3.03.2010

01. März 2010

Die ganze letzte Woche hatten wir „schlechtes“ Wetter. Der Wind ging so aber die Temperaturen, sie lagen so um die 18°C, was für diese Jahreszeit kalt ist. Klar, wir haben schon März, was im äquivalent nördlich des Äquators September entspricht. Also war das schon mal ein herbstlicher Vorbote. Für uns zwar schlecht, denn uns war schon zu kalt, für die Umwelt, respektive dem Fluss in dem wir liegen, war es eine kleine Erholungspause. Jetzt wo es wieder warm ist, ist diese Pause auch vorbei. Große Teppiche mit (toxischen) Grünalgen werden vom Fluss angeschwemmt und vernichten fast alles Leben im Wasser. Sie verbrauchen den ganzen Sauerstoff und die toten Fische werden zu Hunderten am Strand angespült, was den Badegästen anscheinend nicht viel ausmacht. Der Badebetrieb geht lustig weiter, dann macht man eben einen Bogen um die toten Fische. Stinken tun sie nicht, dafür sind sie noch zu frisch. Keine Zeitung, kein Fernsehen oder sonstige Medien berichten darüber. Das ist eben so, das kannten unsere Väter auch schon. Warum sollen wir uns darüber aufregen. Alle die ich bisher gefragt habe, wo die Algen denn her kommen, bekomme ich zur Antwort: vom Fluss. Ja, das schon aber was ist die Ursache? Dafür gibt es nur ein Schulterzucken. Die Frage ob es etwas mit Chemie bzw. der Chemieindustrie zu tun hat wird mit „nao Industria“ vehemenent abgestritten. Das kommt eben vom Fluss. Was meinen Wissensstand anbelangt, kommen Grünalgen von Überdüngung. Das ist auch hier die Ursache. Nicht hier an der Mündung liegt der Grund des Übels, sondern im Hinterland. Dort wird jede Menge gedüngt, der (viele) Regen schwemmt den Dünger aus und es wird von neuem gedüngt usw. Dass Tenside und Dünger das Wachstum der Grünalgen fördert ist eigentlich weithin bekannt. Aber nicht nur die Landwirtschaft hat daran Schuld, auch der „Hausgebrauch“ hat daran seinen Anteil. In Städten ist es etwas anderes aber auf den Dörfern wird das Ab und Waschwasser z.T. sogar von den Toiletten einfach ins freie gespült, das läuft dann als stinkende Brühe im Straßengraben bis es versickert oder in einen Bach läuft. Das allerdings kann man den Leuten nicht vorwerfen. Was sollen sie auch tun, wenn die Gemeinden kaum für die Entsorgung und Klärung der Abwässer sorgt? Sie könnten Sickergruben bauen, was hier allerdings unbekannt ist. Es ist nicht nur das Abwasserproblem, der Umweltgedanke scheint hier in den Urwald verbannt, was so auch nicht stimmen kann, denn der wird abgeholzt. In der Stadt, zumindest in Rio Grande gibt es sogar Abfalleimer zur Mülltrennung. Doch was nützt es, wenn trotzdem die Zeitung, die Cola Dose, der Plastikbeutel, da hingeworfen wird wo er gerade geleert wurde. Es würde hier niemand (vielleicht mit ganz wenigen Ausnahmen, siehe leere Abfalleimer) einfallen zwanzig Meter zum nächsten Mülleimer zu laufen und dann womöglich noch in die entgegengesetzte Richtung. Fallen lassen ist viel einfacher und haben wir immer schon so gemacht. Es wird schon etwas, meist von Schwarzen, davon eingesammelt und sortiert. Aber das geschieht aus Eigennutz. Denn der sortierte Müll, vor allem Dosen (Aluminium), wird bei einer Entsorgungsstelle verkauft.

Ich gehe bei uns im Dorf spazieren und denke mir, aha da kommt wohl in den nächsten Tagen der Sperrmüll. Überall liegen in Abständen von einigen hundert Metern alte Möbel, Bretter, kaputte Fernseher usw. Einige Tage später sehe ich die „Sperrmüllbeseitigung“. Wird der Haufen zu groß, dann zündet ihn irgend jemand an und räuchert damit ganze Teile des Dorfes ein. Interessiert niemanden, denn Tage später brennt dann einige hundert Meter weiter ein anderer Haufen. Sind nur noch Reste und Asche übrig, dann gibt es wieder neuen Platz für neuen Müll. Auch eine Art seinen Müll zu entsorgen. Zu Gute halten muss man der Gemeinde jedoch, dass sie zumindest eine Hausmüllentsorgung, also das was so alles in eine normale Plastik-Einkaufstüte passt, regelmäßig entsorgt wird. Dazu gibt es vor jedem Haus eine auf Stelzen stehende Kiste oder der Länge nach aufgeschnittene Öl oder Plastiktonne (auf Stelzen damit keine Hunde, Katzen oder andere Tiere dran kommen), auf der „LIXO“ (Müll) steht.

Umweltbewusstsein zu wecken muss eigentlich von „oben“ von der Politik kommen. Es reicht nicht, nur fünf oder sechs verschiedenfarbige Tonnen aufzustellen und zu sagen, na dann macht mal. Umweltbewusstsein zu wecken beginnt schon im Kindergarten, dann in der Grund und Hauptschule usw. Das Problem ist nur, das was nicht gelehrt wird, kann man auch nicht lernen. Es stimmt schon, die Politiker haben hier (vermeintlich) wichtigere Probleme zu lösen als die der Müllbeseitigung, doch wenn sie dann darin ersticken ist es zu spät.

Ich will aufhören zu meckern, trotzdem bin ich der Meinung man soll nicht alles durch die rosarote Brille sehen. Ich bin zwar Gast hier aber ein wenig kritisch sein darf man trotzdem. Oder?

Im Anschluss ein Link mit Bildern die ich nicht kommentiere, da sie, wie ich meine für sich selbst sprechen. Die Bilder wurden am Vormittag aufgenommen als nur wenige Badegäste anwesend waren. Nach 12:00 Uhr kommt der große Andrang, trotz Algen und toter Fische.

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The show must go on, Umweltprobleme interessieren nicht, es sei denn man kann sie vermarkten

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23.02.2010

20. Februar 2010

Es ist Samstag und Wochenende. Wir fahren mit dem Bus nach Rio Grande um unsere dortigen Freunde Angelica und Olek im Hotel Paris zu besuchen. Erst aber wollen wir einen Elektronik Shop aufsuchen der uns von der Besatzung des Bugsierschleppers empfohlen wurde. Ich habe die KW-Peitschenantenne am Schlepper gesehen und gleich gefragt wo es diese gibt. Meine ist ja abgebrochen und in den unergründlichen Tiefen des Atlantiks verschwunden. Freundlich, wie die Brasilianer nun mal sind, hat einer der Besatzung gleich bei dem Shop angerufen und gefragt ob so eine Antenne vorrätig sei. Das sei sein Freund gewesen und dort er hat die Antenne für den Schlepper besorgt. Es ist die Firma Electronic Professional in der Rua 24. Maio. Wir haben diese Firma nach kurzer Suche entdeckt und tragen unser Anliegen vor. Wir richten auch schöne Grüße von Francesco aus, der vor einigen Tagen mit ihnen telefoniert hat. Großes Erstaunen, denn Francesco kennen sie nicht und KW-Antenne hätten sie auch keine. Wir fragen nochmal ob dies die Firma Electronic Professional sei, was uns bestätigt wird. Ich zeige ihm die Telefonnummer und er bestätigt, dass es die der Firma sei. Nun verstehe ich gar nichts mehr. Die Adresse stimmt, die Firma stimmt, ebenso die Telefonnummer aber Francesco ist nicht bekannt und KW Antennen haben sie auch nicht. Entweder gibt es diese Firma nochmal in dieser Straße oder der Verkäufer ist völlig inkompetent. Ich frage ihn ob es denn diese Firma hier nochmal gäbe. Ja natürlich, weiter unten in der Straße der Elektronik Shop. Wir laufen die Straße bis zum Ende durch aber ohne diesen ominösen Shop zu finden. Irgend was ist hier wohl absolut schief gelaufen. Francesco hat mit dieser Firma telefoniert, ich war ja dabei. Also ist der Wurm wohl anderswo zu suchen. Na, egal wir besuchen jetzt unsere Freunde bevor sie in den nächsten Tagen weiter ziehen.

Am frühen Abend sind wir wieder zurück am Boot und unsere zwei Steghunde, der bzw. die dritte ist seit Wochen verschwunden, empfangen uns schwanzwedelnd am Steg. Annemarie gibt ihnen gleich das aus Reis und Hühnerknochen bereits gestern hergerichtete Futter, das sie gierig verputzen.

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Annemarie und „ihre“ Hunde

Er, wir haben ihn Casanova getauft legt sich auf den Steg und schläft. Sie, die wir Dolly nennen, läuft zurück zu ihren Jungen. Dolly ist seit ungefähr zwei bis drei Wochen Mama. Plötzlich hören wir Hundegeheul. Ich schenke dem nicht viel Aufmerksamkeit, da in der Nachbarschaft eine Hündin läufig und Casanova wohl etwas Liebeskrank ist. Aber das Geheule hört nicht auf. Es sind da die Frauen, die wohl mehr Gefühle entwickeln als die Männer. Jedenfalls meint Annemarie, dass dieses Geheule nicht normal sei und geht nachschauen. Kurz danach kommt sie zurück und erzählt mir, dass Dolly so jämmerlich jault und dauernd um sie rumschwänzelt. „Nimm doch eine Taschenlampe und leuchte unter das Haus unter dem sie ihre Jungen abgelegt hat“, meint Annemarie zu mir. Ich nehme die Taschenlampe und ziehe los. Ich leuchte unter das Haus, kann aber nichts sehen. Dolly kommt und schlüpft unter das Haus. Ich schaue wo sie hingeht und da sehe ich ihr Junges. Es liegt da, so halb auf einem alten Fischernetz. Dolly geht hin und stupst es an, doch das Kleine rührt sich nicht vom Fleck und Dolly fängt wieder an zu jaulen.. Annemarie meint ich soll das Junge doch mal rausnehmen, ich könne es doch mit der Hand leicht erreichen. Ich will es nehmen, doch es geht nicht, denn es hat sich total in dem alten Netz verfangen und kann sich nicht bewegen. Der Kopf und ein Fuß stecken in einer Masche des Netzes. Das Kleine wird sogar davon leicht stranguliert. Ich rufe Annemarie zu sie soll so schnell wie möglich ein Messer besorgen damit ich es losschneiden kann. Das ist dann auch schnell getan und das Kleine ist frei. Dolly sieht man die Freude an, denn sie hat begriffen, dass die Gefahr für ihr Junges nun vorbei ist.

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Das riecht aber nicht nach Mama

Annemarie legt es ihr gleich an die Zitzen und es säugt gierig. Da sage mir mal einer, Hunde oder Tiere seien nicht Intelligent. Sie hat uns regelrecht geholt, wohl wissend dass nur wir ihrem Jungen helfen können.

Am nächsten Tag morgens ist Dolly wieder pünktlich zur Stelle um sich ihre Ration für den Tag abzuholen. Wir gehen etwas mit ihr am Strand spazieren und sie ist aufgedreht wie ein junges Fohlen. Man sieht welche Freude sie hat.

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so ein Ausflug ist anstrengend

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 Mann, ich bin so was von fertig

Sie läuft wie wild den Strand entlang, dreht um springt mit allen Vieren gleichzeitig in die Höhe und läuft wieder weg. Ich glaube das ist ihre Art Danke zu sagen.

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Die stolze Mama

23.02.2010

19. Februar 2010

Gonzales hat, nach längerer Pause, mal wieder Zeit für uns bzw. unseren Motor. Erst musste er für die Fischer arbeiten, dann fuhr er nach Uruguay zu seiner Familie, seine Mutter hatte Geburtstag. Während dieser Zeit schöpfe ich das restliche Wasser aus dem Tank und Annemarie bepinselt den Motorraum mit frischer Farbe. Allerdings war die Schöpfarbeit umsonst, da es wieder mal regnet, der Tankdeckel und der Deckel des Motorraumes, sprich Boden des Cockpits, offen ist und der Regen den Tank wieder auffüllt. Da kommt so richtig Freude auf. Macht nichts, leeren wir den Tank dann eben nochmal. Man gönnt sich ja sonst nichts. Aber nun weiter mit dem Motor. Er ist so weit fertig zusammengebaut. Es sind nur noch Kleinigkeiten zu erledigen. Nachdem das alles geschehen ist, wird der Motor provisorisch zum Probelauf hergerichtet. Wir stellen ihn auf eine feste Unterlage und befestigen ihn, damit er nicht umfallen kann. Dann fülle ich Motoröl auf. Passen doch da tatsächlich 10 Liter rein. Da der Motor erst mal ohne Wasserkreislauf laufen soll bleibt der Auspuff weg, da diesem der Wärmetauscher vorgeschaltet ist und dessen Innenleben würde es ohne Kühlung nicht überleben. Wir merken beim Anbau der Dieselleitungen, dass zwei davon verstopft und auch mit Pressluft nicht frei zu bekommen sind. Ersatzleitungen haben wir im Moment nicht, also werden vorläufig die eines anderen Motortyps zurecht gebogen und angeschraubt. Die Autobatterie aus Gonzales` Auto wird ausgebaut und mit dem Anlasser verbunden. Dann werden Einspritzpumpe und Leitungen samt Filter entlüftet. Nun kommt die Stunde der Wahrheit. Das Pluskabel an die Batterie gehalten und nach einigen Umdrehungen ein fürchterlicher Krach und Funkenflug aus den Abgasaustrittslöchern am Zylinderkopf, an denen der Auspuff angeschlossen wird. Der Motor läuft gleichmäßig und ohne Vibrationen. Lastwechsel nimmt er schnell und gleichmäßig an. Als der Motor dann anfängt sich aufzuwärmen schalten wir ihn ab um ihn nicht zu Beschädigen. Bravo Gonzales, gut gemacht. Nachdem der Motor wieder abgekühlt ist, füllen wir Wasser in die Rohre ein aber ohne den Wassertank anzubauen. Dann starten wir den Motor nochmal und können ihn ca. 5 Minuten laufen lassen bevor das Wasser mehr als 40°C erreicht. Er läuft wirklich gleichmäßig rund. Wir schalten ihn wieder ab und lassen ihn auskühlen. Jetzt müssen wir nur noch zwei Dieselleitungen besorgen, den Motor mit einem Hochdruckreiniger von Öl und Fett befreien damit er neu lackiert werden kann. Dann warten wir einen ruhigen Tag ab, an dem es weder regnet noch Wind weht, um den Motor wieder an seinen angestammten Platz zu befördern.

23.02.2010

14. Februar 2010

Vor zwei Wochen wurde mal wieder eine Einladung ausgesprochen, der wir heute nachkommen wollen. Heute, Sonntag sind wir für 10:00 Uhr verabredet. Wir stehen etwas früher auf, wir sind beide Langschläfer, um rechtzeitig „Landfein“ zu sein, wenn wir abgeholt werden. Es wird Zehn, viertel nach Zehn, halb Elf, keiner kommt uns abholen. Na, was soll`s, die haben das sicher vergessen. Ist ja auch schon zwei Wochen her, dass wir uns verabredet haben.

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Gisela mit ihrem Sohn

Nächster Tag. Wir sind vor einer viertel Stunde aufgestanden, gerade beim Frühstück als jemand nach uns ruft. Annemarie schaut raus und es wartet jemand auf uns der uns zur ausgemachten Verabredung abholen will. Ach ja, denken wir uns, haben sich wohl um einen Tag vertan. Es war doch Sonntag und nicht Montag ausgemacht. Aber was soll`s. Schnell fertig gemacht und mitgefahren. Wie wir gerade so durch Rio Grande fahren sage ich noch zu Annemarie: „es ist aber sehr ruhig heute, wenig Verkehr“. Wir kommen an einem großen Supermarkt vorbei der geschlossen hat. Annemarie fragt unseren Fahrer ob der denn nicht auf hat. Nein, heute am Sonntag nicht, ist die Antwort. Ach du grüne Neune, das war ein Satz mit X, war wohl nix. Wir haben uns um einen ganzen Tag vertan, nicht unsere Gastgeber! Da waren wir wohl mal unserer Zeit wieder voraus. Das ist der ganz normale „Rentnerstreß“. Kann vorkommen. Bei unserer Gastgeberin vermeiden wir es peinlichst darüber auch nur ein Wort zu verlieren. Gisela, so der Name ist Brasilianerin, spricht aber deutsch. Ihre Eltern sind während des letzten Krieges von Pommern nach Brasilien geflohen.

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Giselas Sohn mit Frau

Ihr Sohn aber spricht leider nur portugiesisch. Sie aber erhält sich ihr deutsch durchs Fernsehen. Über Kabel sieht sie Deutsche Welle TV. Sie zeigt uns noch Bilder von ihren Eltern und sogar ein Bild von dem Schiff mit dem ihr Vater als Zwanzigjähriger hier ankam. Der Sohn interessiert sich sehr für unsere Fahrt von Lanzarote nach Brasilien und ich muss ihm alles genau erklären, was ich auch tue. So lange ich meine Hände dazu gebrauchen kann klappt die Verständigung auch ganz gut. Selbst seine Frau, was hier wirklich ungewöhnlich ist, zeigt sehr viel Interesse und hat auch viele Fragen über die Fahrt, über unser jetziges und früheres Leben, über Deutschland usw. Wir bleiben den ganzen Tag über da und erst am Abend, es ist schon dunkel, werden wir zurück zu unserem Boot gebracht. Es war ein schöner Tag

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Abends am Steg

23.02.2010

10. Februar 2010

Ob jetzt neuer bzw. reparierter Bugspriet oder nicht, jedenfalls ist er nach wie vor von hier anlegenden Fischkuttern ernsthaft gefährdet, gänzlich zerstört zu werden. Um Aufmerksamkeit für das gefährdete Teil zu erregen habe ich jetzt eine rote Warnflagge angebracht. So weit so gut aber des Nächtens sind die anlegenden Kutter schließlich nicht aus der Welt oder besser gesagt aus dem Wasser. Also brauche ich ein Warnlicht. Ich habe eine Pralinendose, bereits an der Batterie angeschlossene Kabel von den Positionsleuchten, einen Holzstab und zehn rote, stark leuchtende LED´s. Daraus habe ich dann eine brauchbare Warnleuchte gebaut. Ich komme mir vor wie Mc.Gyver, fehlt nur noch der Kaugummi. :-). Funktioniert bisher bestens. Man merkt schon beim Anlegemanöver dass die Fischer die Flagge bzw. das Licht sehen.

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Die „McGyver“ Warnlampe

Ein weiteres Problem das wir am Steg haben ist der Schwell bei Wind und wenn die dicken Containerschiffe vorbeifahren. Da springt unsere Lady wie ein Geißbock auf und ab. Das ist aber gleich wieder vorbei. Das größere Problem ist der Wind. Vor einigen Tagen hatten wir mal wieder 30kn. Da geht es ganz schön zur Sache. Die Windrichtung spielt dabei natürlich auch eine gewisse Rolle. Inzwischen ist die Lady auf der Steuerbordseite mit insgesamt 15 (!) Strängen Festmachern in der Stärke von 10-30mm „gefesselt“. Weitere drei 20 Meter lange und 12mm starke Festmacher sind auf der Backbordseite angebracht um bei Nordwind das Boot nicht dauernd an den Steg knallen zu lassen. So wie wir manchmal mit Wucht dagegen geschleudert werden hätte ein Kunststoffboot schon lange den Geist aufgegeben. Da lobe ich mir schon unsere „eiserne Lady“. Die am Steg angebrachten Autoreifen sind als Dämpfung weitaus effektiver als unsere Fender. Vor allem sind sie Widerstandsfähiger. Der große Nachteil, für uns jedenfalls, ist, dass der schwarze Abrieb des Gummis unsere ganze Farbe versaut. Was soll`s, in Uruguay oder in Argentinien muss das Boot eh an Land, denn es ist über und unter Wasser bereits wieder stark Überholungsbedürftig. Aber bis dahin ist noch Zeit, denn für den Aufenthalt in Uruguay und in Argentinien sind bis jetzt mindestens ein Jahr vorgesehen. Wir wollen dort endlich mal Landausflüge machen und nicht nur immer das ganze Geld ins Boot investieren.

23.02.2010

07. Februar 2010

Mein Bugspriet. Immer noch nicht gerichtet aber irgendwann muss ich die Sache mal angehen. Vom Verursacher des Schadens, bzw. dem Eigner des Fischerbootes, habe ich damals als ich versuchte mit ihm einig zu werden eine klare Abfuhr erhalten. Also ließ ich das ganze mal auf sich beruhen. Mit den Fischern hier am Steg bin ich schon lange gut Freund und wir tauschen so manche „wichtige“ Information miteinander aus. Dass immer wieder mein Bugspriet zur Rede kommt liegt eigentlich nicht an mir, sondern es wird immer wieder gefragt wann er gerichtet wird. Meine Antwort ist immer die gleiche: würde sich der Verursacher, wie beim ersten mal ausgemacht, an sein Versprechen halten, dann wäre alles schon repariert. Derjenige der damals am Steuer stand hat mir die Reparatur zugesagt, jedoch der Eigentümer, wie vorher schon erwähnt, hat es abgelehnt. Aber weiter im Text. Immer wieder raten mir die Fischer zur Capitania zu gehen und dort eine Anzeige zu machen. Ist ja alles schön und gut aber mit meinem „perfekten“ portugiesisch, das ich selbst kaum verstehe, kann ich keinen Staat machen, geschweige denn eine Anzeige formulieren. Aus dem Grund habe ich bis jetzt diesbezüglich nichts unternommen. Da kommt mir der Zufall zu Hilfe. Vor einigen Tagen spricht mich ein „farbiger“ Brasilianer an. Er gehe hier öfter zum Baden und hätte unser Boot gesehen und dass es eine deutsche Flagge habe. Sein Bruder sei in Deutschland in Stuttgart und würde dort arbeiten. Er verdiene gut und es gefällt ihm sehr, wenn es ginge würde er am liebsten immer dort bleiben usw. usw. Wir unterhalten uns bestimmt über eine Stunde lang. Er spricht recht gut englisch. Ich genieße es, mich mit einem Einheimischen zu unterhalten ohne dass ich Hände und Füße gebrauchen muss. Dabei erfahre ich, dass er bei der Marine ist, die z.B. auch die Guarda Costiera(Küstenwache) stellt. Da gehe ich direkt auf mein Ziel zu. Ich erzähle ihm vom Ärger mit dem Bugspriet, wie alles gekommen ist und wie mich der Eigner des Fischkutters sozusagen als blöden Ausländer abgekanzelt hat. Ich brauche gar nichts weiter zu sagen, denn der Vorschlag kam von Karlos (mit K nicht mit C), so heißt mein neuer Freund. Das ist kein Problem meint er, das könne er ganz schnell regeln. Sein Freund bei der Capitania in Rio Grande kann da helfen. Also fahren wir am nächsten Tag nach Rio Grande und werden bei der Capitania vorstellig. Wenn ich da an Deutschland denke wie bei so einer Sache der „Dienstweg“ aussieht so habe ich dafür nur ein müdes Lächeln übrig, denn jetzt käme da Schreibarbeit und Stempel und weiß Gott noch alles, nur damit dem „Herrn“ mitgeteilt werden kann, dass eine Anzeige gegen ihn vorliegt und er sich dazu äußern solle.

