Da wir uns bis Januar 2016 in Deutschland befinden und bis dahin kein neuer Bericht erscheint bringe ich hier nochmal den Anfang aller Anfänge von 2006 als wir unser Boot nach Lanzarote überführten. Diesen Beitrag habe ich in diesem Blog bereits 2006 veröffentlicht.

Unser Traum
Annemarie Sussmann – Werner Haltmayer
Törn von Kroatien nach Lanzarote
„Wir kaufen schnell mal ein Boot und bringen es auf die Kanaren“.
Was zwei fast naive so erlebten. Diese Zeilen sollten nicht zur Abschreckung dienen, sondern nur erzählen was wir wirklich erlebt haben.
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Gewidmet unseren Müttern Ella und Elsa.
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Es ist soweit, unser Traum hat sich erfüllt, am 01.07.06 unterschreibt Werner den Kaufvertrag für die Alan Pape 39, (Länge 11,80m Breite 3.60m)ein cuttergetakeltes Stahlschiff mit Mittelcockpit, eine ältere Dame, Baujahr 1982 und zu Wasser gelassen 1996. Wer Anny Hill`s Buch „Mit kleinem Geld auf großer Fahrt“ gelesen hat, kann verstehen, dass auch wir ein zuverlässiges, seegängiges Boot ohne großen technischen Schnickschnack (der sowieso nie funktioniert und immer dann, wenn man ihn braucht, kaputt ist) suchten und wie wir jetzt wissen, gefunden haben.
Out of Rosenheim damals noch Lastavica
Ich, wo ich doch am Wasser groß geworden bin, immer den Seglern auf der Havel zusah wie sie auf und ab segelten , kam eigentlich nie selbst auf die Idee einmal segeln zu lernen. Als ich nach Bayern zog erst recht nicht, war mit Ehe und Kindern beschäftigt. Bei der Neuordnung meines Lebens trat Werner in dieses und begeisterte mich für Klettern und Segeln. Da war es um mich geschehen.
Nach vielen Chartertörns mit Freunden beschließen wir, unseren Wissenstand durch Schulung zu festigen. Unser erster Törn allein ist toll und wir arbeiteten im Geiste immer mehr darauf hin ein eigenes Schiff zu besitzen und auf große Fahrt zu gehen. Um dieses zu verwirklichen, beschließen wir, Werner 54 und ich 50, nach Lanzarote auszuwandern um durch selbständige Arbeit unser Ziel zu erreichen.
Belächelt werden wir immer wieder, aber wer ein Ziel im Auge hat soll dieses auch behalten und sich nicht von anderen (Neidern?!?) beirren lassen. Nun ist Werner 63, seine Firma verkauft und wir sehen „unser Schiff“ im Internet. Es liegt in Kroatien. Werner fliegt hin und macht den Kauf perfekt. Eine Woche später bin ich auch da. Mein Geschäft bleibt für 8 Wochen geschlossen, da ich noch keinen Käufer gefunden habe. Wir packen Proviant ein, müssen dann noch nach Zadar und dann kann es losgehen, zurück nach Lanzarote. Ach nein, wir müssen noch auf unser Sprayhood (Spritzverdeck) warten. Das leisten wir uns.
Ich liege im Salon und denke an die Leute zurück, die uns dies ausreden wollten, „bedenkt euer Alter, ihr seid nicht mehr so fit, was ist wenn ihr krank werdet, ihr seid doch in Deutschland versichert? Und und und. Dies sind die Zauderer, die so etwas oder Ähnliches auch gerne unternehmen würden, sich aber nicht trauen. Sie haben dann tausend Ausreden warum es für sie unmöglich ist dies zu tun. Die anderen sind die Ängstlichen, die außerhalb ihres Ortes sowieso nichts unternehmen würden, ganz zu schweigen von einer Unternehmung, dessen Ausgang nicht gewiss ist.
Werner fährt, eigentlich fliegt, mit dem Bargeld für den Schiffskauf nach Kroatien, „nein das ist viel zu gefährlich, was da alles passieren kann!!“. Mein Vater pflegte zu sagen „wage es, aber wäge es vorher gut ab, dann gewinnst du“. Wenn wir unseren Traum nicht verwirklichen können, was wollen wir dann? Versauern? Nur Oma und Opa sein? Nicht, dass ich etwas dagegen hätte, aber ist das alles? Muss man denn in dieser Gesellschaft ab einem gewissen Alter krank sein und am Krückstock gehen oder darf man noch mal das Leben so richtig genießen? Ich möchte allen Mut machen, den Weg zu gehen den man gehen möchte und sich nicht von Zauderern & Co. ablenken lassen. Natürlich sollte man nicht leichtfertig sein, alles in Ruhe bedenken und abwägen aber auch etwas riskieren. Man lebt nur einmal. Um es mit den Worten meiner Mutter zu sagen: „60 ist ein tolles Alter, egal was du tust, es heißt doch immer, na ja die spinnt“. Also spinnen wir auch und packen’s an.
Jetzt bin ich schon eine Woche in Sukosan und es wird Zeit, dass wir abhauen. Unser Sprayhood ist noch nicht fertig. Werner versucht Gas zu bekommen, was hier eigenartigerweise nicht so einfach ist. Woher haben die Charterflotten das Gas? Innerhalb der Marina und in Sukosan keine Chance! Unser Broker, dessen Aufgabe es sicher nicht ist, hilft uns Gas zu bekommen, welches wir in Zadar finden, nur Pech, dass der Anschluss, obwohl kroatische Flasche, nicht passt. Also noch mal nach Zadar und eine neue Flasche mit passenden Anschluss gekauft und wieder zurück zur Füllstation. Ein „Fachmann“ baut uns die neue Flasche samt neuem Anschluss ein. Gestern haben wir dann noch die Dichtigkeit der Luken und Bullaugen geprüft. Oh je, mehr Wasser innen als außen. Nach dem säubern und einfetten der Gummidichtungen noch mal Wasser marsch. Es kommt durchs Glas. Also Glas ausbauen. Dann sehen wir es. Der Kitt, wir nehmen es an, dass es noch welcher ist, ist ausgetrocknet und bröselt. Also spezielles Silikon muss her, welch ein Wunder, dies gibt es im Nautik- Geschäft in der Marina. Also gekauft, alles ausgebaut, gesäubert, Silikon aufgetragen, Glas eingesetzt und wieder festgeschraubt. Morgen prüfen wir ob unsere Arbeit gut ist. Nur gut, dass wir noch soviel Zeit haben. Auch die Luken müssen bei dieser „Dichtungsaktion“ dran glauben. Nach diesem „Dichtungstag“ beschließen wir, uns Bier und Pizza zu genehmigen.
Warum soll alles glatt gehen, es wäre zu schön. Unser Typ mit dem Sprayhood ist vermutlich ein Gauner, jedenfalls ist er nicht zuverlässig. Man verweist uns extra auf die Firma Madex. Diese vereinbart ein Treffen in der Marina. Ein Herr begleitet Werner zum Schiff, nimmt Maß und kassiert 500 € als Anzahlung. In der Zwischenzeit haben wir festgestellt, da Werner noch mal bei der Firma Madex war, dass diese mit dem Auftrag nichts zu tun hat. Es gibt eine in der Marina nicht ansässige Firma, Pinet, die für die Marina keine Konzession besitzt, aber trotzdem dort tätig ist und des Öfteren durch ihre Unzuverlässigkeit Probleme bereitet. Werner wird versuchen über die Marinaleitung Druck auf die Firma Pinet auszuüben, damit wir das Sprayhood oder unser Geld wieder zurückbekommen und wir es nicht aus dem Fenster geworfen haben, Wir werden nämlich von einem auf den anderen Tag vertröstet. Heute Mittwoch kein Ausklarieren, wir haben dies auf Freitag verschoben, da noch nicht alle Papiere da sind. Heute morgen bringt uns unser Broker den Versicherungsvertrag, der per E-Mail angekommen ist. Es lebe das Computerzeitalter, auch wenn ich manchmal darüber schimpfe.
Gerade schiebt sich eine dunkle Wolke vor die Sonne, es ist Gewitter angesagt. Heute morgen weht ein heißes Lüftchen, sodass ich mich nach unseren angenehmen Nordwind bei uns auf Lanzarote sehne. Ich glaube Werner muss sich jetzt etwas stärken, es ist bereits 14:00 Uhr und er ist immer noch dabei die Wegpunkte der Route festzulegen.
Unser Boot ist dicht und unser Sprayhood soll heute auch fertig werden. Wir warten, aber leider vergeblich. Nach einem Telefonat seitens der Rezeption der Marina mit der Firma Pinet wird uns zugesichert, dass das Geld hinterlegt wird und wir es abholen können. Also kein Sprayhood, aber das Geld (Gott sei Dank) wieder zurück. Unter dem Strich gesagt, Finger weg von dieser Firma.
Werner stellt fest, dass er zwei gleiche Seekarten gekauft hat, dafür aber die Karte Brindisi – Crotone fehlt. Letzte Nacht hat ein unter Schweizer Flagge fahrendes Schiff in unserer Nachbarschaft angelegt. Ich gehe hin und frage ob er vielleicht aus Richtung Italien komme und evtl. davon eine Karte habe. Der Eigner erzählt, dass er aus der französischen Schweiz sei und er über Italien und Griechenland nach Kroatien segele. Er schenkt uns die noch fehlende Karte. Er will nichts annehmen und trinkt auch kein Bier oder Wein. Es ist einfach zu heiß, auch für einen guten Tropfen Roten. Wir werden uns gern an ihn erinnern. Inzwischen sind die restlichen Unterlagen der Versicherung sowie Werners Papiere angekommen. Werner macht alles klar und dann die Frage: Schlauchboot verstauen oder an Deck lassen. Wir entschließen uns es an Deck zu lasse. Wir vertäuen das Schlauchboot auf dem Achterdeck. Abfahrt am Freitag den 14.07.06 von Sukosan nach Zadar zum Zoll und zum ausklarieren. Das Schiff ist unter kroatischer Flagge registriert, also muss mithilfe eines Agenten das Schiff für die Ausfuhr, sprich Export, fertig gemacht werden. Nach dem Ausklarieren bei der Hafenbehörde kann´s losgehen. Von Zadar aus geht es direkt in Richtung Dugi Otok um so schnell wie möglich aufs offene Meer zu kommen. Wir fahren mit Motor, wegen fehlendem Wind und auch um die verlorene Zeit, wir sind in Zadar erst mittags weggekommen, einzuholen. Wir wollen noch bei Tageslicht aus dem Inselbereich heraus sein. Gut, dass wir bei der Vorbereitung und beim Ausbildungstörn die Celastica Bucht und deren Einfahrt in und auswendig kennen gelernt haben. Sobald wir im offenen Gewässer sind setzen wir Segel und machen gute Fahrt, die jedoch nicht allzu lange dauert, da bald der Wind ständig die Richtung wechselt und wir den Kurs nicht mehr halten können. Also beschließt Werner in der Nacht den Motor anzuwerfen. Dabei stellen wir fest, dass die Batterien fast leer sind. Wir haben vergessen den Kühlschrank auszumachen. Gegen acht Uhr morgens macht Werner den Autopilot an und ich lege mich ins Cockpit um zu schlafen. Werner erst später.
Wir sind nun weit draußen in der Höhe von Dubrovnik und motoren schon wieder. Dies ist unsere erste Nacht auf See. Wir haben uns vorgenommen beide auf Wache zu gehen und abwechselnd im Cockpit zu schlafen, was den Vorteil bringt, dass bei Gefahrensituationen der zweite Mann (Frau) sofort einsatzbereit ist. Am nächsten Tag um 21:30 Uhr ist es mal wieder aus mit segeln. Der Wind kommt aus unterschiedlichen Richtungen, also Genua eingerollt, nur das Groß bleibt zur Stabilisierung stehen. Motor an. Die Nacht ist stockfinster und um 23:15 Uhr geht endlich der Mond auf, es ist nicht mehr so dunkel. Um ca. 22:30 Uhr ich glaube wir sind in der Höhe von Vis, kommt ein großes Schiff (Fähre?) auf uns zu. Wir haben die Positionslampen wegen Stromerparnis ausgeschaltet und nur den Blitzer an. Gut dass der Motor läuft und wir mit Vollgas wegfahren können. Er hat uns aber gesehen und strahlt uns mit seinen riesigen Scheinwerfern an und dreht leicht ab. Es ist ok, wir kommen schnell genug weg. Werner blinkt mit dem Handscheinwerfer zurück. Wir beschließen nun den Motor des Nachts mitlaufen zu lassen so lange so ein starker Schiffsverkehr herrscht und auch um die Batterien zu laden. Zwischendurch versuchen wir allerdings immer wieder zu segeln, sobald etwas Wind aufkommt. In Höhe Ancona kreuzt uns ein 52 Fuß Racer in Richtung Italien, der hat den richtigen Wind. Und wir? Aus mit der Dümpelei, Motor an. Wir richten uns für die Nacht ein, Wasser, Scheinwerfer, Fernglas. Werner geht ans Ruder. Die Wellen sind heftig und so gut wie kein Wind aber es ist warm. Kurze Hose und Fleechemd sind genug. Nur ich habe eine dicke Jacke an, da ich doch etwas übermüdet bin und mir deshalb kalt ist. Ich liege mit angelegten Lifebelts im Cockpit und versuche zu schlafen als Werner anfängt zu fluchen. Das Ruder ist nur noch sehr schwer zu bewegen. Er will nach der Ursache sehen und deshalb übernehme ich. Nichts geht mehr, ich kann es nicht mehr bewegen. Übermüdet übernimmt Werner also wieder das Ruder. Immer wieder kommen die Wellen von achtern oder Backbord und schieben uns. Dadurch läuft das Schiff immer wieder aus dem Ruder. Wir können uns nicht erklären was es sein könnte. Als der Mond aufgeht, ich sehne mich richtig nach ihm, erscheint das Meer nicht mehr ganz so bedrohlich. Das Ruder lässt sich im Moment wieder etwas leichter bewegen und ich übernehme es. Werner kann endlich schlafen. Damit wir ausgeruhter sind, beschließen wir, dass jeder nur eine Stunde Wache geht. Ich habe Werner länger schlafen lassen, er hat es nötig. Wenn ich am Ruder stehe bzw. sitze, dann sehen die Wellen nicht so groß aus und ich rede mit meiner „Lady“. Diesen Kosenamen habe ich unserem Schiff in der ersten Nacht gegeben und sie hört darauf. In dieser Nacht heißt es aufpassen. Es herrscht reger Schiffsverkehr. Wir fahren parallel zum Verkehrstrennungsgebiet, ca. 60 Meilen von der Küste entfernt. Mitten in der Adria sehen wir ein Felsmassiv, das in der Karte mit Palagruza bezeichnet ist. Da das Ruder wieder etwas leichter geht hat Werner den Autopiloten angemacht. Als es hell wird und leichter Wind aufkommt wollen wir die Genua setzen, dabei bemerkt Werner dass die Genuaschot im Wasser hängt. Er will sie raus ziehen stellt aber fest dass sie sich nicht bewegt. Wir ahnen Böses. Das also ist die Ursache der Schwergängigkeit. Sofortige Richtungsänderung und Brindisi ansteuern. Werner nimmt die restliche Schot und sichert sie an einer Klampe, damit sie nicht noch weiter rein gezogen wird und womöglich dabei die Genua aufzieht.
Bei der Ansteuerung von Brindisi von Norden her, ist es ratsam, wie die großen Schiffe, weit raus zu fahren, bis man die Betonnung sehen kann. Ist man zu dicht unter Land, kommt man in der Nähe der Mole in eine unangenehme Kreuzsee. Wir lassen eine Fähre passieren, folgen ihr bis wir die innere Betonnung sehen, die die Marinaeinfahrt anzeigt. Man hat uns schon gesehen und kommt uns mit einem Boot entgegen. Wir wollten eigentlich ankern, überlegen es uns aber anders und fahren doch an den Steg, der uns zugewiesen wird. Unser Anlegemanöver endet damit, dass wir unseren Anker verlieren, der Schekel hat sich gelöst und mit unserem Bug rammen wir den Anlegesteg und zerkratzen die Strom und Wassersäule. Warum? Das Ruder blockiert wieder und die Windböen, die uns kräftig anschieben, besorgen den Rest. Das Personal der Marina bleibt ruhig und gelassen und hilft uns längsseits zu gehen. Wir erklären unser Problem und bestellen gleich für Montag einen Taucher. Dieser ist nämlich bereits im Wochenende. Unser Schiff hat (Gott sei Stahl) „nur“ eine Schramme und eine kleine Beule. Vier Fender versuchen nun unser Schiff abzufendern und sind wegen des starken Windes fast platt.
Nächster Tag: Morgens um sechs, kontrolliere ich noch mal die Festmacher. Ein Fender hat sich schon fast aus der Umklammerung Schiff – Steg befreit. Also schnappe ich ihn mir und bringe ihn sofort zurück auf seinen Posten. Werner schläft den Schlaf des Gerechten und ich lege mich auch noch mal hin.
Mittags kommt der Taucher. Was er aus dem Ruder und der Schraube holt, treibt uns die Farbe aus dem Gesicht. Was wir für ein Glück hatten. Alle Schutzengel waren wohl für die „Out of Rosenheim“ abkommandiert. Wenn ich mir vorstelle was alles hätte passieren können. Nach ca. zwei Stunden Suche nach dem Anker meint der Taucher, dass er wohl im Schlamm versunken ist. Na ja, ich tue so als glaub ich es ihm und denke mir meinen Teil dabei. Der Shop in der Marina hat genau den Anker den wir brauchen. Wir wollen ihn gleich mitnehmen aber der Verkäufer sagt uns, dass er jetzt schließt und wir ihn am Nachmittag abholen könnten. Was soll das eigentlich? Keine Chance, er gibt den Anker nicht raus.Nach der „Siesta“ versuchen wir es nochmal. Nun meint der Verkäufer er hätte keinen Anker für uns aber der Taucher könnte uns einen beschaffen.. Er hat uns einen beschafft. Einen vermutlich von ihm selbst schlecht nachgebauten Pflugscharanker., der sich wie sich später herausstellte zum umpflügen des Sandgrundes gut ist, nicht aber um ein Boot sicher festzuhalten. Nach unserem Schock gehen wir im Marina Restaurant Essen. Kein Touristenessen, sondern feine italienische Küche. Nehmen wir das Angebot des Küchenchefs an dann müssten wir für ein Kilo Fisch 150 € löhnen. Deshalb entscheiden wir uns für Pasta und sie schmeckt hervorragend. Leicht benebelt von dem guten Rotwein fallen wir in die Kojen. Herrlich!
Am Dienstag den 18.07. gegen 14:00 Uhr, Abfahrt von Brindisi. Wir kaufen in einem kleinen Minimarkt in der Nähe der Marina, an der Bushaltestelle der Linie 4, gutes Brot und guten Käse. In der Marina gibt es kein Lebensmittelgeschäft. In diesem kleinen Markt mit Bäckerei, gibt es ab 10:30 Uhr frisches knuspriges Weißbrot. Es ist die einzige Möglichkeit in unmittelbarer Nähe seine Vorräte aufzufüllen.
Unser Freund Manfred hatte uns per Handy das Wetter durchgesagt. Lassen wir uns Überraschen. Wir kommen gut voran. Die Nacht ist stockdunkel und der Mond geht heute erst sehr spät auf. Mein Problem: Werner muss wieder länger am Ruder stehen, da ich bei so dunklen Nächten, trotz Kompass, Orientierungsschwierigkeiten habe. Nur gut, dass wir ein Logbuch führen, sonst würde ich mit den Tagen auch noch durcheinander kommen. Aber eines der schönen Dinge beim Segeln ist, dass man „zeitlos“ lebt und nicht der Hetze des Alltags unterliegt.
Angekommen in der Straße von Messina, wollen wir nicht gleich einfahren, da es zu sehr stürmt. Wir queren diese in Richtung Sizilien und segeln auf Anraten von Freunden nach Taormina, das allerdings auf unserer Karte nicht verzeichnet ist. Dort werden wir erst mal ausschlafen, wir sind schließlich drei Tage und drei Nächte unterwegs und haben kaum Schlaf gefunden, da unser Autopilot kurz nach Brindisi seinen Dienst versagt. Wir haben es uns nicht so schwierig vorgestellt ohne den Automaten zu segeln. Es ist zu zweit wirklich anstrengend und nicht einfach. Das große Problem im Mittelmeer ist nicht die Großschifffahrt, sondern die Fischer. Sie legen kreuz und quer ihre Netze, und sind daher, trotz Radar, unberechenbar in ihrer Bahn.
Wir queren also die Straße von Messina und es ist bereits dunkel. Der Ätna hat seit Tagen sehr starke Eruptionen. Es ist ein atemberaubender Anblick, wenn man die flüssige Lava dunkelrot und zähflüssig den Hang runter fließen sieht. Die Lichter der Dörfer an den dunklen Abhängen sehen aus wie ein sternenübersäter Nachthimmel. Schön anzusehen, aber wenn man eine Hafeneinfahrt sucht, sehr irritierend. So irritierend, dass wir diese tatsächlich nicht finden. Schließlich geben wir es auf und fahren auf und ab, bis es hell wird. Ein Fischer, den wir am nächsten Morgen fragen, sagt uns wir müssen noch weiter nach Süden. Also beschließt Werner, dass dies keinen Sinn hat und wir drehen um. Wir bolzen gegenan und Werner meint, falls Wind und Welle zu stark werden, motoren wir nach Reggio de Calabria. Wir sind immer noch auf der sizilianischen Seite und müssen erst die Straße queren. Doch plötzlich sehen wir bereits den Blitzer von St. Pezza. Also weiter. Und das war’s. Ein Klacks. Wie wir jetzt nachträglich feststellen können, waren wir in der Nacht, in der das Meer spiegelglatt war, schon so weit nördlich, dass wir auch durchfahren hätten können. Es wäre kein Problem gewesen, die Großschifffahrt ist nämlich während der Nacht eingestellt.
Wir suchen uns einen Ankerplatz um endlich zu schlafen. Wollen aber in der nächsten Nacht nach Sardinien aufbrechen. Wollen, sind aber nicht. Ich bemerke, dass die Polster der Bugkabine durchnässt sind. Keine Ahnung woher. Vielleicht ist die große Luke nicht dicht. Nasse Polster und ein wunderschöner Sonnentag. Es fällt uns leicht noch einen Tag länger zu bleiben um die Polster zu trocknen. Ach, tut das Ausruhen gut. Wir sitzen im Cockpit und genießen die Aussicht. Auf den Berghügeln gibt es eigenartige Baumgruppen. Werner meint, diese sehen aus wie zwei Dinos, die um ein Weibchen kämpfen. Das Weibchen steht daneben und sieht zu. Einige Bäume sind dazwischen. Ein Urpferd steht da und weidet, neben ihm ein weiterer Dino. Von einem jungen Dino sieht man nur den Rücken. Gerade geht die Sonne unter und die Gruppe hebt sich plastisch vom Hintergrund ab. Nein, wir haben keinen Wein getrunken und sitzen auch nicht benebelt im Cockpit.
Wir räumen auf und packen die ersten Seekarten ein. Es ist ein gutes Gefühl was wir schon geschafft haben. Ich muss sagen die ersten Tage, nein Nächte, haben uns am meisten geschlaucht. Jetzt haben wir unseren Rhythmus gefunden. Werner hat beim Durchchecken des Motors ein eigenartiges Geräusch gehört. Hoffentlich ist es kein ernstes Problem. Wir schauen morgen noch mal nach. Am nächsten Tag, beim Anlassen des Motors, können wir kein Geräusch mehr hören.
Heute, Sonntag den 23.07. wollen wir weiter nach Sardinien. Die ganze Nacht ohne Mond, stockfinster und kein Lüftchen regt sich. Es ist wieder motoren angesagt. Was so schlecht auch nicht ist. Batterien werden geladen und der Kühlschrank läuft. Auch heute, am Montag kein Anzeichen von Wind, nur fürchterlich heiß. Wir bringen das Sonnensegel an, so dass es uns Schatten spendet. Die Sonne kommt von achtern und wir haben 32°C. Ein halber Eimer unseres Süßwasservorrates muss jetzt für eine Erfrischung herhalten. Erfrischung? Nur durch das sanfte Lüftchen des Fahrtwindes gibt es ein wenig Abkühlung. Werner sitzt am Ruder und steckt seine Füße in den Wassereimer. Irgendwie ist es auch schön. Sonne, blaues Meer, kein Schiff, kein Stress. Dabei fällt mir ein, irgendwie müssen wir auch mal was essen. Der Tages-Trinkwasserverbrauch ist hoch. Sicher kommt es auch daher, dass wir auf Lanzarote gelernt haben, viel zu trinken. Die Trinkmenge beträgt für uns zwei fünf eineinhalb Literflaschen (7,5 Liter) Wasser, gemischt mit Apfelsaft.
Dienstag 25.07. haben eine gute Nacht hinter uns. Kämpfen zwar mit Müdigkeit, aber durch den stündlichen Wechsel, Knabbereien und heißer Hühnersuppe, ist die nicht ganz so dunkle Nacht bald vorbei. Am nächsten Morgen, gegen halb acht, umkreist uns eine Schule Delphine von mindestens 30 Tieren. Ich habe gleich den Motor (wir haben immer noch keinen Wind) auf Leerlauf gestellt und Werner gerufen, der gerade am Kartentisch sitzt und eine Ortsbestimmung macht. Wir schauen den Delphinen zu. Sie haben eine leicht bräunliche Haut und sind seitlich etwas rosa gefärbt Es ist ein herrlicher und unvergesslicher Anblick Nach einiger Zeit verschwinden sie wieder.
Werner hat unsere Sonnensegel-Konstruktion wieder befestigt. Wir bekamen nämlich gestern einen leichten Sonnenbrand. So, und heute bzw. jetzt können wir endlich mal wieder segeln. So sparen wir Sprit, obwohl unser Motor wirklich sehr sparsam ist. Morgen Vormittag, so hoffe ich, werden wir in Sardinien sein. Ha, Ha, segeln. Das war nur ein kleines Intermezzo. Also wie gehabt, Motor an, Groß und Fock dichtgeholt und zur Stabilisierung stehen lassen. Wir fahren in die Nacht hinein. Nachmittags gönnten wir uns einen Kaiserschmarrn und einen guten Kaffee aus Kroatien. Nachts gibt es wieder heiße Hühnersuppe mit Nudeln. Sie weckt alle Lebensgeister.
Manchmal denke ich, immer wenn man glaubt es läuft alles glatt, dann kommt der Hammer. Und so war es auch. Gegen vier Uhr morgens, wir sehen schon Sardinien, haben Kurs auf Cagliari gesetzt, plötzlich blubb, blubb, der Motor bleibt stehen. Nanu, wir haben doch noch genügend Sprit oder haben wir verkehrt gerechnet? Werner öffnet die Klappe des Motorraumes und ein Dieselgestank kommt ihm entgegen. Nichts Gutes ahnend, steigt er in den Motorraum und sieht im Licht der Taschenlampe, was passiert ist. Ein Verbindungsstück der Dieselleitung zum Motor ist gebrochen. Der Vorbesitzer baute ein starres Stück Kupferleitung am Motor an und dieses brach durch die Vibration. Wind haben wir auch nicht, so dass wir hätten segeln können. Unser Hilferuf auf Kanal 16 wird nicht gehört. Gut, dass man ein Handy hat. Also Polizei, wie in Spanien112, angerufen und unser Problem geschildert. Jetzt kann Werner seine Kenntnisse in italienisch verwenden die ihm aus der Zeit in der er in Sardinien lebte noch geblieben sind. Wir bekommen eine Nummer, die er anrufen soll. Wieder schildern wir unser Problem und man sagt uns, wir werden zurückgerufen. Der Rückruf kommt kurze Zeit später und man erklärt uns dass, wenn es hell wird, wir von der Guarda Costiera in die Marina Villasimius, im Süden Sardiniens, geschleppt werden. Es ist hell und prompt kommt auch die Guarda Costiera mit ihrem großen Motorboot. In der Bucht vor der Marina lassen wir auf Anweisung erst mal den Anker fallen und warten ab. Gegen acht Uhr kommen zwei Schlauchboote und nehmen uns achtern in die Zange und bugsieren uns in die Marina. Sie verlangsamen ihre Fahrt, einer fährt voraus und holt die Mooringleine, die gleich am Heck befestigt wird um die Fahrt zu stoppen. Erst einmal ausschlafen. Am nächsten Tag soll der Mechaniker kommen um die Dieselleitung und auch gleich den Autopiloten zu reparieren.
Die Reparaturen sind durchgeführt, Leinen los und ab in Richtung Ibiza. Nachdem wir die Bucht verlassen haben, stellt Werner gleich mal den Automaten an. Er funktioniert nicht!! Das kann doch nicht wahr sein!! Gott sei Dank haben wir die Telefonnummer der Werkstatt. Ein Anruf und wir fahren zurück um direkt am Kai an der Werft anzulegen. Kaum waren wir in der Einfahrt zur Marina schon war der Marinero mit seinem Schlauchboot wieder da. Auf seinen fragenden Blick hin, warum wir schon wieder zurück sind, erkläre ich ihm unser Problem und dass wir zur Werft müssen. Freundlich wie immer begleitet er uns und hilft uns beim Anlegen. Vorher fragt er uns aber sorgenvoll nach dem Tiefgang unseres Bootes. Aber es gibt kein Problem. Der Chef der Werft, Michele, der Lobenswert zu erwähnen ist, kommt sofort und kümmert sich persönlich darum, dass die Reparatur (auf Garantie) sofort durchgeführt wird. Ein stärkerer Motor für den Autopilot, der doch immer sehr schnell warm wird, wäre gut, aber dieser hätte erst bestellt werden müssen und so lange wollen wir nicht warten. So bastelt der Mechaniker für uns eine spezielle Konstruktion, die dann auch wirklich funktioniert und heute noch hält. So, jetzt aber Leinen los. Es wird unerträglich heiß, der Schweiß fließt in Strömen. Nichts wie raus aufs Meer. Eine kühle Brise erfrischt uns schon, während ich noch Leinen und Fender klariere. Wir fahren mit voller Pulle, nein nicht ganz, gegen die hier starke Strömung, um endlich aus der Inselabdeckung zu kommen. Es herrscht reger Schiffsverkehr.
So langsam entfernen wir uns von sämtlichen Schifffahrtsrouten und es wird ruhig. Am Sonntag ein Bilderbuchwetter. Die vergangene Nacht war nicht so ruhig. Es hatten sich durch den starken Wind kurze hohe Wellen aufgebaut. Aber wie gesagt, der Sonntag entschädigt uns, das Meer ist fast platt. Womit wecken wir unsere Lebensgeister? Natürlich mit der obligatorischen Hühnersuppe mit Nudeln. Dann geht es an die Hygiene. Vier Liter pro Person, mehr gönne ich uns nicht. Am Niedergang unseres Mittelcockpits ist man gut geschützt und dort findet auch der „Waschgang“ statt. Danach „Luftgetrocknet“ und man ist ein neuer Mensch. Mit dem Sonnensegel sind wir von der gleißenden Sonne geschützt. Wir segeln, kommen aber nur langsam voran. Auch der Motor braucht seine Pflege und die bekommt er während des Segelns von Werner, der im Motorraum ist und eine Inspektion durchführt. Neben uns springen in hastiger Flucht Fische aus dem Wasser, Delphine sehen wir aber keine. Gegen Abend machen wir alles klar für die Nacht. Plötzlich geht die Frischwasserpumpe nicht mehr. Kaputt! Es ist allerdings kein so großes Problem, da wir immer Trinkwasser in Flaschen dabei haben. Wir haben uns den Verbrauch ausgerechnet und brauchen uns keine Sorgen zu machen. Abgewaschen wird sowieso mit Salzwasser. Wäsche habe ich bereits vor zwei Tagen gewaschen, so dass wir im Moment keine größere Menge Süßwasser brauchen. Welch ein Glück.
Heute sind wir richtig fit, unser Automat hat in der Nacht arbeiten müssen. Das Meer war ruhig, so konnte jeder zwei Stunden schlafen, derweil der andere Wache ging, eigentlich „lag“. Wir sind beide im Cockpit angepickt, derjenige der schläft eingemümmelt in einer Decke, der andere ist in Liegeposition und beobachtet das Radar. Werner meint heute Nacht war mal wieder reger Schiffsverkehr. Na ja, Mallorca liegt nicht weit entfernt und Ibiza rückt auch immer näher. Der Großbaum, der bis zum Heck reicht ist alleine mit der Großschot nicht zu bändigen. Werner hat einen Bullenstander eingeschoren, jetzt geht es prima. Wir sind vor Patenthalsen und schlagendem Baum sicher. Es ist eben eine ältere Lady, man muss etwas umdenken, aber wir wollen nicht meckern, wir kommen klar. Bis jetzt haben wir ja alles ganz gut in den Griff bekommen. Sei es das Missgeschick vor Brindisi mit der Genuaschot oder die Havarie vor Sardinien mit der Dieselleitung, wo wir doch sehr dicht unter Land waren und die Schatten auf dem Radarschirm sich bei Helligkeit als Klippen, die aus dem Wasser ragen heraus stellten. Das Radar, genau so betagt wie unsere Lady, ist zwar nicht optimal, aber es hat uns doch sehr geholfen. In Lanzarote wartet bereits ein neues Farbradar mit Kartenplotter. Also in Zukunft weg von der Küste wenn es dunkel wird.
Wir sind westlich von Sardinien, Werner steht am Ruder als plötzlich in der stockfinsteren Nacht ein riesiger Schatten auftaucht. Es ist die Isola del Toro, die eigentlich beleuchtet sein müsste. Werner erhöht den Abstand um auf Nummer Sicher zu gehen. Wir tuckern so dahin und ich schlafe. Die Nacht war nicht ganz so entspannend, da das Meer unruhig und die Sicht schlecht war. Aber das GPS hat uns sicher nach Ibiza geleitet. Wir telefonieren noch mal mit unserem Freund Manfred, da wir nicht glauben können, dass auf dieser Position eine Marina sein soll. Man sieht die Einfahrt wirklich erst wenn man kurz davor ist. Die Marina ist belegt, also ankern wir davor in der Bucht. Touristen lassen sich hier von schnellen und ebenso lauten Motorbooten auf Fantasiegebilden, die kurz vor dem Umkippen sind, hinterher ziehen. Na ja, es ist sehr lebhaft. Die Nacht ist auch nicht so ruhig, der Wind bläst, der Schwell ist ziemlich stark, wir gehen mehrmals den Anker prüfen und von der Stadt her kommt ziemlicher Lärm von Discos, Lokalen und anderen Festivitäten rüber. Es ist eben Ibiza die Party-Insel. Nicht gerade unser Favorit.
Jetzt hat unser Trinkwasservorrat in Flaschen doch nicht gereicht, deshalb pumpt Werner unter viel Kraftaufwand und Schweißverlust mit einer Konstruktion aus Wasserschlauch und Schlauchbootpumpe Wasser durch den dünnen Überlauf aus dem Trinkwassertank. Die Ausbeute liegt bei ca 1-2 Liter pro Minute. Unsere Wasserpumpe ist immer noch kaputt und deshalb ist er mit dem Dingi an Land gerudert um eine Neue zu besorgen. Er kommt zurück und meint in der Marina gibt es außer Schicki Micki Kleidung nicht viel. Jedenfalls hat er keine Wasserpumpe dabei. Wir hören auf den Ratschlag unseres Freundes Manfred, nach Torrevieja zu segeln, um dort bei Oliver Marine eine neue Pumpe zu kaufen.
Die Steuerseile sind eingefettet, Öl kontrolliert, Schlauchboot an Deck und es kann losgehen. Ach ja, das Wichtigste, die Wegpunkte müssen noch ins GPS geklopft werden. Genügend Sprit ist im Tank. Also ab in Richtung Alicante, Marina Torrevieja wir kommen – noch nicht! Wir wollen nicht bei Dunkelheit ankommen, die Sonne geht schon früh unter, also fahren wir morgen früh am Donnerstag den 03.08. pünktlich um sieben Uhr los. Im Gegensatz zur vergangenen Nacht, in der uns der Wind nicht schlafen ließ, herrscht jetzt Windstille. Also Motor an, Anker auf und los geht´s Kurz vor der Durchfahrt zwischen den Inseln Ibiza und Formentera, ich mache uns gerade Tee, bemerke ich einen eigenartigen Geruch. Werner öffnet die Klappe zum Motorraum, beißender Qualm kommt ihm entgegen. Sofort Motor aus. Nachdem der Motor etwas abgekühlt ist, eine genauere Inspektion.
Kein Wasser im Kühler! Wir haben doch alles kontrolliert. Haben wir es übersehen? Nein, bestimmt nicht., das weiß ich genau.Wasser ist wieder aufgefüllt, Temperatur Normal. Nun durchqueren wir die Passage. Es herrscht ein Verkehr wie in München am Stachus. Nachdem wir durch sind, kehrt Ruhe ein. Wir motoren immer noch, das Meer ist spiegelglatt und kein Lufthauch rührt sich, was mir sehr komisch vorkommt. Es herrscht eine eigenartige Atmosphäre. Gegen Abend hat sich immer noch nicht viel geändert. Auf Backbord sind Cirruswolken zu sehen aber auf Steuerbord Cumulonimbus die nichts Gutes verheißen. Es wird immer dunstiger, wir stellen das Radar an. Mit einmal klart es auf. Gut, es war also nichts, nur das Meer wird etwas unruhiger. Werner steht am Ruder. Plötzlich sehe ich zwei große Ballen an der rechten Ecke des Radars. „Werner, Werner es sind Inseln, fahr nach Backbord“. „Wo sollen hier Inseln sein, hier ist nur Wasser“. Er schaut sich das Radarbild genauer an und meint „mach alles bereit, eine Gewitterfront überrollt uns“. Sie überrollt uns nicht, wir kommen noch gerade so an ihr vorbei aber nur um in die nächsten vier, sechs acht oder mehr Fronten, ich zähle sie nicht mehr, direkt hinein zu fahren. Etwas Regen, wir werden wohl nass werden denken wir, dann ist es vorbei. Daneben getippt. Jetzt geht es richtig los. Der Regen prasselt vom wolkenverhangenen Himmel und es blitzt und kracht dass man glauben könnte, jeden Augenblick geht die Welt unter. Blitze, wie wir sie nur von dramatischen Fotos kennen, rote, gelbe, weiße, sie sind so grell, dass ich sekundenlang mit geschlossenen Augen dastehe. Selbst Werner, der am Ruder steht, muss teilweise die Augen schließen. Die Gewitterfronten haben wir nun Gott sei Dank hinter uns und wir sind durch. Es war zwar beeindruckend aber nun ist es vorbei – denken wir.
Wir sind in der Straße von Ibiza in Höhe von Cabo del Nao und segeln in Richtung Benidorm als uns eine Sturmfront von achtern überrollt. Wellen bis zu vier Metern schieben uns vorwärts. Das Großsegel ist zum Glück schon geborgen und nur die Fock steht noch. Unsere „Lady“ meistert das Wellenreiten mit Bravour. Selbst als es durch eine Querwelle etwas heikel wird, tanzt sie wie ein Korken. Werner steht seit Mitternacht am Ruder. Um 2:30 Uhr geht der Sturm los. Wir warten auf den Tag damit wir besser sehen können. Um uns ist rabenschwarze Nacht nur auf dem Radar erkennen wir vereinzelte Schiffe und wir wissen, dass nicht nur wir diesen Sturm abwettern. Die Küste hebt sich schwach vom Hintergrund ab, es fängt langsam an zu grauen. Wir sehen große Dickschiffe die in Richtung Hafen fahren oder besser gesagt, stampfen. Ich glaube es ist Alicante. Genau weiß ich es nicht. Ich lasse Werner nicht vom Ruder weg um eine Ortsbestimmung zu machen. Ich habe einfach zu viel Angst bei diesem Seegang ans Ruder zu gehen. Den Gedanken, den Großschiffen hinterher in den sicheren Hafen zu folgen, lassen wir gleich wieder fallen. Wir müssten nämlich mehrere Meilen gegenan und das ist uns bei diesem Seegang zu gefährlich, da wir unter anderem auch eine längere Strecke quer zur Welle fahren müssten. Also weiter. Wir sind auf einem Wellenkamm und da sehe ich plötzlich zwei bis drei Meilen vorab Felsen aus dem Wasser ragen. Nun wird es immer heller und der Sturm lässt etwas nach. Laut Karte ist auf Steuerbord das Cabo de Santa Pola und Backbord, der „Felsen“ Ock, wie das Inselchen .genannt wird. Wir fahren zwischen Cabo de Pola und Ock durch und gehen in der Bucht vor dem Hafen vor Anker. Zuvor, bei der Durchfahrt erleben wir noch einmal einige Schrecksekunden. Die Kühlwassertemperatur steigt wieder auf über 100°C und der Kühler kocht. Werner ist sofort wieder im Motorraum und füllt Wasser nach. Dabei bemerkt er, dass die Kühlwasserleitung an der Schweißnaht am Flansch gerissen ist und der Motor Wasser verliert. Wir werden uns später damit befassen. Wir sind fertig und wollen erst mal schlafen.
