerdings, dass wir nun, ohne Gebühren zahlen zu müssen, weitere drei Monate in Argentinien bleiben dürfen.

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Winterpark in Carmelo

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Brücke in Carmelo

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Pinienpark

Gebühren=Geld. Geld bekommt man - wenn man es bekommt - von der Bank. Es ist ein Leichtes. Die Karte in den Geldautomaten gesteckt, Geheimzahl eingeben und schon spuckt der liebe Automat den eingegebenen Betrag aus. Unter bestimmten Voraussetzungen natürlich. Geld muss auf dem Konto sein, klar. Der Betrag der aus dem Automat kommt ist beschränkt, selbst bei Liquidität, auch klar. Aber wenn die Karte nicht stimmt, weil die Bank ihre Bedingungen geändert hat, dann ist nichts mehr klar. Dann stehst du vor dem Automaten wie ein begossener Pudel und wartest vergebens auf (Geld)Futter.Das passiert seit dem 1. Juni jedem der sich im Nichteuropäischen Ausland befindet und Kunde bei der Postbank ist. Die besagte Bank hat nämlich die glänzende Idee gehabt, jedem seiner Kunden einen sogenannten TAN Generator für 14,00 € zu verkaufen, ohne dem er keinen Zugriff mehr auf das Konto hat, bzw. keine Überweisungen mehr tätigen kann. Was aber, wenn man in einem Land ist in dem es fast unmöglich ist ohne größere Probleme elektronische Geräte (TAN Generator) einzuführen? Damit nicht genug. Die bisherigen Bankkarten (Maestro, Master Card) haben ihre Gültigkeit verloren und es wurden neue Debit (Visa)Karten ausgegeben die nur innerhalb Europas Gültigkeit besitzen. Womit also nun Geld abheben? Der geneigte Leser wird nun sagen, ganz klar mit einer Kreditkarte, die gilt auf der ganzen Welt. Wenn er aber die Antwort bekommt, mein lieber Kunde, tut mir furchtbar Leid aber mit ihrem Einkommen bekommen sie bei unserer (Post)Bank keine Kreditkarte, und dieser Kunde sich noch dazu im fernen Argentinien befindet, dann sieht er einfach alt aus. Eine Möglichkeit allerdings ist noch offen. Hat der Kunde, wie in diesem Fall, eine „SparCard“, dann kann er mit dieser im Ausland immer noch Geld abheben. Aber nicht dass jetzt einer denkt, na also, geht doch. Weit gefehlt, denn nicht bei jeder Bank die die Visa Karte akzeptiert, akzeptiert auch die Visa plus Karte der Postbank. Um zu erfahren wo die Karten akzeptiert werden muss der geplagte Kunde erst im Internet das Land und dann die Stadt suchen um diese Stellen zu finden. Dann geht die Suche los, in einer Millionenstadt in der man sich nicht auskennt, die richtige Bank zu finden, denn es ist hier nicht üblich anzuzeigen welche Karten akzeptiert werden.Der nächste Haken: es muss Geld vom Girokonto auf das Sparkonto überwiesen werden. Nun die Masterfrage: wie denn, wenn kein TAN Generator zur Verfügung steht um sich eine TAN generieren zu lassen? Es gibt da noch eine Möglichkeit und zwar über das Handy. Man kann über Handy eine TAN anfordern, die dann per SMS übermittelt wird. Doch wenn kein Handy mit deutschen Anbieter zur Verfügung steht und es im Ausland keine Möglichkeit gibt eines zu erwerben da hier kein Wohnsitz besteht? Dann ist die Sch… aber wirklich am dampfen. In solch einem Fall können nur noch gute Freunde helfen.

Dieser besagte Kunde ist ab September für einige Monate in Deutschland und der erste Weg führt ihn zur Postbank. Nun kann sich jeder an einer Hand abzählen wie lange dieser Kunde, trotz 50 jähriger Zugehörigkeit zur Postbank, dort noch Kunde bleibt. Es lebe die Provinz -Bauern und Kartoffelbank der Post!

Um den Frust abzubauen werde ich mich in den Ankerkasten begeben diesen entrosten und anschließend darf Annemarie ihrer Streichwut freien Lauf lassen um den Kasten und sich selber mit Farbe zu bekleckern.,

10.06.2011

Wieder im Club

Juni 20011

Es sind fast auf den Tag genau vier Wochen, dass wir hier im Fluss an unserem Ankerplatz liegen. Alles hat so seine Vor und Nachteile. Wir liegen hier zwar sehr ruhig und irgendwie gemütlich, jedoch dass wir bei Ebbe fast immer auf Grund sitzen ist manchmal etwas nervig, da wir dabei des öfteren etwas Schräglage haben. Das stört beim Schlafen da man immer in eine Ecke rollt bzw. aufpassen muss, damit man nicht aus dem Bett fällt. Es ist schon Winter, der Juni entspricht dem Dezember auf der Nordhalbkugel. Es ist nicht so kalt wie letztes Jahr, da gab es um diese Zeit bereits Minustemperaturen zu verzeichnen. Dieses Jahr ist es etwas wärmer. Weniger als 6°C hatten wir noch nicht. Trotzdem ist es im Boot sehr kalt, da wir keinen Ofen haben. Wir behelfen uns damit, dass wir den Backofen, der mit Gas beheizt wird, anzünden und die Backofentüre öffnen. Leider wird dabei viel Gas verbraucht und bisher haben wir noch keine Firma gefunden die in der Lage wäre unsere Flaschen zu füllen, obwohl ich den Adapter, den damals in Rio Grande unser Freund Gonzalo konstruierte, mitgegeben habe. Mal sehen irgendeine Lösung muss gefunden werden.

Heute war ich mal wieder im Internet und habe eine Nachricht vom TO – Stützpunktleiter von Buenos Aires vorgefunden. Wir haben, ebenso wie alle anderen ausländischen Segler die sich gerade hier im Club befinden, eine offizielle Einladung für das am Wochenende stattfindende Fest des Yacht Clubs Barlovento bekommen, obwohl wir uns mit unserem Boot im Moment nicht im Club aufhalten. Das finden wir ganz toll und wir freuen uns auch sehr darüber.

Nun sitzen wir schon wieder mal auf Grund und wir sind der Meinung das reicht jetzt. Wir werden uns etwas verholen mehr zur Flussmitte hin, da ist es tiefer. Ich werfe den Motor an, lasse ihn warm laufen und fahre los. Da wir aber auf Grund sitzen dreht sich das Heck noch mehr in Richtung Ufer und wir sitzen regelrecht in den Büschen. Ich gebe mehr Gas und es schleift, kracht und kratzt, einige Äste brechen und dann sind wir im etwas tieferen Wasser. In der Flussmitte lasse ich den Anker fallen und gebe genügend Kette. Kette fixiert und Vollgas rückwärts und der Anker sitzt fest. Wir haben einlaufendes Wasser und natürlich habe ich mit dem Bug zur Strömung geankert (wie denn auch sonst). Als aber die Tide kippt und das Wasser abläuft versucht das Boot mit der Strömung mit zu gehen und fängt an sich zu drehen. Das geht natürlich nicht, da wir sonst die komplette Fahrrinne absperren. Ich hole unseren zweiten Anker raus verstaue ihn im Dinghy und versenke ihn nicht weit aber weit genug hinter dem Heck unseres Bootes. Einige male an der Ankerleine angezogen und der Plattenanker sitzt fest im weichen Schlick des Flusses. So gesichert lässt es sich aushalten und wir sitzen auch nicht mehr auf Grund. Das Boot bewegt sich mal auf die eine und dann wieder auf die andere Seite, sitzt jedoch nicht auf und lässt genügend Platz für die anderen Boote um an uns vorbei zu fahren.

Es ist Wochenende und heute Abend steigt das große Fest im Yacht Club Barlovento. Ich muss zur Tankstelle und Sprit für den Außenborder besorgen. Bei der Hin wie bei der Rückfahrt werde ich pitschnass. Der Wind weht und die Wellen auf dem Fluss sind doch sehr ruppig. Ausgerechnet heute wo wir doch das Fest haben und ein wenig festlich gekleidet sein werden. Auch dafür finden wir eine Lösung. Die guten Klamotten in wasserdichte Tüten verpackt, unser Ölzeug angezogen und los geht’s. Verdammt ist das kalt und nass. Es ist nämlich schon 21:00 Uhr. In einer halben Stunde soll das Fest beginnen. Nass aber sicher kommen wir im Club an. Schnell ziehen wir uns um und stapfen in Richtung Clubhaus. Es sind schon viele Leute hier, sie stehen in Gruppen herum und unterhalten sich. Ich suche nach bekannten Gesichtern und sehe Monica, die Partnerin von unserem Freund Erwin. Sie hat den größten Teil des Festes organisiert. Erwin kann leider nicht kommen er hat vorübergehende gesundheitliche Probleme. Annemarie wird mit Küsschen und ich mit Handschlag von einem Clubmitglied begrüßt, den wir schon eher kennen gelernt haben. Später frage ich Monica wer das denn war, ich würde ihn zwar kennen, weiß aber nicht wer er ist. Das ist der Präsident des Clubs sagt sie mir und stellt mir auch gleich den Vizepräsidenten vor. Wir kennen uns schon aus mehreren vorhergehenden Gesprächen aber dass er Vize ist wusste ich bisher noch nicht. Warum ich das alles so ausführlich erzähle? Ich will damit und hoffentlich ist es mir gelungen, die wirklich herzliche und ungezwungene Atmosphäre rüberzubringen. Wir fühlen uns hier wirklich „Sauwohl“.

Nach einer kurzen Begrüßung kann das Fest beginnen. Und es beginnt erst mal mit reichlich Pizza und Bier. An dem Tisch an dem wir sind sitzen Einheimische die etwas deutsch sprechen und auch englisch. So unterhalten wir uns angeregt in einem Mischmasch aus deutsch, englisch und spanisch. Wichtig ist aber, dass wir uns wunderbar verstehen und verständigen.

Nach dem Essen geht es sozusagen zum gemütlichen Teil über. Ein Franzose ebenfalls Gast im Club spielt (elektronisches) Klavier. Ganz toll. Alte „Schlager“ aus den 30igern ebenso wie Oldies, und neuere internationale Songs. Monica greift zum Mikro und gibt einige Songs zum Besten. Sie hat eine wunderbare Stimme. Beide bekommen sie großen Beifall, sie haben ihn sich auch wirklich verdient. Unser ehemaliger „Nachbar“ und neuer Bekannter ein Holländer der mit seiner Segelyacht Skua hier ist, spielt mit seiner Harmonika (die mit Knöpfen, nict mit Tasten)ebenfalls bekannte und weniger bekannte Lieder. Danach geht es mit Disco weiter. Der Discjokey legt sogar Rock´n Roll auf. Da gibt es für Annemarie und mich kein halten mehr. Endlich, nach vier Jahren haben wir wieder die Möglichkeit Roch´n Roll zu tanzen. Au weia, was sind wir eingerostet. Ich höre fast die Knochen knacken. Nach der zweiten Runde und einen heißen Twist, die Tanzfläche gehörte uns alleine, geben wir schließlich auf. Beide schnappen wir nach Luft wie Fische auf dem Trockenen. Wir bekommen Applaus, was natürlich unsere Seelen streichelt. Jetzt kennt uns wohl so ziemlich jeder hier im Club. Was wir auch merken, denn wir werden von anderen Seglern und Clubmitgliedern in den folgenden Tagen mehrmals angesprochen. Die größte Überraschung des Abends aber ist: wir ausländischen Segler werden nacheinander mit dem Namen unserer Boote aufgerufen und dann wird uns ein aufwändig mit Golddruck gestalteter Bildband über die 50 jährige Geschichte des Clubs überreicht. Das nenne ich Gastfreundschaft.

So gegen zwei Uhr morgens tauschen wir unsere „Festkleidung“ wieder gegen unser Ölzeug aus und machen uns auf den Heimweg. Wenn es so nass, windig und kalt ist kann man sich gar nicht vorstellen wie lange zehn Minuten sein können. Schließlich aber gelangen wir doch zu unserem Boot und verkriechen uns müde und starr vor Kälte in unsere Betten.

Eine Woche später, wieder haben wir Wochenende, ist hier der Teufel los. Der Club der hier am Flussufer sozusagen sein zweites Domizil hat, hat das neu gekaufte Gelände bebaut und zwar mit einem großen Pool und Sprungturm. Nun kommen die Mitglieder in Scharen mit ihren kleinen und großen Booten um sich das „Bauwerk“ anzusehen. Jedes mal wenn ein Boot bei uns vorbei fährt werden wir, trotz Bug und Heckanker, durch die Wellen ein wenig weiter in Richtung Ufer gedrückt bis wir endlich wieder fest auf Grund sitzen. Annemarie ist stinksauer und will unbedingt wieder in den Yacht Club. Mit äußerst spitzen Bleistift wird rauf und runter und von schräg nach quer gerechnet bis es passt. Wir sagen im Club Bescheid, dass wir wieder kommen werden, welches sie dort mit großer Freude aufnehmen (wenigstens habe ich den Eindruck).

Wir wollen am nächsten Tag los, was aber nicht klappt. Erwin meint wir sollen unbedingt auf ihn warten, denn er will für uns vorher noch was mit dem Club regeln. Als Erwin sich dann schließlich meldet ist das Wasser bereits so weit abgeflossen und wir sitzen wieder mal dermaßen fest, dass wir nicht los kommen. Es ist kein Beinbruch, dann warten wir eben bis zum nächsten Tag.

Am nächsten Tag ist es schließlich so weit. Ich ziehe mir, während der Motor warm läuft, schon mal meinen Arbeitsoverall an. Dann gibt’s „Action“. Erst lasse ich mal zusätzliche 20 Meter Kette raus und fahre zurück bis ich über unserem Heckanker stehe. Mit ganzer Kraft versuche ich ihn anzuheben. Erst nach mehreren Versuchen gelingt es mir ihn aus dem Schlick zu ziehen. Den Anker inklusive mindesten zehn Kilo Schlick ziehe ich nach oben. Den Anker lasse ich im Wasser hängen um ihn nachher durch die Strömung sauber zu bekommen. Das war der erste Streich und der Zweite folgt zugleich. Mit gutem Mut bewaffnet setze ich mich in Richtung Bug in Bewegung um auch den 25kg Bügelanker aus dem Schlamm zu ziehen. Nebenbei sei noch bemerkt, dass meine Ankerwinsch den Geist aufgegeben hat und immer noch nicht repariert ist. Ich sage Annemarie, die jetzt am Ruder steht, sie soll langsam nach vorne fahren damit ich die (ca 40 Meter) Kette an Bord hieven kann. Ich stemme mich gegen die Kette und ziehe und ziehe. Verdammt, wie lange sind eigentlich 40 Meter? Vermutlich sind es 400! Wenigstens brauche ich diesmal den Anker nicht aus dem Schlamm zu ziehen. Annemarie fährt über den Anker und bricht ihn dadurch aus. Aber nun muss ich ziehen. Wie schwer ist das Ding eigentlich? Hundert Kilo? Nach einiger Zeit habe ich es geschafft ihn bis zur Wasseroberfläche zu ziehen. An dem Ding hängen doch tatsächlich mindestens zehn Kilo Schlick, genau so viel wie vorher am Heckanker. Ich lasse den Anker ebenfalls im Wasser hängen um ihn durch die Strömung während der Fahrt zu säubern.Das reicht mir jetzt aber. Ich bin fix und foxi und kippe erst mal zwei Gläser Wasser!! in mich hinein. Dann brauche ich noch weitere zehn Minuten um mich zu erholen. Mit knapp 70 sollte man so was doch lieber Jüngeren überlassen (oder die Ankerwinsch reparieren:-)).

Nun sehe ich mich und das Boot an. Oh je, mehr Dreck an mir an der Kette und an Deck als am Flussgrund. Mit mehreren Eimern Wasser ist das Malheur aber schnell behoben.

Eine halbe Stunde später liegen wir sicher vertäut an den Moorings. Strom und Wasser sind angeschlossen und die Heizung ist auch gesichert, da wir ja nun kein Gas mehr brauchen. Das kleine (elektrische)Heizöfchen steht schon für die kalten Abende bereit.

18.05.2011

16. Mai 2011

Hurra, wir sind nicht mehr Inkognito, wir bzw. unser Boot hat wieder einen Namen!

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(Zum Vergrößern Bild(er) anklicken)

Vom Yacht Club Barlovento aus werde ich heute einen kleinen Ausflug mit dem Dinghi machen. Annemarie hat keine Lust mitzukommen und so fahre ich eben alleine. Der Tank des Außenborders ist voll und es kann losgehen. Aus der Marina raus halte ich mich links und quere erst mal den Rio Liuján. Auf der anderen Seite angekommen fahre ich in den ersten Seitenarm des Flusses. Es ist ein „toter“ Seitenarm des Rio Liuján, welcher sich wiederum im großen Delta des Rio Parana befindet. Jeder Fluss(Rio) und jeder Arroio (Bach) gehört zum riesigen Flussdelta des Rio Parana. Im Seitenarm, den ich gerade befahre, befindet sich unser nächster Ankerplatz den ich in Augenschein nehmen möchte. Sieht wirklich toll aus hier. Richtig einsam und Romantisch. Nachdem ich den kommenden Ankerplatz inspiziert und für gut befunden habe fahre ich weiter.

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OoR im Gegenlicht

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Am Ankerplatz

Ich tuckere gemütlich weiter Flussaufwärts bis zum Canal Vinculación. Nach etwa einen halben Kilometer biege ich nach rechts ab und befinde mich im Arroio Anguilas. Anfangs ist dieser „Bach“ relativ groß und wäre hier noch sicherlich für Flussboote ohne Probleme zu befahren. Das erste was ich dort sehe sind Hütten am Ufer mit jeder Menge Ölfässer davor. Vermutlich befindet sich in denen Kraftstoff für Generatoren und andere Maschinen. Weiter den „Bach“ hinauf und es wird schon etwas enger und das Ufer sumpfiger. Die Bäume allerdings stehen noch weit vom Wasser entfernt. Nach einigen Kilometern ändert sich das Bild und der Wald reicht bis dicht ans Ufer. Nun ist es auch schon richtig einsam. Totale „Zivilisations-Stille“. Man hört und sieht nur Insekten zirpen und schwirren oder den einen oder anderen Vogel schreien, rufen oder singen, je nach Anlage. Obwohl eigentlich im „Sumpf“, habe ich keine Probleme mit Mücken. Aber vielleicht kommen die erst in der Dämmerung aber da bin ich schon lange nicht mehr hier. Es wird immer enger und die Sträucher reichen immer weiter in den Arroio hinein. Es ist so richtig wild-romantisch und ich komme mir vor wie ein Entdecker. Es ist ein richtiges Urwaldfeeling und riecht nach Abenteuer a la Indiana Jones. Aber ehrlich gesagt, was Abenteuer anbelangt hält es sich in sehr engen Grenzen. Trotzdem ist es herrlich schön. Der Fluss macht eine Biegung nach rechts. Links geht ein kleiner enger und namenloser Seitenarm weg. Nachdem ich mich zwischen Büschen und Wasserpflanzen durchgearbeitet habe wird der Lauf wieder etwas breiter. Mein Außenborder läuft im Leerlauf und ich fahre langsam weiter wobei ich die Fahrt so richtig genieße. Ich kann mich an diesem Bild nicht satt sehen. Ich fahre bis es nicht mehr weiter geht, dann drehe ich um. Auf der Rückfahrt komme ich wieder an der schon vorhin gesehenen einsamen Hütte vorbei. Ein Kahn ist am Ufer festgemacht Vom Wasser führt eine Leiter auf die Uferböschung um zum Haus zu gelangen. Die Hütte wird etwas von den davor stehenden herbstlich gefärbten Bäumen verdeckt. Bei diesem Anblick werde ich an Mark Twain und Onkel Toms Hütte erinnert. Genau so muss es gewesen sein. Vor der Hütte lungern Hunde herum, die friedlich aussehen, mich aber genau beobachten. Sicherlich würden sie mich daran hindern „Onkel Toms Hütte“ zu besuchen.

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Rundfahrt

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„Onkel Toms Hütte“

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 Flusslandschaft

Zurück an der Abzweigung folge ich wieder dem Flussverlauf. Langsam aber sicher ändert sich das Bild ein weiteres mal. Der Fluss wird breiter und die Büsche weichen großen Bäumen. Wie eine Allee säumen sie das Ufer. Ich sehe auch wieder die ersten Boote in denen Angler hoffen einen dicken Fisch zu fangen. Nach geraumer Zeit lichtet sich das Ufer der Arroio Anguilas und er mündet in den Rio Antonio. Dicke Motoryachten liegen hier vor Anker. Nun gebe ich Gas und fahre etwas schneller. So interessant sind diese Yachten und der nun große Flußlauf wirklich nicht. Ich umrunde die Südspitze der Insel und biege in den Rio Liuján ein. Fünf Minuten später bin ich am Ausgangspunkt angelangt. Ein absolut herrlicher Ausflug.

Morgen oder Übermorgen wollen wir zu unserem Ankerplatz fahren. Aber als wir am nächsten Tag aus der Koje schlüpfen und uns umsehen, können wir unser Vorhaben abschreiben. Nach dem vorangegangenen Hochwasser ist die Tide nun so niedrig, dass an ein Verlassen des Hafens nicht zu denken ist. Einige Boote haben beträchtliche Schräglage da sie auf Grund stehen. Wir übrigens auch, haben jedoch das Glück, dass wir auf unserem breiten Kiel stehen bleiben.

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Standplatz im Yacht Club

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Abendstimmung

Zwei Tage später ist es dann so weit. Bei Hochwasser verlassen wir den Yacht Club und fahren zu unserem neuen Ankerplatz. Nach nicht einmal zehn Minuten sind wir da und nach weiteren fünfzehn Minuten sitzt der Anker. Sogleich steige ich ins Dinghi und bringe noch zwei Landleinen aus. Wir legen uns sehr nahe ans Ufer damit die Flussmitte frei bleibt und der „Verkehr“ am Wochenende nicht behindert wird. Im Moment sind wir ganz alleine und es ist absolut ruhig.

Die Ruhe, so habe ich mir sagen lassen, ist nur während der Woche.

Es ist Samstag und ich sage zu Annemarie dass wir eigentlich was unternehmen könnten. Also fahren wir mit dem Zug die ca. 20 km nach Tigre. Pro Person zahlen wir dafür 80 Centavos also zusammen 160 Centavos. Das sind umgerechnet gerade mal 28 Cent. Das können wir uns, falls wir das Abendessen auslassen, gerade noch leisten :-).

In Tigre angekommen verlassen wir den Bahnhof und die ersten Eindrücke auf uns wirken. Auf den ersten Blick sieht man, das hier ist absolutes Touri Gebiet. Der Ort macht einen sauberen und gepflegten Eindruck. So schlendern wir durch die Stadt und schauen uns Schaufenster an. Bei Schuh und Textilgeschäften bleiben wir stehen und betrachten erstaunt die Preise. Was hier in Pesos (Kurs 1,00 € = 5,7 Pesos) verlangt wird würde man in Deutschland in Euro bezahlen. Ein gut gearbeitetes Kostüm in sehr guter Stoffqualität z.B. für 420 Pesos das sind nicht mal 75,00€.

Anzüge aus feinstem Zwirn für 600 Pesos (etwas über 100 €) usw. usw. Ein echtes Dorado zum Einkaufen.

Vielfältige Angebote für Touristen vor allem auf dem Wasser. Überall stehen Touristenboote bereit die einen durch die Flüsse und Kanäle schippern. Aber dort wo ich mit meinem Dinghi hinfahre kommen die nicht hin :-).

Es ist ein Kommen und Gehen vor allem auf dem „Bootsbahnhof“. Hier herrscht ein Gedränge wie in einem Bienenhaus. Bin ich froh, dass ich nicht mit unserem Boot da mitmischen muss. Da bricht mir allein bei diesem Gedanken schon der Angstschweiß aus. Trotz allem wird sehr große Rücksicht auf die Ruderer und Paddler genommen die sich zwischen der Berufsschifffahrt aufhalten. Die großen Boote warten bis die kleinen vorbei sind und erst dann fahren sie weiter. Die kleinen sind eben gleichberechtigte „Verkehrsteilnehmer“

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großes Gedränge

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dazwischen die Kleinen

Einige Stunden später besteigen wir wieder unser Bähnlein und fahren zurück nach Barlovento. Von dort aus mit dem Dinghi zu unserem Boot. Es war ein schöner Tag.

Wir haben Sonntag, schönes Wetter und es ist die Hölle los. Alles kommt mit Boot samt Kind und Kegel, sei es ein kleines Gummiboot, eine große Motor oder auch Segelyacht, hierher und sucht sich einen Ankerplatz. Die meisten fahren ganz ans Ufer mit dem Bug in die Büsche und binden dort ihr Boot an einen Ast an. Anschließend wird gegrillt oder man sitzt nur so in der Sonne. Um mit deutschem Wortschatz zu reden kann man sagen am Sonntag sitzen sie alle in ihren Schrebergärten.

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Kolonne im Anmarsch

Das Angenehme dabei (jedenfalls für uns) ist die Ruhe trotz der vielen Boote. Wenn ich da an Brasilien denke dann stellen sich mir die Haare auf. Denn dort ist es nicht wichtig, dass ein Boot gut und gemütlich eingerichtetes ist, sondern dass sich in diesem eine fette Stereoanlage mit mindestens 1000 Watt befindet, die dann aufgedreht wird bis die Nieten aus den Löchern fliegen.

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Ankerplatz während der Woche…

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…und am Wochenende

Wir sitzen auf unserem Boot wie auf einem Balkon sehen uns die Prozession an und grüßen freundlich den Vorbeifahrenden zu. Unsere Fahne am Heck ist nicht zu übersehen und so fallen wir natürlich auf. Manchmal fliegen dann einige Brocken spanisch aber auch deutsch hin und her. Abends gegen 16:30 Uhr sind die meisten weg und wir sind wieder alleine.

Die Ruhe und Einsamkeit kehrt wieder ein. Bis nächste Woche bis die „Schrebergärtner“ wieder kommen.

In eigener Sache

Es wird Zeit, dass ich mich bei all denen wieder mal bedanke, die meine Webseite besuchen und fleißig dabei bei Sailinx (siehe Blogroll rechte Seite)klicken. Nicht nur, dass Ihr mich bei der „Logbuchseite“ an die erste Stelle geklickt habt, nein Ihr habt mich an die Spitze der „Sailinx-Gesamtführung“ geschossen. Soll heißen, die Seite der Out of Rosenheim hat die höchste Punktzahl aller in Sailinx vertretenen Seiten. Das ist für mich eine riesige Freude, gleichzeitig aber auchVerpflichtung und ich werde mich bemühen das Niveau der Seite weiterhin zu steigern. Ich freue mich über jeden Kommentar auf meiner Seite und jede E-Mail die ich bekomme.Konstruktive Kritik nehme ich ebenfalls gerne an.

Also nochmal vielen Dank an jeden Einzelnen.

Zum Schluss noch etwas: Wer mehr Bilder sehen möchte der braucht nur auf der rechten Seite im Blogroll auf „Webalben der Out of Rosenheim“ zu klicken. Ich habe zwei neue Alben hochgeladen mit den Titeln „Herbstbilder und Rundfahrt“ und „Impressionen vom Ankerplatz“. Viel Spaß mit den Bildern wünscht allen die Crew der Out of Rosenheim, Kapitän Werner und Admiral Annemarie. :-)

Die „Dienstgrade“ haben wir übernommen aus einem sehr netten Bericht der Segelyacht WASA

20.04.2011

19. April 2011

Es ist sieben Uhr morgens und Annemarie werkelt bereits in der Pantry um das Frühstück zu zubereiten. Das Wasser steht hoch aber nicht so hoch wie es laut Tidenbericht stehen sollte. In 1½ Std haben wir Höchststand mit 1,20 Meter über Kartennull (über den angegebenen Tiefen auf der Karte). Aber wie gesagt, es wird wohl diese Marke nicht ganz erreichen, das sieht man jetzt schon am Wasserstand. Um 8:00 Uhr fahren wir los. Die Sonne scheint, es geht kein Wind und es ist schon 20°C warm. Eigentlich so richtig gemütliches und angenehmes Wetter. Langsam fahren wir unter Motor aus der Marina. Wir werden die ganze Strecke motoren, das steht schon fest. Selbst wenn wir günstigen Wind hätten würden wir uns, ehrlich gesagt, bei dieser kniffligen Tour nicht trauen zu segeln. Wir möchten nämlich nicht, dass wir, nur weil wir die Spur nicht genau halten können plötzlich im Schlick stecken bleiben. Muss ja nicht sein. Annemarie steht am Ruder und hat den Computer vor ihrer Nase und stiert angestrengt auf den Bildschirm, damit sie ja nicht vom Kurs abkommt. Verstohlen beobachte ich das Echolot. Nicht so schlimm, jedenfalls noch nicht. Es sind immer so an die 50 cm Wasser unter dem Kiel. Also ist das Hochwasser nicht gerade üppig. Wir sind beide angespannt. Nach ca einer Stunde wird das Wasser flacher. Die Anzeige geht zurück auf 20cm, dann 10cm und plötzlich steht null auf dem Echolot. Bei beiden sind die Nerven zum zerreissen gespannt, sie liegen blank. Gesprochen wird nur was unbedingt sein muss. Die Spannung steigt ins Uferlose und jeden Augenblick warten wir auf den Ruck und den Stillstand unseres Bootes. Erwin unser Freund meinte gestern noch ganz gelassen: “Es kann überhaupt nichts passieren. Es ist alles weicher Grund, keine Steine. Wenn ihr im Schlamm stecken bleibt, schmeißt den Anker und wartet bis das Wasser höher steigt“. Na Danke, das wäre dann erst wieder wenn es bereits dunkel ist und da fahre ich in diesem Gewässer keinen Meter. Angespannt schleichen wir nun mit 2,8 Knoten dahin und hoffen, dass alles gut geht. Immer und immer wieder werfe ich einen Blick durchs Fernglas und versuche den Weg und die Einfahrt in den Nebenfluss des Rio de La Plata zu finden. Ehrlich gesagt, ich sehe rein gar nichts, nur dass wir stur auf das Land zu halten. Aber das haben wir inzwischen schon gelernt. Es ist nicht immer alles so wie es aussieht. Wenn es so aussieht als würden wir geradewegs auf das Land zufahren und man keine Einfahrt sieht, dann heisst das noch lange nicht, dass es auch so ist. Da muss man dann eben der Karte vertrauen, was wir auch tun. Vor uns taucht eine lange Reihe grüner hoher Stangen auf, die nicht auf der Karte verzeichnet sind. Diese zeigen also eine Fahrrinne an. Nur die roten Stangen kann ich nicht entdecken. Aber dafür sehe ich zwei rote Untiefen Tonnen. Wir sind auf dem richtigen Weg. Nun sind wir nahe genug und wir sehen die Einfahrt in den Fluss. Die Wassertiefe hat auch wieder einen beruhigenden Wert eingenommen. Erst 1,20 Meter unter dem Kiel und das steigert sich bis auf sieben Meter, je weiter wir in den Fluss kommen. Nun müssen wir noch die richtige Marina finden. Hier ist eine an der anderen. Ich habe auf einer Meile zehn!! verschiedene Marinas gezählt. Aber wirklich keine in der weniger als hundert Schiffe liegen. Es kommt wie es kommen muss und wir finden „unsere“ Marina. Wir wären fast vorbei gefahren. Annemarie legt den Rückwärtsgang ein und gibt Gas. Schon stehen wir direkt vor der Einfahrt. Über Funk kann ich nicht rufen, da sie in diesem Yacht Club mit UKW Kanal 66 arbeiten. Alle anderen Kanäle funktionieren einwandfrei, nur Kanal 66 nicht. Unsere Geräte, die wir in Europa verwenden stimmen in der Empfangsfrequenz nicht mit der Sendefrequenz der hier verwendeten Geräte überein. Soll im Klartext heißen: Die können mich verstehen, ich aber sie nicht. Wir stehen also vor der Einfahrt und ich sehe einen Marinero mit dem Boot vorbeifahren. Mit einem gellenden Pfiff mache ich auf uns Aufmerksam. Der Marinero macht durch Gesten klar, dass wir ihm folgen sollen. Ich übernehme von Annemarie das Ruder, denn ich sehe, dass ihr die letzten zwei Stunden doch sehr hart zugesetzt haben und fahre das Boot in die zugewiesene Box. Wir sind da! Keine Sturmfahrt, die wir bis jetzt hinter uns brachten, hat je so an den Nerven gezehrt wie diese paar Meilen. Es ist, für uns jedenfalls, nichts so schlimm wie eine Fahrt bei der man jeden Moment darauf wartet sich festzufahren. Das Boot kann zwar in diesem Fall nicht kaputt gehen, wie bei Felsgrund. Trotzdem ich danke wenn ich im Schlamm stecke und das Wasser fällt nochmal um ca einen Meter oder mehr und ich hänge da weiß Gott wie lange mit Schräglage in der Gegend herum.Muss ich nicht wirklich haben. Aber es geht alles gut und wir liegen nun beruhigt und zufrieden in der Marina. Mal sehen was die nächsten Tage uns bringen werden. Ein Problem habe ich allerdings jetzt schon. Wir bekommen hier keine Verbindung zum Internet. Aber damit müssen wir leben.