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Streitpunkt gebrochener Bugspriet

In meinem Fall (ob das sonst auch so üblich ist weiß ich nicht) meint der Angesprochene: „Eigner der Yasmim I, von dem haben wir die Telefonnummer, das werde ich gleich regeln“. Gesagt, getan, schon hat er ihn an der Strippe. Er erklärt ihm worum es geht und fragt ob er bezahlen will. Natürlich lehnt er ab. Er meint sogar, dass ich an diesem Platz nichts zu suchen hätte, da es der Steg für die Fischer sei. Nun reicht es „unserem“ Mann. Er gibt ihm unmissverständlich zu verstehen, dass diese Barca do Velo (Segelboot) dort mit Genehmigung der Capitania so lange liegen kann bis alle Reparaturen durchgeführt sind und wenn er nicht sofort eine Zusage gibt den Schaden zu begleichen würde er andere Maßnahmen ergreifen. Das sitzt! Die Zusage wird gegeben. Mit einem Lächeln und dem Zeichen Daumen nach oben unterbricht der Beamte die Verbindung. Zum Abschied gibt er mir noch zu verstehen,dass, falls es noch weitere Schwierigkeiten mit dem Eigner geben sollte, ich mich wieder melden solle. Das ist ein Erfolg auf der ganzen Linie und ich freue mich mindestens genau so, wie ich damals beim persönlichen Gespräch mit dem Eigner Wut empfand.

Ich persönlich glaube, dass der Beamte so schnell und unkonventionell gehandelt hat, lag bestimmt daran, dass einmal sozusagen von Amt zu Amt gesprochen wurde und zum anderen, meines Erachtens nach der größere Grund, dass es von „Farbig zu Farbig“ geschah. Ich glaube, wäre ich mit einem „Gringo“ (so nennen sie hier die Weißen) gekommen, hätte es nicht so gut geklappt. Aber ich betone nochmal: Ich glaube das, ob es dann auch wirklich so gewesen wäre kann ich nicht sagen.

7.02.2010

02. Februar 2010

Heute ist ein Feiertag, die Geschäfte sind geschlossen. Es ist der Tag der Schutzheiligen der Fischer. Genau wie in Lanzarote werden auch hier die Boote geschmückt und fahren in einer Prozession aufs Meer hinaus wo sie Blumen „opfern“. Dann werden Boote und Menschen gesegnet und kehren zurück in den Hafen. Das wollen wir uns ansehen, müssen aber so an die 3 km laufen um an den Ort des Geschehens zu kommen. Wir sind fast am Ortsrand als mir einfällt, dass ich die geliehene Kamera auf dem Boot vergessen habe. Ich will doch unbedingt Bilder machen. Ich sage zu Annemarie dass sie hier warten soll und ich schnell zurück laufe um den Foto zu holen. Gerade als ich den Steg zurück gehe kommen mir ein Mann und eine Frau entgegen und sie spricht mich auf deutsch an. Sie sagt mir, dass sie im Moment in Rio Grande in einem Hotel wohnen und dass sie dort von mir bzw. uns erfahren hat. Der Hotelbesitzer hätte ihr von dem TV-Bericht erzählt. Daraufhin beschlossen sie uns zu besuchen. Finde ich ja toll, obwohl Rio Grande eine Großstadt ist sprechen sich solche Dinge wohl doch schnell herum. Sie erzählte mir, dass wirklich fast jeder dort diese Story kennt. Dass wir sozusagen hier „gestrandet“ sind, die Reparaturen sehr teuer sind und wir doch kaum Geld hätten. Na, so habe ich es dem Fernsehen nicht erzählt, auch nicht der Zeitung aber das ist es was sie daraus gemacht haben. So dumm ist es am Ende allerdings dann auch nicht, denn wir bekommen jetzt noch mehr Fisch, Krebse und Meeresfrüchte geschenkt als vorher. Als ich gestern den Strand entlang lief, saß ein Mann vor seinem Haus und sprach mich an. Er hätte die Zeitung gelesen und er sei ja auch in Sichtweite meiner „Barca“ und kenne die ganze Geschichte. Er fragte wann denn alles repariert wäre, wann es weiter geht und wohin. So stand ich ihm dann eben Rede und Antwort. Plötzlich gibt er mir zu verstehen dass ich ihm ins Haus folgen solle, das er mir voll Stolz zeigt. Ebenso den Garten dahinter. Plötzlich fängt er an einige Stauden Salat abzuschneiden, dann einen ganzen Haufen mir unbekannter Blätter. Scheint so was zu sein wie Kohl aber eben nur einzelne Blätter mit Stiel. Hat Annemarie dann auch so zubereitet schmeckt herrlich. Sein besonderer Stolz sind seine Weintrauben von denen er mir eine ganze Plastiktüte voll schenkt. Mir scheint so langsam bekommen wir hier schon so was wie einen lokalen Bekanntheitsgrad. Man merkt es wirklich wenn wir auf der Straße gehen oder beim Einkaufen sind. Früher haben wir die Leute als erste gegrüßt heute geht das gar nicht mehr, denn die beeilen sich wirklich dass sie als erste grüßen und dann so als würden wir uns kennen.Gestern war ich zwei Stunden im Internet und brauchte nur eine zu bezahlen. Trotzdem glaube ich es wird langsam Zeit von hier weg zu kommen. Ich will dieses wirklich schöne und nette Verhältnis nicht zu sehr strapazieren. So wie ich es sehe wird es aber bestimmt Ende Februar werden.

Jetzt bin ich ganz davon abgekommen was ich eigentlich erzählen wollte. Also die beiden die mich angesprochen haben, Angelica und Olek, sie Malerin (macht ab und zu, wenn sie in Deutschland ist Ausstellungen ihrer Gemälde) und er Arzt, zwei sehr interessante Menschen.

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Alt aber Zuverlässig von Alaska bis zur Südspitze Südamerikas

Es sind wirklich reiselustige Abenteurer.  Er hat sein Haus verkauft und das Geld als Grundstock genommen, um sein Leben zu finanzieren. Die beiden bereisen die Welt, nicht wie wir mit dem Schiff, sondern mit dem Auto. Wenn es ihnen irgendwo gefällt mieten sie sich ein Haus oder eine Wohnung und bleiben dort so lange sie Lust haben bzw. es möglich ist, bevor sie ihre Reise fortsetzen. Sie haben sich vorgenommen von der nördlichsten Stadt Amerikas (irgendwo in Alaska) bis zur südlichsten Stadt Amerikas (Ushuhaia in Argentinien – fast am Kap Hoorn) zu fahren. Jetzt sind sie auf der Rückreise und haben in Rio Grande Station gemacht wo sie dann auf uns gestoßen sind.

Das Nötigste wird in ihrem Kombi mitgeführt und so fahren sie durch die Lande und erleben mindestens genau so viele Abenteuer wie wir. Ihr Auto, ein „Amerikaner“, nicht gerade das neueste Modell, dafür aber zuverlässig und geräumig, hat schon 500.000 km auf dem Buckel.Die Probleme die unterwegs zu überwinden sind (vor allem behördliche) sind zum Teil um einiges größer als die der Segler.     

Für Segler gibt es (meistens) klare Vorschriften über das Einklarieren wenn man in ein Land einreist. Das gibt es auf dem Landweg auch aber dort ist es nicht alltäglich dass jemand aus einem weit entfernten Land oder einem anderen Kontinent kommt und oft weiß der Beamte an der Grenze dann nicht wie er die Sache behandeln soll. Jedenfalls haben sie alle Probleme gemeistert.

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Alles dabei was man so braucht

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In USA zugelssenes Nummernschild

In einigen Tagen werden wir uns wieder treffen und Erfahrungen austauschen über Land, Leute und Abenteuer. Ich freue mich schon darauf.

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Olek und Angelica bei uns zu Besuch

Hier noch die Links zu den Zeitungen in denen ein Bericht über uns erschienen ist. Vielleicht kann jemand portugiesisch. Ich hab es bisher bis auf ein paar Brocken noch nicht geschafft:-)

http://zerohora.clicrbs.com.br/zerohora/jsp/default2.jsp?uf=1&local=1&source=a2791371.xml&template=3898.dwt&edition=13995&section=1003

http://wp.clicrbs.com.br/rumosdosul/2010/01/28/os-visitantes-acidentais/?topo=77,1,1

http://www.clicrbs.com.br/especial/rs/dsm/19,0,2791830,Dois-meses-depois-de-tempestade-estragar-veleiro-casal-alemao-se-prepara-para-retomar-jornada.html

http://www.kzuka.com.br/especial/rs/kzukars/19,0,2791830,Dois-meses-depois-de-tempestade-estragar-veleiro-casal-alemao-se-prepara-para-retomar-jornada.html

4.02.2010

01. Februar 2010

Ich gehe wie immer ins Internetcafe um meinen Bericht ins Net zu stellen. Da sagt mir der Besitzer „nao luiz“ (kein Licht, Strom). Ich frage noch ob er weiß wann alles wieder funktioniert, was er verneint. Da Gonzalo in der Nähe seine Werkstatt hat, denke ich mir, schaue ich bei ihm mal vorbei. Die Werkstatt ist geschlossen und ich finde ihn in der Wohnung. Ich frage ihn warum er nicht arbeitet. Die Antwort ist „nao luiz“. Ach, sage ich was ist passiert warum ist kein Strom da? Er sagt etwas von „ladrao, roubo“ (Räuber, Raub). Ich verstehe nicht ganz, meine ich. Was soll das heißen Räuber und Raub in Zusammenhang mit „nao luiz“? Dann versucht er mir es zu erklären. Raus kommt dabei folgendes: In der Nacht von Gestern auf Heute haben Diebe das 30.000 Volt Überlandkabel zwischen zwei Masten gekappt und das Kabel geklaut. Ich fange an zu lachen und kann mich nicht mehr einkriegen. Das gibt es nicht, so was ist doch nicht möglich. Ich frage noch mal nach ob ich ihn auch richtig verstanden habe. Er bestätigt es mir. Er meint noch, dass es zwar nicht Alltäglich sei, dass Stromleitungen geklaut werden aber es komme schon mal vor. Man stelle sich das mal vor, in Deutschland würde einer die Überlandleitung, sagen wir mal, die nach München klauen. Undenkbar. Na, denke ich mir, ob das nicht bloß so eine Story ist, die man halt mal so erzählt. Vielleicht irgendwo ein wahrer Kern aber gleich eine funktionierende und unter Strom stehende Leitung? Das kann ich nicht glauben. Als ich allerdings eine Stunde später von einem anderen Bekannten das Gleiche höre glaube ich es. Nach der Frage woher er die Information habe sagte er mir, dass es in den Nachrichten gekommen sei und er es im Autoradio gehört hat. Auch das ist Brasilien.

4.02.2010

31. Januar 2010

Seit in der Zeitung und im Fernsehen über uns berichtet wurde ist es noch interessanter das Verhalten der Leute zu studieren. Einige kommen so ganz „unabsichtlich“ den Steg entlang und tun so als wäre nichts, werfen aber immer wieder einen verstohlenen Blick auf unser Boot, andere sind nicht ganz so schüchtern und stellen sich ganz neugierig am Steg hin und warten dass jemand (in dem Fall wir) auftauchen und mit uns reden können. Ein Paar steht am Steg so an die zwanzig Meter entfernt und schaut zu uns rüber, ich sehe ihn durchs Bullauge. Ich gehe raus ins Cockpit, da stößt er seine Frau an die sich daraufhin neugierig umdreht, während er die Kamera zückt und eine Aufnahme macht. Ich winke ihm zu und verschwinde wieder im Boot. Kurze Zeit später kommt ein ca. 50 jähriger Mann mit einem kleinen Kind und einer älteren Frau, die scheinbar seine Mutter ist und spricht Annemarie an. Die hat eine ganz neue Masche, sagt immer „Momendito“ und ruft nach mir und ich kann mich dann mit Händen und Füßen mit den Leuten unterhalten und sie ist fein raus. Heute natürlich ebenso. Nur als ich erklären will, dass ich nur ein wenig spanisch spreche und portugiesisch nur ein paar Brocken, da spricht die Frau mich auf deutsch an. Wir unterhalten uns eine Zeit und erfahren dass vor mehr als 100 Jahren ihre Eltern aus Pommern nach Brasilien kamen und sie hier geboren wurde aber trotzdem immer noch deutsch spricht. Allerdings ein altes pommersches Deutsch, bei dem ich aufpassen muss dass ich alles verstehe. Ihr geht es mit mir genau so. Aber zu sagen, dass wir mit dem Verstehen Probleme hätten kann man nicht. Bevor sie gehen lädt sie uns für den Sonntag in zwei Wochen in ihr Haus ein. Sie lässt uns vormittags abholen und wir sollen zum Mittagessen bleiben.

Etliche der hier anlegenden Fischer haben die Sendung auch gesehen oder die Zeitung gelesen. Jetzt bekommen wir noch mehr Fisch geschenkt als vorher. Der Fischer am Nachbarsteg, bisher hatten wir mit dem noch keinen Kontakt, fragt uns ob wir Camarone möchten, das sind die ganz großen Gambas. Natürlich lehnen wir nicht ab. Diese Dinger sind auch hier nicht ganz billig. Ich gehe mit ihm mit zu seinem Boot und er füllt mir einen Plastikbeutel voll ab. Es sind acht Gambas und zehn Krebse, genauer gesagt es sind Bärlappkrebse. Sie sehen aus wie Langusten, sind nur etwas kleiner und haben dort wo die Langusten ihre Fühler haben zwei große halb-runde Lappen am Kopf. Schmecken tun sie wie Langusten nur das Fleisch ist nicht ganz so fest, eher so wie das von Gambas.

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Mit Genuss verspeisen wir die Bärlappkrebse

Diego und Henrique, die beiden die damals bei der Rettung ins Wasser sprangen, treffen wir am Steg und wir unterhalten uns. Sie sind seit gestern vom Fischfang zurück und haben ein paar Tage frei, bevor sie wieder für längere Zeit auf See sind.

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die „verstärkte“ Crew, gleich nach der Rettung. -ganz links Diego, ganz rechts Henrique

Apropos Einladung und Essen. Ich werde den Bericht jetzt beenden, da wir für heute bei Eugenio, dem Besitzer der Juliana 3, er hat uns damals an den Haken genommen und nach hier gebracht, zum Essen eingeladen sind. Er wird gleich kommen und uns abholen.

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Bei Freunden, während des Zyklons am 12.Dezember 2009

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zum Andenken an unsere Rettung ein Geschenk von Diego und Henrique

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Annemarie und ihre „Steghunde“ im Abendlicht

4.02.2010

29. Januar 2010

Also der ganze Schaden am Motor ist jetzt zu sehen und es ist nicht gerade ermutigend, denn es ist erheblich mehr als ich mir habe träumen lassen. Das Ergebnis: vier Kolben samt Ringe, so wie vier Einspritzdüsen müssen erneuert werden, dann noch eine ziemlich fertige, verdreckte und verschlammte und vom Salzwasser korrodierte Einspritzpumpe bei der fast das gesamte Innenleben ausgetauscht werden muss. Von den anderen noch anfallenden Arbeiten ganz zu schweigen. Als da wären z.B. die Kolben. Mein Motor ist zwar ein englischer Perkins aber im damaligen Jugoslawien in Lizenz gebaut, was weiter auch kein Problem wäre, wenn nicht die originalen Kolben, die wir uns hier besorgt haben, um 0,2 mm zu lang wären. Nichts wie ab in eine Dreherei und das überschüssige Aluminium abgedreht. Ist zwar kein Problem, verursacht aber alles Mehrkosten.

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Der zerlegte Motor

Während wir auf die Einspritzpumpe warten geht die Arbeit am Motor weiter. Die Zylinder werden mithilfe einer Bohrmaschine und einem Aufsatz aus feinstem Sandpapier poliert, die Ventile und die Ventilstößel neu eingeschliffen, der Zylinderkopf gereinigt, die Ventile wieder eingebaut und eingestellt. Die Tage vergehen wie im Fluge und die Arbeit scheint nicht weniger zu werden.

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Kolben eingebaut, der Motor ist fast fertig zum Einbau

Der Motor ist wieder zusammen gebaut und fast zum Einbau fertig, wäre da nicht noch eine winzige Kleinigkeit. Denn wenn der Motor schon mal komplett und gereinigt vor einem steht, dann bekommt er auch gleich einen neuen Farbanstrich. Er kommt nächste Woche dann sozusagen unter die „Farbdusche“ in Form einer mit roter Farbe gefüllten Spritzpistole.

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die Ventilstößel werden eingeschliffen

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die verschlammte Einspritzpumpe, im Inneren sieht es genau so aus

3.02.2010

27. Januar 2010

Wir gehen gerade am Strand spazieren, es ist ein schöner warmer und sonniger Sommertag als zwei Personen zielgerichtet auf uns zusteuern. Ich denke mir noch was die wohl von uns wollen, als sie sich auch schon als Reporter der im Raum Rio Grandes größten Tageszeitung „Zero Hora“ zu erkennen geben. Sie fragen uns ob wir ihnen ein Interview geben würden. Natürlich sagen wir ihnen zu. Einer macht das Interview, der andere ist der Fotograf und schießt jede Menge Bilder. Einen Tag später erscheint alles in der Zeitung auf fast zwei Seiten. Nur schade, dass wir es nicht verstehen können. Wir werden aber versuchen eine Übersetzung zu bekommen und den Wortlaut auf dieser Seite veröffentlichen. Die Reporter sind gerade weg, als unsere „Nachbarn“ kommen und uns mitteilen dass der Beitrag des TV- Teams um 12:00 Uhr im heutigen Mittagsjournal gesendet wird. Wir sehen ihn uns an und finden ihn gut, obwohl wir kein Wort davon verstehen. Schlecht muss er jedoch nicht sein, denn etliche Leute sprechen uns danach auf diese Sendung an.

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Bild und Textbeitrag in der Tageszeitung Zero Hora

Das ist allerdings nicht das Einzige in der gedruckten Presse. Ein Beitrag, den ich geschrieben habe, wird im „Lass fallen Anker“, einem Journal der deutschen Seemannsmission, erscheinen. Leider werde ich zum Erscheinungsdatum nicht mehr in Brasilien sein um ein Exemplar zu bekommen.

Hier der Wortlaut:

Freundliches Brasilien

Wir, Werner (66) und Annemarie (62), am Ende unseres Arbeitslebens haben uns unseren Wunsch erfüllt, mit dem Segelboot fremde Länder zu bereisen. Wir kauften uns vor vier Jahren in Kroatien eine gebrauchte Stahlsegelyacht und sind nach Überholungs- und Umbauarbeiten seit zwei Jahren unterwegs. Unser Ausgangshafen war Arrecife in Lanzarote. Dort wohnten und arbeiteten wir die letzten 12 Jahre. Da wir unserem ehemaligen Wohnort in Deutschland (Rosenheim in Bayern) doch noch verbunden sind haben wir ihn bei der Namensgebung unseres Bootes verewigt. Mit der „Out of Rosenheim“, so der Name unseres Bootes, wollen wir die Welt erkunden. Dabei liegt uns daran etwas abseits der üblichen „Touristenwege“ zu segeln. Land und Leute näher kennen lernen kann man kaum in den ausgetretenen Touristenpfaden. Dort sind die meisten von nicht landesüblichen Einflüssen bereits verdorben. So war es für uns klar, dass wir als erstes nicht in die Karibik segeln, sondern über die Kap Verden nach Brasilien.Das sind von unserem Ausgangshafen Arrecife knapp 3000 Meilen, welche wir mit 40 Seetagen, davon 10 auf der ersten Etappe bis Mindelo, dort machten wir eine Woche Pause und weiteren 30 Seetagen bis Salvador de Bahia, hinter uns brachten.

Unsere erste Station in Salvador war der Nautic Club. Wir wurden herzlich empfangen und wir kamen uns vor als wären wir alte Bekannte. Ein kleines Problem gibt es mit der Sprache. Ich spreche kein portugiesisch und die wenigsten sind des englischen mächtig. Trotzdem kann man sich unterhalten. Wofür hat man denn Hände und Füße? Wir fanden doch noch jemandem im Nautic Club der englisch sprach und er erklärte uns die Vorgehensweise bei der Einklarierung. Bei den Behörden lief alles korrekt und ohne Komplikationen ab. Allerdings sollte man einige Dinge beachten. Die Beamten sind Respektspersonen und Respekt sollte man ihnen auch entgegenbringen. Da haben, speziell wir Deutschen, öfters unsere Probleme. Ich kann nicht zu einer Behörde gehen so wie ich auf dem Boot rumlaufe. Lange Hose, geschlossene Schuhe und ein Hemd sind die Utensilien die ich mir bei einem Amtsgang leisten sollte, dann habe ich schon halb gewonnen. Etliche Segler, vor allem jüngere, mit denen ich gesprochen habe hatten Probleme. Bei näherem Hinterfragen stellte sich meistens die ( typisch deutsche)Abneigung gegen Amtspersonen heraus. Alle diese Probleme sind uns bisher unbekannt.

Wir besichtigten die Stadt, machten uns schlau über deren Geschichte von der Gründung über den Sklavenhandel bis zur heutigen Zeit. Wir sprachen mit Einheimischen, die uns gerne, so weit wir uns verständigen konnten, unsere Fragen beantworteten. Wir kauften uns hier ein neues Navigationsprogramm für unseren Laptop. Der Ladenbesitzer ließ es sich nicht nehmen persönlich auf unser Boot zu kommen und die Installation des Programms nebst der Installation des GPS selbst vorzunehmen, alles als kostenlose Serviceleistung. Kann ich auch in Deutschland haben, mit dem Unterschied dass dabei etliche klingende Münzen bzw. Scheine den Besitzer wechseln.