Durch einen Anruf von unserem Freund aus Deutschland, der sich nach unserem Befinden erkundigt und der unseren Weg zu Hause auf der Karte verfolgt und uns moralisch unterstützt, Handy sei Dank, erfahren wir, dass es beim Durchzug der Gewitterfronten innerhalb von zwei Stunden 1600 Blitze gab. Wie stark der Wind war kann ich nicht sagen, da unser Windmesser während des Sturms den Geist aufgegeben hat. Jedenfalls rufen 15 Yachten, die in Seenot geraten sind, um Hilfe. Soweit jedenfalls die Zeitungsmeldung am nächsten Tag. In den Lokalnachrichten wird sogar von fünf verloren gegangenen Schiffen gesprochen. Viele Charteryachten, die wir an diesem Tag vor dem Sturm noch sehen, sind vom Sturm völlig überrascht worden. Dadurch, dass unser Radar rechtzeitig an ist sehen wir die Gefahr kommen und können uns vorbereiten. Beim Telefongespräch mit unserem Freund am nächsten Tag erfahren wir auch wo die Firma Oliver Marine zu finden ist. Wir wollen dort die Schweißarbeiten am Kühlrohr durchführen lassen und endlich die Pumpe wechseln.
Also Dinghi ins Wasser und an Land. Wir können die Werkstatt nicht finden. Nach einem weiteren Telefonat stellen wir fest, dass wir nicht in Torrevieja sondern in Santa Pola sind. Ich glaube ich bin doch nicht ganz wach, ich hätte es auf der Karte sehen müssen. Zurück aufs Schiff, erst mal eine Stärkung und ein kühles Bier. Welch ein Genuss.
Die Bucht in der wir liegen ist sehr groß, wir ankern auf drei Meter Tiefe. Sehr ruhig, so gut wie kein Schwell, guter Ankerplatz. Man ist mit dem Dinghi gleich an Land und nach zehn bis fünfzehn Minuten Fußweg in der Stadt. Nach einer erholsamen Nacht und einem guten Frühstück versuchen wir unser Problem mit dem Kühlwasser zu lösen um die 30 Meilen nach Torrevieja hinter uns zu bringen.
Erster Versuch: Einwickeln mit Hanf, quellen lassen und mit Fünf Minuten Epoxy beschmieren. Es bringt nichts.
Zweiter Versuch: Mullkompressen, die mit Zweikomponentenkleber getränkt sind, werden um das Rohr gewickelt. Gut dass ich den Kleber noch eingepackt habe. Trocknen lassen und prüfen. Erfolg: besser, aber immer noch undicht.
Dritter Versuch: Radikallösung. Klarsichtfolie um das feuchte Rohr wickeln und dick mit Sikaflex einschmieren. Wir warten. Wir müssen motoren wenn wir nach Torrevieja wollen, da der Wind uns genau auf die Nase bläst und unsere Lady nicht so hoch am Wind gehen kann. Kreuzen kommt nicht infrage Wir wollen heute noch ankommen.
Das Silikon hat gut abgebunden, wir starten den Motor. Ergebnis: das Rohr ist dicht. Anker auf und ab in Richtung Süden. Wir versuchen trotzdem zu segeln, es geht nicht. Motor an. Die Klappe zum Motorraum bleibt offen, die Temperatur steigt langsam, bleibt aber bei 80°C stehen. Immer wieder kontrolliere ich die Anzeige und schaue in den Motorraum ob sich was verändert. Alles in Ordnung. Die Fock stabilisiert unsere Fahrt, die Logge zeigt sechs Knoten. Wir fahren an Warnbaken vorbei, die, so glauben wir, vor Fischzuchtbecken installiert sind. Dann sehen wir schon die lange Mole von Torrevieja. Das Ende der Mole wird weiträumig umfahren um von Süden kommend in den Hafen zu gelangen. Wir ankern im Vorhafen. Sehr unreiner Grund. Er ist übersät von alten Stahlseilen, Tampen und anderem Unrat. Da wir gerade zur Hauptsaison hier sind, ist am Wochenende die Hölle los. Jeder der ein Boot hat, fährt hier hin, ankert und badet. Ich komme mir vor wie in einer Schrebergartenkolonie. War da die Bucht von Santa Pola schön ruhig. Abends werden die Motorboote wieder in die Box gefahren und die Segler sind wieder unter sich.
Der Chef von Oliver Marine kommt zu uns und begutachtet die Schäden. Wir bekommen auch einen Platz am Steg zugewiesen und machen dort fest. Heute, Dienstag 8.August, der Motor wird repariert. Die Segel sind beim Segelmacher. Wir glauben dass der Außenborder auch einen Schlag wegbekommen hat, er lässt sich nicht starten, also auch zur Reparatur. Ich sammle die Wäsche zusammen und bringe sie zur Wäscherei. Nach ein paar Stunden bekomme ich sie zurück. Sie riecht frisch und sauber, ist das eine Freude.
Das Wetter ist heute nicht so gut, es gibt am Morgen schon ein Gewitter. Die Sonne tut sich schwer um durch die Wolken zu kommen. Es könnte sich was zusammenbrauen, aber bitte nur so lange wir im Hafen liegen.
Unser nächstes Reiseziel liegt drei Tage entfernt. Dort wollen wir tanken und den Wetterbericht abwarten. Dann kommt die Fahrt durch die Straße von Gibraltar und danach, wenn alles gut geht, geht´sin Richtung Lanzarote. Die Strecke wird nicht ganz 1000 Meilen sein. Die Route ist schon abgesteckt und ins GPS eingegeben. Aber jetzt ruhen wir uns erst mal aus. Wir kommen gerade aus der Stadt und es regnet. Wir haben alles verrammelt und verriegelt und warten ab.
Es ist Mittwoch und wir bekommen unser Segel zurück. Die Reparatur am Kühlwassersystem ist immer noch nicht fertig, ebenso wenig der Außenborder. Einen Kostenvoranschlag haben wir ebenfalls noch nicht. Wir werden uns in Geduld üben müssen. Ich habe in Lanzarote Bescheid gegeben, dass wir nicht pünktlich ankommen werden. Freunde von uns kümmern sich, dass die nötige Information an meinem Geschäft angebracht wird. Heute wird auch endlich das Rohr eingebaut, aber nach längerem Probelauf wird es wieder undicht. Also Rohr ab und noch mal verschweißt, wieder eingebaut und nun funktioniert es. Jetzt liegen wir schon fast eine Woche hier. Wir haben die Segel wieder aufgezogen und kontrolliert. Eine sehr saubere Arbeit.
Es ist Samstag, alles ist repariert, auch der Außenborder und die Pumpe und wir packen es an. Es geht in Richtung Estepona, eine Marina vor der Straße von Gibraltar. Dort wollen wir tanken und den Wetterbericht abwarten. Es ist guter Wind, also segeln wir, können aber den Kurs nicht genau halten und müssen vor dem Wind kreuzen. Hoffen aber dies durch die gute Geschwindigkeit von 7 Knoten wieder wett zu machen. Die See ist sehr unruhig, ich glaube ich bin Seekrank. Kann nicht ans Ruder, kann nichts essen und nichts trinken. Mir geht es richtig mies. Schlafe immer wieder. Werner und später der Autopilot müssen meine Arbeit am Ruder übernehmen. Es geht mir wieder besser, nachdem ich genügend geschlafen habe. Die mondhelle Nacht kommt mir sehr entgegen. Ich löse Werner am Ruder ab.
Wir können in Torrevieja nicht tanken, die Tankstelle ist geschlossen, Wir fahren nach Garrucha. Die Tankstelle ist, heute am Sonntag, ebenfalls geschlossen. Wir warten bis morgen, dann geht es weiter nach Estepona. Es wird ca. 1 – 2 Tage dauern. Unser Freund Manfred hat uns für Dienstag – Mittwoch kein gutes Wetter vorausgesagt. Also heißt es, dass wir in Estepona mindestens zwei Tage hängen bleiben. Ich glaube alles ist gegen uns. Die Tankstelle wartet auf Diesel. Es ist 13:00 Uhr und sie hat immer noch keinen Sprit, die Zeit läuft uns davon. Nachdem Werner den Dieselverbrauch und den verbleibenden Tankinhalt ausgerechnet hat, beschließen wir nach San Jose zu fahren. Dort gibt es eine kleine Marina, in der, so hoffen wir, Diesel zu bekommen ist. Es sind zwar nur 30 Meilen, aber alles gegen Wind und Strömung. Wir kämpfen uns voran. Alles ist nass. Durch die Doradelüfter kommt das Wasser nur so rein. Ich stelle einen Eimer darunter. Mehrmals muss ich die Bilge entleeren. Werner steht die ganze Zeit am Ruder. Ich übernehme es nur so lange Werner die Ortsbestimmung macht. Nach neun Stunden haben wir endlich die dreißig Meilen geschafft. Wir liegen in der Bucht vor der Marina, diese ist belegt und wir können nicht anlegen. Ich habe an Deck geschlafen. Ankeralarm war zwar an, aber man kann nie wissen. Es ist vormittags und wir haben jetzt schon frischen Westwind. Das ist sehr ungewöhnlich. Laut Wetterbericht wird erst nachmittags starker Westwind, bis zu Windstärke 7, in der Bucht von Almeria erwartet. Werner besorgt gerade Diesel mit dem Dingi. Die Tankstelle ist so klein, dass wir dort nicht anlegen können. So füllen wir Kanister für Kanister unseren Tank auf. Nach San Jose gibt es noch eine kleine Bucht in der viele Segler vor Anker liegen. Dort wollen wir hin. Sie scheint sicher vor den Westwinden, da die Berge abschirmen. Wir denken dort sind wir geschützt. Der Wind bläst bereits sehr kräftig und der Anker hält nicht auf dem Sandgrund. „Ach was gäbe ich jetzt für einen Bügelanker“ meint Werner. Wir haben die Nase voll, holen den Anker auf und fahren die dreißig Meilen wieder zurück nach Garrucha. Nach sechs Stunden sind wir da und stehen laut GPS in Höhe des Hafens, können aber wegen der Hintergrundlichter der Stadt beim besten Willen die Einfahrt nicht finden. Ich fahre ganz langsam in die Bucht ein, suche krampfhaft die Kennung der Einfahrt, als es plötzlich unter dem Kiel knirscht. Aufgelaufen! Ich reiße sofort den Schalthebel auf Rückwärtsgang und gebe Vollgas. Es knirschte noch mal und wir sind wieder frei. Der Schreck fährt uns beiden gehörig in die Glieder. Werner ist gerade am Kartentisch und schaut nach der Position. Wir vergleichen mit der Karte. Keine Untiefe, kein Wrack, keine Klippen. Wir wissen bis heute noch nicht was es war. Wir prüfen sofort sicherheitshalber die Bilge. Aber es ist nichts. Bei Tageslicht werden wir die Stelle noch mal absuchen (vorweggenommen: wir können nichts entdecken). Wir beschließen bis Sonnenaufgang zu warten, da man dann, von Süden kommend, wunderbar die zwei Kamine, die auch in der Karte verzeichnet sind, als Navigationshilfe benutzen kann. Wir fahren, wie gehabt, wieder in den Hafen und ankern. Nach einem guten Frühstück legen wir beide uns ins Cockpit und schlafen. Plötzlich weckt mich Werner auf und sagt mir, dass wir abdriften. Schnell den Motor an und Anker aufgeholt. Der Wind steht genau auf der Einfahrt und es ist im Hafenbecken sehr ruppig. Wir gehen am Industriepier längsseits und sind bemüht unser Schiff richtig zu vertäuen. Wir liegen im Moment ziemlich tief (Ebbe) und ich komme unmöglich an Land. Unser Schiffsnachbar, der bereits an der Pier liegt, nimmt die Leinen an und macht sie fest. Nun liegen wir sicher. Ach ja, die Tankstelle. Was soll ich sagen, sie hat nach zwei Tagen immer noch keinen Sprit. Wir hätten also auch gleich da bleiben können.
Am nächsten Tag gehen wir in die Stadt, kehren aber bald wieder zurück, da die Windböen immer heftiger werden und wir das Boot nicht alleine lassen wollen. Zurück an der Pier befestigen wir noch eine zusätzliche Spring. Eben kommen zwei englische Yachten an. Eine legt sich vor Anker, den anderen deutet Werner sie sollen sich an die Mole legen. Langsam füllt sich das Hafenbecken. Es kommen immer mehr Segler. Teilweise liegen sie im Päckchen an der Pier. Wie auf Kommando erscheint die Polizei und kontrolliert die Dokumente der Crews. Einzig wir und die SY Ollie bleiben verschont. Warum? Keine Ahnung.
Bei einem anderen Boot, das im Hafen an dem kleinen, voll besetzten Steg liegt, ist der Festmacher gebrochen und es schlägt mit dem Heck gegen seinen Nachbarn. Die spanischen Eigentümer lassen sich trotz des Sturmes nicht blicken. Andere Segler springen auf den Steg und machen das Boot wieder fest. Dieser Steg ist trotz Mooringleinen nicht zu empfehlen. Der Himmel wird immer dunkler und Sand wirbelt durch die Luft. Werner schläft und ich sitze im Salon und schreibe. Ab und zu sehe ich nach ob an Deck noch alles in Ordnung ist. Unsere englischen Nachbarn sie lagen übrigens auch in der Bucht von San Jose schon neben uns, sind ebenfalls zurück gekommen, da Sturmböen von 45 kn (83km/h) sie von dort vertrieben haben. Bin ich froh, dass wir doch schon vorher weggefahren sind. Die Winde in dieser Bucht scheinen nicht so harmlos zu sein. Als wir dort noch zu ankern versuchen, wird gerade eine holländische 42 Fuß Yacht mit einem aus Cadiz angeforderten Schlepper ca. 15 – 20 Meter weit über den Strand zurück ins Wasser gezogen. Die Yacht schwimmt nach einigen Metern im Wasser auf, bleibt aber am Haken und wird weggeschleppt. Ich würde also sagen, Vorsicht ist in dieser Bucht auf jeden Fall angebracht.
Unser Schiffsnachbar Harald, mit seiner Segelyacht Olli, hat uns den Wetterbericht mitgebracht. Es gibt ein Internetcafe direkt am Hafen (Ciberchen) für drei Euro pro Stunde. Außerdem kocht dort die „Mama“ selber wunderbare Paella für 3.50 € pro Portion. Sie schmeckt hervorragend. Man kann dort auch sein Handy an den Strom hängen. Der Wind hat zwischenzeitlich ein wenig nachgelassen und morgen am Samstag, müssen wir wieder vor Anker gehen, da am Sonntag ein großer Frachter erwartet wird. Die meisten der anderen Yachten verlassen, trotz immer noch starkem Wind, den Hafen.
Heute, am Sonntag, gibt es wieder Böen bis 38kn (70km/h) und am Montag sollen es sogar 48kn (90km/h) werden. Wir müssen auf jeden Fall bis Dienstag weg, die Zeit drängt. Laut Wetterbericht soll es dann „nur“ noch mit 5 bft aus Osten blasen.
Wir wollen Dienstagmorgen bereits um fünf Uhr abfahren, sprechen daher mit dem Tankstellenbesitzer, dass wir abends als letzte tanken und fragen ob wir über Nacht an der Tankstelle bleiben können. Er sagt uns zu. Im Moment aber liegen wir immer noch im Hafenbecken, aber diesmal gesichert mit zwei Ankern. Wir wollen nicht noch mal auf Drift gehen. Unser Nachbar Harald ist heute nach Norden, in Richtung Aquilla gesegelt. Schade, es waren nette Tage mit ihm. Nachmittags sehen wir zahlreiche Quallen, die vom Sturm in den Hafen geschwemmt werden. Der Wind lässt nach und das Wasser beruhigt sich schnell. Ich habe meinen Schlafsack ausgepackt, da es mir letzte Nacht zu kalt war. Und das im August.
Werner nützt das etwas ruhigere Wetter um einige kleinere Reparaturen durchzuführen und ich räume auf. Der Frachter hat nun angelegt und wird mit Feldspat beladen. Hektische Betriebsamkeit am Pier. Lkws bringen laufend neue Fuhren an, die Bagger schaufeln sie
zusammen und Schaufellader schütten die Fracht auf Transportbänder, die wiederum alles im Schiffsbauch abladen. Wir liegen in der Nähe der Tankstelle und warten darauf, dass wir tanken können. Ein großes Motorboot hat sich an die Tankstelle gelegt und ist nicht mehr gewillt diese zu verlassen, obwohl er nicht mehr tankt. Wir warten, dass wir an die Zapfsäule kommen, werden aber, obwohl wir auf uns aufmerksam machen, völlig ignoriert. Werner hat den Weg nach Almeria ausgerechnet, da er dort, wenn alle Stricke reißen, tanken kann. Inzwischen kommt eine spanische Segelyacht, die ebenfalls tanken will.
Auch sie wird ignoriert. Der Segler dreht mehrere Kreise und kann es nicht glauben. Nach einer etwas laut geführten Diskussion zwischen Brumm-Brumm- Fahrer und (spanischen) Yachti bequemt sich der (spanische) Besitzer der Motoryacht endlich den Platz zu räumen. Der Segler deutet uns, wir sollen vor ihm an die Tankstelle fahren, da er hinter uns liegend übernachten will. Endlich können wir tanken, mir fällt ein Stein vom Herzen, so groß wie halb Spanien. Wir füllen auch gleich noch unsere Kanister auf. Ich habe mich noch mal bei dem Segler bedankt. Es gibt auch noch gute Menschen, nicht nur so arrogante Schnösel, wie dieser Motorbootfahrer. Gott sei Dank sind solche Typen in der Minderheit. Jetzt steht eigentlich einer Weiterfahrt nichts mehr im Weg. Das Wetter soll Morgen auch besser werden. In zwei Tagen möchten wir in Duquesa sein, das wir Estepona vorziehen, da es näher bei Gibraltar liegt
Es ist fünf Uhr und wir kommen pünktlich weg. Es steht noch eine hohe Dünung vom vergangenen Sturm. Mir ist wieder schlecht, ich glaube ich vertrage die langen Pausen nicht. Werner motort und ich schlafe und schlafe. Kurz vor Capo de Gata wache ich wieder auf. Es ist bereits zehn Uhr. Ich merke, wie schnell wir diesmal vorangekommen sind. Ohne Gegenwind und Gegenströmung. Wir brauchen gegenüber dem ersten Mal für die gleiche Strecke vier Stunden weniger.
Es geht zügig voran. Unterwegs überholt uns der spanische Segler aus Garrucha, er fährt mit Vollgas, was das Zeug hergibt. Es gibt ein großes Gewinke und ich bin ihm immer noch dankbar, dass er uns geholfen hat. Schnell verschwindet er am Horizont. Wir haben die Bucht von Almeria hinter uns gelassen und bereiten uns auf die kommende Nacht vor. Die hohe Dünung lässt merklich nach, aber es frischt auf. Eingemümmelt in dicker Jacke und Mütze kuschle ich mich in meinen Schlafsack und leiste Werner im Cockpit Gesellschaft. Bin aber keine gute Gesellschafterin, ich schlafe sofort ein. Wir kommen schneller voran als gedacht. Wenn wir so weiterfahren kommen wir in Duquesa noch bei Dunkelheit an. Um dies zu verhindern setzen wir, trotz leichtem Wind die Segel. Es geht jetzt mit weniger als drei Knoten vorwärts. Dieses bummeln sehen wir als „Urlaubstag“. Und was für einen! Gegen 17:00 Uhr werden wir von Delphinen regelrecht eingekreist. Sie springen und schwimmen unter, neben, vor und hinter dem Schiff, zeigen ihren Bauch, drehen sich so, dass sie dich anschauen können. Je mehr ich mich freue und es ihnen durch Gesten und Zurufe zeige, desto wilder und höher werden ihre Sprünge. Es ist nicht zu beschreiben, man muss es erleben. Einige kommen genau von vorne auf uns zu und queren dann den Bug im Abstand von nur einigen Zentimetern. Wie mein Hund, der sich quer stellt, wenn er meint, ich soll eine andere Richtung einschlagen. Ist es ein Spiel oder wollen sie uns vor etwas warnen? Ich stelle diese Frage, weil ich einen Bericht gelesen habe, wo genau dieses Verhalten beobachtet wurde und die Segler damals in einen schweren Sturm gerieten und wieder umkehren mussten.
Bei uns ist es ähnlich. Kurz vor Duquesa werden wir vom Nebel eingeschlossen. Es ist so eine dicke Suppe, dass man regelrecht Platzangst bekommen kann. Wir können teilweise vom Cockpit aus den Bug nicht mehr sehen. Also beschließen wir, zurück zu fahren, in der Hoffnung, dass es dort wo wir noch vor einer Stunde waren, nebelfrei ist. Pustekuchen. Selbst in der Höhe von Marbella dicker Nebel. Dann eben nicht, langsam zurück in Richtung Duquesa. Er wird sich dann wohl im Laufe des Vormittags auflösen. Die Sonne hat ja allerhand Kraft im August. Wir sind jetzt sieben Seemeilen vor Duquesa. Immer noch die gleiche undurchdringliche Nebelwand. Wir spüren die wärmende Sonne, sie ist aber nicht imstande den Nebel aufzulösen. Mit einem Mal hören wir die Geräusche eines schweren Schiffsdiesels. Es muss ein Fischer sein. Er kommt näher, wir können ihn aber nicht auf dem Radar orten. Er kommt direkt auf uns zu, wir sehen die Umrisse und geben Schallsignal mit dem Nebelhorn, aber kein Erfolg. Er kommt immer näher. Werner wirft schnell den Motor an und nichts wie weg. Das war knapp, er hat uns gar nicht bemerkt. Wir schalten den Motor wieder aus und lauschen. Plötzlich kommt von Backbord ein anderer Segler aus dem Nebel. Ein Franzose. Er kommt von Gibraltar und will nach Marbella. Er erzählt uns dass die Nebelwand bis an die afrikanische Küste reicht. Wir beschließen ebenfalls nach Marbella zu fahren und auf besseres Wetter zu warten. Der Schreck mit dem Fischer liegt uns noch in den Knochen. Wir fahren in die Marina La Bajadilla. Eine halbe Meile vor der Küste ist der Nebel wie mit dem Messer abgeschnitten. Immer wieder hören wir auf der Herfahrt das tuten der Nebelhörner anderer Schiffe.
Uns wird ein Liegeplatz zugewiesen und wir machen ganz in Ruhe am Steg an der Mooringleine fest. Es ist eine sehr nette Marina, gepflegt und sehr freundliches Personal. Wir bekommen für unsere spätere Weiterfahrt in der Rezeption die Gezeitentabelle für Gibraltar kostenlos ausgedruckt. Es stehen hier, gegen geringe Gebühr den Marina Benutzern, Waschmaschine und Trockner zur Verfügung, welche ich gleich nutze. Mit unserer französischen Bekanntschaft Jacky und Rossy gehen wir am Abend in ein Fischrestaurant in Marbella. Es ist ein sehr netter Abend. Nur ab und zu gibt es Verständigungsschwierigkeiten, da Jacky etwas Probleme mit dem Englisch hat. Seine Frau Rossy, eine geborene Bulgarin, muss dann übersetzen. Sie erzählen uns, dass sie am nächsten Tag über Ibiza und Sardinien nach Tunesien wollen um das Schiff dort überwintern zu lassen. Was
viele Franzosen tun. Wir geben ihnen unsere Karten von der Küste Spaniens, Ibizas und Sardiniens. Bei der Verabschiedung bekommen wir als Dank Wein und selbst gefangenen und eingemachten Thunfisch. Den habe ich heute probiert. Lecker. Wir wollen morgen wegfahren. Nach der Gezeitentabelle wäre neun Uhr morgens der richtige Zeitpunkt. Wir kennen nun ja die Strecke. Drei Stunden nach Hochwasser in Gibraltar müssen wir am Europapunkt sein um mit dem ablaufenden Wasser in Richtung Atlantik gespült zu werden. Ich glaube ich krieg mich nicht mehr. Heute um acht Uhr aufgestanden und was sehe ich? NICHTS! Dicker Nebel verhüllt Land und See. Das darf doch nicht wahr sein! Das nächste günstige Zeitfenster ist heute Abend gegen 23:00 Uhr. Wir hoffen, dass sich der Nebel bis dahin aufgelöst hat. Es ist auch Wind aus Ost angesagt, mit dem wir dann tagsüber durch die Straße von Gibraltar segeln können. Wir warten ab, wie immer.
Inzwischen ist der Nebel so dicht, dass wir die Fischerboote im Hafen nicht mehr sehen können. Nur die Fischer hören wir diskutieren. Unser Nachbar, ein Spanier erzählt uns, dass der Nebel bis Marokko und Malaga reicht. Hoffentlich müssen wir nicht wieder durch diesen hindurch.
Nun liegen wir, außerplanmäßig, an der Pier in Tarifa.
Was ist geschehen?
Wir sind in der Nacht gut vorwärts gekommen, trotz Nebel. Überall hört man die Nebelhörner. Gewarnt vom Erlebnis in der Adria mit der Fähre, lassen wir den Motor mitlaufen um bei Gefahr schneller reagieren zu können. In der Bucht von Gibraltar liegen ca. 30 Frachter und Tanker, wie auf einer Perlenschnur aufgereiht, auf Reede. Es werden immer mehr, sie kommen hauptsächlich aus Richtung Atlantik, also uns entgegen. Diese stören uns nicht so sehr. Man hat sie ja im Blick. Immer wieder hören wir ein Dickschiff tuten, sehen aber nichts. Mit der Zeit bemerken wir, dass sich ein auf Reede gelegenes Schiff, an Backbord in Bewegung setzt. Die Richtung die er einschlägt hat mit uns nichts zu tun. Der Bug bzw. die Positionslichter zeigen an, dass er unseren Weg achterlich kreuzen wird. Unter ständigem Hupen kommt er immer näher und war fast vorbei, als er plötzlich die Richtung ändert und hinter uns herfährt Wir werden nur deshalb darauf aufmerksam, weil uns das ständige Gehupe nervte. Er war bereits so nah, dass ich keine Positionslichter mehr sehen kann.. Werner bleibt nichts anderes übrig als Vollgas zu geben und nach Backbord (woher der andere vorher kam) auszuweichen und einen großen Kreis zu drehen um hinter dem Frachter wieder Kurs aufzunehmen. So ein Trottel. War es Absicht oder hat er uns nicht gesehen, was ich mir nicht vorstellen kann, hatte er uns doch achterlich schon fast gekreuzt. An uns vorbei, steht er immer noch auf dem Schiffshorn und hupt lustig weiter. Ich glaube der Kapitän denkt wohl „Augen zu, Hupe auf und durch“. Ich hätte zu gerne seine Nationalität gewusst. Vielleicht eine Billigflagge mit einem Kapitän, der einige Wochen zuvor noch gar nicht wusste was ein Schiff ist. Was mich weiterhin verwunderte ist sein Kurs. Normal hätte er in Richtung Verkehrstrennungsgebiet fahren müssen. Er aber er fährt genau parallel dazu.
Gegen zehn Uhr vormittags, wir passieren gerade Tarifa, fängt der Motor plötzlich an zu stottern. Ich sage: „Werner, fahr sofort nach Tarifa in den Hafen, es liegt direkt querab“. Wir drehten um und queren die unangenehme Kreuzsee, die auch auf der Karte verzeichnet ist. Das Vorschiff ist teilweise unter Wasser und der Wind weht uns genau auf die Nase. Wir sind klitschnass, hatten davor die Segeljacken bereits ausgezogen, da wir ja achterlichen Wind haben und es warm ist. Durch die eingetretene Situation haben wir keine Möglichkeit mehr, uns wieder anzuziehen. Wir sind ca. eine halbe Meile vor der Einfahrt als der Motor streikt. Durch Wind und Welle geschoben treiben wir genau auf die Klippen der Hafeneinfahrt zu. Werner meint noch, was nicht gerade zu meiner Beruhigung beiträgt: „wenn wir dort auflaufen ist nicht nur das Schiff hin, sondern wir auch“.
Werner stellt das Boot quer zum Wind und die Fock, die immer zur Stabilisation oben bleibt bläht sich auf und die Lady nimmt Fahrt auf. Es geht in Richtung Küste, wo die Wellen etwas kleiner sind. Nach einer Halse werden wir wieder in Richtung Klippen abgetrieben. Neue Halse und weiter in Richtung Küste. Nochmalige Halse und wir sind aus der Strömung und segeln in Richtung Afrika. In der Zwischenzeit verständige ich die Seenotrettung und sage ihnen wie es um uns steht und wir unter Segel nicht in den Hafen können. Sie erklären uns, dass wir dies auf keinen Fall versuchen sollen, da die Strömung in Richtung Klippen zu stark sei und wir es ohne Motor nicht schaffen würden. Einige Minuten später sind sie da und nehmen uns an den Haken. Sie schleppen uns in den Hafen und bugsieren uns an die Mole.
Nachdem wir an der Mole festgemacht haben, bestätigt man uns noch mal, dass wir uns richtig verhalten hätten, indem wir nicht versuchten den Hafen unter Segel anzulaufen. Alle die bisher glaubten sie könnten es schaffen landeten laut Auskunft der Seerettung auf den Klippen.
Ich bin fix und fertig und habe die Schnauze voll. Ich bin wütend, frustriert und ausgelaugt. Kann denn nichts normal sein! Dies passierte am Sonntag. Heute Dienstag kommt endlich der Mechaniker. Israel, von der Seerettung hat sich dahinter geklemmt. Es gibt nur zwei Mechaniker und keiner hat für uns Zeit. Es ist immer gut, wenn man einen einheimischen Fürsprecher hat. Wir liegen hier schließlich nicht in einer Marina, sondern in einem Fischer und Fährhafen. Wir werden mit einem Deutschen bekannt gemacht, der auch im Hafen liegt und seine 20 Meter-Motoryacht repariert. Einer seiner zwei Motoren ist ausgefallen. Ich erzähle ihm unser Erlebnis. Es beruhigt mich sehr, als er mir bestätigt, dass es nicht ungewöhnlich ist, dass immer wieder unvorhergesehene Dinge passieren. Und ich dachte schon nur uns geht es so. Er erzählt uns was er mit seiner 50 Jahre alten holländischen Motoryacht schon alles erlebt hat. Da haben sich meine Erlebnisse plötzlich relativiert und ich bin froh, dass uns nicht Schlimmeres passiert ist.
Auf Anraten des Mechanikers versuchen wir einen neuen Dieselfilter zu bekommen. Wir suchen ganz Tarifa danach ab. Ohne Erfolg. Also wird der alte gereinigt und wieder eingebaut. Ich hoffe er macht uns nicht noch mal Ärger. Heute Montag fahren wir mit der Katamaran Fähre nach Tanger. 35 Minuten für die ca. 25 Meilen. Wir werden bei der Ankunft von einem Fremdenführer angesprochen. Für 20 Euro nehmen wir seine Dienste an. Es ist ein älterer Herr (Berber) von 75 Jahren und spricht mehrere Sprachen. Er erzählt uns, dass er schon fast auf der ganzen Welt rum kam. Mohammed, so sein Name, führt uns durch verwinkelte Gässchen und kleine Geschäfte und zeigt uns die ehemalige Deutsche Botschaft. Dort hatte Kaiser Wilhelm I. zur Eröffnung einen Gummibaum gepflanzt. Inzwischen hat der Baum gigantische Ausmaße angenommen. Die Zeit vergeht viel zu schnell, es fängt schon an zu dämmern. Mit Tüten, Obst und Käse beladen, geht es zurück zur Fähre und nach Tarifa. Es waren herrliche Stunden. Zurück auf unserem Schiff fallen wir müde und mit wehen Füßen in die Kojen.
Heute am Mittwoch wollen wir eigentlich los. Aber wie schon so oft macht uns das Wetter wieder mal einen Strich durch die Rechnung. Es ist Wind bis zu 48kn (ca.90km/h) angesagt, so dass wir, selbst wenn wir es wollten, nicht aus dem Hafen kommen. Der Wetterbericht sagt allerdings für Samstag günstigere Verhältnisse voraus. Also was tun wir? Abwarten, wie immer. Das Geschaukel und der Gestank der Fähren, die stündlich an uns vorbei fahren gehen uns langsam auf den Keks. Segel, Mast und Schiff sind bereits vom schwarzen Ruß überzogen. Nachts um drei Uhr fährt bei diesem Sturm die Seenotrettung zu einem Einsatz. Am nächsten Tag, als wir uns den Wetterbericht abholen erzählen sie uns, dass sich ein Motorboot mit der Schraube in einem Fischernetz verfangen hatte. Da sie bei Dunkelheit nichts ausrichten konnten, blieben sie bis zum Tagesanbruch neben dem Motorboot liegen. Als die Sicht gut genug war, sprang ein Retter ins Wasser um das Netz zu kappen. Also dieser Job wäre nichts für mich. Man kann die Leistung dieser Leute nicht hoch genug einschätzen. Von hier aus auch noch mal unseren Dank für die uns geleistete Hilfe.
Am Samstag ab 16:00 Uhr lässt der Sturm nach. Es sind nur noch vier Bft. Laut Wetterbericht aber nur für einige Stunden. Die Tide ist günstig und wir wollen weg. Wir warten noch so lange bis die Fähre den Hafen verlässt, dann fahren auch wir los. Wir müssen noch mal kurz gegen Wind und Welle, Werner ist sofort wieder nass. Nach ca. einer Meile die Segel gesetzt, eine Wende und wir sind mit fünf Knoten auf Westkurs. Wir kommen wieder an den Wegpunkt an dem der Motor anfing zu stottern, am Rand der Kreuzsee. Es kommt einen Moment lang ein komisches Gefühl auf, aber dann sind wir auch schon vorbei. Wir segeln bis zum Ende des Verkehrstrennungsgebiets und queren es. Wind, Welle und Strömung stehen gut und wir segeln mit 7 – 7,5 Knoten. Die Großschifffahrt ist wirklich auf dem Posten und sie passen auf uns auf. Von weitem sehen wir schon wie sie ihren Kurs ändern um uns achtern zu queren.
Wir sind nun drei Tage unterwegs und Werner schläft, er bekam in der letzten Zeit doch sehr wenig Ruhe. Ich vertreibe mir die Zeit indem ich Brot backe. Es muss noch abkühlen, ich hoffe es ist was geworden.
Obwohl wir schönen Segelwind haben, müssen wir immer wieder den Motor anwerfen um die Batterien zu füllen. Etwas Luxus gönnen wir uns dann doch indem wir auf den Autopilot und kühle Getränke nicht verzichten wollen. Der Schiffsverkehr wird immer weniger. Wir sind nun so weit auf dem Meer, dass wir auch keine Fischer mehr sehen und auch um die Großschifffahrt wird es ruhig. Wir können nun ohne Stress segeln. Die Wachen werden bedeutend leichter, da man nicht unbedingt dauernd Ausschau halten muss. Das Radargerät läuft und warnt uns, falls ein Schiff oder ein anderes großes Objekt näher als 10 Meilen kommt.
Der Wind weht schon seit längerer Zeit gleichmäßig und ohne Böen, so dass Werner die Fock einholt und die Genua setzt. Ruhig und gleichmäßig rauscht unsere stolze Lady dahin. Wir unterhalten uns, was wir, wenn wir in Lanzarote sind, alles ändern und verbessern wollen. Als könnte sie uns verstehen legt sie einen Knoten zu und scheint uns zu sagen: „ich bin noch ganz fit, ihr müsst nur diese Kleinigkeiten ändern, ich bin besser als die jungen Dinger, denn ich habe Erfahrung“. Meine täglichen Streicheleinheiten scheinen doch was bewirkt zu haben. Selbst unser Autopilot streikt nicht mehr und steuert brav seinen Kurs. Er braucht ja nicht unbedingt zu wissen, dass er zum großen Teil später von einer Windsteueranlage ersetzt wird. Trotzdem hat er seine Daseinsberechtigung auf unserem Schiff nicht verloren.
Mit jeder Meile haben wir unser Schiff lieben gelernt. Natürlich waren die Zwischenfälle ein Problem aber besser jetzt als später. So wissen wir jetzt wenigstens worauf wir achten müssen. Die letzten Meilen in Richtung Lanzarote kommen uns unendlich lang vor und wir verbringen die Zeit mit Spiele z.B. Schiffe versenken – unseres war nicht dabei.
Noch 140 Seemeilen.
Heute werden wir in Lanzarote ankommen. Es ist jetzt 10:00 Uhr und wir sind 18 Meilen querab von Roque del Este. Es ist so diesig, dass wir Lanzarote noch nicht sehen können. Eine Stunde später taucht die Spitze des Monte Corona, einer der höchsten Krater auf Lanzarote, aus dem Dunst auf. Wir segeln an der Küste entlang, lassen Arrieta, Costa Teguise und Arrecife, die Hauptstadt, hinter uns. Bis jetzt hatten wir guten Wind, aber nun schläft er ein – denken wir. Stimmt gar nicht, wir segeln immer noch mit 5 Knoten. Wir sind von dem bisherigen guten Wind bloß so verwöhnt worden. Jetzt werden wir ungeduldig, Werner macht den Motor an, wir wollen so schnell wie möglich nach Playa Blanca in die Marina Rubicon.
Um 19:30 Uhr kommen wir dann auch dort an.
Wir sind da! Knapp 2500 Seemeilen liegen hinter uns.
Mich holt erst mal wieder der Alltag ein. Meine Kunden warten schon auf mich. Auf meine Hunde freue ich mich schon, denn die Sehnsucht nach ihnen wurde immer stärker. Werner wird noch einige Geschäfte abwickeln und dann kann er sich voll und ganz auf die Reparaturen und Verbesserungen konzentrieren um unseren großen Törn, unsere Weltumsegelung vorzubereiten.
Ich glaube die Angst und das Gejammer gehört dazu. Hast du keine Angst, dann hast du auch kein Gespür für Gefahren. Alles dies was wir erlebt haben soll aber auf keinen Fall jemand davon abhalten es nicht auch zu probieren. Die Erlebnisse sind unsere, die Gefühle sind unsere. Gewisse Situationen kann man sicher vermeiden aber wir lernen jeden Tag dazu.
Unter dem Strich gesagt, wir, besonders ich, würde es jederzeit wieder tun aber vielleicht ein klein wenig besser vorbereitet, da ich jetzt weiß, was auf mich zukommen kann. Ich habe alles bewusst niedergeschrieben, die Höhen und die Tiefen, damit mal jemand Ehrlich ist und auch zugibt Angst zu haben und wieder daraus lernt. Ich merke schon ich wiederhole mich. Habe Mut und Zuversicht, glaube an dich was du kannst, erinnere dich an deine Stärken und zeige sie. Ich denke so kann man das packen. Natürlich gehört auch ein Partner dazu der dich so nimmt wie du bist und nicht wie er dich vielleicht haben will. Das ist die Voraussetzung für gute Seemannschaft. Jeder hat seinen Platz, seine Aufgabe, seine Stärken und auch Schwächen. Das alles zusammen ist es. Ich möchte auf diesen Weg meinem Mann danken für seine unendliche Geduld mit mir, für seine Ruhe die er mir gibt
Dank gilt auch unseren Müttern, die leider unsere Fahrt nicht mehr erleben konnten. Dank auch an alle die wir unterwegs kennen gelernt haben, sie gaben uns Mut und Kraft. Nicht zuletzt unser Freund Manfred, der immer, wenn möglich per Handy „dabei“ war.
Besonderen Dank bekommt natürlich unsere Lady, sie hat uns mit ihrer Sicherheit und Stabilität hierher gebracht.
Nun sitzen wir auf unserem Schiff und können das Ende unseres gut überstandenen Abenteuers mit einer Flasche Sekt feiern.
Ach ja und nur ganz kurz bemerkt. Werner ist schon wieder am Reparieren, unser Stromkabel geht nicht. Der Alltag hat uns wieder.