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Yacht Club Barlovento

Lange werden wir hier nicht bleiben, obwohl uns der Yacht Club sehr gut gefällt. Er hat eine sehr ruhige Lage, es sieht fast so aus als wäre er mitten im Wald angelegt. Die Leute sind alle sehr freundlich und zuvorkommend. Wir sind hier, weil in diesem Club unser Freund Erwin sein Boot liegen hat. Von den Liegeplätzen der Boote kommt man nicht an Land. Dafür gibt es ein (kostenloses) Wassertaxi das einem zu jeder Tages und Nachtzeit vom Boot abholt und wieder zurückbringt. Obwohl es hier wirklich schön ist, werden wir nächste Woche in den Nebenarm des Flusses verlegen und dort ankern (siehe Bild Yacht Club Barlovento).

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Der erholsame Teil

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 Der nervige Teil

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Clubhaus Barlovento

20.04.2011

18. April 2011

Die Woche im Centro Naval in Nunez ist vorüber und morgen werden wir, wie die Nomaden weiter ziehen nach Barlovento. Der Weg dorthin ist nicht weit, ca. acht Meilen aber er hat es in sich. Unser Boot hat einen Tiefgang von 1,90 Metern und die angezeigten Tiefen auf der Karte liegen zum Teil bei nur 1,10 Meter. Das ist verdammt wenig und es ist klar, dass, wenn überhaupt, das nur bei Hochwasser zu machen ist. Hochwasser allein genügt nicht, denn Wind und Wetter müssen ebenfalls stimmen. Die Eigenart von Flüssen und Lagunen, wir kennen das von Rio Grande her, haben ihre eigenen Gesetze. Wenn z.B. der Wind mit der Strömung steht, dann kann es passieren, dass trotz Hochwasser das Wasser niedriger steht als bei Niedrigwasser wenn der Wind gegen den Strom steht und so verhindert wird, dass das Wasser in den Atlantik abfließen kann.. Also heißt es Wetter und Tide genau zu beobachten. Heute am Abend des 18.04. steht das Wasser sehr hoch und es ist kein Wind, also gute Aussichten für morgen.

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Unser Liegeplatz in Nunez

15.04.2011

14. April 2011

Die Tage im Yacht Club Argentino in Buenos Aires sind leider vorbei. Wir haben die Tage genossen, trotz der Rennerei die wir wegen der „Lebensbescheinigung“ für die spanische Rentenversicherung hatten. Ein weiteres Verweilen in diesem Club erlaubt unser Budget leider nicht (89,00 US$/Tg.). So fahren wir von Buenos Aires ab in Richtung Norden. Wir wollen zu dem ca acht Meilen entfernten Yacht Club Centro Naval in Nunez. Wir fahren alles mit Motor, denn es geht kein Wind. Man muss höllisch auf Untiefen aufpassen. Die Karten sind nicht immer genau, wie das nebenstehende Bild von der Einfahrt in die Marina zeigt

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Das Sicherste und Beste ist immer noch die „Augapfelnavigation“. Dass es nicht immer gut geht zeigen die zahlreichen Wracks die an der Küste und auch im Rio de La Plata selbst liegen. Das wohl berühmteste Wrack ist das der Graf Spee.

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Panzerkreuzer Graf Spee (Archivbild)

Wir kamen auch, allerdings Nachts, an dieser Stelle vorbei (siehe Markierung  Bild unten-auf Bild klicken) an dem den Panzerkreuzer Graf Spee am 17.12.1939 sein Schicksal ereilte.

Es war das zur damaligen Zeit beste Kriegsschiff der Welt. Am 21. August 1939 verließ es unter dem Kommando von Kapitän zur See Hans Langsdorff, ein hervorragender Soldat mit noch echtem Ehrenkodex und absolut kein Nationalsozialist, Wilhelmshaven. Er zerstörte auf seinem Weg 9 Handelsschiffe und war dabei immer bemüht so viele Menschen der versenkten Schiffe zu retten, wie nur möglich. Er war eine große Gefahr für die Nachschubwege der Engländer und diese konnten sich dies nicht bieten lassen. So beorderten sie einen Verband, bestehend aus dem schweren Kreuzer Exeter und den leichten Kreuzern Ajax und Achilles in den Südatlantik, um die Graf Spee zu suchen, aufzuspüren und sie zu vernichten. Am 13.12 1939 fanden die Engländer die Graf Spee. Weisungswidrig stellte diese sich zum Kampf, wobei sie den schweren Kreuzer Ajax kampfunfähig schoss und die beiden anderen durch Treffer beschädigte. Auf Grund eigener Treffer (36 Tote und 59 Verletzte) lief die Graf Spee zwecks Reparatur in Montevideo, im neutralen Uruguay ein. Dem Verhandlungsgeschick der Engländer ist es zu verdanken, dass die Graf Spee nach 72 Stunden den Hafen verlassen musste.

Mit politischer Neutralität hatte diese Abmachung zwischen England und Uruguay allerdings nichts zu tun.

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Die länger benötigte Reparaturzeit wurde der Graf Spee von der damaligen uruguayischen Regierung verweigert. Verstärkung für die englische Flotte war bereits unterwegs in Form des Schlachtschiffes Cumberland, das die kampfunfähig geschossene Exeter ersetzen sollte. Die in die Flucht geschlagenen Schlachtschiffe Achilles und Ajax hatten ihre Schäden beheben können. Damit aber das deutsche Schiff den Hafen nicht sofort verlassen konnte, denn die Verstärkung war noch nicht eingetroffen, griffen die Engländer zu einer List. Nach internationalem Seerecht durfte ein Kriegsschiff erst 24 Stunden nach dem Auslaufen des gegnerischen Schiffes das im selben Hafen lag, diesen verlassen. Um aber ein sofortiges Auslaufen der Graf Spee zu verhindern, schickten die Engländer täglich eines ihrer Schiffe aus dem Hafen und zwar so lange bis die Cumberland beim englischen Verband eingetroffen war.

Was den Deutschen damals gestattet wurde, war, dass sie in voller Uniform und mit allen militärischen Ehren ihre im Kampf gefallenen Kameraden beerdigen durften. Bei diesem Zeremoniell entbot Kapitän z.S. Hans Langsdorff seinen toten Soldaten den militärischen Gruß, während alle anderen, einschließlich des Priesters, die Hand zum Hitlergruß hoben.

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Kapitän zur See Hans Langsdorff (Archivbild)

Derweilen griffen die Engländer zu einer weiteren List. Sie täuschten durch fingierte Funksprüche eine erheblich stärkere Übermacht vor, die den Ausgang der La Plata Mündung blockierte um so die Graf Spee daran zu hindern den offenen Atlantik zu erreichen.

Am 17. Dezember 1939 musste der Panzerkreuzer der deutschen Reichsmarine den Hafen von Montevideo verlassen. Um ein sinnloses Gemetzel und auch die Gefangenschaft durch die Engländer zu verhindern, ließ der Kapitän knapp außerhalb der drei Meilen Zone ankern. Es war nur noch eine Notbesatzung auf dem Schiff. Der Rest der ca. 1000 Mann Besatzung ging bereits in Montevideo von Bord. Es wurden, nach Rücksprache mit der Reichsregierung, mehrere Sprengladungen am Schiff angebracht. Dann verließen auch die letzten Männer das Schiff. Kurz danach explodierten die Sprengladungen und versenkten das Flaggschiff der deutschen Kriegsmarine. Dadurch wurde verhindert, dass es in die Hände des Gegners gelangte.

Das war das Ende der unbesiegten stolzen Graf Spee in der „Seeschlacht“ vor Montevideo.

Die Mannschaft kam danach in Buenos Aires in Gefangenschaft.

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Das bittere Ende der Graf Spee (Archivbild)

Der Kapitän erschoss sich drei Tage später in Buenos Aires im Marine Arsenal durch Kopfschuss, in voller Uniform und auf der deutschen Reichskriegsflagge liegend. Er wurde dort unter großer Teilnahme der Bevölkerung beigesetzt. Die gesamte Besatzung der Graf Spee war bis zum letzten Mann bei der Beerdigung anwesend.

Am 25. Februar 2004 wurde begonnen die auf zehn Meter Tiefe liegende Graf Spee zu bergen.

Das allerdings ist eine andere (traurige) Geschichte. Gott sei Dank hat alles nicht so geklappt wie man es sich vorstellte. Es konnten nur einige Teile geborgen werden.

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Aber statt dessen, dass die deutsche Regierung sich bemüht hätte ein deutsches Schiff mit so großer, wenn auch kurzer Vergangenheit, als Denk und Mahnmal oder als Musemsschiff nach Deutschland zu bringen, hat es nicht einmal dagegen protestiert, dass (immer noch) deutsches Eigentum von Wrackplünderern und Geschäftemachern ehrenlos ausgeschlachtet wird.

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Die Graf Spee auf dem Grund des La Plata

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Die Farbbilder wurden aus der u.a. deutschen Webseite für Uruguay entnommen welche meinen Bericht ebenfalls veröffentlichte

http://www.uruguaynatural.net/archiv/36-uruguay/411-die-graf-spee-in-montevideo.html

Farb-Bilder: Quelle http://maquetas.mforos.com/480463/7468468-el-pecio-del-graf-spee/

Zum Schluss noch eine nette Begebenheit. Wir fahren gerade langsam in die Marina ein, als vor lauter Freude darüber dass wir es sind, ein Fisch einen Luftsprung macht und genau auf Deck landet. Wir sind beide so mit Manöver beschäftigt um in dem flachen Hafen bloß nirgends aufzufahren, dass wir den Fisch gar nicht bemerken. Annemarie erzählt mir später, dass sie, als sie den zappelnden Fisch an Deck hört, sich denkt was das denn für ein Geräusch sei. Nach Beendigung des Anlegemanövers sagt Annemarie zu mir, „du, da ist ein Fisch an Deck gesprungen“. Das hätte er nicht tun sollen, denke ich mir und ziehe ihm gleich mit einer Eisenstange eins über. Das Abendessen ist gerettet. (siehe vorherigen Bericht)

13.04.2011

13. April 2011

Die Out of Rosenheim ist nun von der Luxusmarina umgezogen und hat sich im Yacht Club Centro Naval in Nunez eingefunden:

34 32.192S, 058 27.162W

Zur Begrüßung ist ein 1300 Gramm schwerer Fisch auf dem Deck gelandet. Hätte er nicht tun sollen, der nächste Weg war der in die Pfanne

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8.04.2011

08. April 2011

Für Piriapolis ist schweres Wetter angesagt und alle Boote die vor dem Hafen ankern werden von der Prefctura angewiesen in den Hafen zu fahren. Bei Sturm darf kein Boot außerhalb liegen. Alle Boote befolgen die Anweisung bis auf ein Schweizer Boot dessen Skipper nicht ausfindig zu machen ist. Es dauert auch nicht lange und der Sturm bricht los. Hier im Delta des La Plata ist es sehr flach und schnell gehen die Wellen hoch. Es kommt wie es kommen muss und das Schweizer Boot geht auf Slip in Richtung Hafenmole bzw. Wellenbrecher. Wir ( ich und einige andere Leute)versuchen das Boot von den Steinen wegzudrücken. Die Prefectura ist mit einem Schlauchboot da und zieht es von den Steinen weg. Das Manöver gelingt und das Boot wird in den Hafen gezogen. Zwischenzeitlich ist auch der Skipper des Bootes eingetroffen. Er hat nochmal Glück gehabt. Außer ein paar tiefen Schrammen im Gelcoat über der Wasserlinie ist nichts passiert. Vor einigen Wochen war ebenfalls ein Sturm und da hat es ein Boot an den Strand auf die Steine geworfen. Dieses Boot kam dabei nicht so gut davon. Es hat auf der Steuerbordseite ein großes Loch mit ca 1 Meter Durchmesser und ist voll Wasser gelaufen. Nun hat man es geborgen und es liegt im Hafen an Land mit dem Loch nach unten damit es restlos auslaufen kann.

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Blick auf Piriapolis

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Gleich gehts los

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Ruhe vor dem Sturm

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Wir sind jetzt fast vier Wochen in Piriapolis, schreiben März 2011 und es wird wirklich Zeit dass wir uns von hier verabschieden und weiter segeln. Es ist zwar sehr schön hier, leider haben uns die Preise die Freude an einem weiteren Aufenthalt vergällt. Wir haben das Pech um drei Wochen zu früh dran zu sein, denn bis 15.März kostet ein Aufenthalt in der Marina um 300% mehr als in der Nachsaison. Seit wir in Uruguay sind habe ich mir geschworen nie mehr im Leben über die deutsche Bürokratie zu schimpfen. Was Bürokratie wirklich bedeutet kann man hier erleben. Ein Beispiel: Freunde von uns haben ihr Boot an Land heben lassen, so weit so gut, nur mussten sie erst zur Prefectura (ähnlich der Küstenwache) und mussten sich, natürlich gegen Bezahlung einer Gebühr, eine Genehmigung holen den Kran benützen zu dürfen (Krankosten gehen extra). Dann brauchen sie eine Genehmigung (gegen Gebühr) um ihr Schiff streichen zu dürfen. Dabei müssen u.a. die Zinkanoden am Rumpf abgeschnitten und neu angeschweißt werden, was ebenfalls nur gegen Zahlung einer Gebühr für die dafür benötigte Genehmigung möglich ist. Ich führe bei mir einen Ölwechsel durch was ebenfalls nur gegen eine Gebühr möglich ist, was ich jedoch erst später von anderen erfahre. Es hat keiner gesehen, ich habe es nicht gewusst und bin so (glücklicherweise) durch die Maschen der Bürokratie geschlüpft. Allerdings muss ja bei mir die Membran der Kraftstoffpumpe gewechselt werden, welches ebenfalls gegen Gebühr erlaubt wird. Leider wird aus dem Membranwechsel ein Pumpenwechsel. Dieser muss gegen Gebühr von einem Inspektor abgezeichnet werden, worauf sie in meinem Fall aber verzichten.

Nachdem ich beim Amt für Hydrografie die Marinagebühr, die Duschenbenutzung, den Wasserverbrauch so wie die Stromkosten bezahlt habe bekomme ich die Erlaubnis den Hafen in Richtung Colonia verlassen zu dürfen, mit der Auflage mich über Funk nochmal bei der Hafenbehörde abzumelden. Unterwegs müsste ich mich beim vorbeisegeln in Buceo melden, was ich mir aber schenke. In Montevideo allerdings hole ich mir über Funk die Erlaubnis die Bojenstrasse der Großschifffahrt queren zu dürfen. Die ca. 135 Meilen legen wir ohne irgendwelche Probleme zurück. Meinen 68. Geburtstag am 2. April „feiere“ oder besser gesagt verbringe ich diesmal auf dem Wasser und am Ruder stehend. Am 3. April gibt es für uns eine Premiere. Zum ersten mal fahren wir nachts in einen uns unbekannten Hafen ein. Wie schon bei der Abfahrt in Piriapolis müssen wir uns hier über Funk bei der Port Control auf Kanal 16 anmelden. Alles geht glatt und kurz danach fällt der Anker und wir in die Kojen.

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auf dem Weg nach Argentinien

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Lotse und Rudergänger

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Priapolis - Buenos Aires

Die Segelyacht Lorbas mit Thomas und Claudia ist ebenfalls hier und wir freuen uns sehr sie wieder zu sehen. Leider ist unsere Zeit diesmal sehr knapp bemessen und es reicht nur für ein Abendessen zu welchen wir zu ihnen aufs Boot eingeladen sind. Da sie sich aber länger hier aufhalten wollen hoffen wir, dass wir uns doch nochmal sehen werden.

Am nächsten Tag gehen wir zum einklarieren, brauchen dabei aber nur zur Prefectura und ins Marinabüro was schnell erledigt ist. Im Laufe des Tages kommt unser Freund Erwin mit der Fähre aus Buenos Aires und wir treffen ihn im Hafen. Er hat sich einige Dinge für sein Boot aus den USA schicken lassen was wir auf unsere Lady verfrachten. Ich erledige heute noch einen Teil der Ausklarierung. Es ist schon ziemlich spät aber die Emigration hat 24 Std. geöffnet, die kann ich noch erledigen. Am nächsten Tag früh gehe ich zum Zoll und anschließend zur Hidrografia und zur Prefectura. Dann sind wir fertig und laufen aus. Erwin macht unseren Lotsen und ist bei uns an Bord. Wir haben (wenig) Wind von vorne und motoren gegenan. Einige Zeit später dreht der Wind etwas und wird stärker. Also ziehen wir die Segel hoch und fahren mit Motorunterstützung weiter. Nach einigen Stunden Fahrt fängt plötzlich der Motor an zu stottern. Sofort schalte ich ihn ab, steige in den Motorraum und sehe nach. Filter sauber, kein Wasser und kein Dreck, dafür aber jede menge Luft. Wir haben für diese Schräglage zu wenig Sprit im Tank. Ich spiele mal wieder Maschinist und plantsche mit Diesel rum. Nach einiger Zeit ist der Motor wieder entlüftet und er läuft wieder. Nun segeln wir ohne Motorunterstützung weiter. Zwar auch nicht langsamer aber dafür nicht mehr so hoch am Wind. Dadurch kommen wir ziemlich weit nach Süden, was wir aber später durch Motorfahrt wieder wett machen wollen. Der Vorteil hier im Rio de La Plata ist, dadurch dass er so flach ist muss die Großschifffahrt in vorgeschriebenen Bojenstraßen fahren und sind daher gut berechenbar. Als wir jedoch eine dieser Wege queren wollen kommen wir so einem Dampfer ziemlich nahe, jedoch ohne irgendwelche Gefahr. Erwin, der am Ruder steht, dreht einen Kreis und wir können unbesorgt weiter fahren. Buenos Aires ist schon lange in Sicht, aber es ist noch weit bis zu unserem Ziel. Es wird schon dunkel und wir sind wegen des Windes 12 Meilen zu weit südlich. Nun nehmen wir die Segel runter und fahren mit Motor weiter. Es dauert nicht lange und wir haben stockfinstere Nacht. Wenn ich jetzt so an die Zeit denke als es noch keine elektronischen Karten gab und wir wären in die Lage versetzt den Hafen finden zu müssen, da packt mich das kalte Grausen. Selbst mit elektronischer Hilfe ist es nicht ganz so einfach. Man muss der Karte vertrauen, scharf Ausguck halten damit man keine unbeleuchtete Boje über den Haufen rennt und dass man kein querendes Schiff übersieht was leicht passieren kann, da man bei dem hell und farbig leuchtenden Hintergrund den die Stadt abgibt, die kleinen Positionslichter eines Sandfrachters der längs der Küste fährt, leicht übersehen kann.Dadurch dass Erwin sich hier bestens auskennt und er am Ruder steht ist alles eine Erholung für unsere Nerven. Nachts gegen 22:00 Uhr sind wir endlich in der Hafeneinfahrt und wir rufen die Marina. Die Barriere wird aufgemacht und wir können in die Marina einfahren. Ein Platz wird uns zugewiesen und wir machen fest. Annemarie richtet ein Abendessen für uns drei und wir lassen es uns schmecken. Danach gehen wir noch ins Marinabüro und melden uns an. Nachdem alles erledigt ist verabschiedet sich Erwin von uns und fährt nach Hause. Wir fallen todmüde in die Kojen und sind auch sofort eingeschlafen.

Der nächste Tag, es ist der 6. April, geht es zum einklarieren. Die Formalitäten sind easy, das ist kein Problem. Problem sind nur die Wege die dabei zurückgelegt werden müssen. Wir müssen uns die Ämter Emigration, Zoll und Prefectura in der Stadt zusammensuchen. Die Ironie bei der Geschichte ist, dass wir erst zur Einwanderungsbehörde (Emigration) und dann zum Zoll müssen, der ca. 5 km davon entfernt ist und dann geht es wieder zurück zur Prefectura die „nur“ 2 km von der Emigration weg ist. Es macht wirklich keinen Spaß in einer 20 Millionenstadt in der man sich kein bisschen auskennt mit dem Bus und zu Fuß kreuz und quer durch die Gegend zu latschen und nach Ämtern zu suchen. Plötzlich verschwindet Annemarie im Hotel Sheraton. Hat sie die Schnauze voll und will dort einbuchen? Nach einiger Zeit kommt sie zurück und wedelt mit einem Stadtplan, was nun die Suche erheblich erleichtert. Dabei haben wir ein schönes Erlebnis.Wir lernen eine ganze Blase von MH - Fahrern kennen (Motorhome - Fahrer). Sie kommen aus der Schweiz und Deutschland. Sogar Münchner sind dabei. Wie klein ist doch die Welt. Der Schweizer MH – Fahrer ist ein Bekannter von Rene und Viola, von der Segelyacht Svenya, welche wir in Piriapolis kennen gelernt haben. Gegenseitig fragen wir uns Löcher in den Bauch nach den Erlebnissen. Diese sind manchmal auf beiden Seiten nicht ganz harmlos. Abenteuer gibt es überall.

Völlig geschafft, ausgehungert und mit Blasen an den Füßen kehren wir endlich nach sechs Stunden zu unserem Boot zurück.

Der Club in dem wir liegen ist der teuerste und exklusivste in Buenos Aires und gehört u.a. dem Rotary Club an. Nicht dass jetzt jemand denkt bei uns sei der Wohlstand ausgebrochen. Ganz bestimmt nicht. Aber es ist von Colonia kommend der beste Platz zum einklarieren. Ausländische Gastyachten dürfen hier sechs Tage kostenlos bleiben. Danach allerdings müssten wir für unser Boot täglich umgerechnet 60,00 € bezahlen, was dann pro Monat so schlappe 1800 € sind. Da wir vor haben länger in Argentinien zu bleiben ist es sicher nicht die richtige Kragenweite für uns.

Wir gehen am Fahnenmast des Clubs vorbei und ich traue meinen Augen kaum. Wir sind hier im Moment die einzigen ausländischen Gäste. Haben sie doch uns zu Ehren neben der argentinischen ebenfalls die deutsche Fahne gehisst. Und ich habe mir bis jetzt noch nicht mal eine Gastlandflagge besorgen können. So eine Schande. Es ist mir wirklich peinlich. Ich frage im Club danach, leider können sie mir nicht helfen. Also gehen wir in die Stadt, was dann aber ebenfalls nicht von Erfolg gekrönt wird. Die sonst üblichen Schiffszubehörläden in der Nähe von Clubs oder Marinas fehlen hier ganz. Aber irgendwie werden wir es schon noch zu einer argentinischen Flagge bringen. Ich hoffe nur bevor wir hier wieder abziehen.

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Flaggensprache-deutsche Gäste im Club

Was nun Buenos Aires betrifft, der erste Eindruck ist überwältigend. Schon richtig, eine Skyline wie jede andere Großstadt ob New York, Salvador oder sonst wo. Aber bei genauerem hinsehen hat diese Stadt (jedenfalls was wir bisher gesehen haben) einen ganz eigenartigen Charm. Das Hafenviertel in dem wir hier sind ist ganz neu gestaltet worden. Viele alte Lagerhäuser wurden zu Wohnungen und Geschäften umgebaut. Alte baufällige Gebäude wurden abgerissen und an ihrer Stelle entstanden dann die Hochhäuser. Wer sich hier eine Wohnung leisten kann, der hat wirklich Geld. Dazu gehört auch der Yacht Club. Das Gelände ist riesig und die Einrichtungen sind vom Feinsten. Allein schon das Clubhaus mit seinem eigenwilligen Stil sticht aus den umgebenden Gebäuden heraus. Restaurant, Fitnessräume und clubeigene Werkstatt ob für Mechanik oder Holzarbeiten gehören zum Standard des Vereins.

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Im Club

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Clubhaus

Morgen werde ich wohl mal wieder die Stadt unsicher machen und das spanische Konsulat aufsuchen, denn die spanische Rentenversicherung verlangt mal wieder, wie jedes Jahr, eine „Lebensbescheinigung“. Da kann man nur sagen: von der Wiege bis zur Bahre Formulare, Formulare.

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 OoR vor der Skyline Buenos Aires

6.04.2011

05. April 2011

am Dienstag, 05.04.2011 ist die Out of Rosenheim um 22:00 Uhr in Argentinien in Buenos Aires eingetroffen. Am Mittwoch wird die Crew erst einmal einklarieren und sich um einen neuen Liegeplatz kümmern.  In der Marina in der sie z.Zt. liegen ist die teuerste aber dafür auch die exclusivste in Buenos Aires. Die Out of Rosenheim darf hier eine Woche kostenlos liegen, aber dann müssen sie etwas adäqautes für den Geldbeutel gefunden haben. Bericht folgt sobald der Skipper dafür Zeit und Muße findet.

1.04.2011

01. April 2011

Nein, kein Aprilscherz. Es geht weiter mit der Reise.

Heute will die Besatzung der Out of Rosenheim von Piriapolis aus nach Colonia starten. Es sind zwar nur ca. 135 sm, aber da derzeit wenig Wind herrscht, wird die Reise voraussichtlich bis zum 03. April dauern.

Das heisst dann wohl, den Geburtsstag vom Skipper auf offener See feiern (02. April).

Guido

15.03.2011

15. März 2011

Der Februar ist bald vorbei und immer noch sind wir in Rio Grande im Yacht Club. Die Arbeiten sind fast fertig. Die Ersatzteile aus Deutschland sind eingetroffen und ich kann mich weiter mit dem Vorstag beschäftigen. Das Dinghy lässt ebenfalls sehr zu wünschen übrig, denn es verliert die Luft schneller als ich pumpen kann. Das Teil hat mehrere undichte Stellen und zum Überfluss auch noch genau an einer Naht, so dass mit einem Flicken nichts zu machen ist, da ich nicht über Eck kleben kann. Der Bug ist ebenfalls betroffen und eine Rundung zu kleben von oben nach unten und dann ebenfalls von links nach rechts um die Ecke ist sehr problematisch und bisher sind alle Versuch fehlgeschlagen. Sämtliche Versuche mit Spezialkleber für Hypalon waren so erfolglos wie sie teuer waren. Ein Freund riet mir, es doch mal mit Sikaflex zu versuchen. Also habe ich es mir mal genau angeschaut was das eigentlich ist. Es ist ein PU-Kleber. Also Polyurethan. Es ist aber auch fast doppelt so teuer wie andere Marken. Wichtig ist doch eigentlich nur, dass es ein Kleber mit Polymeren ist. So kaufe ich eine einheimische Marke mit dem Namen Unifix. Flicken aus Hypalon habe ich auch nicht mehr. Also nehme ich, so wie in alten Zeiten, einen alten LKW Schlauch. Nach eingehender Behandlung der zu klebenden Stellen mit Benzin streiche ich das PU drauf. Es lässt sich sehr gut verarbeiten. Es ist wie Creme. Dann kommt der zugeschnittene Schlauchgummi drauf und das ganze angedrückt. Ich lasse es einige Stunden trocknen und pumpe dann die Luft auf. Siehe da, drei Tage später ist sie immer noch drin. Prima.Der Vorteil bei PU ist, dass man die undichten Stellen eigentlich schon alleine mit dem Kleber abdichtet und den Gummi dann nur noch zusätzlich anklebt. Einige kleine Stellen habe ich nur mit dem Kleber abgedichtet. PU ist UV und Salzwasser beständig.

Die gebrochene Antriebswelle der Einspritzpumpe ist zwischenzeitlich ausgewechselt worden und Gonzalo hat die Pumpe wieder eingebaut. Nach einem kurzen Probelauf hat er seine Arbeit abgeschlossen. Der Zeitpunkt unserer Abfahrt aus Brasilien kommt immer näher. Am nächsten Tag mache ich nochmal einen Probelauf. Die Ölpumpe fördert kein Öl. So ein Mist. Ich rufe Gonzalo an, dass er nochmal kommen muss. Er verspricht mir am nächsten Tag zu kommen, tatsächlich dauert es aber drei Tage bis er erscheint. Er werkelt etwa eine Stunde, dann läuft das Öl wieder durch den Motor. Gonzalo verabschiedet sich und ich mache erst mal einen einstündigen Probelauf, auch um den Verbrauch zu messen. Als ich nach einer Stunde den Motor abstellen will, funktioniert das nicht. Er läuft einfach weiter. Den Abstellhebel an der Einspritzpumpe mit der Hand abzustellen schlägt ebenfalls fehl. Mir bleibt nichts anderes übrig, als den Luftansaugschlauch abzuziehen und die Ansaugöffnung mit der Hand zuzuhalten. Nachdem der Motor nun steht lese ich den Verbrauch ab. Verdammt, so ein Mist. Da ist mir wohl ein Fehler unterlaufen. Der Motor braucht normal nur 2 L/Std. Diesmal sind es aber drei Liter. Gleich wiederhole ich den Versuch. Er braucht wieder drei Liter. Diesmal haben die in der Werkstatt wohl Mist gebaut mit der Einstellung. Die Pumpe nochmal ausbauen und wieder in die Werkstatt bringen, sage ich zu Gonzalo. Er verspricht mir am nächsten Tag zu kommen. Doch diesmal lässt er mich eine ganze Woche warten. Erst als ich Erwin unseren Freund aus Argentinien bitte bei Gonzalo anzurufen erklärt er mir, dass er einen anderen Spezialisten Bescheid gesagt habe, der am nächsten Tag am Boot vorbei schauen würde. Ich brauche wohl nicht zu betonen, dass dieser Typ nicht gekommen ist. Jetzt ist es mir zu dumm, die Pumpe geht ja, nur dass der Verbrauch um 30% zu hoch ist. Wir wollen trotzdem von hier weg.

Den Plan nach den Kanaren zu segeln haben wir aufgegeben denn wir wollen mit unserem Freund Erwin nach Argentinien, genauer gesagt nach Buenos Aires.