Wir segelten weiter nach Aratu und legten uns vor dem Yachtclub vor Anker. Wie selbstverständlich durften wir den Steg zum Anlegen mit unserem Dinghy kostenlos nutzen. Wir bekamen auch jederzeit Wasser, das man uns ebenfalls kostenlos anbot. Wir konnten im Yachtclub ein und ausgehen als wären wir Mitglieder. Bar und Restaurant stand uns jederzeit zur Verfügung.

Falls wir einkaufen gehen, kaufen wir so weit wie möglich immer im Ort in den kleinen Läden. Man wird freundlich und entgegenkommend bedient und bekommt dort, wie früher in den Tante Emma- Läden, schnell Kontakt. Außerdem sind sie meist nicht teurer als die großen unpersönlichen Supermärkte, die überall auf der Welt gleich sind. Bei der ersten Begegnung mit „unserer“ Gemüsefrau spielte sich folgendes ab. Annemarie kaufte Gemüse und mehrere Früchte. Vor dem Einpacken in eine Tüte begutachtete die Gemüsefrau den Einkauf. Nahm etliches Obst wieder weg und tauschte es gegen anderes mit besserer Qualität aus. Ein anderes mal als sie Äpfel kaufte, nahm sie ihr diese ab, hob die obere Kiste hoch und meinte die besseren sind in der unteren Kiste. Wir haben bei ihr auch dann den gesamten Einkauf an Frischproviant für unserer Reise nach Uruguay gekauft, den sie uns kostenlos direkt bis ans Boot lieferte

Wir hatten mehr als 2000 Meilen seit Salvador bereits hinter uns und waren nur noch zwei Tage von unserem Ziel Punta del Este entfernt als uns ein Südsturm erwischte. Dabei zerrissen die Segel und der Motor fiel aus, so dass wir fast Manövrierunfähig waren. Wir trieben immer mehr in Richtung Land und waren bereits 5 Meilen vor der Küste und nahe daran zu stranden als uns Fischer zu Hilfe kamen. Als erstes brachten sie uns Lebensmittel an Bord, die für uns einen ganzen Monat gereicht hätten, dann nahmen sie uns auf den Haken und schleppten uns 16std. lang die 80 Meilen nach Rio Grande do Sul in ihren Heimathafen. Bereits unterwegs stellten wir uns die bange Frage, was tun, wenn der Fischer auf das internationale Seerecht pocht und die ihm zustehende Gebühr (bis zu 20% des Schiffswertes) verlangt? Das hätte das Ende unserer Reise bedeutet. Weit gefehlt und umsonst Sorgen gemacht. Er wollte nicht einen einzigen Centavo. Ich wollte mich natürlich revanchieren und ihn samt Besatzung in ein Restaurant zum Essen einladen, was er strikt ablehnte. Im Gegenzug dazu bekam ich von ihm für Weihnachten eine Einladung in sein Haus um mit seiner 35 köpfigen Familie zu feiern.

Bei der Ankunft lernte ich ebenfalls Gonzalo kennen. Dieser fragte mich als erstes ob ich genügend Lebensmittel an Bord hätte. Ich sagte ja aber trotzdem kam er nach einer halben Stunde wieder mit einem Plastikbeutel voller Lebensmittel die er mir schenkte. Alle Leute mit denen wir bisher Kontakt hatten sind ausnahmslos entgegenkommend und freundlich. Diese Herzlichkeit sind wir von Europa nicht gewöhnt. Ich versuche mich immer nach Möglichkeit mit einigen Kleinigkeiten zu revanchieren damit bloß nicht der Verdacht aufkommt ich würde die Situation ausnützen. Manchmal ist es mir schon fast peinlich wie sehr die Leute um uns besorgt sind. Wir wurden vom ersten Tag an in ihre Gemeinschaft aufgenommen und so behandelt als gehörten wir schon immer zu ihnen. Gonzalo opferte viel Zeit für uns, denn er begleitete uns zu sämtlichen Behörden zu denen wir mussten. Alleine hätten wir das nie geschafft, da wir ja des portugiesischen nicht mächtig sind. Die Aufenthaltsgenehmigung für Brasilien ist bereits abgelaufen und dadurch gibt es jetzt natürlich einige Probleme. Ich muss hier als Notfall anerkannt werden um bleiben zu können und um die Reparaturen ausführen zu lassen. Daher verlangen die Behörden auch einen genauen Bericht über den Hergang des Notfalls und wie es dazu kam, sowie eine genaue Schadensaufstellung. Das konnte ich nur in deutsch schreiben was dann übersetzt werden musste. Eine große Hilfe erfuhr ich durch den evangelischen Pastor der Seemannsmission in Rio Grande, Ruben Adelar Bonato, der die Übersetzung bewerkstelligte und uns auch so gut betreute. Es ist schön mit jemand zu sprechen der unsere Sprache versteht.

Gonzalo, so stellte sich später heraus , ist auch Mechaniker und so bekommt er ohne Umschweife auch gleich den Auftrag für die Motorreparatur.

Weihnachten kam schließlich und ich bekam noch weitere Einladungen aber leider können wir uns nicht zerteilen und so mussten wir Absagen erteilen. Zum Jahreswechsel war es genau so. Jedenfalls waren die Feiern ob zu Weihnachten oder zum Jahreswechsel sehr schön. Trotz der paar Brocken die wir portugiesisch können waren es herrliche Abende.

Wir liegen hier am Steg an dem die Fischer ankommen um Diesel und Wasser zu tanken. Man hilft beim Anlegen in dem man die Festmacher über die Poller wirft. Sofort kommt man dann mit ihnen ins Gespräch. Fragen nach dem woher, wohin, was ist passiert müssen beantwortet werden. Immer wieder wundern sie sich wenn sie unser kleines 12m Schiffchen sehen und können es gar nicht glauben dass wir damit in den letzten 4 Jahren über 8000 Meilen gesegelt sind. Vor allem die Fischer, die ja andere Größenordnungen gewöhnt sind, meinen immer wieder, wenn sie erfahren dass wir nur zu zweit sind „mucho Courage“, was mir persönlich eigentlich nicht so vorkommt. Sicher es ist abenteuerlich und dass es kein Sonntagsspaziergang wird war uns ebenfalls von Anfang an klar.

Wenn wir hier die Reparaturen beendet haben werden wir weiter segeln nach Uruguay und nach Argentinien. Wir sind neugierig was uns dort erwartet, sind aber auch davon überzeugt, dass die Menschen bestimmt genau so freundlich sind wie hier.

Ende des Berichts

 

Etwas Ärger gibt es doch noch zum Schluss, was das Gesamtbild das ich von den Menschen hier gewonnen habe in keiner Weise negativ beeinflusst. Wie heißt das Sprichwort? Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Und Idioten gibt es schließlich auf der ganzen Welt.

Es wurde mir damals zwar versprochen, dass der verbogene Bugspriet vom Verursacher des Schadens repariert wird aber es ist nichts geschehen. Man erklärt mir, ich solle mich, nicht wie ich es getan habe, an den Bootsführer wenden, sondern an den Eigner. Werde aber gleichzeitig vor seiner Sturheit und Unverträglichkeit und den Unvermögen mit anderen Leuten vernünftig zu kommunizieren, gewarnt. Er hat einen sehr schlechten Ruf unter den Fischern, keiner mag ihn und jeder meidet ihn. Trotzdem habe ich ihn auf den Schaden angesprochen. Das hätte ich auch gleich sein lassen können. Er meint es wäre mein Problem und ich solle verschwinden. Ich sage zu ihm, dass das doch ein Versicherungsfall sei und diese es bezahlen würde. Er ließ mich einfach stehen, gab Gas und fuhr mit dem Auto weg. Den Rechtsweg einzuschlagen finde ich Sinnlos. Ich wünsche ihm noch einiges, welches ich hier nicht wiedergeben möchte und trottete, bildlich gesprochen, mit hängenden Ohren und jede Menge Wut im Bauch zurück zum Boot

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Der „Bugsprietmörder“

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der lädierte Bugspriet

3.02.2010

25. Januar 2010

Vor einigen Tagen sagte Annemarie zu mir: „Also in Lanzarote oder in Deutschland wäre doch bei so etwas wie in unserem Fall zumindest die Lokalpresse schon lange auf der Matte gestanden“. „Du weißt ja noch,damals wurden wir vom Rosenheimer Lokalsender interviewt, obwohl wir `nur` nach Lanzarote gingen unter dem Motto `Rosenheimer wandern aus`, aber hier scheinen sie zu schlafen“. Das muss sie wohl ziemlich laut gesagt haben, denn einige Tage später hat sich das Regionalfernsehen angesagt und um ein Interview gebeten.

Wir kommen gerade von der Nachbarstadt Pelotas zurück, wo wir Ersatzteile für die Reparatur des Motors gekauft haben, da kommt der Besitzer der Ferreteria an unserem Steg zu uns und teilt uns mit, dass das Fernsehteam in zwei Stunden kommen werde um Aufnahmen zu machen. Sie sind ziemlich pünktlich und rollen auch schon mit ihrem „Dienstwagen“ an, was natürlich gleich Aufsehen erregt. Wir empfangen sie am Boot und bitten sie an Bord zu kommen. Es ist nur ein kleiner Schritt vom Steg aufs Boot aber zu groß für die Reporterin, sie traut sich nicht und bittet ob wir auf den Steg kommen könnten. Gleich ist auch eine Schar von Schaulustigen da und beobachtet uns. Vom Gespräch allerdings bekommen sie nichts oder nicht viel mit, da wir es in englisch, deutsch spricht sie leider nicht, führen.

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TV Reporterin und die Crew der Out of Rosenheim

Einzig der Kameramann kommt zu uns aufs Boot und macht Aufnahmen, die Reporterin weigert sich nach wie vor den Schritt über den Steg aufs Schiff zu machen. Sie meint auch es wird ihr sehr schnell übel, da das Boot auf den Wellen schaukelt. Nach etwa zwei Stunden ziehen Kameramann und Reporterin wieder ab. Sie versprechen uns Nachricht zu geben wenn das Interview gesendet wird. Es wird ein etwa zehn Minuten dauernder Beitrag im Mittagsjournal werden, verrät sie uns.

Der Motor wird weiter zerlegt. Wir haben soeben das Getriebe abgebaut und nun ist die Ölwanne dran. Schnell ist sie entfernt und die Kurbelwelle liegt frei. Wir schrauben die Pleuellager ab, die nach 1200std aussehen als wären sie neu. Die Kolben 2-4 können wir ohne Probleme aus den Zylindern ziehen.Sie sehen ebenfalls sehr gut aus, wie der ganze Motor überhaupt. Jetzt kommt das „Problemkind“, der erste Zylinder bzw. Kolben. Keine Chance ihn auch nur einen Millimeter zu bewegen. Es muss Gewalt angewendet werden. Mit einem Holzpflock und einen schweren Fäustling versuchen wir den Kolben nach unten zu bewegen. Er rührt sich nicht die Bohne. Verdammt, der sitzt wirklich fest. Ich ahne schon Schlimmes. Mehrere Versuche den Kolben von der Unterseite her nach oben zu schlagen bringen nur als Ergebnis ein abgebrochenes Teil des Pleuelauges. Klasse, der Kolben ist hin. Das wird jetzt richtig teuer. Einen Kolben erneuern ist nicht gerade das gelbe vom Ei. Wenn schon neu, dann sollten es aus Sicherheitsgründen schon alle vier sein, natürlich einschließlich der kompletten Kolbenringe. Andererseits habe ich dann praktisch einen neuen Motor. Schließlich bringen wir den Kolben doch noch aus dem Zylinder. Die harte Lauffläche des Zylinders ist Gott sei Dank nicht beschädigt. Der Kolben allerdings ist ganz schön rau von der Korrosion. Die Fläche macht ca. ¼ der Gesamtfläche des Kolbens aus. Also kein Wunder, dass dieser sich nicht bewegen ließ. Gonzalo meint nochmal, dass der Kolben geschweißt und die rauhen Flächen geschliffen werden könnten und alles wieder wie neu wäre. Keine Diskussion! Kolben reparieren kommt gar nicht in Frage. Ist ja schön, dass er mir sparen helfen will. Sollte aber aus dem Grund irgendwas nicht funktionieren oder der Motor deshalb wieder kaputt gehen, es würde mich zerreissen vor Wut und Dummheit, bloß weil ich sparen wollte. Und Gonzalo mitnehmen, damit er eventuelle Schäden beseitigen kann, geht wohl auch nicht. Ebenso als Vorsichtsmaßnahme bauen wir die Einspritzpumpe aus. Sie wird zur Überprüfung in eine Spezialwerkstatt gegeben. Wäre fatal wenn die Pumpe durch Wasser oder Schmutz außer Gefecht gesetzt würde. Dann wären viele Arbeitsstunden umsonst gewesen.

Für heute, Freitag, ist die Arbeit beendet. Die Firma bei der wir die Ersatzteile bekommen hat erst am Montag wieder geöffnet und ist ca. 70km von hier entfernt, was so viel heißt, dass bestimmt der Montag dabei drauf geht, die Teile zu besorgen.

Ich will den Bericht des heutigen Tages nicht abschließen ohne eine (wahre) Begebenheit zum Besten zu geben. Als wir, Gonzalo und ich so dabei sind den Motor zu zerlegen, ertönt nebenan aus der Küche ein Schrei. Wir gehen nachsehen was wohl die Ursache ist Da sehen wir eine Vogelspinne, mit einem Körper so groß wie ein Ein Euro-Stück in aller Ruhe durch die Küche in Richtung Tür marschieren inklusive mehrere Hundert kleine oder besser gesagt kleinste junge Vogelspinnen, die der Mama hinterher rennen. Mama und Kinder verschwinden nach einigen Metern unter einem parkendem Auto. War wirklich süß das Spinnchen. Warum sich Frauen immer so anstellen müssen. Klar das Tierchen war in ihrer Küche, aber doch nur auf der Durchreise.

12.01.2010

06. Januar 2010

Pünktlich um 09:00 Uhr war Gonzalo zur Stelle und wir können mit unserer Arbeit fortfahren. Was wir brauchen ist eine Aufhängung an der wir den Flaschenzug befestigen um dann dann den Motor auf den Steg zu befördern. Wir besorgen uns drei große dicke Pfosten, die wir zu einem Dreibein zusammenbinden. Über den Großbaum, der mit einem Balken abgestützt ist, legen wir im rechten Winkel einen langen Holzriegel und befestigen diesen am Dreibein. Das wäre schon mal der Galgen an dem wir unseren Motor aufhängen können. Es ist eine wahrlich abenteuerliche Konstruktion aber an solche Dinge habe ich mich zwischenzeitlich schon gewöhnt. Alle Befestigungen des Motors und des Getriebes sind gelöst und der Motor kann die Fahrt nach oben beginnen. Es ist wirklich eine Millimeterarbeit um den Motor aus der Öffnung zu bugsieren. Zwei Halterungen müssen dazu noch zusätzlich abgeschraubt werden aber dann ist der Motor draußen. Nun heißt es aber das fast 500kg schwere Monster drei Meter über die Reling nach links auf den Steg zu schaffen. Das wird noch abenteuerlicher als alles bisher gesehene. Links vom ersten Flaschenzug, an dem der Motor hängt (siehe Bild), wird abermals ein Flaschenzug angebracht. Dieser wird jetzt auf Spannung gesetzt, so dass er nach links zieht. Die ganze Konstruktion sieht gefährlich schräg aus. Annemarie hält sich die Augen zu, sie kann gar nicht mehr hinsehen. Ich selber warte auf den großen Knall mit dem das ganze Gestänge samt Motor zu Bruch geht. Jetzt wo der zweite Flaschenzug nach links zieht, wird der erste Flaschenzug entspannt. Der Motor hängt jetzt an dem zweiten und ist etwa einen halben Meter weiter links. Jetzt aber ist die Reling im Weg. Der Motor kann nicht so weit hochgezogen werden, dass er über die Reling passt. Vier kräftige Fischerhände heben den Motor über die Reling. Dann wiederholt sich das Spiel mit den Flaschenzügen bis der Motor auf dem Steg liegt. Nun muss aber auf einen Transportwagen in Form eines Handwagens mit einer Deichsel, Platte und vier Gummirädern. Mit dem Flaschenzug raufheben geht nicht, da ist kein Platz da. Also Motor aufladen von Hand. Schnell sind von den hier liegenden Fischerbooten zehn Leute organisiert. Zwei große Holzprügel unter die Halteseile geschoben und dann auf Kommando den Motor angehoben, den Wagen drunter und Motor ablassen. Das wars. Der Motor wird jetzt zur Werkstatt bzw. Garage von Gonzalo gebracht. Morgen werden wir daran weiterarbeiten.ftftftf-003.jpg

Der Motor ist raus

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Auf dem Weg zum Steg

12.01.2010

05. Januar 2010

Gonzalo, der Mechaniker, hat nun seine Arbeit bei den Fischern abgeschlossen und er kann sich jetzt mir, bzw. meinem Motor widmen. Das Ergebnis ist nicht sehr ermutigend. Überall immer nur die Maxime, leider im negativen Sinn. Der Motor muss raus. Das hat mir gerade noch gefehlt. Das Problem ist in diesem Fall nicht der Motor, sondern die ganzen Zuarbeiten um den Motor rausheben zu können. Es muss die komplette Steuersäule abgebaut werden, was an sich sich nicht so schlimm wäre aber leider laufen dort Kabel und Bowdenzüge für Getriebe,Gas und Motordrossel durch. Ein weiteres Problem stellt natürlich die Verbindung vom Bediengerät des Autopiloten zu dessen Antriebsmotor und den dazugehörigen Fluxgatekompass dar. Die Kabel kann man nicht einfach abzwicken und dann mit einer Quetschverbindung wieder zusammenfügen wie ein normales Elektrokabel. Ich habe dann den Boden des Cockpits, der zugleich der Deckel des Moorraums ist aufgeschraubt und alle elektrischen Leitungen, die in einem Kabelbaum zusammengefasst sind, ebenso wie das Steuerrad, abgebaut und die Steuerseile gelöst. Es sah im Motorraum aus als hätte eine Bombe eingeschlagen. Die gelösten Leitungen, ob elektrisch, für Diesel oder Steuerleitungen für Instrumente, hingen wirr in der Gegend rum. Der Deckel bzw. der Boden (je nach Betrachtungsart) kann jetzt abgehoben werden. Das wird dann morgen geschehen.

03.01.2010

Das Jahr 2010 hat begonnen und ich wünsche allen nochmal nachträglich alles Gute und bedanke mich bei meinen treuen Lesern, die, wie ich an der Statistik sehen kann, inzwischen doch sehr zahlreich geworden sind.

Wir sind heute bereits 23 Tage hier in Barra in der Nähe von Rio Grande do Sul und es ist trotz der drei Wochen am Schiff noch nicht viel passiert. Aber der Reihe nach, beginnend mit Heilig Abend.

31.12.2009

Vor acht Uhr morgens stehen wir bereits am Steg der Jasmim I und warten. Erstaunt werden wir angeschaut. Mit dieser Hartnäckigkeit haben sie wohl nicht gerechnet. Vor allem nicht, dass wir schon so früh hier auftauchen. Einer auf dem Boot, der uns sieht haut gleich ab um die Kurve und verschwindet hinter dem Brückenhaus. Wir bleiben unbeirrt stehen. Nach kurzer Zeit kommt ein junger Mann und fragt wie er uns helfen kann. Zumindest verstehe ich es so. Ich frage ihn ob er der Schiffsführer sei. Nein, er ist der „Motorista“, der Schiffsführer kommt später, wann genau weiß er nicht. Ich sage ihm, dass wir die von dem Boot sind, das gestern gerammt wurde. Der weiß natürlich Bescheid. Dann sage ich zu ihm, dass ich keinen Ärger will. Ich will auch kein Geld, sondern nur, dass mein Bugspriet und alle anderen verbogenen Teile wieder hergestellt, sprich, repariert werden. Ich gehe jetzt wieder zurück zum Boot und warte dass der Schiffsführer kommt und wir alles besprechen können. Sollte er nicht kommen, dann gehe ich am Montag zur Capetania und mache eine Anzeige. Das gäbe natürlich für ihn einen riesigen Ärger. Es ist so was wie „Bootsführerflucht“. Um elf Uhr, siehe da, kommt die Jasmim I und legt am Steg an. Der Bootsführer, ein wahrer Gorilla, von der Figur wie von der Behaarung, steigt aus und reicht mir die Hand. Ich wiederhole was ich dem Maschinisten schon gesagt habe und wir werden uns schnell einig. Hätte ich Geld gefordert, hätte es erheblich mehr Ärger gegeben und wie viel Geld sollte ich fordern? Das kam für mich gar nicht in Frage. So sind wir eben verblieben dass er nächste Woche am Montag kommt und den Schaden reparieren lässt. Dem Mechaniker, den er mitgebracht hat, habe ich gleich gesagt, dass er es richtig machen solle und nicht nur versuchen alles mit dem Hammer gerade zu klopfen, sondern mit dem Schweißbrenner erhitzen, gerade biegen und falls notwendig schweißen. Was er sowieso tun muss, da er die Reling absägen muss die am Bugspriet angeschweißt ist. Dass ich kein Geld verlangt habe hat sich verbreitet wie ein Lauffeuer und ich habe dafür auch die Achtung der Leute bekommen. Fast alle am Steg, Bekannte wie Unbekannte geben mir durch Zeichen (Daumen nach oben) zu verstehen, dass sie meine Handlungsweise richtig finden. Das freut mich natürlich, dass dieser Vorfall so gut abgelaufen ist und ich dadurch auch die Sympathien der Einheimischen gewinnen konnte.