Wir liegen hier in St Andre nicht alleine vor Anker. Ausser der Scorpio und uns ist auch noch ein Schweizer mit seinem Colin Archer Nachbau hier. Ein schönes Schiff mit Spitzgatt Heck und dem bezeichnenden Namen Robusta. Die Langzeitsegler sind kommunikative und kontaktfreudige Leute und pflegen oft viel Kontakt untereinander, vor allem bei gleichsprachigen. So lernen wir auch Thomas und seine Frau kennen. Er ist gerade bei Franz auf dem Boot und es werden Informationen ausgetauscht (Ratschen tun ja nur die Frauen). Franz erzählt auch, dass wir ohne Autopiloten fahren und dringend einen Raymarine ST4000 suchen. Eine Stunde später klopft es bei uns und Thomas „steht vor der Tür“, mit einer Plastiktüte in der Hand. „Hallo Thomas, komm doch an Bord“ lade ich ihn ein. Er streckt mir die Tüte entgegen und meint:“ich hab´Dir was mitgebracht“. Verwundert nehme ich die Tüte und schaue rein. Ein Autopilot. Fein. Dann trifft es mich wie ein Schlag und begreife was ich da in der Hand halte. Einen AUTOPILOTEN!! Mann das gibt es doch gar nicht. Sicherheitshalber frage ich dann doch nach ob er ihn mir wohl verkauft. Der war bei mir noch vom Vorbesitzer auf dem Boot und ich kann ihn leicht entbehren sagt er. Schnell werden wir uns handelseinig. Und einige Scheine wechseln den Besitzer. Mann, das ist ja ein Ding. Nicht nur, dass es ein Autopilot ist, nein auch noch genau den, den ich brauche. Es gibt noch Zeichen und Wunder. Was hab ich vor einiger Zeit geschrieben? Die Chance hier einen Autopiloten zu finden ist ungefähr so groß als würde mitten in der Sahara auf der höchsten Düne plötzlich eine Wasserfontäne hochschießen. Also so gesehen ist diese Wasserfontäne tatsächlich aus der Düne geschossen. Auf jeden Fall geht nun die Fahrt weiter mit einer dritten Person an Bord. Der arme Kerl wird sehr , sehr viel arbeiten müssen. Ich hoffe nur, er ist nicht überfordert.Denn eines ist klar, eigentlich ist der ST400 für ein Schiff wie unseres zu klein. Deshalb hat vermutlich sein Vorgänger auch den Geist aufgegeben. Ich hoffe nicht dass dieser so häßlich zu uns ist und zur GAAP (Gerkschaft für ausgebeutete Autopiloten) geht..

Das Wetter scheint gut zu werden, jedenfalls behauptet das die Vorhersage.Deshalb wollen wir morgen früh los.650 Meilen (1300km) bis Cabedelo. Wir rechnen mit, wenn es gut geht, sieben bis acht Tagen. Da wir auf der Fahrt hierher doch einiges an Diesel verbraucht haben will ich noch 120 Liter besorgen.Ich habe Calindo gebeten mich mit seinem Boot zur nächsten Ortschaft nach Cabralia, hier gibt es keine Tankstelle, zu bringen. Ich mache meine Kanister voll und dann geht es zurück zum Boot.

Calindo kommt am nächsten Tag um sieben Uhr morgens, eine Stunde später als ausgemacht. Er springt ins Wasser und schrubbt den Propeller der bereits wieder mit Muscheln bewachsen ist. Als kostenlose Zugabe befreit er auch noch die Wasserlinie von Algen und anderem Bewuchs. Um acht Uhr geht es Ankerauf und Calindo lotst uns mit seinem Boot, wie schon bei der Einfahrt, knapp am Riff vorbei aus dem Fluss. Wir verabschieden uns und fahren in Richtung Osten davon. Fünf Stunden motoren wir, vorbei an Unterwasserfelsen und Riffen bis wir im offenen Meer sind. Es kommt ein wenig Wind auf. Wir segeln eine halbe Stunde und der Spaß ist auch schon wieder vorbei. Wir testen gleich mal den Autopiloten. Er funktioniert. Ruhig zieht unsere Lady, den Steuerbewegungen des Autopiloten folgend ihre Bahn. Es ist schon ein besonderes Feeling wenn man sich fahren lassen kann und nicht selber fahren muss. Der Automat arbeitet wie wild. Hin und her, her und hin. Ich hoffe nur er gibt nicht seinen Geist auf. Wollen ja nichts verschreien.

Franz ist bereits nach neun Stunden schon wieder am Horizont verschwunden. Denke, dass wir wohl einen bis eineinhalb Tage für die Strecke länger brauchen werden als er. Es ist später nachmittag und es kommt wieder Wind auf. Aus Ost. Wir knüppeln gegenan. Das wird wohl so bleiben, bis Cabedelo. 650 Meilen hoch am Wind. Der Mond steht bereits am Nachmittag hoch am Himmel. Schlecht für uns, denn dann geht er bald unter und wir haben wieder eine jener tiefschwarzen Tropennächte vor uns.

Mit vier Knoten segeln wir der Nacht entgegen. Der Autopilot arbeitet gut aber so ganz vertrauen wir ihm bis jetzt dennoch nicht. Wir bleiben im Cockpit um sofort parat zu sein falls etwas schief geht. Die Nacht vergeht ruhig bis gegen drei Uhr morgens plötzlich der Wind von einer Sekunde zur anderen von 15 auf 23 Knoten springt. Natürlich ist alles Tuch oben. Groß, Genua, Fock.Sofort entkoppele ich den Autopiloten und drehe unsere Lady aus dem Wind.Annemarie legt mir die Genuaschot und die Rollleine zurecht. Danach übergebe ich ihr das Ruder und ich rolle die Genua ein. Dabei halte ich mit der linken Hand die mehrmals um die Winsch gelegte Schot und fiere sie langsam auf bis die Genua im Wind flattert, dann ziehe ich an der Rollleine und rolle die Genua weg. Das wiederhole ich mehrmals bis soviel Tuch steht wie ich brauche. Die Fock bleibt wie sie ist und gibt genügend Vortrieb. Zehn Minuten später ist alles vorbei und wir rollen die Genua wieder aus. Diesmal aber nicht so viel wie vorher. Aus Sicherheitsgründen nur bis zur Hälfte. Im nachinein gesehen war das Vorausschauend, denn eine Stunde später haben wir plötzlich wieder 23kn Doch diesmal müssen wir nicht ablaufen, haben ja weniger Tuch am Mast.

Es ist 5:00 Uhr und es zeigt sich das erste grau. Wir segeln zwar ohne Probleme aber dafür ungemütlich und hoch am Wind. Plötzlich steigen zwei große Wellen hintereinander am Bug hoch und knallen mit lautem krachen auf das Vordeck. Der 25kg Anker wird aus der Halterung gerissen und liegt nun quer auf dem Trittblech des Bugspriets. Glück gehabt dass er nicht über Bord gegangen ist. Er ist schon gesichert und könnte nicht in der Tiefe verschwinden aber es wäre ein schönes Stück Arbeit ihn wieder an Bord zu hieven. Die Wellen gehen hoch so 3-4 Meter und der Bugspriet knallt immer wieder aufs Wasser. Es hilft alles nichts, ich muss nach vorne zum Anker.Ich lege mir die Rettungsweste an, picke mich mit der Lifebelt in das ums ganze Boot laufende Sicherheitsband ein. Langsam mit beiden Händen mich an der Edelstahlreling sichernd arbeite ich mich in Richtung Bug dem Anker entgegen. Genau in dem Augenblick als ich den Anker wieder zurück in die Halterung heben will, hebt uns eine große Welle an die zwei Meter hoch und lässt uns mit lauten krachen zurück in das Wasser fallen. Meterhohe Gischt steigt zu beiden Seiten des Bugspriets hoch und fällt dann zusammen. Ich kann es gar nicht glauben, nicht einen Tropfen habe ich dabei abbekommen.Der Anker und ich sind, Neptun sei Dank, nach dieser Aktion immer noch dort wo wir vorher auch waren. Weder Anker noch ich sind über Bord gegangen.Während die nächsten Wellen anrollen und mit uns Achterbahn fahren sichere ich mit eine zusätzlichen Leine den Anker. Nun sitzt er fest und sicher in der Halterung. Im Cockpit angekommen sagt meine Bordfee zu mir: „mein Held“. Aufrecht und mit stolz geschwellter Brust, dass fast die Muskeln platzen läuft mir dieses Lob runter wie bestes Olivenöl. Aber wie sagte schon mal ein Dichter? Der Not gehorchend, nicht dem eigenen Triebe. Annemarie erzählt mir, dass sie die Wellen regelrecht beschworen hat mich doch nicht allzusehr durchzuschütteln und mich nicht von Bord zu holen. Wie man sieht es hat geholfen. Es ist nicht mehr viel los heut (worauf ich auch gerne verzichten kann) Die Nacht ist ebenfalls relativ ruhig. Wir laufen zweimal ab wegen starken Wind, trotz gereffter Genua. Aber jetzt sitzen wir im Cockpit bei absoluter Flaute. Also ist motoren angesagt. Dauert nicht lange, eine viertel Stunde und wir holen die Genua wieder raus und segeln dem neuen Tag entgegen. Es ist ein schöner, und bist jetzt, ruhiger Tag. Obwohl wir hoch am Wind segeln, liegt das Boot ruhig und wir haben kaum Lage. Der Wind weht mit 14-16kn und wir machen dabei 4kn Fahrt.

Annemarie ist in der Pantry und bereitet eine Brotzeit vor. Wir genießen das selbstgemachte Brot mit Wurst, Käse, Essiggurken und Oliven. Leider ohne Bier, denn Alkohol ist, so lange wir auf See sind Tabu.

Es ist dunkel, schließlich haben wir schon 19:00 Uhr. Der Halbmond spendet für kurze Zeit etwas Licht bevor er wieder hinter den Wolken verschwindet. Ich fahre den Computer hoch um unsere Position auf der elektronischen Karte zu überprüfen. Die Batterie des Computers ist fast leer, so schalte ich den Wechselrichter an um den Computer ihn mit 220 Volt zu „füttern“ Doch plötzlich kommt ein klack,klack,klack aus dem Converter und der Strom ist weg. Ich ziehe den Stecker und sehe, dass die am Wechselrichter angebrachte Steckdose nach innen in das Gerät gefallen ist Das fehlt gerade noch. Jetzt kann ich das blöde Teil auch noch demontieren. Der Tag wäre ja sonst zu schön verlaufen. Ich hole das Werkzeug aus dem Schrank Als ich die Tür aufmache fallen mir etliche Kästchen mit sorgsam sortierten elektrischen Kleinteile entgegen. Natürlich fallen sie auf den Boden und natürlich gehen sie alle auf. Mehrere hundert Quetschverbindungen, Kabelschuhe und sonstige Kleinteile liegen am Boden verstreut. Bei der Schaukelei ist kein Teil im Schrank mehr dort wo es hingehört, denn der Schrank ist natürlich auf der höher liegenden Seite des Bootes und die Krägung beträgt zwischen 15 und 20°. Ich habe absolut keinen Nerv mehr und so klaubt Bordfrau alles zusammen, ungeordnet. Natürlich, wäre aber auch wirklich zu viel verlangt. Das werde ich dann selbst beheben wenn wir an unseren Zwischenstop angekommen sind. Der zweite Versuch an die Werkzeugkiste zu kommen verläuft nicht besser als der erste. Eine kurze Neigung unserer Lady zur logischerweise verkehrten Seite befördert Schrauben kästen, Kabelbinder und was sonst noch in der Nähe der Tür ist auf den Fußboden. Alles schön verteilt. Meine Laune steht unter dem Nullpunkt. Irgendwelche Götter meinen es heute nicht gerade gut mit mir. Ich räume alles weg und kann beim öffnen der Tür tatsächlich verhindern dass noch was rausfällt. Vielleicht ist aber auch nichts mehr drin. Will ich gar nicht wissen. Trotz aller Unbilden komme ich doch noch an meinen Werkzeugkasten um den Inverter zu zerlegen. Als ich ihn öffne fallen mir allerhand Plastikteile entgegen die wohl mal eine Steckdose waren. Sie ist auf billigste Art und Weise zusammengesteckt und von einem winzigen Plastikteilchen auf Position gehalten. China lässt grüßen.Wenn da ein Stecker wie gewöhnlich ein und ausgesteckt wird muss das ganze Gebilde über kurz oder lang auseinanderfallen. Diesem Mist bereite ich mit einer Schraube (hoffentlich) ein Ende. Den Inverter wieder an seinen Platz geschraubt und Batterien angeschlossen. Funktioniert wieder. Trotzdem werde ich dem Teil bei Gelegenheit eine oder zwei externe Steckdosen in vernünftiger Qualität verpassen. Diese leichte Reparatur durchzuführen ist gar nicht so leicht bei dieser Schräglage. Ich bin komplett durchgeschwitzt und muss das T-Shirt wechseln.

Es ist so viel wie keine Berufsschifffahrt unterwegs, jedenfalls nicht so weit von der Küste. Wir sind im tiefen Gewässer also ausserhalb des Festlandsschelf und da gibt es auch keine Fischer mehr und die Großschifffahrt fährt meistens in Küstennähe. In den letzten drei Tagen nur ein Containerschiff gesehen und das war weit entfernt. So verbringen wir den größten Teil der Nacht schlafend im Cockpit. Derjenige der Wache hat streckt so alle halbe Stunde den Kopf raus und sucht die Dunkelheit nach Lichtern ab. Der Autopilot hält uns auf Kurs und so ist alles recht easy. Da macht dann segeln Spaß. Auch tagsüber bleibt es ruhig und es ist sehr angenehm. Doch in der Nacht wird es unruhiger. Der Wind hat etwas gedreht und wir können unseren Kurs nicht mehr halten. Mehr und mehr werden wir in Richtung Küste abgedrängt. Kreuzen kommt für uns nicht infrage also sgeln mit Motorunterstützung. Ich lasse den Motor an aber es rührt sich nichts. Nur ein“klack“ statt ein „brumm“ist zu hören. Was ist nun schon wieder los? Ich prüfe erst mal die Batterie. 12,7 Volt, also voll. Ich schließe die Startbatterie mit den Servicebatterien zusammen. „Klack“ ist alles was wir zu hören bekommen. Da es Nacht ist habe ich keine große Lust nach dem Fehler zu suchen. Wir setzen Segel und es geht auf dem vorherigen Kurs weiter. Gefahr besteht wegen des Kurses nicht, denn wir sind weit genug vom Land weg. Plötzlich werden wir von 5kn auf 1,7-2kn eingebremst obwohl der Wind nach wie vor mit 17kn weht. Doch mit einem Schlag ist er ganz weg. Jetzt setzen wir alle Segel. Doch genau jetzt setzt der Wind mit 20kn wieder ein. Sofort rolle ich die Genua wieder ein. Fock und Groß stehen. Das reicht. Aber nicht für lange, denn der Wind hat schon wieder aufgehört.Genua wieder ausrollen ist angesagt. Kaum ist sie raus knallt uns der Wind schon wieder mit 20kn um die Ohren. Nicht nur das, es fängt auch an zu regnen. Es schüttet wie aus Eimern. Der Regen prasselt nur so gegen unser Sprayhood. Der Wind nimmt zu auf 24kn und die Wellen werden höher und unangenehmer. Der Autopilot schuftet wie ein Wilder um die Lady auf Kurs zu halten. Braver Kerl. Er ist wirklich ein Goldstück. Doch der Antriebsriemen der die Kraft des Autopiloten auf das Steuerrad überträgt rutscht immer wieder durch. Vom vielen Gebrauch ist das am Steuerrad angebrachte Antriebsrad glatt und der Zahnriemen findet keinen richtigen Halt mehr. Mir kommt die Idee ein Stück eines alten Zahnriemens auf das Antriebsrad zu kleben so dass beide Zahnriemen ineinander greifen können.. Dann ziehe ich den neuen Antriebriemen wieder auf.. Er kann jetzt nicht mehr rutschen. Funktioniert super.

Anfahrt Cabedelo

Wind und Regen nehmen zu und es bläst uns unangenehm mit 25kn auf die Nase. Wir haben die Fock gesetzt und ein klein wenig Genua. Mit sechs Knoten brausen wir gegen Wind und Welle durch die Nacht. Nicht besonders gemütlich aber auch nicht zu ändern. Ich habe die Nase voll und packe mich im Cockpit hin. Annemarie schläft im Salon. Bald bin ich eingeschlafen, doch es ist kein Tiefschlaf. Von Zeit zu Zeit wache ich auf und mache dann einen Rundblick und halte Ausschau nach anderen Schiffen. Aber bei diesem Sauwetter ist eh nichts zu sehen. Es kachelt und regnet die ganze Nacht, doch als das erste Grau am Horizont erscheint lassen Regen und Wind nach. Jetzt bläst es noch mit erträglichen 17kn. Bald sind dann auch die restlichen Wolken verschwunden und die Sonne geht auf. Ein Blick auf die Karte zeigt mir, dass wir bereits fünf Meilen neben unserem Wegpunkt sind. Ach ja, der Motor muss auch noch dazu gebracht werden seine Arbeit aufzunehmen. Ich drehe erst mal mit einem passenden Schlüssel den Motor durch um zu prüfen ob nicht evtl. Wasser in den Zylindern ist. Danach verpasse ich mit einem Gummihammer dem Anlasser einige deftige Schläge auf den Magnetschalter und drehe den Zündschlüssel. Diesmal kein „klack“ sondern ein „brumm“. Der Motor springt sofort an. So kämpfen wir gegen drei Meter Welle und Wind an. Es geht den ganzen Tag weiter mit Genua raus, Genua rein, Motor an, Motor aus usw. so dass wir kaum Zeit zum Ausruhen finden.Zwischendurch immer wieder heftige Regenschauer, ähnlich den Squalls in Äquatornähe. Es ändert sich plötzlich die Windrichtung und der Wind kommt aus der entgegengesetzten Himmelsrichtung. So plötzlich wie sich die Richtung ändert, ändert sich auch die Windstärke. Statt 15 sind es plötzlich 25kn. Zehn Minuten später absolute Flaute. So vergehen Stunden und Tage und Nächte.

Der Tagestank ist mal wieder leer und es ist Zeit zu tanken. Ich lege den Schalter um und schon fließen 20 Liter Diesel vom Haupttank in den Tagestank. Im Motorraum vor dem Schauglas des Tagestanks sitzend beobachte ich den Tankvorgang. Der Tank ist voll und mir tropft Diesel aus dem Tank auf meine Knie. Nanu, warum das? Der Tank pisst wie ein Wallach. Das war doch vorher nicht. Ich gehe der Sache auf den Grund und sehe dass er am Einfüllstutzen plötzlich leckt. Schnell stelle ich einen Eimer unter um nicht den ganzen Diesel in die Bilge laufen zu lassen. Gelingt mir allerdings nur zu einem kleinen Teil. Ganz so schlimm ist die Undichtigkeit im Moment nicht. Muss dann eben einige Liter weniger auffüllen. Als ich wieder in den Motorraum steige um nach dem Leck zu sehen bekomme ich einen Schock. Die Motorbilge steht randvoll mit Wasser. 30-40 Liter. Woher kommen die denn so plötzlich? Ich schalte die Lenzpumpe ein um das Wasser abzupumpen. Diese hat noch keine 20 Liter abgepumpt als sie ihren Dienst verweigert.Diese Dinger taugen wirklich nichts. Es ist eine fast neue Pumpe. Zwar „Markenware“ aber auch nicht besser als „No Names“. Die sind wirklich umsonst aber nur nicht umsonst zu erwerben. Das heißt, ganz umsonst sind sie nicht, denn sie können immer noch als schlechtes Beispiel dienen wie man früher gute Qualität heute mit schlechter Qualität aus China ersetzt. Nun ist aber wirklich Hektik angesagt. Ich brauche sofort etwas zum schöpfen. Ich schneide einer Wasserflasche den Kopf ab und beginne zu schaufeln.Sie hält nicht lange, sie ist zu weich und schöpfen ist damit auch schwierig. Der Literbecher aus der Pantry ist gerade richtig. Aus festem Plastik. Ich schöpfe wie wild das Wasser von der Bilge in das Cockpit wo es durch die Lenzrohre ablaufen kann. Das geht zu langsam. „Ich brauche einen Eimer, aber schnell“ rufe ich Annemarie zu. „Ich habe keinen Eimer“ kommt es von ihr zurück. „Verdammt gib mir einen Eimer“ „Ich habe keinen Eimer“ echotet es zurück. Nachträglich kommt es mir vor wie: ein Loch ist im Eimer oh Henry, oh Henry…

„Natürlich hast Du einen Eimer“ rufe ich ihr zu. „Nimm den von der Schmutzwäsche oder unseren Duscheimer verdammt nochmal, ist mir doch scheißegal, sieh aber endlich zu, dass Du einen Eimer herbringst“ schreie ich sie an. Mein Adrenalinspiegel hat längst das Maximum überschritten. Da ist Ruhe und Höflichkeit längst vergessen. Wir werden doch nicht mitten in der Nacht bei hoher See und 20kn Wind hier absaufen, teile ich Annemarie meine Befürchtung mit und muss an Freunde denken die vor einigen Jahren vor den Kap Verden ihr Schiff verloren haben wegen eines nicht gefundenen Lecks. Endlich gibt Annemarie mir den Eimer und ich schöpfe und schöpfe und schöpfe. Den Eimer mit 15 Liter Wasser stemme ich über Kopfhöhe und entleere ihn in das Cockpit. Endlich zeigt sich ein Erfolg. Das Wasser in der Bilge wird weniger. Doch zehn Minuten später ist die Bilge wieder voll. Die ganze Hektik beginnt von vorne. Ich weiß nicht woher das Wasser kommt. Als die Bilge wieder leer ist beginnen wir das Leck zu suchen. Im schaue im Achterpiek, kontrolliere den Ruderschaft, hebe in der Achterkabine die Bodenbretter hoch. Nirgends ist was zu finden. Die ganze Suppe in der Bilge ist so ölig, dass ich es mir verkneife zu probieren ob es Süß oder Salzwasser ist. Jedenfalls geht die Suche weiter. Ich überprüfe die Seeventile. Nichts. Da sagt Annemarie plötzlich: „ich höre doch Wasser plätschern“. Stimmt, ich höre es auch und zwar direkt in der Bilge. „Werner, hier ist ein durchsichtiger Silikonschlauch und da kommt Wasser raus“ teilt mir Annemarie mit. Schlagartig ist mir klar, die ganze Aufregung, die ganze Hektik, die barschen Worte und das produzierte Adrenalin , alles umsonst. Wassertank und Bilge haben eine gemeinsame Trennwand. An dieser Trennwand ist ein Messschlauch angebracht an dem man den Wasserstand im Tank ablesen kann und eben dieser Schlauch hat sich entschlossen sich von seinem Anschluss zu lösen und das Wasser in die Bilge laufen zu lassen. Also ist es Wasser das bereits im Boot ist und nicht zusätzlich dazu kommt. Wir haben jetzt einge zehn Liter weniger von den ursprünglichen 500 Litern Frischwasser im Tank aber damit können wir leben. Die ganze Aktion dauert über zwei Stunden. Den Motor haben wir schon vorher gestoppt. Der Autopilot ist der einzige der in Ruhe weiter arbeitet und uns auf Kurs hält.Wir machen den Motor an und fahren weiter.

Gesamtstrecke ab Rio

Am nächsten Tag das gleiche Bild wie vorher was das Wetter betrifft. Motor an, Motor aus, Genua raus, Genua rein. Wir kommen an den Wegpunkt wo wir Cabedelo direkt anlegen können. Dort müssen wir den Kurs ändern , was zur Folge hat, dass wir platt vor dem Laken segeln müssten. Also Genua raus und ausbaumen und den Baum auf der anderen Seite ganz ausfahren und mit Bullentalje sichern. Schmetterlingsfahrt. Aber nicht mit mir. Dazu haben wir beide keine Lust.Geht auch gar nicht. Denn es ist ja nicht so, dass in der Zwischenzeit nichts passiert wäre. Ich mache (mit den Augen) meine Runde übers Deck und sehe da eine schwarze Scheibe liegen. Nanu, wo kommt die her und was ist das? Bei näherem Betrachten entpuppt sich dies Scheibe als Umlenkrolle für den Achterliekstrecker. Der Bolzen, der zugleich Achse für den Achter und Unterliekstrecker ist hat sich gelöst und ist einige Zentimeter aus der Halterung gerutscht. Wie so was passieren kann habe ich keine Ahnung. Mit einem Hammer schlage ich ihn wieder vorsichtig zurück in seine alte Stellung und sichere ihn mit einem starken Tape, so dass er nicht wieder herausrutschen kann.Das zweite was ich sehe ist, dass das Band das den Unterliekschlitten mit dem Segel verbindet durchgescheuert ist und nun das Segel einen Meter über dem Baum schwebt. Es wird nur noch vom Unterliekstrecker festgehalten.Ich nehme mir eine Leine und binde damit das Schothorn fest. Dann lege ich diese Leine zur Umlenkung über die hintere Festmacherklampe nach vorne zur Winsch. Drei Buchten um die Winsch gelegt und festgezogen. Nun ist das Unterliek wieder dort wo es sein soll, nämlich auf dem Baum. Nachteil bei der ganzen Sache: Großsegel trimmen nicht mehr möglich. Vorteil: eine zusätzliche Bullentalje, so dass der Baum garantiert keine Patenthalse verursachen kann. Aber wie gesagt, die vorher erwähnte Schmetterlingsfahrt hat sich damit auch erledigt.

Bis zur Einfahrt in den Rio Paraiba der uns nach Cabedelo bringen soll sind es noch 30 Meilen. Dafür haben wir noch 14Std. Zeit. Zum einen weil wir bei Tageslicht ankommen wollen und zum anderen weil wir einlaufendes Wasser brauchen. Gegen den Strom einzulaufen,der bis zu 5kn betragen kann ist wahrlich kein Vergnügen. Wir bergen die Segel komplett und tuckern mit 1000U/Min und zwei Knoten Fahrt bei wilder Schaukelei durch die Nacht.