Am Mittwoch den 2. März fahren wir gegen 10:00 Uhr morgens los. Annemarie steht am Ruder. Wir biegen an der Hafenausfahrt um die Ecke, da steht mitten in der Fahrrinne ein Bagger. Als die Leute uns sehen winken und schreien sie und deuten uns, dass wir stoppen sollen.. Annemarie legt den Rückwärtsgang ein und gibt Gas. Durch den Schraubeneffekt dreht sich das Heck nach Steuerbord und schon stehen wir quer in der schmalen Fahrrinne und stecken auch schon im Schlamm. Wir kommen trotz Vollgas nicht mehr raus. Den Bagger haben sie auf die Seite gefahren um uns vorbei zu lassen. Nützt aber nichts. Alle Versuche alleine frei zu kommen bringen nichts. Also holen die Arbeiter die Schaluppe und ziehen uns mit viel Mühe aus dem Schlamm.Wir sind frei aber die Strömung schiebt uns nach Backbord bevor wir Fahrt aufnehmen können und schon wieder stecken wir fest. Beim nächsten Versuch uns aus dem Dreck zu ziehen klappt es endlich und sie ziehen uns diesmal wirklich bis ins tiefe Wasser. Wir kommen bis Barra als der Öldruck zu fallen anfängt. Er geht beängstigend weit runter. Sofort laufen wir den Steg, an dem wir vorher fast ein Jahr lang gelegen sind an und machen dort fest.Von hier sind es fünf Minuten bis zu Gonzalos Haus. Sogleich mache ich mich auf den Weg um ihn zu holen. Diesmal kommt er auch sofort (es dauert nur zwei Stunden, denn Mittagspause muss sein). Er meint es läge vielleicht am Öl und wir machen einen Ölwechsel und füllen diesmal ein SAE 40 auf und nicht wie vorher mit 10/30. Das Öl ist dicker und der Druck geht auch wieder hoch. Wir verabschieden uns und es geht los in Richtung Süden. Das Wetterfenster dauert mindestens eine Woche und das soll heißen, der NO Wind bleibt uns erhalten. Die Ausfahrt ist ziemlich ruppig, denn es steht der Wind gegen Strömung und Welle. Wir haben Mühe innerhalb des Tonnenstrichs zu bleiben. An der letzten Boje der Ausfahrt kommen wir nur knapp vorbei, so drückt uns Wind und Strömung nach Süden. Zwar wollen wir in diese Richtung, jedoch dürfen wir nicht zu früh abbiegen, denn dann liegen die Sandbänke genau vor uns und wenn wir dort auflaufen ist es ein für allemal vorbei. Jedoch wir schaffen es und biegen nach der letzten Tonne ab. Nun haben wir Welle und Wind von achtern. Die Strömung läuft auch mit uns und so sind wir teilweise mit acht Knoten unterwegs. So schnell sind wir mit unserem Boot noch nie gewesen. In den ersten 13 Stunden schaffen wir dann auch gleich mal 76 Meilen. Das große Manko diesmal ist, dass Annemarie und ich so Seekrank sind wie eigentlich nie zuvor. Beide kotzen wir uns die Seele aus dem Leib. Nur gut, dass der Automat die Steuerung übernommen hat und wir uns darum nicht zu kümmern brauchen.

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In der Nacht des nächsten Tages wird es etwas ruhiger, wir machten in den letzten 24 Std. (ETMAL) 114 nm. Am Tag ist die See bereits ruhig, doch uns geht es immer noch nicht sehr gut. Erst am Abend haben sich die Mägen von uns beiden so weit gebessert, dass wir ganz vorsichtig was essen können, ohne es gleich wieder über Bord zu schmeißen. Am dritten Tag ist der Wind fast ganz weg und als wir nur noch 2,5 Knoten Fahrt machen entschließen wir uns den Motor zu starten. Nach ca. 10 Stunden Motorlaufzeit geht der Öldruck ganz verdächtig in die Knie und als er dann fast bei Null ist, stelle ich den Motor ab. Ich steige in den Motorraum und kontrolliere das Öl. Ich traue meinen Augen nicht. Als ich den Motor gestartet habe war der Ölstand auf Maximum und nun ist der Ölstand so hoch, dass er bis zum Ende des Messstabs reicht. Ich messe immer und immer wieder nach. Es ändert sich nichts. Ich pumpe das Öl ab und was stelle ich fest? Diesel! Diesel ist im Motoröl. Verdammt, das ist nicht gut. Ich weiß es nicht genau aber vermutlich kann Diesel nur über den Zylinder und undichten Kolbenringe in die Ölwanne gelangen. Das aber dürfte doch nicht sein, denn Kolben und Ringe sind ja neu. Allerdings würde das den erhöhten Verbrauch an Kraftstoff erklären. Wir waren schon mal (2009) ungefähr auf der gleichen Position, da hat es uns wieder nach Norden getrieben allerdings war damals nicht nur der Motor sondern auch die Segel kaputt und der Wind hatte von Nord auf Süd gedreht. Diesmal haben wir etwas mehr Glück und das bisschen Wind das weht bleibt auf nördlicher Richtung und dreht bei der Einfahrt in die La Plata Mündung auf Ost, so dass wir immer achterlichen Wind haben. So weit man bei 5 bis 7 Knoten von Wind noch reden kann. Genau genommen ist es ein kaum merkbarer Windhauch der mit der Zeit immer schwächer wird. Als wir zwischen Punta del Este und der Insel Lobos durch sind ist der schwierigste aber auch der „gefährlichste“ Teil ohne Motor geschafft. Hier hätte es vielleicht etwas kitzelig werden können, da uns der Kapeffekt und die Strömung nicht bekannt sind. Aber es geht alles gut und wir sind vorbei. Vorbei ist nun auch allerdings der letzte Hauch und der Windmesser zeigt gerade noch mal drei bis vier Knoten an. Normalerweise kann auf dem Meer mit diesem „Wind“ nicht mehr gesegelt werden, da normal wegen der Wellen die Segel schlagen und das Boot hin und her schaukelt und dabei die letzte Fahrt auch noch verloren geht. Unser Glück in diesem Fall ist jedoch, dass die Flussmündung praktisch ohne Welle ist und die Segel nicht zusammen fallen, so dass wir immerhin noch 1,5 Knoten Fahrt in die richtige Richtung machen. Da es hier, so nah an der Küste, keine Großschifffahrt gibt ist alles sehr easy und wir übergeben dem Automaten die Verantwortung. Annemarie und ich verziehen uns in den Salon und überwachen die Fahrt auf dem Bildschirm. Elektronische Karten sind schon was feines. Bei dieser „Rauschefahrt“ legen wir uns sogar schlafen, lassen jedoch den Computer an, so dass wir jederzeit über unsere Position im Bilde sind. Am nächsten, also dem vierten Tag, kommen wir dann bis Piriapolis in Uruguay . Dort ist eine Marina die wir anlaufen. Da wir ohne Motor nicht in den Hafen fahren können, rufe ich über Kanal 16 die Port Control und bitte um Schlepphilfe. Wir liegen bereits vor der Einfahrt und haben den Anker geworfen, da der Wind aufgefrischt hat und uns abzutreiben droht. Es dauert auch nicht lange dann kommt die Prefectura mit einem Schlauchboot und schleppt uns in den Hafen. Hier machen wir erst mal an der Mole fest. Für Google Fans: wir liegen auf Position 34°52.525 S und 055°16.765 W

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Route

Wenn wir einklariert haben kümmern wir uns um einen Mechaniker um zu sehen was wir machen können.

Einen Mechaniker haben wir organisiert und es wird uns versprochen, dass er noch heute kommt und zwar so gegen 19:30 Uhr. Da bin ich aber mal gespannt. Vorgewarnt von bisherigen Erfahrungen rechnen wir mit mindestens einer Stunde später oder heute gar nicht mehr. Es ist 19:20 Uhr (Rosenmontag) und der Mechaniker steht bei Fuß. Das ist doch schon mal positiv. Ich erkläre ihm mein Problem und er macht sich an die Arbeit. Was er macht ist nichts was ich nicht schon selbst gemacht hätte. Wir verbleiben so, dass er erst mal morgen wieder kommt und einen neuen Ölfilter mitbringt. Er selbst meint, dass wenn das Öl gewechselt, es also wieder dick und nicht mit Diesel verdünnt ist, der Öldruck auch wieder funktioniert. Ist immer noch besser als wenn die Ölpumpe gewechselt werden müsste, denn dazu müsste der Motor wieder ausgebaut werden.Leider ist das Problem mit dem Diesel im Öl dann immer noch nicht geklärt. Er meint, dass das von einem undichten O-Ring am Antrieb der Einspritzpumpe kommt, was so viel heißt wie Einspritzpumpe ausbauen.

So weit das Geschäftliche, nun gehen wir zum gemütlichen Teil über, denn heute steigt der große Karnevalszug von Piriapolis und den wollen wir uns ansehen. Gegen 22:00 Uhr ziehen wir los in die Stadt. Von weitem hören wir schon die Trommeln und den Lärm. An den Straßen stehen die Schaulustigen und sind fleißig dabei die Tänzer und Tänzerinnen anzufeuern. Ich kenne nun den Karneval der Kanaren, den der Kap Verden von Salvador de Bahia und nun auch den von Piriapolis.. Miteinander verglichen ist der von den Kap Verden am „schönsten“, was die prächtigen Kostüme anbelangt,aber die beste Stimmung herrscht hier in Uruguay. Die Köstüme sind toll, da wird ziemlich gespart, vor allem an Stoff :-) . Es ist bewundernswert welche Kondition die Mitwirkenden aufbringen. Zwei bis drei Stunden ohne Pause zu trommeln und zu tanzen und das mit einem Temperament das sogar eine Horde Stiere zur Verzweiflung bringen würde, ist schon enorm. Das ist schon fast Leistungssport.

Abgekämpft und todmüde schleichen wir uns um 2:00 Uhr vom Acker zurück zu unserem Boot und schlafen wie die Murmeltiere.

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Cleo

Der Mechaniker ist am nächsten Tag (Faschingsdienstag) abends wieder pünktlich zur Stelle und hat einen neuen Ölfilter nebst einer neuen Theorie, was den Diesel im Öl betrifft, dabei. Nun meint er, dass wahrscheinlich bei der am Motor angebauten Kraftstoffpumpe die Membran kaputt ist und der Diesel durch den Antriebshebel der Pumpe in das Innere des Motors gelangt. Nachdem er die Pumpe ausgebaut hat bestätigt sich seine Theorie, denn sie pisst wie ein Wallach. Ich frage ihn ob er eine neue Membran besorgen könne. Vermutlich nicht, ist seine Antwort, aber eine neue Pumpe wäre sicher kein Problem. Wenn er die Teile hat würde er morgen Abend zur gewohnten Zeit wieder kommen.

In der Zwischenzeit klingelt bei der Marina die Kasse, denn sie zieht mir täglich mehr als 30,00 € aus der Tasche zusätzlich 4,40 €/Tag für Strom und Wasser. Die Steuer wird dann noch extra berechnet. Die ziehen einem hier das letzte Hemd aus. Der Versuch um den Preis zu feilschen schlägt fehl, es sei denn, so meinen sie, ich komme nach dem 15. März wieder, da sei nämlich die Saison vorbei, dann könne ich für täglich 10,00 € hier liegen. Doch was nützt mir das? Mein Motor streikt jetzt und nicht am 15. März. Kurz überschlagen sind das doch an die 300% Unterschied. Wenn das keine Abzocke ist, dann weiß ich auch nicht was man darunter verstehen soll.

Wir wollen uns heute mal etwas in der Stadt umschauen, denn wir können im Moment nichts tun und der Mechaniker kommt auch erst am Abend. Wir entdecken ein kleines privates Museum über die Eisenbahnstrecke die 1897 gebaut wurde. Ein Originalwagen mit erster und zweiter klasse und viele andere Artefakte aus dieser Zeit sind zu bewundern. Ebenfalls bewundern kann man, in der 1893 von Francisco Piria, gegründeten Stadt, das 1897 von ihm gebaute Schloss. Nach der Eisenbahn kamen dann später noch das Argentino Hotel, eine Kirche, das Hotel Piriapolis und andere Gebäude hinzu. Die Stadt zählt heute ca. 10.000 Einwohner und ist eine der bedeutendsten Badeorte von Uruguay. Die gesamte Infrastruktur ist danach ausgerichtet (vor allem die Preise :-( ).

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Meerblick

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Palmfrüchte

Ein Sessellift führt direkt vor dem Hafen auf den Aussichtspunkt von dem aus man ganz Piriapolis überblicken kann.

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Seilbahn und Hafen

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Schloss Francisco Piria

Heute soll der Mechaniker wieder kommen um alles endgültig zum Abschluss zu bringen. Er kommt auch aber leider ohne Pumpe, die muss nämlich erst aus Montevideo geliefert werden. So sind aus einem „kein Problem, in ein paar Stunden fertig“, inzwischen drei Tage geworden. Am nächsten Tag erscheint der Mechaniker pünktlich wie ausgemacht und mit Pumpe. Super, endlich wird der Motor heute wieder zum Leben erweckt - denke ich. War wieder mal ein Satz mit „X“ (war wohl nix), denn der Anschluss passt nicht, also verabschiedet sich der gute Mann und verspricht am nächsten Tag mit passendem Anschluss wieder zu erscheinen. So passiert es auch. Am nächsten Tag erscheint der Mechaniker mit Pumpe und passendem Anschluss. Nach etwa einer Stunde und bangen fünf Minuten, denn der Öldruck kommt erst nach einiger Zeit und öffnen verschiedener Anschlüsse, ist alles in Ordnung. Der anschließende zweistündige Testlauf verläuft zur Zufriedenheit und die Welt sieht nun schon wieder etwas besser aus.

Wir wollen nun sehen wie es weiter geht. Was wir brauchen ist ein günstiges Wetterfenster um nach Colonia weiter segeln zu können. Die nächsten 4 – 5 Tage geht es auf keinen Fall. Denn alleine für das Wochenende ist Sturm bis 9 bft angesagt und dann auch noch aus der für uns verkehrten Richtung. Wir werden sehen wie und wann es weiter geht und vor allem wie es mit bzw. nach dem Sturm aussieht..

8.03.2011

08. März 2011

Nur ein sehr kurzer Zwischenbericht:

Die SY Out of Rosenheim liegt derzeit in Piriapolis in Uruguay in der Nähe von Monte Video. Nicht ganz freiwillig, da der ursprüngliche Plan nach Colonia zu segeln,  von erneuten Motorproblemen zunichte gemacht worden ist. Der weitere Plan ist so schnell als möglich nach Buenos Aires zu segeln und von dort aus im September nach Deutschland zu fliegen. Das Schiff soll so lange in Argentinien bleiben. Aber dazu dann mehr in einem ausführlichen Bericht.

25.01.2011

18. Januar 2011

Wir haben heute den 18.Januar 2011 und sind seit unserer „Rückkehr“ bereits wieder 18 Tage hier.

Annemarie macht mich gerade aufmerksam, dass im Kalender, den sie vom hiesigen Pastor der Seemansseelsorge letztes Jahr geschenkt bekam der Dezember unter dem Leitsatz „kehret um…“ steht. Also folgsam wie wir sind haben wir es befolgt… :-)

Es muss etliches Material und Ersatzteile besorgt werden. Die Einspritzpumpe ist in Reparatur in Pelotas, ein Ort ca. 60 km nördlich von hier. Was mir da am meisten stinkt ist, dass hier für die ganz normalen Straßen von einer Stadt in die andere Maut bezahlt werden muss. Für die Strecke müssen jedesmal umgerechnet sieben Euro berappt werden, was die Reparatur der Pumpe insgesamt nochmal um weitere 14 Euro verteuert. Auch nicht gerade geschenkt. Aber was soll´s, die ganze Jammerei hilft nichts. Unser Boot ist bis auf Vorstag und Motor fertig, so dass wir alles andere ruhig angehen lassen. Es ist fast wie „Urlaub“. Wir gehen spazieren, lesen viel und faulenzen.

Die Marina ist, ich weiß nicht warum, auf fast keiner Karte verzeichnet. Sie liegt im Norden von Rio Grande und es sind von der Einfahrt der Lagune bis zum Yacht Club ca. 11 Meilen. Der Weg ist gut betonnt und leicht zu befahren, man muss nur auf die Dickschiffe aufpassen und ihnen ausweichen, was kein Problem ist, denn auf beiden Seiten des Tonnenstrichs ist es tief genug für Sportboote. Meistens jedenfalls. :-). Was gebraucht wird ist eine gute Karte. Ich habe c-map Karten, die sind so gut, dass ich laut GPS bei der Einfahrt genau auf der Kaimauer gefahren bin. Wirklich Klasse

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Einfahrt in die Lagune

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Gefahrene Route

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Weg zum Yachtclub

Gott sei Dank habe ich aber eine CD mit 250 Spezialkarten der Küste von Brasilien. Die stimmen wenigstens. Die habe ich mir für wenig Geld damals in Salvador gekauft im Copy Laden ganz in der Nähe des Nautic Clubs wo wir eine Zeit lang lagen. Diese Karten, den Segelführer Cruising the Coast of Brasil, so wie das Navi Programm MaxSea habe ich mir in diesem Shop für wenig Geld besorgt und möchte davon nichts mehr missen. Wer sich evtl. diese Dinge ebenfalls zulegen will, der sollte im Nautic Club in Salvador nach dem Copy Laden fragen. Die wissen wo er ist und geben gerne Auskunft. Der Laden befindet sich in der Rua Estados Unidos Nr.4. E-mail allendwg@hotmail.com. Der Besitzer ist Allan Romeo und ist gerne bereit bei Problemen mit Programmen die bei ihm gekauft wurden zu helfen. Er hat jede Menge Karten von Brasilien von denen er für wenig Geld Farbkopien macht DerVorteil von Romeo ist, dass er gut englisch spricht.

Aber weiter mit dem Yacht Club Rio Grande. Er ist zu finden auf der Position 32°02´448´´S und 052°10´730´´ W. Im Januar 2011 kostete der Liegeplatz einen Real (R$) pro Fuß und Tag inklusive Wasser, Strom und Kranbenutzung (max. 8 Tonnen). Bei längerem Aufenthalt (ein Monat und mehr) gibt es Rabatt, so dass z.B ein 39 Fuß Schiff 1000 R$ kostet. (1€=2,24 R$, Januar 2011). Die Leute hier sind alle sehr nett und zuvorkommend. Einzig mit der Sprache kann es Probleme geben, da fast keiner englisch spricht und wenn, dann sehr schlecht. Mit spanisch kommt man gut zurecht. Die Liegeplätze für Gäste sind nicht gerade üppig gesät aber man bekommt irgendwo doch immer einen Platz. Es wird ein neuer Steg an der Einfahrt zur Marina gebaut, nach dem Steg des Museums. Am Museumssteg ist auf Anfrage einige Tage kostenloses liegen möglich. Die Einfahrt zur Marina beträgt nur 1,30 Meter. Der Grund besteht jedoch aus lockerem Schlamm und Boote bis 1,90 Meter Tiefgang kommen bei Hochwasser mit dem nötigen Schwung leicht durch.Die Liegeplätze sind am Steg zwischen 1,30 und knapp zwei Metern. Der Club kann kurz vor der Einfahrt auf Kanal 16 gerufen und um Schlepphilfe gebeten werden. Schlepphilfe wird bald nicht mehr gebraucht, da sie im Moment dabei sind Einfahrt und Hafenbecken auf drei Meter Tiefe auszubaggern. Mit einem selbst gebauten Baggerschiff und einem ca. 100 Meter langen Schlauch wird dies in Eigenregie bewältigt.

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 Yachtclub

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 Baggerschiff, „Schlammspucker“

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Steg im Bau

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Sicht auf Museumssteg

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Clubhaus mit Pool

Im Yacht Club selber gibt es ein Restaurant, das Essen ist gut. Duschen und Toiletten sind sauber. Nachteil ist vielleicht, dass fast an jedem Wochenende im Sommer Partys stattfinden. Die Lärmbelästigung hält sich aber in Grenzen. Ein Pool und Tennisplätze sind ebenfalls vorhanden, sowie ein Fußballplatz und eine Aschenbahn. Kostenlos zur Verfügung stehen Grillplätze mit gemauerten Grills, Tischen und Bänken, Strom und Wasser. Weil wir gerade von Essen sprechen, die Einkaufsmöglichkeiten sind gut, leider ist es bis zum nächsten Supermarkt ein Fußmarsch von 15 Minuten. Mit einem Taxi geht es schneller. Es kann vom Büro aus gerufen werden.

In der Anlage selbst gibt es viel Grün, Sträucher und Eukalyptusbäume. Was uns wirklich Spaß macht ist, dass man hier viele Vögel beobachten kann, wie z.B Kero-Kero oder Greifvögel. Allgegenwärtig sind Bütschebü, die heissen wirklich so, wie sie allerdings in portugiesisch geschrieben werden kann ich nicht sagen. Ihr Ruf „bütschebü“ ist den ganzen Tag zu hören. Sie sind nicht sehr scheu. Oft sitzen sie bei uns auf der Reling wo wir sie mit Freude betrachten. Viele Arten von Möven, Seeschwalben und vor allen Dingen Kormorane fliegen, tauchen und schwimmen hier rum. Im Moment sind viele Fische im Hafenbecken, denen wir bei ihrem Liebesspiel vor der Paarung zuschauen. Neben dem Yacht Club ist das Meeresbiologische Museum. Für wenig Geld kann es besucht werden. Leider ist alles nur in portugiesisch beschrieben. Ein Seelöwe schwimmt im Becken der hier gesund gepflegt und wieder frei gelassen wurde, worauf er überhaupt keinen Wert legte. Er belagerte das Museum so lange bis er wieder in das Becken durfte und dort schwimmt er zur Belustigung des Publikums und macht seine faxen.

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Kormorane

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Bütschebü

Eine Sache die ebenfalls Spaß macht ist ein Spaziergang durch die verschiedenen Parks die es hier gibt. Wir setzen uns oft gemütlich auf eine Bank beobachten die Leute, schauen den Vögeln zu oder dösen ein wenig im kühlen Schatten so vor uns hin und erfreuen uns der verschiedenen bunten Pflanzen und Blüten. Rio Grande ist zwar eine Millionenstadt aber nicht im europäischen Sinne. Angebot und Treiben ähneln eher einer kleinen Provinzstadt. Ausnahme machen am ehesten noch die zahlreichen öffentlichen Busse, die es zuhauf gibt. Diese sind aber im Gegensatz zu uns, fast immer voll besetzt. Nicht nur während der Hauptverkehrszeit.

Trotz aller Beschaulichkeit sind wir fieberhaft darum bemüht, dass alles so schnell wie möglich über die Bühne geht und wir unseren zweiten Anlauf in Richtung Norden starten können.

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Eine kleine Information bzw. Begebenheit möchte ich noch zum Besten geben. Ich habe bereits in vergangenen Berichten erwähnt, dass, wenn es um Edelstahl geht, hier die Lichter ausgehen, vor allen Dingen bei den Preisen, falls das gewünschte Teil überhaupt zu bekommen ist. Was ich brauche sind nur fünf Löcher mit 6 mm Durchmesser in einer Metallplatte aus V4A – Stahl. Meine Bohrer dafür haben leider schon das Zeitliche gesegnet. Also auf zu einer Ferretaria (Eisenwarenhandlung) und schnell mal die nötigen Bohrer gekauft. Fazit: schnell geht nicht und Bohrer schon gleich gar nicht. Wir klappern vier oder fünf Geschäfte ab.. Überall das Gleiche. Bohrer für Inox? Nein so was haben wir nicht, selbst nicht in einem Spezialgeschäft für Edelstahl. Nun ist guter Rat teuer. Was machen denn die Drehereien wenn sie Löcher bohren müssen? Keine Ahnung aber man kann ja mal fragen. Ab in die nächste Dreherei und gefragt ob er mir wohl Löcher bohren könnte in eine Inox Platte. Kein Problem. Ich fragte ihn woher er denn die Bohrer hätte. Das wäre ebenfalls kein Problem meint er, ich bräuchte nur die handelsüblichen Stahlbohrer zu kaufen und ihm bringen, dann würde er sie mir so schleifen, dass ich damit auch Inox bohren kann. So einfach ist das. Man muss es nur wissen und können.

Im letzten Bericht habe ich geschrieben, dass mir der Splint am Vorstag durchgerostet sei und deshalb der Haltebolzen das Weite gesucht hätte. Jetzt, wo ich dabei bin alle galvanisierten Splinte gegen Inox Splinte auszutauschen bemerke ich, dass der Splint am Achterstag gebrochen ist. Nun vermute ich, dass das selbe am Vorstag passierte. Das wäre erst was geworden, wenn mir das Achterstag ebenfalls aus der Halterung geflogen wäre. Dann aber gute Nacht schöne Gegend. Es ist wirklich nicht zu fassen welch ein Mist hier für teures Geld verkauft wird. Selbst die Einheimischen schimpfen über die miese Qualität die angeboten wird. Ich kann nur jedem raten, der gezwungen ist hier Teile für das Boot zu kaufen diese unterwegs drei und vier mal so oft zu kontrollieren wie man es eh schon tut.

Zum Schliss ein kleiner Hinweis: Ich habe zwei Links zu interessanten Webseiten auf meinem Rollblog installiert, einmal für Sailinx (damit weiterhin fleißig geklickt werden kann :-) ). und die Seite von Skipper Udo. Das ist eine sehr informative Seite. Viele nützliche Tricks und Tipps so z.B. wo und wie man kostenlose Naviprogramme downloaden, Papierkarten einscannen und sie elektronisch nutzen kann, weltweites Programm für Segelwettervorhersage u.v.m. Die Berichte über seine Weltumsegelung sind ebenfalls spannend und oft zum schmunzeln. Viel Spaß bei Sailinx und bei Skipper Udo.

Sollte jemand Interesse an Infos über den ICW (Intracoastel Waterway) haben, der sollte mal folgende Adresse eingeben: www.loss-mer-jon.de