Für diesen Abend haben wir natürlich wieder das gleiche Problem wie an Weihnachten. Zu viele Einladungen. Diesmal von unserem Freund Gonzalo, dem ich vor einigen Tagen schon zugesagt habe und dann noch von Eugenio, der mich erst heute eingeladen hat. Verdammt, dem kann ich nicht schon wieder einen Korb geben. Er bewerkstelligte schließlich den Löwenanteil an meiner Rettung und noch dazu ohne einen Penny zu fordern. Im Gegenteil er hat mich nun schon das zweite mal eingeladen. So sage ich ihm zu. Aber nun kommt der Gang nach Canossa. Ich muss Gonzalo erklären warum ich, trotz meiner Zusage, nicht kommen kann. Würde das ganze mit Deutschen passieren, hätte ich keine Probleme. Ich kann mich genügend artikulieren. Aber in portugiesisch? Das wird schwer. Ich kann nicht einfach sagen „Nao possibile“. Ich muss ihm schon verständlich erklären wieso und warum ich absagen muss und mich natürlich dafür auch entsprechend entschuldigen. Ich habe es dann doch geschafft und auch dafür Verständnis bekommen und das war ehrlich gemeint. Annemarie und ich haben für solche Situationen ein feines Gefühl und merken meistens schnell ob es gespielt oder ehrlich gemeint ist. Dafür werden wir ihn und seine Frau am Sonntag mit einem frisch gebackenem Zopf und einem ebenso frischem Brot überraschen.

Am Abend gegen 22:00 Uhr gehen wir also zu Eugenio. Er hat aufgetischt dass sich die Tafel biegt. So nach und nach treffen die Gäste oder besser gesagt die „Familienangehörigen“ im weitesten Sinne, ein. Es sind so an die dreißig Leute. Vom Alter her gut gemischt von 3 -80 Jahre. Ich komme mir vor wie in den 1950iger Jahren als in Deutschland die „Fresswelle“ ihren Höhepunkt hatte. Fleisch in Hülle und Fülle angefangen vom Puter bis über Schweinefilet, Rinderfilet, Schulter, Rippen Kasseler (wie es hier heißt weiß ich natürlich nicht) bis hin zu Süßigkeiten wie Pudding und süße Spezialitäten. Was aber ganz und gar nicht fehlen darf und das habe ich mir erklären lassen, ist um Mitternacht die obligatorische Linsensuppe mit Wurst und Fleischeinlage (den brasilianischen Namen habe ich natürlich längst wieder vergessen), die in ganz Brasilien zum Jahreswechsel gegessen wird. Jetzt, endlich kann er uns vorstellen, natürlich muss er, so wie ich, wieder jede Menge Fragen beantworten. Irgendwie habe ich das Gefühl dass es ihm gut tut von allen Seiten Anerkennung zu bekommen. Aber ehrlich gesagt, wem tut es nicht gut?

Um 12:00 Uhr stehen wir alle im Freien und schauen und hören uns die Knallerei an. Dann geht’s wieder los, Bussi, Bussi und die guten Wünsche zum neuen Jahr. Keine Stunde später hat sich die „Versammlung“ aufgelöst und um zwei Uhr, wir sind natürlich wieder die Letzten, verabschieden auch wir uns und gehen zum Schiff zurück.

30.12.2009

Am vorletzten Tag des Jahres ist bei uns am Steg Hochbetrieb. Die Fischer kommen zu Hauff an den Steg, tanken, füllen Wasser auf, reinigen ihre Boote, machen alles fertig für das nächste Jahr wenn sie wieder raus fahren. Wir sitzen gerade im Salon als es fürchterlich rummst und unser Boot durchgeschüttelt wird. Sofort sind wir an Deck. Ein Boot hat beim Anlegen unseren Bugspriet gerammt. Dieser steht jetzt ca. einen Meter zur Seite und hat die Rolle der Genua Reffanlage unter die Reling gedrückt. Alles verbogen und das Rohr des Bugspriets abgeknickt. Das Fischerboot setzt zurück und ist schon wieder verdächtig nahe am Bugspriet. Ich schreie was das Zeug hält ebenso die Zuschauer auf dem Steg. Daraufhin gibt der Schiffsführer Gas und haut ab. Annemarie hat die besseren Augen als ich und frage sie welcher Name auf dem Boot steht. Es ist klein geschrieben und das Boot doch schon weit weg.“Ich glaube es heißt Jasmin oder so ähnlich“, sagt sie. Gut den Namen werden wir uns merken. Annemarie fragt einen der jungen Männer die es gesehen haben. Einem ist es sehr peinlich, er zieht den Kopf ein und schaut stur in eine andere Richtung und der andere tut so als verstehe er nicht. Annemarie bleibt hartnäckig. Seine Antwort war so viel wie: ich habe nichts gesehen und weiß auch nicht was das für ein Boot war. Natürlich hat er es gesehen, er war doch der, der am lautesten dem Bootsführer eine Warnung zugerufen hat. Auch egal, es sollte ja nur eine Bestätigung sein, dass sie den Namen richtig erkannt hat. Es dauert keine fünf Minuten und es rummst schon wieder. Das nächste Boot, die Hiena dos Mares, hat den Bugspriet gerammt. Dabei liegen wir doch hinter dem Steg und stehen nicht vor. Aber jetzt ist es eh schon egal. Aber eine Entschuldigung hätte ich zumindest erwartet. Wir müssen das erste Boot finden und uns mit dem Schiffsführer in Verbindung setzen. Der muss schließlich für den Schaden aufkommen. Annemarie läuft die Stege ab und sucht nach dem Boot. Nach einer halben Stunde kommt sie ohne Ergebnis wieder zurück. Die Fischer kennen sich normal alle. Also gehen wir zu Eugenio und erzählen ihm den Vorfall. Sogleich setzen wir uns ins Auto und er bringt uns zum Liegeplatz der Jasmim I, wie wir jetzt den vollen Namen sehen können. „Die Verhandlungen müsst ihr selber führen, das geht mich nichts an“, meint Eugenio, wobei er auch Recht hat. Wir fragen nach dem Schiffsführer und bekommen die Antwort dass er nicht da ist. Auf die Frage wann man ihn erreichen kann, sagt man uns Morgen. Wann, um welche Zeit? Keine Ahnung 10, 9, 8. Die Fischer, die wir fragen wissen anscheinend schon Bescheid, da das Wort „Iate“, Yacht, gefallen ist. Also ziehen wir wieder ab.

26.12.2009

Wie in Spanien gibt es auch hier nur einen Feiertag, den 25. eben. Heute ist Arbeitstag und ich warte auf Gonzalo, dem Mechaniker, damit wir am Motor weiter arbeiten können. Aber es kommt niemand. Na, denke ich, dann eben morgen. Aber auch da kommt er nicht. Abends gehen wir bei ihm vorbei und fragen nach was los ist. Er ist zwischen Weihnachten und Neujahr voll mit den Fischern beschäftigt, die ja am 2.Januar wieder raus wollen. Also müssen erst diese bedient werden. Dafür habe ich auch volles Verständnis. Er hat mir aber fest versprochen am 4. Januar an meinem Motor weiter zu arbeiten. Wir werden dann, wie schon gesagt, versuchen den Motor durchzudrehen. Ich habe genügend Rostlöser in den Zylinder gekippt und hoffe dass es hilft. Wenn nicht heißt es eben Motor raus.

25.Dezember Weihnachten

Am 25. waren wir dann bei Eugenio,unserem „Abschlepper“ eingeladen. Er sagte nur er holt uns ab aber wann, hat er uns nicht gesagt. Am Mittag kommt dann Diego, einer der beiden jungen Männer die bei der Rettungsaktion auf unserem Boot waren und lädt uns ein zu ihm ins Haus zu kommen. Wir sagen zu weil wir beide dachten dass Eugenio uns erst am Abend abholen würde. Weit gefehlt. Gerade als wir mit Diego weggehen wollen kommt Eugenio. Verdammt, da sitzen wir in einer Zwickmühle. Wir verbleiben so, dass wir jetzt mit Diego mitgehen und am Abend zu Eugenio kommen. Die „Weihnachtsfeier“ war ähnlich wie die am Vorabend nur eben mit lauter jungen Leuten und Nachmittags. Es war einfach eine Grillparty im Garten. Wieder werden wir mit Fleisch vollgestopft. Am Abend verabschieden wir uns von Diego und gehen zu Eugenio. Die 40 Gäste waren alle schon weg und wir waren, außer den Familienangehörigen alleine. Eigentlich waren wir ganz froh darüber. Endlich konnten wir uns mal alleine Unterhalten und wir hatten uns viel zu erzählen. Er tafelte auf wie für eine Kompanie. Fleisch, Salat und Süßes. Wir mussten nochmal essen. Am 25. wird hier anscheinend nur Nachmittags gefeiert. Todmüde und mit zum platzen vollen Bäuchen kehren wir gegen Mitternacht auf unser Boot zurück. Wusste gar nicht, dass Einladungen so anstrengend sein können. Dazu kommt noch, dass du dich nicht in deiner Sprache verständigen kannst, was natürlich doppelt anstrengt. Aber trotz allem, es hat uns gefallen und wir haben hier wirklich Freunde gefunden.

24.Dezember Heilig Abend

Heute ist Heilig Abend und wir sind natürlich mal wieder eingeladen. Leider können wir nur einer Einladung folgen und mussten deshalb zwei andere absagen. Heute Abend sind wir bei Lu und ihrer Familie. Das ist die Eisenwaren und Schiffszubehörhandlung (für Fischerboote) die am Ende unseres Stegs liegt. Als kleines Geschenk habe ich einen Hefezopf gebacken, der auch freudig angenommen wird. So etwas gibt es hier nicht und es wird auch gleich allen anderen die heute hier anwesend sind erzählt wer wir sind und was wir erlebt haben. Natürlich müssen wir nochmal alles erzählen so gut es geht. Aber sie scheinen es zu verstehen. Es sind doch immer die gleichen Fragen nach dem Woher und dem Wohin. Wie lange auf See und wie viele Personen auf dem Schiff, wie groß ist das Boot usw. Dann immer wieder der gleiche Satz, hauptsächlich von den Fischern, die das eh nicht verstehen können, dass man nur so zum Spaß auf dem Meer rumfährt: mucho courage (sehr mutig). Eugenio, der Mann der uns damals abgeschleppt hatte war nur fünf Minuten auf unserem Boot, dann musste er runter. Er sagte damals das ist ihm viel zu klein hier und er würde sich zu Tode fürchten mit so einem kleinen Boot auch nur eine Meile auf das Meer hinaus zu fahren. Na gut, weiter mit der Einladung. Also an Heilig Abend werden auch hier die Geschenke verteilt, so wie wir es von Deutschland her kennen. Nur der Ablauf des Abends sieht erheblich anders aus. Von stiller oder andächtiger Nacht ist nicht viel zu spüren. Eher der amerikanische Stil. Laute Musik, Tanz viel Lärm, vor allem mit Kracher, Kanonenschlägen und Leuchtraketen. So etwas wie die Generalprobe für Silvester. Dann natürlich und das ist die Hauptsache, das Essen. Es wird gegrillt was das Zeug hält. Getrunken wird von den Frauen nur Cola (das sieht man auch ihren Figuren an) und die Männer trinken Bier, meistens aber auch Cola. Das wird hier Literweise in sich rein geschüttet. Also ungesünder geht es kaum noch. Das Fleisch meistens Rind aber auch Schwein, wird so „unbehandelt“ wie es vom Metzger kommt auf den Grill geworfen, mit allem Fett, Knorpeln, Knochen, und Sehnen. Das ist nicht ganz so mein Fall. Die fetten Teile habe ich dann (hoffentlich unbemerkt) den Hunden zukommen lassen. Der Fernseher läuft im Hintergrund mit einer Musik-DVD und hebt den Lärmpegel noch etwas an. Um 12:00 Mitternacht wird sich gegenseitig „Felize Natal“ (frohe Weihnachten) gewünscht und Bussis, nach französischer Art, erst links, dann rechts, dann wieder links verteilt. Eine halbe Stunde später sitzen nur noch Annemarie und ich am Tisch, was für uns das Zeichen ist uns zu verabschieden und zum Boot zurück zu gehen. An sich ein netter Abend aber eher eine alte Leute Party als ein Weihnachtsfest. Andere Länder andere Sitten. Aber so fremd ist uns das eigentlich gar nicht. In Spanien bzw. auf den Kanaren wird Weihnacht auch so gefeiert. Nur waren wir nie direkt dabei.

Heute haben wir endlich mal „frei“. Keine Einladung, kein Behördengang, keine Besuche. Irgendwie ist das alles schon anstrengend. Wir legen heute mal einen „Erholungstag“ ein. Wir werden die weit sichtbare, himmelblau gestrichene Kirche besuchen.Der Kirchenbesuch nach jeder Etappe gehört bei uns von Anfang an dazu.

Morgen soll der Tank endlich ganz gereinigt werden. Bisher fehlte es an einer starken Pumpe die fähig ist den Schlamm vom Boden abzusaugen. Na mal sehen.

Nächster Tag. Gonzalo kann im Moment keine passende Pumpe auftreiben. Die, die er sich leihen wollte steht im Moment gerade nicht zur Verfügung. Ich mache an diesem Tag dann eben mal eine schriftliche Bestandsaufnahme über die entstandenen Schäden. Die brauche ich, da die Behörden eine Beschreibung des Notfalls und der Schäden verlangen. Diese sind zahlreicher als ich Anfangs dachte. Als da sind: Motor defekt (dazu später mehr), Tank verschlammt, Filter und Schläuche der Kraftstoffanlage verdreckt und verstopft, zwei Großsegel gerissen, Rollreffanlage Genua defekt, Bugspriet verbogen, „Laufblech“ vom Bugspriet losgeschlagen, KW-Antenne abgebrochen, Genuaschlitten mit Rolle ausgerissen. Das reicht mal fürs Erste.

Nun machen wir uns über den Motor her. Gonzalo, welch ein Zufall ist Mechaniker (nicht selbst ernannt, hat er gelernt, in Uruguay wie er mir versicherte) und repariert hauptsächlich die Motoren der Fischerboote. Da bin ich eigentlich an der richtigen Adresse.. Wir entlüften erst mal die Einspritzpumpe. Dann schließen wir einen Schlauch direkt, unter Umgehung sämtlicher Filter und Leitungen, an um zu sehen ob der Motor überhaupt läuft. Alles klar, dann Start. Klack, nochmal klack und wieder klack. Der Anlasser zieht an, dreht aber nicht durch. Komisch, die Batterie müsste doch geladen sein. Gonzalo geht zum Mittagessen und ich habe eine Stunde Zeit die Batterie zu laden. Gonzalo kommt wieder und das Spiel beginnt von vorne. Klack, klack, klack, mehr nicht. Also an der Batterie liegt es nicht. Der Auspuff und der Wärmetauscher werden abgebaut, dann der Ventildeckel. Vom ersten Zylinder ist das Ventil etwas geöffnet. Ich drücke es ganz auf und was herauskommt ist Wasser. Auch das noch. Wir schrauben den Zylinderkopf ab und sehen das Malheur. Der erste Zylinder ist voll mit Salzwasser und hat sich festgerostet. Der zweite Zylinder ist auch nicht ganz in Ordnung, aber es ist nur wenig Wasser darin. Erst trocknen wir das Wasser mit einem Tuch aus den Zylinder und dann wird fest mit WD40 eingesprüht, das soll den Rost entfernen und die Kolben wieder gängig machen. Den ganzen Tag über sprühe ich WD40 in die beiden ersten Zylinder. Morgen ist Sonntag und da kann es sich, ich sprühe alle Stunde ein bis die Flasche leer ist, hoffentlich bis Montag lösen. Wenn nicht, steht das nächste Übel an, denn dann muss der Motor vom Getriebe getrennt werden, damit der Motor angehoben werden kann. Dann wird die Ölwanne abgebaut um von unten an den Kolben zu kommen der dann ausgebaut werden muss. Ich hoffe aber dass es so weit nicht kommt. Aber das werde ich am Montag erfahren.

Sonntag, einem Tag nach dem Sturm kommt Eugenio unser Kapitän vom Fischerboot Juliana zu uns und lädt uns ein in sein Haus zu kommen. Aha, nun ist es so weit. Wir sind zum Mittagessen eingeladen und bleiben bis zum frühen Abend. Kein Wort von Geld , nicht mal eine Andeutung. Ich bin Überrascht, damit habe ich nicht gerechnet. Also ganz so nebenbei abtun will ich das auch nicht. Ich mache einen Vorstoß. Ihm Geld anzubieten oder zu fragen was das alles kostet wäre eine Beleidigung für ihn. So viel haben Annemarie und ich bereits heraus gehört. Was tun? Ich mache ihm einen Vorschlag und frage nach einem guten Restaurant, denn wir wollen ihn, seine Familie und die komplette Schiffsmannschaft zu einem Essen einladen als Dank für die Rettung. Die Antwort war ein klares NEIN, kommt überhaupt nicht in Frage. Helfen sei Selbstverständlich und bedarf keiner Bezahlung. Statt dessen bekommen wir eine Einladung von ihm für Weihnachten. Wir sollen am 25. zu ihm kommen und mit der ganzen 35 köpfigen Familie Weihnachten feiern. Haste da noch Töne? Das zu kommentieren fehlen mir ganz einfach die Worte. Noch was vorweg genommen. Von der Familie die uns bei dem Sturm aufgenommen hat bekamen wir ebenfalls für Weihnachten eine Einladung, mussten jedoch, aus verständlichen Gründen, dankend absagen. Kein weiterer Kommentar, ich weiß darauf nichts zu sagen. Es sind wirklich alles Freunde. Wir werden hier rumgereicht und von allen zum Essen eingeladen, wir bekommen Fisch geschenkt von Fischern, die ich nicht kenne usw. usw.

rio-grande-rs-brasil.jpg Google Übersicht von Rio de Janeiro bis Punta del Este in Uruguay

Am Montag, wir sind seit Freitag hier, holt uns Gonzalo ab und fährt uns in die Stadt nach Rio Grande zum einklarieren. Große Verwunderung bei der Polizei und anschließend bei allen anderen Ämtern, da wir ja bereits sechs Monate im Land waren und eigentlich nicht hier sein dürften. Überall erklären wir, dass wir ein Notfall sind und nur so lange bleiben wollen wie die Reparaturen dauern. Das wird auch genehmigt werden aber der Behördenweg ist lang und umständlich. Wir werden von einem Amt zum anderen geschickt und keiner will als erster seinen Stempel auf ein Dokument setzten. Jeder schiebt es dem anderen zu. Das erinnert mich an einen Witz. Als zwei Grenzbeamte Streife gehen kommen sie an einem Baum vorbei an dem sich einer erhängt hat. Ein Ast ist auf deutschem und der andere Ast auf österreichischem Boden ist. Da stößt der eine Grenzer den anderen an und sagt: „schau mal da hin, jetzt hängt dieser Typ schon wieder auf unserer Seite“. Mal sehen wer als erster einen Stempel hergibt. Gonzalo kennt jemand vom hiesigen Yachtclub der anscheinend etwas Einfluss hat und den wollen wir aufsuchen. Gonzalo meint auch es wären noch andere deutsche Yachten hier und ich solle sie, wenn ich mag, besuchen. Ich gehe so den Steg entlang und sehe mir die Namen der Schiffe an und was sehe ich da? Die Lorbas. Claudia und Thomas. Das ist eine Überraschung. Eigentlich haben wir die bereits in Uruguay gewähnt.  Sie erzählen uns, dass sie einen Tag vor uns hier eingetroffen sind. Wir verabreden dass sie uns in Barra, wo wir bei den Fischern liegen, zu Besuch kommen. Wir freuen uns schon darauf.

rio-grande-rs-brasil-3.jpg rio-grande-rs-brasil-4.jpgUnser Liegeplatz. Hier sieht man die zwei Stege zwischen denen wir während des Sturms festgemacht sind

22.12.2009

12. Dezember 2009

Die Nacht war ruhig und wir schliefen beide tief und fest. Jetzt ist es sechs Uhr morgens und der Wind pfeift und heult. Er rüttelt am Boot und es vibriert. Die Wellen werden immer höher das Wasser ist dunkelbraun vom aufgewirbelten Sand und Schlick. So geht das einige Stunden und die Wucht des Sturms nimmt immer mehr zu. Der Wind kommt genau von Steuerbord. Nun wird es mulmig. Ich sage zu Annemarie dass wir wohl das Schiff verlassen müssen, es wird zu gefährlich. Als die ersten Böen 50kn erreichen reißen mir gleich drei 12mm Festmacher hintereinander wie Gitarrenseiten. Nur der Festmacher am Heck hält noch aber wie lange. Das Boot dreht sich nach Backbord und zeigt fast in Richtung Strand von dem wir nur 20m entfernt sind. Ein Festmacher am Bug, den wir an der anderen Seite des Stegs festgemacht hatten hält auch noch, so dass es nicht ganz die restlichen zehn Meter zum Strand hin abtreibt.Sollten wir noch weiter in diese Richtung gehen dann sitzen wir auf. Sofort sind auch, ich weiß nicht wie viel, Leute zur Stelle die uns helfen. Wir haben schon lange die Rettungswesten angezogen und die wichtigsten Dinge eingepackt. Nun heißt es für Annemarie das Boot zu verlassen. Der Wind drückt uns vom Steg weg. Es sind so an die 3-4 Meter. Marquinho der „Tankreiniger“ springt ins tosende Wasser und hantelt sich an der Leine zu uns an Deck. Eine Rettungsleine fliegt hinterher an die wir Annemarie anbinden. Jetzt kommt die Mutprobe, sie muss in das aufgewühlte Wasser springen. Sie steigt über die Reling und dann verlässt sie der Mut. Sie will einfach nicht springen und klammert sich an die Reling. Marquinho und ich, jeder von uns nimmt eine Hand von ihr und löst sie gewaltsam von der Reling und schon ist sie im Wasser. Die Leute am Steg ziehen an der Leine und eine halbe Minute später ist sie an Land. Sie ist ganz schön fertig.

fischerboot-im-sturm.jpg Fischerboot ankert direkt vor unserem Steg bei Sturm

vor-unserem-steg.jpg während des Sturm verließen alle Fischerboote den Steg und ankerten in der Lagune

Nun heißt es das Schiff zu sichern. Vom Steg gegenüber fliegt eine Holeleine an Deck an die wir einen Festmacher binden. Dieser wird auf den anderen Steg verholt und festgemacht. Jetzt liegt das Boot mit dem Heck im Wind und nicht mehr mit der Breitseite. Weitere Festmacher werden am Heck und am Bug festgemacht und zum Steg geworfen. Nun liegen wir vertäut mit Bug und Heck zwischen zwei Stegen. Zwar knallen jetzt die Wellen voll gegen die Steuerbordseite aber der Wind kommt von achtern und hat nicht mehr so viel Angriffsfläche. Das Boot wird so auf und ab geworfen, dass es teilweise mit dem Heck ins Wasser taucht um dann hochgehievt zu werden, dass man fast die Schraube sieht. Nun heißt es für mich ebenfalls das Schiff zu verlassen. Ich habe ja die Schwimmweste an die sich automatisch aufbläst wenn ich ins Wasser springe. Also dann, Rettungsleine festgemacht und ab geht’s. Ich warte darauf dass die Weste sich aufbläst aber nichts geschieht. Ist in dem Fall auch nicht so wichtig. In weniger als einer Minute haben die Leute mich an den Steg gezogen und aus dem Wasser gefischt. Ich denke mir noch ach das ist ja schön warm. Verrückt an welche Nebensächlichkeiten man eigentlich in Gefahrensituationen so denkt. Wir arbeiten weiter an den Festmachern um das Boot noch besser zu sichern. Es sind so an die fünf Minuten vergangen als unter dem Gelächter der Leute die Weste plötzlich anfängt sich aufzublähen. Jetzt bin ich fast Bewegungsunfähig. Ich reiße mir das blöde Ding runter und ziehe weiter an den Festmachern. Endlich ist es so weit. Gesichert mit insgesamt sechs 12mm Leinen dürfte nichts mehr passieren. Wissen kann man es allerdings nicht. Wir werden von den Besitzern der Ferreteria (Bootszubehör für Fischerboote) ins Haus geholt wo wir uns umziehen können. Wir bekommen Essen und Trinken und sollen so lange bleiben bis der Sturm aufhört. Vom Fenster aus können wir unsere Lady beobachten wie sie mit Wind und Wellen kämpft und wie sie wie ein gefangener Tiger an den Leinen zerrt. Alle paar Minuten renne ich raus und kontrolliere die Festmacher ob sie irgendwo schamfilen aber alles ist in Ordnung.

rio-grande-rs-ankerplatz-60kn-wind.jpg so sah es bei 60kn Wind an unsrem Steg aus. Ein Aufenthalt auf dem Schiff wäre zu diesem Zeitpunkt zu gefährlich gewesen

Gegen Abend, der Sturm dauert nun schon zwölf Stunden, lässt der Wind nach. Eine Stunde später sieht es aus als wäre nie etwas gewesen. Am nächsten Tag erfahren wir, dass es ein Zyklon war der in der Spitze mit 70kn ( 130km/h) wehte. Das passiert alle paar Jahre mal und genau uns muss es erwischen.Wir kehren zurück auf unser Schiff. Die Nacht ist ruhig, unser Schlaf allerdings weniger.