Aber wie alles, geht auch das mal vorbei und wir sind pünktlich in der Einfahrt bzw. am Beginn der Bojenstraße.Das Wetter ist saumäßig. Annemarie steht am Ruder und ich regelrecht im Regen. Ich stehe ausserhalb des Cockpits mit einem Lappen und wische alle paar Sekunden die Scheiben des Sprayhoods sauber, damit mein angestrengt schauender und konzentrierter Rudergänger freie Sicht nach vorne hat. Meine Hände sind von dem nassen Lappen und dem Regen schon total aufgeweicht. Irgendwie ist das Ganze ein sinnloses Unterfangen. Die Sicht ist so schlecht, dass wir weder das weiße Licht noch die Silos die an der Einfahrt stehen, als Navigationshilfe benutzen können, denn beides ist nicht sichtbar. Dazu haben wir ausser der schlechten Sicht noch hohe Wellen und Gegenwind. Die Betonnung des Fahrwassers ist wirklich erst in letzter Minute zu sehen. Die Sicht reicht nicht mal von einer Boje zur anderen. Nur gut, dass die Einfahrt relativ einfach ist und keine besonderen Schwierigkeiten aufweist.

Als wir zwei Stunden später an unserem Etappenziel ankommen fahren uns Babsi und Christoph von der Taurus schon mit dem Dinghy entgegen um uns zu begrüßen. Die beiden haben wir 2010 in Rio Grande vor Ihrer Weltumsegelung kennen gelernt, die sie jetzt beendet haben. Sie wollen ebenfalls weiter in die Karibik um von dort aus durch die USA und den Intracoastl Waterway nach Grönland zu gelangen. Wir werden erst mal ausschlafen, das Boot in Ordnung bringen und dann sehen wir wann es weiter in Richtung Karibik geht. Vermutlich werden wir noch einige Ziele an der Nordküste Brasiliens anlaufen und dann nach französisch Guiana und Surinam segeln. Aber das steht im Moment noch nocht zur Debatte.

Es gefällt uns in Buzios. Es ist ein schönes Städtchen mit viel Tourismus. Während der Saison möchten wir nicht unbedingt hier sein, da wäre uns der Rummel zu groß. Buzios lässt sich am ehesten mit Ibiza vergleichen, was den Rummel und die Preise anbelangt. Geschäfte, die wir Fahrtensegler am liebsten aufsuchen wie z.B. Schiffszubehör, Metallwarengeschäfte und sonstige nützliche Verkaufsstellen sucht man hier vergeblich.

Wir sitzen im Cockpit und genießen die Wärme und die Sonne. Ein Motorboot kommt bei uns in Rufnähe vorbei und fragt ob wir aus Rosenheim wären, was wir bestätigen. Dieter so sein Name erzählt uns, dass er seit 33 Jahren in Brasilien lebt und mit einer Brasilianerin verheiratet ist. Ihm gehört die Kneipe an der Strandstraße mit dem Namen No Moro (am Berg oder am Hang). Wir sollen ihn doch mal besuchen und das erste Bier geht auf Kosten des Hauses. Gerne nehmen wir das Angebot an.

Es ist Abend wir fahren mit dem Dinghy an Land und besuchen Dieter. Hier lernen wir auch Michael kennen. Dieter und Michael sind Freunde und Geschäftspartner. Michael ist in Brasilien geboren, seine Eltern sind aus Deutschland ausgewandert. Er machte seine Ausbildung als Automechaniker in Deutschland. Obwohl er deutsch in Brasilien gelernt hat beherrscht er die Sprache akzentfrei. Etwas später kommt noch Jürgen dazu, ebenfalls ein hier hängen gebliebener Deutscher und mit einer Einheimischen verheiratet.

Wie fast überall in Brasilien gibt es auch hier immer wieder Probleme mit dem Internet. Es fällt dann, aus welchen Gründen auch immer, für einige Tage aus. Die Leitungen sind marode und hängen mit tausend anderen Stromleitungen wirr in der Gegend rum. Aber das Wetter für die nächsten Tage können wir trotzdem runterladen.. Es sieht gut aus für die Weiterfahrt. Angesagt sind für die nächsten vier Tage Wind mit bis zu 20kn aus Süd bis Südost oder Ost. Die Entfernung zum nächsten Ziel, den Abrolhos, welche 50nm (knapp 100km) vor der brasilianischen Küste liegen beträgt 400nm(750km). Wenn uns der Wind nicht in Stich lässt sind wir in drei Tagen am Ziel. Hört sich nicht viel an aber wenn man zu zweit ist und rund um die Uhr am Ruder sein muss, dann ist es nicht unbedingt ein Vergnügen.

Das Riff

Am 24.06. gegen 10:30 geht es Anker auf. Der Wind bläst in den Böen bis zu 20kn und die Welle ist unangenehm kurz und kommt Steuerbord querab (für Nichtsegler: von der rechten Seite). Wir setzen das Groß, nicht nur um zu segeln, sondern auch um die Schaukelei in einem erträglichen Maß zu halten. Der wechselnd starke Wind und die unangenehme Welle hält an bis wir aus dem Festland und Inselbereich raus sind. Er bläst auch hier nicht weniger stark aber gleichmäßiger. Die Wellen werden höher und länger. Langsam stimmen Wind und Welle überein und es geht recht flott mit vier bis fünf Knoten voran. Der Tag geht zu Ende und langsam wird es dunkel. Unsere Lady meint es gut mit uns. Sie zieht alleine ihre Bahn ohne dass wir ins Ruder greifen müssen. Ich habe Wache, sitze im Cockpit und beobachte den Windanzeiger. Es ist leichter nach der Windanzeige den Kurs zu steuern als nach dem Kompass oder GPS. Aber wie gesagt im Moment bin ich Kontrolleur und nicht Steuermann. Ist herrlich entspannend und die Nachtwachen werden dadurch erheblich erleichtert. Alles ist mal zu Ende, so auch das relaxte Segeln. Der Wind wird schwächer, das Tempo langsamer und bald fahren wir mit Motor weiter. In zwei bis dreistündigen Rhythmus wechseln wir uns am Ruder ab. Wir nehmen das nicht so genau. Ja nach Lust und Kondition. Schlaf ist bei dieser Schaukelei und dem Motorlärm kaum möglich. So geht es weiter. Mal segeln, mal motoren. Die Scorpio hat uns nach Strich und Faden abgehängt. Wir sehen sie schon lange nicht mehr. Sie ist schneller unter Segel und auch schneller unter Motor aber die Verbindung ist nicht abgerissen. Wir haben unseren KW-Funk. Zwei mal am Tag sprechen wir miteinander und tauschen Informationen aus. Nach drei Tagen um 5:00 Uhr morgens ist die Scorpio am Ziel. Um 23:00 Uhr kommen wir mit Nervenflattern aber Wohlbehalten am Ankerplatz an der Nordseite der Hauptinsel Santa Barbara an. Der Schlammhakl saust in respektvoller Entfernung vor dem die Insel umgebenden Riff in die Tiefe. Sie beträgt zehn Meter und so kommen 50 Meter Kette zum Einsatz.

Das schützende Riff

Am nächsten Tag verlegt die Scorpio auf die Südseite der Insel. Der Wind soll nach Nord drehen. Wir haben keine Lust. Wir wollen erst mal ausruhen und etwas von dem verlorenen Schlaf nachholen. In der Nacht dreht der Wind aber er weht nur leicht. Am Ankerplatz wird es rollig, doch wir sind so müde, dass wir trotzdem gut schlafen. Am nächsten Tag holen wir den Anker aus dem (zehn Meter) tiefen Grund und verkrümeln uns ebenfalls auf die Südseite und ankern in einer schönen Bucht neben der Scorpio. Es dauert nicht lange und es kommt ein Schlauchboot mit zwei Personen angefahren. Es ist Laura, eine Studentin der Biologie und ein junger Mann der Naturschutzbehörde deren Institut auf der Insel steht. Laura die Studentin macht hier ihr letztes Praktikum bevor sie promoviert. Der junge Mann mit seinen Rasterlocken ist Angestellter des Instituts. Er spricht sogar etwas deutsch was uns sehr verwundert. Er erzählt uns, dass er mal drei Monate in Zürich gearbeitet hat. Laura belehrt uns darüber was wir hier tun und nicht tun dürfen wie z.B. nichts von den Inseln mitnehmen, keinen Abfall ins Meer werfen auch keinen organischen, welche Inseln man besuchen darf (mit Führer natürlich) und welche nicht usw. Die Hauptinsel Santa Barbara darf auf keinen Fall ohne Genehmigung betreten werden, sie ist Militärgelände. Wir aber haben die Genehmigung bekommen. Anna von der Scorpio hat über Funk angefragt. Wir wollen nämlich den Leuchtturm besichtigen und bekommen für 16:00 Uhr einen Termin. Franz und Anne fahren bereits mit dem Dinghy an Land. Ich muss unseres erst zu Wasser lassen. Verdammt nochmal, ich habe vergessen den Lenzstopfen zu schließen und so läuft Wasser ins Boot. Ich hiefe es wieder hoch. Das Dinghy hängt am Flaschenzug und ich versuche den Stopfen in das dafür vorgesehen Loch zu stecken. Vergeblich, ich komme nicht ran. Ich versuche es mit dem Bootshaken. Die Schnur an der der Stopfen befestigt ist reißt und dieser verschwindet auf Nimmerwiedersehen im Wasser. Klasse Werner, hast du gut gemacht. Besuch gestorben, können ja schließlich nicht zur Insel schwimmen. Doch Rettung naht. Der Comandante persönlich setzt sich ins Schlauchboot und holt uns ab. Wenn das kein Service ist.

Der freundliche Onkel

Die Besichtigung ist sehr interessant, es ist schließlich mein erster Leuchtturm. Bei Dämmerung darf Milena die dreijährige Tochter von Anna und Franz den Leuchtturm einschalten. Für die Kleine ein großes Erlebnis. Ist wohl ein Familienerbe. Vor vier Jahren als Franz das erste mal hier war durfte er den Leuchtturm einschalten

Natürlich wollen wir die Ilha Redonda (runde Insel) besuchen. Der Termin ist für heute Nachmittag angesagt. Ein größer Motorcat kommt mit einen ganzen Stall voll Biologiestudenten vom Festland. Sie wollen ebenfalls Ilha Redonda besuchen. So einigen wir uns darauf, dass erst die Gruppe geführt wird, dann wir was uns auch lieber ist, denn eine Führung in englisch finden wir allemal besser als in portugiesisch.

Die Studenten sind weg, die Mittagspause längst vorbei und wir warten noch immer auf Laura.die uns führen wird. Endlich kommt sie und wir werden mit einem Schlauchboot zur Insel befördert wo wir ziemlich feucht abgesetzt werden. Es ist die Brutinsel für verschiedene Seevögel. Allein die Tölpel sind mit fünf verschiedenen Arten vertreten. Die Vögel sind so zutraulich, dass na sie fast berühren kann, was wir tunlichst vermeiden wenn wir ihre langen spitzen Schnäbel betrachten. Man kann ja nie wissen…Wir sehen Vögel in verschiedenen Stadien ihrer Entwicklung. Welche im Daunenkleid und welche die fast flügge sind. Auch einen Rotschnäbligen Tropenvogel sehen wir mit seinen Jungen unter einem Felsvorsprung. Ich habe diesen Vogel erst einmal gesehen und zwar damals bei der Atlantiküberquerung. Ein herrliches Flugbild. Ein weißer Vogel ind der Größe eines Aras. Er sieht mit seinen langen Schwanzfedern im Flug auch fast aus wie ein Papagei. Ein fast flugfähiger toter Tölpel liegt zwischen den Steinen am Boden. Vermutlich ist dem fütterndem Elternteil etwas zugestoßen. Er wurde nicht mehr gefüttert und ist verhungert. Am späten Nachmittag bevor die Dämmerung einsetzt sind wir wieder zurück auf unseren Booten. Wir fragen was wir für die Führung schuldig sind.. Eigentlich, so erfahren wir, pro Person 56 Riales (ca. 16€) aber im Moment stehen keine Rechnungsformulare zur Verfügung und deshalb ist die Führung kostenlos. Wir spenden trotzdem etwas und verabschieden uns von Laura und dem „Rasterman“, denn schon morgen wollen wir weiter nach St. Andre.

Bis St. Andre sind es 90 Meilen und das heißt für uns, dass wir morgen da sind, also nur eine Nacht unterwegs. Das werden wir wohl auch noch schaffen. Wir segeln bzw. fahren los, denn der Wind lässt noch auf sich warten. Nach etwa zwei Stunden mit Motor ist es so weit, dass wir Segel setzen können. Mit vier Knoten geht es dahin. Die Scorpio hat bald wieder großen Vorsprung und wird immer kleiner. Sie segelt mit sechs Knoten. Obwohl wir Groß, Genua und Fock gesetzt haben können wir nicht mithalten. Der Wind ist sehr unbeständig. Jedes mal wenn eine größere Wolke vorbeizieht frischt es erheblich auf und wir müssen Genua wegnehmen. Der Wind weht meistens so 15-20 Minuten, dann ist es vorbei und die Genua wird wieder ausgerollt.

Kunstwerk aus Sand

Ich habe gerade Freiwache, liege im Salon und versuche etwas zu schlafen als ich Annemarie am Ruder fluchen und schimpfen höre, was mich sofort veranlasst nachzusehen was der Grund ist. Das Boot krängt 30° und reitet mit knapp 7 Knoten auf der Scheuerleiste, die bereits im Wasser ist. Annemarie hängt am Ruder wie die Fliege am Leberkäs und kann kaum das Ruder halten. Sofort nehme ich die Hälfte der Genua weg. Das Boot richtet sich auf. Jetzt segeln wir mit angenehmen fünf Knoten und der Druck ist ebenfalls aus dem Ruder. Sie ist so geschafft, dass ich wieder das Ruder übernehme. Die Meilen schmelzen nur so dahin, dass ich mich schon fast am Ziel wähne, was natürlich nicht stimmt denn es sind immerhin noch 50 Meilen bis zu unserem Ankerplatz. Der Wind wird schwächer und ich will die Genua wieder ganz ausrollen. Geht aber nicht! Also rolle ich sie ganz ein und versuche sie dann komplett auszurollen. Doch nun ist sie drin und es geht gar nichts mehr. Da passt doch mal wieder alles zusammen. Ich lege meine Lifeleine an und picke mich am Sicherungsgurt, der vom Heck bis zum Bug läuft, ein. In der kohlrabenschwarzen Nacht taste ich mich vor bis zum Bug und versuche an der Rolle zerrend, diese zu überzeugen dass sie die Genua freigeben soll. Leider sind meine Argumente zu schwach. Die Genua bleibt drin. Was hat dieses verdammte Ding bloß wieder? Es bleibt uns nichts anderes übrig als nur mit Fock statt Genua

Scorpio-Aufsitzer nach Sturm

und inklusive Motorunterstützung weiterzumachen. Aber mehr als 2,5kn (4,5km/h) kommen dabei nicht raus. Das ergibt eine ganz tolle Rechnung: Weg bis zum Ziel=50nm. Fahrt 2,5kn ergibt eine Fahrzeit bis zum Ziel von 20 Stunden. Wie mich das wieder freut. Dabei dachten wir, wir könnten die gesamten 90 Meilen leicht in 24Std. schaffen. Wohl die Rechnung ohne den Wirt oder besser ohne die Rollanlage gemacht. Möchte bloß wissen was da wieder fehlt. Haben wir sie doch erst in Rio unter mithilfe von Franz komplett zerlegt, gereinigt, eingefettet und das Kugellager repariert. Als es wieder Tag wird sehe ich mir alles an und versuche nochmal die Genua auszurollen. Vergeblich! Das Teil macht keinen Mucks. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen was es sein könnte. Erst am Ankerplatz kann ich versuchen der Sache auf den Grund zu gehen. Die beiden Ankerplätze die wir anlaufen wollen scheinen aber dafür nicht besonders geeignet zu sein. Also geht es den ganzen Tag mit Schneckentempo dahin. Der Tag bzw. das Tageslicht schwindet ebenso wie meine Laune und wir tuckern wieder durch eine rabenschwarze Nacht. Es ist 22:00 Uhr die Spannung steigt und die Nerven liegen mal wieder blank denn wir sind dabei unseren Ankerplatz am Recife da Ponta da Coroa Vermelha was ungefähr so viel heißt wie: das Kap mit dem Riff mit der roten Krone anzulaufen. Vorsichtig nähern uns wir dem Riff und umfahren es weiträumig. Die Stunden und Minuten ziehen sich wie Kaugummi. Wir fahren in Richtung Norden, biegen ab nach Westen, steuern das Boot zwischen Riff und einem unter Wasser liegenden Felsen hindurch und biegen wieder ab diesmal nach Südwesten. Wir haben jetzt das Riff umfahren und liegen vor Welle geschützt direkt hinter dem Riff. Wir sind da. Mit der Lifeleine gesichert begebe ich mich in Richtung Bug zum Anker. Den Anker schiebe ich aus der Halterung und löse die Nuß der Ankerwinsch damit der Schlammhakl in die Tiefe sausen kann. Tut er aber nicht! Er baumelt nach ein paar Meter knapp unter der Wasseroberfläche vor dem Bug. Verdammter Mist. Was ist los? Ein Blich in den Ankerkasten und ich weiß Bescheid. Ein Knoten in der Ankerkette so groß wie zwei Männerfäuste. Wo kommt der denn her? Interessiert mich nicht. Viel wichtiger ist wie bringe ich den auf. Ich versuche ihn aufzuknoten. So ein Blödsinn! So geht das nicht. Also was tun? Schnell hole ich mir Werkzeug aus der Schublade und sage zur Annemarie die am Steuer steht:“Du bist mir dafür verantwortlich dass wir nicht abtreiben“. Sie macht das sehr gut und legt das Boot gleich quer zur Welle, die Gott sei Dank sehr wenig ist, was wir dem Riff hinter dem wir liegen zu verdanken haben. Ich hole mit der Hand die Kette ein und ziehe den Anker an Deck. Dann löse ich den Schekel zwischen Kette und Anker und ziehe die Ankerkette nach hinten und zurück in den Ankerkasten. Durch den Zugang zum Ankerkasten hole ich jetzt den zuvor unter der Winsch verklemmten Knoten an Deck. Bevor ich richtig versuchen kann den Knoten zu lösen zerfällt er alleine wie von Zauberhand. Es war kein eigentlicher Koten, sondern die Kette war durch den dauernden Gebrauch so verdreht dass sich ein Klumpen gebildet hat, der, da er unter Spannung stand, nicht lösen konnte. Schnell ist der Anker wieder angeschekelt und nun saust er wirklich dorthin wo er hingehört. Vierzig Meter Kette geben, rückwärts einfahren, Kette abspannen um die Winsch zu entlasten, fertig. Inzwischen ist es ein Uhr nachts und wir fallen todmüde in die Kojen. Die Scorpio ist nicht hier, sie hat uns über Funk gesagt, dass sie fünf Meilen weiter auf dem anderen von uns besprochenen Ankerplatz liegt. Dahin fahren wir aber erst morgen.

Gegenverkehr

Am nächsten Tag brechen wir sehr früh auf um an den anderen Ankerplatz zu kommen wo uns die Scorpio erwartet. Immerhin dauert es zwei Stunden bis wir dort ankommen. Segelboote sind eben keine Rennautos. Die Scorpio und wir beschließen das Hochwasser abzuwarten um dann unseren endgültigen Ankerplatz hinter dem Riff bei Santo Andre anzulaufen. Dieser Platz ist geschützt nach allen Seiten, die Einfahrt in das Riff ist jedoch ziemlich Tricki.

Zum einen wegen dem Riff selbst und zum anderen wegen der Sandbänke. Wir warten nicht den Höchststand ab sondern versuchen die Einfahrt bei ca. dreiviertel Hochwasser. Sollte einer auflaufen hat er die Möglichkeit dann bei Höchststand wieder frei zu kommen. Ich lege die Wegpunkte nach Karte. Also immer dort wo die tiefsten Stellen sind. Auf der Karte sind es teilweise nur 1,10 Meter, unser Tiefgang beträgt aber 1,80 Meter. Wir wissen, dass wir bei Hochwasser trotzdem einfahren können. Wir fahren in genügendem Abstand hinter Franz, so dass wir bei Gefahr noch Zeit haben zu reagieren. Annemarie steht am Ruder und ich bin im Salon am Computer und beobachte auf der Karte unsere Position. Nach Karte ist Annemarie in der Einfahrt viel zu weit links. Ich rufe „rechts, rechts du musst weiter rechts“. „Geht nichr, da ist doch die Sandbank“, kommt es von oben zurück. Verdammt, laut der Position auf der Karte hängt sie doch schon fast auf dem Riff. In dem Moment kommt es aus der Funke: „Werner links, links, stark nach links du rennst auf die Sandbank“. Ich flitze wie von der Tarantel gestochen vom Salon ins Cockpit und sehe, dass wir nur noch wenige Meter von der Sandbank entfernt sind. Ich schubse Annemarie vom Ruder weg und haue den Rückwärtsgang rein und gebe Vollgas. Kurz vor der Sandbank bequemt sich unsere Lady stehen zu bleiben. Wir beschließen nicht weiter zu fahren sondern umzudrehen. Annemarie teilt unsere Entscheidung Franz mit, dessen Boot sich im gleichen Augenblick zur Seite legt. Er ist auf die innere Sandbank gelaufen, während ich noch kämpfe der äußeren Sandbank auszuweichen. Ich muss das Boot in dem schmalen Kanal drehen. Im Rückwärtsgang den Schraubeneffekt ausnützend dreht sich das Boot langsam um die eigene Achse, kommt aber dabei dem Riff hinter uns ziemlich nahe. Vollgas nach vorne in Richtung Sandbank das Ruder ganz eingeschlagen. Kurz davor aufgestoppt und nochmal rückwärts. Wir stehen mit Bug um 180° gedreht in Richtung Ausfahrt. Das wäre also geschafft. Wir fahren zurück zu unseren Ankerplatz. Dort beraten wir, was wir tun sollen. Ein zweites mal will ich die Einfahrt nicht versuchen. Der Ankerplatz hier ist nicht besonders gut und so beschließen wir am nächsten Morgen die 90 Meilen nach Ilheus zu segeln.

Mit dem Fernglas beobachten wir Franz wie er sich bemüht von der Sandbank freizukommen. Die Flut ist weiter gestiegen und sein Boot hat sich aufgerichtet. Plötzlich kommt er frei. Er fährt hinter einem Boot weiter in den Fluss hinein. Kurz danach meldet er sich über Funk. Ein Fischer hat ihn, nachdem er wieder frei kam zum Ankerplatz gelotst. Der Fischer sein Name ist Calindo, meint er könne uns, wenn wir wollen, morgen früh um sechs Uhr ebenfalls zum Ankerplatz lotsen. Wir sind einverstanden. Franz ist der Meinung dass wir doch gar nicht bis zum nächsten Tag warten sollen. Calindo könnte uns doch gleich abholen. Ok, wenn das Tageslicht so lange reicht, denn es fängt bald an zu dämmern und dann ist es gleich dunkel. Calindo meint dass wir es bis

dahin schaffen. Also gleich den Anker rauf und zum verabredeten Punkt gefahren. Wir kommen an und unser Lotse wartet bereits. Annemarie fährt hinter ihm her. Es geht so dicht am Riff vorbei, dass ich glaube ich könnte es berühren. An einem bestimmten Ort drehen wir ab und queren den Fluss. Noch einige Meter und wir sind da. War doch ganz einfach oder? Ich sehe mir auf der Karte den aufgezeichneten Track an und der verläuft fast AUF dem Riff. So hätte ich die Wegpunkte nie gelegt. Karten sind wichtig und ohne sie geht gar nichts aber sie stimmen oft nicht mit der Realität überein. Da ist dann „Augapfel Navigation“ unentbehrlich.

Der Ankerplatz ist wirklich schö. Geschützt. vom Riff und vom Land liegen wir im Fluss und vor uns gleich ein Restaurant. Das werden wir morgen gleich mal besuchen.

Das Wetter ist schön, gerade richtig um einen Landbesuch zu machen und das Restaurant zu inspizieren. Vorher müssen wir uns verholen, denn wir liegen in der Fahrrinne und bald kommen die großen Schoner, vollgeladen mit Touristen. Wir verlegen uns näher zum Ufer so dass es keine Probleme mit den durchfahrenden Booten geben wird. Danach gehen bzw. fahren wir mit dem Dinghy an Land und sehen uns das Restaurant an. Sieht gut aus, da werden wir evtl. heute Abend zum Essen gehen. Haben wir uns nach dem „Einfahrt-Stress“ auch redlich verdient.

Abspannung

Ohne Geld geht nichts, also gehen wir eine Bank plündern. Dazu müssen wir erst mal einige Kilometer mit dem Bus und dann mit der Fähre fahren. Ist nicht so einfach, hier sind wir wirklich am A… der Welt. Wir gehen zur Bushaltestelle und uns fällt auf, dass Bäume bzw. deren Stämme so wie die Licht und Telefonmasten abwechselnd mit den deutschen und brasilianischen Nationalfarben bemalt sind. Das geht bis Porto Seguro und darüber hinaus so etwa 50km weit. Erst sind wir verwundert aber dann fällt mir ein, dass doch eben genau hier in Santo Andre der DFB Gelände gekauft und das Camp für die deutsche Elf gebaut hat. Es wird jetzt genutzt als Trainings Camp für die DFB Elf und als Urlaubs Ressort für den DFB und die Fußballer. Wie überhaupt sind die deutsche Elf und der DFB, trotz der bitteren 7:1 Niederlage die die deutsche Elf den Brasilianern bescherte , gut angesehen. Hat der DFB doch eine geteerte Straße vom Camp bis zum Flughafen gebaut und dem Ort einen neuen Krankenwagen gestiftet.

Angekommen in Cabralia, so der Name der nächsten Ortschaft, suchen wir eine Bank. Haben sie auch gleich gefunden, die Tür aufgerissen und den Automaten überfallen. Doch der pfeift uns was und wir bekommen von ihm zu hören bzw. zu lesen, dass die Transaktion nicht erlaubt ist. Dann eben die nächste Bank. Und siehe da, der gleiche Mist wie zuvor. Haben wir schon mal erlebt in einer kleinen Ortschaft. Die geben auf internationale Karten kein Geld raus. Also ab in die nächste Stadt nach Porto Seguro, sind ja von hier „nur“ 23km! Gerechnet ab Ankerplatz sind es 30. Eine gute Strecke um an Geld zu kommen. Also geht es mit dem Sammeltaxi in die Stadt. Dort angekommen versuchen wir es bei drei Banken. Ohne Erfolg. Irgendwas stimmt da nicht mit der Karte. Wir fahren zurück und gehen ins Restaurant, die haben Internet und ich eine Mail. Von Visa. Es wird mir mitgeteilt, dass die Karte aus Sicherheitsgründen gesperrt ist. Die haben einen Betrugsversuch entdeckt. Das ist wirklich Klasse, denn vor einigen Wochen wurde meine Karte ebenfalls aus dem gleichen Grund gesperrt und ich musste eine neue beantragen. Die liegt jetzt natürlich wegen fehlender Adresse in Brasilien gut verwahrt in Deutschland. Das hilft mir wirklich sehr viel. Kann nicht verloren gehen und nicht gefälscht werden. Von Visa werde ich in dem Bref, den mir mein Sohn per Mail zugeschickt hat, aufgefordert eine bestimmte Nummer anzurufen um die Angelegenheit zu regeln. Da wir fünf Stunden Unterschied zu Deutschland haben ist das gar nicht so einfach. Das Restaurant macht erst mittags auf und da ist es schon zu spät um etwas zu erreichen. Also fahren wir am nächsten Tag mit Bus und Fähre nach Cabralia, suchen und finden ein Internet Cafe. Wir versuchen per Skype anzurufen. So ein Mist, habe ich doch meine Zugangsdaten auf dem Schiff gelassen. Den Tag kann man abhaken. Wir fahren wieder zurück und versuchen es morgen.

Mit den nötigen Daten bewaffnet sitzen wir wieder im Bus der uns zur Fähre bringt. In Cabralia angekommen suchen wir voller Hoffnung das Internet Cafe auf, setzen uns an den Computer und geben die Daten ein. Geht nicht. Neuer Versuch. Geht wieder nicht. Nach dem dritten Versuch geben wir frustrietrt auf und beschliessen wieder nach Porto Seguro zu fahren. Hier suchen wir einen Internet Laden. Der erste den wir finden, in einem großen Eikaufs Center, ist geschlossen mit dem Hinweis: bin gleich wieder da. Nach einer Stunde ist immer noch niemand „gleich wieder da.“. Wir verziehen uns und suchen ein anderes Geschäft. Nach einiger Zeit haben wir auch eins gefunden.Geschlossen! Obwohl da steht von Montag bis Freitg von…bis… Wir kehren zurück zum „bin gleich wieder da“ Und siehe da, die Tür lässt sich öffnen. Die Frage nach Skype wird abschlägig beantwortet und wir beide stehen da wie begossene Pudel.Total niedergeschlagen schleichen wir zum Bus und fahren die 30km wieder zurück. Wir versuchen es morgen nochmal. Irgendwie müssen wir doch an WIFI bzw. Skype kommen. Diesmal nehme ich meinen Schlepptop mit um irgendwo einen Internetzugang zu finden. Also auf zum Kampf und die 30km nach Porto Seguro von neuem angegangen. Dort angekommen fragen wir erst mal in einem Internet Cafe ob wir mit unserem Läppi arbeiten können. Nein, können wir nicht. Fängt ja gut an. Wir kommen an einem Hotel vorbei, diesmal sind Anna, Franz und Tochter mit von der Partie. Anna fragt in dem Hotel ob wir hier ins Internet können. Ja, können wir. Jedoch die Versuche bleiben erfolglos. Bekommen keine Verbindung zum Internet. Wir können es ja noch in dem Einkaufszentrum versuchen. Auf dem Weg dorthin kommen wir an einem Cafe vorbei. Aus den Augenwinkel sehe ich das Schild WIFI Zone. Wir fragen nach dem Passwort und schon sind wir im Internet. Skype aufgerufen und die Nummer gewählt. Es tut sich auch was. Am anderen Ende der Leitung wird abgehoben. Das Gespräch dauert 30 Sekunden und die Leitung ist tot. Alle weiteren Versuche bleiben ohne Erfolg. Wir haben noch eine Möglichkeit. Versuchen wir es in dem Einkaufszentrum.

Hoffentlich hat sie nicht wieder das Schild bin gleich wieder da aufgehängt. Nein, hat sie nicht. Doch unser Versuch endlich zu telefonieren ist wieder nicht von Erfolg gekrönt, denn nun erfahren wir, dass das Internet (wieder mal) ausgefallen ist. Wir haben Freitag also Wochenende. Vor Montag brauchen wir keinen neuen Versuch zu starten.

Noch haben wir das Problem mit der Genua die sich nicht mehr ausrollen lässt nicht beseitigt. Bisher konnten wir nichts unternehmen, denn dazu brauchen wir Windstille und die hatten wir bisher noch nicht. Aber heute, am Sonntag ist es still. Also frage ich Franz ob er mir helfen kann. Erst versuchen wir ob sie sich wirklich nicht ausrollen lässt. Nein, geht nicht. Ich mache das Fall lose und wir fädeln die Genua aus dem Profil. Dann versuchen wir die Top Rolle zu drehen. Ein krachen und knirschen. Nur sehr schwer lässt sie sich bewegen. Es hat sich Salz und und andere Verunreinigungim Laufe der Zeit in den Kugellagern festgesetzt. Sie sind, obwohl aus Edelstahl, etwas angerostet. Mit viel Hürth Rostlöser eingesprüht, nicht mit WD 40, das taugt nichts, habe ich die Erfahrung gemacht, bis die braune Suppe unten wieder rauskommt. Gedreht, eingesprüht, wieder gedreht usw. Nach einer viertel Stunde ist das Lager samt der Rolle wieder leichtgängig. Wir ziehen die Genua wieder hoch, rollen sie aus, rollen sie ein. Es funktioniert und da Kas is bissn (für Nicht Bayern: der Käse ist gegessen).

Aprpos da Kas is bissn. Wir haben keinen Käse gegessen sondern im Restaurant vor unserer „Haustür“ ganz toll gespeist. Eine Moqueca Baiana. Ein für hier typisches Fischgericht. Eine Mischung aus afrikanischer und einheimischer Küche. Es ist das Nationalgericht, ein Fischeintopf mit Fischfilet, Scampis (hier sagt man Camarons) Cocosmilch und einheimischen Gewürzen. Das früher verwendete Palmöl wird durch Olivenöl ersetzt und mit Amatto, (Colorante) für die Farbgebung angereichert. Es wird heiß in einem irdenen Topf serviert. Das ist das bisher beste Fischgericht das ich gegessen habe. Ist in diesem Lokal nicht gerade billig aber es ist den Preis wert.Übrigens ist bzw. war das „GAIVOTA“ (Möwe) das Stammlokal der deutschen und ausländischen Journalisten während der Fußball WM 2014.

30kn Wind gegen den Strom

Starkwind vor Anker

Montag. Sind heute früh aufgestanden damit uns Zeit bleibt falls wir mit Deutschland eine Verbindung bekommen sollten. Übers Wochenende habe ich erfahren, dass man in den Internet Läden nicht nach Skype fragen soll, sondern nach Telefon International. Also haben wir dauernd die falschen Fragen gestellt. Wir wollen gerade vom Schiff und da fängt es an zu schütten. Bei dem Wtter brauchen wir nicht zu fahren. Da sind wir durchnässt bevor wir aus dem Dinghy steigen. Eine Stunde später (wofür sind wir so früh aufgestanden?) wird das Wetter besser und wir fahren los. Also die 30km… aber das ist ja schon bekannt habe es ja oft genug wiederholt. Franz hat mir verraten, dass er in Areal da Ajuda war und einen Telefonladen gefunden hat. Erst hat er auch nach Skype gefragt. Nein war die Antwort. Als er aber auf die Idee kommt zu fragen ob sie Telefon für internationale Gespräche haben ist die Antwort ja. Wenn es nicht anders geht müssen wir dorthin. Also heisst das Bus, dann Fähre, wieder Bus bis Porto Seguro. Von dort mit einem anderen Bus und einer weiteren Fähre nach Areal da Ajuda. Kann sich jemand vorstellen wo wir hier sind? 50km bis zum nächsten öffentlichen Telefon. Das kann es wohl nicht sein. Brasilien an der Schwelle zur ersten Welt? Wer hat denn den Witz erzählt? Sollten wir nichts anderes finden müssen wir wohl in den sauren Apfel beissen.Jedenfalls sind wir schon mal in Porto Seguro und suchen die uns bekannten Läden auf. Beimersten wird die Frage nach Telefon gleich mit nein beantwortet. Ich schlage meinem holden Weib vor dass wir es im Einkauf Center versuchen sollen. Weg und Zeit sind umsonst, kommt es mürrisch zurück. Lass es uns trotzdem versuchen. Also schlurfen wir, ziemlich entmutigt, und das schon am Montag morgen, zum nächsten Internet Laden. Ich gehe auf die Tür zu und erwarte das Schild bin gleich… aber nein, der Laden ist offen. Auf die Frage nach Telefon International ist die Antwort, wie wohl? Falsch geraten! Sie ist ja. Auf die Frage wohin ist meine Antwort nach Hause telefonieren. Unsinn, bin doch nich ET. Nach Deutschland. Wir bekommen die Vorwahl, nicht die 0049, nein die nicht. Wir brauchen erst die Vorwahl der Telefongesellschaft. Wie überhaupt in Brasilien keiner telefonieren kann, auch nicht national, wenn er die Vorwahl des Anbieters nicht kennt. Also erst Vorwahl Anbieter, dann Vorwahl Deutschland, dann Vorwahl Stadt und dann die Telefonnummer. Es meldet sich eine Stimme auf portugiesisch die erzählt dass das Gespräch, warum auch immer, nicht möglich ist. Ich habe gute Lust den ganzen Laden zu zerlegen, aber der kann auch nichts dafür. Mit jeder Menge Frust in der Stimme sage ich der freundlichen Dame im Laden dass da jemand was quasselt was mir gar nicht gefällt. Versuchen Sie es in der zweiten Zelle kommt die gelassenen Antwort. Also zweite Zelle. Gleiche Prozedur wie vor, keine unbekannte portugiesische Stimme mit Quasselei, sondern das Freizeichen am anderen Ende der Leitung mit dem so bekannten Wortlaut: alle Stellen sind besetzt, bitte warten Sie einen Augenblick, sobald eine Stelle frei ist werden sie sofort verbunden. Kennt man ja. Und das bei einem Preis von einem Euro/Min. Das nennt man hier Billig Anbieter. Es dauert wirklich nur 10-15 Sekunden bevor die Verbindung steht. Nach Identifikation durch mehrere Fragen kann das Gespräch über den eigentlichen Zweck des Anrufs beginnen. Nachdem Annemarie ihr Leid geklagt hat schlägt die nette Dame am anderen Ende der Leitung vor, dass sie die Kartensperre für 15 Minuten aufheben kann und wir können in dieser Zeit Geld abheben. Das ist doch schon mal was. Aber was machen wir dann, wir brauchen eine neue Karte. Kein Problem kommt von der anderen Seite, wenn Sie mir eine Adresse in Brasilien geben können schicken wir ihnen die Karte dorthin. Komisch, bei meinem Anruf wegen meiner gesperrten Karte wollte die (unfreundliche) Dame nicht mal die Karte an meine Postadresse schicken sondern an meine Meldeadresse. Nein ich kann die Karte nur an die Meldeadresse senden, flötete die damals ins Telefon. Zufrieden und mit Geld in der Tasche kehren wir nach vielen Kilometern und fast 50€ Fahrtkosten zu unserem „Haus“ auf dem Wasser zurück.