25.12.2010
Das Wetter ist gut, SO-Wind mit 15 Knoten und die Sonne scheint. Das Boot ist fertig zur Abfahrt. Eigentlich brauchen wir jemand der uns über die Untiefe an der Ausfahrt zieht aber heute am 25. ist natürlich keiner da. Warten bis Morgen wollen wir aber auf keinen Fall. So versuchen wir es eben alleine. Annemarie steht am Ruder und steuert unser Boot aus der Box. Als wir kurz vor der Untiefe sind gibt sie nochmal richtig Gas und dann durch. Wir haben gerade Hochwasser und so geht alles ohne Probleme über die Bühne. Wir sind jetzt im Kanal und motoren die 11 Meilen in Richtung Ausfahrt. Vorher kommen wir jedoch in Barra vorbei, wo wir so lange lagen und legen dort an um Diesel zu tanken und uns endgültig von unseren Freunden zu verabschieden, die extra an den Steg gekommen sind. Annemarie, immer noch am Ruder, legt an wie ein Profi, ruhig und gekonnt. Wir tanken noch zusätzliche 250 Liter, verabschieden uns endgültig (oder vielleicht doch nicht?) und rauschen ab. Wir haben die Ausfahrt erreicht und biegen in Richtung Norden ab. Wir wollen erst mal nur die 250 Meilen bis Santa Katarina segeln, dort einige Tage bleiben und ein günstiges Wetterfenster abwarten um von dort aus die 500 Meilen bis Angros dos Reis in Angriff zu nehmen. In Angros dos Reis wartet unser Freund Erwin auf uns mit dem wir dann zusammen weiter segeln bis Salvador.
Wir haben Richtung Nord eingeschlagen aber der Wind weht so leicht dass segeln nicht möglich ist. Also muss unser „Eisensegel“ weiterhin in Betrieb bleiben. Den Autopiloten können wir aber wenigstens in Betrieb nehmen, glauben wir jedenfalls. Der jedoch denkt gar nicht daran zu arbeiten. Das gibt es doch gar nicht. Gestern noch ausprobiert und einwandfrei funktioniert. Aber nichts geht mehr. Es ist ein elektronisches Problem. Ich überprüfe sämtlich Kabel und Anschlüsse und finde eine schlechte Lötstelle, welche ich sogleich behebe. Wenn ich jetzt Kurskorrektur Backbord oder Steuerbord eingebe reagiert der Computer aber leider nur da. Den Kurs zu halten und selbständig zu steuern, daran denkt er überhaupt nicht. Damit bin ich mit meinem Latein am Ende. Ich baue zwar den elektronischen Steuerkompass (Fluxgate Kompass) aus und kontrolliere alle Anschlüsse aber dann ist Schluss. Bravo, das heißt nämlich 24 Stunden Ruder gehen und das zu zweit. Umdrehen wollen wir auf keinen Fall. Sind wir erst mal in Santa Katarina bzw. Florianapolis, dann sehen wir weiter.
Wir segeln mit Motorunterstützung schon fast zwei Tage, immer wieder mal kurze Etappen ohne Motor, wenn der Wind etwas kräftiger wird. Wir können unsere Lady sogar so gut trimmen, dass sie teilweise alleine fährt, als wüsste sie wohin wir wollen. Das geht aber nur unter sehr günstigen Bedingungen, gibt mir allerdings die Gelegenheit etwas länger zu schlafen. Es geht eigentlich alles ohne Probleme über die Bühne und wir kommen gut voran. Heute müssten wir eigentlich ankommen, denn wir haben nur noch 50 Meilen bis zum Ziel.
Es ist 3:30 Uhr, Annemarie steht am Ruder und der Motor brummt so vor sich hin. Mit einem mal, wie abgeschnitten bleibt der Motor stehen und macht keinen Mux mehr. Annemarie weckt mich sofort auf und sagt mir was passiert ist. Verdammt, auch das noch. Ich kontrolliere sofort alle Filter, denke schon wieder an schlechten Diesel oder Wasser im Tank. Aber nichts von alledem. Nur der Motor läuft eben nicht. Sofort begebe ich mich, nach nur 1½ Stunden Schlaf an die Arbeit. Wechsle erst mal alle drei Filter, entlüfte das ganze System und versuche nach fast 12 Stunden Arbeit den Motor zu starten. Der dreht zwar voll durch ist aber in keiner Weise gewillt anzuspringen. Immer wieder entlüfte ich die Leitungen und die Filter aber nichts geschieht. Der Motor springt einfach nicht an. Es kommt einfach kein Diesel bis zu den Einspritzdüsen. Nun versuche ich in meiner Verzweiflung etwas, was man eigentlich nicht tun soll, denn es könnte dem Motor schaden. Ich fülle eine Spritze mit Benzin auf und spritze sie in den Luftansaugkanal. Dann starte ich den Motor, der tatsächlich einige Umdrehungen läuft, bis der Benzin alle ist und tut dann nichts mehr. Mir sagt es jedenfalls, dass der Motor selbst in Ordnung ist. Ich überprüfe nochmal das gesamte System. Überall ist Diesel vorhanden, auch in der Einspritzpumpe. Jetzt schraube ich die Auslassleitungen am Pumpenaustritt ab, lasse den Motor durchdrehen. Kein einziger Tropfen Diesel verlässt die Pumpe. Schöne Bescherung. Diagnose: Einspritzpumpe hat das Zeitliche gesegnet. Wir stehen, im wahrsten Sinne des Wortes, ohne funktionierenden Motor da und zu allem Überfluss hat der Wind nach Nord gedreht, weht uns genau auf die Nase. Es dauert allerdings nicht sehr lange und wir haben Flaute. Ein Schiff das vorbei fährt funke ich an und bitte es die Küstenwache zu verständigen, damit sie uns nach Florianapolis oder in eine andere Marina schleppen können. Da wir im Moment eh nichts tun können es bereits Abends ist und wie gesagt in der Flaute stehen, Regnen hat es auch angefangen, legen wir uns hin und schlafen erst mal. Am nächsten Tag, die Küstenwache hat sich natürlich nicht sehen lassen, versuchen wir es mit segeln. Alles probiert, leider lassen die Verhältnisse nur eine Richtung zu und zwar zurück. Wir beratschlagen kurz was zu tun sei und entschließen uns trotz der nur noch 50 Meilen bis zum Ziel, umzukehren. Es geht alles sehr zäh und langsam, zum Teil nur mit 1½ Knoten dahin, trotzdem der Wind mit bis zu 15 Knoten weht. Die Strömungen sind hier wirklich zum Verzweifeln, vor allem wenn sie gegen einen stehen. Aber es geht alles vorbei, so auch dieses. Der Wind weht immer noch mit ca. 15 Knoten aus Nord etwas auffrischend bis auf 20 Knoten. Als ginge ein Ruck durch das Boot flitzen wir plötzlich mit sechs bis sechseinhalb Knoten dahin. Nur noch 165 Meilen bis zur Einfahrt der Lagune, wir sind bald da. Es wird nicht mehr lange dauern. Annemarie sagt plötzlich zu mir wir könnten doch Gummistrops an das Ruder binden, dann müsste das Boot doch den Kurs alleine halten können. Warum bin eigentlich ich nicht darauf gekommen? Gelesen habe ich das doch schon. Das hat Rollo Gebhardt in seinem Buch Seefieber doch genau beschrieben. Gesagt, getan und nach einigen Versuchen lief alles wie am Schnürchen. An beiden Seiten des Steuerrades jeweils einen Gummistrop angebracht, die richtige Spannung eingestellt und wir haben den schönsten Autopiloten. Das gibt uns beiden die Möglichkeit die Fahrt auch etwas zu genießen. Der Schlafmangel war damit fast behoben. Die Freiwache kann schlafen und die Wache muss nicht am Ruder stehen, sondern ab und zu mal einen Rundblick machen und den Kurs kontrollieren. So macht Segeln Spaß.
Zwei Uhr morgens Wachwechsel. Wir sitzen beide im Salon und machen uns über einen Imbiss her. Plötzlich ein Knall. Was war das? Annemarie macht die Deckbeleuchtung an und ich kontrolliere Wanten und Stagen. Verdammte Sauerei, das Vorstag hängt lose am Bugspriet. Der Haltebolzen ist aus der Halterung geflogen. Wie ist das möglich? Ich habe doch vor der Abfahrt alle Splinte gewechselt. Jedenfalls mache ich mich sogleich daran die Genua zu bergen. Zu allem Überfluss ist mal wieder die Verdrehsicherung für die Rollanlage am Masttop gebrochen. Diese Rollanlage ist der größte Mist den ich je erlebt habe. Diesmal hat sie nicht mal eine Woche gehalten. Nun die Genua ausrollen um sie bergen zu können ist damit fast aussichtslos. Trotzdem versuche ich es, denn am losen Vorstag kann das Segel nicht bleiben. Die Gefahr dass mir das komplette Vorstag samt Profile zerstört wird ist zu groß. Nach drei Stunden wirklich harter Arbeit habe ich es endlich geschafft und das Segel ist abgeschlagen. Das durchhängende Vorstag binde ich an der Reling fest. Annemarie kümmert sich um die Genua, die sie ebenfalls an der Reling befestigt. Nur gut, dass wir eine Kuttertakelung haben und so hält das Fockstag den Mast und wir müssen uns nicht mit einem Notrigg begnügen. Zwar geht es jetzt erheblich langsamer ohne Genua aber wir haben immerhin noch die Fock und können segeln. Wirklich gut, dass unser „Gummiautomat“ funktioniert und wir nicht auch noch ans Ruder müssen. So ist die physische und psychische Belastung relativ entspannt. Um den richtigen Kurs zu halten und die richtige Position für die Einfahrt in die Lagune zu erreichen müssen wir kreuzen, was unseren Weg um einige Meilen verlängert aber kaum ins Gewicht fällt. Immer wieder versuchen wir die Pilot Station in Rio Grande die auf Kanal 9 oder 10 zu erreichen ist anzurufen um um Schlepphilfe zu bitten. Nichts aber auch gar nichts rührt sich. Wir haben es in den letzten zwei Stunden bestimmt an die hundert mal versucht. Nichts! Es ist der erste Januar und die müssen wohl ihren Rausch ausschlafen. Es liegen jede Menge Containerschiffe auf Reede und so versuche ich diese zu erreichen. Gleiches Ergebnis. Nichts. Wir kommen der Einfahrt immer näher und müssen dann dort in der Hauptschifffahrtslinie der Großschifffahrt aufkreuzen was eine Gefahr für uns und die großen Pötte bedeutet.
Nun sind wir in der Einfahrt und beginnen in dieser aufzukreuzen. Es geht alles wie in Zeitlupe. Wir machen nur ein bis zwei Knoten, manchmal weniger. Wenn jetzt ein großer kommt ist es nicht möglich auszuweichen. Sicherheitshalber richte ich mir schon mal die roten Raketen her um auf uns aufmerksam zu machen. Plötzlich kommt ein riesiger voll beladener Containerfrachter aus der Einfahrt. Also arbeiten sie doch. Warum hat dann von diesen Holzköpfen keiner geantwortet. Wieder rufen wir die Pilot Station und wieder nichts. Unsere Funke ist aber definitiv in Ordnung, da ich ja während unserer Fahrt mit anderen gesprochen habe und auch auf Kanal 16 Leute quatschen höre. Da hier kaum einer englisch spricht habe ich den Verdacht, dass wenn jemand auf englisch ruft erst gar keiner an die Funke geht. Wobei sich dabei aber die Frage erhebt, wie unterhalten die sich mit der Großschifffahrt? Die sprechen doch nicht alle portugiesisch. Andererseits steht aber auch in den Seehandbüchern man soll sich vor der Einfahrt in die Lagune über eben diese Pilot Station erkundigen wie im Moment die örtlichen Gegebenheiten aussehen, da bei bestimmten Verhältnissen die Einfahrt kaum oder nicht möglich ist. Wie auch immer wir sind allein gelassen und auf uns selbst gestellt. Ich bin ganz schön am rudern. Von vorne der große Frachter und jetzt von achtern auch noch ein Fischerboot in schneller Fahrt. Als Annemarie das sieht stürzt sie sich an die Funke und ruft den Fischer an. Sie erklärt ihm in ihrem verhauten spanisch unser Problem. Sogleich verringert er seine Fahrt und dreht bei um uns eine Schleppleine zuzuwerfen. Annemarie geht ans Ruder und ich nehme die Leine auf und befestige sie. Im gleichen Moment zieht das Dickschiff in nicht all zu großer Entfernung an uns vorbei. Von einem auf den anderen Augenblick sind wir aus dem Schneider. Mit fünf Knoten werden wir in die Lagune geschleppt. Der Fischer nimmt uns mit bis nach Rio Grande wo er anlegt. Wir bleiben im Päckchen liegen und übernachten hier.
Am nächsten Morgen, es ist Sonntag, geht Annemarie zu Fuß zur Marina und versucht zu organisieren, dass wir in die Marina geschleppt werden. Nach zwei Stunden kommt sie mit einer Schaluppe und einem Marinero an, der uns dann in die Marina schleppt. Das wäre mal geschafft . fürs erste.
Als wir da sind erzählt sie mir, dass es gar nicht so einfach war die Schaluppe zu organisieren. Sie war so früh dran, dass das Büro noch nicht geöffnet war. Der einzige „Funcinario“ war der Pförtner und der weiß dass der Marinero, der die Schaluppe fährt heute frei hat und auch sonst niemand da sei. Das Büro wird erst in einer Stunde geöffnet werden. Selbst wenn Annemarie ihm hundert mal erklärt dass wir in die Marina geschleppt werden müssen, da der Fischer, bei dem wir im Päckchen liegen morgen in aller Frühe zum Fischen fährt und wir bis dahin weg sein müssen, kann er nicht helfen. Da kommt ein Auto an und drin sitzt einer der Bosse der Marina. Verwundert sieht er Annemarie an und fragt was los sei, da er ja weiß, dass wir doch schon weg sind. Sie erklärt ihm was passiert ist und dass wir Hilfe brauchen. Herr Meier, so sein Name sagt dem Pförtner, dass er Monica, die Geschäftsführerin anrufen soll und diese wiederum den Marinero in die Marina zitieren soll der uns dann schleppen kann. Mit etwas Glück, Durchhaltevermögen und der Hilfe von Herrn Meier kam dann schließlich doch noch ein „Schleppzug“ zu stande.

Heute ist Montag und wir wollen sehen was wir tun können um so schnell wie möglich wieder von hier weg zu kommen. Erst gehe ich ins Büro um alles zu klären und Gonzalo anrufen zu lassen. Der sagt er würde morgen kommen. Nein, lasse ich ihm klar machen, nicht morgen sondern heute. Na gut, dann heute Nachmittag. Er erscheint tatsächlich und wir machen uns an die Arbeit. Er kommt zu dem gleichen Schluss wie ich, die Pumpe ist hinüber. Da sie aber erst vor kurzem überholt wurde und ich eine Garantie von einem Jahr darauf habe, werde ich morgen mit Gonzalo zu der Firma fahren und dann sehen wir weiter.
Jetzt kümmere ich mich um das Vorstag. Um nicht auf den Mast steigen zu müssen nehme ich mir das Fernrohr und sehe mir den Masttop an. Nun haut es mich aus allen Wolken. Es kommt knüppeldick. Das 8 Millimeter dicke Vorstag ist direkt am Pressterminal gebrochen, was so viel heißt, es muss ein komplett neues Vorstag her inklusive neuem Terminal. Gleich sause ich nebenan zu unserem Freund Fabian und erkläre ihm, dass ich ein neues Vorstag brauche. Das gibt es nur in Porto Alegre, hier gibt es so etwas nicht. Diese Nachricht trägt nicht gerade zu einer Stimmungsbesserung bei. Also werde ich morgen das Vorstag abmontieren es genau ausmessen und dann soll Fabian ein neues bestellen, das dann per Kurier nach hier gebracht wird. Somit sind Annemarie und ich der Überzeugung, dass der Januar in Rio Grande bereits gesichert ist und wir bestimmt nicht vor Februar hier weg kommen. Von wegen schnell richten und in einigen Tagen wieder abhauen. Brasilien will und will uns einfach nicht loslassen.

Nachtrag: Soeben komme ich aus Pelotas zurück. Ich war bei der Firma, die mir im Februar letzten Jahres die Einspritzpumpe repariert hatte. Eine Inspektion hat ergeben, dass die Antriebswelle gebrochen ist. Also kein Garantiefall, dafür aber um so teurer. Alle Ersatzteile müssen erst besorgt werden, so dass dies eine langwierige Sacher werden wird. Ebenso die Besorgung für das Material für das Vorstag. Gestern rannte Annemarie den halben Tag in Rio Grande rum nur um Splinte aus Edelstahl zu finden. Passende Bolzen von 12 mm Stärke in Edelstahl sind überhaupt nicht aufzutreiben. So bald es hier um Edelstahl (Inox) geht, gehen hier die Lichter aus. Um nun dies alles regeln zu können auch die finanzielle Seite, wird es bestimmt Anfang März werden. So lange werde ich dann wohl weiterhin aus Rio Grande berichten
Dies ist wirklich ein toller Beginn des neuen Jahres. :-(

3.01.2011

24. Dezember 2010

Das Ruder das wir haben richten lassen haben wir inzwischen (ohne Gonzalo, er kam mal wieder nicht) versucht einzubauen. So weit so gut, nur es gibt, wie soll es auch anders sein, ein Problem, denn die haben in der Werkstatt beim schweißen nicht darauf geachtet, dass der Schaft mit dem Ruder in der Flucht, also in einer Linie mit dem Ruderblatt ist. Der Ruderzapfen am unteren Ende geht nicht in das Lager, er ist zwei Zentimeter daneben. Die Löcher für die Arretierung des Ruderquadranten sind ebenfalls am falschen Platz. Das hebt auch nicht gerade die Stimmung. Also gibt es nur eins und zwar Reklamieren. Wir gehen zur Werkstatt und tragen unser Anliegen vor. Inzwischen spreche ich so leidlich einen spanisch/portugiesischen Mix. Ich weiß jedenfalls was ich will und der Mechaniker versteht mich auch. Am Nachmittag kommt er vorbei holt das Ruder ab und bringt es bereits zwei Stunden später repariert zurück. Jetzt passt alles. Am nächsten Tag bauen wir das Ruder wieder ein. Alles ok. Die Schiffsschraube wird ebenfalls angebaut und wir warten jetzt nur noch auf den Kran.

Wir sind so weit fertig und könnten eigentlich ins Wasser. Der Kran soll heute um 14:00 Uhr kommen, uns vom Bock heben und am Kran hängend auf den Boden stellen. Dann können wir die Auflageflächen am Boot noch abschleifen und streichen. Es wurde uns versprochen, dass wir dafür zwei Stunden Zeit bekommen bevor wir endgültig ins Wasser gehen.

Soeben kommt Renato, der Besitzer des Krans und erklärt mir, dass etwas dazwischen gekommen ist und der Kran heute anderweitig gebraucht wird. Er meinte in drei oder vier Tagen wäre es dann kein Problem. Ich erkläre ihm, dass es wohl ein Problem ist, denn das Boot ist bereits mit Antifouling gestrichen und innerhalb von 48 Stunden ins Wasser da sonst die Wirkung der Antibewuchsfarbe verloren gehen kann. Wenn es mir nichts ausmacht und wir hier genügend Licht haben, damit der Kranführer was sehen kann, dann würde er noch heute so gegen 18 oder 20:00 Uhr kommen. Das ist auch ok, Hauptsache ist dass wir endlich unseren „Landurlaub“ beenden können. Nachdem wir alles geklärt haben sagt Renato noch was zu mir und ich denke ich habe mich verhört. Also frage ich nochmal nach. Nein, ich habe mich nicht verhört. Er meint nämlich ich brauche die 1000 Rials (ca 450 €) für den Kran nicht zu bezahlen es wäre sein Weihnachtsgeschenk an uns. Da fehlen mir doch die Worte. Natürlich bedanke ich mich tausend mal. und freue ungemein. Annemarie hat ihm daraufhin für Morgen gleich ein Blech Streuselkuchens versprochen, den er schon mal bei uns gegessen hat und der ihm und seiner Frau so gut schmeckt.

Der Kran kommt dann doch erst zwei Tage später, am späten Nachmittag. Die ganze Aktion dauert mehrere Stunden und bis das Boot im Wasser ist ist es bereits finstere Nacht. Es geht alles gut und das ist die Hauptsache.

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Restarbeiten

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 Kurz vor der „Landung“

Bis zu unserer Abreise Ende Dezember haben wir noch viel zu tun. Die Streicharbeiten sind noch nicht ganz fertig, denn das Deck bekommt ebenfalls einen neuen Anstrich. UKW und Kurzwellenantenne müssen angebaut werden, der Antrieb für den Autopiloten wartet auf seinen Einbau usw. usw. Arbeit gibt es noch genug.

Wir haben heute den 21.12. und wir wollen am 25.12 hier absegeln. Also stehen die Amtsgänge an wie Einwanderungsbehörde (Policia Federal), Hafenkapitän (Capitania) und evtl. der Zoll (Receita Federal). Bin neugierig was da rauskommt, denn wir sind nun über ein Jahr in Rio Grande und 1½ Jahre in Brasilien. Wir kommen an bei der Einwanderungsbehörde und zeige das Dokument vor, welches wir damals bei unserer Ankunft bekamen. Der Beamte ist freundlich und zuvorkommend und das Beste ist, dass er sehr gut englisch spricht. So kann ich ihm alle Umstände die dazu führten, dass wir immer noch im Land sind problemlos erklären. Normal muss man, wenn an ausklariert ist innerhalb von 24 Std. das Land verlassen. Ich erkläre so nebenbei, dass wir so schnell wie möglich abfahren werden, im Moment jedoch das Wetter nicht so gut ist und der Wind erst am 25.12. für uns günstig ist. Kein Problem meint er und klariert uns schon mal für den 25. aus. Das ist absolut ungewöhnlich, denn teilweise ist es so, dass wenn man sagt, dass am erst am nächsten Tag abfährt, kann einem passieren ,dass sie verlangen, dass man erst am nächsten Tag kommt. Die Hürde wäre genommen. Nun der Hafenkapitän. Der sagt uns, wir müssen erst zur Gesundheitsbehörde. Was soll das denn bei der Ausreise. Dort waren wir bei der Einreise. Also gehen wir zur Gesundheitsbehörde. Die aber schütteln nur den Kopf und erklären uns, dass dies nicht nötig sei. Vorsichtig und durch Schaden klug geworden lasse ich mir von dem Mitarbeiter der Behörde den Namen und die Telefonnummer geben. Zurück bei der Capitania gebe ich weiter was uns soeben mitgteilt wurde. Nein, das sei nicht richtig und wir müssen bei der Gesundheitsbehörde ausklarieren. Hab ich mir gedacht dass es so kommt und deshalb ziehe ich den Zettel mit der Telefonnummer aus der Tasche und reiche sie dem Beamten. Nach einem trotzdem noch fünf Minuten dauernden Gespräch ist klar, dass ich dort nicht hin muss. Aber wir müssen zum Zoll und dann wieder zurück zur Capitania, wird uns erklärt. Das wird ja was geben. Das war schon bei der Ankunft so ein Fiasko, weil sich keiner auskennt. Wir waren über zwei Stunden dort. Ich will nur das Kurioseste wiedergeben. Es ging erst mal um ein Papier, welches genau diese Stelle bei der Auskunft auszustellen hat,uns es damals aber mit den Worten, wir seien ein Notfall und können deshalb nicht einklariert werden, dieses verweigert wurde.. Jetzt aber, wollen sie genau dieses Dokument haben. Nun wird es schwierig. Die Dame spricht kein englisch und mein Kauderwelsch reicht nicht aus. Nach längeren unfruchtbaren Versuchen uns zu verständigen ging die Dame zu ihrer Vorgesetzten, die wiederum zu ihrem Chef, der nach ca. einer halben Stunde kam. Er sagte mir nichts neues, sondern nur dass ich ein Zoll-Einreisedokument vorweisen muss. Wenigstens spricht er so lala englisch. Ich erkläre ihm dass mir seine Behörde das Dokument damals wegen Notfall verweigert hätte, mit der Begründung, dass ich es nicht brauche. Sehen Sie, sagt er zu mir, genau das ist das Problem. Ohne das Einreisedokument keine Ausreise. Langsam aber sicher schwillt mir der Hals wie bei einem Frosch. Das was der sagt gleicht der Quadratur des Kreises. Ist wirklich toll. Wir können uns nicht einigen und so schickt er mich zur nächsthöheren Dienststelle. Aber da weiß ich von zwei verschiedenen Yachten, dass die einen kurzerhand wieder zurückschicken da sie dafür nicht zuständig sind. Ich habe das Problem auf meine Weise geregelt. Da wir damals weder bei der Capitania noch beim Zoll registriert, also einklariert wurden, habe ich beiden in Gedanken den Stinkefinger gezeigt und fahren eben los ohne diese Papiere. Registriert waren wir einzig und allein bei der Einwanderungsbehörde und dort sind wir ganz normal ausklariert worden. Wir segeln nun in kleinen Schritten die brasilianische Küste nach Norden und werden immer nur ankern bleiben nur kurze Zeit und segeln dann weiter. Das Ein und Ausklarieren schenken wir uns. Ist zwar nicht ganz legal, geht aber. Ab Salvador werden wir eh direkt nach Lanzarote segeln und dort brauchen wir keine Papiere, ist immer noch unser Wohnsitz.

Nun haben wir bereits den 24.12. und ich schreibe gerade an diesen Bericht. Ich hoffe ich finde noch eine Möglichkeit ihn ins Internet zu geben. Morgen ist Weihnachten, da ist leider alles zu.

Auf jeden Fall wünsche ich trotzdem allen meinen Lesern ein frohes und ruhiges Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Vermutlich werden wir zur Jahreswende irgendwo in der Nähe von Rio de Janeiro auf See sein.

29.11.2010

25. November 2010

Meine Vermutung, am Schluss des vorherigen Berichtes, dass Gonzalo bei schlechtem Wetter nicht kommt, hat sich bestätigt. So schlimm ist es aber auch nicht, denn arbeiten hätten wir eh nicht gekonnt. So machen wir uns einen schönen Tag und schauen uns auf dem Laptop Filme an bis wir viereckige Augen haben. Ist auch mal ganz nett.

Am nächsten Tag ist es wieder so weit schön, dass Annemarie die dritte Schicht der Grundierung aufbringen kann. Ich kümmere mich um „schmutzige“ Dinge wie Achterpiek entrosten und mit Rostumwandler einstreichen. Ist wirklich eine miese Arbeit, muss aber sein. So vergehen die Tage und wir kommen vorwärts. Es tut sich was. Somit ist auch der Frust vorbei, der sich anstaut wenn man, warum auch immer, nicht vorwärts kommt.

Gonzalo lässt sich wieder mal sehen und erklärt mir, dass der Dreher für seine Arbeit 800 Rials (ca. 350 €) verlangt, was Gonzalo gleich ablehnt. Seiner Meinung nach ist das viel zu viel. Also geht die Suche weiter, was wieder einige Tage dauert. So lange wir hier am Boot zu tun haben ist das alles kein Problem, nur falls es zu lange dauert und wir deshalb aufgebockt bleiben müssen, dann wird es ärgerlich.

Das Überwasserschiff ist endlich abgeschliffen und Annemarie ist fleißig am streichen oder besser gesagt am rollen. Die Rolle habe ich auf eine Teleskopstange gesteckt und diese ganz ausgezogen. Den blauen Streifen haben wir diesmal weggelassen, denn der Aufwand wäre uns zu groß gewesen. Einen Vorteil hat das Ganze. Der Rumpf sieht dadurch etwas größer aus. Obwohl Annemarie auf einem Podest steht hat sie große Probleme bis an die obere Kante des Bootes zu gelangen. Ist nun mal Pech wenn man so klein ist. Der erste weiße Anstrich ist am Abend fertig und es warten in den nächsten Tagen noch weitere zwei Anstriche. Wenn wir fertig sind werden wir mehr als 40kg Farbe verarbeitet haben.

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Verdammt hoch

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fast fertig

Von den Pinseln, kleinen und großen Rollen, etliche Rollen Abklebestreifen nebst nicht mehr brauchbaren Gummihandschuhen will ich gar nicht reden. Aber Hauptsache ist doch, dass sich was bewegt. Und es bewegt sich wirklich was, denn Gonzalo ist fündig geworden. Drei Tage später kommt Gonzalo mit dem Mechaniker, der sich das Ruder ansehen will. Als alles klar ist was gemacht werden soll verabschiedet sich der Mechaniker der zu Fuß kam, da die Werkstatt in der Nähe liegt. Gonzalo nimmt die Gelegenheit beim Schopf, bringt den Mechaniker mit seinem Auto zurück und verhandelt während der Fahrt über den Preis.

Als er zurückkommt frage ich natürlich voller Spannung, wie viel es kostet. Ich rechne nochmal kurz im Kopf durch. Der erste verlangte 1200 Rials plus 300 Rials Material (ca. 750 €), der zweite verlangte 800 Rials ohne Material (ca 350 €), dann wird dieser vielleicht 500 Rials (ca.220 €) verlangen. Gonzalo grinst und meint,nein keine 500 Rials, sondern 200 Rials (ca. 87 €). Das haut mich aber um. Das Material habe inzwischen schon eingekauft und kostete mich 130 Rials (ca. 57 €). Das Suchen hat sich also gelohnt, denn schneller kann man knapp 700 € nicht mehr verdienen. Danke Gonzalo, ohne Dich hätte ich das nicht geschafft.

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Ruder ohne Schaft

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Ruder fertig zum Einbau

Gleich am späten Nachmittag wird das Ruder geholt und ist am nächsten Tag morgens um 9:00 Uhr fertig geschweißt wieder zurück. Es ist noch so heiß, dass wir es ohne Handschuhe gar nicht anfassen können als wir es vom Wagen heben. So schnell und vor allem sauber hat bisher noch keine Firma gearbeitet

Um das Ruder einbauen zu können muss das untere Widerlager, aus dem es damals gesprungen ist, abgebaut werden. Das ist nicht ganz so einfach, denn die vier Haltebolzen mit denen es befestigt ist wurden seit über fünfundzwanzig Jahren nicht geöffnet. Wir gehen mit Hammer und Meißel ans Werk und klopfen erst mal auf die Bolzen um deren Muttern zu lockern. Dann schrauben wir sie auf. Das Dumme dabei ist nur, dass die Bolzenköpfe rund sind und nicht, wie bei Schrauben üblich, sechseckig. Die aufgeschraubten Muttern sind zu allem Überfluss an zwei Seiten abgerundet und an den anderen zwei Seiten flach. Einen Schraubenschlüssel aufzusetzen ist nicht möglich. Mit Franzosen und Wasserrohrzange gehen wir ans Werk und nachdem ich mir einmal den Finger klemme und beim zweiten klemmen an der Handfläche sogar eine Blutblase hole, sind die Muttern offen und das Lager kann abgenommen werden.

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unteres Ruderlager

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Lager wird abgenommen

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geschafft, das Lager ist abgebaut

Übermorgen haben wir Samstag und Gonzalo will bis dahin einen Flaschenzug besorgen mit dem wir dann das Ruder einbauen können. Was wiederum so viel heißt, dass wir womöglich nach zwei Monaten „Landaufenthalt“ wieder ins Wasser können. Wir werden sehen was nächste Woche passiert.

Sind wir wieder im Wasser ist noch bei weitem nicht alles erledigt. Die Reling ist zwar gerichtet, trotzdem sind an ihr noch kleine Schweißarbeiten zu machen. Die Ankerwinsch ist kaputt, kann aber hier nicht gerichtet werden, was heißt, dass Muskelarbeit angesagt ist. 40 Meter Kette und 25 kg Anker müssen von Hand hochgezogen werden. Wenn Frau am Steuer ist und gut manövriert und der Anker sich nicht irgendwo verhakt hat, dann ist es möglich (inklusive Rückenschmerzen). Einen weiteren Sterling Regler für die Lichtmaschine des Motors werde ich auch noch einbauen. Damit kann ich bei Motorfahrt die Batterien (550 AH) innerhalb einer Stunde von 50% auf 100% laden, was die Sicherheit erhöht. Einen solchen Regler habe ich bereits an meinen 12 Volt Generator angebaut und er hat sich dort seit zwei Jahren hervorragend bewährt.

Die meiste Arbeit jedoch ist, na was wohl? Streicharbeit!! Denn unsere Lady soll nicht nur ein schön gestrichenes Kasko bekommen, sondern auch ein schönes weißes Deck mit ebenso schönen und weißen Cockpit. Da geht es nochmal so richtig zur Sache.

So wie es jetzt im Moment aussieht geht unser Aufenthalt in Rio Grande dem Ende entgegen. Wenn alles glatt läuft (und das hoffe ich nun doch sehr, Probleme gab es bisher mehr als genug), dann werden wir Ende Dezember, gutes Wetter vorausgesetzt, in Richtung Norden aufbrechen. Es soll in kleinen Schritten von 300 – 500 Meilen, ( für Nichtsegler etwa 550 – 900 km) bis Salvador und dann (endlich) nach Trinidad gehen, was aber auch heißt, dass wir vermutlich Silvester auf See verbringen und auf See gibt es auf unserem Schiff keinen Alkohol:-(. Nach Trinidad werden wir, so ist es vorgesehen, nicht alleine Segeln, denn Erwin der Deutsch – Argentinier wird in Salvador auf uns warten um sich dann gemeinsam mit uns auf den Weg zu machen..

Im August/September 2011 werden wir vermutlich in Lanzarote sein und von dort aus einige Monate Deutschland besuchen. Geht unser Plan auf, sind wir im Januar/Februar 2012 zum dritten mal auf der Atlantiküberquerung, dann aber in Richtung Venezuela. Nur muss ich sagen, es werden nie so schnell und so oft Pläne umgeworfen wie beim Segeln. Es fließt bis dahin noch viel Wasser den Amazonas, den Rhein oder die Donau runter.

12.11.2010

09. November 2010

Es sind nun schon einige Tage vergangen und wir, bzw. ich mühe mich redlich damit ab den Bootsrumpf von alten Farb und Muschelresten zu befreien. Annemarie kann nicht viel tun, denn sie hat keine Maschine und kann mit dem Spachtel nur am Kiel rumkratzen. Weiter oben am Rumpf geht sie mir nicht dran, denn da müsste sie auf die Leiter oder auf das inzwischen aufgestellte Gerüst steigen und bei beiden weigert sie sich. So arbeite ich in den nächsten Tagen mit mehr oder weniger großen Pausen. Das Wetter ist heiß und die Arbeit sehr anstrengend. Abends sammle ich meine Knochen ein und versuche zu schlafen was aber Rücken und Bandscheiben nicht so ohne weiteres zulassen. Ohne Medikamente geht da gar nichts mehr. Normal müsste man sich auskurieren, was nicht möglich ist, denn das Boot muss ja irgendwann mal fertig werden. Also morgens nach dem Frühstück gleich mal wieder zwei „Schmerzfrei-Bomben“ von beträchtlicher Wirkung reingehauen und die Arbeit geht weiter.

Es ist Sonntag und da machen wir auch unseren Laden zu. Annemarie versucht sich als Arzt und macht sich mit dem Buch „Medizin auf See“ von Dr. Meinhard Kohfahl, einem segelndem Arzt, schlau. Das Buch würde ich wirklich jedem Langzeitsegler empfehlen, möchte hier aber nicht näher darauf eingehen, es würde den Rahmen dieses Berichtes sprengen. So viel aber noch dazu. Genau das Problem, nämlich Überbeanspruchung und dadurch Verkrampfung des Rückens, wird in einem Kapitel behandelt, mit dem Ratschlag man solle dies durch ausgedehnte Spaziergänge ausgleichen. Macht riesig Spaß, wenn der Rücken eh weh tut und man dann noch gehen soll. Kostet schon eine ganze Menge Überwindung. Also fahren wir mit dem Bus nach Cassino, ein Ort direkt am Strand. Dort nehmen wir unsere Wanderung auf und latschen die ca. 8 km bis nach Barra. Erst tut der Rücken verdammt weh, dann aber, wenn alle Muskeln warm sind, werden sie weich und die Wanderung ist interessant. Wir reden dabei über Gott und die Welt, so dass wir gar nicht merken wie schnell die Zeit und die Kilometer vergehen

Nach einiger Zeit, ich habe nicht auf die Uhr geschaut, kommen wir in Barra an, d.h. an der kürzlich fertig gestellten Mole. Dort haben sie den Betrieb mit den „Segel – Loren“ wieder aufgenommen. Auf der Mole sind Schienen verlegt und mit Loren, die mit einem Segel bestückt sind, werden Leute bis zum Ende der Mole gefahren. Sind alle Loren angekommen, geht der Spaß Rückwärts und sie fahren zum Ausgangspunkt zurück. Bei schönem Wetter, wie heute, geht es hier zu wie auf einem Rummelplatz. Das ist hier in der Umgebung die Attraktion. Kein Wunder, denn mit Freizeitangeboten sind die hier mehr als sparsam.

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Segel – Lore

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raue See

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Stärkung muss sein

Hier angekommen gehen wir zur nächsten Bushaltestelle und fahren zurück nach Rio Grande. Wir steigen schon ziemlich früh aus, denn wir haben Spaß am Laufen gefunden und legen die restlichen vier Kilometer bis zum Yacht Club zu Fuß zurück. Über meine Rückenschmerzen kann ich an dieser Stelle nichts mehr berichten, denn die Verkrampfung hat sich gelöst, die Schmerzen sind weg. Oder kommt es nur daher, weil mir jetzt die Füße weh tun :-)

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vom Winde verweht

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Schienenwanderung

Aber das, was mir Annemarie jetzt gesteht ist der absolute Hammer. Denn das was sie mir von wegen mit der Bewegung und so erzählt hat steht gar nicht im Buch. Hat sie nur so gesagt, weil sie meint, hätte sie nicht gesagt es würde im Buch stehen, dann hätte sie es sicher nicht geschafft mich vom Boot zu bewegen. Frauen!!!

Heute müssen wir mal wieder Einkaufen, nicht nur Lebensmittel, sondern auch neue Schleifscheiben um am Boot weiter arbeiten zu können. Vom Yacht Club in die Stadt ist es ein Weg von ca, 10 Minuten, je nachdem wo man hin will. Also gehen wir zu Fuß in Richtung Stadt und unterhalten uns sehr angeregt. Ein jüngeres Paar kommt uns entgegen, welches wir nicht besonders beachten. Wir sind gerade an ihnen vorbei als ich höre: „die sprechen deutsch“. Vollbremsung und umgedreht. Die beiden bleiben ebenfalls stehen. So kommen wir ins Gespräch. Es sind Wiener, sehr nette übrigens und sagen uns, dass sie mit ihrem Boot am Steg des Ozean Museums liegen, welches gleich um die Ecke des Yacht Clubs ist. Schnell haben wir was ausgemacht und treffen uns am Abend auf ihrem Boot, eine 42 Fuß Stahlyacht. Dabei werden natürlich Fragen gestellt und beantwortet mit dem woher und wohin, ach den kennt ihr auch, den haben wir dort und dort getroffen usw. Man möchte es nicht glauben, wie klein die Welt, besonders die des Seglers ist. Man trifft immer wieder neue Leute wo man dann feststellt, dass man gemeinsame Bekannte hat. Die „Segler – Familie“ ist durch die Bank sehr Kontakt und Mitteilungsfreudig. Und es ist auch schön wenn man erfährt wo sich der eine oder andere gemeinsame Bekannte gerade befindet und was er tut. Barbara und Christoph haben eine sehr gute Webseite. Ihr könnt sie unter www.sytaurus.com besuchen. Solltet mal nachsehen, rentiert sich wirklich.