Da wird man aus Seenot gerettet, denkt alles ist gut und dabei verliert man dann fast sein Boot im Hafen. Es ist schon verrückt was alles so passieren kann. Aber wieder einmal und Gott sei Dank, sind wir mit einem blauen Auge davon gekommen. Jetzt weiß ich mit dem Spruch „da wirst du aber katholisch“ wirklich was anzufangen.

22.12.2009

11. Dezember 2009

Wir sind noch gar nicht richtig angekommen. Geistig meine ich, körperlich sind wir natürlich da. Wir haben keine Zeit zum Verschnaufen. Bereits in aller Frühe ist Gonzalo da und holt uns ab. Er bringt uns zu seinem Sohn der hat Internet. Sofort schicke ich eine Nachricht nach Deutschland dass wir angekommen sind und sie sich keine Sorgen machen müssen, schließlich haben wir mehr als 30 Tage nichts von uns hören lassen. Gonzalo hat auch Marquinho mobilisiert der unseren Tank reinigen soll. Dann erfahren wir im Gespräch, dass für morgen Sturm angesagt ist. Wir machen unser Boot Sturmfest. Es wird noch mal mit stärkeren Festmachern vertäut und zwei Festmacher gehen an den nächsten Steg. Jetzt liegt das Boot Längseits zwischen zwei Stegen.

22.12.2009

10. Dezember 2009

Es ist ganz schön nervig am Haken zu hängen und geschleppt zu werden. Man glaubt es geht gar kein Ende her. Aber auch diese Nacht geht vorbei. Die Gedanken die mir durch den Kopf gehen sehen nicht gerade nach Freude aus und auf meiner Stirn sind bereits wieder die Sorgenfalten. Was wird sein wenn wir da sind? Was wird das ganze denn kosten? Laut internationalem Seerecht darf der Fischer, ganz sicher bin ich mir nicht, bis zu 20% des Schiffswertes verlangen. Das wäre dann das Ende. Selbst bei ein paar Tausend Euro würde es schon Probleme geben. Annemarie beruhigt mich und meint es wird schon nicht so schlimm werden. Das hoffe ich auch.

Nach schier endlos erscheinenden 16 Stunden sind wir endlich da. Gekonnt und meisterlich, ich bewundere immer wieder wie gut diese Leute mit ihrem Boot umgehen können, werden wir an den Steg bugsiert. Zahlreiche Hände nehmen sofort die Leinen entgegen. Hier hat bisher noch nie eine Yacht festgemacht und deshalb sind wir natürlich die Attraktion. Gleich stürmen Fragen auf uns ein. Woher, wohin, wie lange auf See, was ist passiert? Wir beantworten alle Fragen so gut wir es verstehen und erklären können. Der Organisator,so nennen wir ihn, den Namen Gonzalo erfahren wir erst später, bemüht sich wirklich rührend um uns. Er fragt sogleich ob wir was zu essen brauchen. Ich verstehe es nicht richtig und sage gleich mal ja. Kurze Zeit darauf erscheint er mit einer Plastiktüte voll Lebensmittel. Ich versuche ihm zu erklären, dass ich es jetzt nicht bezahlen kann, da wir kein Geld an Bord haben. Morgen werde ich gleich zur Bank gehen. Nein, nein das ist ein Geschenk, er will dafür kein Geld. So viel Freundlichkeit wie in Brasilien habe ich noch nicht erlebt, egal ob im Norden oder wie jetzt ganz im Süden. Der Fischer verabschiedet sich, wir bedanken uns so gut es uns möglich ist, und sagt uns, dass er morgen vorbei kommt. Na, da werde ich dann wohl die Rechnung bekommen. Es ist mir schon mulmig im Magen.

22.12.2009

09. Dezember 2009

Einen Tag später, abends 22:00 Uhr, wir schlafen bereits, hören wir Rufe. Erstaunt schaue ich nach draußen und sehe die Fischer die bereits heute zurück sind. Später erfahren wir, dass sie einen guten Fang hatten und die Lagerräume voll gefüllt sind.

Also machen wir uns an die Arbeit. Ich will den Anker lichten – Fehlanzeige! Da ich den Motor nicht mitlaufen lassen kann schaffen es die Batterien nicht die Winsch zu drehen.. Also dann eben per Hand. Ein sinnloses Unterfangen. Ich kann keine 50m Kette samt dem Boot gegen die Strömung ziehen. Eine Leine fliegt auf das Boot die ich sofort belege. Zwei Leute vom Fischerboot springen ins Wasser und hanteln sich die 10m bis zu uns. Ich helfe ihnen an Deck. Zu dritt versuchen wir den Anker zu holen. Es gelingt uns nicht ihn an Bord zu ziehen. Eine Eisensäge hilft uns das Problem zu lösen. Kette durchsägen. Das ist schnell erledigt und wir holen den verbleibenden Rest der Kette an Bord. Das andere Ende mit dem Anker, gesichert durch ein Tau, ist auf dem Fischerboot. Mit viel Mühe bekommen fünf Mann den Anker frei. Nach eineinhalb Stunden ist die Aktion beendet und wir hängen an einer dicken Trosse und werden die 80 Meilen mit fünf Knoten Fahrt in Richtung Rio Grande abgeschleppt.

Den beiden jungen Burschen die bei mir auf dem Boot sind gebe ich zu verstehen, dass sie da bleiben sollen. Sie machen nämlich Anstalten wieder von Bord zu gehen. Ich merke wie froh sie sind nicht gleich nochmal und das bei stockfinsterer Nacht ins Wasser zu müssen. Annemarie versorgt sie mit warmen und trockenen Sachen einschließlich Decken. Sie legen sich im Cockpit auf die Bank und schlafen. Wir schlafen ebenfalls bzw. versuchen es wenigstens. So einfach ist das nicht, da teilweise fürchterliche Geräusche durchs Schiff gehen, wenn die Kette, an der die Trosse befestigt ist, gegen den Rumpf schlägt.

22.12.2009

08. Dezember 2009

Da wir damit rechnen heute zu stranden haben wir die wichtigsten Dinge wie z.B. Ausweise, Schiffspapiere nebst Notebook und trockene Sachen so gut wie möglich wasserdicht verpackt. Nun warten wir bis der neue Tag anbricht. Ich bin hundemüde, kann aber nicht schlafen. Anspannung und Sorgen sind einfach zu groß. Um 05:30 Uhr, es ist seit einer halben Stunde hell, gehe ich an Deck um die Lage zu peilen. Da sehe ich plötzlich so an die zehn Fischerboote in unserer Nähe. Ich rufe in den Salon:“Annemarie, komm rauf, hier sind jede Menge Fischerboote“. Annemarie sieht die Boote und stürzt sofort ans Funkgerät und setzt einen Hilferuf ab. Ich stehe an Deck und winke mit einem roten Tuch um auf uns aufmerksam zu machen. Eines der Boote, die Juliana, löst sich aus dem Verband und kommt auf uns zu. Wir erklären ihnen, dass unser Motor defekt ist und die Segel kaputt sind und wir immer mehr in Richtung Küste treiben, sie geben uns zu verstehen, dass wir hier den Anker werfen sollen, sie kommen in drei Tagen zurück und holen uns ab. „Hier“? frage ich ungläubig. „Ja“, ist die Antwort es sind 20m und man kann gut ankern. Auf meine besorgte Frage nach dem Wind erklären sie mir, dass das Wetter sich in nächster Zeit nicht ändern wird. Also dann, nichts wie runter mit dem Schlammhakl (für Nicht-Bayern Schlammhakl=Schlammhaken=Anker). Schon ein komisches Gefühl so fast im freien Meer zu ankern. Kein Schutz rundum. Bevor sie uns verlassen, sie wollen in drei Tagen zurück sein und uns abholen, fragen sie noch ob wir Essen und Trinken benötigen. Wasser nein, davon haben wir noch genug. Essen können wir etwas gebrauchen, nicht viel, vielleicht einen Fisch und etwas Brot. Unser Vorrat reicht noch etwa eine Woche. Daraufhin fliegt eine Leine auf unser Deck und ich ziehe an. Mann ist das schwer. Ein Sack voll mit Lebensmitteln darunter vier Fische zu je 2 Kilo und zwei Kilo Fleisch und ein Kilo Mortadella, so wie zwei Brote, Kekse und Kräcker. Daneben noch Trockengerichte,Suppen und anderes. Wir wollten doch nur etwas Proviant. Das ist ja für eine ganze Kompanie für vier Wochen. Auf jeden Fall Danke, es wird uns helfen und uns auch moralisch aufrüsten.

09-hilfe.jpg es geht immer weiter zurück nach Norden. Der Wind lässt uns keine andere Wahl. Wir kommen in Legerwall und kommen nicht mehr von der Küste frei bis uns ein Fischer “aufsammelt”

Endlich ist Hilfe da, das ist schon mal die halbe Miete. Tschau Sandküste, wir sehen uns doch nicht aus der Nähe. Ein großer Teil der Anspannung, erst jetzt merke ich wie fertig ich bin, fällt von mir ab und ich lege mich schlafen. Augenblicklich bin ich eingeschlafen.

22.12.2009

07. Dezember 2009

Es kommt immer schlimmer. Vor zwei Tagen hat uns ein Gewittersturm mit 40 Knoten immer weiter an die Küste getrieben und jetzt liegen wir auf Legerwall und kommen nicht mehr los. Wir müssen unbedingt um Hilfe rufen. Von den Schiffen die wir sehen und anrufen bekommen wir keine Antwort. Der Kanal 70 mit DSC Ruf ist der reinste Witz. Auf dem antwortet überhaupt niemand. Wenn, dann schon wie immer, auf Kanal 16.

08-irrfahrt-1.jpg so hat es uns tagelang in der Gegend ab dem Punkt “totale Flaute” herumgetrieben.

 

Um 4:00 Uhr sehen wir einen Autotransporter. Anruf auf Kanal 16 und DSC-Ruf klappt nicht. Da es noch ziemlich dunkel ist gebe ich SOS Zeichen mit dem Handscheinwerfer. Darauf bekomme ich Antwort auf Kanal 16. Ich erkläre mein Problem und dass wir Hilfe brauchen. Wir müssen abgeschleppt werden. Er solle doch bitte eine Rettungsstation verständigen. Er ruft die Station La Paloma in Uruguay bekommt aber keine Verbindung. Ich dachte immer dass Rettungsstationen 24 Stunden besetzt sind. Vermutlich nicht in Uruguay. Da sieht man mal wieder den Unterschied zwischen Theorie und Praxis. Die Brücken der Großschifffahrt sollen auch 24 Stunden besetzt sein. Und warum sieht uns dann keiner? Obwohl wir sogar drei mal eine Rakete abgeschossen haben! Wir hören den Frachter noch etliche male die Station La Paloma rufen aber dann ist er außer Reichweite. Ob er es noch länger versucht hat wissen wir nicht. Jedenfalls kommt keine Hilfe. Wir treiben immer mehr in Richtung Küste. Ich kann nicht sagen wie lange es bis dorthin noch dauern wird, jedenfalls ist bereits Land in Sicht. Wir haben noch 15 Meilen und sind wieder bis Brasilien zurück getrieben worden. Dabei waren wir schon so nahe am Ziel. Ich hoffe wir und das Boot werden es überleben. Eine Strandung ist kein Kinderspiel. In der Nähe der Radiobake auf Position 33°44.36 S und 52°56.05 W werden wir wohl stranden.

22.12.2009

05. Dezember 2009

Die ganze Nacht sind wir mit 1,5kn dahingedümpelt. Und nun Hurra, er ist wieder da der lang ersehnte NO Wind. Wir können den Kurs von 240° aufnehmen und wieder in Richtung Uruguay segeln. Unserem Ziel, von 90 Meilen auf 140 abgetrieben haben wir uns bereits wieder auf 120 Meilen ran gekämpft.

07-zweiter-anlauf.jpg der zweite Anlauf nach unserer “Nordfahrt”, bevor die zweite und endgültige Abdrift nach Norden begann

Die Geschwindigkeit liegt bei drei Knote. Man wird ja Bescheiden. Während der Nacht begegnen uns fünf Schiffe ohne jedes Problem. Ein halbstündiger Ausguck während der vierstündigen Wache ist allerdings unabdingbar. Der Blitzer am Masttop leistet gute Dienste, der wird auch in zehn Meilen Entfernung noch gesehen. Ich kann jeden Skipper nur empfehlen sich einen Blitzer zu installieren. Er erhöht die Sicherheit gegenüber den normalen Positionslichtern erheblich und braucht nur einen Bruchteil des Stroms der Laternen. Diese schalte ich dann allerdings dazu wenn das andere Schiff zu nahe kommt. Ich möchte das Gerät nicht mehr missen. Hier schon gleich gar nicht, da wir mitten in der Südamerikanischen Hauptschifffahrtslinie rumpaddeln.

22.12.2009

04. Dezember 2009

Nun liegen wir schon seit drei Tagen bei und treiben immer noch in die verkehrte Richtung. Der Abstand zum Ziel hat sich von 90 auf 140 Meilen vergrößert. Wir wollen wieder aktiv ins Geschen eingreifen. Wir setzen Segel und wollen näher an die Küste, mit der Hoffnung, dass es dort günstigeren Wind gibt. Der Wind erlaubt uns nur einen NW Kurs. Wir warten noch immer auf eine Winddrehung um südlichen Kurs anzulegen. Unsere Taktik sieht jetzt so aus: Wir segeln so nah wie möglich an die Küste um dann mit Strom und NO Wind nach Süden zu gelangen. Da uns die Genua nicht mehr zur Verfügung steht machen wir trotz 20kn Wind nur 2,5kn Fahrt. Wir hoffen, dass unsere Taktik aufgeht, wir wollen doch endlich ankommen.

In der Ferne sehen wir einen Frachter der nach etwa einer Stunde in drei Meilen Entfernung an uns vorbei fährt. Es ist die NUR und wir glauben sie in Aratu gesehen zu haben. Wir rufen sie über Funk und wir bekommen eine Verbindung. Nach einer kurzen Plauderei wünschen wir uns gegenseitig gute Fahrt.

Es ist 21:30 Uhr und wir stehen mal wieder auf der Stelle. Vielleicht schiebt uns die hier herrschende Strömung etwas nach Süden. Sollte die Flaute anhalten muss ich nochmal in den Mast die Rollanlage reparieren. Ohne Genua kommen wir überhaupt nicht von der Stelle. Wenn dann die Flaute vorbei ist hoffen wir auf NO-Wind, der laut Pilot Charts im Dezember zu 80% der Zeit wehen soll. Aber ausgerechnet wir müssen SW Wind abbekommen und dann auch noch in Sturmstärke.

22.12.2009

03. Dezember 2009

Gestern Abend fing es mit einer Dümpelei und einem Wind aus West an. Ist doch toll, der Wind kommt genau da her wo wir hin wollen. Es hat keinen Zweck. Diese Richtung ist uns im Moment versperrt. Ich setze das Ruder gegen den Wind fest und hole das Segel Back (für Nichtsegler: ich setze das Segel auf die „verkehrte“ Seite von der der Wind kommt). Wir „üben“ mal wieder Beiliegen. Wir treiben mal hier hin und mal da hin. Genau um 4:00 Uhr, bei Tagesanbruch bricht der Weststurm los. Erst versuche ich noch das Boot zu steuern. Es geht nicht, denn das Groß macht das nicht mehr lange mit. Da ich es wegen des zerrissenen Teils so am Baum eingebunden habe, dass das Loch nicht mehr dem Wind ausgesetzt ist, hat das Segel eine unmögliche Form und bildet einen Sack in dem sich der Wind voll fängt. Die Wirkung ist ungefähr die gleiche als würde ich einen Spi bei halben Wind fahren. Die Segel knallen und der Wind heult mit 35kn, fürchterlichen Tönen und Getöse in den Wanten und Stagen. Das Meer tobt. Gischt wird von den an die 5m hohen grünen Wellen abgeweht. Es gibt jetzt nur noch eine Möglichkeit das Inferno einigermaßen relativ Stress-frei abzuwettern. Das bewährte Beiliegen. Diesmal aber müssen erst die Segel geborgen werden um die Fahrt so weit wie möglich aus dem Schiff zu nehmen. Das wird bei diesem Wind nicht einfach sein. Annemarie erzählt mir später, dass, gerade als ich die Fock berge, der Windanzeiger auf 38kn steht. Mit viel Mühe bekomme ich die Fock „eingefangen“ und bändsle (binde) sie an der Reling fest. Es wird etwas besser der Druck auf das Schiff ist nicht mehr ganz so stark. Aber das Groß muss auch noch geborgen werden. Ich nehme eine dünne Leine und binde sie am hinteren Ende des Segels am Baum fest. Nun macht Annemarie den Fallenstopper auf und ich ziehe das Segel etwa einen Meter herunter, dann den Fallenstopper zu, das Segel einbinden, Fallenstopper auf, Segel runter, einbinden usw. bis das ganze Segel geborgen ist. Nass von den überkopmmenden Wellen hantele ich mich wieder zurück ins Cockpit. Wir machen die Bude dicht, soll heißen, Steckschott rein und Schiebeluk zu. Jetzt wird erst mal gefrühstückt und dann geschlafen. Mehr kann man ja sowieso nicht tun. Das Boot macht jetzt alles alleine und es macht es gut. Fast gemütlich treibt es auf den Wellen dahin, doch der Blick auf das aufgewühlte grüne und schäumende Meer belehrt mich eines Besseren, denn da ist überhaupt nichts Gemütliches. Mal sehen wie lange das anhält, das Baro ist bereits wieder um 5mb gestiegen.

Gerade komme ich aus der Bugkabine in den Salon als eine Welle mit voller Kraft Mittschiffs regelrecht einschlägt. Ich werde vom Mittelgang aus über die Salonbank geschleudert und knalle mit dem Hinterkopf ans Bücherschapp. Verdammt, das tut weh. Ich bin etwas benommen und mir ist schwindlig. Das war fast ein k.o. Schlag. Ich werde mich gleich etwas hinlegen.

Der Wind hat nachgelassen, weht aber nach wie vor mit 20kn aus SW, so dass es uns schon eine ganze Weile und etliche Meilen nach NO treibt. Dabei waren wir schon so nah am Ziel, von dem wir uns jetzt immer weiter entfernen. Wir können nichts anderes tun als abwarrten bis sich der Wind in eine für uns günstige Richtung dreht. Die Brecher die zwischendurch einsteigen und das Cockpit füllen finde ich schon fast nicht mehr Erwähnenswert.

22.12.2009

02. Dezember 2009

Gestern Nachmittag um 16:00 Uhr kam der Wind ganz langsam wieder. Erst ganz sachte, dann stärker und dann so ungünstig, dass es Anton nicht gelingt Kurs zu halten. So bleibt nichts anderes übrig als selbst die ganze Nacht am Ruder zu sitzen. Jetzt am Vormittag haben sich Wind und Welle so eingespielt, dass Anton das Ruder übernehmen kann. Doch das dauert nicht lange. Der Wind steigert sich bis auf 30kn und ich muss wieder selbst ans Ruder. Das geht so bis 13:30 Uhr, dann, so was kann man kaum glauben hört der Wind von einer auf die andere Sekunde schlagartig auf, als wenn einer einen Hahn zugedreht hätte. Kein Vortrieb mehr, nur noch hohe Dünung. Das Schiff schaukelt wie verrückt. Um 16:00 Uhr kommt dann ganz leichter Wind auf. Zu leicht. Das Boot reagiert nicht aufs Ruder und noch dazu kommt dieser Sch… Wind aus Westen, da wollen wir doch hin. Es hat uns bereits wieder einige Meilen zurück getrieben. Hoffentlich hört das bald auf und wir können wieder unseren Kurs Richtung Westen aufnehmen. Ich habe mir ausgerechnet, dass wir morgen Mittag da sein müssten. Und jetzt diese Winddrehung. Das kostet uns mindestens einen Tag. Es ist zum verrückt werden. Wir wollen endlich ankommen. Es reicht jetzt.