Anlegestelle Cabralia

Das Internet hier welches wir zur Verfügung haben ist nicht gerade das Gelbe vom Ei aber es reicht zumindest für E-Mails und für Wetterdaten. Das was uns die nächste Zeit erwartet, also die nächsten drei bis vier Tage sieht nicht gerade ermutigend aus. Zwar gibt es Süd bis Ostwind aber mit bis zu 30kn und 4-5 Meter Welle von der Seite. Bestimmt nicht das richtige Wetter um wegzusegeln.

Am späten Nachmittag fängt es schon an zu wehen. Erst mit 20kn zunehmend. Pech ist in diesem Fall für uns, wir liegen in einem Fluß und es ist ablaufendes Wasser. Nun passiert folgendes: wir stehen mit dem Bug gegen die Strömung die mit ca. 4kn dem Meer zufließt. Der immer stärker werdende Wind drückt uns gegen die Strömung, die Kette hängt locker vom Bug und wir fahren über die Kette.So weit kein Problem aber so bald wir nur etwas zur Seite gedrückt werden packt die Strömung das Boot und nimmt es mit.Der Bug geht immer mehr nach Steuerbord bis wir praktisch von der Strömung mitgerissen werden. Allerdings nur so lange bis die Kette sich streckt, die mit einer Leine abgespannt ist welche das Einrucken in die Winsch verhindert und sie dadurch beschädigen könnte. Die Abspannung dient auch gleichzeitig als Ruckdämpfer da sie sich dehnt. Ist die Kette gespannt zieht sie das Boot wieder zurück und das Spiel beginnt von neuem nur zur anderen Seite. Wir fahren von der einen zur anderen Seite bestimmt 50 bis 60 Meter. Sehr unangenehm aber für das ankern in einem Fluss nicht ungewöhnlich. Dass der Anker slippen könnte ist eher unwahrscheinlich (aber nicht unmöglich), da der Schlammhakl sich bei jedem Ruck tiefer in den Flussschlamm bohrt. Wenn das ganze dann noch in der Nacht abläuft, wie gerade jetzt dann ist das sehr unangenehm, denn die Nacht ist wie immer rabenschwarz Den Kat neben uns kann man gar nicht sehen obwohl wir wissen dass der Abstand relativ gering ist. Um fünf Uhr morgens hört der Wind endlich auf und wir können schlafen. Aber nicht so lange, denn um neun fängt es schon wieder an zu blasen nur diesmal erheblich stärker als in der Nacht. Hatten wir da 25-27kn steigt die Windanzeige diesmal auf 32kn. Wieder steht der Wind gegen die mit 4kn ablaufende Strömung. Die Wellen nehmen für einen Fluss eine beachtliche Höhe an und die Schaumkronen werden als weiße Streifen über das Wasser geweht. 32Kn (60km/h) ist immerhin Windstärke sieben und gehört bereits in die Kategorie Sturm. Das Boot verhält sich wie bereits vorher beschrieben, nur diesmal alles etwas schneller und heftiger. Wir haben einen etwas geringeren Tiefgang als die Scorpio und haben noch knapp 10cm Wasser unter dem Kiel während die Scorpio regelrecht an Land gespült wird und aufsitzt. Dabei hat sie noch Glück im Unglück, denn zwei Meter vor großen Steinblöcken bleibt sie im Sand stecken Ist bei diesem Wind nicht gerade angenehm, da sich das Boot quer zum Wind stellt und dadurch krängt. Zwei Stunden später ist einlaufendes Wasser, der Wind hat aufgehört und wir schwimmen alle wieder friedlich mit dem Bug gegen die Strömung, so wie es sein soll.

Ankerplatz Buzios

Man möchte es ja kaum glauben aber tatsächlich es ist so weit. Heute geht es ab nach Cabo Frio unserer nächsten Station in Richtung Karibik. Gestern am Sonntag waren wir noch bei der Marinha do Brazil (Hafenbehörde) und wollten uns abmelden aber da haben auch die geschlossen. Also heute nochmal hin und abgemeldet. Alles läuft easy und wir sind nach zwei Stunden zurück auf unseren Booten. Die Out of Rosenheim und die Scorpio mit Franz, Anna und Milena sind seeklar. Anker auf und los geht´s. Wir brauchen nur die Leinen los werfen, schließlich hängen wir an unserer „gefundenen“ Boje. Noch ein letzter Blick zurück zum Zuckerhut und zum „Breitarmigen“ und schon sind wir an der Ausfahrt und an den beidseitigen historischen Hafenbefestigungen vorbei. Wie bei der Einfahrt ist auch die Ausfahrt etwas turbulent. Das Wasser gurgelt und sprudelt. Es ist ablaufende Tide und so werden wir ohne viel Aufhebens raus auf den Atlantik befördert. Eine unangenehme Welle erwartet uns. Kein Wind und wir müssen mit Motor fahren bei einer seitlichen Welle von 1,5 – 2,00 Meter und mehr. Wir schaukeln unangenehm und der Mast schlägt aus wie ein Perpendikel. Jede sechste oder siebente Welle ist besonders groß und wir neigen uns so stark, dass das Boot bis zur Scheuerleiste krängt. Sehr unangenehm. Sehr viel später, zwischendurch hat es mal leicht geregnet ,kommt der Wind von achtern und es frischt etwas auf. Zwei Stunden können wir segeln, nur mit Genua. Dann dreht der Wind und hört schließlich ganz auf. Also Motor an. Unser bestes Stück, Neptun soll es verfluchen, der Autopilot, gibt mal wieder nichts von sich. Er hat sich, wie fast immer auf längeren Fahrten, verabschiedet. Am liebsten würde ich ihn aus dem Instrumentenbrett reißen und ihn in hohem Bogen zu den Fischen befördern. Sollen die sich doch damit ärgern. Könnte aber passieren, dass selbst Neptun sich über dieses Schei…Ding so ärgert dass er es wieder zurück an Bord beordert. Also müssen wir in den sauren Apfel beißen und statt abwechselnd zu schlafen am Ruder sitzen. Es gibt nichts frustrierendes als Stunde um Stunde am Ruder zu sitzen, angestrengt auf den Computer oder das GPS zu starren um nicht vom Kurs abzukommen. Das ist bei diesen Verhältnissen nicht ganz einfach, denn der Pfeil der den Kurs anzeigt dreht sich in alle Richtungen nur nicht in die in die wir fahren wollen. Und das Boot schaukelt und schaukelt und schaukelt… Irgendwann wird es mir zu dumm und ich beschließe das Großsegel aufzuziehen damit die Schaukelei etwas verringert wird. Normal tu ich es nicht gerne. Das Segel das dann fürchterlich schlägt wird sehr stark belastet. Und nicht nur das Segel sondern das gesamte Rigg. Also mache ich sämtliche Bändsel lose und bereite das Segel vor. Annemarie stellt unsere Lady in den Wind und ich ziehe am Großfall. Als das Groß knapp zur Hälfte oben ist klemmt es plötzlich. Bei genauerem hinsehen merke ich, dass sich das Fall an der zweiten Saling verhängt hat. Um das wieder lose zu machen ist jetzt nicht die rechte Zeit. Ich hole das Segel wieder runter, tuche es auf und die Sache ist gestorben. Soll es eben weiter so schaukeln. Wenn wir wieder Tageslicht haben werde ich mich darum kümmern. Es ist ziemlich frisch und angenehm ist nur, dass wir jetzt unser Cockpit rundum schließen können. Regen und Kälte kann uns so nicht mehr viel anhaben. Annemarie hat Bahnen mit Reißverschlüssen und eingelassenen „Fenstern“ genäht die auch bei geschlossenen Cockpit eine gute Sicht nach allen Seiten zulässt. So geht es die ganze Nacht weiter mit der Schaukelei und die Freiwache hat nicht die Möglichkeit zu schlafen. Endlich gegen halb sieben ist es hell. Am Ruder zu sitzen ist zwar immer noch frustrierend aber es geht wenigstens etwas leichter wenn man dabei den Horizont sieht. Durch das Manöver in der Nacht hat Franz einen Vorsprung von etwa ein bis zwei Meilen bekommen und wir fahren (segeln ist immer noch nicht möglich) hinter ihm her. Der Leuchtturm von Cabo Frio hat eine sehr große Tragweite. In der Nacht in einer Entfernung von ca. 30-35 Meilen (60-70km) haben wir ihn schon gesehen und jetzt am Tag ist unser Ziel immer noch so weit entfernt. Aber auch das geht vorbei. Angekommen am Kap umrunden wir dieses und wollen von Norden her in die „Lagune“ (was in Wirklichkeit gar keine ist) einfahren und dort in Praia do Forno ankern. Dies ist eine kleine Bucht die von allen Seiten gut geschützt und sehr ruhig ist. Aber wie gesagt, vorher müssen wir noch das Kap runden und ich lege noch einige Kohlen nach, soll heißen ich gebe etwas mehr Gas, denn die Gegenströmung wird stärker und die Wellen höher. Eine Schule mit sechs oder sieben Delphinen zieht in Gegenrichtung vorbei ohne von uns Notiz zu nehmen. Vermutlich ist ihnen unser Motor zu laut. Nach ungefähr drei Stunden ist es so weit und wir lassen in der Bucht den Anker fallen. Für die 72 Meilen mussten wir 24 Stunden schaukeln und knüppeln. Aber jetzt haben wir es geschafft.Um sechs Uhr abends gibt es Essen und ein Ankunftsbier und dann verkriechen wir beide uns in die Kojen.

Der nächste Tag beginnt für uns erst um acht Uhr. Aber wenigstens sind wir ausgeschlafen.Es ist der dritte Juni und ich schaue mich erst mal richtig um auf unserem Ankerplatz. Ein schönes, von allen Seiten geschütztes nettes Plätzchen. Ein langer Sandstrand zeiht sich durch die Bucht und etliche Bars und Restaurants warten darauf dass sie von Touristen besucht werden, was jetzt aber nicht wirklich passiert schließlich haben wir tiefsten Winter mit Tagestemperaturen von „nur“ 23°C. Das Wasser ist kalt (Cabo Frio – kaltes Kap hervorgerufen durch eine kalte antarktische Strömung die hier an die Oberfläche tritt) und die Temperatur beträgt unter 20°C. Die Berge ringsum sind, wie hier überall, mit Urwald bewachsen. Eine Besonderheit, die wir bis jetzt noch nicht beobachten konnten, sind die riesigen Kakteen zwischen den Bäumen und Sträuchern.

Wir unternehmen einen kurzen Spaziergang von unserem Ankerplatz über einen Hügel in die nächste Bucht in der ein Fischerhafen und die Stadt Arraia do Cabo liegen. Da wir Geld brauchen werden wir gleich mal eine Bank aufsuchen und den Automaten plündern. Von wegen plündern. Bei fünf Banken und Automaten haben wir es versucht. Ohne jeden Erfolg. Die nehmen tatsächlich nur nationale Kreditkarten. Unvorstellbar und das in einem Touristenort. Ist eben Brasilien. Vermutlich verbringen hier nur „Eingeborene“ ihren Urlaub, was aber eher nicht der Fall ist denn es ist ein bekanntes Tauchgebiet.Wir besichtigen einen Teil der Stadt, suchen und finden ein Restaurant. Ein „Kilorestaurant“ (ist hier in Brasilien sehr beliebt, dort wird das Essen gewogen und nach Kilo bzw. Gramm berechnet) und verzehren was wir uns auf den Teller geladen haben. Ich persönlich mag diese Restaurants nicht so gerne. Für mich sind das nur Abfütterungsstationen. Ich bin satt geworden aber das war es dann auch schon. Anschließend besuchen wir eine Kneipe, trinken ein Bier und schlendern wieder zurück. An Bord angekommen beschließen wir den Tag im Cockpit sitzend mit einem Sundowner in Form eines Caipirinha.

Nach sechs Tagen kommt endlich ein Wetterfenster um die 30 Meilen nach Buzios zu segeln. Buzios wird unser Hafen sein von dem aus es dann wirklich nach Norden geht. Er liegt 30 Meilen nördlich von Cabo Frio bzw. ca. 100 Meilen nordöstlich von Rio. So wirklich haben wir in Richtung Norden noch nicht viele Meilen gemacht. Nun aber sind wir um die „Ecke“ bei Cabo Frio und es geht nur noch in die Hauptrichtung nach NO oder Nord, je nach Küstenverlauf.

 

Wir segeln nicht nach Buzios sondern, wir fahren so wie die ganze vorherige Strecke wegen fehlendem Wind mit Motor. Diesmal haben wir etwas mehr Glück mit der Welle. Sie ist nicht so hoch wie im Abschnitt von Rio nach Cabo Frio und sie kommt mehr von schräg vorne, so dass die Schaukelei sich in Grenzen hält. Leider müssen wir wieder die ganze Strecke am Ruder stehen, denn der Autopilot spinnt nach wie vor. Mir wird es zu dumm und ich versuche, während Annemarie am Ruder steht das Teil zu zerlegen. Eigentlich nicht den Computer sondern nur den Kompass. Es ist kein normaler Magnetkompass sondern ein elektronisches Teil. Schnell habe ich den Fehler gefunden. Es ist ein Datenkabel im inneren des Kompassgehäuses, das ich vorher abgeschraubt habe. Das Kabel, das zuständig ist die Daten über die Lage und Richtung des Schiffes an den Computer weiterzugeben hat keinen richtigen Kontakt. Und deshalb dauernd die Meldung out of Data. Diesen Fehler kann ich jetzt, falls überhaupt reparabel, nicht reparieren. Ich schraube das Gehäuse wieder zu und wir müssen uns eben damit abfinden weiterhin am Ruder zu stehen. Die Chance hier dafür einen Ersatz zu finden ist ungefähr so groß wie mitten in der Sahara auf eine zehn Meter hohe Wasserfontäne am Gipfel einer Sanddüne zu stoßen. Die einzige Möglichkeit wird sein doch noch zu versuchen den Kompass zu reparieren.

Am Nachmittag um 16:00 Uhr ca. sechs Stunden nach unserer Abfahrt kommen wir am Ziel in Buzios an. Der kurze Törn findet seinen Abschluss in Form einer Flasche Budweiser die wir im Cockpit sitzend bei warmen Wetter und Sonnenschein genießen

 

Die Crew der der Scorpio und der Out of Rosenheim haben eine tolle Idee. Wir kaufen Fisch, Tintenfisch und Scampi und grillen. Franz stiftet ein 5L gut gekühltes Heineken. Wir, Franz und ich, ziehen los um einzukaufen. Zurück kommen wir mit 2kg Fisch, 1kg Tintenfisch und 1kg Scampi einschließlich 10kg Eis um das Bier zu kühlen.Der Preis ist recht moderat. Alles zusammen für 84 Riales, das sind beim derzeitigen Kurs ca. 28 Euronen.Kein Grund zum meckern.

 

Franz stellt einen kleinen zweiflammigen Petroleumofen ins Cockpit der Scorpio und fängt an zu grillen, während der Rest der Mannschaft Glas für Glas sein Bier vernichtet (wir sind schließlich keine Egoisten, wir haben ihm auch noch etwas übrig gelassen). Es wird gebrutzelt, gekocht, gequatscht und wir unterhalten uns über Gott und die Welt. Nach all dem guten Essen gibt es noch eine Nachspeise und einen hervorragenden Grappa zur Verdauung. Es ist bereits dunkel als wir unser Dinghy entern und zurück zu unserem Boot fahren.

Heute ist der dritte Tag, dass wir hier in Buzios vor Anker liegen und der Wind pfeift mit bis zu 25kn aus SW. Die Wellen werden höher und das Boot beginnt zu schaukeln. Alles nicht schlimm aber trotzdem beobachte ich Kette und Boot. Man kann ja nie wissen… Franz der hinter uns liegt geht plötzlich Anker auf. Beim vorbeifahren sagt er mir, dass er an einer anderen Stelle ankern will. Zwar hat sein Anker gehalten aber neben ihm liegt ein Fischer der ihm seiner Meinung nach zu sehr auf die Pelle rückt. Das ist für mich dann ebenfalls das Zeichen etwas zu unternehmen. Nur bei uns sieht es so aus, dass wir gut liegen aber etwas zu wenig Kette gegeben haben. Wir ankern auf 10m Wassertiefe und haben nur 30m Kette raus. Ich lasse den Motor an nehme die (selbstgebastelte) Fernsteuerung, Annemarie geht ans Ruder und fährt etwas vorwärts. Ich ziehe die Kette nach oben, löse den Schäkel der Abspannung und die Kettenbremse und lasse nochmal 15-20m Kette ausrauschen. Nun sind es mehr als 40m und damit sind wir auf der sicheren Seite. Das Boot liegt auch gleich etwas ruhiger und die kette ist nicht so gespannt. Ich bringe die Kettenabspannung wieder an damit die Ankerwinsch nicht unnötig belastet wird.

Drei Stunden später lässt der Wind nach um dann ganz aufzuhören und wir liegen wieder so ruhig vor Anker wie vorher.

Familienfoto Strand von Cabo Frio Stadt Sandburg Familienfoto der gute Onkel Auf dem Weg zum Ankerplatz Ankerplatz Ankerplatz Buzios Am Cabo Frio

Seit dem letzten Bericht ist schon eine etwas längere Zeit vergangen. Bei Schauspielern, Entertainer, Schriftsteller usw. nennt man das eine schöpferische Pause. Eine Pause habe ich auch gemacht ob sie allerdings Schöpferisch war wage ich dann doch zu bezweifeln. Nichtsdestotrotz versuche ich mich mal wieder einiges zu berichten.

Wir hatten Weihnachten Besuch aus Deutschland, Barbara die Nichte von Annemarie. Wir haben Ihr einen schönen Aufenthalt und kleinere Segeltouren versprochen. Schließlich war ja nur noch eine Kleinigkeit am Motor zu tun, es fehlte ein Zwischenstück um zwei verschieden dicke Schläuche zu verbinden. Die Anfertigung dauert nur Stunden und bis Weihnachten haben wir ja noch 2 Wochen Zeit.

Weihnachten ist da, unser Besuch ist da, nur der Mechaniker und das fehlende Teil sind nicht da. Und ich kann es jetzt schon sagen, der Besuch war bereits wieder weg und das Teil mit Mechaniker immer noch nicht da. Nachdem unser Besuch schon lange wieder in Deutschland ist und sich mit den Mühen des Alltags abplagen muss erscheint auch der Mechaniker. Er erzählt uns, dass er in Rio wegen eines anderen Bootes war. Telefonisch war er ebenfalls nicht erreichbar. Warum auch immer aber nun ist er hier und baut das Teil ein um die Schläuche zu verbinden. Dauert nur kurze Zeit. Ein Probelauf anschließend bringt ein zufriedenstellendes Ergebnis. Alles dicht und die Temperatur stimmt auch.

Einige Tage später machen wir eine Probefahrt. Da der Motor erst eingefahren werden muss fahren wir nur in niedriger Drehzahl. Der Motor erreicht knapp die Betriebstemperatur aber der Öldruck geht auf 1,5 bar zurück. Das erscheint mir nicht ganz richtig und nach einer halben Stunde ist unser Ausflug beendet, da wir sofort umkehren. Da scheint was nicht zu stimmen. Wenn die Ölpumpe nicht richtig funktioniert dann habe ich auf alle Fälle die A….Karte gezogen, denn dann muss der Motor wieder raus. Da kommt dann schon eine gewisse Panik auf. Was ich im Stillen den Mechaniker alles für Namen gebe ist nicht unbedingt dazu geeignet es in schriftlicher Form zu wiederholen. Also was ist jetzt zu tun. Was ich brauche ist ein Werkstatthandbuch von Mercedes in dem der OM 314 genau beschrieben wird, bzw. aus dem ich alle nötigen technischen Daten entnehmen kann. Im Internet werde ich fündig, investiere 20 Euro und lade mir die PDF Datei runter. Was eine Erleichterung als ich lese, dass der Motor bei Höchstdrehzahl mindestens 2bar und im Leerlauf mindestens 0,5 bar haben muss. Da liege ich ja mit 1200 U/Min. und 1,5 bar voll im Limit. Nun habe ich auch noch vom Mehrbereichsöl zum Einbereichsöl gewechselt, natürlich mit Mercedes Spezifikation, welches etwas dicker ist und somit liegt jetzt der Öldruck bei 2bar. Nochmal Glück gehabt.

Einige Tage später steht Annemarie an Deck und ruft mir zu:“Werner, schnell komm mal rauf und schau wer da kommt“. Ich kann es nicht glauben. Es sind Franz und Anna von der Scorpio mit ihrer fast dreijährigen in Argentinien geborenen Tochter. Es sind Österreicher und kommen aus der Nähe von Innsbruck, nicht weit von Kiefersfelden wo ich die ersten 18 Jahre meines Lebens verbrachte. Wir lernten die beiden in der Marina in Piriapolis in Uruguay kennen. Später trafen wir sie in Argentinien im Club Barlovento wieder. Zu dieser Zeit wurde auch ihre Tochter geboren. Nun sind sie hier und die Wiedersehensfreude ist groß. Natürlich muss das gefeiert werden und dabei beschließen wir, da wir das gleiche Ziel haben (Karibik) es zusammen angehen zu lassen. Langsam und ohne Hetze. Erst wollen wir mal hier die Bucht Baia da Ribeira, Ilha Gipoia, Ilha Grande usw. unsicher machen, bevor es dann weiter in Richtung Rio geht. Wir segeln, d.h. die Scorpio segelt zur Ilha Gipoia (Zwiebelinsel) und wir fahren mit Motor, denn wir brauchen 50 Betriebsstunden damit wir vor der Abfahrt nach Norden die Zylinderkopfschrauben nachziehen und die Ventile nochmal neu einstellen können. Der Ankerplatz ist herrlich und ruhig gegenüber Angra. Hier fahren keine Jetski und Motorboote wie verrückt durch die Bucht dass die Ankerlieger nur so durchgebeutelt werden. Nach ein paar Tegen fahren wir weiter zur Ilha Grande und ankern dort ind er Bucht Sito Forte. Nun müssen wir unsere Vorräte aufstocken und deshalb geht es zurück nach Angra dos Reis. Wir machen Bekanntschaft mit Jens der hier ebenfalls mit seinem Kat ankert. Er will noch einige Zeit hier bleiben bis seine Familie aus Deutschland kommt und dann einige Touren hier unternehmen. Im Gespräch erfahre ich von ihm, dass eine Crew kommt umden Kat ins Mittelmeer zu überführen. Gleich frage ich ihn ob die mir, wenn sie zurück in Deutschland sind mein AIS mitnehmen können und es zurück zum Händler schicken. Ich habe mir das AIS mitbringen lassen und als ich es installiert habe und es ausprobieren wollte funktionierte es nicht. Ich habe ein kaputtes Gerät bekommen.

Inzwischen hat der Motor seine 50 Stunden und Franz macht mir den Service. Ich mache den Ölwechsel während Franz die Zylinderkopfschrauben nachzieht. Er besitzt nämlich einen Drehmomentschlüssel der dazu nötig ist.

Einige Tage später gehen wir wieder auf Reisen und ankern in verschiedenen Buchten der Ilha Grande. Die Saison ist hier bereits vorbei, ebenso die Weihnachtsferien und es kehrt in den Buchten relative Ruhe ein. Ilha Grande ist schön. Direkt am Ufer beginnt der Urwald und nachts kann man die Geräusche verschiedener Tiere hören. Die Brüllaffen, die hier stark geschützt sind, machen natürlich, wie der Name schon sagt den meisten Lärm. Als ich die zum ersten mal gehört habe dachte ich es wäre irgendeine alte rostige und nicht gefettete Maschine wie z.B. Förderband o.Ä. Am nächsten Tag wieder nur aus einer anderen Richtung. War schon komisch, ist wohl eine „Reisemaschine“. Bis wir uns dann belehren ließen, dass das die Schreie der Brüllaffen sind.

Wir fuhren weiter zur Enseada das Palmas. Einfach herrlich hier. Ein Ankerplatz schöner als der andere. Nun fühlen wir uns wirklich wie im Urlaub. Endlich mal dem ewigen Ärger mit Motor nicht eingehaltenen Terminen und nicht funktionierender Technik entflohen. Von Enseada das Palmas machen wir einen kleinen Ausflug zu Fuß. Wir durchqueren ca. eine halbe Stunde den Urwald bis wir auf der anderen Seite der Insel bei Praia dos Mangues ankommen. Du kommst aus dem Wald raus und vor dir ist der herrlichste Strand den du dir vorstellen kannst. Selbst die „krumme Palme“ am Strand fehlt nicht. Da kommt mitten in Brasilien ein richtiges Karibik Feeling auf. Nachdem wir, Anna und Franz mit Tochter, Annemarie und ich an der herrlichen Landschaft satt gesehen und uns im glasklarem und herrlich warmen Wasser ausgetobt haben, treten wir den Rückweg an. Nach einigen hundert Metern bewegt sich etwas im Gebüsch. Als Franz nachsieht ruft er uns und wir sehen eine grüne Schlange so etwa einen Meter lang, die versucht sich so schnell wie möglich aus dem Staub zu machen.

Eseada do Abraao ist ein weiterer Ankerplatz. Dort warten wir auf günstiges Wetter um nach Rio weiterzusegeln. Die 50 Stunden sind auf dem Motor, der Service ist gemacht und nun „dürfen“ auch wir segeln. Bis Rio sind es 60 Meilen und bei einem Durchschnitt von 3kn, es ist kaum Wind, dürften wir in 20 Stunden am Ziel sein. Anfangs motoren wir, denn es ist gar kein Wind. Etwas später briest es auf und wir dümpeln mit 3kn dahin. Der wenige Wind wird noch weniger und wir machen nur noch 1,5 bis 2kn Fahrt. Da wird es uns zu dumm und schalten den Motor dazu. Er macht gerade mal einige Umdrehungen mehr als Leerlauf und wir fahren mit 2,5kn. Das bleibt dann so bis Rio. Die Fahrt an sich ist recht schön besonders als wir in die Nähe von Rio kommen. Von weitem sehen wir schon den „Breitarmigen“ wie ein Segelfreund die Christusstatue mal genannt hat. Es geht vorbei an einigen unbewohnten kleinen Inseln und an der Copacabana mit dem Zuckerhut im Hintergrund.Die Copacabana ist gesäumt von hunderten Menschen, Liegestühlen Trink und Futterbuden. Wir biegen um die „Ecke“ zwischen Pta. De Leme und Ilha de Contutuba und vor uns steht der Pao de Acucar, der Zuckerhut. Jetzt müssen wir den nur noch umrunden und wir sind am Ziel. Doch wohin fährt unser Boot? Es fährt parallel zur Brücke die einige Meilen weiter die Bucht von Rio überquert. Laut Karte müssten wir doch auf die Brücke zufahren. Ich sage zu Annemarie, die am Ruder steht, dass das auf alle Fälle der verkehrte Kurs ist. Wir müssen in die Bucht rein und sie nicht queren. „Aber das GPS zeigt mir diesen Kurs an“ meint sie ein wenig beleidigt da sie glaubt ich würde an ihr zweifeln. Sie kann nichts dafür für diesen eigenartigen Kurs. Sie schaut nur zum GPS und folgt dem Pfeil. Doch das GPS hat sich ausgeklinkt und zeigt den falschen Kurs. Ein Restart behebt das Problem, einige Drehungen am Ruder und schon ist alles wieder in Ordnung. Die Einfahrt in die Bucht ist grandios. Links (man verzeihe mir den unseemännischen Ausdruck) der Zuckerhut in seiner ganzen Größe und rechts eine große Festung aus der Zeit als man noch mit Kanonenkugeln schoss. Es ist ablaufendes Wasser und es gurgelt und brodelt nur so um uns herum. Wir fahren fast Vollgas und trotzdem machen wir nur 2kn. Hier sind bestimmt 4-5kn Gegenstrom. Wir umrunden den Zuckerhut und sind nun in der Bucht. Ein herrlicher Ankerplatz, direkt unterhalb des Zuckerhuts und gegenüber der schon genannte Breitarmige. Nur die Sauberkeit des Wassers lässt zu wünschen übrig, wie überall in der Nähe von Städten und Siedlungen in Brasilien. Wir werfen Anker und sind am (Zwischen)Ziel angelangt. Wir werden uns die Stadt ansehen und einige Besorgungen für die Weiterfahrt machen. In einer Woche etwa soll es weitergehen. Vorausgesetzt das Wetter passt. Die nächste Station ist dann Cabo Frio. Wenn wir dort ein günstiges Wetterfenster erwischen geht es in einem längeren Schlag bis zu den Abrolhos. Aber das ist noch Zukunft.

Aus einer Woche sind es inzwischen drei geworden. Nicht weil uns Rio so gut gefällt, obwohl es eine, ich möchte nicht unbedingt behaupten schöne aber eine interessante Stadt ist. Sicher sie hat auch ihre schönen Seiten, wie z.B. die Copacabana, das Theatro Municipal usw. Trotzdem, mir wäre die Stadt allein schon wegen der schlechten Luft zuwider. Nein, wir sind deshalb noch hier weil wir kein Wetterfenster hatten um weiterzusegeln.

Bis es so weit ist sitze ich nicht untätig herum. Ich baue mir eine „Tankanlage“. Damit kann ich nun den Diesel vom Haupttank in den Tagestank, aus dem der Motor versorgt wird, umpumpen oder die Reservekanister in den großen Tank umfüllen oder aber auch den Tagestank direkt aus den Reservekanistern versorgen falls es mal erforderlich sein sollte. Außerdem kann ich anhand eines Zählers kontrollieren wie viel ich in den Tagestank gefüllt habe. Eine am Tagestank angebrachte Skala erlaubt mir den genauen Verbrauch festzustellen indem ich die gefahrene Zeit am Betriebsstundenzähler ablese und so den Durchschnittsverbrauch ausrechne. Der übrigens bis jetzt bei 2,5L/Std. liegt.

Endlich ist es so weit. Morgen geht’s los. Wir brauchen den ganzen Tag um unser Boot Seeklar zu machen. Am nächsten Tag ist es so weit. Ich starte schon mal den Motor, Annemarie ist am Ruder. Mit der Fernsteuerung betätige ich die Ankerwinde und sie holt langsam den Anker nach oben. Die Leinen der Abspannung sind komplett mit Algen bewachsen und stinken. Nebenbei verursachen sie noch eine gehörige Sauerei an Deck. Immer mehr Ankerkette kommt ans Tageslicht und was ich sehe lässt mich nicht unbedingt jubeln. Schlamm, Algen und kleine Muscheln die die Kette belagern ziehen wir nach oben. Ich nehme mir eine Bürste und schrubbe Meter für Meter die Kette. Trotzdem wandert noch einiges an Dreck in den Ankerkasten. Irgendwann sind dann die vierzig Meter Kette oben und verstaut und der Anker hängt an seinem Platz an der Spitze des Bugspriets. Es kann losgehen. Plötzlich sagt Annemarie: „hier riecht es nach Plastik“. Ich schnuppere. Ja Plastik. Ich schaue in den Motorraum. Kann nichts sehen. Ich öffne den Zugang zum Motorraum von der Seite, vom Durchgang aus. Sehen kann ich nichts aber im Motorraum ist es heißer als sonst. Ich kann immer noch nichts sehen. Ich gehe nach oben ins Cockpit schaue auf die Temperaturanzeige des Kühlwassers. Scheiße!! Über hundert Grad. Sofort betätige ich den Stoppzug und der Motor steht. Wir aber stehen mit unserem Boot so ziemlich genau in der Einfahrt in die Bucht. Was soll ich tun? Ich kann daran auch nichts ändern und schon rauscht der Anker in die Tiefe. Franz der vor uns fährt bekommt von alledem nichts mit. Ich versuche ihn über Funk zu erreichen. Nichts. Da kommt ein Boot von einer Segelschule an und will uns erklären, dass wir hier in der Einfahrt nicht ankern können. Das wissen wir selber auch(hab ich natürlich nicht gesagt). Ich erkläre denen was passiert ist und bitte zu versuchen die Scorpio einzuholen und ihnen von unserem Malheur zu berichten. Sie schaffen es auch und die Scorpio dreht um. Einstweilen ist der Motor bzw. das Kühlwasser auf unter 60° abgekühlt. Ich lasse den Motor wieder an und Annemarie fährt die eine Meile wieder zurück zu unserem alten Ankerplatz. Gerade noch so, bevor die Temperatur wieder ihre 100° erreicht hat. Erst mal abkühlen lassen und dann nach der Ursache schauen.

Ich steige in den Motorraum. Erst mal den Kühlwassertank überprüfen. Wasser ist genügend drin, hatte ich vor der Abfahrt schließlich überprüft. Es könnte vielleicht die Impellerpumpe (Salzwasserpumpe) sein. Sieht nicht so aus. Die Schläuche, welche das Salzwasser durch den Wärmetauscher führen sind heiß und weich. Dort wo der Schlauch in den Aspuff geht, also die Wassereinspritzung, dort ist der Schlauch abgeknickt. Schon mal schlecht, denn da kommt kein Wasser mehr durch. Die Kontrolle der Schläuche ergibt, dass sie nicht nur am Auspuff, sondern auch an anderen Stellen abgeknickt sind und kein Durchfluss mehr stattfinden kann. Die Schläuche waren so beschissen verlegt, dass sie am Filterausgang, am Eingang zum Kühlwassertank und am Wärmetauscher viel zu enge Kurven machten. Dadurch wurde wurde der Durchfluss des Salzwassers verringert was zur Folge hatte, dass das Kühlwasser nicht genügend gekühlt wurde. Dadurch wurde das Salzwasser noch wärmer, ebenfalls das Kühlwasser. Das hat sich so lange aufgeschaukelt bis die Schläuche heiß wurden und jeweils dort wo sie in Kurven gelegt waren abknickten. Somit war jede Kühlung außer Gefecht.

Franz verspricht mir (was würde ich ohne ihn tun) am nächsten Tag mit mir in die Industriezone zu fahren um die Schläuche und andere benötigten Ersatzteile zu beschaffen. Wir wollen nämlich nicht nur Schläuche sondern auch Schlauchanschlüsse und Bogenstücke kaufen um zu verhindern dass uns das gleiche nochmal passiert.