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Barbara

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Christoph

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wieder mal ein Abschied

Es ist wieder mal Sonntag unsere „Arbeitsstelle“ ist geschlossen und wir machen nochmal die Wanderung wie letzte Woche von Cassino den Strand entlang nach Barra. Diesmal mit Barbara und Christoph. Die Sonne scheint und die Temperatur ist angenehm, nur es weht ein sehr starker Wind. Als wir am Strand anlangen können wir kaum was sehen, da der Wind uns den Sand in die Augen treibt. Glück für uns ist, dass wir bei der Strandwanderung den Wind von hinten bekommen und so es erträglich ist. Die Wellen schlagen hoch und Gischt wird von den Kämmen abgeweht. Der Sand wird aufgewirbelt und verleiht einem ein „Sahara-Feeling“. Teilweise kann man kaum noch was sehen, so staubt es. Wenn der Sand in Streifen über den Strand in Richtung Wasser geweht wird, sieht es aus wie wir es in unseren Breiten vom Winter her gewohnt sind wenn wir so richtig schönes Schneegestöber haben, nur dass es eben Sand ist. Es dauert nicht lange, da gesellen sich zwei Hunde zu uns, die uns tatsächlich bis Barra begleiten. Während der eine am Ende des Strandes umkehrt und zurück läuft, begleitet uns der andere doch tatsächlich immer noch. Wir gehen nach Barra und trinken ein paar kühle Bierchen in der Nähe des Stegs an dem wir so lange lagen. Die beiden „Steg-Hunde“, die von uns damals die Namen Molli und Casanova bekamen, erkannten uns sofort und es gibt ein gequietsche und gekreische seitens der beiden vor lauter Wiedersehensfreude, die aber nicht all zu lange anhält, wir mussten ja wieder zurück nach Rio Grande. Molli hatte, als wir noch da waren, zum zweiten mal geworfen. Vier Welpen. drei Männchen und ein Weibchen. Ein Männchen fiel damals am Steg ins Wasser und ertrank. Ich habe versucht es aus dem Wasser zu ziehen, ging aber nicht, denn das Wasser war zu niedrig und es fehlten ca. 20 Zentimeter um es vom Steg aus zu erreichen. Es schwamm in die verkehrte Richtung, nicht zum Strand sondern zum Fluss. Es war nichts zu machen. Was mit den beiden anderen Männchen war bzw. ist, weiß ich nicht, denn wir sehen nur noch ein Junges und das ist das Weibchen.

Am Schiff geht es so nach und nach vorwärts. Das Unterwasserschiff ist nun komplett abgeschliffen und es kann mit einem Epoxi-Primer grundiert werden. Da ist Annemarie am Zug. Mit Streicharbeiten habe ich nichts zu tun, da heißt es dann bei mir immer: „ich Ausländer, ich andere Baustelle“. Ist das nicht schön, andere arbeiten zu lassen? Muss Arbeit schön sein. Könnte stundenlang zusehen. Es geht dann auch ziemlich schnell und der erste Anstrich ist aufgebracht. Am nächsten Tag folgt dann der zweite. Dann hat Annemarie wieder Pause, denn ich muss nun das Überwasserschiff abschleifen und die Roststellen ausbessern. Der dritte Anstrich der Grundierung unter der Wasserlinie kommt erst, wenn die weiße Farbe und der blaue Streifen oberhalb der Wasserlinie angebracht sind. Klingt ein bisschen Umständlich, ist aber so. Denn wenn die Grundierung fertig ist, werden noch drei Schichten Antifouling (für Nicht-Segler: Unterwasser-Anstrich der den Bewuchs hemmen soll, leider hilft er in den meisten Fällen nur die Kassen der Hersteller zu füllen) aufgetragen. Dann muss aber das Boot nach maximal 24 Stunden im Wasser sein, da sonst die eh schon geringe Wirkung ganz verloren geht. Hat man in Deutschland mit diesen Farben schon seine Probleme, so taugen sie hier gar nichts und die Prozedur muss nach fünf Monaten bereits wiederholt werden. Also Schiff raus, abkratzen, altes Antifouling entfernen und neu auftragen. Hätte mir vielleicht doch lieber ein Wohnmobil kaufen sollen.

Mit den Wienern Barbara und Christoph verbringen wir noch einige schöne Tage, bevor wir Abschied nehmen und sie in Richtung Süden weiter segeln. Als nächstes Ziel werden sie wohl Mar de Plata in der Rio de La Plata Mündung anlaufen um dann weiter nach Ushuhaia und um das Kap Horn in den Pazifik zu segeln.Auf der Website von Freunden habe ich mal gelesen wir wären alle Weltmeister im Abschied nehmen. Das kann ich nur bestätigen.

Obwohl man sich nur kurz kennt, bleibt doch bei jedem Abschied für eine Zeit eine gewisse Leere zurück, die aber meistens schnell durch neue Bekanntschaften wieder ausgefüllt wird. So auch bei uns, denn wir lernen hier im Yacht Club Luiz aus Mozambique mit seiner brasilianischen Frau Marli kennen als wir sein wunderschönes Aluschiff bewundern. So kommen wir schnell ins Gespräch und erfahren, dass er in Zusammenarbeit mit der in Rio de Janairo ansässigen Werft Segelyachten konstruiert. Es sind die einzigen in Brasilien in Serie hergestellten Segelyachten. Dabei erzählt er mir, dass sie so wenig, am besten gar kein Material aus Brasilien verarbeiten, denn die zu bekommende Qualität der Bauteile wie z.B. Masten und anderes Zubehör reicht bei weitem nicht aus. Also wird alles eingeführt und mit bis zu 100% Zoll belegt. Was heißt, dass sich neue Yachten nur wirklich Reiche leisten können, was sich dann wiederum teilweise mit horrenden Preisen bei Ersatzteilen und Liegeplätzen niederschlägt. Das ist natürlich alles im Verhältnis zum Durchschnittseinkommen der Leute zu sehen. Ich höre schon die Protestschreie von manchen meiner Leser. Ich gebe ja zu, dass die im Yacht Club mit dem brasilianischen Durchschnittseinkommen wirklich nichts am Hut haben. Noch was zu den Preisen. Ich habe jetzt meinen eigenen Fotoapparat bekommen. Kann meinen „Leihapparat“ wieder an Gonzalo zurückgeben. Ich habe ein Sonderangebot, für 40€, das mir mein Sohn besorgt hat

Man freut sich schon, wenn man den gleichen Apparat im Schaufenster sieht aber nicht für 40 sondern für 350, nicht Reals sondern Euro.

Ein neues Boot mit englischer Flagge ist im Yacht Club angekommen, habe es nicht gesehen aber Annemarie hat es mir erzählt. Sie hat die Leute auch gleich angesprochen und zu ihrer Überraschung handelt es sich um Hans und Anneliese. Sie aus Innsbruck und er aus der ehemaligen DDR, hat aber bereits in den siebziger Jahren Erich und Konsorten den Rücken gekehrt und ihnen aus dem Westen den Stinkefinger gezeigt. Wir haben schnell alle zueinander Kontakt gefunden und verstehen uns prima. Anneliese ist, wie gesagt aus Innsbruck und ich bin fast vor ihrer Haustür, in Kiefersfelden, die ehemalige Grenzstation zu Tirol, aufgewachsen. Da hat man dann gleich viel zu erzählen und findet viele Gemeinsamkeiten.

Wie geht es nun an unserem Boot weiter? Also, die Farbarbeiten sind zwar noch nicht erledigt aber der Ablauf ist weitgehend geregelt. Problem macht nur noch das Ruder. Mithilfe von Luiz aus Mozanbique, der hier viele Leute kennt, ist ja schließlich mit einer Brasilianerin verheiratet, will mir jemand besorgen der in der Lage ist das Ruder zu richten. Es ist auch bald jemand gefunden der sich mir bzw. des Ruders annimmt. Er schaut sich die Sache an und er meint es müsse der komplette noch am Ruder verbliebene Schaft abgetrennt und ein neuer Schaft eingeschweißt werden. Dazu braucht er schon mal eine 2,70 Meter lange und 5 cm dicke Stahlstange aus Vollmaterial und meint kostet schon mal (umgerechnet) 150 € und die Arbeitszeit würde 1200 Rials betragen was eine Gesamtrechnung von (wieder umgerechnet) ca. 750 € ausmachen würde aber nur wenn es keine Komplikationen gibt. Da erhebt sich gleich die Frage, was läuft hier schon ohne Komplikationen? Für mich ist das eine Vorankündigung, dass die 750 € am Ende nicht ausreichen. Jetzt muss der sich erst noch den Tisch besorgen über den er mich ziehen will. Nein, Danke, der Deal ist geplatzt.

Ich wende mich mal wieder an Gonzalo, das dauert bei dem immer sehr lange aber dafür geht es meist preiswerter ab. Wir fahren zusammen zu einem Dreher der den zukünftigen Schaft bearbeiten soll und erkundigen uns bei einer Eisenwarenhandlung nach dem Preis für die „Eisenstange“. Nun kommen wir beim Material für den Schaft nur noch auf ca. 50 € und der Arbeitspreis, so meint Gonzalo, wird bestimmt nicht mehr als 250 € betragen, vielleicht noch weniger. Also wenn ich jetzt meine grauen Zellen zum arbeiten bringe, dann ist das so gesehen doch gleich mal… Moment ich rechne… also… jetzt hab ichs, eine ganze Menge weniger als 750 €. Jetzt wollen wir nur mal sehen wie lange es dauert bis alles so weit ist. Was mir dieses blöde Ruder bereits Nerven gekostet hat ist wirklich schauerlich. Die Ironie an der ganzen Sache ist, was wir jetzt festgestellt haben, dass es das alles nicht gebraucht hätte. Das Ruder ist leicht in sich verbogen, ja, aber es spielt keine Rolle, denn beim Segeln ist das Ruder eh immer in Bewegung, es ist ja nicht starr festgemacht und man fährt immer gerade aus. Die Inkompetenz des Tauchers hat mir den ganzen Schlamassel beschert. Dieser war nicht fähig das herausgesprungene Ruder wieder ins Lager einzusetzen. Hat erklärt, dass dies unmöglich sei und das Ruder müsse abgeschnitten werden. Dabei hätte das Lager nur abgeschraubt werden müssen, um es auf das Ende des Schafts zu stecken. Dann hätte man es wieder angeschraubt und das ganze wäre ok gewesen. Der Chef der Taucher hat gesehen welchen Mist die gemacht haben, deshalb ist er auch bis heute noch nicht da gewesen um mir die Rechnung zu bringen. Sollte er das wirklich tun, dann werde ich ihm erst mal eine Rechnung über 40 € präsentieren, denn so viel hat es mich gekostet eine neue Bronzemutter für die Schiffsschraube anfertigen zu lassen, die mir der Taucher ebenfalls versaut hat. Er hat die Mutter schräg aufgesetzt und mit Gewalt angedreht. Damit war dann das Gewinde der Bronzemutter versaut. Gott sei Dank ist die Schraubenwelle auf die er die Mutter geschraubt hat aus Edelstahl und der ist hart, denn sonst hätte ich wohl diese wegen eines versauten Gewindes auch noch erneuern müssen, falls ein Nachschneiden nicht funktioniert hätte. Das wäre bei Edelstahl sicher nicht so einfach gewesen.

Es ist Sonntag und wir haben uns für heute zum Grillen verabredet. Wir, das sind Hans und Anneliese, Luiz aus Mozambique mit seiner Frau Marli, der Japaner George mit Frau und deren Freunde. Hier im Yacht Club gibt es eine ganze Reihe fest installierter Grillplätze mit Tischen, Wasser, Spülbecken und Strom. Jeder bringt was mit und wir grillen Fisch, Camerons (Scampi), Hähnchenflügel usw. Es ist ein sehr heißer aber gemütlicher Sonntag Nachmittag. Einige werden sich fragen in welcher Sprache wir uns denn unterhalten. Das ist verschieden. Eigentlich in sämtlichen Sprachen der Leute die hier sind, mit Ausnahme von japanisch. Das wäre doch etwas zu viel verlangt. Hauptsächlich natürlich englisch. Ansonsten ein Mix von spanisch und portugiesisch. Wozu hat man denn Hände und Füße. Ein Krieg ist bisher noch nicht ausgebrochen, also scheinen wir immer die richtigen Worte getroffen zu haben. Ganz sicher kann man sich ja nie sein :-). Gegen Abend lösen wir die Gesellschaft auf und wir gehen nach Hause bzw. zu unseren Booten zurück.

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von links: Hans, Anneliese, Luis, Annemarie, Marli

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von links: Hans, Anneliese, Marli, Werner, „ wichtige Gespräche“

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Grillplatz

Am Montag ist es noch heißer als gestern. Wir haben 35° im Schatten. Trotzdem muss ich am Boot arbeiten. Annemarie ist mit Anneliese in die Stadt gegangen um Besorgungen zu erledigen und ich schwitze mir hier die Seele aus dem Leib. Bin gerade dabei das Überwasserschiff per Hand und Schmiergelpapier von losen Farbteilen zu befreien und die Roststellen mit der Maschine abzuschleifen.

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vor der Behandlung

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abgeschliffen und grundiert

Diese grundiere ich dann mit flüssigem Zink und verspachtle sie mit Epoxispachtel. Sehr mühevoll aber ich kann es nicht ändern. Ich befürchte (aus Erfahrung), dass das Wetter so nicht mehr lange halten wird, denn es ziehen bereits Cirruswolken auf, was einen Kaltlufteinbruch in großer Höhe bedeutet und dies wiederum ist meist die Ankündigung für schlechtes Wetter. Kann sein, muss aber nicht, denn bei Frauen und Cirren kann man sich irren.

Habe mich nicht geirrt, 48 Stunden später haben wir das Sauwetter. Wind, Regen und nur noch 15°C. Ein Temperatursturz von 20°. Deutschlandwetter lässt grüßen. Die Polarluft der Antarktis ist wirklich sehr unangenehm, vor allem wegen des Windes. Wir haben November und das entspricht auf der Nordhalbkugel dem Juli. Der Regen ist nicht so schlimm, da wartet man eben bis er vorbei ist. Ekelhaft ist dabei der Wind. Er ist nicht so stark, in den Spitzen knapp 30 Knoten ( 55 km/h) aber man bedenke, wir sitzen auf einem aufgebocktem Boot, das kaum bzw. gar nicht abgesichert ist. Klar, 16 Tonnen werden nicht so leicht umgeworfen aber es ist wirklich keine Freude wenn der Wind in den Wanten heult und das Boot viebriert als würde es jeden Augenblick abheben.Fing nachts so gegen drei Uhr an und Annemarie ging gleich mal flüchten und sitzt jetzt, wir haben inzwischen 13:30 Uhr, immer noch im Aufenthaltsraum des Yacht Clubs. Ich war für eine „Filmlänge“ bei ihr, bin aber dann wieder aufs Boot gegangen, denn ich habe keine Lust dauernd wach zu bleiben. Habe mich dann so gegen 06:00 Uhr wieder ins Bett gelegt und bis 09:00 Uhr geschlafen, was man so schlafen nennen kann. Diese Umstände geben mir die Möglichkeit und die Zeit diesen Bericht zu schreiben.

Ich habe es schon einmal erwähnt, dass man das Boot so blöd aufgestellt hat, dass das Heck über dem Wasser ist und ich kaum eine Möglichkeit habe dort hin zu kommen um zu schleifen und zu streichen. Aber gerade am Heck habe ich große Rostflecken und die Farbe blättert ab. Eigenes Verschulden. Ich darf kein Edelstahl mit normalem Stahl ohne gute Isolierung zusammenbringen, wie ich es gemacht habe, beim Anbringen der Einstiegsstufen. In Zusammenarbeit mit Salzwasser gibt es Elektrolyse und der Stahl rostet weg als würde Schnee in der Sonne schmelzen. Muss ich ablegen unter der Rubrik „Lehrgeld“. Ich dachte nämlich nur mit Gummi unterlegen würde reichen. Satz mit X, war wohl nix.

Mithilfe von Hans haben wir gestern eine Konstruktion gebaut, die mir erlauben soll am Heck zu arbeiten. Schon etwas abenteuerlich. Würde bestimmt nicht durch den TÜV kommen.

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abenteuerlicher Arbeitsplatz

Aber was solls. Ich werde mich beim Arbeiten sichern und ebenso die Schleifmaschine. Nicht dass wir beide baden gehen und es heißt dann, armer Kerl, dem ist der Fön in die Badewanne gefallen, Pech, dass er gerade in dem Augenblick auch in der Wanne war.

Jetzt werde ich warten bis das Wetter besser wird um wieder werkeln zu können. Gonzalo wollte heute kommen um das Ruder in die Werkstatt zu bringen aber meine Erfahrung sagt mir, dass ich ihn bei solchem Wetter nicht zu Gesicht bekomme. Mal sehen.

24.10.2010

12. Oktober 2010

Fabian unserem neuen Freund ist es gelungen über Beziehungen ein Unternehmen zu finden das uns für „nur“ 1000 Rials (ca. 500 EU) mit einem Autokran aus dem Wasser holt. Morgen ist es so weit und der Kran sollte um 9:00 Uhr hier sein.

Wir liegen immer noch am selben Platz. Inzwischen war das Wasser mal wieder so hoch, dass sich unsere Lady aufrichten konnte und nun steht sie wieder gerade. Jetzt aber haben wir Ebbe das Boot steht zwar aufrecht doch fehlen mindestens 40 cm Wasser unter dem Kiel und hat sich mit diesem in den Schlamm eingegraben.

Es ist Nacht so gegen 1:00 Uhr. Wind kommt auf. Plötzlich neigt sich das Boot und Annemarie kann nur mit Mühe verhindern, dass sie aus dem Bett fällt. Mit gehörigem Schreck und voll Angst verlässt sie eilig das Schiff und ist nicht mehr dazu zu bewegen zurückzukommen. Wir gehen beide in den Aufenthaltsraum des Yacht Clubs und versuchen dort auf den Sesseln zu schlafen. Das hat aber überhaupt keinen Sinn. Nach einiger Zeit kann ich Annemarie überreden wieder auf das Schiff zu kommen. Sie legt sich im Salon hin und klemmt sich zwischen Bank und Tisch so ein, dass sie schlafen kann.

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schräge Lady

Die Nacht und der Schlaf waren mehr als Bescheiden und wir stehen früh auf. Heute soll ja der Kran kommen und wir stecken im Schlamm fest. Als ich den „Platzwart“ erwische, der uns den Platz zugewiesen hat, obwohl ich ausdrücklich sagte er soll uns auf den alten Platz am Steg zurückbringen, habe ich ganz gehörige Wut im Bauch. Erst zeige ich auf das Boot und er kann sich ein geheimes Grinsen nicht verkneifen, was meine schlechte Laune noch steigert. Ich sage ihm, er solle uns von diesem Fleck wegbringen, worauf er meint, das geht nicht, denn das Boot steckt im Schlamm fest. Jetzt werde ich doch ziemlich laut und gebe ihm zu verstehen, dass gleich der Kran kommt und mich aus dem Wasser heben wird. Sollte das nicht möglich sein, weil das Boot so nicht gehoben werden kann, dann garantiere ich ihm, dass er die Rechnung für die Ausfallstunden des Krans aus seiner Tasche zahlen muss, dafür werde ich sorgen. Das macht ihn doch etwas betroffen und sein Grinsen verschwindet ganz schnell. Der Kran kommt und der „Platzwart“ saust wie ein Wiesel zum Kranführer und spricht mit ihm. Dieser meint dass das Boot in tieferes Wasser gezogen werden muss, damit die Gurte unter dem Kiel durchgezogen werden können. Das ist ein Problem, denn die haben hier kein Boot das dies schaffen würde. Da fällt mir etwas ein. Ich sage den Männern, die den Kran bedienen, sie könnten doch an Bug und Heck die Lenzöffnungen wie Henkel hernehmen und die Gurte dort mit Schäkel festmachen. Das tun sie dann auch und heben das Schiff an und Zentimeter für Zentimeter befördern sie es in tieferes Wasser bis es schwimmt. Das ist alles schnell beschrieben und erzählt, in Wirklichkeit aber dauert die ganze Aktion, bis das Boot auf dem Trocknen steht, ganze sechs Stunden.

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“missbrauchte“ Lenzöffnung

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Erster Versuch

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Es geht Aufwärts

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Landeanflug

Der Kranführer fragt mich, wie schwer denn das Boot wohl sei. 12 Tonnen vermute ich, ist meine Antwort. Er lächelt nur und sagt ich solle zu ihm zum Führerstand kommen. Er zeigt auf ein Instrument und mich haut es fast von den Socken. Das gibt es doch gar nicht. Ich glaube mich laust der Affe. Das Teil wiegt doch tatsächlich glatte 16 Tonnen. Dabei sind der Diesel und der Wassertank nicht mal halb voll. Die vollen Tanks machen ca. 350 Kilo (400 Liter)für Diesel und etwa 500 Kilo für Wasser aus.Der Tiefgang, den ich jetzt an Land nachgemessen habe, hat nach den Umbauten in Lanzarote ebenfalls zugenommen und zwar um zehn Zentimeter auf 1,90 Meter.

In mühevoller Arbeit haben wir erst mal das Unterwasserschiff mit einem Spachtel von den Pocken befreit. So etwas wie einen Hochdruckreiniger gibt es hier im Yacht Club leider nicht. Dann heißt es , ebenfalls von Hand und mit Spachtel den Rumpf von Farb bzw. Antifoulingresten zu befreien. Das wird sehr mühsam. Eine Leiter, um auf das Schiff zu kommen, kann ich mit Mühe organisieren, jedoch eine Staffelei oder noch besser ein Gerüst um am Boot zu arbeiten, das auch noch auf einem überaus hohen Wagen steht, kann ich hier nicht bekommen.

Am nächsten Tag, es ist Dienstag, kommt der Chef des Kranunternehmens und besucht uns. Wir unterhalten uns über dies und das und er zeigt mir auch sein Boot, das hier im Yacht Club steht. Dazu erzählt er mir eine erstaunliche Geschichte. Davon aber später. Annemarie fragt ihn ob er denn nicht eine Staffelei für uns hätte. Natürlich meint er, so was können wir von ihm haben. Wir fahren zu ihm in die Firma. Dort lässt er von seinen Leuten ein fahrbares Gerüst auf einen LKW laden und gibt mir auch gleich noch eine große Schleifmaschine mit den nötigen Schleifscheiben mit. Damit geht natürlich die Arbeit schneller und leichter. Das leichter kann man getrost vergessen, denn das Ding wiegt mindestens sechs Kilo. Ist es schon schwer genug damit an einer senkrechten Fläche zu arbeiten ist es doch viel mühevoller das dann über Kopf zu tun. Am Abend schmerzen mir meine Oberarme und der Rücken scheint abzubrechen. Dabei habe ich doch gerade etwas mehr als den Kiel bearbeitet. Unser Freund Gonzalo kommt mit einem Hochdruckreiniger an. Das ist ja Klasse. Da brauche ich den Schleifstaub nicht mit dem Wasserschlauch abwaschen. Todmüde und mit kaputten Knochen sinke ich abends ins Bett. Der erste Arbeitstag am Schiff ist beendet.

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Nach getaner Arbeit

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Ich bin so weit, wo ist der Patient?

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Es gibt viel zu tun, verschieben wir es auf Morgen

Nun zu der versprochenen Geschichte. Wie fange ich nur an. Am besten so, wie Geschichten eben anfangen mit es war einmal.

Also, es war einmal vor vielen Jahren eine Regatta. Und wie es bei Regatten eben so ist, will jeder gewinnen. Dazu muss man sehr schnell sein und man darf, trotz starken Windes auf keinen Fall die Segel reffen. So auch ein Teilnehmer dieser Regatta (übrigens ein Deutscher). Jedoch war in diesem Fall der Mast anderer Meinung und verabschiedete sich in dem er brach. Das Boot samt Mannschaft trieben nun Steuerlos im Meer. Da das alles relativ nahe an der Küste stattfand war Hilfe schnell zur Stelle und die Mannschaft abgeborgen. Das Boot jedoch wurde seinem Schicksal überlassen. Da der Wind auflandig war dauerte es auch nicht lange bis das Boot strandete und am Strand legen blieb. Der Sand, der Wind und das Wasser leisteten schnelle Arbeit und bald war das Boot im Sand verschwunden.

Fünfzehn Jahre später…

Paulo, das ist der Eigentümer des vorher beschriebenen Kranunternehmens, will eigentlich schon lange eine Segelyacht.Eine neue ist unerschwinglich, auch für einen Unternehmer wie ihn. Also denkt er z.B an einen Selbstbau. Das ist hier in Brasilien fast nicht möglich, denn alles muss importiert werden und bei 100% Zoll ist es uninteressant. Da hört er von der Geschichte mit dem Regattaboot das seit 15 Jahren irgendwo am Strand liegen soll. Freunde zeigen ihm die Stelle und das Boot ist schnell gefunden bild-1.JPG. Er zögerte nicht lange, holte einen Bagger aus seiner Firma und ließ graben bild-2.jpg. Starke Pumpen saugten Wasser und Sand aus dem Innerenbild-3.jpg. Nun noch Seile am Boot befestigt und mit dem Bagger angehoben bild-4.jpg und das Boot an den Strand gezogen bild-5.jpg. Nun steht es da und wartet dass es abgeholt wird bild-6.jpg. Eine erste Inspektion zeigt, dass es in noch sehr gutem Zustand ist bild-7.jpg Der nun stolze Besitzer und neue Eigentümer dieser schönen Yacht versichert mir, dass er im Inneren des Schiffes keine Holzteile, weder an der Einrichtung noch an den Türen, erneuern musste. Ich habe es gesehen, sieht aus wie neu. Einfach unglaublich. Nach vielen Arbeitsstunden und und nicht zu geringem finanziellen Aufwand sieht das Boot wirklich sehen lassen bild-8.jpg

3.10.2010

01. Oktober 2010

Schon ist der nächste Monat, sprich Oktober ins Land gekommen und bei uns bzw. am Boot ist so viel wie nichts passiert. Meine anfängliche Freude, dass unsere Lady endlich an Land kann ist schnell verflogen, denn nun hat man mir mitgeteilt, dass der Kran nur für acht Tonnen zugelassen ist und es deshalb nicht möglich ist das Boot an Land zu stellen. Da frage ich mich wirklich ob es denn hier keine kompetenten Leute gibt, die einem eine verbindliche Auskunft geben können. Das Büro bestätigt mir, dass das Schiff an Land gehoben werden kann, der Kranführer sagt acht Tonnen und kein Kilo mehr. Die einzige Möglichkeit wäre, so der Kranführer, das Heck so weit anzuheben, dass man an den Schaft des Ruders kommt um es abzuschneiden. Immerhin wäre dann das Ruder schon mal aus dem Wasser.

Am nächsten Tag ist es dann so weit. Die Gurte werden um den Rumpf gelegt und das Boot am Heck angehoben. Es wird so stark gehoben, dass der Bug unter Wasser getaucht ist. Es sieht aus wie die Titanic kurz bevor sie für immer verschwand. Ein grässlicher Anblick. Der Taucher kommt und schneidet das Ruder mit einem Schneidbrenner ab. Ich sage ihm noch, dass er den Schaft mindestens 10 cm oberhalb des Ruders abschneiden soll um ihn dort später, wenn das Ruder gerichtet ist, wieder anzuschweißen. Was macht er? Er trennt mit einem Schneidbrenner den Schaft genau auf dem Ruder. Dieser Knallkopf. Und dann so schlecht, dass nun ein zusammenschweißen nur unter erheblichen Zeitaufwand möglich ist. Es muss nun ein Flansch angebracht werden um den Schaft mit dem Ruder wieder zu verbinden. Es ist wirklich zum verzweifeln. Die Sicherungsmutter am Propeller hat er ebenfalls versaut, so dass ich eine Neue besorgen muss. Das ist nicht einfach eine 32iger Mutter, sondern eine ganz spezielle für Schiffsschrauben. Sie muss aus Messing sein und ich hoffe es gibt bei der Beschaffung keine zu großen Probleme.

Das Ruder liegt an Land und ich sehe es mir genauer an. Ich kann keinen Schaden feststellen. Dann aber sehe ich es. Das Ruder ist in sich verdreht. Ich hoffe nur, dass ich jemanden finde der so etwas richten kann.

Einen neuen Freund haben wir auch wieder kennen gelernt. Er heißt Erwin, ist deutsch stämmiger Argentinier, dessen Großeltern aus Danzig stammen und nach Südamerika auswanderten. Er spricht perfekt Deutsch, Spanisch und Portugiesisch, ist 76 Jahre und noch so fit, dass er alleine mit seiner Segelyacht Nomade unterwegs ist. Er hat uns hier sehr viel geholfen.Ebenso viel hat uns geholfen und hilft uns immer noch Fabian, der hier im Yachtclub ein Geschäft für Segelzubehör betreibt. Fabian will für uns versuchen bei der Marina einen besseren Preis zu erlangen, da er der Meinung ist, dass der Preis den wir hier bezahlen gut ist für Charterschiffe, nicht aber für Leute die länger hier bleiben. Außerdem will er versuchen einen Autokran zu  vernünftigen Konditionen zu bekommen. Sollten beide Versuche fehlschlagen, so hat er bereits  mit einer anderen Marina Verbindung aufgenommen bei der einem „Landgang“ unserer Lady nichts mehr im Wege steht. Diese Marina ist in Pelotas ca. 20 Meilen flussaufwärts von hier.Dass das Schiff unbedingt an Land muss haben wir jetzt festgestellt, denn große Teile des Unterwasseranstrichs sind abgeblättert. Das in Salvador aufgetragene Antifouling taugt nichts, hat sich mit dem Untergrund nicht vertragen, trotz gegenteiliger Behauptung des Verkäufers. Wenn das Boot schon aus dem Wasser muss, auch oder gerade wegen des Ruders, das nur an Land wieder eingebaut werden kann, werden wir dem Schiff einen komplett neuen Anstrich verpassen. Geschätzte Zeit ca. 4 Wochen. Erst aber müssen wir noch abwarten wie es weiter geht ob wir hier bleiben oder nach Pelotas geschleppt werden müssen. Schon wieder mal heißt es warten. Warten auf dies, warten auf jenes, warten, warten, warten. Das geht einem schon ganz schön auf die Nerven.

Was uns ebenfalls auf die Nerven geht, ist, dass man uns an einen Stellplatz gebracht hat, der bei Ebbe nicht immer genügend Wassertiefe hat. So sitzen wir am Grund auf und das Boot bekommt Schlagseite. Um noch größere Schlagseite zu verhindern haben wir es mit zwei Balken abgestützt. Gott sei Dank neigt sich das Schiff nicht so weit, dass wir aus den Betten fallen. Jedenfalls ist es weder lustig noch bequem.