06-wir-treiben-nach-norden.jpg hier unsere “Norddrift”

Nun ist es 19:00 Uhr und der Kreis geschlossen. Wir sind an der selben Stelle wie heute morgen um 11:00 Uhr. Leichter Wind kommt auf und wir hoffen unsere Fahrt fortsetzen zu können. Eine Stunde später weht der Wind gerade mal mit 12 Knoten. Es reicht kaum um vorwärts zu kommen. So weit so gut, leider stellt sich heraus dass meine Reparatur der Verstellbremse nur kurz von Erfolg gekrönt ist, den dieses blöde Ding ist schon wieder kaputt und so bleibt die Genua eingerollt. Wir dümpeln also statt mit drei Knoten eben nur mit 0.8 – 1 Knoten so dahin.

22.12.2009

01. Dezember 2009

Die Gewitter sind weg, das Tief ist weg und der Wind ist auch weg. Seit 00:00 Uhr sitzen wir in der Flaute und treiben so zwischen 0,8 und 1,2kn dahin. Aber wenigstens in die richtige Richtung. Das ist doch auch schon was.

Um sechs Uhr weckt mich Annemarie und meint, das Wetter wäre doch gerade richtig um in den Mast zu steigen um die Verdrehsicherung der Genua zu reparieren. Mann, was bin begeistert, ich würde mich am liebsten umdrehen und weiter schlafen. Aber sie hat ja Recht. Das Teil muss unbedingt gerichtet werden damit sich die Genua wieder ein bzw. ausrollen lässt. Ich schaue mir die Lage selber an. Natürlich ist das Meer ruhig. So weit man das sagen kann. Aber die Mastspitze legt trotzdem von ganz links nach ganz rechts so an die zwei oder drei Meter zurück. Es wird nicht einfach werden.

Bedächtig ziehe ich meinen Klettergurt an, der mir als Ersatz für einen Bootsmannstuhl dient, lege mir alles Material zurecht und picke mich in das Fall ein, das mir als Sicherung dient. Dann steige ich in den Mast. Ich muss diesmal an der Vorderseite rauf, da das Groß gesetzt ist. Das Problem dabei ist, dass ich über die Radarschüssel steigen muss und mir auch das Diamantstag den Weg versperrt. Das ist schnell gemeistert und ich bin nach zwei kleinen Pausen, in denen ich warte, dass sich das Boot nach etwas größeren Wellen wieder ausgependelt hat, im Masttop angelangt. Ich sichere mich nochmals zusätzlich, so dass ich beide Hände zum arbeiten frei habe. Aber das ist nicht ganz so einfach. Es kommt immer wieder eine größere Welle, die den Mast wie eine Schiffschaukel (im wahrsten Sinne des Wortes) schaukeln lässt und ich wie ein Klammeraffe am Mast hänge. Nach einer halben Stunde bin ich fertig und habe die „Notverdrehbremse“ angebracht. Ich beginne, von Annemarie über die Winsch gesichert, den Abstieg. Ich steige gerade über das Diamantstag als die Stufe an der ich mich einhalte vom Mast abbricht. Ich schwinge nach rechts aus und erwische gerade noch ein Spannseil vom Diamantstag an dem ich mich festhalte. Die Gefahr einer schnellen Parterre-Fahrt ist aber nicht gegeben, da ich ja am Fall gesichert bin und Annemarie aufgepasst hat. Trotzdem, am Boden bzw. auf Deck angekommen brauche ich erst mal ein Glas Wasser um meine von der Anstrengung ausgedörrte Kehle wieder dem Normalzustand zu zuführen.

Die Reffanlage funktioniert wieder. Das ist ein Erfolgserlebnis.

Am Nachmittag begebe ich mich in den „Keller“ um nach dem Motor zu sehen. Zuerst aber nehme ich eine Probe aus dem Dieseltank. Diesmal von der Oberfläche. Nur brauner Dreck. Kapitel Motor ist gestorben, ebenfalls 400 Liter Diesel und das tut weh, vor allem im Geldbeutel. Ich hätte das Geld ebenso gut ins Meer werfen können. Wenn wir ankommen muss ich zusehen wie wir das Anker oder Anlegemanöver ohne Motor hinkriegen. Hoffentlich spielt das Wetter mit. Die Marina liegt in der La Plata Mündung, das wird nicht ganz einfach. Na, schau ma mal.

22.12.2009

30. November 2009

Wir haben eine besch…(eidene) Nacht hinter uns. KA (Keilriemen Anton) schafft es nicht das Boot auf Kurs zu halten. So sitze ich am Ruder und Annemarie am Bedienpaneel. Wenn Anton versucht aus dem Ruder zu laufen drückt Annemarie die entsprechenden Tasten um ihn auf Kurs zu halten. Klappt das nicht dann muss ich am Ruder den Motor auskuppeln, den richtigen Kurs anlegen und den Motor wieder einkupppeln. So geht das die ganze Nacht seit gestern Abend. Das Barometer ist um 5mb gefallen, das verheißt nichts Gutes. Um zwei fängt es an zu blitzen. Sehr weit weg, ein Wetterleuchten. Aber es kommt näher und zwar ziemlich schnell. Das Gewitter oder besser die Gewitter treffen uns nicht direkt, bleiben aber nicht ohne Folgen. Der Wind nimmt stark zu, ebenfalls die Welle. Es ist vier Uhr, der Tag bricht an und die Hölle aus. Dicke schwarze Wolken vor uns und wir segeln bei 23kn Wind mit fast 6kn über Grund auf diese zu. Dann packt sie uns. Der Wind erhöht erst mal auf 30kn, dann kommt der Regen. Man kann kaum noch was sehen. Der Wind steht genau gegen die anrollenden Brecher. Der Regen wird vom Wind waagrecht über die Wellen gepeitscht. Das Meer schäumt und brodelt. Der Wind heult in den Wanten und Gischt wird über das Boot gefegt, Brecher gehen über das Boot. Es kracht und rummst, man könnte meinen unsere Lady wird mit einem Dampfhammer bearbeitet. Es ist Dantes Inferno.

04-gewitter.jpg unser Weg vom 20.11.-29.11

So was habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht erlebt und möchte es auch nicht mehr. Ich stehe am Ruder und bin, trotz Segelbekleidung, bereits Sekunden nach Beginn des Regens, nass bis auf die Haut. Ich versuche, egal in welche Richtung immer das Schiff aus dem Wind zu drehen, so dass wir den Wind immer von achtern haben, also praktisch ablaufen. Nach einer Stunde ist das Schlimmste vorbei. Der Wind hat um 180° gedreht, also fahren wir wieder zurück. Wir machen eine Halse und wechseln den Bug so dass wir unseren alten Kurs wieder aufnehmen können. Der Wind bläst uns mit 25kn ins Gesicht und wir stampfen durch die aufgewühlte See. Es ist ein absolutes Wellenchaos. Teilweise laufen sie gegeneinander, stellen sich auf, fallen in sich zusammen um gleich wieder aufzusteigen. Keinerlei Ordnung oder Gleichklang. Es geht alles mal vorbei, so auch dieses Chaos. Der Automat arbeitet wieder und wir sitzen beide im Salon. Ich lege mich hin und bin auch gleich darauf eingeschlafen. Plötzlich ein Donnerschlag. Ich schieße senkrecht aus dem Schlaf hoch und finde mich nicht gleich zurecht. Was ist passiert? Ein Brecher ging über das Boot hinweg und knallt voll ins Cockpit und hat es bis zum Süllrand mit Wasser gefüllt. Meine spätere Rechnung ergibt, dass es fast an die 1000 Liter, also 1cbm, gewesen sein mussten. In weniger als einer Minute fließt das Wasser durch die Lenzrohre wieder ab.

Der Abend bricht an, es ist alles im grünen Bereich. Anton hält Kurs, Annemarie schläft und ich schreibe gerade diese Zeilen.

22.12.2009

29. November 2009

Die Nacht ist fürchterlich. So eine Schaukelei hatten wir schon lange nicht mehr. Keine Fahrt im Boot aber große Welle. Die Wellen können sich nicht für eine Richtung entscheiden. Sie laufen total konfus durcheinander und gegeneinander. Beide können wir nicht schlafen und außerdem muss die Bilge alle zwei Stunden geleert werden. Berufsschifffahrt gibt es hier keine, wir sind zu weit vom Land entfernt, was die Wachen etwas erleichtert, man muss nicht so oft raus um einen Rundblick zu machen.

Nachts um eins, der Wind hat fast ganz aufgehört setzten wir die Genua. Seit sechs Uhr sitze ich am Ruder, da Anton oder KA (Keilriemen Anton so heißt jetzt unser zweiter Autopilot, der erste heißt ja Jockel) das Wellendurcheinander nicht mehr aussteuern kann. Um neun Uhr werfe auch ich das Handtuch. Es gibt keinen vernünftigen steuerbaren Kurs mehr.

03-noch-zwei-tage.jpg Wir waren fast schon am Ziel, unter 200 Meilen. Bei der Fahrt die wir hatten zu dem Zeitpunkt als das Bild entstand, hätten wir noch zwei tage bis Punta del este gebraucht. Aber es kam anders…

Wir drehen bei. Ich versuche weiter den Motor in Gang zu bringen. Erst aber will ich ich davon überzeugen wie es mit dem Diesel im Tank aussieht. Ich pumpe ca. 50 Liter von Hand aus dem Tank. Kein Tropfen Diesel, nur Wasser und Schlamm. So hat das keinen Sinn. Ich versuche was anderes. Ich werde den Diesel von oben absaugen, da dieser ja bekanntlich auf Wasser schwimmt. Ich schrauben die Öffnung für den Messstab auf und führe einen Schlauch ein. Das Ergebnis: der gleiche Dreck wie vorher. Was ich jetzt sehe sagt mir auch gleich den Grund für diese Misere. Wasser, das irgendwo von achtern kommt, rinnt in einem Bächlein über den Deckel des Mannloches vom Tank und dann direkt über drei Schraubenlöcher (die hatten sie wohl in der Werft vergessen oder keine Lust mehr gehabt die Schrauben einzudrehen) samt Dreck in den Tank. Kurz gesagt, Diesel raus, Wasser rein. Da die Bilge laufend entleert werden muss, wird der Kraftstoff natürlich mit nach draußen gespült. Wie gesagt, ich vermute es ist die Wellenabdichtung. Ich arbeite mich nach hinten in die Achterkabine und reiße die Bodenbretter raus. Sehe mir die Wellendichtung an. Nein, das kann es nicht sein. Kein Tropfen Wasser läuft an ihr runter. Aber oberhalb der Welle steht in einer Vertiefung Wasser und rinnt lustig wie ein Bächlein in Richtung Bilge. Hier komme ich nicht weiter. Ich öffne das Achterpiek und räume es aus. Jetzt sehe ich den oder die Übeltäter. Von der am Heck angebrachten Einstiegsstufe haben sich zwei Schrauben gelöst und sind raus gefallen. Nun sprudelt bei den beiden Löchern, zusammen immerhin mehr als 1cm Durchmesser, das Wasser lustig ins Boot. Neue Schrauben einsetzen ist nur Theorie, denn dazu müsste ich ins Wasser um an die Löcher zu kommen. Ich brauche eine andere Lösung. Annemarie schnitzt kleine Korkstückchen zurecht, die ich in die Löcher stopfe und anschließend mit Metallkleber verschmiere. Alles klar, es hält. Wenigstens ein Erfolgserlebnis. Was allerdings nicht lange anhält, denn der nächste Tiefschlag steht schon bereit. Es ist etwas Wind aufgekommen und wir setzten die Genua, das heißt wollen setzen, aber sie lässt sich nicht ausrollen. Ein Blick nach oben sagt mir, dass, wie schon bei der Atlantiküberquerung, die Verdrehsicherung an der Rollanlage gebrochen ist. Das kostete uns damals das halbe Segel, da es vom Wind zerrissen wurde. Nur damals war es umgekehrt, wir hatten zu viel Wind und das Segel ließ sich nicht mehr einrollen. Im Moment ist es kein zu großes Problem, da das Segel nur ganz wenig ausgerollt ist und wir eh keinen Wind haben. Es gibt nur eine Möglichkeit den Fehler zu beheben, ich muss in den Mast.

22.12.2009

28. November 2009

Die Nacht verläuft ruhig und wir können uns beide etwas erholen. Um 04:00 Uhr bei Tagesanbruch müssen mal wieder beide Bilgen entleert werden.Am Himmel an der Bb.-Seite brauen sich eigenartige Wolken zusammen, wie ich sie eigentlich nur aus Berichten im TV kenne. Es sieht aus wie die erste Stufe wenn sich, nach zwei oder drei weiteren Stufen, ein Tornado bildet. Allerdings nicht so nah am Boden sondern in normaler Wolkenhöhe so an die 1000 Meter oder mehr.Jedenfalls sieht man ihnen das Windpotential deutlich an. Bis ich das alles so richtig kapiert habe ist die erste Böe bereits da. Nach der Nacht, in der wenig Wind herrschte sind Fock und Genua noch voll ausgerollt und die Böe saust mit voller Wucht und 30kn in die Segel. Das Boot krängt so stark, dass es nur noch sehr schwer auf das Ruder reagiert. Annemarie geht ans Ruder und ich werfe die Genuaschot los.Sofort weht das Segel aus und ich kann es einrollen. Doch ein anderer Schaden macht mir Sorgen. Das Groß ist eingerissen und hat ein, mit Bordmitteln nicht zu reparierendes großes Loch von einem Meter Durchmesser. Es ist ab dem Reffpunkt nach allen Seiten aufgerissen. Darum kann ich mich jetzt nicht kümmern. Ich habe alle Hände voll zu tun, das Boot aus den jeweiligen bis über 30kn starken Böen rauszudrehen. Nach drei Stunden ist der Spuk vorbei, der Wind wieder bei „normalen“ Werten um die 20kn. Der Automat kann die Steuerung wieder übernehmen. Annemarie kniet während dieser drei Stunden am Boden und ist die Motorbilge am ausschöpfen, den die Bilgenpumpe hat inzwischen auch ihren Geist aufgegeben. Diese Geräte sind alle nur für Sonntagssegler konzipiert. Die müssen kaputt gehen, die Industrie braucht Umsatz.

Das Loch im Segel hört unterhalb der Öse für die Reffleine auf. Ich nehme ein Tau, stecke es durch die Refföse und binde das Segel so weit auf den Baum runter, dass fast das ganze Loch aus dem Wind genommen wird. Nachteil: Das Groß sieht jetzt aus wie ein Ballon. Gerade sehe ich, dass das zweite Reffbändsel ebenfalls ausgerissen ist. Dafür habe ich keine Lösung mehr bereit und belasse es so. Der Wind hat natürlich, wie immer, weiter nach NW gedreht, so dass es uns nicht möglich ist die Richtung WSW zu halten. Wir müssen nach Süden, was schlecht ist, da es uns evtl. 100 oder mehr Meilen Umweg kosten kann.

22.12.2009

27. November 2009

Verflixt und zugenäht, das hat gerade noch gefehlt.Von wegen ankommen. Seit gestern Abend hat der Wind auf Süd gedreht. Wir haben alles versucht. Mit viel Segel, mit wenig Segel, mit und ohne Genua. Nichts zu machen. In meiner Verzweiflung habe ich Fock und Genua geborgen, nur noch das Groß ist oben und liegen wir seit 10std Beigedreht. Dadurch hat es uns 10 hart erkämpfte Meilen wieder zurück nach Norden getrieben. Um 07:50 scheint sich der Wind etwas zu drehen und wir treiben nach NW. Immerhin geht es in Richtung „Hauptkampflinie“, von der wir schon fast 100 Meilen östlich davon waren. Es ist schon verrückt. Auf der Atlantiküberquerung hatten wir zu wenig Diesel und konnten nicht motoren. Jetzt haben wir genügend Diesel, der Tank ist randvoll, können aber nicht motoren da dieser wegen schlampiger Werftarbeit total verdreckt und nicht mehr zu gebrauchen ist.

Es ist wirklich zum verrückt werden. Das Großfall hat sich um die zwei obersten Maststufen gewickelt. Das muss sofort geändert werden bevor das Fall schamfilt und bricht. Wir bergen das Groß und sehen dabei das ganze Debakel.Das Fall kommt zwar lose aber die obersten vier Mastrutscher haben sich vom Segel gelöst. So ist es nicht mehr zu gebrauchen, deshalb bind ich es am Baum ein und wir segeln nur noch mit Genua und Fock.

Der Wind hat endlich gedreht und es geht mit 4-5kn in Richtung SW. Das ist im Moment das einzig Positive. Als wir nach dem Segel setzen in den Salon kommen, meint Annemarie dass es nach Diesel stinkt. Ich steige in den Motorraum und habe die Ursache schnell gefunden. Eine weitere Schlamperei seitens der Werft in Aratu. Nach dem reinigen(?) des Tanks wurden nicht wieder alle Schrauben in den Deckel geschraubt und so sprudelt der Diesel lustig raus und der Dreck ebenso lustig rein. Außerdem haben wir dauernd Wasser in der Motorbilge und ich habe den Verdacht dass die Wellenabdichtung undicht ist.Ich muss versuchen diese abzudichten. Eigentlich ist es genug für heute und dabei haben wir erst 10:00 Uhr. Mal sehen was noch so alles kommt.

15:00 Uhr und wir haben jetzt die gleiche südliche Breite an der wir gestern nach Norden abdrehten bzw. Beidrehen mussten um nicht zu schnell nach Norden zu kommen. Da wir nur mit Fock und Genua segeln ist die Schaukelei so groß, dass man sich nicht mehr auf der Salonbank halten kann. Nun wird es uns zu bunt. Ich nehme meine Lifebelts, sichere mich am Mast und steige rittlings auf den Baum. Mit Bändsel binde ich die Mastrutscher wieder am Segel fest während es schaukelt als wäre ich beim Bullenreiten auf dem Oktoberfest.Nur mit dem kleinen Unterschied, dass ich dabei auch noch arbeiten muss. Nach einer Stunde ist es geschafft und wir segeln wieder mit Groß, Genua und Fock. Ich hoffe nur dass alles hält. Das war der Höllenritt nach Santa Fé.

22.12.2009

26. November 2009

Die Nacht verläuft ruhig und ohne besondere Vorkommnisse, Ich habe Annemarie die ganze Nacht schlafen lassen. Ich selbst habe mich auch hingelegt und sehe drei bis vier mal nach dem Rechten. Annemarie steht um sechs Uhr auf und macht Frühstück. Wir fahren Kurs West und sind fast 100nm neben der „Ideallinie“. Was so viel heißt, dass wir keine Meile SW machen wo wir eigentlich hin wollen. Das ist nun mal so. Wir müssen uns nach dem Wind richten und nicht umgekehrt. Bei 12kn Wind sind wir mit 4kn unterwegs. Das Wetter ist diesig, sieht aber so aus als würde es besser. Die gefühlte Temperatur ist wegen des schwachen Windes angenehm.

Soeben habe ich bei meiner Inspektion entdeckt, dass das Gehäuse der Bilgenpumpe mehrere kleine Sprünge aufweist, deren Herkunft mir Rätselhaft ist. Ich verklebe sie mit Plastikkleber und hoffe es hält. Ich hoffe sie geht nicht kaputt. Das wäre bitter, denn die Bilge muss stündlich geleert werden. Es ist jetzt 17:00 Uhr und der Wind hat nach Regen ganz aufgegeben.Wir stehen mal wieder auf der Stelle. Ich hoffe das dauert nicht zu lange. Schließlich wollen wir ja auch mal ankommen.

22.12.2009

25. November 2009

Wind weht aus NO mit 20kn. Die Welle steht wieder bei etwa 3-4 Meter. Mit gerefftem Groß, der Fock und fast ganz eingerollter Genua segeln wir mit 5,5kn fast gemütlich dahin. Wind und Welle kommen Raumschots (für Nichtsegler: von links hinten mit einem Winkel von 120° zum Schiff).Es ist zu 70% bewölkt und die Temperatur liegt bei 22°C, die gefühlte Temperatur nicht mehr als 17°C. Im „Keller“ weiter zu arbeiten ist wegen der zu starken Schaukelei nicht möglich. So ist dann Schlafen und Ausruhen angesagt. Die Ruderarbeit übernimmt unser neuer bzw. selbst modifizierter Autopilot hervorragend. Selbst bei 6bft, 5 Meter Welle und gegen an hat er nicht versagt. Was ein stärkerer Motor so alles ausmacht. Davon konnten wir auf der Atlantiküberquerung nur träumen.

22.12.2009

24. November 2009

In vier Wochen ist Weihnachten und es geht auf den Sommer zu. Trotzdem ist, zumindest auf dem Wasser die gefühlte Temperatur sehr frisch.

Es ist morgens und Annemarie geht ins Cockpit und als sie die Segel so betrachtet sieht sie dass das Achterliek auf mindestens einen Meter eingerissen ist.und es an weiteren Stellen bereits dabei ist abzureissen. Der Versuch von Hand ein Gurtband anzunähen schlägt fehl. Gut dass wir noch unser altes Groß als Reserve dabei haben. Es passt zwar nicht mehr, da der Baum jetzt höher gesetzt ist aber wenn wir das zweite Reff einbinden dann geht es so einigermaßen. Es ist das erste mal, dass ich eine Flaute begrüße. Es ist ziemlich ruhig und wir können die Segel wechseln. Ich will auch gleich das komplette Rigg überprüfen, doch bei der ersten Saling ist Schluss, der Schwell ist doch etwas zu stark. Ich kann mich nur mit Mühe am Mast halten und das noch im unteren Drittel. Das Masttop schwenkt so an die drei bis vier Meter aus. Das lass ich lieber sein. Bei der weiteren Sichtinspektion entdecke ich, dass sich das „Laufblech“ auf dem Bugspriet von dem dauerndem aufklatschen auf das Wasser gelöst hat und nur noch so schlackert. Die Schraubenlöcher sind von dem dauerndem aufprallen ausgerissen. Dass dieses Blech noch da ist, ist der Tatsache zu verdanken dass die Reling daran festgemacht ist. Hätte es diese auch noch nach oben gebogen wäre womöglich die ganze Reling, zumindest der vordere Teil, abgerissen worden. Sofort hole ich den Relingsdraht den ich noch habe und wickle ihn um Bugspriet und Blech. Einige kürzere Stücke stecke ich durch die Schraubenlöcher und ziehe ihn unter dem Bugspriet durch. Das ganze sichere ich an den Enden mit Drahtklemmen die ich so fest wie möglich anziehe. Jetzt wünsche ich mir zwei Dinge: 1. dass wir kein schweres Wetter mehr bekommen und 2. wenn doch, dass dann die Konstruktion hält.