Wir sind ja eigentlich nicht legal hier in Brasilien. Man darf nur drei Monate im Land bleiben und wir sind nun schon erheblich länger als ein Jahr hier. So lange keine Kontrolle kommt ist es auch egal. Aber genau diese hält in Form der Receite Federal (Zoll) mit ihrem Boot genau auf uns zu. Sofort verkrümele ich mich in den Salon. Annemarie bleibt im Cockpit. Sie wollen natürlich die Papiere sehen, welche wir ja nicht haben. Aber das bindet Annemarie ihnen ja nicht gerade auf die Nase. Sie macht ganz was anderes. Sie erklärt denen, in noch schlechteren englisch wie sie eh schon spricht, den Leuten dass sie in zwei Stunden wiederkommen sollen, denn ich bin nicht da und sie kennt sich nicht aus. Dann fahren sie ab. Bei der Scorpio genau das gleiche. Wir warten genau zwei Stunden (wir kennen die Pünktlichkeit der Brasilianer) und dann sind wir weg in die Stadt. Wir gehen jetzt einklarieren. Es geht erst zur zur Immigration dann zur Reseite (Zoll) und dann zur Marhina do Brasil (Hafenbehörde). Wir werden gefragt wie lange wir schon hier sind. Seit zwei Tagen, ist die Antwort. Gut. Wo sind die Ausklarierungspapiere des letzten Hafens? Brauchen wir nicht ist die Antwort. Wir sind Europäer und kommen direkt aus Europa. Wir sind von den Kanaren direkt ohne Zwischenstation nach Rio gesegelt und wollen dann weiter in die Karibik. Passoporte por favor. Wir reichen die jungfräulichen Pässe, welche bar jedes Stempels sind. Stempel rein, gute Fahrt und das war´s. Beim Zoll genau so. Ebenso bei der Marhina do Brasil keinerlei Probleme. Abgesehen von der Zeit die beansprucht wird Können wir doch an einem Tag nur zwei Behörden machen. Die dritte dann erst am Tag (von der Wiege bis zur Bahre, Formulare, Formulare). Dabei hatten die noch Humor und uns gefragt ob es in Europa auch so einen Papierkrieg gibt. Was wir nur bestätigen können.

Also alles klar, nun sind wir offiziell und ganz legal in Brasilien. Wenn jetzt die Kontrolle mit ihrem Boot, besser gesagt mit ihrer schnellen Motoryacht nicht mehr kommen sollte, dann stinkt es uns aber ganz gewaltig.

Zwei Tage später. Annemarie und ich wollen gerade an Land und haben die Hälfte des Weges mit unserem Dinghy bereits zurückgelegt, da sehe ich eine Motoryacht mit Vollgas durch die Bucht sausen und genau auf uns zu halten. Ich mache Annemarie darauf aufmerksam. Wir tun aber so als hätten wir nichts gesehen. Da sind sie auch schon so nahe dass sie rufen können. Ein bisschen grinse ich in mich hinein ob der Situation. Natürlich gebe ich ihm zu verstehen, dass ich sofort umdrehen und zum Boot zurück fahre. Ich gebe ihnen die Papiere in einem Schnellhefter sorgfältig eingeordnet nebst Pass. Ich glaube einen erstaunten Ausdruck auf seinem Gesicht zu sehen.Er wirft nur einen kurzen Blick darauf, lächelt und gibt sie mir zurück. Ich entschuldige mich noch dafür, dass ich nicht da war als sie zum ersten mal hier waren. Mit einem großzügigen nao problemo (kein Problem) und einem welcome in Rio and have a nice time rauschen sie wieder ab.

Vorher sagte ich, dass wir wieder an unseren alten Ankerplatz zurückkehrten. Das stimmt nicht ganz, denn wir liegen etliche Meter näher am Ufer. Das wäre an sich kein Problem. Das eigentliche Problem ist, dass die Kette immer rattert und sich anhört als würde sie über einen Stein schleifen.. Ein fürchterliches Geräusch. Immer dann wenn sich das Boot etwas bewegt und die Kette mitzieht. Das nervt. Also entschließen wir uns das Boot nach weiter draußen zu verholen. Annemarie hat dazu keinen Bock und will vom Boot runter. Kein Problem, denn Franz stellt sich ans Ruder. Langsam hole ich mit der Winde den Anker hoch. Und was sehe ich? Eine dicke fette Mooringleine hängt dran. Also das war das Geräusch. Die Kette ratterte dauernd über den Betonblock der Mooring. Glück gehabt, dass sich die Kette bzw. der Anker nicht am Block verfangen hat. Franz und ich untersuchen die Leine. Sieht gut aus. Keine Algen und kein Muschelbewuchs. Also was soll´s. Wir verlängern und sichern die Mooring mit eigenen Leinen und bleiben an Ort und Stelle. Und so hängt der Anker am Bugspriet und wir an der Mooring. und warten auf ein Wetterfenster damit es weiter gehen kann

 

Wir suchen immer noch vergeblich nach einem Mechaniker der dazu bereit ist den Motor einzubauen und zu marinisieren. Wir haben einige Kontakte aber keiner ist mir (uns) recht. Klaus bemüht sich wirklich um uns zu helfen. Nach ein, zwei Wochen telefoniert er mit einem Bekannten, der hier fünf Zweimast-Schoner a 20-25 Meter, auch Bierdampfer genannt, besitzt, mit denen Touris durch die Gegend geschaukelt und bei lauter Musik abgefüllt werden. Er hat eine deutsche Frau und will bald nach Deutschland übersiedeln. Daher ist er auch dabei seine Schiffe zu verkaufen. Eins hat er noch. Also falls jemand Interesse hat hier in Brasilien ins Tourismusgewerbe einzusteigen, melden:-). Bruno, so heißt der Mann, empfiehlt Klaus er solle doch mit seinem Mechaniker Verbindung aufnehmen. Gesagt, getan. Der Mechaniker, Luano, so sein Name, ist ca. 30 Jahre alt und macht einen sehr guten Eindruck. Bruno und Luano kommen auf unser Boot und wir besprechen alle Details. Er nennt mir den Preis für den Einbau des Motors. Für die Marinisierung kann er keinen Preis nennen da er noch nicht weiß wie viel Arbeit es werden wird und welche Probleme evtl. dabei auftreten.Alle Teile die noch gebraucht werden gehen auf meine Kosten. Das sind klare Aussagen und ich weiß (oder auch nicht) was auf mich zukommt Eins aber weiß ich genau, es wird nochmal teuer. Morgen will Luano kommen und mit dem Einbau des Motors, welcher immer noch im Cockpit auf der Bank festgezurrt ist und wartet im Motorraum verschwinden zu können, beginnen..

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Abgetaucht

Luano kommt pünktlich (was hier nicht selbstverständlich ist) um neun Uhr und bringt einen kleinen Flaschenzug mit. Dieser wird gleich mal am Baum befestigt, den wir mit einem massiven Balken abgestützt haben. Schließlich wiegt der Motor mit Getriebe ca. 400kg. So ganz wohl ist mir nicht bei der Sache wenn ich da so den mickrigen Flaschenzug ansehe. Jedenfalls geht es zur Sache und der Motor baumelt bereits über dem offenen Motorraum und wartet um n der Versenkung zu verschwinden. Stück für Stück geht es abwärts. Manchmal rutscht die Kette durch und aus einigen Zentimetern werden gleich mehrere die es abwärts geht. Nun schaut auch Luano nicht mehr ganz so zuversichtlich wie Anfangs drein. Nach etwa 10 – 15 Minuten steht die Maschine endlich auf dem für sie zugedachten Platz im Motorraum auf dem Fundament. So weit so gut. Nun muss der eiserne Gustav aber noch ein ganzes Stück nach achtern um den Getriebeflansch mit der Propellerwelle verbinden zu können. Dabei hilft ein hydraulischer Wagenheber. Luano hebt den Motor ein winziges Stück an und schiebt ihn dann immer näher an die Propellerwelle ran bis es passt und der Motor seine Endstellung erreicht hat. Da aber der Perkins rausgeschmissen wurde und ein Mercedes eingebaut, stimmen natürlich die Bohrungen der Motoraufhängung am Fundament nicht mehr überein. Mit Bohrmaschine und einem 12er Bohrer ist die Sache aber schnell behoben. Der Motor ist schon mal drin und wir machen für heute Schluss.

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Landeanflug

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gelandet

 Luano hat erst nächste Woche wieder Zeit und dann machen wir gemeinsam weiter.

Am nächsten Tag stürze ich mich, mit neuem Mut und guter Laune, da wir nun wieder Land sehen, in meinen so geliebten Motorraum. Es gibt nichts schöneres als bei heißem Wetter im öligen und beengtem Motorraum zu schwitzen und Arbeiten an Stellen durchzuführen die man nicht sieht sondern nur erahnen oder erfühlen kann. Jedenfalls gelingt es mir. Was mir ebenfalls gelingt ist die tausend Kabel, na ja ganz so viele sind es nicht, die da in der Gegend rumhängen am jeweiligen richtigen Anschluss anzuschrauben.

Die 24 Kabel (diese Zahl stimmt)der verschiedenen Verbraucher, die Solaranlage, der Generator und die Lichtmaschine sowie die 2×200 AH Servicebatterien sind angeschlossen. Nicht nur das. Es funktioniert auch noch. Verdreckt und verschwitzt klettere ich aus dem Motorraum. Und jetzt eine Dusche. Ich stehe im Cockpit eingeseift unter der selbst gebastelten (kalten) Dusche und wasche mir Dreck und Schweiß vom Körper. Die (Hand) Dusche ist an der Druckwasserpumpe angeschlossen und ich kann die benötigte Länge Schlauch, der durch eine Öffnung in der Cockpitbank aus dem Motorraum kommt, raus ziehen. Um Wasser zu sparen ist ein Druckschalter am Duschkopf und wenn ich diesen los lasse schaltet sich die Wasserpumpe ab. Welch ein Luxus.

Da die Batterien eingebaut und der Generator, der zwecks Service, Entrostung und neuer Farbgebung ausgebaut war, nun wieder an seinem alten Platz.steht, wird es sehr eng im Motorraum. Zwar muss noch die gesamte Marinisierung durchgeführt werden aber trotzdem müssen die eben genannten Teile bereits eingebaut sein. Bevor die kniffligste Sache kommt:. der Auspuff. Dieser wird genau zwischen Batterien und Lastverteiler der elektrischen Anlage durchgeführt und da geht es um Zentimeter. Zwar wird der Auspuff mit Wasser gekühlt, trotzdem sollte er nicht all zu nahe an Kabeln und Batterien vorbeiführen.

Luano ist dabei alles auszumessen und sich Notizen zu machen wie und wo Auspuffrohr und Schwanenhals hinkommen. Es fehlen noch die Impellerpumpe (Salzwasserpumpe) und ein Frischwasser bzw. Kühlwassertank (Süßwasser), so wie sämtliche benötigten Schläuche. Das haut nochmal richtig rein in das Budget. Vorher waren Kühlwassertank und Salzwasserpumpe am Motor angebaut. Das geht jetzt nicht mehr. Da nicht der original Mercedes Marinisierungssatz vorhanden ist muss improvisiert werden. Alle Teile wie Wärmetauscher, Kühlwassertank, Impellerpumpe sind extern, also nicht am Motor angebracht. Das kostet Platz.

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Auspuff-Wassereinspritzung

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Kühlwassertank und Wärmetauscher

Irgendwann ist dann auch dies geschafft, nachdem das Auspuffrohr mit Schwanenhals mehrmals ein und ausgebaut wurde um richtig platziert zu sein.Dann ist es so weit dass der Motor gestartet werden kann. Natürlich sind Zündschloss und die dazugehörigen Kabel samt Steuersäule noch nicht montiert. Also wird der Starter einfach mit einem Schraubenzieher kurz geschlossen . Der Motor TUT NICHTS! Es macht zwar ein wenig klack aber das war´s schon. Der Kontakt der normal zum Zündschloss geht ist locker und die kleine Schraube geht ab. Also Anlasser raus und zur Reparatur gebracht. Ist doch ein gutes Gefühl wenn ein „neuer“ Motor gleich mit einer Reparatur beginnt. Zusätzlich ist auch noch die Hochleistungssicherung mit der ich die komplette Stromanlage mit 200 Ampere abgesichert habe, durchgebrannt. So gesehen ist es gut, da der Anlasser dadurch nicht beschädigt wurde. Für die nächsten Tage steht auf alle Fälle wieder mal alles still bis der Anlasser gerichtet ist und Luano wieder Zeit hat.

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Original Filter

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Perkins Filter

Es vergeht fast eine Woche und dann bringt Luano den Anlasser wieder. Schnell ist er eingebaut. Ich frage was denn daran kaputt war. Der Minus Kontakt war abgebrochen. Innen fehlte eine Kohle! Außerdem waren die „Innereien“ Anker und Wicklung total ölverschmiert. Das ist nun behoben. Der erste Startversuch. Klack. Das war´s schon wieder. Der Motor dreht nicht durch. Ich stehe kurz vor dem explodieren. Ich wünsche Joao der den Motor zusammengebaut hat alles, nur nichts Gutes. Luano beruhigt mich und meint das komme schon mal vor wenn die „Innereien“ alle neu und die Kompressionsringe noch nicht eingelaufen sind. Er sagt er kommt in den nächsten Tagen wieder mit dem nötigen Werkzeug um den Motor erst mal von Hand durchzudrehen.

Die Tage vergehen und der Zeitpunkt dass unser Besuch aus Deutschland kommt, die Nichte von Annemarie, rückt immer näher. Zwar sind es noch knapp vier Wochen bis dahin aber bei der Geschwindigkeit die hier herrscht…

Mit einer 46iger Nuss und einem langen Knebel bewaffnet erscheint einige Tage später Luano. Motorraumdeckel auf und es kann los gehen. Luano hat sich zur Verstärkung noch einen Kollegen mitgebracht. Nuss angesetzt und kräftig gezogen. Der Motor dreht sich. Er wird so lange gedreht bis einmal alle vier Takte durchgelaufen sind. Ist ja schon mal positiv. Dann der Startversuch. Der Anlasser dreht einige male durch und dann hört es sich an als wären die Batterien leer, was nicht sein kann. Die Messung ergibt 14,2 Volt, schließlich hängen ja die Solarzellen dran und die Sonne knallt was vom Himmel kommt. Daran kann es nicht liegen. Überbrückungskabel raus und direkt an die Batterien angeschlossen. Erfolg: das Kabel wird heiß aber es tut sich nichts. Das Kabel ist zu schwach. Ich suche ein dickes Kabel mit 50 qmm. Der Mechaniker schließt es direkt an den Batterien an und hält es an den Anlasser. Sofort springt der Motor an und rappelt so vor sich hin. Alle Aggregate arbeiten zufriedenstellend. Problem ist im Moment nur, dass die Motorinstrumente wie Öldruck und Wassertemperatur nicht funktionieren. Zwar habe ich die fehlenden Fühler zwischenzeitlich gekauft aber leider sind sie nicht kompatibel mit den Instrumenten. Also kann ich die neuen Instrument wieder ausbauen und wegwerfen, denn die arbeiten nur mit den speziell dafür vorgesehenen Fühlern und die gibt es nicht einzeln zu kaufen. Da kann ich nur sagen: Danke Joao, gut gemacht. Er hat mir die von ihm verschlampten Fühler natürlich nicht, wie versprochen, ersetzt bzw. neue Instrumente verschafft. Also haben wir nach kurzer Zeit den Motor aus Sicherheitsgründen wieder abgestellt. Jedenfalls läuft er. Aber warum der Motor mit der normalen Verkabelung (50qmm) nicht anspringt liegt immer noch im Dunkeln. Der Kollege von Luano meint , die Kabel wären zu schwach. Es müssten mindestens 70qmm sein. Kann ich mir fast nicht vorstellen. Falls sie wirklich zu dünn sind, dann hätten sie wenigstens heiß werden müssen, was aber nicht der Fall ist. Trotzdem ist wieder eine Woche vergangen und wir sind nur ein kleines Stück vorwärts gekommen. Aber immer noch besser als gar nichts. Die Gewissheit, dass der Motor läuft ist schon mal beruhigend.

Obwohl ich es nicht ganz glauben kann, kaufe ich am nächsten Tag ein dickes 70qmm Kabel mit den dazugehörigen Kabelschuhen. Meine Presszange geht allerdings nur bis 50qmm. Kein Problem meint der Mechaniker. Hau mit dem Hammer drauf bis der Schuh flach ist, das hält. Klasse. Und der irre hohe Übergangswiderstand der entstehen kann wenn nicht ALLE feinen Drähtchen fest am Kabelschuh anliegen? Was ist damit? Da kann schnell mal was passieren abgesehen davon, dass es unprofessionell ist. Kabelschuhzange in der Größe kann ich nicht auftreiben. Ich versuche jedenfalls Kabel und Kabelschuh schon mal ineinander zu stecken. Wieder Fehlanzeige. Entweder ist der Kabelschuh zu klein oder das Kabel zu dick oder beides. Meine Schieblehre sagt mir, dass das Kabel zwei Zehntel dicker ist als der Kabelschuh. Das wird schon mal nichts. Ich ziehe wieder los und besorge mir die nächste Größe. Das sind 95qmm. Da passen die Kabel anstandslos rein. Aber einfach flach klopfen will ich die Dinger dann doch nicht. Also hole ich mir Lötzinn und Kolben. Ich verzinne den Anschluss so dass alle Fasern des Kabels auch Kontakt miteinander haben und auch nicht die kleinste Faser absteht. Dann nehme ich den Hammer und hau etliche male mit ganzer Kraft auf den Kabelschuh. Nun sitzt er fest auf dem Kabel welches sogar noch eine rundliche Form aufweist. Wie gesagt, nicht gerade professionell aber besser als total flach klopfen. Da fällt mir was ein. Ich schleife meinen Läppi aus der Ecke und schalte ihn an. Ich suche mir den selbstgefertigten Schaltplan raus und studiere ihn nochmal ganz genau. Keine Beanstandung. Diese Schaltung muss, trotz „Eigenkonstruktion“ funktionieren. Ich bin sicher ich brauche die 70iger Kabel nicht. Ich steige nochmal in den Motorraum und sehe mir den Verlauf der Kabel an. Werner, du bist ein Dummkopf., schelte ich mich selbst. Ich hatte den Schaltplan gezeichnet um danach die Kabel dementsprechend zu verlegen bzw. anzuschließen. Irgendwie musste ich irgendwann dabei gestört worden sein, denn die Kabel waren zwar alle angeschlossen aber die Schaltung nicht ganz zu Ende geführt. Also schnell einen 17 Schlüssel (den für die Schrauben, nicht den für die Bierflaschen)geholt und die letzten beiden Kabel an die richtige Stelle geklemmt und schon springt der Motor an und lässt sein kräftiges Röhren hören.

Was jetzt noch gemacht werden muss ist den Luftfilter für den Motor anzubauen und einige kleine Schläuche mit deren Qualität ich nicht einverstanden bin, auszuwechseln. Für die Instrumente muss ich noch eine vorläufige Alternative finden, denn meine nächsten Instrumente kommen erst Weihnachten mit dem Besuch aus Deutschland.

Die nächste größere Arbeit ist das Cockpit wieder auf Vordermann zu bringen. In die Steuersäule muss ich das neue Zündschloss einbauen und die Verkabelung muss neu gemacht bzw. erweitert werden. Wir haben uns einen neuen Drehzahlmesser angeschafft und der muss mit dem Zündschloss verbunden werden. Da gibt es noch einiges zu tun. Nicht wie früher die Anzeige an der Lichtmaschine an der Klemme „W“ anklemmen und plus und minus anschließen und das Ding arbeitet. Nein, bei weitem nicht. Es sind insgesamt 14, in Worten „VIERZEHN“ Kabel anzuschließen damit das Teil funktioniert. Da bin ich mal gespannt ob und wie das klappt.

Fertig sind wir also noch lange nicht, höchstens mit den Nerven. Aber wie gesagt: gelobt sei was hart macht. Oder was nicht unmittelbar zum Tod führt dient der Abhärtung. Nun aber genug mit dummen Sprüchen. Mal sehen wie es weiter geht.

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Ankerwinsch Einbau 1

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Ankerwinsch Einbau 2

Fortsetzung

Hier gleich mal die Fortsetzung des vorherigen Berichtes. Das kommt daher, dass wir seit längerer Zeit (mehr als eine Woche) kein Internet mehr besitzen. Das heißt besitzen ja aber es funktioniert nicht. Es hat damals geregnet, nicht sehr stark aber immerhin geregnet, und seit der Zeit gibt es kein Internet mehr. Ein Internet Café zu besuchen hat auch keinen Zweck. Die Angst, dass jemand mit Viren das System lahmlegen könnte ist zu groß und deshalb gibt es keine Schnittstellen um Daten runter oder hochzuladen. Selbst die Brasilianer machen sich schon lustig darüber wie hier so die Technik funktioniert. Eine Moderatorin im Fernsehen sagte mal einen guten Satz: >wir haben zwar die Technik der ersten Welt, funktionieren tut sie aber wie in der Dritten.< Ende des Zitats. Damit ist wohl alles gesagt. Gerade erfahre ich, dass in der ganzen Stadt seit über einer Woche kein Internet zur Verfügung steht. Diese Inkompetenz schreit wirklich zum Himmel.

Mit den Instrumenten hat der obige Bericht geendet und da will ich weitermachen. Also eine Alternative habe ich nicht gefunden und somit müssen wir neue Instrumente kaufen. Öldruck und Wassertemperatur. Falls jetzt vielleicht einer glaubt, dass die nur eingebaut werden müssen, dann liegt er daneben. Die Instrumente sind nicht wie gewohnt im Set, sondern Fühler und Öldruckgeber müssen extra erstanden werden. Was bleibt mir anderes übrig? Bald ist es (hoffentlich) so weit, dass wir eine Testfahrt machen können und dann ohne Instrumente? Nicht wirklich.

Also die Instrumente sind gekauft und vorsichtshalber haben wir sie nur provisorisch angeschlossen um zu testen. Das funktioniert jedenfalls. Was nicht funktioniert ist der (alte) Drehzahlmesser.. Wir versuchen etliches aber nichts funktioniert. Dann messe ich die Klemme W und DF+ durch. Für DF+ müsste die Anzeige zwischen 12 und 14,8 Volt betragen und die der Klemme W variabel je nach Drehzahl. Beide null Volt. Lichtmaschine ausgebaut und zur Reparatur gebracht. Die ist nicht kaputt die funktioniert bekomme ich zu hören. Also ab zum Boot, wieder eingebaut und… das gleiche wieder. Sie funktioniert nicht. Alles nochmal durchgemessen. Das gleiche Ergebnis wie vor. Also wieder ausgebaut, das Teil Luano dem Mechaniker in die Hand gedrückt und ab zum Elektriker. Luano kommt nach zwei Stunden wieder und sagt dass die LIMA in Ordnung ist. Eingebaut und Motor laufen lassen. Ergebnis: sie funktioniert NICHT!! Luano meint, er habe aber gesehen, dass die Instrumente beim Elektriker 14 Volt angezeigt hätten. Das mag sein. Bei mir zeigen sie 12,65 Volt an. Das ist der Strom von der Batterie, nicht von der Lichtmaschine. Das DF+ Kabel welches direkt an der plus Kohle angelötet ist welche den erzeugten Strom weiterleitet hat nach wie vor null Volt. Es müsste aber, egal wie voll die Batterien sind, zwischen 12 und 14,8 Volt haben. Also ist das Teil KAPUTT!. Während ich die Zeilen schreibe liegt die LIMA neben mir und wartet zum (dritten) mal , dass sie den Elektriker besuchen darf. Diesmal nehme ich meinen Multimeter mit und zeige ihm meine Messung. Ich hoffe er nimmt es mir dann ab, dass der Strom der angezeigt wird, nicht von der LIMA sondern von der Batterie kommt.

Luano hat auch den noch fehlenden Luftfilter für den Motor mitgebracht. Aufsetzen und den Motor anlassen. Der Motor röhrt wie der eines Panzers. Der Lärm ist so stark, man kann sich nur sehr laut verständigen kann. Einfach blöd. So kann das nicht bleiben. Ich habe aber noch das externe Filtergehäuse vom Perkins. Dieses war mit einem Luftschlauch mit dem Ansaugkanal des Motors verbunden. Wenn ich dann mal den Schlauch abgezogen habe, dann hat der auch sehr laut geröhrt. Luano nimmt Maß und verschwindet. Ich baue das Filtergehäuse inzwischen an die Schottwand, wo es auch beim vorherigen Motor war.

Zwei Stunden später ist Luano mit Schlauch und passendem Reduzierstück zurück. Nachdem alles montiert ist wird der Motor angeworfen. Was eine Wohltat. Der Lärm hat sich auf ein erträgliches Maß gesenkt. Wenn dann der Motorraumdeckel angebracht ist, ist die Lautstärke wieder wie früher.

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Schwanenhals

Für heute ist dann Schluss und ich bringe Luano mit dem Dinghy an Land. Das heißt ich habe es vor. Wenn nur der Außenborder der gleichen Meinung wäre wie ich. Der gibt sich nicht die geringste Mühe auch nur den Anschein zu machen, dass er anspringt. Er macht schon längere Zeit Mucken obwohl er erst in Reparatur war. Er läuft einige Tage dann fängt er wieder an zu spucken und springt schwer oder gar nicht an. Aber nun macht er keinen Mucks mehr. Luano bemüht sich, aber nichts geht mehr. Er überprüft die Kompression indem er den Finger in das für die Zündkerze vorgesehene Loch steckt und dann meint, dass der Motor kaum noch Kompression hat.

Luano wird mit seinem Freund reden, er repariert Außenborder, ob er sich den Motor mal ansehen will. Da dieser allerdings ca. 20 Jahre auf dem Buckel hat ist es fraglich ob sich eine Reparatur noch lohnt. Annemarie und ich haben vor zwei Wochen ein Sonderangebot eines Tohatsu 5PS gesehen, also der gleiche wie unserer, für 3500 Riais (ca.1100 €). Ist für hier sehr günstig. Falls wir den wirklich kaufen müssen, dann wechselt aber die Farbe des Kontos von Hell nach Dunkelrot. Haben wir doch für unseren Motor alles in allem etwas mehr als 6000 Euronen gelöhnt.

Seit nun drei Wochen steht der Motor fast fertig aber unberührt bei uns im Cockpit.Weihnachten bekommen wir Besuch aus Deutschland und wir hoffen, dass er bis dahin betriebsbereit an der Stelle ist wo er hingehört, nämlich im Motorraum. Ob wir das noch schaffen wird die Zukunft zeigen. Wie heißt der schöne Satz? Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Anfang Juni stehen wir, das sind Klaus, Annemarie, Joao der Mechaniker und ich in Angra dos Reis in der Bosch Werkstatt und verhandeln über einen Mercedes OM 314, 3,8 Liter, Vierzylinder Diesel mit 80 PS. Wir werden uns über folgende Punkte schnell einig: Der Motor bekommt eine Grundüberholung mit neuen „Innereien“, allen nötigen Anbauteilen, äußere Entrostung, eine Grundierung, neue Farbgebung inklusive der nötigen Umbauten zum Schiffsdiesel (Marinisierung). Ich nenne der Einfachheit halber die Preise in Euro. Also, der Preis: ca. 3000 € . Fertigstellung in 20 Tagen. 50% Anzahlung und den Rest bei Fertigstellung. Einbau des Motors nochmal 500 € extra. Wir besiegeln mit Handschlag die Vereinbarung. War schon der erste Fehler. Schriftlich heißt die Devise. Nachher ist man immer schlauer. Einen Tag später bringe ich die Anzahlung vorbei und Joao ward eine Woche nicht mehr gesehen (siehe Bericht Motor, Motor, Motor). Die Abwesenheit hat sich aufgeklärt (wenn sie stimmt) und die Arbeit kann beginnen. Weit gefehlt. Die Werkstatt die den Motorblock überholen soll hat keine Termine frei. Eine Woche später ist es so weit. Die Arbeit geht schleppend voran. Ich frage was denn los sei. Joao meint es fehlen etliche Teile und er kann nicht weiter machen. Ich müsste sie erst kaufen (das ist der zweite Fehler). Das kenne ich von Lanzarote her. Die Leute haben nie Geld und man muss ihnen das Material erst kaufen bevor sie weiter machen. Ist auch nicht so schlimm, abgerechnet wird dann eben am Schluss. Trotzdem verlangt Joao von mir eine Zwischenzahlung (dritter Fehler). Schließlich müsse er ja noch Teile besorgen. Weitere 300 € wechseln den Besitzer. Die Zeit zieht sich in die Länge und ich muss immer wieder Teile kaufen. Was die Marinisierung anbelangt erkläre ich Joao, dass er doch die Teile von meinem alten Motor hernehmen könne. Getriebe, Wärmetauscher, Ölkühler usw. Das muss doch nicht zusätzlich gekauft werden. Klar das geht, keine Frage.

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In der Werkstatt

Anfang September macht der Motor in der Werkstatt seine ersten Umdrehungen.Das was ich eigentlich hören möchte, nämlich wie der Motor läuft, wie sich die Ventile anhören, läuft er rau leise, ruppig. Nichts davon kann ich hören, denn er hat keinen Auspuff. Hört sich an wie ein Formel eins Motor. Damit kann ich nichts anfangen. Es fehlen noch etliche Anbauteile aber ein Ende ist abzusehen (Glaube ist doch was schönes oder besser glauben heißt nichts wissen). Der Motor kann eingebaut werden, meint Joao. Was ist mit den Teilen die noch fehlen? Die werden angebaut wenn der Motor im Boot ist. Ziemlich bescheuert, denke ich. Wenn der Motor erst mal drin ist ist es doch viel komplizierter die Teile anzubauen. Irgendwie kommt mir das nicht so ganz geheuer vor. Ist gut, dann bring den Motor zum Boot. Ein Autokran muss besorgt werden und ein Platz an der Mole um den Motor ins Boot zu hieven. Den Kran und den Platz an der Mole will Joao besorgen. Klaus sagt ihm noch er soll auf jeden Fall dort vorher anrufen damit wir auch an die Mole können. Der Termin steht für den nächsten Tag elf Uhr.Das ging aber schnell denke ich noch, hoffentlich klappt das auch. Ich besorge eine Schleppmöglichkeit und einen zusätzlichen Helfer. Pünktlich zur angegebenen Zeit stehen wir vor der voll belegten Mole. Nicht nur wir stehen da sondern auch eine ganze Menge Fischerboote die warten um entladen zu werden. Ich suche den Boß und frage wann wir denn an die Mole könnten. Heute gar nicht, morgen vielleicht. Was soll das, schließlich wurde angerufen und der Termin bestätigt. Keiner hat angerufen, bekomme ich zur Antwort, denn dann hätte er gesagt, dass es heute nicht möglich ist. Es ist zum Mäuse melken. Alles was man nicht selber macht funktioniert nicht. Joao hat also nicht angerufen, obwohl er uns gesagt hat es sei alles in Ordnung. Inzwischen ist es halb zwölf geworden und Joao ist immer noch nicht da. Wenigstens könnten wir mit dem Kran und dem Verantwortlichen für die Mole einen neuen Termin ausmachen. Der Versuch den Mechaniker über Telefon zu erreichen klappt nicht. Nach ein und einer viertel Stunde geben wir es auf und lassen uns zurück an unseren Platz an der Boje schleppen. Kostenpunkt: 120 €. rausgeschmissen für die Katz. Zwei Tage später steht der Termin mit dem Platz an der Mole und dem Autokran. Klaus hat alles per Telefon abgemacht. Wieder werden wir für 120 € an die Mole geschleppt und wieder warten wir eine geschlagene Stunde bis der Kran und der Motor samt Joao endlich da sind. Schnell ist der Motor umgeladen in unser Cockpit und es geht zurück zu unserem „Parkplatz“. Jedoch nicht bevor wir 20 € für die Mole und 80 € für den Kran gelöhnt haben. Joao ist in der Zwischenzeit zu Klaus gefahren und dort treffen wir uns um alles weitere zu besprechen. Ich frage Joao bzw. ich lasse durch Klaus fragen, denn mein portugiesisch reicht da bei weitem nicht aus. Ich frage Joao wann er denn endlich dem Wärmetauscher und den Behälter für das Kühlwasser einbauen will. Kühlwasserbehälter und Wärmetauscher braucht es nicht, ist die Antwort. Das haut mich von den Socken. Wieso denn nicht? Eine Salzwasserpumpe wird noch angebaut und die leitet das Kühlwasser durch den Motor und über den Auspuff wieder nach draußen. Hat der sie noch alle? Eine Einkreiskühlung! Und in zwei Jahren (vermutlich noch früher) kann ich den Motor wegwerfen. Wieso? Die Fischer haben sie doch alle. Die Fischer!! Bin ich ein Fischer? Die fahren jeden Tag und jeden Tag läuft jede Menge Wasser durch den Motor und trotzdem werden diese Motoren nicht all zu alt. Man stelle sich mal vor, der Motor steht etliche Wochen oder Monate, was bei Langzeitseglern normal ist. Dann Salzwasser im Motor! Selbst die reinen Bootsmotoren die vom Material her schon für Salzwasser gebaut sind würden das nicht vertragen. Wie sieht´s dann erst mit einem LKW Motor wie dem unseren aus? Den kann ich dann gleich versenken und brauch´ mir die Arbeit mit dem Einbau erst gar nicht machen.Dass das so nicht geht ist doch klar. Es muss also die korrekte Marinisierung noch durchgeführt werden. Die nächste Frage des Mechanikers ist für mich doch etwas befremdend. Er fragt wann er die restlichen 1500 € bekommt und die 80 € für den Kran.. Die bitte was? Da hab ich wohl Bahnhof verstanden. Welche 80 €? Welche 1500 €? Schließlich hat er uns versetzt und ein Termin war auch nicht ausgemacht wie versprochen. Da bekomme ich höchstens 120 € von ihm ersetzt da alles in die Hose ging. Außerdem lasse ich ihm durch Klaus erklären, dass ich bereits an Teilen so viel ausgelegt habe, dass, wenn überhaupt, er nur noch 500€ bekommt und im übrigen habe ich den kompletten Marinisierungssatz selbst mitgebracht. Der muss noch zu seinen Lasten verrechnet werden da er ihn nicht neu kaufen braucht, wie anfangs ausgemacht. Jetzt war natürlich die berühmte K… ganz kräftig am dampfen. Außerdem bekomme ich von ihm auch noch einen Öldruckmesser, einen Thermofühler für die Wassertemperatur samt Instrumentensatz. Den habe ich ihm zum Einbau überlassen und jetzt hat er sie nicht mehr. Vermutlich geklaut, verkauft, was weiß ich? Unversöhnlich gehen wir auseinander und haben uns bis heute nicht mehr gesehen.

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Motor ist da

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Endlich an Bord

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 gut verschnürt

Fünf Monate, seit Juni, ärgern wir uns mit dem Motor rum und es ist noch kein Ende abzusehen. Wir sind auf der Suche nach einem Mechaniker der uns den Motor fertig macht aber diesmal so wie es sich gehört mit einer Zweikreiskühlung (heißes Süßwasser wird im Wärmetauscher durch kaltes Salzwasser gekühlt). Wir hoffen, die Götter sind uns wohlgesonnen und es klappt alles bis der Besuch aus Deutschland hier ist. Wir dagegen sind durch den ganzen Mist bis nächstes Jahr März/April dazu verdonnert hier zu bleiben. Jetzt wäre nämlich die letzte Möglichkeit in Richtung Norden, also Karibik, aufzubrechen. Wir haben Frühjahr und es geht dem Sommer zu. Damit ändert sich das Wetter und der Wind kommt überwiegend aus nördlichen Richtungen. Erst im Spätsommer, also März/April schlägt das Wetter wieder um und der SO Passat weht wieder zuverlässiger. Bis dahin ist noch viel Zeit und so kommen eben die nächsten Berichte vermutlich aus Rio und Umgebung.