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Schieflage“

Wer kennt das nicht, man freut sich auf das essen, jedoch plötzlich fehlt eine entscheidende Zugabe, sei es ein kaltes Bier, ein wohltemperierter Wein oder sonst etwas Entscheidendes.Die Enttäuschung ist groß und alles schmeckt nur noch halb so gut. So geht es mir immer wenn wir Brotzeit machen oder eine der hier guten Würste essen. Zu einer guten Wurst, sei es Bratwurst, Leberstreichwurst oder eine andere Leckerei gehört natürlich ein guter Senf. Und schon haben wir das Problem. Nämlich das was man hier Senf nennt ist nur eine senffarbene Mehlpampe und schmeckt nach gar nichts. Das vermiest mir dann schon den ganzen Genuss. Da meint Annemarie wenn wir schon keinen Senf haben, dann machen wir uns einen. Sogleich nimmt Annemarie ihre Proviantbibel zur Hand, ein Buch für Segler und Leute die gerne vieles selber machen angefangen vom Einkochen bis zum haltbar machen von Fisch, Fleisch usw., und sucht nach einem Rezept für Senf (Rezept s.u.). Dieses ist schnell gefunden und der Senf auch bald fertig. Ich bin überrascht, das haut mich glatt von den Socken. Das Teil schmeckt so gut, ich könnte ihn Löffelweise essen. Er riecht und schmeckt wie ein süßer Hausmachersenf, mit dem kleinen Unterschied dass er pikant ist. Wer es nicht so scharf mag, der muss den Senf ca. 2 Wochen stehen lassen, dann verliert sich die Schärfe. Dieser Senf ist gut geeignet z.B. für Weißwurst. Aber da haben wir schon wieder ein Problem, denn die gibt es hier bestimmt nicht :-)

Hier das Rezept:

50g gelbe Senfkörner

30g Essig 3,5%

40g Wasser

5g Salz

15g rohen Honig (Ersatzweise Zucker)

Alle Zutaten in einen Topf geben und gut durchmischen.

Fein gemahlene Senfkörner ergeben eine Paste wie wir sie kennen. Lässt man sie etwas gröber sieht der Senf aus wie der bayrische süße Senf. Private Meinung: bei groben Körnern kommt das Aroma besser zur Geltung. Vor dem Verzehr mindestens zwei Tage stehen lassen (Aroma).

Nun werde ich in die Stadt gehen und meine Berichte abschicken. Das Internet hier im Club ist zwar kostenlos, dafür funktioniert es aber auch nicht. Es geht doch nichts über einen reibungslosen Ablauf. :-)

3.10.2010

21. September 2010

(Evtl. Bilder zu den Berichten werden später eingefügt, irgendwie klappt das derzeit nicht. Anm. d. Redaktion)

Diesmal muss ich mich erst mal bei allen treuen Lesern recht herzlich bedanken vor allem aber auch bei den „Klickern“, die so fleißig bei Sailinx auf die Taste drücken,so dass nun die Seite der Out of Rosenheim doch mit einem ganz schönen Vorsprung vor der so lange „führenden Seite“ steht. So kleine Dinge bereiten doch immer wieder Freude und es richtet einen moralisch auf. Man ist nicht alleine, denn man weiß, dass andere an der Sache teilnehmen, wenn auch „nur“ per Internet.

Was ist nun in der Zeit seit meinem letzten Bericht so alles passiert? Da es wie es scheint, es bei uns nur Maxime gibt, ist es diesmal nicht anders. Die Taucher waren einige male hier und versuchten sich am Ruder. Die Bemühungen führten leider zu keinem befriedigendem Ergebnis. So teilen sie mir mit, dass es unumgänglich wäre das Boot nach Rio Grande in den alten Hafen zu schleppen, denn dort stünden die nötigen Geräte zur Verfügung. Das jedoch ist leider leichter gesagt als getan. Wie ich dorthin komme ist natürlich mein Problem. Der gute Gonzalo bietet sich sogleich an alles zu organisieren. Ist ja schön, leider sagt mir da meine Erfahrung, dass er zwar guten Willens ist, aber in dieser Richtung außer Vertröstungen auf einen späteren Zeitpunkt noch nicht viel auf die Beine gestellt hat. Natürlich sage ich ihm zu und dass, wenn er was erreicht hat Bescheid geben soll. Nun verlassen wir uns natürlich, die Umstände haben es uns gelehrt, am besten auf uns selbst. Annemarie und ich fahren zum Yacht Club Rio Grande um Auskünfte einzuholen. Vorher allerdings suchten wir noch eine Werft auf, die uns Freunde empfohlen haben. Natürlich können wir dort unser Boot an Land ziehen aber leider ist es aus technischen Gründen im Moment nicht möglich aber wenn wir uns im Oktober oder später nochmal melden würden… Wir sind es Leid immer den selben Käse zu hören, deshalb auf zum Yacht Club. Bevor wir allerdings den Weg nach Rio Grande antreten muss der Taucher hier nochmal antanzen, denn er hat beim letzten mal das Ruder nicht wieder richtig befestigt, so dass im derzeitigem Zustand ein schleppen nicht möglich ist. Das geht schnell, der Taucher ist auch sogleich zur Stelle und befestigt das Ruder. Am selben Tag noch fahren wir zum Yacht Club. Dort erfahren wir, dass die Auskunft, die wir im Januar bekamen gar nicht stimmte. Die Einfahrt ist nicht 1,30 m tief, sondern 1,50 m. Unsere Lady hat aber 1,80 m Tiefgang. Man erklärt uns, dies sei kein Problem, der Grund besteht aus lockerem Schlamm und sie ziehen uns da mit einem Motorboot durch. Das also ist schon mal geregelt. Der Kran macht uns etliche Sorgen, denn der trägt nur 10 Tonnen, wir aber haben 12. Es gibt hier eine Firma, die haben einen Autokran, dort könnte ich es mal versuchen. Ab in den Bus und die Firma besucht. Ja, sie haben einen Autokran und ja, sie können vom Gewicht her unser Boot aus dem Wasser heben. Freude steigt in uns auf, denn wir sehen uns dem Ziel schon erheblich näher. Ach ja, da ist ja noch was. Was kostet das denn? 3000 Rials für raus und 3000 Rials für rein, also 6000 Rials. Das sind umgerechnet 3000 Euro und somit ist das Thema abgehakt.

Also müssen wir als Alternative mit dem 10 Tonnen-Kran vorlieb nehmen, was für uns heißt, dass das Boot nur am Heck angehoben wird um so an das Ruder zu kommen. Das Pech bei der ganzen Sache ist nur, dass das Boot unbedingt einen neuen kompletten Anstrich braucht. So werden wir versuchen so viel wie möglich zu streichen, wie z.B. das Deck, das Sprayhood und alle Holzteile. Vielleicht gelingt es uns, den Rumpf oberhalb der Wasserlinie anzupinseln. Wir werden ja sehen. Für den Antifouling Anstrich müssen wir dann wohl oder übel in Salvador nochmal in die Werft.

Mit dem Yacht Club haben wir vereinbart, dass sie uns hier am Steg abholen und zur Marina schleppen. Natürlich, morgen um neun sind wir da. Wir hinterlassen eine Telefonnummer wo sie anrufen sollten, falls was dazwischen kommt. Nein, nein, das braucht es nicht, denn sie kommen auch ganz bestimmt. Ist ja gut, aber wir lassen die Nummer trotzdem da. Es wird Dienstag neun Uhr, keiner ist da. Die hat bestimmt gemeint, um neun Uhr fährt er von Rio Grande weg, also ist er so gegen 10:30 Uhr hier. Es wird elf Uhr, kein Marinero in Sicht. Annemarie geht zu unseren Freunden und lässt anrufen. Nein, heute nicht, es ist ja neblig. Wann dann? Kann ich nicht sagen, tönt es aus dem Telefon. Warum haben wir denen eigentlich eine Telefonnummer gegeben um uns zu verständigen wenn etwas dazwischen kommt. Was sagte die Dame gleich noch? Nein, nein sie kommen doch ganz bestimmt. Haben wohl vergessen Monat und Jahr anzugeben. Diesmal lassen wir aber nicht locker wir werden sie mit Anrufen löchern bis uns entweder abholen oder den Stecker rausziehen, weil sie so genervt sind.

Der Nebel hat sich gelichtet und wir werden anfangen sie zu nerven in dem wir gleich anrufen lassen. Heute kommen die bestimmt nicht, aber wie gesagt, abholen kommen oder genervt den Stecker ziehen…

Der Anruf hat natürlich nichts gebracht, habe ich auch nicht wirklich erwartet. Hier bei uns in Barra scheint die Sonne aber in Rio Grande liegt immer noch Nebel. Sagten sie zumindest am Telefon. Wann sie denn dann kommen war die nächste Frage. Tolle Antwort: wenn das Wetter passt. Da wird es an einem Tag neblig sein, am anderen regnen, dann wieder Wind…

Ich bin gerade auf dem Steg und denke mir, es wäre toll wenn Annemarie etwas Süßes wie z.B. Streuselkuchen machen würde. Mit solchen Sachen kann man guten Frustabbau betreiben. Was rieche ich? Kaffee und Kaiserschmarrn. Da habe ich wohl etwas laut gedacht :-)

Draußen höre ich direkt am Schiff ein lautes prusten. Ach, die Seelöwenbullen sind wieder da. Wir stellen uns ins Cockpit und schauen zu wie zwei von ihnen ihre Kräfte im Spiel messen. Trotzdem geht es da ganz schön zur Sache. Aus solcher Nähe haben wir sie noch nie gesehen, zwei Meter vom uns entfernt. Das Spiel dauert etwa 20 Minuten und dann schwimmt einer weg, der andere bleibt noch da. Annemarie steigt auf den Steg als der Bulle den Kopf aus dem Wasser hebt und sie anschaut. Da versucht sie das brüllen der Bullen mit einem lauten „uuuaaaah“ nachzuahmen, als dieser das Maul aufreißt und richtig zornig zurück brüllt. Möchte nur wissen, was sie ihm da unanständiges an den Kopf geworfen hat.

Es sind zwei Tage vergangen ohne dass sich etwas geändert hat, weder vom Wetter, noch von unserer Situation. Heute morgen hat unser Freund bzw. seine Frau nochmal im Yacht Club angerufen. Das Ergebnis ist ja richtig toll. Plötzlich bekommen wir die Antwort, dass es nicht möglich ist uns abzuholen, denn sie hätten nur eine Schaluppe und die sei zu klein um unser Boot zu schleppen. Die Antwort auf die Frage ob sie denn kein größeres Boot hätten war ein klares nein. Verdammt nochmal, unser Boot hatte doch am Samstag als wir dort waren um alles klar zu machen auch schon 12 Tonnen, nicht erst heute. Wie auch immer, wir müssen eine andere Lösung finden und zwar schnell. Leider ist schnell ein Wort das hier nicht zum Sprachschatz gehört. Wie auch immer, versuchen müssen wir es. Maria, die Frau von unserem Freund Luiz sagt wir sollen mit zu ihr nach Hause kommen, denn Luiz hätte vielleicht eine Lösung unseres Problems. Na, dann wollen wir mal sehen. Luiz sagt uns, wir sollen mit Maria, seiner Frau, ein paar Stege weiter gehen um dort einen Fischer zu fragen, dessen Name ich nicht verstanden habe. Also dann mal los. Wir fragen uns durch, bis wir den gefunden haben den wir sprechen wollen. Ach, das ist ja das Fischerboot Grande Rio aus Rio Grande, die Besatzung und den Käpt´n kenne ich ja schon. Die Sache ist schnell geregelt und wir haben die Zusage, dass er uns nach Rio Grande schleppt. Je nachdem wie er mit der Arbeit fertig wird, entweder heute oder Morgen früh. Die Frage nach dem Preis beantwortet er mit: „ein Bier“. Also alles klar, abgemacht. Ich sause schon mal los um Bier einzukaufen. Ein Bier ist wohl etwas zu wenig, so besorge ich schon mal 16 Dosen denn „Sixpacks“ gibt es hier nicht, sondern nur „Aightpacks“. Also wieder mal eine Zusage, mal sehen was daraus wird. Etwas später sitzen wir trotz der Zusage ziemlich frustriert im Salon, denn das Ganze geht uns doch sehr auf die Nerven. Bisher hatten wir ja jede Menge Zusagen leider aber genau so viele Absagen.

So, nun dürft Ihr mal raten was daraus geworden ist. Habt Ihr es erraten? Ich glaube nicht, denn zwei Stunden später war das Boot da und holt uns ab. Im Zweierpack geht es mit mehr als sechs Knoten durch die Lagune in Richtung Rio Grande. Ich kann es gar nicht glauben. Der Taucher wird angerufen, um mit der Marina alles klarzumachen damit wir an der Einfahrt in Empfang genommen werden können. Für die Marina ist das Fischerboot mit seinem 650 PS Motor dann doch zu groß.

Annemarie ist schon mal mit Maria ihrer Freundin mit dem Bus voraus gefahren um eventuelle Probleme zu klären bis wir ankommen. Als wir ankommen wartet bereits die kleine Schaluppe und schleppt uns in die Marina. Endlich, Endlich hat wenigstens einmal etwas geklappt. Gleich gehen wir ins Büro und melden uns an. Vorher sehe ich noch meine Papiere durch und entdecke, dass in meinem Standerschein, das ist so was ähnliches wie beim Auto der KFZ Brief, dass dort nur ein Gewicht von 10 Tonnen eingetragen ist. Da springt mein Herz vor Freude. Gleich mache ich die Dame im Büro aufmerksam, dass ich mich getäuscht habe und mein Boot laut Dokument 10 und nicht 12 Tonnen hat. Somit steht einem „Landausflug“ unserer Lady eigentlich nichts mehr im Wege. Dieser ist für Montag versprochen und der Taucher kann das Ruder auf dem Trocknen reparieren. Dazu braucht man zwar keinen Taucher mehr, aber seine Arbeit ist erst beendet wenn das Ruder wieder eingebaut ist. So ist es jedenfalls abgemacht.

13.09.2010

09. September 2010

Ist es nicht schön in Brasilien? Ich möchte gar nicht mehr weg, deshalb bin ich auch immer noch hier! Wer die vorhergehenden Berichte gelesen hat weiß, dass dieser Satz nur so trieft vor lauter Ironie. Nein, wirklich es ist zum verzweifeln. Der Boden unter unseren Füßen ist bereits steinhart vor lauter auf der Stelle treten. Wir haben fest damit gerechnet, dass wir Anfang September von hier wegkommen. Erstens es kommt meistens, zweitens anders als gedacht. Wir sind immer noch auf der Suche nach einer Werft, die so gnädig ist uns aufzunehmen. Nur Absagen. Eine Werft hat zugesagt. Ein aus Deutschland stammender und in der zweiten oder dritten Generation hier Ansässiger. Der verlangte jedoch so viel, dass es unsere finanziellen Möglichkeiten bei weitem übersteigt. Die neue Marina in Lanzarote, in der wir vor unserer Abreise lagen,sie ist wirklich nur vom Feinsten, ist um fast die Hälfte billiger als die Werft hier. Diese hat aber nichts zu bieten außer fest getrampelten Erdboden und einen Slipwagen der so alt ist, dass er bei den zwölf Tonnen die unser Boot wiegt, die Beine spreizt und es nicht sicher ist ob unsere Lady auf dem Wagen bleibt und dieser nicht vor lauter Altersschwäche umkippt. Sanitäre Anlagen gleich Null, keine Einkaufsmöglichkeiten um sich zu verpflegen. Da bewahrheitet sich mal wieder das Sprichwort: Gott behüte mich vor Sturm und Wind und vor Deutschen die im Ausland sind. Kein Wunder dass bei dem keine Schiffe aufgeslippt an Land stehen. Die Fischer kennen den wohl schon.

Also die letzte Option die wir jetzt haben: ein Tauchen muss her. Also wird Gonzalo wieder für uns tätig. Er telefoniert in meinem Beisein einen Taucher an, der auch verspricht am nächsten Tag zu kommen. Ich mache es kurz. Ich warte heute noch. Einige Tage später ruft Gonzalo bei einem anderen Taucher an. Die Auskunft: er kommt morgen. Was das warten anbelangt, siehe den Satz vorher. Wir fahren nun persönlich zu ihm aber er ist nicht anwesend. Ein anderer (von uns nicht gerufen)kommt plötzlich ans Boot. Den schickt der Himmel, denke ich. Ich sage ihm was er machen soll, doch der will nur die Muscheln vom Schiff kratzen für umgerechnet 300 EU. Dafür habe ich allerdings nur ein müdes Grinsen übrig. Gonzalo treibt einen anderen Taucher auf. Der will für die Reparatur inklusive Kasko reinigen 300 Rials (etwa 150 EU). Wir sind total happy und sagen auch gleich zu. Wiederum will er am nächsten Tag kommen. Ergebnis siehe oben. Nach einigen Tagen geht Gonzalo zu ihm und fragt was denn jetzt los sei. Die Antwort ist, dass er schon komme aber nicht für 300 Rials sondern für 1000 Rials und dann nur das Kasko reinigen ohne Ruder reparieren. Abschreiben!! Mit so einem Typen wollen wir nichts zu tun haben. Nun habe ich aber die Schnauze voll. Wir werden uns jetzt mal selber darum kümmern. Gonzalo ist ja wirklich ein guter Freund aber leider hat er unendlich viel Zeit, wir aber nicht. In Rio Grande haben wir eine Werbung gesehen von der Firma Diver Tech. Wir nehmen uns vor dort anzurufen bzw. anrufen zu lassen. Es wird uns versprochen, dass der Taucher ( es ist Samstag) gleich nach dem Mittagessen bei uns vorbei kommt. Also warten wir. Es wird drei, vier, fünf, halb sechs, kein Taucher. Total frustriert gehen Annemarie und ich vom Boot zu Freunden bei denen wir zum Abendessen eingeladen sind. War mal wieder nichts. Am Montag bitten wir unseren Freund Luis bzw. dessen Frau Maria nochmal bei dieser Firma anzurufen. Ich glaub ich krieg`ein Ei. Sagt der doch am Telefon: „ach sie haben doch schon mal angerufen und waren dann nicht am Boot“. Spinne ich oder was? Auf die Frage wann er denn da war meint er, es war wohl so gegen sechs Uhr abends. Na Klasse, er sagte doch gleich nach dem Essen. Der meinte wohl Abendessen. Na gut, jedenfalls ein neuer Termin und er war dann auch gleich da (nur ein halbe Stunde verspätet, aber das gilt hier als pünktlich). Der Schaden ist schnell erklärt und er springt auch sofort ins Wasser um alles zu begutachten. Nach einem Telefonat mit seinem Chef nennt er uns seinen Preis. 400 Rials (ca. 200 EU) um das Ruder aus und wieder einzubauen. Das nenne ich anständig und wir beschließen das Geschäft mit Handschlag. Der Taucher macht sich sogleich an die Arbeit und werkelt unter Wasser rum, was, weiß ich nicht, denn das Wasser ist so trüb und schmutzig man kann keinen Zentimeter in das Wasser schauen. Unter Wasser beträgt die Sicht so an die fünfzig Zentimeter. Da weiß ich mir aber einen schöneren Job. Über Wasser haben wir alles was am Ruderschaft angeschraubt ist, wie z.B. Ruderquadrant usw. abgeschraubt aber das Ruder will nicht abgehen.

Mit Hammerschlägen auf die Ruderwelle haben Gonzalo und ich das Ruder nach unten geschlagen. Es fällt 40 cm nach unten und sitzt auf der Schiffsschraube auf, an der es nicht vorbei geht. Für heute ist Feierabend. Der Taucher will am nächsten Morgen wieder kommen.

Wir haben nun schon den 9. September und die Zeit läuft. Ich glaube fast nicht mehr, dass wir in diesem Jahr noch nach Norden kommen. Hoffentlich habe ich mit meiner Vermutung unrecht.

Das Problem, das jetzt ansteht ist, dass die Ruderwelle unter Wasser abgeschnitten werden muss um das Ruder auszubauen. Ist das geschehen kann man das Ruder reparieren. Wir wissen jetzt welchen Schaden wir haben. Bei niedriger Tide und durch Frachtschiffe verursachte hohe Wellen haben das Ruder auf den Boden geschlagen und es wurde am unteren Lager ausgehängt. So weit nicht so schlimm. Der wirkliche Schaden entstand erst später durch dauerndes Aufschlagen auf den Boden wobei der aus dem Lager gesprungene Lagerzapfen verbogen wurde. Dieser muss nun abgeschnitten neu gedreht und wieder angeschweißt werden. Danach wird das Ruder wieder eingebaut , was aber heißt, dass es unter Wasser angeschweißt werden muss. Auf meine ängstliche Frage was das denn kosten würde meinte der Taucher das wäre im Preis inbegriffen, nur die öfteren Fahrten von Rio Grande nach Barra würden vielleicht 50 Rials (25 EU) mehr kosten. Wenn es weiter nichts ist, will ich nicht jammern.

Natürlich sind wir in der Zeit in der wir verzweifelt versuchten unser Ruder reparieren zu lassen nicht untätig hier rumgesessen, sondern haben andere anstehende Arbeiten durchgeführt. Der Bugspriet und die Reling sind fast wieder so wie vorher und ich hoffe, während wir hier noch liegen müssen, rennt uns nicht wieder einer über den Haufen. Die gebrochene Rolle der Rollanlage ist repariert, dafür musste der Deckel einer Plastikbox das Leben lassen und das Vorstag ist wieder komplett angebaut. Die Elektrik hat ein neues Setup bekommen und funktioniert einwandfrei, ohne dass mir Strom „verloren“ geht. Vorher waren doch einige Verbindungen nicht ganz so wie sie sein sollten. Das Kabelgewirr im Schaltschrank ist aufgeräumt und übersichtlicher als vorher. Was aber nach wie vor zu wünschen übrig lässt, ist der fällige neue Farbanstrich aber das muss noch warten. Die Ankerwinde hat auch das Zeitliche gesegnet und es bleibt keine Zeit mehr dies zu beheben. Muss wohl mal wieder rohe Muskelkraft zum Einsatz kommen.

Nicht unerwähnt bleiben sollte bei der ganzen Sache Romulo (Tel. 32325434) der Segelmacher. Der kommt, wenn er gerufen wird, wirklich zu der von ihm angegebenen Zeit, was hier nicht so ganz üblich ist (s.o.). Arbeit und Preis sind gut. Wir haben drei Segel richten lassen. An unserem „neuen“ Großsegel hat er das abgelöste Achterliek und einige Querrisse geflickt, beim Genua einen größeren Flicken angebracht so wie die gesamte Naht des UV-Schutzes neu nachgenäht und einige Meter davon erneuert, das „alte“ Großsegel wurde von 30 auf ca 20qm verkleinert, wobei die zerrissenen Stellen abgeschnitten wurden, so dass wir jetzt ein kleines Großsegel haben, das etwa dem vorherigen mit zwei Reffs entspricht. Für die ganze Aktion verlangte er knapp 600 Rials was ungefähr 300 EU entspricht.

Das ist aber jetzt wirklich der Hammer. Während ich diese Zeilen schreibe waren plötzlich drei verschiedene Taucher da, die alle das Ruder reparieren wollten. Es ist schon eigenartig, erst bittet und bettelt man, dass einer das Ruder richtet und nun stehen genau diejenigen da, die uns damals haben sitzen lassen und wollten über den Preis verhandeln. Was hat mal ein bekannter russischer Politiker gesagt? Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.

Als kleine nette Begebenheit zum Schluss noch folgendes. Annemarie ist dauernd am Jammern, dass sie kein Schneidebrett mehr in der Pantry hat seit das letzte kaputt gegangen, sprich gebrochen ist. Sie erzählt es auch unserem Freund Luis. Als wir mal wieder bei ihm sind wartet er mit einer Überraschung für Annemarie auf. Er hat ein großes in Fischform ausgeschnittenes Schneidebrett aus Eukalyptusholz gemacht und es ihr geschenkt. Also, es gibt nicht nur Ärger. Freunde haben wir nach wie vor hier und es werden immer mehr. Aber wie alles, so hat der (erzwungene) Aufenthalt eben auch seine zwei Seiten.

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Schneidebrett mit “Radi”

Der nächste Tag ist da, aber leider kein Taucher. Was Wunder, wir haben wieder mal knapp dreißig Knoten Wind und etwa ¾ Meter Welle. Da ist arbeiten unter Wasser nicht möglich. Die Wettervorhersage meint, dass dieses Schei… Wetter noch weitere fünf Tage anhält. Die Abfahrt von hier wird immer unwahrscheinlicher. Dabei wollten wir doch nächstes Jahr im Herbst wieder in Lanzarote sein, denn von dort geht es dann via Flugzeug nach Deutschland, denn mein (Stief) Sohn heiratet und da will Annemarie doch unbedingt dabei sein. Hoffen wir dass es klappt. Aber danach (versprochen) geht die Reise weiter, erst mal (in dem Fall dann das dritte mal) wieder zurück über den Atlantik und dann sehen wir weiter.

4.jpg die gebrochene…

5.jpg … und die reparierte Rolle

6.jpg   im richtigen (Plastik) Rahmen

7.jpg  “Reparatur-Set”

In der Nacht hat der Wind mit 25 Knoten aus Nord durchgeblasen was uns noch einigermaßen ruhig schlafen ließ, nun aber hat er aufgefrischt auf über dreißig Knoten, die Wellen gehen hoch, das Boot macht Bocksprünge und wird gegen den Steg gedrückt. Ich höre Annemarie draußen einen langen schrillen Schrei ausstoßen, renne den Niedergang hoch und schaue was los ist. Ein Fischerboot legt gerade ab und ist mit seinem Bug nur noch 10 cm von unserer Reling und dem neuen Bugspriet entfernt. Durch Vollgas rückwärts kann er gerade noch einen Zusammenstoß ausweichen. Ich hoffe nur, dass wir hier bald mal ablegen können ohne verbogene Reling und angebrochenen Bugspriet. Die Zeit zum abhauen ist überreif oder müssen wir doch einen Liegeplatz suchen wo wir so lange bleiben können, bis eine Weiterfahrt möglich ist? Das aber müssen wir der Einwanderungsbehörde klar machen, was so einfach bestimmt nicht sein dürfte. Hoffen wir das Beste.

21.jpg vorher

2-11.jpg fast fertig

31.jpg  fertig

Soeben erfahre ich, dass heute Nacht drei Fischerboote verloren gingen. Eines ist gestrandet, zwei sind auf dem offenen Meer gesunken. Menschenleben sind zum Glück nicht zu beklagen. Bei schwerem Wetter lobe ich mir da schon unsere Lady, die weitaus sicherer ist als die Fischerboote obwohl diese 5 – 7 Mann Besatzung haben, bis zu 20 Meter lang sind und starke Motoren von mindestens 300 – 500 PS besitzen. Durch den Bleikiel liegt der Schwerpunkt bei einem Segelboot erheblich tiefer als bei einem Trawler, der bei hoher See leicht kentern kann, wenn der Motor ausfällt und sie dadurch Steuerlos in schwerer See treiben. Diesmal schließe ich leider meinen Bericht mit einem eher tragischen Vorfall statt mit einer Begebenheit zum schmunzeln.

21.08.2010

15. August 2010

Ich soll mal wieder was schreiben, wurde ich verschiedentlich angemahnt. Man weiß ja gar nicht mehr was mit Euch da so alles los ist, hieß es in den Mails. Ist ja alles schön und gut, Problem dabei ist nur, dass wir schon so lange hier sind und eine Routine eingekehrt ist, die bereits ausgefahrenen Gleisen gleicht. Ist vielleicht damit zu vergleichen, wenn man verlangen würde von einem der morgens aufsteht, zur Arbeit fährt, täglich die gleiche Arbeit verrichtet, abends nach Hause kommt, nach dem Essen vor dem Fernseher sitzt bis er einschläft, ins Bett geht und am nächsten Tag wieder aufsteht, er solle daraus eine spannende Geschichte schreiben.

Vielleicht sollte ich erzählen warum wir immer noch hier sind.

Es ist Mai und wir kümmern uns um einen Platz in der Werft, es müssen umfangreiche Arbeiten am Unter und Überwasserschiff gemacht werden. Es heißt, jetzt noch nicht aber im Juni. Im Juni rufen wir wieder an, doch wir werden auf Juli vertröstet. Im Juli endlich, denken wir, werden wir in die Werft können, denn die Fischerboote sind fast alle weg. Denkste! Wir bekommen, ohne Angabe irgendwelcher Gründe, eine glatte Absage. Wir sind geschockt, denn man hat uns regelrecht 2½ Monate unserer Zeit geklaut. Den Plan nach Uruguay zu segeln müssen wir begraben, denn es wird wegen des Wetters zu spät und es fangen langsam die Frühjahrsstürme an, danach gibt es unbeständiges Sommerwetter mit viel Wind und eine Fahrt in Richtung Norden ist erst wieder im (Süd) Herbst möglich. So lange wollen wir doch nicht bleiben. Aber weiter im Text. Nach der Absage, es ist Anfang August, bemühen wir uns sofort um eine andere Werft. Was wir bekommen sind Absagen mit der Begründung es sei alles voll. Was aber ganz und gar nicht stimmt, ich bin doch nicht blind. Zwei Boote aus dem Wasser und jede Menge Platz für weitere. Die nächste Werft hat aber wirklich keinen Platz und die Zeit drängt immer mehr. Gonzalo unser Freund macht eine Werft ausfindig die uns nehmen will. Allerdings zieht es sich auch wieder. Wir warten nun schon eine Woche darauf, dass der Inhaber der Werft wie versprochen zu uns kommt, um zu verhandeln. Heute ist Sonntag der 15. August, der Tag fast vorbei und von dem Herrn weit und breit nichts zu sehen trotz des Versprechens heute zu kommen. Mal sehen wie es weitergeht. Sollte dies wieder nichts werden bleibt uns als letzte Möglichkeit einen Taucher zu bestellen. Denn geht es nur darum, das kaputte Ruder unter Wasser zu richten evtl. zu schweißen. Den genauen Schaden haben wir selbst noch nicht gesehen. Gonzalo ist davon gar nicht begeistert, da er sagt er möchte sehen was da gemacht wird und traut der Sache nicht so ganz. Er meint eine evtl. schlechte Arbeit kann sehr gefährlich werden falls das Ruder unterwegs doch wieder aus dem Lager springen sollte. Und wenn er dem Taucher nicht traut, dann hat er wohl seine Gründe dafür. Einmal war dieser Taucher schon hier und hat uns für 20 Minuten 100 Rial (ca. 50 EU) abgeknöpft und konnte keine genaue Angabe über den Schaden machen.

Eine etwas nettere und zum Schmunzeln einladende Geschichte war eine unserer letzten Busfahrten nach Rio Grande die wir noch bezahlen mussten. Annemarie hat nur großes Geld und der Schaffner kann nicht rausgeben. Er wartet bis er mehr Geld eingenommen hat, was aber fast am Ende der Fahrt immer noch nicht passiert ist. Plötzlich fährt der Bus rechts ran, der Schaffner rennt aus dem Bus in eine Tankstelle. Er kommt grinsend zurück mit dem gewechselten Schein in der Hand und gibt Annemarie das Wechselgeld. Das war, wie gesagt eine unserer letzten bezahlten Fahrten, denn jetzt profitieren wir von den brasilianischen Sozialgesetzen. Ich bin Rentner und habe Anspruch die Nahverkehrsmittel unbegrenzt kostenlos zu benutzen und Annemarie hat ebenfalls das Recht durch eine Sondergenehmigung die wir bei den Verkehrsbetrieben bekamen. Normalerweise muss man von der Beantragung bis zur Aushändigung des Ausweises eine Woche warten. Jedoch war der Beamte so freundlich uns alles sofort auszuhändigen und hat sich dabei entschuldigt, dass es so lange gedauert hat.

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Schlepperkapitän mit Crew

Da sind auch noch unsere Freunde von den verschiedenen Schleppern, die die großen Schiffe rein und raus schleppen und an den Kai bugsieren um die Ladung zu löschen. Wenn sie hier sind zum tanken, halten wir immer einen kleinen Schwatz. Die Tankzeit dauert immer mehrere Stunden. Es braucht eben seine Zeit bis 8000 – 10000 Liter aus dem Zapfhahn laufen. In dieser Zeit werden Annemarie und ich fast jedes mal eingeladen auf ihrem Boot Kaffee zu trinken. Einmal habe ich sogar 2 Gallonen weiße Farbe für unser Boot geschenkt bekommen, mit Führung durchs gesamte Schiff einschließlich Motorraum, welchen ich am interessantesten fand. Zwei dicke Motoren mit mehreren tausend PS und einem Verbrauch pro Motor von 50-70 Liter/Std. Ist schon beeindruckend. Die Brücke ist es allerdings nicht minder. Steuerrad, was ist das? So was findet man auf dem ganzen „Dampfer“ nicht, denn der Schlepper wird über Joystick manövriert.