Das Groß wird mit viel Mühe abgeschlagen und verstaut, was auf dem Boot nicht so leicht ist. $Es fehlt an Platz um so ein großes Segel zusammenlegen zu können. Schwer ist das Teil dann auch noch. Mindestens so an die 30 Kilo.

Das Reservesegel ist angeschlagen, zwei Reffs sind eingebunden und so passt es einigermaßen. Das war schon schwere Arbeit am frühen Morgen.Doch das ist für heute noch nicht alles. Den Rest des Tages verbringe ich im „Keller“. Zerlege die Kraftstoffanlage und reinige sie und hoffe den Motor irgendwann wieder zum laufen zu bringen.

So ganz heimlich still und leise ist auch der Wind mit 15 Knoten wieder zurückgekehrt und segeln mit 5 Knoten in Richtung Uruguay. 1430 Meilen haben wir hinter uns. Laut GPS sind es noch 600 Meilen bis zum Ziel. Es wird aber wohl durch die dauernde Kreuzerei erheblich mehr werden.

22.12.2009

23. November 2009

Nachdem der Wind nachgelassen hat, hat er auf Süd gedreht. Es ist nicht möglich die Hauptrichtung SW zu segeln. Obwohl so hoch am Wind ist es nicht möglich die Richtung zu halten und so werden wir immer weiter in Richtung SO abgedrängt. Wir können nichts anderes tun als auf eine für uns günstige Windrichtung zu warten.

Den Sturmvögeln, die uns seit Tag en begleiten, ist die Windrichtung egal. Es ist eine Freude ihnen beim Fliegen zuzuschauen. Es erinnert mich an meine Zeit als aktiver Segelflug-Modellflieger. Es gab damals (heute bestimmt auch noch) kleine Speed Segler mit ca 1,5 – 2m Spannweite, speziell für Hang und Klippenflug. Diese Vögel oder besser diese Modelle kommen diesen Vögeln in Wendigkeit und Geschwindigkeit so wie im Flugbild sehr nahe. Dann der Flug dieser Vögel! Mit kaum einenm Flügelschlag sausen sie Zentimeter über dem Wasser dahin, steigen plötzlich steil nach oben, fliegen eine Steilkurve um dann fast im Sturzflug zurück auf das Wasser zu sausen, fangen sich kurz vor dem Aufprall ab und das Spiel beginnt von vorne. Wenn ich denen so zzusehe habe ich fast das Gefühl eine Fernsteuerung in der Hand zu halten und mein Modell in Zentimeterhöhe über das Wasser zu heizen. Nur eins konnte ich bisher noch nicht beobachten, den fast Alltag der Modellflieger mit diesen Speedmodellen: Boden bzw. Wasserberührung mit der Flügelspitze und anschließender Bruchlandung.

22.12.2009

22. November 2009

ETMAL 100,2nm

Der Wind bläst mit unverminderter Kraft. Annemarie hat Freiwache und schläft. Ich liege im Salon auf der Bank. Das Schiebeluk habe ich geschlossen damit es nicht so zieht. Hier ist es um einiges kälter als im Norden. Man kann sich ohne Jacke nicht im Freien aufhalten.Trotzdem dass ich Wache habe bin ich eingeschlafen und wache vom schlagen der Segel auf.Ich muss wohl eine Stunde oder länger geschlafen haben. Der Wind hat auf 18-20kn abgenommen und auf NO gedreht. Ich korrigiere die Richtung und wir segeln jetzt nach SW. Annemarie ist wach geworden ud übernimmt die Wache. Wir haben keine wirklich feste Einteilung, sondern sprechen uns ab. Auch über die Länge der Wache. Drei oder vier Stunden, je nach Verfassung. Wir haben da keine Probleme.

Sofort macht sich Annemarie in der Pantry zu schaffen. Sie backt Scouns für das Frühstück. Den Kuchen, den sie gestern versuchte zu backen, klatschte durch den Seegang voll gegen die Scheibe der Ofentür. Da unter dem Teig Folie war liess er sich, ziemlich verformt aber fertig gebacken, leicht von der Backofentür ablösen. Das ganze Malheur tat dem guten Geschmack in keiner Weise Abbruch. Am Vormittag haben wir immer noch 18kn Wind, jedoch die Wellen haben nur noch knapp 4 Meter und sind auch nicht mehr so aggressiv oder liegt es vielleicht am geänderten Kurs?

Während ich das so schreibe straft mich die Wirklichkeit Lügen. Ein (kleiner) Teil einer Querwelle hat gerade das Cockpit besucht. Bin froh dass ich nicht draußen war, das Wasser ist nämlich saukalt.

Annemaries Wache ist vorbei und sie schläft schon wieder eine Zeit. Wenn sie wach ist werde ich versuchen den Kurs zu ändern und auf Bb-Bug gehen. Wird dann wohl wieder etwas unruhiger werden, da wir dann höher am Wind segeln. Werde dan auch etwas mehr Segel setzen um die Geschwindigkeit zu erhöhe. Aber erst muss sich Annemarie nach ihrer 6 stündigen Wache ausschlafen. Unser größter Goldschatz ist die Automatik. Mit dem starken Motor und dem am Steuerrad angebrachten Antriebsteil, versorgt über einen Zahnriemen hat sie bis jetzt alle Umstände anstandslos bewältigt. Bei weitaus ruhigerem Wetter und weniger Welle habe ich auf die „normale“ Anlage umgeschaltet und nicht mal das hat sie geschafft. Die ST4000 ist für diesen Törn und dieses Boot absolut ungeeignet. Ist aber auch kein Wunder bei einem Antriebsmotor der aus einer Modelleisenbahn stammen könnte.

Um 11:00 Uhr haben wir den Bug gewechselt um auf unsere „Hauptkampflinie“ zurückzukehren. Das Wetter bleibt weiterhin unfreundlich und wir haben seit Tagen keine Sonne mehr gesehen. Die Luftfeuchtigkeit ist sehr hoch und die Betten samt allen anderen Klamotten sind klamm.

Nun hat der Wind es doch geschafft in Böen die 7bft (Sturmstärke) zu erreichen. Diese liegen bei 35kn(~70km/h). Da kann auch der Automat nicht mehr mithalten und wir haben keine Lust uns ans Ruder zu setzen. Deshalb haben wir Beigedreht und warten erst mal ab. Irgendwann muss sich doch dieses Sauwetter zum Besseren wenden. Es kracht und donnert wie verrückt im Schiff, wenn aussen die Brecher dagegen donnern. Die Wellen haben bestimmt ihre 5 Meter und es ist sehr, sehr ungemütlich. Die Nerven sind zum zerreißen gespannt.

Trotz Beidrehen machen wir noch immer 4kn Fahrt, teilweise sogar 5kn. Das ist zu viel. Ich muss aufs Vordeck und die Fock bergen. Ich ziehe mir Schwimmweste und Lifebelt an picke mich an der Sicherheits-Laufleine ein und hangele mich zum Vordeck. Das Boot krängt erheblich und der Bug ist mehr unter als über Wasser. Bis ich am Bug ankomme bin ich bereits Salzwasser getränkt. Mit Mühe berge ich die Fock und binde sie an der Reling fest. Dabei stehe ich teilweise fast bis zum Bauch im gerade nicht sehr warmen Wasser. Dann habe ich es aber doch geschafft und hangele mich wieder zurück ins Cockpit. Nun ist die Fahrt raus, das Schiff erheblich ruhiger und wir wettern erst mal die 5 Meter Dünung ab. Mal sehen wie lange das noch so geht. Strom muss auch wieder „gemacht“ werden und da darf das Schiff nicht zu große Schräglage haben um den Motor keinen Schaden zuzufügen weil er kein Öl mehr bekommt.

Verdammt, gerade ist meine sieben Meter lange KW Antenne abgebrochen und im Meer verschwunden. So ein Mist, jetzt habe ich keine Möglichkeit mehr zu funken oder aber auch nur mitzuhören. Nach zwei Stunden hat sich der Wind auf 18kn gelegt und setzen unsere Fahrt fort.

Zum Abend gibt es selbst eingemachtes Curryhähnchen mit Reis.

22.12.2009

21. November 2009

ETMAL 124nm

Um 1:30 Uhr werde ich wach. Ich höre Wind. Er bläst schon wieder mit 20kn. Es ist eine Schlechtwetterfront aufgezogen. Wir machen 4,5kn. Am Tag werden wir dann mehr Segel setzen.

Wir haben jetzt die Genua teilweise ausgerollt und können die Geschwindigkeit auf 6kn steigern. Wir segeln mal wieder hoch am Wind gegen die Welle. Wir fallen etwas ab, so dass wir nun mit halben Wind quer zur Welle segeln. Die Dünung hat bereits wieder ihre 3,5 Meter erreicht. Die üblichen Querläufer krachen gegen das Boot und verleihen uns eine unangenehme Krängung. Wenn die Wellen gegen das Boot knallen hört es sich an wie auf dem Rangierbahnhof wenn die Waggons aufeinander krachen.

Es ist 10:00 Uhr der Wind bläst unvermindert weiter mit bis zu 27kn. Muss ich nicht haben, kann es aber leider auch nicht ändern. Die Dünung hat bereits ihre 4 Meter erreicht. Die Wellenberge sind verdammt hoch. Ein Lob an unseren Autopiloten er meistert die Situation souverän, ohne den würden wir durchdrehen. Teilweise haben wir 8,2kn auf dem „Tacho“. Normal aber geht es so mit 6,5kn bis 7,5kn sehr flott dahin. Wichtig ist, das habe ich bei dieser „Südtour“ gelernt, dass immer genügend Fahrt im Schiff ist. Unsere Lady verhält sich hervorragend. Nur die Nässe stört enorm. Aber wie gesagt, da gibt es Handlungsbedarf.

Diese Segelei ist sehr nervtötend. Wer kam eigentlich auf die Schnapsidee nach Süden zu segeln?

Die brüllenden vierziger schicken hier ihre Boten bereits zu den dreißigern voraus.

22.12.2009

20. November 2009

ETMAL 76,8nm

Wie immer ist die Nacht unruhig. Wir haben die Fock gesetzt und das Groß mit zwei Reffs. Um 4:00 Uhr übernehme ich die Wache. Der Pilot arbeitet einwandfrei bei 20-25kn. Wir haben sehr hohe Welle und Querläufer bescheren uns eine Schräglage bis zu 35°. Das Boot verhält sich trotzdem Richtungsstabil so dass es keinerlei Probleme gibt. Beim Schlafen bin ich zwei mal von der Bank gerollt. Ich fliege auf den Boden und knalle gegen den Salontisch. (wer hat hier was von Leesegel gesagt, ich habe es genau gehört). Danach wird es mir zu dumm und ich packe mich samt Matratze auf den Boden. Annemarie ist aufgewühlt und kann nicht schlafen. Während ihrer Wache backt sie Scouns für das Frühstück. Sie hat ihre Seearmbänder angelegt (Akupressur) und nimmt eine Tablette. Dann schläft sie endlich.

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Zurückgelegte Strecke in ersten zehn Tagen

Am Vormittag lässt der Wind nach, der Seegang wird flacher und ab 15:00 Uhr stehen wir in der Flaute.

Um 23:00 Uhr stehen wir immer noch in der Flaute. Wir lassen uns treiben und gehen ins Bett.

22.12.2009

19. November 2009

ETMAL 124,8nm

Nachdem der Wind kurz abgeflaut ist, nimmt er jetzt wieder zu. Der Wind dreht weiter in eine für uns ungünstige Richtung und wir müssen nach SSO. Wir müssen den Bug wechseln um nicht zu weit von unserer Linie weg zu kommen. Bei jetzt 30kn Wind kann der Automat die Richtung nicht mehr halten. Wir verkleinern die Segel. Plötzlich hören wir es plätschern. Au, das ist ein unangenehmes Geräusch. Ich mache die Motorbilge auf. Sie ist bis oben hin voll mit Wasser. Wo kommt das her? Es kommt durch die Öffnung des Gebers für das Echolot. Genau am Rumpfdurchlass ist das Gewinde gebrochen, die Folge der Aktion bei der Abfahrt. Als der Festmacher für die Boje unter den Rumpf gerutscht ist, hat er wohl den Geber angebrochen. Was tun? Der Geber ist von außen durch geschoben und ich habe keine Möglichkeit ihn nach innen zu ziehen. Abdichten geht nicht wegen des Kabels. Es gibt nur eine Möglichkeit: Kabel abschneiden. Mit dem Seitenschneider erledige ich es. Der Geber rutscht raus und 100€ verschwinden in den Tiefen des Südatlantiks. Jetzt habe ich ein Loch im Boot, so dick wie ein Finger und das Wasser sprudelt lustig nach innen. Ich brauche was zum abdichten. Dafür gibt es vorgefertigte Holzkeile in verschiedenen Größe. Nur, haben muss man sie. Ich habe sämtliche dafür in Frage kommenden Geschäfte in Salvador abgesucht aber nichts gefunden. Annemarie meint, sie hätte noch Korken von Weinflaschen. Ich schnitze mir einen zurecht uns stopfe ihn ins Loch. Super, er passt. Gefahr, zumindest fürs erste, gebannt. Mann, da kommt Stress auf. Gegen 15:00 Uhr lässt der Wind etwas nach und der Automat steuert bei weg gerollter Genua wieder zufriedenstellend.

22.12.2009

18. November 2009

ETMAL 124,8nm

Plötzlich ist kein Strom mehr auf dem gesamten Instrumentenbrett. Der Voltmeter am Kartentisch zeigt jedoch die volle Spannung an. Das ist schon mal beruhigend. Den Fahler habe ich schnell gefunden. Eine Schraube am Schalter für das Instrumentenbrett hat sich gelockert und ist abgefallen und hat die Stromzufuhr unterbrochen. Am Nachmittag nimmt der Wind zu auf 20-24 K Knoten (Windstärke 6 bft) und die Welle hat gut 3,5 Meter. Ich verkleinere die Genua damit nicht so viel Druck auf das Ruder kommt und der Pilot die Richtung halten kann. Wir machen zwischen 6,5 und 7kn Fahrt über Grund. Ein Brecher steigt ein und spült unser Cockpit sauber. Bin ich froh dass wir jetzt einen so guten Autopiloten haben und wir nicht am Ruder stehen müssen. Die Genua haben wir jetzt fast ganz eingerollt und machen nur noch 5kn Fahrt. Bei dem Seegang und dieser Geschwindigkeit hat der Automat es nicht mehr geschafft.

Annemarie hat heute selbst eingemachte Hühnersuppe mit Nudeln Tomaten und Gurkensalat gemacht. Das haben wir uns redlich verdient. Wir sind beide ziemlich fertig heute. Es war doch sehr strapaziös. Der Ärger mit der Elektrik, der starke Wind, die dauernden Brecher usw. usw.

22.12.2009

17. November 2009

ETMAL 129,8nm

Die Nacht ist so stürmisch wie der vorhergehende Tag. Allerdings machen wir bis zu 7,5kn Fahrt. Bei diesem Tempo und den Wellen sind die Nerven bis zum zerreissen gespannt. Der Bugspriet taucht ins Wasser und beim auftauchen schleudert er jede Menge davon bis zum Cockpit.Seitlich sind auch einige Wellen eingestiegen und machen das Cockpit fast zur Badewanne. Jede Menge Wasser dringt durch den Ankerkasten ein und sammelt sich in der Bilge, aus der dann stündlich so an die 50-70 Liter Wasser gepumpt werden muss. In der Vorkabine ist alles nass. Das Wasser läuft nur so von oben als hätten wir sämtliche Luken offen. Der Doradelüfter am Bug schaufelt Wasser als sei er dafür gemacht und nicht um Wasser abzuhalten. Ich mache ihn dicht in dem ich ihm einfach drei Latex Einweghandschuhe über die Lüftungsöffnung stülpe. Das hilft. vorerst wenigstens. Die Lüfter für den Motorraum und für die Achterkabine eifern dem am Bug fleißig nach und es tropft und fließt. Hier ist noch jede Menge Handlungsbedarf gegeben.

ETMALE:

10.11.09-40,6nm
11.11.09-79,7nm
12.11.09-88,8nm
13.11.09-101,8nm
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Abfahrt von Aratu um 09:00 Uhr. Annemarie steht am Ruder und ich bediene den Anker, d.h. Wollte ich. Es rührt sich nichts, auch wenn ich noch so viel auf den Knopf drücke. Ich drücke den Abwärtsknopf, die Winsch reagiert, also ist der Schalter kaputt. Möchte ihn schnell noch auswechseln, doch die Schrauben sind fest gegammelt, sie müssen ausgebohrt werden. Das ist mir doch zu viel, wir wollen doch weg. Also ziehe ich die 40m Kette samt 25kg schweren Anker einfach mit der Hand rauf. Geht zwar ins Kreuz aber es ist zu machen. Als der Anker frei kommt sehe ich den Festmacher unserer Ankerboje, schön fest gespannt unter den Rumpf laufen. Also wurde unsere Boje nicht, wie geglaubt, geklaut, sondern sie hat sich am Boden irgendwo verhakt und hängt nun fest. Ich mache kurzen Prozess, nehme ein Messer und ab ist das Ding. Soll es doch bleiben wo der Pfeffer wächst. Diese Aktion sollte noch Folgen haben, davon aber später. Nach vier Stunden haben wir die Baia los Todos os Santos durchquert und segeln vorbei am Leuchtturm von Salvador Richtung offenes Meer. Mit Motor und Segel versuchen wir Ost zu machen um dann nach ca. 200 Meilen nach Nord zu segeln. So der Plan. Leider geht diese Taktik nicht auf. Der Wind bläst aus NO und es gibt keine Möglichkeit in Richtung Osten. Ein Fischer, der uns entgegenkommt und unser Bemühen sieht, deutet uns weit, weit nach Süden zu fahren und dann nach Ost. Wir segeln drei Tage in südliche Richtung ohne auch nur den Hauch einer Chance für eine Richtungsänderung zu haben. Wir sind bereits 200 Meilen südlich von Salvador, haben aber nur 50 Meilen Ost gemacht. Würden wir jetzt nach Nord gehen kämen wir 10 Meilen vor Salvador wieder raus. Das ist Blödsinn. Bleibt das Wetter noch länger so, die GRIB Files sagen ja, dann sind wir ca. 500 Meilen in die entgegengesetzte Richtung gesegelt bevor wir nach Nord drehen könnten. Dann allerdings ist es immer noch nicht gewiss ob Nord, besser etwas NO gehalten werden kann. Der Kriegsrat wird einberufen und wir diskutieren Alternativen. Die einzige die bleibt heißt: WEITER IN RICHTUNG SÜDEN NACH URUGUAY! Wir segeln weiter, müssen aber mehr nach SO, wir kommen nur ganz schlecht von der Küste frei. Die Wellen gehen ziemlich hoch und es schaukelt fürchterlich. Plötzlich stottert der Motor und bleibt stehen. Ich gehe nachsehen. Die Filter sind total mit brauner Brühe zugesetzt. Alle vier Filter! Ich versuche die Filter zu reinigen, gebe dies aber bei dem Seegang sofort wieder auf. Das wird eh eine Aktion von mehreren Tagen, da das gesamte Kraftstoffsystem gereinigt werden muss. Da haben die in der Werft bei der Tankreinigung allerhand Mist gebaut. Den Tank nicht richtig gereinigt, den Deckel wieder zugeschraubt und gesagt alles paletti. Jetzt haben wir die Bescherung. Mal sehen ob und was sich unterwegs machen lässt. Gott sei Dank haben wir noch 25 Liter Diesel im Kanister dabei. Dieser müsste, selbst bei täglichem Betrieb für den Generator reichen. Es ist, nun nach fünf Tagen, wieder mal kein vorwärts kommen möglich. Der Wind bläst uns genau auf die Nase. Wir drehen bei und schlafen. Wir warten auf den nächsten Tag und besseren Wind. Doch das Wetter wird schlechter.Eine Regenfront mit 25kn Wind aus SO bringt uns allerdings weiter nach SW.

Es gibt ein Lebenszeichen von Annemarie und Werner. Und sie sind angekommen, aber nicht in Trinidad wie geplant.

Leider weiß ich auch noch nicht mehr, aber sie sind wohl in einen Sturm gekommen und es soll einigen Schaden gegeben haben. Den Zweien gehts aber soweit gut. Sobald die Situation geklärt ist und es Möglichkeiten für Internetzugang gibt, werden wohl Neuigkeiten von der SY Out of Rosenheim kommen. Nur soviel ist bekannt: Aus irgendwelchen Gründen wollten die Zwei nach Uruguay und das liegt bekanntermaßen nicht auf der Route nach Trinidad. Aber auch in Uruguay sind sie nicht angekommen. Aufenthaltsort momentan: Unbekannt.

News kommen sobald es welche gibt.

09.11.2009

Der Abschied

Nun ist es leider (endlich) so weit. Der Abschied von Brasilien ist gekommen. Wir hatten hier viele schöne Monate die wir bestimmt nicht vergessen werden. Freundschaftlich Kontakte mit der einheimischen Bevölkerung bereicherte unser Wissen und unser Verständnis für andere Weltanschauungen und Mentalitäten. Klar, wir hätten weitaus mehr Eindrücke, vor allem von den landschaftlichen Schönheiten, sammeln können. Leider sind wir nicht aus dem Bereich von Salvador hinaus gekommen, denn der Aufenthalt hier diente in erster Linie der Vervollständigung unseres Bootes. Wir haben in dieser Zeit, im Rahmen unserer Möglichkeiten, viel am Schiff getan. Vieles wurde erneuert, verbessert und überholt. Brasilien wir werden wieder kommen, in einigen Jahren und dann werden wir Dich und Deine Landschaft „erforschen“.