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wartet auf den Einbau

Es ist ja nicht so, dass es außer über dem Motor nichts zu berichten gibt wie die kommenden Zeilen zeigen werden. Eigenartiges und Merkwürdiges.

Annemarie und ich sitzen abends im Salon, draußen ist es bereits dunkel. Plötzlich ein bum, bum, bum. Was ist los zu später Stunde, bekommen wir Besuch? Ich schaue nach aber außer dass es dunkel ist kann ich nichts sehen. Kein Besuch, keiner hat angeklopft, nichts. Das ist komisch. Es dauert nicht lange, das gleiche wieder. Wir stellen Vermutungen an was das sein könnte, kommen aber auf kein wirkliches Ergebnis. Ich lege es ab unter der Rubrik „Klabautermann“. Annemarie ist gar nicht einverstanden damit. Ist sie etwa abergläubisch?

Einige Tage später morgens um sechs Uhr. Plötzlich ein fürchterlicher Lärm im Boot als wären wir irgendwo aufgefahren oder schrappen mit dem Kiel über Fels oder Korallen. Ich sause aus der Koje ins Cockpit. Was ich sehe ist: NICHTS!!. Der Grund hier ist Schlamm und wir haben drei Meter Wassertiefe.Es gibt hier weder Korallen noch Felsen. Im übrigen ist das Wasser komplett glatt, keine Welle trübt den Wasserspiegel.Die Vermutung es könnte die Kette der Boje sein die da am Rumpf entlang schabt ist einfach zu weit her geholt. Wir bewegen uns ja nicht mal, also können wir auch nirgends entlang schaben. Einfach eigenartig. Wir lassen es auf sich beruhen und kehren zurück in den Salon als dieses Geräusch „krrrach, schab, krrrach schon wieder zu hören ist. Also wieder raus aus der Koje (ist ja schließlich erst sechs Uhr morgens) und nachgeschaut. NICHTS!! Es muss aber was sein. Frustriert gehe ich zurück in den Salon als Annemarie von draußen ruft: „Werner, Werner, schnell, komm sofort raus“! Ich mit einem Sprung wieder aus der Koje in der ich es mir gerade wieder bequem machen wollte und stürze mich ins Cockpit bzw. an Deck. Was ich sehe ist ein wunderschöner gefleckter Rochen mit ca. 2m Spannweite. Ruhig „segelt“ er um unser Schiff. Zieht eine Schleife nach der anderen.

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Wir können uns an diesem Anblick gar nicht satt sehen. Plötzlich schlägt er einen Haken legt sich mit seinem Bauch, Kopf nach oben, an den Rumpf des Bootes und krrrrach bum.schabt er mit seinen scharfen Zähnen die Muscheln vom Unterwasserschiff. Kleine und große Fische umkreisen ebenfalls unser Boot und knabbern daran herum. Eigenartige Geräusche sind zu hören. Bum, bum, bum von den kleinen und großen Fischen wenn sie einzeln die Muscheln vom Rumpf brechen und ein krrrrach wenn der Rochen sich an dem Bewuchs gütlich tut. Unsere Lady scheint für die Fische wohl ein ergiebiges Riff zu sein an dem es jede Menge Futter gibt. Muss gut schmecken Cracas (Muscheln) mit Antifouling von Hempel. Guten Appetit.

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Vor einer Woche kamen Wolf und Crew mit seinem Schiff der Santa Maria Australis einer Reinke Duo 68 Fuß (20m) hier in Angra dos Reis an. Wir lernten Wolf in Porto Belo kennen, wo wir einige Zeit lagen. Haben auch damals schon sein Schiff bewundert. Ist eben ein Unterschied ob 12 oder 20 Meter. Der andere Unterschied zu uns ist nicht, dass Wolf an Größenwahn leidet, er ist auch nicht, wie wir, zum Vergnügen unterwegs, sondern er hat ein Charterunternehmen. Er macht Kojencharter. Er vermietet also nicht das komplette Schiff und lässt die Leute mal eben irgendwo hinsegeln, sondern es werden die einzelnen Kojen verchartert und er ist und bleibt der Kapitän. Das besondere aber und das unterscheidet ihn von den meisten anderen, ist, dass er überwiegend in den hohen südlichen Breiten unterwegs ist. Die Kanäle von Süd Chile, Kap Horn, die Antarktis, Süd Georgien und die Falklands sind sein Revier um nur einiges zu nennen (weitere Info über den Link am Ende des Beitrags).

daniel-2-und-1-wolf-annemarie-beate.JPG Daniel 2 und 1 Wolf Annemarie Beate

Wir sitzen also bei Klaus in der Pousada (Pension) und feiern Abschied von Wolf und seiner Crew. Sie wollen morgen weiter in Richtung Süden, denn der Sommer naht und pünktlich zu Saisonbeginn wollen sie in Porto Williams (Chile) an ihrem Ausgangspunkt sein. Im Laufe des Abends bekommen wir, Klaus, Annemarie und ich von Wolf die Einladung doch bis Paraty, dem nächsten Ziel Ihrer Reise mitzufahren. Paraty ist etwa 30 Meilen südlich von hier, also eine knappe Tagestour. Klaus ist verhindert aber Annemarie und ich sagen gerne zu.

kirche-von-paraty.JPGKirche von Paratyparaty-2.JPGparaty.JPG

Am nächsten Tag Mittag sind wir pünktlich an Bord und es kann los gehen. Es wird wohl eine komplette Motorfahrt werden, denn Wind ist nicht nur zu schwach, sondern gleich Null. Trotzdem ist es eine herrliche Fahrt zwischen den Inseln. Wir fahren vorbei an wunderschönen einsamen Buchten die zum ankern einladen. Wäre schön aber unser Ziel ist Paraty. Das ist eben der Unterschied. Wie schon gesagt, Wolf ist nicht nur zum Vergnügen unterwegs. Noch muss er Geld verdienen. Aber vielleicht später…:-/. Eine Stunde vor Anbruch der Dämmerung sind wir am Ziel. Die richtige Stelle zum ankern ausgesucht und schon rauscht der Schlammhakl in die Tiefe. Das heißt, so tief ist es gar nicht, ca. 5 Meter. Trotzdem gibt Wolf genügend Kette, damit auch bei eventuellen Starkwind der Anker nicht ausbricht, und fährt ihn im Rückwärtsgang fest. Wir liegen sicher für diese Nacht. Anschließend sitzen wir noch im Salon bis wir uns dann in die Kojen verabschieden.

Am nächsten Tag fahren wir mit dem Dinghy an Land und wollen uns mal etwas in Paraty umsehen. Paraty ist ein Touristenzentrum und obwohl keine Saison ist, latschen hier Touristen aus aller Herren Länder durch die Gegend

Die Kirche und der historische Kern von Paraty sind gut erhalten und werden auch dementsprechend gehegt und gepflegt. Man hat hier schon sehr früh begriffen, dass die Geschichte, die Straßen und Stege, sowie die historischen Gebäude das Kapital der Stadt sind. Die Urlauber können sich eine nachgebaute historische (nur hatten die keine Gummiräder) Pferdekutsche samt Kutscher mieten, der auch dann gleichzeitig als Fremdenführer dient. Die Stadt ist sehr sauber und es wird darauf geachtet, dass es auch so bleibt. Das betrifft insbesonders die Pferde. Die dürfen ihre „Äpfel“ nicht einfach abladen und auf die Straße werfen. Nicht, dass es jetzt ein Pferdekloo geben würde auf die sich die armen Viecher setzen müssen bevor die nächste Tour beginnt. Nein, das gerade nicht aber so etwas wie ein mobiles Pferdekloo gibt es trotzdem. Zwischen dem Hinterteil des Pferdes und der Kutsche ist ein Sack aus festem Plastik so angebracht, dass die „verlorenen Äpfel“ eben genau in diesen fallen. Finde ich wirklich toll. Sehr innovativ. Innovation muss eben nicht immer mit Technik zu tun haben. Wir schlendern noch durch die Stadt aber nicht ohne uns für morgen nach einem Bus zu erkundigen der uns einige Kilometer aus der Stadt bringen soll. Wir wollen ein Stück den Goldweg entlang wandern den bereits die Portugiesen im 16. und 17. Jahrhundert benutzten.

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Wir, das sind Wolf, Annemarie, Daniel 1 der Sohn von Wolf, Beate und ihr Freund Daniel 2 (gehören zur Crew der Santa Maria Australis) und meine Wenigkeit. An der Haltestelle angekommen steigen wir aus. Von dort sind es nur wenige hundert Meter zum Beginn des Caminho do Ouro (Goldweg). Als Ende des 17.Jahrhundert Gold und Edelsteine in Minas Gerais entdeckt wurden benutzte man die Verbindungswege der Indianer um die Sierra da Mantiquera zu überwinden und in das Landesinnere vorzustoßen. Güter und Sklaven wurden von Paraty aus zu den Minen transportiert, Gold und Edelsteine zurück nach Paraty wo diese auf Schiffe verladen und nach Europa geschickt wurden. Diese strategische Lage brachte Reichtum und Wohlstand nach Paraty. 1728 wurde der Caminho novo (neuer Weg) gebaut auf dem nun die Goldtransporte direkt nach Rio de Janeiro umgeleitet wurden und somit Paraty ausschloss. Die Bewohner hatten sich aber bereits angepasst und produzierten Lebensmittel für die Minen und für die Bevölkerung Rio`s. Eine wesentliche Stütze der Wirtschaft, von der Paraty profitierte, war im 18. Jahrhundert der Anbau von Zuckerrohr. Zu dieser Zeit gab es in der Stadt 250 Zuckermühlen und Destillen. Der hier produzierte „Aguadente“ (Schnaps) hat sich einen Namen als der beste in ganz Brasilien gemacht. Und wurde zeitweise sogar exportiert. Paraty wurde zum Synonym für „Cachaca“.

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Im 19.Jahrhundert gewann der Kaffeeanbau im Paraiba Tal immer mehr an Bedeutung und ersetzte die durch den fehlenden Goldstrom entgangenen Handelsmöglichkeiten. Durch den Bau der Eisenbahn durch das Paraiba Tal nach Rio in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war das Schicksal von Paraty besiegelt. Zum Ende des 19. Jahrhunderts lebten in Paraty gerade noch 600 Einwohner, überwiegend alte Frauen und Kinder. 50 Jahre vorher waren es noch 16.000.

In den 50iger Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde die BR-101 von Rio nach Santos gebaut und so die Region erschlossen. Viel vom Regenwald, der Mata Atlantica wurde dabei zerstört. Das fast vergessene Paraty entwickelte sich durch die ziemlich komplett erhaltene Architektur der Kolonialzeit zu einem wichtigen Touristenort. Ein großer Teil Paratys ist heute Naturschutzgebiet. Zwei Drittel davon gehören zum Nationalpark.

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Ein Teil des Nationalparks ist natürlich auch der Caminho do Ouro, auf dem wir vor haben ein Stück zu wandern.Doch der ist gesperrt und nur mit Führer zu begehen, so jedenfalls das Hinweisschild. Dazu haben wir keine Lust. Führt der Weg doch bis zu vier Tage lang ins Innere des Landes und wir möchten nur eine Stunde da so entlang spazieren. Also nehmen wir den anderen (ausgetretenen) Weg und latschen leicht bergauf. Die zwei Daniels und Beate sind schon voraus und kommen kurz danach wieder zurück. Alle Wege die vom „Hauptweg“ abführen hören an Grundstücken, welches eingezäunt sind, auf. So werden wir sicher dahin geführt wo wir hin sollen. Man ahnt schon was am Ende dieses Weges auf uns wartet, denn obwohl mitten im Wald, stehen alle hundert Meter Tafeln mit Angeboten des Restaurants welches bald kommen wird. Von Schnellfraß bis Steak ist alles zu haben.Und so ist es dann auch. Ein wirklich herrliches Plätzchen. Ein Wasserfall an dessen unteren Ende die Leute baden. Das andere Ufer an dem das Restaurant ist, erreicht man über eine wacklige Hängebrücke. Das Restaurant ist nicht nur teuer sondern auch gesteckt voll. Es ist immer gleich, ob in Österreich, in Bayern, oder sonst wo in einem Touristengebiet. Schade um diesen wunderschönen Fleck Erde. Langsam gehen wir weiter leicht bergauf und nach wenigen Metern ist auch dieser Weg zu Ende. Zurück an der Hängebrücke folgen wir dem Pfad entlang des Baches. Jede Menge Menschen hier. Es ist das Naherholungsgebiet dieser Region. Der Weg führt relativ steil bergab und genau so steil fällt auch der Bach ab. Das Bachbett ist ein kompakter Fels und mit Algen bewachsen, also sehr sehr rutschig. Am Ende des Gefälles bildet sich ein etwa ein Meter tiefes Becken. Die ganze Strecke beträgt etwa 100 Meter. Oder anders gesagt eine hundert Meter lange schnelle aber nicht all zu steile Rutsche. Die (älteren) Kinder und Jugendlichen nehmen dieses Angebot gerne an und rutschen stehend wie auf einem Surfboard oder auf dem Hosenboden sitzend den Wasserfall hinunter. Am unteren Ende der Strecke ist ein kleiner Höcker, fast wie eine Sprungschanze. Da kommt auch schon einer stehend angeflitzt und macht einen mächtigen Sprung. Ich weiß was der will, der will bis in das Becken springen, das übrigens von einem großen Stein abgeschlossen wird. Bis dahin sind es bestimmt an die zwanzig Meter. Er saust durch die Luft und kommt nach 15 Metern (und nicht nach zwanzig wie vorgesehen)mit seinem Hinterteil auf dem Felsen auf. Durch die Neigung des Wasserfalls und die Geschwindigkeit mit der er den Fels berührt wird der Aufprall, wie bei einem Skispringer nach dem Aufsprung abgemildert. Super gemacht. Aber ganz so ohne geht es dann doch nicht ab. Als er am Rand des Wasserfalls hochsteigt, hinkt er doch etwas und presst die Hand gegen sein Becken. Trotzdem, guter Sprung, nur die Haltungsnoten fallen etwas schwach aus.

Es ist noch früh, so dass wir uns entschließen doch noch ein Stück den Goldweg und zwar ohne Führer, entlang zu gehen. Hier am Ende des Weges ist nur ein ganz kleines Stück erhalten und das sieht trotz der Holzstufen nicht sehr original aus. Das Stück endet dann auch gleich auf einem unbefestigten Weg dem wir folgen. Es dauert nicht lange und es kommt uns ein Pickup entgegen der auch sofort anhält und uns fragt ob wir einen Führer brauchen. (Brauchen wir nicht, den hatten wir doch bereits von 1933 -1945).Wir lehnen ab und erklären, dass wir nur spazieren gehen und in einer Stunde wieder umdrehen. Landschaftlich ist es hier sehr schön. Sieht alles noch sehr ursprünglich aus. Ist ja auch Naturschutzgebiet. Das Gebiet gehört zur Mata Atlantica. Dieses ursprünglich zusammenhängende Waldgebiet reichte von Rio Grande do Norte bis Rio Grande do Sul und ins Innere des Kontinents bis nach Mato Grosso do Sul, Argentinien und Paraguay. Einstmals wurden 15% Brasiliens davon bedeckt. Heute sind es gerade mal 1%, das sind 95.000qkm von denen 75% weiterhin durch Abholzung, Rodung und Bevölkerungsdruck stark gefährdet sind. Trotz Nationalparks und ausgewiesenen Naturschutzgebieten ist ein wirksamer Schutz meistens wegen Personalmangels und Korruption nicht gewährleistet. 1990 und 1995 wurden 5000qkm abgeholzt. Das ist in Relation zur Fläche mehr als im Amazonas Gebiet. Aus einer Studie geht hervor, dass 80% der noch bestehenden Waldstücke kleiner sind als einen halben Quadratkilometer. Sie sind im Schnitt 1,5km voneinander entfernt, was die Wanderung der Tiere sehr schwierig macht. Außerdem sind von diesen kleinen Waldstücken nur 14% geschützt.

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Wir befinden uns im Moment in einem dieser geschützten Gebiete.Was ein Witz und Widerspruch. Erstens ist es Naherholungsgebiet mit Restaurant und allem pipapo und zum anderen werden hier, man kann die Schilder im Wald überall sehen, Grundstücke mit 30.000qm und mehr angeboten. Wo bleibt da der Schutz? Ist ungefähr so als würde man plötzlich im Naturpark Bayrischer Wald Grundstücke verscherbeln. Wir sehen am Wegesrand einige, uns natürlich unbekannte, Pflanzen und Blumen. Blattschneideameisen, die mitten auf dem Weg ihren Bau gegraben haben faszinieren mich besonders. Das Vielfache ihres Gewichts schleppen sie an abgeschnittenen Blättern, in diesem Fall fast zehn Meter bis zu ihrem Bau. Es ist ein schöner Nachmittag der langsam zu Ende geht. Wir spazieren zum Bus und fahren zurück nach Paraty.

Am diesem verlängerten Wochenende (Donnerstag bis Sonntag) findet hier das Festival de Cachaca oder einfach das Cachaca Fest statt. Cachaca ist aus Zuckerrohr aber kein Rum. Dieser wird entweder pur oder gemischt, mit allen möglichen Fruchtsäften, getrunken. Mein Favorit ist ein mit Crash Eis gefüllter Becher in dem sich Cachaca (nicht zu wenig) und der Saft von Limonen befindet. Herrlich frisch aber nicht zu unterschätzen. Haut wirklich rein. Langsam schlendern wir vom Busbahnhof in Richtung Cachaca Fest. Zum Schiff wollen wir vorher nicht mehr, sonst geht es uns wie gestern. Da wollten wir schon hier sein. Waren dann aber zu faul mit dem Dinghy nochmal in die Stadt zu fahren. Viel ist noch nicht los, klar ist ja auch erst früher Abend. Macht aber nichts, so können wir gemütlich über das Gelände spazieren und uns alles in aller Ruhe ansehen. Das Festzelt hat Ausmaße eines Festzeltes auf dem Oktoberfest, mit dem Unterschied dass es hier weder Stühle noch Tische gibt. Wird also eine reine Stehparty. Beide Seiten des Zeltes sind gerahmt von Ständen an denen alles Mögliche angeboten wird, hauptsächlich natürlich Cachaca. Am hinteren Ende spielt eine Live Band. Die Stunde schreitet voran die Band wird lauter und die Stimmung steigt. Die ersten fangen an zu tanzen und dann tanzen immer mehr. Viele der Besucher haben sich ihre Getränke in einer Kühlbox selbst mitgebracht. Ist allemal billiger. Egal was es auch immer zu trinken gibt aber als Bayer fehlt dann doch das Bier. Weit und breit von einem kühlen Nass nichts zu sehen. Aber außerhalb des Zeltes habe ich einen Stand gesehen der Bier verkauft. Abend gerettet. So gegen Mitternacht ist es hier und auch draußen auf dem Gelände so voll geworden, dass Leute mit Platzangst hier fehl am Platze sind. Uns wird es auch zu voll und wir gehen etwas am Strand spazieren. Wir kommen zu einer Strandkneipe mit Live Musik. Hier nehmen wir unseren Absacker und fahren dann zurück zum Boot. Ein schöner Tag ist zu Ende.

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Am nächsten Tag Mittag verabschieden wir uns von Wolf und seiner Crew und fahren mit dem Bus zurück nach Angra dos Reis.

Links zu Wolf: Kontakt:: Info@simexpeditions.com Web-site: www.simexpeditions.com

Der Motor oder besser gesagt dessen Einzelteile sind besichtigt und für „geht schon“ befunden. Wenn er so aussieht wie im vorigen Bericht beschrieben, dann bricht man nicht gerade in Begeisterungsrufe aus. Joao verspricht uns, dass nächste Woche Mittwoch der Motorblock aus der Recifica ,eine Spezialwerkstatt in der die Zylinder gehohnt und die Kurbelwelle, Nockenwelle usw geschliffen und poliert werden, zurück ist. Dann wird er mit dem Zusammenbau des Motors beginnen. In 20 Tagen, so versichert er mir, ist dann alles fertig.Wir könnten am Mittwoch vorbei schauen und begutachten.wie es mit dem Motor aussieht.

Mittwoch: Ich schwinge mich ins Dinghy und brause damit die Meile bis zur Piratas Marina. Das ist es sehr bequem, denn dann brauche ich nicht auf den Bus zu warten. Ich lasse das Boot am Steg liegen und gehe die letzten 500 Meter zu Fuß zur Werkstatt.

Ich bin in der Werkstatt kann aber keinen Motor sehen. Nach längerer Suche finde ich Joao, der mir erklärt, dass der Motor noch nicht da ist. Wäre mir gar nicht aufgefallen. Aber nächste Woche Mittwoch bestimmt dann fängt er gleich an daran zu arbeiten. Wie will der denn die versprochenen 20 Tage einhalten? Ist (noch) nicht mein Problem. Am Montag bin ich wieder in der Werkstatt, denn Robson, der den Perkins reparieren sollte, bringt das Getriebe und andere Teile die am „neuen“ Motor verwendet werden können. Nach einer Stunde warten verlasse ich frustriert die Werkstatt und schleiche zurück zum Dinghy. Kann mir schon denken warum der nicht kam. Ich habe ihm nämlich bereits 1000 Riales (330 €) für Ersatzteile gegeben die ich natürlich gerne wieder hätte, denn das mit den Teilen hat sich ja erledigt. Robson hat auch die Einspritzpumpe zur Reparatur gegeben. Ich habe sie abgeholt und 1500 Riales (500 €)bezahlt. Da wusste ich noch nicht, dass ich die Pumpe gar nicht mehr brauche, die ist ja vom Perkins und der andere Motor ist ein Mercedes. Die 1000 Riales werde ich wohl nicht mehr bekommen, meint Klaus und die 1500 sind ebenfalls für die Katz was so viel heißt, dass ich so nebenbei mal 830 € in den Sand gesetzt habe. Da kommt Freude auf. Kein Problem, Geld war schon immer das wenigste (was ich habe). Was solls, etwas Galgenhumor hat noch nie geschadet.

Mittwoch. Schwungvoll überwinde ich die Reling und fahre voller Erwartung mit dem Dinghy in Richtung Stadt. Heute kommt ja der Motor von der Recifica zurück und ich will ihn mir ansehen. Ich laufe kreuz und quer durch den Betrieb und suche Joao. Der ist nicht da. Auf die Frage wo er ist bzw. wann er kommt bekomme ich keine Antwort. Nun reicht es aber. Ich habe in den zehn Jahren die Annemarie und ich in Lanzarote waren gelernt Geduld zu haben aber jetzt reichts. Wütend suche ich den Geschäftsführer und erkläre ihm, nicht gerade leise, dass es mir reicht und wenn nicht diese Woche mit der Arbeit am Motor begonnen wird dann will ich meine angezahlten 4000 Riales ( 1330 €) wieder zurück haben und ich suche mir eine andere Werkstatt. Voll mit Adrenalin und ebenso viel Wut im Bauch verlasse ich die Werkstatt. Warum bekomme ich keine Antwort wenn ich nach Joao frage? Seit ich die 4000 angezahlt habe, habe ich ihn nicht mehr gesehen. Was ist das für ein Typ? Ist er Alkoholiker und verpulvert gerade das Geld und kommt erst zurück wenn es alle ist? So sieht er eigentlich nicht aus. Aber man kann jemand immer nur vor den Kopf schauen und nicht hinein. Solche und andere Gedanken gehen Annemarie und mir durch den Kopf. Von der Angst weitere 4000 verloren zu haben gar nicht zu sprechen. Ich erzähle es Klaus. Er ruft bei Joao an und fragt nach. Inzwischen hat man ihm bereits berichtet wie wütend ich war und was ich angedroht habe. Er erklärt sich sofort bereit das Geld zurück zu zahlen. Ich will nicht das Geld zurück ich will einen Motor, erklärt ihm Klaus. Joao meint noch warum ich so wütend bin, es ist doch gar nichts passiert. Genau! Eben das ist ja das Problem, dass noch nichts passiert ist.

1.JPGGetriebe muß noch angepasst werden

Joao erzählt ihm, dass seine Mutter gestorben ist und er deshalb nicht an seinem Arbeitsplatz war. Verdammt nochmal, warum sagt mir das keiner. Die wussten in seiner Firma doch Bescheid. Da muss ich natürlich Abbitte leisten was ich im Stillen auch tue. Ich soll am Montag um zehn Uhr morgens in die Werkstatt kommen, lässt er durch Klaus ausrichten.

Am Montag bin ich kurz vor zehn in der Werkstatt und Joao ist nicht da. Aber Robson war da und hat die verlangten Teile gebracht. Das Geld allerdings nicht. War auch nicht zu erwarten. Kurze Zeit später kommt Joao. Alles klar, wir sind wieder Freund. Er meint, dass es nicht seine Schuld sei, dass er noch nicht mit der Arbeit begonnen habe. Der Motor ist noch nicht zurück. Er bietet mir an dass wir beide zur Recifica fahren um uns nach dem Stand der Dinge zu erkundigen. Dort angekommen werden wir von der Chefin begrüßt und sie entschuldigt sich auch gleich bei mir dass noch nicht alles fertig wäre aber sie hätten im Moment sehr viel Arbeit. Scheint wohl bis hierher gekommen zu sein mein Wutausbruch. Der Motorblock steht da und ist fertig. Ich habe gedacht dass neue Laufbuchsen eingepresst werden, dabei wurden die Zylinder nur gehohnt. Ich frage warum. Man erklärt mir, dass diese alten Motoren noch mit guter Qualität gefertigt wurden und deshalb gehohnt besser seien als mit neuen Buchsen deren Qualität zu wünschen übrig lassen. Seine Worte in Gottes Ohr. Hoffe dass dies nicht nur eine Ausrede ist. Die Kurbelwelle ist gerade in der Maschine eingespannt und wird geschliffen und poliert. Nächste Woche ist alles fertig und kann abgeholt werden. Beruhigt und mit etwas mehr Zuversicht kehre ich zurück zum Boot und erzähle alles bis aufs kleinste Detail meinem angetrauten Eheweib, welche während meiner Abwesenheit unser Boot mit zum trocknen aufgehängter Wäsche beflaggt hat.

Dieses mal ist Annemarie dabei als wir uns auf den Weg in die Werkstatt machen. Joao erwartet uns schon und zeigt uns voll Stolz wie weit er mit dem Motor ist. Noch nicht weit aber immerhin ist die Kurbelwelle, mit neuen Gleitlagern versehen, bereits eingebaut. Die ebenfalls neuen Lager für die Kolben bzw. deren Pleuel liegen schon da. Kompressions und Ölabstreifringe welche auf die Kolben warten die heute noch geliefert werden sollen sind ebenfalls zum Einbau bereit. Zufrieden verlassen wir die Werkstatt und fahren zurück zu unserem Boot. Nächste Woche sehen wir weiter.

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Zylinderkopf mit Einspritzdüsen

Die Woche ist mal wieder vorbei und die neue fängt an. Wir haben Montag, wie jeder leicht am Text erraten kann und machen uns auf den Weg. Wohin denn schon? In die Werkstatt natürlich. Mit Fotografiereisen bewaffnet ziehen wir los. Wir sind gespannt was zwischenzeitlich passiert oder soll ich lieber sagen nicht passiert ist? Egal, jedenfalls stehen wir vor dem Motor und auf den ersten Blick sieht es eigentlich ganz gut aus. Zylinderkopf, Ventile, Einspritzpumpe, Einspritzdüsen, Wasserpumpe, alles schon eingebaut. Dann sehe ich die Meisterleistung der Ingenieurskunst. Der Ölfilter! Eingebaut mit der Öffnung nach unten! Ist das beim Volvo schon der Hammer wo der Ölfilter waagerecht eingebaut ist. Aber das hier ist der Megahammer. Öffnung nach unten. Was haben die sich dabei gedacht. Gut, beim LKW ist unter dem Motor genügend Platz und man kann beim Filterwechsel eine Auffangwanne drunter stellen. Aber beim Boot ist das nicht möglich. Das Öl geht in die Motorbilge und von dort über die Bilgenpumpe ins Wasser. Das kann es nicht sein. Ich weiß, man liest ja schließlich Fachliteratur, dass es einen Ölfilterversatzadapter (was eine riesige Wortkombination)mit Schläuchen gibt. Ich sage Joao, dass er diesen Adapter besorgen soll und den Filter an eine zugängliche Stelle mit Öffnung nach oben (klar, was sonst?) anschrauben soll.

Er sprüht sichtlich vor Begeisterung so ein langes Gesicht macht er. Er versucht mir zu erklären, dass das nicht so einfach sei. Erst als ich darauf bestehe und ihm sage, dass er das extra berechnen soll taut er auf und erklärt mir auch sofort wie und wo er den Filter anbauen wird. Alles nur eine Frage des Preises, ich sags ja immer. Wir verlassen nun die Werkstatt mit dem Versprechen des Mechanikers, dass mit dem Motor am Freitag die erste Funktionsprüfung gemacht wird, wir sollen kommen.

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Total verrückt

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sieht fast aus wie ein Motor

Das es nicht nur Ärger mit dem Motor geben kann sondern auch mit anderen wichtigen Dingen habe ich in der letzten Woche erfahren. Habe ich doch drei Notebooks auf unserem Boot und keines ist zu gebrauchen. Das erste nimmt keinen Strom mehr an, also ein Hardware Problem. Die beiden anderen sind trotz Antivirenprogramm von eben diesen Viechern lahm gelegt. Ich bringe sie zu einer Computerwerkstatt und erkläre die Probleme. Einmal Hardware, zwei mal Software. Beim einen ist Booten nicht möglich beim anderen sind Programme wie Internetbrowser, Picasa, Skype usw. außer Gefecht gesetzt. Also alles Programme mit denen ich online gehen kann. Nach vier Tagen hole ich die drei Aspiranten wieder ab und bekomme sie so zurück wie ich sie abgegeben habe. Nicht betriebsfähig. Man verzeihe mir den Ausdruck, aber das sind absolute Dumpfbacken. Nicht in der Lage mir die Viren vom Computer zu holen. Diese inkompetenten Bastler.

Was soll ich tun? Ich brauche unbedingt wieder Internet. Also mache ich mich selber an die Arbeit. Probiere hier, probiere da, nichts funktioniert so richtig. Trotzdem bringe ich es fertig 20, in Worten zwanzig mit Trojanern, PUP und anderen Viren verseuchte Dateien zu lokalisieren und sie in den Container zu verschieben. Aber ins Internet komme ich immer noch nicht. Durch Zufall entdecke ich auf meiner externen Festplatte eine alte Version von Firefox. Ich spiele sie auf und schon bin ich wieder online. Alle anderen Programme sind ebenfalls online. Was war das bloß für ein verrückter Virus. Vermutlich hat er eine wichtige Datei von Firefox zerstört. Wenigstens bin ich wieder mit der Außenwelt verbunden. Die anderen zwei Compis liegen immer noch im Koma. Mal sehen ob ich da eine Lösung finden kann. Das heißt, eine Lösung habe ich schon aber leider passt diese nicht zum Problem. Also suche ich mir jetzt ein Problem das zur Lösung passt :-/

Klaus hat André angerufen. Das ist der der auch die Computerprobleme von ihm löst. Freitag Abend um sieben will er kommen und sich meinen beiden Läppis widmen. Seit einer Stunde warte ich bereits und wer nicht kommt ist André. Klaus versucht ihn anzurufen um zu fragen was los ist. Erfolglos. Keiner geht ans Telefon. Mal wieder die A…Karte gezogen. Brasilianer und Zusagen oder Termine passen zusammen wie ein altersschwacher Ackergaul und ein Starjockey auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Wenn man sich hier auf etwas verlassen kann, dann, dass man sich auf nichts verlassen kann. Da kommt meine (noch immer) deutsche Seele doch ziemlich in Wallung. Das ist eben Brasilien. Aber was wäre das Leben wenn man nicht über andere Lästern kann.

Ich kann das Wort schon bald nicht mehr hören. Dieses Teil hat mir in letzter Zeit etliche schlaflose Nächte bereitet. Dauernd was anderes. Einmal Hü und einmal Hott. Rein in die Kartoffel, raus aus den Kartoffeln. Habe die Nase wirklich bald voll. Wir hatten mit unserem Mechaniker ausgemacht dass er sich um den Motor kümmert . Er bringt ihn in eine Spezialwerkstatt, um dort neue Zylinderlaufbuchsen einbauen und den Zylinderkopf planschleifen zu lassen. Nun bekomme ich, bzw. Klaus von ihm den Anruf der Zylinderkopf sei nicht mehr zu gebrauchen. Ein neuer muss her. Nicht nur das, die Ventile, die Kipphebel und die Stößel sowie die Kipphebelachse müssen selbstverständlich ebenfalls erneuert werden. Kostenpunkt Zylinderkopf 3000 Riales (1000 €) ohne die Teile. Was soll ich machen. Muss eben. Einige Tage später die nächste freudige Nachricht. Der Motorblock ist ebenfalls nicht mehr plan und muss abgeschliffen werden. Abschleifen ist nicht das Problem aber die hundertstel die oben abgeschliffen werden, muss man unten irgendwo einsparen. Also baut man dünnere Lagerschalen für die Pleuel ein. Pech ist nur, jedes eingesparte hundertstel an den Lagerschalen verringert die Lebensdauer des Motors. Dieser Motor hätte nur noch 70% seiner normalen Lebensdauer und noch dazu verteuert sich die ganze Chose um mehr als 1000 €. Ein schlechter Tausch.
Alternative: ein anderer Motor muss her. Woher nehmen und nicht stehlen? Das heißt stehlen geht auch nicht, ich weiß nicht mal wo ich einen für das Boot passenden finde.
Robson „unser“ Mechaniker ist am Wochenende in Santos und dort hat er, wie er sagt, Verbindungen und kann sich nach einem Motor umsehen. Also wieder warten.
Es ist Montag und Wochenanfang. Heute wird es (hoffentlich) neue und gute Nachrichten geben. Fehlanzeige! Robson ist nicht zu erreichen. Morgen ist auch noch ein Tag.
Dienstag. Klaus ruft Robson an aber nur um zu erfahren dass er in Santos keinen Erfolg hatte. Somit wären wir wieder an dem gleichen Punkt wie schon vor vier!! Wochen als der Motor aus dem Boot gehoben wurde. Vier Wochen für die Katz.
Einige Tage später. Robson ruft an und erzählt Klaus er hätte einen passenden Motor gefunden. Vier Zylinder und 58PS. Würde passen. Ein Onan Diesel von Cummins, ein Amerikaner. Das hat mir gerade noch gefehlt. Womöglich müsste ich noch einen kompletten Satz Zollwerkzeug kaufen. Abgesehen davon wie kann man eigentlich einem Motor nur so einen bescheuerten Namen geben? *(Anmerkung s.u.) Das Teil kommt bestimmt nicht an Bord.
Die Zeit vergeht und vergeht.
Klaus ruft über Funk und sagt ich solle zu ihm ins Büro kommen, denn er will jemand anrufen von dem er durch einen Freund erfahren hat, dass er einen Perkins Diesel hat. Super. Sofort schwinge ich mich ins Dingi und brause mit Vollgas los. Ich komme an und Klaus greift sich das Telefon. Das Gespräch läuft in etwa so ab: „Hallo, hier Klaus von der Pousada Alemao. Todo bon? Ich habe gehört sie haben einen Perkins Diesel zu verkaufen. Ja? Sehr gut. Wie sieht es mit dem Motor aus, in welchem Zustand ist er?“
Antwort: „Der Motor sieht sehr gut aus, denn ich habe die Revision daran durchgeführt, er ist fertig zum Einbau“.
Frage von Klaus: „Welcher Typ ist es denn, ein Perkins Vierzylinder ja aber welcher Typ?“
Antwort: „Wo kann ich den Typ ablesen?“
Klaus:“Links oder rechts am Motorblock sollte ein Typenschild sein“
Antwort: „Gut ich seh mal nach, bin gleich wieder da…..tut mir leid aber ich habe nichts gefunden“
Klaus: „Aber der Motor war in Revision?“
Antwort: „Ja ich habe sie selbst durchgeführt“
Klaus: Dann können wir doch bestimmt die Rechnung sehen für die gekauften Ersatzteile“
Antwort: „Nein, das geht nicht, die werfe ich immer gleich weg, brauche sie ja nicht“
Klaus:“ Danke, ich melde mich bei Gelegenheit wieder“

Ist das ein Ding oder nicht? Wie, so frage ich mich, kann der einen Motor überholen dessen Typ er nicht mal kenne? Und wer ist denn so blöd und will einen Motor verkaufen und wirft die Rechnungen weg mit denen er beweisen kann was alles erneuert worden ist? Der dachte wohl er würde das Teil an einen Urwaldaffen verkaufen. Aber der braucht keinen, der schwingt sich mit Muskelkraft von Ast zu Ast. Wenn mich schon einer übers Ohr hauen will, dann muss er es etwas geschickter anstellen. Wieder eine Niete.Und die Zeit vergeht.