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Unsere Freunde von Atlas und Antares

Was ist sonst noch so passiert? Ach ja, vor einigen Tagen hatten wir mal wieder schweres Wetter mit 45 Knoten (ca 80 km/h) Wind. Es war sehr ungemütlich. Annemarie hat fluchtartig das Boot verlassen und ist nach Rio Grande gefahren, ist ja jetzt kostenlos :-) . Ich blieb auf dem Boot, denn bei so einem Wetter lässt man es nicht alleine. Der Sturm dauerte von morgens fünf Uhr etwa 12 Stunden und ging dann in der Nacht auf 35 Knoten (ca. 65 km/h) zurück. Diesmal aber habe ich mit etlichen Festmachern von insgesamt 26! Strängen das Boot gesichert. 1.jpg

Gut gesichert

Der Sturm war bereits eine Woche vorher in den GribFiles angekündigt, die ich mir fast täglich vom Internet downloade und ich deshalb gut vorbereitet war.

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Der Sturm, noch nicht ganz am Höhepunkt

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Am Nachbarsteg

Mehr gibt es im Moment nicht. Doch Stopp! Ganz wichtig:Annemarie kocht Hühnersuppe für unsere kommende Fahrt nach Norden, die sie in Gläsern einmacht.

Und ich bedanke mich bei all den Lesern die mir bisher die Treue gehalten und die mich bei Sailinx so weit nach vorne gebracht haben. Es darf wieder geklickt werden unter http://www.sailinx.de/online-logb-cher-c-34.html :-) Danke!

 

14.07.2010

Ich sitze im Salon unseres Bootes und schreibe diesen Bericht. Was soll ich auch anderes tun. Zum arbeiten ist es viel zu kalt. Wir sind mitten im Winter und müssen einen Schwung südpolare Kaltluft über uns ergehen lassen. Anders ausgedrückt es ist saukalt die Tageshöchsttemperaturen liegen bei 8°C und sacken nachts ab auf 0-2°C. Das alles sind für uns kältgewohnten Deutschen keine Temperaturen. Nur der Unterschied zu Deutschland liegt darin, dass hier die Häuser keine Heizung besitzen und nebenbei so undicht sind, da jede Isolierung fehlt, dass, und das ist keine Übertreibung, der Wind quer durch die Wohnungen weht. Diese haben dann fast Außentemperaturen. Mit dicken Pullovern und Anoraks sitzen die Leute am Mittagstisch und löffeln ihre heiße Suppe. Bei uns auf dem Boot, das ebenfalls keine Heizung besitzt, sieht es doch ein wenig besser aus. Wir haben einen Backofen und der wird als Heizung missbraucht, was wunderbar klappt. So haben wir wenigstens so an die 14-17° im Salon. Nachts haben wir gute Decken und Schlafsäcke. Was mich dabei wundert, ist, wie das die Tier und Pflanzenwelt so wegsteckt. Die Fauna und Flora ist doch überwiegend tropisch oder zumindest subtropisch. Es gibt hier viel Papageien, Bitschebü (heißen wirklich so, werden nur anders geschrieben), Quero-Quero (schreien so wie sie heißen, ebenso wie der Bitschebü) und andere Tropenvögel, vor allen Dingen jede Menge verschiedene Arten von Kolibris. Das sind die liebenswertesten Vögel. Bei unserem Freund Luis, dem wir Felix, den von Annemarie mit der Flasche aufgezogenen Hund, geschenkt haben (siehe Bericht vom 20.02.2010)hat in seinem Garten eine „Futterstelle“ für Kolibris aufgehängt. Das ist ein durchsichtiger Plastikbehälter, der mit Zuckerwasser (Nektar) gefüllt ist und an dem rundum (Plastik) Blüten angebracht sind mit einer nadelfeinen Öffnung. Nun kommen die kleinen Piepmätze und saugen im Flug die „Blüten“ aus. Es ist einfach herrlich das zu sehen. Die kleinsten die wir gesehen haben sind so groß wie etwa ein Maikäfer und die größten erreichen etwa die Größe eines Zaunkönigs. Ich habe versucht die Vögel bei der Tränke zu fotografieren, was mir bis jetzt nicht gelungen ist. Sie sind unheimlich schnell und bewegen sich ungefähr so wie Libellen. Mit einem Ruck sind sie auf der linken Seite und bis man in Position gegangen ist sind sie schon wieder auf der anderen Seite. Versucht mal eine Libelle, wie sie über dem Wasser schwebt, zu fotografieren. Verfolgt man die kleinen Kolibris mit den Augen, kein Problem, aber durch den Sucher bzw. noch schlimmer, auf dem Display einer Digitalkamera, ist das fast unmöglich. Trotzdem gebe ich nicht auf und werde es weiterhin versuchen, vielleicht habe ich Glück. Wenn nur diese Kälte nicht wäre. Die einzigen die sich bei diesen Temperaturen so richtig wohl fühlen sind die Seelöwen. Fast täglich können wir beobachten wie zwei, ein kleiner und ein alter, von Kämpfen mit Narben gezeichneter Bulle, sich vor unserem Boot im Wasser aalen und ihre Spielchen treiben. Erst kommt die Nase aus dem Wasser, dann ein Schnauben, danach dreht er sich auf den Rücken, taucht weg und kommt an einer nicht vermuteten Stelle wieder hoch. Dann ein Schnauben, danach dreht er sich auf den Rücken… Am interessantesten ist es ihnen bei der Jagd zuzuschauen. Wenn sie einen Fisch gefangen haben, welche hier in der Lagune erstaunlich groß sind, tauchen sie auf und schlagen ihn erst mal aufs Wasser, dann wird er mehr oder weniger hoch in die Luft geschmissen, aufgefangen und vertilgt. Die allgegenwärtigen Möwen warten nur darauf dass mal wieder ein „fliegender“ Fisch durch die Luft saust um ihn sich zu schnappen. Pech ist nur, die „Dinger“ sind für sie ein paar Nummern zu groß. Hier „wohnen“ nur die Bullen, die Weibchen sind etliche hundert Meilen weiter südlich. Im Dezember-Januar wandern die Bullen zur Paarung nach Süden und kommen dann wieder zurück. Mit „Kindergarten und Co.“ haben sie nichts zu tun, das übernehmen alleine die „Weiber“. Mann, haben die ein schönes Leben :-). Nach getaner „Arbeit“ ziehen sie wieder gen Norden und liegen dann den ganzen Winter über faul in der Sonne, wenn sie nicht gerade auf Jagd sind. Die Einfahrt der Lagune ist auf beiden Seiten mit einem mehreren Kilometer langen Wellenbrecher gesäumt. Dieser besteht aus großen riesigen Steinquadern und aus den ineinander verkeilten Betonwellenbrechern. Diese haben schöne glatte und große Flächen auf denen sich die Seelöwen tummeln. Die „Naturwellenbrecher“ werden kategorisch abgelehnt. So was nennt man dekadent.

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Seelöwenbulle

Das ist allerdings noch nicht alles was hier so an „Viechern“ zu beobachten sich lohnt. Es gibt Wasserschweine (Hydrochaeris hydrochaeris), mit der brasilianischen Bezeichnung Capivara, welche unter strengen Naturschutz stehen. Selbst haben wir sie leider noch nicht gesehen. Die Brasilianer darauf angesprochen sagen alle übereinstimmend: „ja, die gibt es hier, schmecken sehr gut…“

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Quero Quero

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Mittagspause

Aber was wir schon gesehen habe und häufig vorkommt, das ist der große weiße Reiher (Casmerodius albus), Garça branca grande, wie er hier genannt wird. Stolz steigt er durch die Sumpfwiesen und sucht sich sein Futter um es anschließend in den Büschen sitzend zu verdauen. Ebenfalls zu beobachten sind die Kormorane (Egretta thula ?), wie sie auf Büschen oder Bäumen sitzend, ihre ausgebreiteten Flügel trocknen oder wenn sie beim schwimmen nur noch mit dem Hals aus dem Wasser schauen und es aussieht als würden sie jeden Moment untergehen. Allenthalben zu sehen sind die hier sogenannten Tachã (Chauna torquata) ob es eine entsprechende deutsche Bezeichnung gibt ist mir nicht bekannt. Sie haben dunkles Gefieder ähnlich dem eines Truthahns aber mit dem Körperbau etwa einer Gans. Der Hals ist weiß mit einem schwarzen Halsband. Sie erreichen eine Größe von 85 cm. Sie sind nicht sehr scheu und lassen sich gut beobachten. Gäste, nur zur Winterzeit hier, sind Schwäne lateinische Bezeichnung ist Cygnus melandocoryphus, eine Art die es in Europa nicht gibt. Sie sehen eben aus wie weiße Schwäne(klar, sonst wären sie keine:-)) mit dem Unterschied, dass sie einen schwarzen Hals und einen schwarzen Schnabel haben auf dem ein roter gut sichtbarer Höcker sitzt, zu vergleichen mit dem eines Truthahns, nur größer und dicker. Leider konnten wir diese schönen Tiere noch nicht beobachten. Vielleicht haben wir noch das Glück.

Eine ganze Menge anderer Sumpf und Wasserbewohner, hauptsächlich Vögel gibt es, die mir aber leider unbekannt sind. Was der Freude am Beobachten allerdings keinen Abbruch tut.

Ich werde jetzt den Bericht beenden, mich mit meinem Fotoapparat bewaffnen und versuchen die kleinen Kolibris auf „Platte“ zu bannen. Aber erst gibt es was zu essen und vor allen Dingen gibt es einen heißen Tee zu trinken, den wir noch aus Deutschland bekommen haben. Hier gibt’s nur Matè was absolut nicht unserem Verständnis für Tee entspricht.

Noch eine Anmerkung. Ich habe ein neues Album mit Bildern aus der Umgebung ins Netz gesetzt. Wer es sehen will klickt den folgenden Link an: http://picasaweb.google.de/OutofRosenheim/BarraUndUmgebung#

Viel Spaß

12.07.2010

Lange ist Stille über meine Berichte gezogen und ich habe nichts mehr von mir hören bzw. lesen lassen. Aber was soll ich auch viel berichten. Es ist in dieser langen Zeit eigentlich nicht wirklich Berichtenswertes geschehen. Die Reparaturen, so weit sie am Steg durchgeführt werden konnten sind abgeschlossen. Was jetzt noch zu tun ist, wie das ausgehängte Ruder wieder in die dafür vorgesehene Halterung zu stecken, den reparierten Bugspriet wieder anzubauen, die deformierte Reling zu reparieren bzw. zu erneuern, das Boot komplett entrosten, grundieren und neue Farbe aufbringen, sowie das komplette Antifouling (spezieller Unterwasseranstrich gegen Bewuchs) neu aufzubringen sind Arbeiten, die nur in der Werft gemacht werden können, denn zu den meisten Tätigkeiten muss das Schiff an Land stehen. Das ist dann schon das nächste Problem. Seit Anfang Juni versuchen wir hier in der Werft einen Platz zu bekommen. Wir werden von Woche zu Woche und dann von einem Monat auf den anderen vertröstet. Immer heißt es, nein, die Plätze sind von Fischerbooten belegt. Nun eine neue Variante, das Wetter war so schlecht, durch den vielen Regen konnte nicht gearbeitet werden und es hat sich verzögert. Nun wurden wir vertröstet auf die zweite Julihälfte. Mal sehen ob es dann endlich klappt. Der Aufenthalt in der Werft, da wir alle Arbeiten selbst durchführen wollen, wird wohl so an die zwei Monate dauern, was so viel heißt, wie dass wir erst Ende September, Anfang Oktober Brasilien in Richtung Uruguay verlassen können.

Was ist sonst noch so alles passiert in dieser langen Zeit. Das Problem mit dem kaputten Wechselrichter besteht immer noch, d.h. Ich habe bzw. hatte bis vor kurzem, keine 220 Volt an Bord und konnte meinen Laptop nicht betreiben. Nun habe ich mir einen kleinen mit Benzinmotor betriebenen Generator zugelegt. Einen DC-DC Wandler der mir den Strom von 12 auf 16 Volt für das Notebook umwandelt gibt es hier nicht und das Teil welches ich mir aus Deutschland habe schicken lassen war als Neuteil schon defekt. Der neue Generator, er bekam den Namen „Knatterton“ arbeitet so wie sein Name laut aber zuverlässig. Annemarie kann jetzt wieder ihre Küchengeräte wie Handmixer, Thermomix usw. benutzen und ebenfalls den Staubsauger. Ist schon bequem so was.

So geht mit dem Warten ein ereignisloser Tag nach dem anderen vorbei. Ziemlich nutzlos und langweilig. Abgesehen von der Fußball WM gibt es nichts aufregendes. Ändern können wir dabei nichts. Da wir sozusagen ein Notfall sind haben wir eine Sondergenehmigung der Policia Federal (Einwanderungsbehörde und Bundespolizei) uns bis zum Ende der Reparaturen im Land aufzuhalten, jedoch ist es uns untersagt wie Touristen durchs Land zu reisen oder gar das Land vor dem Ende der Reparaturen zu verlassen. Das heißt, das Land könnten wir schon verlassen aber die dann folgende Einreise um an unser Schiff zu kommen wäre dann nicht mehr möglich. Also bleiben wir hier und schlagen die Zeit tot bis wir einen Platz in der Werft bekommen.

Eine (unangenehme) Begebenheit , die sich sozusagen hinter den Kulissen abspielte möchte ich dann doch noch zum Besten geben. Diejenigen welche mit spanischen Behörden schon mal zu tun hatten werden mir bei dieser Geschichte nachfühlen können. Ein großer Teil des Verhaltens kommt aus der spanischen (kanarischen) Mentalität und wir müssen eben damit leben.

Also, wie jedes Jahr verlangt die spanische Rentenversicherung (habe schließlich dort 10 Jahre einbezahlt) von mir eine „Lebensbescheinigung“. So weit so gut, ich muss eine solche auch jährlich bei der deutschen Versicherung abgeben. In Deutschland wie in Spanien heißt das dass eine Bescheinigung von einer „offiziellen“ Stelle wie z.B. Polizei, Rathaus, Post, Bank usw. sein muss. Was in Deutschland als offiziell gilt, wird auch in Spanien so sein. In Spanien ja, aber wenn man außerhalb ist? Weit gefehlt wie ich schnell bemerkte. Die erste Bestätigung, die ich vom evangelischen Pfarramt in Rio Grande bekam (wird in Deutschland anerkannt) wurde abgelehnt. Diese Mitteilung bekam ich aber erst nachdem ich länger als vier Wochen auf eine Antwort gewartet habe. Dazu noch schnell gesagt, dass für die Aufforderung und die Abgabe dieser Bescheinigung die Bank zuständig ist, bei der man das Konto hat. In meinem Fall die Banca… na ist auch egal. Jedenfalls wurde ich über die Ablehnung der Bescheinigung nicht informiert. Auf meine Frage von wem ich diese ausstellen lassen solle, wieder die Antwort natürlich von eine offiziellen Stelle. Was ist eine offizielle Stelle? Natürlich Banken, Polizei ,Rathäuser… Auf die Frage ob denn eine Notar eine offizielle Stelle sei, hieß es, ja natürlich wenn er eine Zulassung besitzt. So ein Blödsinn dachte ich mir noch, welcher Notar arbeitet ohne Zulassung. Ich also los zum Notar, die Bescheinigung ausstellen lassen. Auf meine Bitte hin setzte er auch die Daten über seine Zulassung auf das Blatt. Endlich dachte ich, habe ich was ich brauche. Dadurch, dass ich keine Rückmeldung bekam und sich alles nun furchtbar in die Länge zog, hat man mir das spanische Konto einfach gesperrt, obwohl noch Geld drauf ist welches nicht von der Rentenversicherung stammt. Aber dagegen unternimm mal was wenn du nicht vor Ort bist. Bei den vielen Anrufen die ich von hier aus getätigt habe wurde ich immer abgewiesen, die zuständige Person sei im Moment gerade im Gespräch mit einem Kunden, sie ist nicht da oder rufen sie in zwei Stunden wieder an. Das war die Frechheit schlechthin, da wäre es auf den Kanaren bereits vier Uhr gewesen und die Banken schließen dort bereits um zwei Uhr!

Also die nächste Bescheinigung vom Notar ist nun ebenfalls mehr als drei Wochen unterwegs und ich habe noch nichts davon gehört. Anruf bei der Bank. Ergebnis siehe oben. Daraufhin verständigte ich einen Freund in Lanzarote der für mich nachfragen sollte. Siehe da, die Dame hatte plötzlich Zeit . Klar, sie wusste ja nicht worum es geht. Dieser Freund bekam nun die Antwort, dass die Bescheinigung schon einige Zeit vorläge, jedoch nicht anerkannt werde, da die Zulassung des Notars in von Den Haag sein müsse. Das ist doch der Hammer. Erstens welcher brasilianische Notar hat eine europäische Zulassung und zweitens, warum hat man mir das nicht gleich gesagt? Als nächster Punkt, wie schon vorher, die Bescheinigung liegt vor, wird nicht anerkannt und ich werde nicht verständigt und das Konto bleibt weiterhin gesperrt. Endlich hatte ich mal das Glück, vermutlich wusste die Dame nicht wer ich bin und hat mich einfach weiterverbunden, mit der zuständigen Person zu reden. Da erfuhr ich nun, es wird nur eine Bescheinigung des Konsulats anerkannt und nichts anderes. Danke, das genügt. Das nächste Konsulat befindet sich in Porto Alegre und das sind immerhin 700 km hin und zurück Aber es bleibt mir nichts anderes übrig als dort hin zu fahren. Nach einem stressigen Tag der mich eine spanische Monatsrente kostete, war ich wieder zurück und im Besitz einer Lebensbescheinigun. Diese per Einschreiben wieder an meine Bank gesendet mit der Hoffnung, dass die Kontosperre aufgehoben wird und alles in Butter ist. Da habe ich allerdings die Rechnung ohne den spanischen Wirt gemacht. Nach weiteren vier Wochen, wie üblich habe ich über den Empfang der Bescheinigung nichts gehört, rufe ich bei der Bank an. Da erfahre ich, wie kann es anders sein „nein die Bescheinigung kann nicht anerkannt werden, denn anerkannt wird die Bescheinigung nur von einem spanischen Konsulat!! Hat man da noch Worte? Jeden Wurm muss man denen extra aus der Nase ziehen. Als deutscher gehe ich natürlich auf ein deutsches Konsulat. Seit wann werden die Konsulate untereinander nicht mehr anerkannt? Und das nennt sich dann Europa! Bin neugierig wie es mal aussieht wenn ich irgendwo bin wo es kein spanisches Konsulat gibt. Vermutlich sind die der Meinung dass Rentner zu Hause bleiben sollen, dann haben sie die Probleme nicht. Also machte ich mich ein weiteres mal auf den 700 km langen Weg nach Porto Alegre, womit auch die zweite spanische Monatsrente beim Busunternehmen liegen gelassen wurde. Die Bescheinigung des spanischen Konsulats ist nun seit zwei Wochen unterwegs und ich habe noch keine Nachricht. Vermutlich muss ich wieder anrufen um nachzufragen was denn jetzt los ist. Mal sehen wie es weiter geht. Der ganze Mist zieht sich nun schon über ein halbes Jahr hin. Das Konto ist immer noch gesperrt. Nur gut, dass ich mit der deutschen Versicherung diese Probleme nicht habe, die haben nämlich die Bescheinigung des evangelischen Pfarramtes anerkannt.

Etwas Gutes kann zumindest Annemarie der Sache abgewinnen. Durch die viele Zeit die wir jetzt haben produziert sie selber gemachtes Sauerkraut, was übrigens hervorragend schmeckt und veredelt den hier wirklich geschmacklosen Käse zu einer guten und wohlschmeckenden Brotauflage. Gekeimte Linsen verwandelt sie zu „Leberwurst“. Dabei jagt sie die Linsen durch den Mixer und gibt verschiedene Kräuter dazu wodurch es schmeckt und aussieht wie Leberstreichwurst aber eben vegetarisch. Sollte jemand Interesse an der „Käseveredelung“ oder am Rezept für Sauerkraut (ganz einfach und unklompliziert)oder der „Leberwurst“ haben, so genügt eine Anfrage über E-Mail. Diese Rezepte sind besonders geeignet für (natürlich auch für alle anderen) Leute die unterwegs sind und solche Gelüste verspüren wie wir.

Vielleicht hört sich der Bericht doch etwas negativ an. So schlimm ist es allerdings nicht. Meistens hört es sich schlimmer an als es am Ende dann ist. Dass es allerdings ärgerlich ist dürfte klar sein. Deshalb möchte ich zum Schluss noch von einem Ereignis berichten, das doch recht angenehm und für uns schmeichelhaft war. Als wir letzte Woche in Rio Grande waren, wir kauften schon mal Farben und andere Dinge, die wir dann später, wenn wir in der Werft sind brauchen. Der Verkäufer merkte sofort dass wir Ausländer sind (ist auch nicht schwer zu erkennen) :-). Nachdem unsere Nationalität feststand sah er uns an und meinte: „ach ihr seid doch die Deutschen die im Fernsehen waren“. Ich bestätigte es ihm, was zur Folge hatte, dass ich unsere Geschichte zum …ten mal erzählen musste. Was ich inzwischen schon ohne stocken und stottern kann.Aus einem Mix aus spanisch und portugiesisch zwar aber verständlich. Das passierte mir in einem anderen Geschäft ebenfalls. Ist doch toll obwohl der Bericht bereits ein halbes Jahr her ist. Es ist bewundernswert, dass die Leute immer noch so viel Anteilnahme zeigen. Die Fischer ebenfalls, denn wir bekamen gestern mal wieder einen ganzen Schwung Fische geschenkt.

Es ist einige Tage her, es war Nacht als es bei uns neben dem Boot klatschte als würde jemand ins Wasser springen. Neugierig geworden standen wir auf, um nachzusehen. Erst sah ich gar nichts, sondern hörte es weiterhin unter dem Steg platschen. Dann sahen wir es. Es waren so an die drei oder vier Fischottern die um unser Boot schwammen und Fische fingen. Wir sahen entzückt dem Treiben zu, bis die Ottern genug hatten und wieder verschwanden. Dass gegen Abend und auch zum Teil Tags über die Reiher bei uns am Steg sitzen gehört schon fast zur Routine und man beobachtet sie nur „am Rande“. Delphine und Seelöwen sind fast jeden Tag zu beobachten und sind Hauptakteure in unserem „Wassertheater“.

22.04.2010

15. April 2010

Gonzalo kommt und wir wollen den Deckel des Motorraums bzw. den Cockpitboden schließen. Erst befreien wir die Auflageränder am Deckel und am Boden von Rost und anderem Schmutz. Mit Sikaflex dick eingeschmiert wird der Deckel geschlossen. Während ich schon mal in den jetzt finsteren Motorraum krieche, steckt Gonzalo die 25 Schrauben durch die Löcher. Ich setze von unten die Muttern an und mein „Hilfsarbeiter“ dreht sie von oben fest. Der noch kleine verbleibende Spalt wird mit Silkon abgedichtet. Es muss alles ordentlich abgedichtet werden denn sonst nimmt der Motor bei der nächsten Welle die einsteigt eine Salzwasserdusche und antwortet mit verstärkter Korrosion. Auf dieses Zwiegespräch kann ich aber gut verzichten. Nach Abschluss dieser Arbeit machen wir uns daran die Motorsteuerung zu zerlegen.

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gereinigt und fertig zum Zusammenbau

Alleine traue ich mich nicht, muss doch an manchen Stellen ziemlich Gewalt angewendet werden und kaputt machen möchte ich nichts. In Zukunft weiß ich jetzt wie es funktioniert. Nach gründlicher Reinigung und frischem Fett wird alles wieder zusammengebaut. Sie funktioniert und arbeitet wieder so leichtgängig wie am ersten Tag.

steuerung-fertig.jpg fertig zum Einbau

22.04.2010

10. April 2010

Nachdem ich heute die Lichtmaschine ausgebaut habe bringen wir diese sogleich in die Werkstatt. Wir haben Glück, denn der Elektriker macht sich sofort an die Arbeit. Nach der Überprüfung.

Auf dem Prüfstand zerlegt er die Lima in ihre Einzelteile. Das sieht gar nicht gut aus. Der Anker und die hintere Platte mit den Dioden und den Anschlüssen haben das Zeitliche gesegnet. Die Teile werden ausgetauscht und ich bin ca. 140€ ärmer. Er hat keine Original Boschteile verwendet, denn sonst hätte ich das Doppelte bezahlt. Mit der reparierten Lichtmaschine bewaffnet fahren wir zurück zum Boot und ich baue diese wieder ein. Die Kabel sind schnell angeschlossen und wir können den Motor zum Probelauf starten. Dieser springt sogleich an, die Ladekontrollleuchte erlischt und der Drehzahlmesser zeigt 800 RPM Leerlaufdrehzal an. Super. Das wäre also schon mal geschafft. Leider ist jedoch der Hebel der Motorsteuerung so schwergängig, dass er sich nur mit größter Mühe betätigen lässt. So kann man das nicht lassen. Also werden wir die Steuerung abbauen, zerlegen und reparieren. Aber nicht mehr heute.

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defekte Motorsteuerung

22.04.2010

08. April 2010

Während Annemarie weiter die Sperrholzplatte auf Vordermann bringt,widme ich mich wieder dem Motor. Ich wechsle noch einige poröse Schläuche und andere Kleinigkeiten aus und plötzlich ist der Motor fertig zum Probelauf. Den Tank habe ich bereits mit 200 Liter Diesel zur Hälfte aufgefüllt. Erst wird einmal entlüftet, was bei den doch sehr umfangreichen Kraftstoffsystem und den vier Filtern einige Zeit dauert. Dabei stellen wir fest, dass die Dieselpumpe nicht so funktioniert, wie sie eigentlich soll. Gonzalo wird sie in den nächsten Tagen ausbauen und reparieren. Nun sind wir so weit. Ich drücke auf den Anlasser, dieser orgelt ganz anständig aber der Motor springt nicht an. Wir entlüften nochmal und die Orgelei geht von neuem los. Doch der Motor will und will einfach nicht anspringen. Es ist zum junge Hunde kriegen. Es wird bereits dunkel und die Batterie ist auch leer. Wir hören für heute auf und werden morgen weiter machen. Ich lasse den Generator laufen um die Bord- und Starterbatterien für den morgigen Tag zu laden. Am nächsten Tag machen wir uns sogleich ans Werk. Ich stecke den Zündschlüssel rein und drücke den Startknopf. Nach einigen Umdrehungen springt der Motor sofort an, jedoch die Ladekontrollleuchte bleibt an und der Drehzahlmesser rührt sich keinen Millimeter. Sogleich bewaffne ich mit mit meinen Multimeter und messe die Spannung. Mist! Nur die Batteriespannung steht an. Die Lichtmaschine liefert nicht die mindestens benötigte Spannung von 13,8 Volt. Das heißt entweder der Regler oder die komplette Lichtmaschine ist kaputt. Da kommt Freude auf.

22.04.2010

04. April 2010

Wir werden heute die Platte für das Cockpitdach bearbeiten. Ich mache mich sogleich daran die Oberfläche der Platte abzuschmirgeln. Die Qualität der Platte ist nicht das was wir normal gewöhnt sind aber was solls. Nach mehrmaligen schleifen und streichen lassen wir es für heute gut sein. Morgen wird Annemarie daran weiter machen. Der Chef hat Wichtigeres zu tun :-).

22.04.2010

02. April 2010

Heute, Karfreitag, soll man ja fleischlos essen. So weit ja nicht schlimm aber ausgerechnet heute an meinem Geburtstag, wo ich mich doch schon so auf einen saftigen Braten gefreut habe… Von Annemarie bekomme ich zur Feier des Tages eine rote Rose geschenkt. Und das nach 21 Jahren. Das ist doch was. Mittags sind wir bei Gonzalo und seiner Frau Suzana eingeladen. Wir sind inzwischen wirklich sehr gut miteinander befreundet. Es war ein schöner Tag und wir können den Ärger, den wir gestern hatten, etwas vergessen. Nachts, kurz vor 22:00 Uhr hat es plötzlich gerummst, dass ich bald von der Bank gefallen wäre. Ist uns doch schon wieder so ein Blindfisch mit seinem 50 Tonnen Fischtrawler in die Seite gefahren und hat dabei den gesamten vorderen Teil der Reling verbogen. Wäre der bereits reparierte Bugspriet schon wieder angebaut gewesen, wäre er jetzt wieder über den Jordan. Und damit dass das Maß voll ist, hat uns ein anderer (oder der Gleiche?) am Ostersonntag nachts um drei mit einem weiteren gewaltigem Bumms die Reling vollends verbogen. Langsam wird es mir zu bunt. Das ist jetzt das vierte mal dass wir gerammt werden. Leider können wir von diesen vieren nur einen zur Rechenschaft ziehen, den die anderen waren zu schnell in der Dunkelheit verschwunden.

22.04.2010

31. März 2010

Die Platte die wir gestern gekauft haben muss nun noch zum Schiff transportiert werden. Sie wird in den nächsten Tagen geliefert. Den Tag über habe ich am Motor gearbeitet und alle Schläuche für das Kraftstoffsystem angeschlossen. Gut, dass ich mir damals einen Plan gezeichnet habe, denn sonst hätte ich es nicht mehr hingekriegt, jedenfalls nicht so schnell. Es ist doch nicht ganz so einfach sich wieder in die Situation und die Gedanken hinein zu versetzen, die man damals bei der Konstruktion hatte. Auf alle Fälle ist wieder alles in bester Ordnung, nur die Salzwasserpumpe macht Ärger. Sie wird nicht dicht. Der Schlauch für den Zulauf ist porös und ich tausche ihn aus. Das aber ist leichter gesagt als getan. Drei Stunden werkle ich unter lautstarkem Fluchen an dem Ding herum, bis ich mit viel List und Tücke den Schlauch auf dem Pumpenanschluss habe, der natürlich an der unzugänglichsten Stelle unter zwei anderen Kühlwasserrohren liegt. Den Deckel der Pumpe habe ich auch abgedichtet.

Von Fischern haben wir mal wieder etliche Fische bekommen. Einige davon hat Annemarie als Bratfisch in einen Sud eingelegt. Nach einigen Tagen sind sie fertig zum Verzehr. Schmecken hervorragend. Der Vorteil ist, dass sie nicht so viele Gräten haben wie Bratheringe.

22.04.2010

30. März 2010

Also die Arbeit geht mir bestimmt nicht aus. Ich möchte gerade den Tagestank einbauen, werfe aber noch einen Blick in diesen. Was glitzert denn da? Um besser sehen zu können drehe ich den Tank etwas und hebe ihn hoch. Ich glaube mich laust der Affe. Am Boden des Tanks sind mindestens 20 kleine Löcher von der dicke einer Stecknadel. Lochfraß!! Das hat gerade noch gefehlt. Ich bespreche es mit Gonzalo und er meint das wäre kein großes Problem. Das könne er verzinken bzw. Hartlöten. Für heute bleibt die Arbeit liegen, den wir müssen nach Rio Grande um eine Marine-Sperrholzplatte zu besorgen. Wir bauen uns damit als Ersatz für das zerrissene Bimini ein Dach über das Cockpit.