Will man Bilanz ziehen dann gibt es Freund- und Bekanntschaften, die durchaus erwähnenswert sind. Die Gemüsefrau hier im Ort. Annemarie ist, wie ich, der Meinung, wenn schon Einkaufen, dann nicht nur in der Stadt im Supermarkt, denn der ist hier so anonym und unpersönlich wie überall auf der Welt, sondern im kleinen Laden gleich um die Ecke. Hier kommt man den Leuten näher und Kontakte werden schnell geschlossen. Also wie gesagt, wir wurden in diesem kleinen Laden, gleich beim ersten Einkauf, zuvorkommend und freundlich bedient. Annemarie suchte sich Äpfel aus die sie mitnehmen wollte. Die Ladenbesitzerin nahm diese entgegen und legte sie wieder zurück und meinte, nein nicht diese. Sie hob die oben stehende Kiste hoch und zeigte auf die frischen Äpfel darunter. Genau so machte sie es mit dem anderen Obst und Gemüse. Sie untersuchte alles sorgfältig und tauschte es aus wenn sie der Meinung war, die Qualität lasse zu wünschen übrig. Dass wir dann ab sofort unser Gemüse bei ihr kauften war klar. Das Beste dabei war, dass die Preise zu den Preisen auf dem Markt kaum anders waren. Die Supermärkte können da eh nicht mithalten, Deren Ware ist in Kühlräumen, geht daher bei der anschließenden Aufbewahrung ohne Kühlung viel schneller kaputt, ganz zu schweigen von den erheblich höheren Preis. Zurück zum Gemüseladen vor Ort. Wir bestellten eine Woche vor der Überfahrt nach Trinidad eine größere Menge an Obst , Eiern und frischem Gemüse, das sie sich erst am Tag der Auslieferung bringen ließ. Der besondere Service dabei: alles wurde uns von ihr mit dem Wassertaxi der Marina ans Boot gebracht.

Ein weiterer Kontakt der der Erwähnung wert ist heißt Allan und hat in Salvador, zwei Minuten zu Fuß vom Nautic Club entfernt, einen Copy Laden. Dort findet man alles was des Seglers Herz in Bezug auf Karten und Programme erfreut. Die Auswahl von Seekarten im DIN A3 Format in Farbe kopiert liegt so bei einigen hundert Exemplaren. Preis pro Karte ca.5,00€. Ebenso gibt es Segelführer, diese allerdings nur in englisch. Das angeschlossene Internet Cafe lohnt den Besuch zusätzlich. Tintenpatronen für den Drucker, neu oder Refill ist kein Problem. Allans Entgegenkommen und Beratung ist enorm. Ich habe bei ihm MaxSea und Bluechart gekauft. Er kam zu uns aufs Boot und installierte die Programme und GPS. Das dauerte ca. eine Stunde. Kosten? Keine! Das gehört zum Service. Beide Programme zusammen inklusive Weltkartensatz kosteten mich 340 Rials, die ich auf 240 runter handeln konnte. Das sind umgerechnet ca 100 €. Klar dass diese Programme gecrackt sind aber das, so meinte er, interessiert hier in Brasilien niemand, deshalb könne er diese auch ganz offiziell im Laden verkaufen. In französisch Guyana und in Deutschland, sagte er verschmitzt, solle ich damit doch ein wenig vorsichtig sein. In beiden Ländern wird unser Schiff wohl nie vor Anker gehen. Ein weiterer Vorteil von Allen: er spricht sehr gut englisch.

Ich habe diese beiden aus der langen Liste der guten Kontakte heraus gesucht, da sie wirklich der Erwähnung wert sind. Das wären zwar die anderen auch aber das würde den Rahmen dieses Berichtes sprengen.

Wen ich aber unbedingt noch erwähnen muss das ist Manfred, zu dem wir inzwischen eine freundschaftliche Beziehung aufgebaut haben. Er ist Deutscher, lebt aber  seit Geburt in Brasilien. Ihm habe ich auch den Auftrag gegeben meinen Autopiloten einen stärkeren Motor zu verpassen. Leider gibt es da immer noch Probleme die nicht vorherzusehen waren. Die Elektronik verträgt sich, trotz zwischengeschalteter Relais, nicht mit dem stärkeren Motor . Falls dies nicht zu lösen ist, werden wir uns von ihm einen zweiten unabhängigen Autopiloten einbauen lassen. Für die vor uns stehenden 2800 Meilen (ca. 5000km) bis nach Trinidad sind wir dieses mal nicht gewillt, wie bei der Atlantiküberquerung, die meiste Zeit selbst am Ruder zu stehen. Der vorhandene Pilot wurde von Manfred auseinander gebaut und ebenfalls repariert. Glück gehabt, er stand nämlich kurz vor dem Totalausfall. Die Arretierung des Motors war gebrochen, so dass sich das ganze System im inneren des Gehäuses drehen konnte und kurz davor stand die elektrischen Verbindungen abzureissen. Kein Wunder dass damit kein vernünftiger Kurs gehalten werden konnte. Dieses Risiko wollen wir, mit eben diesen zweiten Automaten, dieses mal nicht eingehen.

Leider haben wir bei dieser Etappe nicht die Möglichkeit Nachrichten während unserer Zeit auf See zu übermitteln. Ich habe zwar KW-Funk aber leider keine Lizenz und so darf ich mich nicht mit “lizensierten“ Amateurfunkern unterhalten, die dann in der Lage wären meine Position weiter zu geben oder sie ins Netz zu setzen. Ein Blick auf diese Seite könnte sich aber vielleicht doch lohnen, denn mein Sohn wird versuchen nach Möglichkeit die Seite bis zu meiner Ankunft in Trinidad weiter zu führen.

Damit verabschiede ich mich für die nächsten vier Wochen.

Tschau Brasilien und ein bis bald an alle die treuen Leser dieser Webseite.

26.10.2009

25. Oktober 2009

Ein immer währendes Thema auf Segelyachten ist der Strom. Egal wie viel man hat, es ist immer zu wenig und die „Herstellung“ kostet. Es gibt verschiedene Möglichkeiten und Alternativen. Wie gesagt es sind Alternativen. Ob Windgenerator, Wellengenerator, Solarenergie, keine der vorgenannten Systeme ist immer in der Lage die Batterien voll zu laden. Wind, Fahrt durchs Wasser oder Sonne sind nicht immer gegeben aber trotzdem braucht man Strom. Bleibt also nur noch ein Generator. Beim Blick in den Katalog gibt mein Geldbeutel einen Schrei von sich. Außerdem sind es nur 220V Generatoren die mit Benzin betrieben werden. Beides kommt für mich nicht in Frage. Mit 220V kann ich keine Batterien laden, die 12V Anschlüsse, falls überhaupt vorhanden bringen nur wenige Ampere und sind zum Laden nur im Notfall zu gebrauchen. Dann der Benzinmotor. Der Generator soll im Motorraum untergebracht werden in dem sich auch die Elektrik befindet. Die Gefahr dass evtl. durch Funken ein Unglück passiert ist mir zu groß. Also bleibt nur noch die Möglichkeit selbst einen Generator zu bauen.

Im Internet habe ich einen fünf PS Einzylinder Dieselmotor mit Elektrostarter für unter 400 EU ersteigert, ebenso eine 12V Lichtmaschine mit einer Leistung von 150 Ampere. Beides wurde auf eine Stahlplatte geschraubt welche wiederum durch Gummipuffer gedämpft auf eine weitere Platte montiert wurde. Das alles wurde dann im Motorraum verankert.

Was jetzt noch fehlte war ein leistungsstarker Regler. Die in der Lichtmaschine eingebauten Standartregler sind dazu kaum geeignet. Ein Sterling Hochleistungsregler schien mir dafür das Beste. Dieser neu entwickelte Regler lädt die Batterien mit der schonenden vierstufigen IUoUo Kennlinie. Er ist Temperatur gesteuert und schaltet die Lichtmaschine bei erreichen einer Temperatur von 95°C ab, lässt sie im „Leerlauf“ weiter laufen und schaltet dann bei 65°C wieder ein. Der Regler lädt die Batterien mit der höchst zulässigen Spannung von 14,8V (offene Blei-Säure Batterien, alle anderen werden nur mit 14,4V geladen) und den höchstmöglichen Ampere (25% der Batteriekapazität) während der gesamten Ladezeit.

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Das belastet natürlich die Batterien. Offene Blei-Säure Batterien schaffen das am besten und haben noch dazu den Vorteil dass sie die billigsten sind. Man sollte allerdings alle vier Wochen den Wasserstand prüfen. Es können aber auch AGM oder Gel Batterien geladen werden, allerdings mit niedrigerer Leistung. Dies kann eingestellt werden (auch für 24V).

Obwohl „Fachleute“ mir den Rat gaben dass das nie funktionieren würde läuft mein Generator jetzt bereits über 500 Stunden ohne ernsthafte Störung. Bis auf einmal als er durch meine Schuld voll mit Salzwasser gelaufen ist. Aber das packt wohl kein Motor. Die Lichtmaschine hat dieses Malheur klaglos überstanden. Ich lasse die Batteriebänke bis maximal 75% (12,48V) entladen bis ich sie wieder lade. Meine große Bank mit 340Ah braucht dann genau eine Stunde bis der Regler in die Erhaltungsladung (13,8V) schaltet und die Batterie wieder voll ist (12,85V).

Eine Entladung nicht unter 75% (12,48V) und ein Impulser, verlängern die Lebensdauer einer Batterie um Jahre.

Einen Nachteil des gesamten Systems will aber auch nicht verschweigen. Dieser Generator hat wirklich nichts mit den sogenannten „Flüstergeneratoren“ zu tun. Er ist wirklich laut. Ein Diesel eben. Aber alle paar Tage für eine Stunde den Diesel „nageln“ zu hören ist meines Erachtens nach auszuhalten.

Ein Wort noch zu den „Betriebskosten“ Ich lasse den Motor mit Halbgas laufen, dabei braucht er (gemessen über insgesamt 500std) 0,34l/h. Oder anders ausgedrückt, der 3Liter Tank reicht für knapp 9 Std. Ist allemal billiger als die große Maschine laufen zu lassen.

22.10.2009

21. Oktober 2009

Nach längerer Abstinenz will ich heute mal wieder einen Bericht schreiben. Im Großen und Ganzen ist nichts weltbewegendes passiert. Aber so kleine Vorkommnisse und auch Ärgernisse gibt es immer.

Wir sind mal wieder in Salvador um unsere leere Kasse auf zu füllen. Alle Banken sind mit roten Streifen beklebt auf denen „Greve“ steht . Wir bekommen schnell heraus dass das Streik heißt und wir kein Geld bekommen. Natürlich sind die Automaten alle „out of order“. Also ziehen wir wieder unverrichteter Dinge ab und fahren die 30 Kilometer wieder mit dem Bus zurück nach Aratu. Wir werden es nächste Woche nochmal versuchen vielleicht ist der Streik dann vorbei.

Die nächste Woche ist da und der Streik auch noch. Sicherheitshalber hat aber Annemarie unsere gesamte „eiserne Reserve“ mitgenommen, denn wir müssen langsam aber sicher unsere Vorräte auffüllen für die Überfahrt nach Trinidad. Diesmal können wir wenigstens einkaufen und sind nicht ganz umsonst in der Weltgeschichte rumgefahren. In der Nähe der Bank, ich will gerade in den Bus einsteigen, Annemarie ist schon drin, kommen drei Frauen an, schubsen mich auf die Seite und drängeln wie wild, obwohl es dazu (offensichtlich) überhaupt keinen Grund gibt In den Bussen gibt es am hinteren Eingang Drehgitter durch die man nach bezahlen des Fahrgeldes durch muss, dort staut sich natürlich alles. Also weiter im Text. Zwei Frauen kreisen nun Annemarie ein und drängeln ganz fürchterlich, während die dritte sie von oben bis unten abfingert um etwas Wertvolles, z.B. einen Geldbeutel im Gürtel ein Armband oder eine Armbanduhr zu finden.Da haben sie nicht mit Annemarie gerechnet. Die Tasche in der sie ihr Geld hat presst sie fest an sich und fängt laut an zu schreien. Die anderen Fahrgäste werden aufmerksam und drehen sich um. So viel Aufmerksamkeit ist den „Damen“ zu viel und sie verlassen fluchtartig alle drei den Bus, noch bevor der losgefahren ist. Hätten sie Erfolg gehabt, heute hätte es sich gelohnt. Normal haben wir nie mehr als 100 Rials (ca. 40 EU) dabei aber heute wollen wir, wie gesagt Großeinkauf machen. Voll bepackt mit haltbaren Lebensmitteln kehren wir per Taxi zum Boot zurück.

Schon wieder mit dem Bus unterwegs. Diesmal doppelt so weit (60km einfach) von Aratu nach Salvador-Saude zum deutschen Konsulat. Wir haben dort einen Termin vereinbart denn die Rentenversicherung hat mir geschrieben dass sie ein amtlich beglaubigtes (jährliches) Lebenszeichen von mir haben will und dafür ist nun mal das Konsulat zuständig. Wir kommen pünktlich an und müssen noch etwas warten. Der Konsul ist im Moment außer Haus. Wir gehen in der Zwischenzeit spazieren und nach einer Stunde werden wir vom Konsul empfangen. Er ist ein etwa 55 jähriger großer und grauhaariger Mann mit einer stattlichen Figur. Sieht eher aus wie ein Abenteurer und nicht wie ein Diplomat. Er ist sehr sympathisch und wir unterhalten uns mindestens eine halbe Stunde mit ihm, während die anderen Leute warten müssen. Er gibt uns viele gute Tipps für Brasilien und die anderen Länder wie z.B. Venezuela, wo wir ja auch hin wollen. Er setzt seine Unterschrift auf das Dokument und gibt es zurück. Dafür bekommt er von uns die bayrische Fahne und ein Postkarten großes Bild von der Out of Rosenheim mit einer Widmung, worüber er sehr erstaunt ist und sich auch sehr freut.

Auf der Out of Rosenheim gibt es so viel nicht zu tun eigentlich alles nur „Kleinigkeiten“ die aber auch getan werden wollen. Wie z.B. der komplette Umbau der Kraftstoffanlage des Dieselmotors. Da habe ich unter anderem weitere Filter eingebaut damit ich von einem System auf das andere umschalten kann falls ein Filter verstopft. Dann habe ich an unseren brasilianischen Freund Manfred einen Auftrag vergeben. Er soll mir ein Backup System für den Autopiloten bauen. Das sieht so aus dass er an die gleiche Elektronik einen zweiten Motor hängt und zwar einen starken Scheibenwischermotor aus einem PKW. Da baut er nun schon seit längerer Zeit dran rum. Er hat Probleme mit den Relais. Es gibt nur 12V, er aber braucht welche mit 6V. Wenn alles fertig ist werde ich einen Bericht darüber schreiben.

Dann gibt es wieder andere Tage, nichts was die Welt aus den Angeln hebt, nur fürchterlich ärgerlich, was aber auch wieder subjektiv ist. Letzte Woche war so ein Tag.

Es geht morgens um 4:30 bereits an. Ich höre im Halbschlaf Wasser plätschern und die Pumpe laufen. Gleich bin ich wach und springe aus dem Bett. Als erstes mal die Pumpe abgestellt und dann Bodenbretter auf und in die Bilge geschaut. Dort kann ich nichts feststellen, sehe nur dass das Wasser aus irgendeinem Schlauch kommt. So steige ich in den Motorraum und such nach der Ursache. Sie ist schnell gefunden. An der Trennstelle des Wasserschlauchs vom Wasseraufbereiter ist die Verbindung auseinander gegangen. Die Verbindung wieder zusammen gesteckt und ab ins Bett. Nun ist auch Annemarie wach geworden und kann nicht mehr schlafen. Fängt sie doch tatsächlich, es ist inzwischen fünf Uhr geworden, an Kaffee zu kochen und Kuchen zu backen. Verdammt ich will doch noch schlafen. Na gut, das ist auch bald vorbei und es ist wieder Ruhe im Schiff. Ruhe? Von wegen. Was ich jetzt höre habe ich heute schon mal gehört. Wasser plätschert und die Pumpe läuft. Also wieder raus aus dem Bett in den Keller getaucht und die Schlauchverbindung wieder zusammen gesteckt. Diesmal aber mit Kabelbindern gesichert. Die ärgern mich nicht nochmal. Nun hat es auch keinen Zweck mehr ins Bett zu gehen und so trinken wir im Cockpit Kaffee und essen den frischen Streuselkuchen.

Wir haben uns eine ganz nagelneue Garnitur an Schaumstoffkissen bzw. Polstern einschließlich Rückenlehnen machen lassen. Mit einem Bezug von dem wir in Europa (finanziell gesehen) nur hätten träumen können. Hier aber geht es (für uns) gerade noch so. Da der Tag schon so gut angefangen hat geht er auch genau so gut weiter. Statt den Becher mit Kaffee zu trinken schüttet ihn Annemarie über die neue Garnitur. Jetzt ist sie getauft worden und hat gleichzeitig ihre Feuerprobe bestanden. Der Kaffee perlt ab ohne die geringste Spur zu hinterlassen. Das qualitativ hochwertige Material hat sich nun zum ersten mal bewährt.

Dass das neu „bepolsterte“ Cockpit fotografiert werden muss ist doch wohl klar. Also Kamera raus, die Polster schön im Cockpit drapiert und auf den Auslöser gedrückt. Was ist das? Nur Streifen auf dem Display und ebenfalls auf dem Bild. Na Klasse, die Kamera, obwohl noch in der Garantiezeit, hat ihren Geist aufgegeben. Aber was heißt schon Garantie? Gekauft in Lanzarote und verabschiedet in Brasilien. Wem soll ich das Teil zum Umtausch bringen ohne nur kopfschütteln und mitleidiges Lächeln zu ernten? Vor Wut werfe ich das Teil in die Mülltüte aber mein Admiral holt es hinter meinem Rücken schnell wieder raus. Man kann nie wissen…

In Aratu in der Werft haben wir vor einiger Zeit unseren großen Dieseltank reinigen lassen und seit dem ist er leer. Doch im Laufe des Vormittags werde ich mich zur Tankstelle fahren lassen und sieben Kanister zu je 20 Liter Diesel holen. Diesen will ich dann in den Tank schütten und nach jedem Kanister auf dem Messstab eine Marke anbringen. So habe ich dann später die genaue Kontrolle über den Tankinhalt. Ich nehme die Kanister verstaue sie im Dinghy und fahre an Land. Wenig später komme ich mit einem Teil der gefüllten Kanister wieder zurück, denn alle passen gefüllt nicht mehr ins Boot. Als ich ankomme wartet Annemarie bereits auf mich und hält mir was entgegen. „Schau mal was ich auf Deck gefunden habe“ werde ich begrüßt. Hält sie doch tatsächlich den Verklicker (für Nichtsegler: Windrichtungsanzeiger) in der Hand. Er war abgegammelt und vom Mast aufs Deck gefallen. Super, ich freue mich ja so. Was kommt denn heute noch alles. Oder besser gefragt was schwimmt heute noch alles weg. Hier die Antwort: das Dinghy. Während ich an Deck bzw. im Salon bin, der Wind hat aufgefrischt und die Wellen gehen etwas höher, hat sich das Dinghy vom Boot gelöst und treibt nun lustig weg. Was tun? Hinterher? Schnell überlege ich, springe ich hinterher und erwische das Boot nicht weil es zu schnell abtreibt und ich müde werde, dann komme ich in ernste Gefahr. Bis zum Land ist es zu weit und gegen Wind und Welle komme ich nicht an. Während ich das denke werfe ich bereits meine Mütze und die Brille aufs Deck und springe samt Klamotten einschließlich Schuhe hinterher. Nach 50 Metern habe ich das Dinghy eingeholt. Der erste Versuch an Bord zu kommen misslingt. Die Schwimmkörper sind doch ziemlich dick und erschweren das aufentern. Der zweite Versuch klappt und ich bin an Bord. Mann bin ich fit, hätte ich nicht von mir geglaubt. Allerdings ist das Adrenalin in Strömen geflossen. Motor angeschmissen und erst gar nicht ans Schiff gefahren sondern gleich weiter zum Steg, da stehen nämlich die restlichen Spritkanister und ich will nicht, dass da jemand noch welche dazu stellt. Was soll ich mit so viel Sprit? Aber wie es an so einem Tag halt so ist bleibt der Außenborder stehen und ich treibe so lustig wieder in die Richtung aus der ich gerade komme. Der Fehler ist allerdings schnell gefunden. Bei der ganzen vorherigen Aktion hat sich der Benzinschlauch gelöst ohne abgefallen zu sein. Schlauch schnell wieder aufgesteckt und der Motor springt sofort an und ich kann weiter fahren. Am Steg angekommen suche ich meine Kanister und…? sie sind noch alle da! Schnell bin ich wieder zurück auf dem Boot und lade die Kanister aus. Ich fülle sie langsam in den Haupttank um. Als die ganzen 140 Liter im Tank sind fülle ich erst mal meinen Tagestank auf. Die Dieselmaschine brummt vor sich hin und der Diesel läuft vom Haupttank in den Tagestank. Gerade will ich den Motor ausmachen als ich eine Unregelmäßigkeit in der Motordrehzahl höre. Die Drehzahl erhöht sich kurz, der Motor stottert und bleibt stehen. Hat man da noch Töne? Ich drehe an den Filtern den Wasserabscheider auf und es rinnen mindestens 100ml Wasser raus. Verdammt da haben die in der Werft den Tank nicht richtig sauber gemacht und Wasser drin stehen lassen. Ich mache mich sofort ans entlüften und versuche den Motor wieder in Gang zu bringen. Aber es geht nicht. Die Batterie ist leer gelutscht und ich muss sie erst mit dem Generator laden. Der hat übrigens auch einen leeren Tank. Also fülle ich ihm zwei Liter per Hand nach doch der Schlauch fällt mir vom Trichter und der Diesel läuft nicht mehr in den Tank sondern in den Motorraum. Jetzt reichts aber! Ich habe das Gefühl es gibt gleich einen riesigen Knall und dann hat es mich vor lauter Wut zerrissen. Auf den Knall warte ich vergebens aber die Wut bleibt. Heute reichts aber ganz bestimmt. Schluss, aus, unter die Dusche und dann ins Bett.

Nachtrag: Am nächsten Tag lief alles wie geschmiert, der Motor war schnell entlüftet, die Batterie aufgefüllt und alles ist wieder eitel Sonnenschein :-)

1.09.2009

31. August 2009

Zur Zeit gibt es wohl nicht viel zu berichten von der Out of Rosenheim. Es erreichen mich hier in Deutschland keine neuen Berichte, nur ab und zu Fragen für Formeln in einer Exel-Tabelle :-D und ein paar Bilder. Es scheint, es gibt auf der Out of Rosenheim wenig zu tun momentan:

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Zeit für selbstgebackene Brote und Hefezöpfe. Sieht lecker aus.

23.08.2009

22. August 2009

Der Skipper hat nach mehr als 40! Jahren seine Liebe zu seinem ehemaligen Beruf entdeckt. Eine sehr schmackhafte Liebe, vor allem im Ausland und von gutem Brot verwöhnte Deutsche :-)

 

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“deutsche Semmeln“ in Brasilien

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so schmeckt das Frühstück

Ach ja, hätte ich bald vergessen. Ab und zu bekomme ich über das Internet Nachrichten und die sind TOP SECRET

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