22.04.2010

29. März 2010

Gonzalo kommt gegen Mittag und ist erstaunt wie weit die Arbeit bereits fortgeschritten ist. Heute werden wir das Getriebe mit der Antriebswelle verbinden. Leider gibt es da ein Problem. Es fehlen einige Millimeter um die Schrauben in die dafür vorgesehene Passung zu stecken. Mit dem Flaschenzug heben wir den Motor nochmal um einige Zentimeter an aber es passt immer noch nicht. Erst als wir das Wellenlager etwas lösen passen die Schrauben. Das alles dauert etwa 1½ Stunden. Dann war es Mittag und Gonzalo geht nach Hause. Er lässt mich noch wissen, dass er heute keine Zeit mehr hat, denn er muss noch in die Stadt fahren. Na gut, stört mich wenigstens keiner beim Arbeiten. An diesem Nachmittag baue ich alle Schläuche, Rohre, Wärmetauscher usw. an. Als letztes verpasse ich der Salzwasserpumpe noch einen neuen Impeller. Es wird langsam dunkel und ich bin ganz schön geschafft aber zufrieden mit der Arbeitsleistung. (braver Werner, ganz braver Werner - Anmerkung von Annemarie :-)).

22.04.2010

28. März 2010

Annemarie war beim Einkaufen und bringt 2kg Schweinebraten mit. Das ist doch was. Das gibt einen super Braten. Den letzten Schweinebraten vertilgten wir in Lanzarote als Abschiedsessen mit der Crew der Buena Vista. Die Schwarte wird in Karos eingeschnitten. Den gewürzten Braten legt man nun mit der Schwarte nach unten in einen Topf mit wenig Salzwasser. Nach einer ½ Stunde wird der Braten umgedreht und im Rohr fertig gebraten. Durch das Ankochen wird die Schwarte besonders knusprig. Während der Braten im Ofen brutzelt richte ich schon mal alles her für die Semmelknödel. Knödelbrot gibt es hier nicht und die Semmeln eignen sich dafür absolut nicht. In denen ist nur Luft. Es gibt in Scheiben geschnittenes Weißbrot das wie Zwieback, im Ofen getrocknet wird. Das nehme ich. Aus Brot, Ei, Salz, Petersilie, etwas Mehl und Milch mische ich den Teig für die Knödel, die im heißen Salzwasser ziehen bis sie aufschwimmen. Dann sind sie fertig. Der Braten ist nun auch durch und schön saftig. Mit großem Appetit und einem schönen kalten Bier, schnell aus der Kneipe geholt, machen wir uns über den Braten her. Schweinsbraten nach bayrischer Art mit Knödel und einer Maß Bier, im südlichsten Zipfel von Brasilien, das grenzt ja schon bald an Snobismus. Aber uns schmeckt es trotzdem oder vielleicht gerade deswegen. Soll ich mal verraten was uns dieser Schmaus hier kostet? 14 Reals inklusive Bier. Das sind gerade mal 5,60 €.

22.04.2010

26. März 2010

Wir haben jetzt „bis morgen“ und wir haben schönes Wetter, die Sonne ist da, die Steghunde sind da, jede Menge Fischerboote sind da, nur Gonzalo ist nicht da. Ich warte noch bis Mittag aber er kommt nicht.Um 12:00 Uhr wird gegessen, dann legt er sich hin bis 16:00 Uhr und danach kommt er bestimmt nicht mehr. Also hole ich mein Werkzeug und mache mich an die Arbeit. In den nächsten drei Stunden baue ich die Lichtmaschine, den Keilriemen, den Anlasser, den Tank für den Süßwasserkreislauf, die Ölschläuche und den Ölfilter an. Danach überpinsele ich mit roter Farbe einige Stellen am Motor, Getriebe und an Anbauteilen, die beim Motoreinbau abgestoßen wurden. Es fehlen jetzt noch die Ölkühler für Getriebe und Motor, den Luftansaugstutzen, den Wärmetauscher für den Süßwasserkreislauf, der Impeller für die Salzwasserpumpe, das Abgassammelrohr für den Auspuff und der dazugehörige Wassersammler für die Wassereinspritzung zur Kühlung der Auspuffgase. Etliche andere Zuarbeiten sind ebenfalls noch fällig. Die Schläuche des Kraftstoffsystems müssen von mir installiert werden, da Gonzalo bei der von mir entworfenen Konstruktion nicht ganz durchblickt. Die Halterung der Batterien sind auch noch nicht eingebaut (wäre das bloß schon gemacht), das wird noch eine Hundsarbeit. Die Elektrik mit ihren mehr als 24 Anschlüssen muss auch noch komplettiert werden.

22.04.2010

25. März 2010

Wir haben den 25.März und endlich, nachdem der Motor weitere sinnlose Tage unberührt auf der Cockpitbank stand, kommt Gonzalo um ihn einzubauen. Die ganze Übung beginnt von vorne: Eisenstange am Dreibein und am Mast befestigt, Rolle mit Haken angebracht, alles wie bereits gehabt. Endlich schwebt der Motor über der Öffnung des Motorraumes und senkt sich langsam nach unten.

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auf dem Weg ind den „Keller“

Nun wird der Motor mit der „Nase“ nach unten gekippt, so dass der Antrieb für das Getriebe gut zugänglich ist. Mit einem zweiten Flaschenzug kommt das Getriebe hinterher und wird am Motor angeflanscht.

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Getriebe im Anmarsch

Nun senken wir die gesamte Einheit ab bis sie auf den Gummipuffern der Motorhalterung sitzt. So weit, so gut. Jetzt die Anbauteile dran. Aber nicht heute. Das Tagwerk ist nach zwei Stunden beendet. Bloß nicht überarbeiten ist die Devise. Meine zwar auch aber etwas mehr könnte nicht schaden. Asta manhana (bis morgen) und damit entschwebt Gonzalo in heimatliche Gefilde.

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wieder eine Einheit Motor und Getriebe

21.04.2010

22. März 2010

Das Wochenende ist vorbei, Wind ist nicht da, Welle ist nicht da und Gonzalo ist natürlich ebenfalls nicht da, trotz bester Voraussetzungen. Es heißt eben wieder mal warten. Damit aber die Zeit nicht völlig nutzlos verstreicht, mache ich mich daran den Bugspriet abzubauen. Das ist nach einer halben Stunde passiert. Was jetzt? Eigentlich müssten die Maststufen oberhalb der zweiten Saling neu angebracht werden und ein Splint in einem Bolzen am Masttop gehört ausgebohrt. Geht aber nicht. Warum? Dazu brauche ich eine Bohrmaschine. Kein Problem, die habe ich aber leider fehlen mir dafür 220 V. Die habe ich nicht. Logisch, der Wechselrichter ist immer noch in Reparatur. Nerven braucht man, so stark wie mein Vorstag. Eine andere sinnvolle Arbeit steht für heute nicht mehr an. Also vertrödeln wir den heutigen Tag. Langsam bzw. eigentlich schnell läuft uns die Zeit davon. Es geht auf den Winter zu, der Wind aus Süden wird häufiger und stärker. Wenn wir nach Uruguay wollen müssen wir nach Süden. Je weiter es nach Süden geht um so stärker werden um diese Zeit die Stürme.

21.04.2010

19. März 2010

Es sind weitere Tage vergangen als Gonzalo den Motor mit einem Handwagen über den Steg bis zu uns ans Boot zieht. Na endlich, denke ich mir, jetzt kann es losgehen. Der Motor wird mit dem Flaschenzug hochgehoben und auf den Steg gestellt. Wieder ist mal ein Tagwerk vollbracht. Gonzalo gibt mir zu verstehen, dass er in den nächsten Tagen, wann kann er nicht genau sagen, vorbei kommt um den Motor in das Boot zu hieven.

Zwei Tage vergehen bis Gonzalo sich wieder sehen lässt. Klasse, heute wird der Motor eingebaut. Alles wird hergerichtet, der Motor, der Flaschenzug, die Rolle mit dem Eisenhaken nebst der Stange auf der die Rolle kommt um den Motor vom Steg ins Boot zu befördern.

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“Transportvorrichtung”

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Auf dem Weg ins Cockpit

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Die Stange wird auf der einen Seite am „Dreibein“ befestigt und auf der anderen am Baum, der zur Verstärkung mit einem Pfahl unterstützt wird. Langsam wird der Motor mit dem Flaschenzug so weit angehoben, dass man ihn über die Reling ziehen kann. Das ist dann auch schnell getan und der Motor ist jetzt im Cockpit und steht auf der Bank. Im Cockpit auf der Bank? werden sich die geneigten Leser fragen. Ja, natürlich im Cockpit auf der Bank. Schließlich ist Freitag und das Wochenende naht. „Nächste Woche komme ich wieder, vorausgesetzt es gibt keinen Wind und keine Wellen“, gibt Gonzalo mir zu verstehen und entschwindet ins hart erarbeitete Wochenende.

21.04.2010

12. März 2010

Es hat sich ja schon lange nichts mehr mit dem Motor getan. Er steht, fertig zum Einbau, in der Garage von Gonzalo. Der „arme“ Kerl hat einfach keine Zeit den Motor hierher zu schaffen.

Es sind nun wieder einige Tage vergangen und Gonzalo zeigt mir stolz, dass der Motor immerhin schon bei einem Freund in der Werkstatt steht, nicht weit vom Boot entfernt. Das ist doch schon mal was. Bis auf hundert Meter genähert, so nah war der Feind noch nie.

Nach weiteren drei Tagen kommt Gonzalo und bringt dicke, zwei Meter lange Pfosten an die er zu uns auf den Steg schleppt. Mit Hammer und Nägel baut er ein Dreibein als Auflage für die Eisenstange an der später der Flaschenzug befestigt wird. Nach einer Stunde ist alles vorbei und das Tagwerk vollbracht.

21.04.2010

10. März 2010

Es sind ein paar Tage vergangen und der Kleine hat, Annemarie taufte ihn Felix (es bedeutet der Glückliche), gute Fortschritte gemacht. Er ist jetzt etwa acht Wochen alt und seit einigen Tagen verschmäht er die Flasche. Er frißt jetzt feste Kost, jedoch Trockenfutter lehnt er ab, auch eingeweicht. Aber bei Fisch oder Hähnchen mit Reis ist er nicht mehr zu halten. Da haut er rein, dass er anschließend mit kugeln schneller vorwärts kommt als mit laufen. Was Annemarie ihm von Anfang an beigebracht hat, ist auf das „Katzenkloo“ zu gehen. Es ist nicht zu glauben aber es funktioniert wunderbar. Selbst nachts, wenn er wach wird geht er in die „Kiste“ und legt sich anschließend wieder schlafen. So was habe ich bei einem Hund noch nie gesehen und das obwohl Felix erst acht Wochen alt ist. Er ist also schon „Stubenrein“. Trotzdem, dass er so lieb und putzig ist, werden wir ihn nicht behalten. Die Probleme unterwegs sind zu groß. Nicht mit dem Hund aber mit den Behörden in den verschiedenen Ländern. Allein schon im Nachbarland in Uruguay z.B. darf der Hund das Boot nicht verlassen. Wir wollen dort aber so an die drei Monate bleiben. Ein anderes Beispiel, was uns allerdings jetzt noch nicht betrifft, ist Neuseeland. Dort dürfen Tiere ebenfalls nicht von Bord und außerdem kommt täglich(!) der Veterinär zur Untersuchung und kassiert dafür jedes mal 50 US$.

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Felix mit seinen „beiden“ Müttern.

Wir haben für Felix einen schönen Platz bei einer Familie gefunden. Die Tochter, deren Hund vor einiger Zeit gestorben ist, wird ihn nehmen. Dort ist er in guter Gesellschaft von fünf weiteren Hunden, ebenso vielen Katzen, eine Horde Meerschweinchen, einen Papagei, Hühner und Enten. Im Hof hat er genügend Platz um mit den anderen herumzutoben. Eine Hütte als Schlafplatz steht für ihn ebenfalls bereit. Heute werden wir ihn, wenn auch schweren Herzens, an die neue Familie übergeben.

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Der Feind muss bekämpft werden

 

21.04.2010

07. März 2010

Wir kommen gerade vom Strandspaziergang zurück und es liegt der Welpe, den ich vor einiger Zeit aus dem Fischernetz befreit habe, vor seinem Bau direkt am Wasser. Eine etwas größere Welle und er ist weg.Eigenartigerweise kümmert sich Dolly, seine Mutter, überhaupt nicht um ihn. Annemarie nimmt eine Spritze, natürlich ohne Kanüle und füllt sie mit Milch. Gierig saugt der Kleine an der Spritze. Dann kommt nochmal eine Ladung und nochmal. Jetzt scheint er satt zu sein. Annemarie meint, dass der Kleine hier wohl verhungern würde und nimmt ihn mit auf das Boot. Dort wird er nun von Annemarie, mittels der inzwischen gekauften Babyflasche aufgezogen. Alle zwei bis drei Stunden füttern, auch nachts, das wäre mir zu viel. Aber bei Annemarie wurde wohl der Mutterinstinkt geweckt.

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21.04.2010

05. März 2010

Längere Zeit schon ist mein Wechselrichter kaputt, also in der Werkstatt. Was so viel heißt, wie dass ich meinen Laptop auf dem Boot so gut wie nicht gebrauchen kann. Jedenfalls nicht um neue Berichte zu erstellen. Diese „Live“ zu schreiben würde zu lange dauern und die Internetkosten in die Höhe treiben. Mein zehn Finger System ist dafür nicht schnell genug (mit neun Fingern einkreisen und mit dem zehnten draufklopfen). Also muss ich erst die Berichte mit der Hand schreiben und mir dann eine Möglichkeit suchen diese in den Laptop zu hämmern. Diese Möglichkeit habe ich jetzt gefunden, ist allerdings ein wenig umständlich. Hier haben alle so unendlich viel Zeit und da wird die Geduld, die wir uns in 12 Jahren Lanzarote angeeignet haben, schon sehr strapaziert. Den Wechselrichter habe ich bereits vor drei Wochen zur Reparatur gebracht aber er liegt immer noch total zerlegt beim Elektroniker. Ich habe mal so leise nachgefragt wann denn das Teil wieder einsatzbereit sei und bekam nur zur Antwort. „muito complicado“ (sehr kompliziert). Auf einen Termin wollte er sich auf keinen Fall festlegen.Die einzige Aussage die ich ihm entlocken konnte war, dass ich nächste Woche nochmal vorbei schauen solle. Vorweg genommen, der Wechselrichter ist auch nach 6 Wochen noch nicht fertig. Er hat wohl nicht den Mut zu sagen dass er damit überfordert ist. Er meinte nur so nebenbei im Gespräch, dass da so viele Komponenten eingebaut sind, die mehrere Funktionen hätten, da seien die in Brasilien gebauten Geräte einfacher. Eine Komponente, eine Funktion, aber das Teil da…

3.03.2010

01. März 2010

Die ganze letzte Woche hatten wir „schlechtes“ Wetter. Der Wind ging so aber die Temperaturen, sie lagen so um die 18°C, was für diese Jahreszeit kalt ist. Klar, wir haben schon März, was im äquivalent nördlich des Äquators September entspricht. Also war das schon mal ein herbstlicher Vorbote. Für uns zwar schlecht, denn uns war schon zu kalt, für die Umwelt, respektive dem Fluss in dem wir liegen, war es eine kleine Erholungspause. Jetzt wo es wieder warm ist, ist diese Pause auch vorbei. Große Teppiche mit (toxischen) Grünalgen werden vom Fluss angeschwemmt und vernichten fast alles Leben im Wasser. Sie verbrauchen den ganzen Sauerstoff und die toten Fische werden zu Hunderten am Strand angespült, was den Badegästen anscheinend nicht viel ausmacht. Der Badebetrieb geht lustig weiter, dann macht man eben einen Bogen um die toten Fische. Stinken tun sie nicht, dafür sind sie noch zu frisch. Keine Zeitung, kein Fernsehen oder sonstige Medien berichten darüber. Das ist eben so, das kannten unsere Väter auch schon. Warum sollen wir uns darüber aufregen. Alle die ich bisher gefragt habe, wo die Algen denn her kommen, bekomme ich zur Antwort: vom Fluss. Ja, das schon aber was ist die Ursache? Dafür gibt es nur ein Schulterzucken. Die Frage ob es etwas mit Chemie bzw. der Chemieindustrie zu tun hat wird mit „nao Industria“ vehemenent abgestritten. Das kommt eben vom Fluss. Was meinen Wissensstand anbelangt, kommen Grünalgen von Überdüngung. Das ist auch hier die Ursache. Nicht hier an der Mündung liegt der Grund des Übels, sondern im Hinterland. Dort wird jede Menge gedüngt, der (viele) Regen schwemmt den Dünger aus und es wird von neuem gedüngt usw. Dass Tenside und Dünger das Wachstum der Grünalgen fördert ist eigentlich weithin bekannt. Aber nicht nur die Landwirtschaft hat daran Schuld, auch der „Hausgebrauch“ hat daran seinen Anteil. In Städten ist es etwas anderes aber auf den Dörfern wird das Ab und Waschwasser z.T. sogar von den Toiletten einfach ins freie gespült, das läuft dann als stinkende Brühe im Straßengraben bis es versickert oder in einen Bach läuft. Das allerdings kann man den Leuten nicht vorwerfen. Was sollen sie auch tun, wenn die Gemeinden kaum für die Entsorgung und Klärung der Abwässer sorgt? Sie könnten Sickergruben bauen, was hier allerdings unbekannt ist. Es ist nicht nur das Abwasserproblem, der Umweltgedanke scheint hier in den Urwald verbannt, was so auch nicht stimmen kann, denn der wird abgeholzt. In der Stadt, zumindest in Rio Grande gibt es sogar Abfalleimer zur Mülltrennung. Doch was nützt es, wenn trotzdem die Zeitung, die Cola Dose, der Plastikbeutel, da hingeworfen wird wo er gerade geleert wurde. Es würde hier niemand (vielleicht mit ganz wenigen Ausnahmen, siehe leere Abfalleimer) einfallen zwanzig Meter zum nächsten Mülleimer zu laufen und dann womöglich noch in die entgegengesetzte Richtung. Fallen lassen ist viel einfacher und haben wir immer schon so gemacht. Es wird schon etwas, meist von Schwarzen, davon eingesammelt und sortiert. Aber das geschieht aus Eigennutz. Denn der sortierte Müll, vor allem Dosen (Aluminium), wird bei einer Entsorgungsstelle verkauft.

Ich gehe bei uns im Dorf spazieren und denke mir, aha da kommt wohl in den nächsten Tagen der Sperrmüll. Überall liegen in Abständen von einigen hundert Metern alte Möbel, Bretter, kaputte Fernseher usw. Einige Tage später sehe ich die „Sperrmüllbeseitigung“. Wird der Haufen zu groß, dann zündet ihn irgend jemand an und räuchert damit ganze Teile des Dorfes ein. Interessiert niemanden, denn Tage später brennt dann einige hundert Meter weiter ein anderer Haufen. Sind nur noch Reste und Asche übrig, dann gibt es wieder neuen Platz für neuen Müll. Auch eine Art seinen Müll zu entsorgen. Zu Gute halten muss man der Gemeinde jedoch, dass sie zumindest eine Hausmüllentsorgung, also das was so alles in eine normale Plastik-Einkaufstüte passt, regelmäßig entsorgt wird. Dazu gibt es vor jedem Haus eine auf Stelzen stehende Kiste oder der Länge nach aufgeschnittene Öl oder Plastiktonne (auf Stelzen damit keine Hunde, Katzen oder andere Tiere dran kommen), auf der „LIXO“ (Müll) steht.

Umweltbewusstsein zu wecken muss eigentlich von „oben“ von der Politik kommen. Es reicht nicht, nur fünf oder sechs verschiedenfarbige Tonnen aufzustellen und zu sagen, na dann macht mal. Umweltbewusstsein zu wecken beginnt schon im Kindergarten, dann in der Grund und Hauptschule usw. Das Problem ist nur, das was nicht gelehrt wird, kann man auch nicht lernen. Es stimmt schon, die Politiker haben hier (vermeintlich) wichtigere Probleme zu lösen als die der Müllbeseitigung, doch wenn sie dann darin ersticken ist es zu spät.

Ich will aufhören zu meckern, trotzdem bin ich der Meinung man soll nicht alles durch die rosarote Brille sehen. Ich bin zwar Gast hier aber ein wenig kritisch sein darf man trotzdem. Oder?

Im Anschluss ein Link mit Bildern die ich nicht kommentiere, da sie, wie ich meine für sich selbst sprechen. Die Bilder wurden am Vormittag aufgenommen als nur wenige Badegäste anwesend waren. Nach 12:00 Uhr kommt der große Andrang, trotz Algen und toter Fische.

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The show must go on, Umweltprobleme interessieren nicht, es sei denn man kann sie vermarkten

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23.02.2010

20. Februar 2010

Es ist Samstag und Wochenende. Wir fahren mit dem Bus nach Rio Grande um unsere dortigen Freunde Angelica und Olek im Hotel Paris zu besuchen. Erst aber wollen wir einen Elektronik Shop aufsuchen der uns von der Besatzung des Bugsierschleppers empfohlen wurde. Ich habe die KW-Peitschenantenne am Schlepper gesehen und gleich gefragt wo es diese gibt. Meine ist ja abgebrochen und in den unergründlichen Tiefen des Atlantiks verschwunden. Freundlich, wie die Brasilianer nun mal sind, hat einer der Besatzung gleich bei dem Shop angerufen und gefragt ob so eine Antenne vorrätig sei. Das sei sein Freund gewesen und dort er hat die Antenne für den Schlepper besorgt. Es ist die Firma Electronic Professional in der Rua 24. Maio. Wir haben diese Firma nach kurzer Suche entdeckt und tragen unser Anliegen vor. Wir richten auch schöne Grüße von Francesco aus, der vor einigen Tagen mit ihnen telefoniert hat. Großes Erstaunen, denn Francesco kennen sie nicht und KW-Antenne hätten sie auch keine. Wir fragen nochmal ob dies die Firma Electronic Professional sei, was uns bestätigt wird. Ich zeige ihm die Telefonnummer und er bestätigt, dass es die der Firma sei. Nun verstehe ich gar nichts mehr. Die Adresse stimmt, die Firma stimmt, ebenso die Telefonnummer aber Francesco ist nicht bekannt und KW Antennen haben sie auch nicht. Entweder gibt es diese Firma nochmal in dieser Straße oder der Verkäufer ist völlig inkompetent. Ich frage ihn ob es denn diese Firma hier nochmal gäbe. Ja natürlich, weiter unten in der Straße der Elektronik Shop. Wir laufen die Straße bis zum Ende durch aber ohne diesen ominösen Shop zu finden. Irgend was ist hier wohl absolut schief gelaufen. Francesco hat mit dieser Firma telefoniert, ich war ja dabei. Also ist der Wurm wohl anderswo zu suchen. Na, egal wir besuchen jetzt unsere Freunde bevor sie in den nächsten Tagen weiter ziehen.

Am frühen Abend sind wir wieder zurück am Boot und unsere zwei Steghunde, der bzw. die dritte ist seit Wochen verschwunden, empfangen uns schwanzwedelnd am Steg. Annemarie gibt ihnen gleich das aus Reis und Hühnerknochen bereits gestern hergerichtete Futter, das sie gierig verputzen.

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Annemarie und „ihre“ Hunde

Er, wir haben ihn Casanova getauft legt sich auf den Steg und schläft. Sie, die wir Dolly nennen, läuft zurück zu ihren Jungen. Dolly ist seit ungefähr zwei bis drei Wochen Mama. Plötzlich hören wir Hundegeheul. Ich schenke dem nicht viel Aufmerksamkeit, da in der Nachbarschaft eine Hündin läufig und Casanova wohl etwas Liebeskrank ist. Aber das Geheule hört nicht auf. Es sind da die Frauen, die wohl mehr Gefühle entwickeln als die Männer. Jedenfalls meint Annemarie, dass dieses Geheule nicht normal sei und geht nachschauen. Kurz danach kommt sie zurück und erzählt mir, dass Dolly so jämmerlich jault und dauernd um sie rumschwänzelt. „Nimm doch eine Taschenlampe und leuchte unter das Haus unter dem sie ihre Jungen abgelegt hat“, meint Annemarie zu mir. Ich nehme die Taschenlampe und ziehe los. Ich leuchte unter das Haus, kann aber nichts sehen. Dolly kommt und schlüpft unter das Haus. Ich schaue wo sie hingeht und da sehe ich ihr Junges. Es liegt da, so halb auf einem alten Fischernetz. Dolly geht hin und stupst es an, doch das Kleine rührt sich nicht vom Fleck und Dolly fängt wieder an zu jaulen.. Annemarie meint ich soll das Junge doch mal rausnehmen, ich könne es doch mit der Hand leicht erreichen. Ich will es nehmen, doch es geht nicht, denn es hat sich total in dem alten Netz verfangen und kann sich nicht bewegen. Der Kopf und ein Fuß stecken in einer Masche des Netzes. Das Kleine wird sogar davon leicht stranguliert. Ich rufe Annemarie zu sie soll so schnell wie möglich ein Messer besorgen damit ich es losschneiden kann. Das ist dann auch schnell getan und das Kleine ist frei. Dolly sieht man die Freude an, denn sie hat begriffen, dass die Gefahr für ihr Junges nun vorbei ist.

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Das riecht aber nicht nach Mama

Annemarie legt es ihr gleich an die Zitzen und es säugt gierig. Da sage mir mal einer, Hunde oder Tiere seien nicht Intelligent. Sie hat uns regelrecht geholt, wohl wissend dass nur wir ihrem Jungen helfen können.

Am nächsten Tag morgens ist Dolly wieder pünktlich zur Stelle um sich ihre Ration für den Tag abzuholen. Wir gehen etwas mit ihr am Strand spazieren und sie ist aufgedreht wie ein junges Fohlen. Man sieht welche Freude sie hat.

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so ein Ausflug ist anstrengend

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 Mann, ich bin so was von fertig

Sie läuft wie wild den Strand entlang, dreht um springt mit allen Vieren gleichzeitig in die Höhe und läuft wieder weg. Ich glaube das ist ihre Art Danke zu sagen.

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Die stolze Mama

23.02.2010

19. Februar 2010

Gonzales hat, nach längerer Pause, mal wieder Zeit für uns bzw. unseren Motor. Erst musste er für die Fischer arbeiten, dann fuhr er nach Uruguay zu seiner Familie, seine Mutter hatte Geburtstag. Während dieser Zeit schöpfe ich das restliche Wasser aus dem Tank und Annemarie bepinselt den Motorraum mit frischer Farbe. Allerdings war die Schöpfarbeit umsonst, da es wieder mal regnet, der Tankdeckel und der Deckel des Motorraumes, sprich Boden des Cockpits, offen ist und der Regen den Tank wieder auffüllt. Da kommt so richtig Freude auf. Macht nichts, leeren wir den Tank dann eben nochmal. Man gönnt sich ja sonst nichts. Aber nun weiter mit dem Motor. Er ist so weit fertig zusammengebaut. Es sind nur noch Kleinigkeiten zu erledigen. Nachdem das alles geschehen ist, wird der Motor provisorisch zum Probelauf hergerichtet. Wir stellen ihn auf eine feste Unterlage und befestigen ihn, damit er nicht umfallen kann. Dann fülle ich Motoröl auf. Passen doch da tatsächlich 10 Liter rein. Da der Motor erst mal ohne Wasserkreislauf laufen soll bleibt der Auspuff weg, da diesem der Wärmetauscher vorgeschaltet ist und dessen Innenleben würde es ohne Kühlung nicht überleben. Wir merken beim Anbau der Dieselleitungen, dass zwei davon verstopft und auch mit Pressluft nicht frei zu bekommen sind. Ersatzleitungen haben wir im Moment nicht, also werden vorläufig die eines anderen Motortyps zurecht gebogen und angeschraubt. Die Autobatterie aus Gonzales` Auto wird ausgebaut und mit dem Anlasser verbunden. Dann werden Einspritzpumpe und Leitungen samt Filter entlüftet. Nun kommt die Stunde der Wahrheit. Das Pluskabel an die Batterie gehalten und nach einigen Umdrehungen ein fürchterlicher Krach und Funkenflug aus den Abgasaustrittslöchern am Zylinderkopf, an denen der Auspuff angeschlossen wird. Der Motor läuft gleichmäßig und ohne Vibrationen. Lastwechsel nimmt er schnell und gleichmäßig an. Als der Motor dann anfängt sich aufzuwärmen schalten wir ihn ab um ihn nicht zu Beschädigen. Bravo Gonzales, gut gemacht. Nachdem der Motor wieder abgekühlt ist, füllen wir Wasser in die Rohre ein aber ohne den Wassertank anzubauen. Dann starten wir den Motor nochmal und können ihn ca. 5 Minuten laufen lassen bevor das Wasser mehr als 40°C erreicht. Er läuft wirklich gleichmäßig rund. Wir schalten ihn wieder ab und lassen ihn auskühlen. Jetzt müssen wir nur noch zwei Dieselleitungen besorgen, den Motor mit einem Hochdruckreiniger von Öl und Fett befreien damit er neu lackiert werden kann. Dann warten wir einen ruhigen Tag ab, an dem es weder regnet noch Wind weht, um den Motor wieder an seinen angestammten Platz zu befördern.

23.02.2010

14. Februar 2010

Vor zwei Wochen wurde mal wieder eine Einladung ausgesprochen, der wir heute nachkommen wollen. Heute, Sonntag sind wir für 10:00 Uhr verabredet. Wir stehen etwas früher auf, wir sind beide Langschläfer, um rechtzeitig „Landfein“ zu sein, wenn wir abgeholt werden. Es wird Zehn, viertel nach Zehn, halb Elf, keiner kommt uns abholen. Na, was soll`s, die haben das sicher vergessen. Ist ja auch schon zwei Wochen her, dass wir uns verabredet haben.

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Gisela mit ihrem Sohn

Nächster Tag. Wir sind vor einer viertel Stunde aufgestanden, gerade beim Frühstück als jemand nach uns ruft. Annemarie schaut raus und es wartet jemand auf uns der uns zur ausgemachten Verabredung abholen will. Ach ja, denken wir uns, haben sich wohl um einen Tag vertan. Es war doch Sonntag und nicht Montag ausgemacht. Aber was soll`s. Schnell fertig gemacht und mitgefahren. Wie wir gerade so durch Rio Grande fahren sage ich noch zu Annemarie: „es ist aber sehr ruhig heute, wenig Verkehr“. Wir kommen an einem großen Supermarkt vorbei der geschlossen hat. Annemarie fragt unseren Fahrer ob der denn nicht auf hat. Nein, heute am Sonntag nicht, ist die Antwort. Ach du grüne Neune, das war ein Satz mit X, war wohl nix. Wir haben uns um einen ganzen Tag vertan, nicht unsere Gastgeber! Da waren wir wohl mal unserer Zeit wieder voraus. Das ist der ganz normale „Rentnerstreß“. Kann vorkommen. Bei unserer Gastgeberin vermeiden wir es peinlichst darüber auch nur ein Wort zu verlieren. Gisela, so der Name ist Brasilianerin, spricht aber deutsch. Ihre Eltern sind während des letzten Krieges von Pommern nach Brasilien geflohen.

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Giselas Sohn mit Frau

Ihr Sohn aber spricht leider nur portugiesisch. Sie aber erhält sich ihr deutsch durchs Fernsehen. Über Kabel sieht sie Deutsche Welle TV. Sie zeigt uns noch Bilder von ihren Eltern und sogar ein Bild von dem Schiff mit dem ihr Vater als Zwanzigjähriger hier ankam. Der Sohn interessiert sich sehr für unsere Fahrt von Lanzarote nach Brasilien und ich muss ihm alles genau erklären, was ich auch tue. So lange ich meine Hände dazu gebrauchen kann klappt die Verständigung auch ganz gut. Selbst seine Frau, was hier wirklich ungewöhnlich ist, zeigt sehr viel Interesse und hat auch viele Fragen über die Fahrt, über unser jetziges und früheres Leben, über Deutschland usw. Wir bleiben den ganzen Tag über da und erst am Abend, es ist schon dunkel, werden wir zurück zu unserem Boot gebracht. Es war ein schöner Tag

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Abends am Steg

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