Klaus kontaktiert mich über die Funke und meint ihm sei da noch eingefallen, dass er bei Bosch in Angra dos Reis anrufen könnte. Gesagt getan und siehe da er hat einen Motor. Sogar meinen Wunschmotor. Einen Mercedes OM314, 3,8 Liter, Vierzylinder mit 80PS. Das ist endlich mal eine gute Nachricht. Annemarie, Klaus und ich fahren gleich mal hin und sehen uns den Motor an. Welch eine Enttäuschung! Vor uns liegt ein mit Öl, Dreck und Flugrost versauter Motorblock und ein nicht besserer Zylinderkopf.

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ob das was wird…
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der Motor und…
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…der Mechaniker

Er will dafür 8000 Riales (2670 €). Aber, so verspricht der Bosch Mechaniker, erhält der Motor eine komplette Revision. Alles Teile bis auf Motorblock und Zylinderkopf werden erneuert, sind also Neuteile (keine Austauschteile). Was ist mit der Marinisierung, ist meine Frage. Natürlich ebenfalls alles Neuteile. Farbwunsch mit vorheriger Grundierung und mehrstündigem Testlauf auf dem Motorstand sind inbegriffen. Nur der Einbau kostet 1200 Riales (400€) extra. Ein Jahr Garantie ist selbstredend (für mich nicht relevant, in einem Jahr bin ich nicht mehr hier).
Dann gibt es noch das Versprechen, dass der Motor in 20 Tagen Einbaufertig in der Werkstatt steht (was ich allerdings bezweifle, denn zwischenzeitlich kenne ich die Brasilianer und ihre Terminierung). Ich könne jederzeit vorbei kommen und nach dem Stand der Dinge sehen. Die Rechnungen für die eingebauten Teile kann ich ohne Probleme einsehen. Zu einer Probefahrt nach Einbau des Triebwerks hat sich der Mechaniker ebenfalls bereit erklärt. Wenn das kein guter Deal ist. Trotzdem, wir werden vorsichtig sein. Es ist nicht immer alles Gold was glänzt.
Alles in allem wird sich am Ende der ganze Spaß inklusive Kran, Schlepphilfe, Helfer usw. auf 10.000 Riales (ca.3400 €) belaufen. Da heißt es jetzt den Gürtel enger schnallen. Noch enger? So viele Löcher hat der doch gar nicht :-/.
Joao (der Mechaniker) erklärt mir wie es weiter gehen soll. Erst kommt der Motor in eine Spezialwerkstatt. Dort werden Motorblock und Zylinderkopf gereinigt. Aus dem Block werden die alten Zylinderlaufbuchsen entfernt und neue eingepresst. Der Kopf wird plan gefräst und die (neuen) Ventile eingeschliffen. Anschließend kommt alles zurück in die Bosch Werkstatt und der Motor wird fertiggestellt. So der Plan.

Eine Woche später. Annemarie und ich machen uns auf den Weg zur Werkstatt. Wir wollen nach dem Stand der Dinge sehen. In der Werkstatt angekommen werden wir vom Geschäftsführer und dem Joao mit Handschlag und großem Hallo begrüßt. Der Mechaniker lässt gleich einen Wortschwall los und will gar nicht mehr aufhören zu reden. Natürlich verstehe ich bei dem Gequassel kein Wort. Ich habe ein schlechtes Gefühl und eine böse Vorahnung. Als er endlich eine Pause macht nehme ich die Gelegenheit beim Schopf und frage was denn mit dem Motor sei und ob wir ihn sehen könnten. Donde Motor, donde? (wo ist der Motor, wo?)Frage ich. Er zieht die Schultern hoch und erklärt mir so wortreich wie vorher, dass es ihm leid tue aber der Motor müsste aus der Spezialwerkstatt schon lange wieder zurück sein. Er weiß nicht genau wann er kommt aber bestimmt in den nächsten Tagen und dann fängt er sofort an zu arbeiten. Hab ich´s nicht gesagt? Brasilianer und Termine! Eindringlich erkläre ich ihm, dass alles, inklusive Einbau spätestens bis Ende August fertig sein muss, denn dann müssen wir von hier weg. Verpassen wir diesen Termin, dann ist es zu spät nach Norden zu segeln da der SO Passat vom NO Passat verdrängt wird und somit die Fahrt nordwärts nicht mehr möglich ist. Ab Oktober geht es kaum noch, denn dann wird die Fahrt mehr als nur unbequem falls sie überhaupt noch möglich ist. 2009 haben wir es erlebt. Wollten damals von Salvador aus nach Norden und sind am Ende in Uruguay bzw. Argentinien gelandet. Die Fahrt war unmöglich geworden. Das soll uns nicht nochmal passieren. Andernfalls wäre ein Aufenthalt bis Mai 2015 ziemlich sicher. Das möchten wir beide auf alle Fälle vermeiden. Wollen mal sehen wie es weitergeht. Nächste Woche werden wir den Mechaniker mit unserem Besuch wieder nerven. Wenn was vorwärtsgehen soll dann nur so.

*( Genesis Kapitel 38) Da sprach Juda zu Onan: Gehe zu deines Bruders Weib und nimm sie zur Ehe, dass du deinem Bruder Samen erweckest. Aber da Onan wusste, dass der Same nicht sein eigen sein sollte, wenn er einging zu seines Bruders Weib, ließ er’s auf die Erde fallen und verderbte es, auf dass er seinem Bruder nicht Samen gäbe.

Der Begriff Onanie (Selbstbefriedigung) geht auf diese Bibelstelle zurück

Wie im vorigen Bericht schon angekündigt muss der Motor ausgebaut werden. Außer dass viel Zeit verstrichen ist (seit Anfang März) ist bisher noch nicht viel passiert was uns weiter gebracht hätte. Zeit ist relativ, das sagte schon Einstein und das scheint auch das einzige zu sein was hier bei den Leuten von der Relativitätstheorie bekannt ist, so weit überhaupt schon mal jemand was davon gehört hat. Wenn sie hier nichts haben aber Zeit haben sie im Überfluss. Und was sind schon Tage, Wochen oder Monate. Von nutzlos „verwarteten“ Stunden und Terminen will ich erst gar nicht reden..Wir waren 10 Jahre in Lanzarote und sind so manches gewöhnt. Doch das Tempo, das hier an den Tag gelegt wird macht einer Schnecke alle Ehre. Das Arbeitstempo in Südeuropa ist gegenüber dem in Brasilien fast schon Lichtgeschwindigkeit. Ich weiß, ich weiß, ich übertreibe etwas aber im Moment bin ich ziemlich genervt. Es geht nichts, aber auch gar nichts vorwärts.Da warte ich bereits seit 10 Wochen auf ein Paket aus Deutschland mit Teilen die ich unbedingt brauche. Das Paket das als zweites weggeschickt wurde bekomme ich nach mehr als 4 Wochen. Vermutlich kann ich das erste Paket abschreiben. Nachfragen bei Post und Zoll führen zu keinem Ergebnis. Es können doch Pakete über Internet verfolgt werden, werden jetzt einige einwenden. Richtig! Doch ratet mal in welchem Land das nicht geht. Brasilien! Sehr gut, der Kandidat hat hundert Punkte und darf sich setzen. Dass das Paket nicht mehr auftaucht ist nicht nur ärgerlich wegen des Wertes von ca. 100 €, sondern hauptsächlich deshalb weil ich diese Teile in Brasilien nicht besorgen kann (vielleicht ist das der Grund weshalb es hier nicht auftaucht).

Das nächste was im Moment an unseren Nerven zerrt ist der kaputte Motor. Wir sind mit der Reparatur noch keinen Schritt vorwärts gekommen. Hätten wir nicht die Hilfe von Klaus, dem hiesigen TO Stützpunktleiter, dann wären wir völlig aufgeschmissen. Er hilft uns wo er nur kann. Wir halten, seit wir hier sind, nach einer bezahlbaren Werkstätte bzw. Mechaniker Ausschau. Es ist nicht so, dass es die hier nicht geben würde, ganz im Gegenteil. Die gibt es wie Sand am Meer. Problematisch ist nur der Preis und oftmals die Qualität der Arbeit. Bei den meisten ist entweder das eine oder das andere teilweise sogar beides nicht akzeptabel. Egal wen man fragt. Jeder kann immer alles aber keiner hat eine vernünftige Ausbildung genossen.Einen Motor auf den ich mich in brenzligen oder sogar Notfällen verlassen können muss gebe ich natürlich nicht jeden in die Hand. Klaus hat zwei Werkstätten ausfindig gemacht.Die Verhandlungen sind kurz und schmerzlos. Für den Preis bekomme ich in Deutschland einen vom Werk überholten und marinisierten Austauschmotor mit Garantie.Aber wir sind (in diesem Fall) leider nicht in Deutschland. Die zweite Werkstatt ist nicht besser. Ich muss den Motor selbst aus und natürlich auch wieder einbauen. Außerdem muss ich ihn in die Werkstatt liefern und wieder abholen. Spitze. Den nehme ich – und trete ihn in die Tonne.

Einige Zeit später hat Klaus einen Mechaniker ausfindig gemacht. Er kommt aufs Boot und sieht sich den Motor an. Den Zylinderkopf habe ich bereits abgebaut. Das im Zylinder stehende Wasser habe ich entfernt und durch dünnflüssiges Hydrauliköl ersetzt um weiteren Rostschäden vorzubeugen (im Nachhinein, es hat nichts genützt).Der Preis wäre akzeptabel aber leider hat der Mechaniker keine Möglichkeit den Motor aus dem Boot zu heben und zu transportieren. Die Suche geht weiter. Eins ist uns klar. Erst müssen wir einen Kran finden bevor wir weiter nach einer Werkstatt bzw. einen Mechaniker suchen. Die erste Anfrage geht an den Club vor dem wir an einer Boje hängen. Das klappt nicht. Wir dürfen dessen Kran nicht benutzen. Auch Klaus kann diesbezüglich nichts erreichen. Selbst dann nicht als er erklärt dass es sich um einen Notfall handelt. Wirklich sehr freundlich von dem Herrn. Von unserem Liegeplatz aus können wir einen Kran sehen. Auf der anderen Seite der Bucht. Wir fahren hin und fragen nach. Die Antwort: im Prinzip ja aber das Seil ist alt und muss getauscht werden. Wann ist noch nicht klar. Langsam komme ich mir vor wie ein Wasserballspieler. Auf der Stelle treten und nicht untergehen.

Klaus hat sich weiter engagiert und zwei Brüder ausfindig gemacht die bei sich zu Hause in ihrer Freizeit den Motor reparieren würden. Wir werden uns handelseinig. Sie kümmern sich um eine Möglichkeit den Motor zu transportieren und würden ihn auch ein und ausbauen. Die zwei machen einen guten Eindruck und haben auch Sachverstand. Beide arbeiten seit 10 Jahren bei der gleichen Firma die Motoren der Marken Volvo, Mercedes und MWM repariert.Sie waren auch zur Schulung in Deutschland. Ok, die nehmen wir.

Annemarie und ich gehen heute nochmal zu der kleinen Werft und fragen ob der Kran inzwischen Einsatzbereit ist. Ja, das ist er. Das ist doch schon mal eine gute Nachricht. Der Preis von 1000 Reales (ca.330€) ist nicht gerade geschenkt. Aber, so mein Gedanke, haben wir eine Alternative? Nein, haben wir nicht..Aber es ist immerhin ein kleiner Schritt nach vorn.

Einige Tage später ruft Klaus die Brüder an um ihnen zu sagen, dass wir einen Kran zur Verfügung haben als sie plötzlich die Abmachung ändern. Sie verlangen zwar nicht mehr Geld aber sie wollen den Motor weder aus noch einbauen. Außerdem sind sie nicht damit einverstanden, dass ich die benötigten Ersatzteile selber besorge. Und damit ist das Geschäft geplatzt. Vermutlich wollten sie ihren Verdienst durch überhöhte Ersatzteilpreise aufbessern. Das liegt jedenfalls nahe. Die scheinen nach dem Mottozu verfahren wer ein Boot hat, hat Geld und wer Geld hat soll auch zahlen.

Die Tage und Wochen vergehen und nichts geht vorwärts. Noch immer sind wir auf der Suche nach einem Mechaniker. Ein Boot das uns zur Werft schleppt haben wir schon organisiert. Zwar verlangt er für die halbe Meile (ca. 1km) umgerechnet 50€ aber wenigstens kommen wir bis zum Kran.

Klaus erkundigt sich nochmal bei der Werft ob es mit dem Kran nicht etwas preiswerter geht. Nein, geht nicht. Trotzdem, etwas Gutes hat das ganze doch. Wir lernen Robson kennen, den Mechaniker der Werft. Wir erklären ihm, dass wir immer noch auf der Suche nach einem Mechaniker wären. Er bietet sich an den Motor (privat) zu reparieren. Der Preis liegt zwar höher als bei den beiden Brüdern, dafür aber wird er den Motor komplett abschleifen, grundieren und neu lackieren. Ein mehrstündiger Probelauf auf dem Teststand ist ebenfalls inbegriffen. Falls alles so klappt wie versprochen, dann ist der Preis ( 2000 Reales für die Arbeitszeit, ca. 700 €, Ersatzteile und Fremdleistungen sind extra) akzeptabel.

Das wäre schon mal in trockenen Tüchern.Nächste Woche soll dann der Motor raus. Da habe ich vorher noch viel Arbeit. Ich bin dabei die elektrischen wie die mechanischen Verbindungen vom Motor zu lösen wie z.B. die Antriebswelle vom Getriebe, die Lichtmaschine von den elektrischen Leitungen, Wasserschläuche usw. Da der Motor unter dem Cockpit liegt muss ich die Steuersäule abbauen. Die Kabel, die durch die Elektrik mit der Steuersäule verbunden sind, knipse ich einfach ab und versehe sie mit Steckern. Beim Einbau werden diese nur zusammen gesteckt, Schrumpfschlauch drüber, fertig.Einige „tote“ Kabel, die nicht mehr gebraucht werden aber immer noch da sind, entferne ich gleich mit. Der Fluxgatekompass, durch ein Kabel vom Steuerstand aus mit dem Instrumentenbrett verbunden macht etwas Probleme. Dieses Kabel kann nicht einfach getrennt werden. Das muss ich ausbauen. Dazu muss ich das Instrumentenbrett öffnen. Tausend Kabel kommen mir entgegen. Und wie die aussehen! Fast alle Anschlüsse der Instrumente sind angegammelt. Nun wundert mich nichts mehr.Das GPS hat manchmal nicht mehr funktioniert und der Drehzahlmesser für den Motor ebenfalls nicht. Ich wechsle sämtliche Anschlüsse aller Instrumente aus. Sogar einige Kabel. Das sind drei Tage Arbeit. Jetzt wird die Zeit knapp. Übermorgen wollen wir in die Werft. Der Cockpitboden mit den 50 Schrauben muss geöffnet und die Steuersäule zerlegt und abgebaut werden, damit man den Boden, in diesem Fall eigentlich den Deckel vom Motorraum, hochheben kann. Die weitaus größere Arbeit aber ist die Kuchenbude (das ist das „Zelt“ das das Cockpit abschließt, damit der Rudergänger bei schlechtem Wetter im Trocknen sitzt) abzubauen. Da das Dach bei uns nicht wie üblich aus Stoff, sondern aus Holz ist, sind einige Schrauben und Halterungen zu lösen. Wenn das alles gemacht ist kann der Motor aus dem Boot gehoben werden.

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Am Donnerstag den 12.06. haben wir um 12:00 Uhr endlich einen Termin in der Werft zum kranen. Ich sage noch schnell einem Helfer Bescheid, dass wir morgen den Motor raus heben. Statt einem ok nur ein verlegener Gesichtsausdruck. Ich frage was los ist. Morgen, kommt die Antwort, ist doch die Eröffnung der Fußball WM. Ach, das habe ich ganz vergessen. Der Termin ist um 12:00 Uhr sage ich ihm. Ach so, dann gibt es kein Problem. Das erzähle ich Klaus, der darauf hin gleich nochmal die Werft anruft.wegen des morgigen Termins. Die Antwort: morgen schließen wir um 12:00 Uhr wegen des Auftaktspiels zur WM . Hat man da noch Töne? Eine halbe Stunde vorher bekommen wir noch eben diesen Termin. Wären wir pünktlich da gewesen hätten wir vor verschlossenen Toren gestanden oder besser geschwommen. Das ist halt Brasilien. Also verlegen wir eben alles auf Freitag. Gleiche Zeit, gleicher Ort.

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Pünktlich, wie ausgemacht, kommt mich die Schalupe abholen.und schleppt mich und das Boot zur Werft. Annemarie ist schon mit dem Bus vorausgefahren um unsere Ankunft anzumelden. Der „Schleppverband“ steht vor der Werft und Annemarie steht am Anleger und winkt. Ich sehe auch gleich warum. Es ist kein Platz frei. Obwohl wir angemeldet sind. Nach einigem hin und her macht uns ein kleines Fährboot Platz und wir können anlegen. Das geht schnell und ist auch gleich erledigt. Was ebenfalls erledigt ist, ist unsere weiße Farbe am Rumpf. Obwohl wir versuchen uns mit Fendern von den Autoreifen fern zu halten ist es vergebliche Liebesmüh. Kreuz und quer ziehen sich die schwarzen Streifen des Gummiabriebs der Autoreifen über die Backbordseite unseres Bootes, das erst in Argentinien neu gestrichen wurde. Nicht nur das. Der Anleger ist ein Schwimmponton und mit dickem losen Rost überzogen. Nachdem der Motor raus ist gibt es kaum noch einen weißen Fleck auf dem Boot. Das Deck ist gleichmäßig rostbraun überzogen. Die ganze Streicharbeit für die Katz. Das raus heben des Motors war nicht gerade eine Meisterleistung. Obwohl ich Anweisung gegeben habe was zu tun ist um den Motor ohne Probleme raus zu bekommen haben sie nicht auf mich gehört, so nach dem Motto: was will der denn, wir bauen täglich Motoren aus und wissen wie es geht. Verschrammte und verbogene Teile sind die Folge. Ich habe den Motor 2009 in Rio Grande schon mal ausgebaut bzw. dabei geholfen und weiß um die Besonderheiten. Aber die wissen es ja besser. Erfolg siehe oben. Hoffentlich gibt das beim Einbau keine Katastrophe. Der ist nämlich erheblich komplizierter. Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Wir machen jetzt auf jeden Fall Brotzeit mit frischen Roggenvollkornsemmeln aus der schiffseigenen Bäckerei mit Schinken, Wurst, Käse, Butter, Calabresa und einem (oder auch mehreren)kühlen Bier. Das haben wir uns verdient.

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Viele, vor allem Nichtsegler können es gar nicht glauben dass auch Langzeitsegler mal Urlaub brauchen. Die allgemeine Meinung tendiert doch dahin, dass man eh schon das ganze Jahr Urlaub macht. Sonne, Wärme, blaues Meer und einsame unbewohnte Inseln. Ist das nicht ein schönes Klischee? Ganz bestimmt. Leider aber stimmt das Klischee in den seltensten Fällen mit der Realität überein und deshalb braucht der eine oder andere mal eben einen Tapetenwechsel.
Unser dreimonatiger Tapetenwechsel ist zu Ende und wir müssen wieder zurück zu unserem „Heim“, das in der Nähe von Rio de Janeiro auf uns wartet. Jeder, oder besser jeder Langzeitsegler, kann sich vorstellen, dass für uns Deutschland inzwischen zum Schlaraffenland geworden ist. Die Artikel, angeboten in überquellenden Regalen, machen teilweise die richtige Auswahl sehr schwer. Ich meine jetzt nicht unbedingt Lebensmittel, die natürlich auch, sondern eher Technik und Elektronik. Uns so sieht dann auch unser Fluggepäck aus. Wir schleppten zu zweit drei große Sporttaschen auf Rollen drei Rucksäcke und eine große Tasche „getarnt“ als Handgepäck. Mit zwei Rucksäcken, einen vorne, einen am Rücken und die zwei rollenden Sporttaschen schleppe ich mich durch den Münchner Hauptbahnhof. Annemarie ist nicht viel besser dran mit der dritten Roll-Sporttasche bzw. Rollkoffer den sie hinter sich herzieht und mit einem Rucksack auf dem Buckel und eben der „getarnten“ Handtasche umgehängt auf der Schulter. Ich sehe mich schon mal um nach dem Waggonfolgeplan (was ein Wort) um zu sehen wohin und wo unsere reservierten Plätze sind. Wagen 21 also am Ende des ersten Zuges. Es sind nämlich zwei Züge zusammengehängt. Einer nach Frankfurt der andere nach Essen. Der Zug fährt ein und wir latschen durch die gesamte Länge des Bahnhofs so ca. 400 Meter. Wir deponieren das Gepäck am Bahnsteig und warten bis wir einsteigen können. Ich suche nach Wagen 21. Nicht da! Wir stehen vor Wagen 36. Ich renne zur Tafel mit dem Waggonfolgeplan und sehe nochmal nach. Nein, wir sind demnach nicht verkehrt. Aber wenn ich mir die Waggons ansehe sind sie genau entgegengesetzt nummeriert. Soll heißen wir müssen die 400 Meter wieder zurück. Also Gepäck aufnehmen und zurückgeschleppt. Wir kommen total fertig und verschwitzt am Wagen 21 an als plötzlich die Nummer 21 auf Nummer 36 umspringt. Ich stehe kurz vor einer Explosion. Also das ganze wieder zurück und nochmal die insgesamt 80 Kilo Gepäck die gefühlten 3km geschleppt. Nun aber gehen endlich die Türen auf und wir können rein. Die hintere Tür des Waggons vor der wir stehen ist nicht benutzbar. So steht es auf dem Schild und wir kriechen den Waggon entlang zur vorderen Tür. Endlich, wir sind drin. Wo aber glaubt ihr wo unsere Plätze sind? Richtig, am anderen Ende des Waggons, genau dort wo die Tür nicht aufgeht. Dafür haben wir aber jetzt unser Gepäck in den dafür vorgesehenen Platz deponiert. Die anderen Fahrgäste werden sich freuen, denn unsere Klamotten nehmen nämlich den gesamten dafür vorgesehenen Platz ein. Den Rucksack mit dem Laptop deponiere ich in der Gepäckablage über mir. Passt nicht ganz rein weil diese zu klein ist oder der Rucksack zu groß. Kommt auf die Sichtweite an. Endlich fährt der Zug ab und wir rollen in Richtung Frankfurt aus dem Bahnhof. Das Gerumpel über die zahlreichen Weichen dauert nicht lange und schon fliegt der Rucksack samt Laptop von oben runter, mir auf die Schulter und kommt am Boden zu liegen. Klar, dass ich die Aufmerksamkeit des ganzen Waggons auf meine Person lenke. Wollte immer schon mal im Mittelpunkt stehen. Nur blöd, dass es gerade jetzt ist.Die weitere Fahrt bis Frankfurt verläuft ruhig und entspannend. Wir fahren beide gerne mit der Bahn, vor allem wenn wir wenig oder kein Gepäck mit haben. In Frankfurt Flughafen müssen wir uns sputen um mit dem ganzen Gepäck aus dem Zug zu kommen bevor er weiterfährt.
Gott sei Dank gibt es im Frankfurter Bahnhof Gepäckwagen welchen wir uns gleich besorgen. Die zwei Euro Pfand bekommt man dann wieder wenn man den Wagen zurück bringt bzw. diesen beim nächstgelegenen Automaten deponiert.Wir gehen sogleich zum einchecken. Der Flug geht erst in vier Stunden. Ach ja, die haben rationalisiert und man muss, bevor man das Gepäck abliefern kann sich erst selbst am Automaten einchecken. Aber man ist ja auch im hohen Alter noch lernfähig:-).
Die Fluggesellschaft TAM hat einen extra „Seniorenschalter“. Dort zeigen wir unsere am Automaten gezogenen Bordkarten vor. Dabei kommen wir mit dem freundlichen (brasilianischen) Herrn ins Gespräch. Als er die Karten betrachtet zerreißt er er sie einfach. Was soll das nun sein? Er meint, wir wollen doch sicher einen Platz mit mehr Fußfreiheit. Natürlich wollen wir. Also bekommen wir einen Platz in der ersten Reihe. Der weitere Vorteil: der Platz ist gleich hinter der Bordküche und wir bekommen immer als erste unser „Bordfutter“. Ist doch super oder?
Die zehn Stunden (Nacht) Flug sind langweilig wie immer, denn es gibt keine deutschsprachigen Filme an Bord. Vor zwei Jahren gab es diesen Service noch. Aber wir haben es beide überlebt und landen in Sao Paulo. Jetzt wird es spannend, denn wir müssen den Flughafen wechseln. Also Gepäck abholen und durch den Zoll. Beim Zoll geht alles glatt, keiner will wissen was in den Koffern ist. Alles vollgestopft mit Technik und Elektronik. Hätte teuer werden können. No risk no fun.
Jetzt die Emigration. Dazu die Vorgeschichte. Als wir vor drei Monaten unseren Aufenthalt verlängern lassen wollten ging das nicht. Es werden nur noch drei Monate ohne Verlängerung genehmigt. Damit ist es so gut wie unmöglich (legal) Brasilien als Segler zu besuchen und das Land zu bereisen. 4000 Meilen (ca. 7500km) Küste in der kurzen Zeit abzuklappern ist uninteressant. Also bleiben die meisten Segler fern außer denen die um das Kap wollen. Die donnern dann durch und machen Halt in Uruguay oder Argentinien. Also weiter mit der Geschichte. Als wir damals verlängern wollten hieß es nein und im übrigen hätten wir ja schon 70 Tage überzogen. Das kostet Strafe und zwar 1100 Riales (ca. 360€) und wir müssen ausreisen und dürfen erst in einem viertel Jahr wieder einreisen. Aber, so sagte uns der Beamte, zu zahlen sei erst bei der Rückkehr aus Deutschland. Damit gab er uns ein Dokument in die Hand, welches wir bei der Passkontrolle unaufgefordert vorzuzeigen hätten. Kein Problem weder bei der Aus- noch bei der Einreise. Ehrlich wie wir nun mal sind zeigen wir jetzt bei der Einreise das Dokument vor und haben die in Deutschland teuer gekauften brasilianischen Moneten bereits in der Tasche. Die Dame liest sich das Schreiben durch und verschwindet für 20 Minuten. Sie kommt wieder, überreicht uns das Papier und meint „depois“, also später. Ich frage „quando depois“ wann später. Sie wiederholt nur depois und wir sind mit abgestempelten Pass entlassen. So, nun können die sich aber ihre „Dineros“ von mir aus an die Wand nageln. Ich melde mich diesbezüglich nicht mehr. Wir jedenfalls sind für die nächsten drei Monate mal wieder legal in Brasilien.
Wir sind zwar eingereist und am Flughafen Sao Paulo International. So weit so gut. Nun aber geht es innerhalb von Brasilien weiter. Wir müssen erst nach Rio de Janeiro und dann 150km weiter nach Angra dos Reis wo unser Boot liegt. Für uns heißt das: Gepäck abholen und alles zum Busbahnhof schleppen, denn dort steht der Bus zum Inlandsflughafen der ca. zwei Busstunden von unserem Ankunftsflughafen entfernt ist.
Wir sind gut an unserem neuen Standort angekommen und der Flug geht in zwei Stunden. Wir aber beschließen den Flug verfallen zu lassen und mit dem Bus die 400 Kilometer nach Rio de Janeiro zu fahren. Beide haben vom Fliegen genug. Gepäck schleppen, einchecken, Gepäck abgeben. Bei Ankunft am Band auf das Gepäck warten, einen Bus suchen der nach Angra dos Reis fährt usw. Es reicht einfach. Wir stehen direkt vor dem Bus der nach Rio fährt. Die fünf bis sechs Stunden Fahrt kostet für uns beide nochmal 140 Riales (ca.45€) aber das ist es uns wert.
Wir sitzen im Bus besser und bequemer als im Flugzeug und betrachten die Landschaft die an uns vorbeizieht. Der direkte Bus bis Angra dos Reis fährt geht leider erst morgen wieder. Also fahren wir bis Rio und steigen dort um. Acht Stunden später sind wir auf unserem Boot.

Der nächste Tag. Das Licht gestern Abend war schon sehr schwach. Ich beschließe aber die Ursache auf heute zu verschieben. Eine Spannungsprüfung bringt fürchterliches zutage. Die großen Verbraucherbatterien mit 2x185Ah sind tiefentladen und haben unter 10V. Eine sofortige Ladung bringt nichts. Die sind hin. Die S Startbatterie und die kleine Batteriebank haben wenigstens noch 10,5V. So lade ich diese und sie nehmen auch Strom auf. Nach erfolgter Ladung starte ich den Motor. Klick, sonst nichts. Sind die Batterien doch kaputt? Eine Überprüfung ergibt, dass sie in Ordnung sind. Also kann es nur der Anlasser sein, denke ich. Klopfen mit dem Hammer auf den den Magnetschalter bringt nichts. Kurzschließen mit dem Schraubenzieher ebenfalls nicht. Also steht die Diagnose fest: Anlasser kaputt. Gleich mache ich mich daran den Anlasser auszubauen. War nach einer halben Stunde erledigt. Eine Überprüfung ergibt: Anlasser 100% ok. Au verdammt, das hatte ich schon mal. Das riecht nach großen Ärger. Ich schnappe mir eine 41iger Nuss und einen dementsprechend langen Hebel und versuche den Motor an der Kurbelwelle zu drehen. Nichts tut sich aber auch schon gar nichts. Es ist nicht möglich die Kolben auch nur einen Millimeter zu bewegen. Nun ist es mir klar. Ich sagte doch schon: großer Ärger. Es gibt nur eine Diagnose: Wasser in den Zylindern. Kolben an den Zylindern festgerostet. Peng! Das sitzt! Von wegen nächsten Monat Aufbruch Richtung Karibik. Wenn es blöd hergeht sitzen wir ein weiteres Jahr hier fest. Ein neuer Motor oder die Reparatur des Motors ist für uns eben auch ein finanzieller Kraftakt und nicht einfach aus dem Ärmel zu schütteln.
Um aber ganz sicher zu sein ob auch wirklich Wasser im Motor ist werde ich den Zylinderkopf abbauen. Ich mache mich sogleich daran die Einspritzdüsen auszubauen und alle Anbauteile die den Abbau des Zylinderkopfes behindern abzuschrauben. Und das sind einige. Denn es ist ein Marinemotor und kein Automotor. Also entferne ich erst mal den Auspuffschlauch, dann den Abgassammler in dem die Auspuffgase mit Wasser gekühlt werden, dann den Vorratsbehälter für das Kühlwasser, den dafür nötigen Wärmetauscher samt den Ölkühler. Den Ventildeckel abschrauben, die Zylinderkopfschrauben aufdrehen und dann den Zylinderkopf vom Block lösen. Denkste. Das Teil ist so schwer und der Winkel zum abheben im Motorraum so ungünstig dass ich dazu einen zweiten Mann brauche.
Endlich, der „Kopf“ ist runter und ich sehe das Malheur. In den Zylindern 3 und 4 steht Wasser. Ich tauche den Finger ein und probiere.Es ist nicht, wie gedacht Salzwasser, sondern Süßwasser. Einen Trost dabei habe ich. Es ist nicht meine Schuld und ich habe nicht vergessen das Seeventil zu schließen bzw. zu spät geschlossen. Es ist ganz einfach die Zylinderkopfdichtung kaputt. Und wie die kaputt ist. Die sieht aus als wäre sie von Mäusen angefressen. Für mich ist klar, dass es sich dabei einfach um eine absolut miese Qualität handelt. Vielleicht ist es ein Plagiat aus China wie so viel andere Dinge auch. Billige Qualität teuer verkauft eben. Soll ja zwischenzeitlich nicht nur in Brasilien so sein. Die Zylinderwände haben teilweise schon dünnen Rost angesetzt. Kein Wunder, wenn sie fast drei Monate unter Wasser sind. Ich hoffe nur, dass dieser Schaden mit hohnen und schleifen beseitigt werden kann.
Für´s erste sieht der Plan nun so aus, dass ich versuchen werde einen Mechaniker zu finden der die Möglichkeit hat den Motor, der auf dem Wasser ausgebaut werden muss, abzutransportieren und in dessen Werkstatt ich den Motor zerlegen und auch später mit dessen Hilfe auch wieder zusammenbauen kann. Die Arbeiten will ich so weit es geht selber ausführen um das Finanzloch nicht zu groß werden zu lassen.
Es wird seine Zeit dauern aber ich werde zu gegebener Zeit an dieser Stelle (wo denn auch sonst?) darüber berichten. Drückt mir die Daumen dass es einigermaßen gut über die Bühne läuft und ich es so organisieren kann wie oben beschrieben.

Endlich hat alles geklappt, die Reparaturen sind durchgeführt und wir sind fertig zur Abfahrt. Das Wetter ist fies und saumäßig. Es regnet und es ist zwar nicht gerade kalt aber ungemütlich. Aber der Wetterbericht sagt halt mal guten Wind voraus und das müssen wir ausnützen. Die Sicht ist diesig nur maximal zwei bis drei Meilen. Leider ist der Wind nicht so gut wie vorausgesagt. Zum segeln zu wenig. Aber am Nachmittag wird es etwas besser, setzen Segel. Als wir aber langsamer als 2,5kn werden rollen wir die Genua wieder ein und starten den Motor. Das Groß bleibt als Stützsegel stehen und Johann (Autopilot) bekommt den Auftrag zu arbeiten. War nicht viel aber besser als gar nichts und es spart vor allen Dingen Diesel. Peter aus Porto Belo ruft mich über Funk. Ich verstehe ihn zwar leise aber trotzdem gut. Wir machen aus, dass wir uns für den nächsten Tag wieder an der Funke treffen. Hat leider nicht geklappt.

Am nächsten Tag, dem zweiten, ist das Wetter schön obwohl es laut Wetterbericht eigentlich schlecht sein sollte. Also gehe ich davon aus dass die Wetterberichte stimmen, nur das Wetter ist falsch. Ab etwa 14:00 Uhr können wir segeln bei einem NO-Wind von 10kn. Wir schippern zum Teil mit bis zu 5kn durch die Wellen. Gegen Abend ziehen Wolken auf, der Wind dreht und wir korrigieren nach NO um nicht zu weit vom vorgesehenen Kurs ab zukommen. Leider kommt jetzt der Wind genau mit 0° und 7kn von vorne. Wir haben eine düstere Nacht obwohl fast Vollmond ist. Die Wolken verdunkeln den Nachthimmel aus dem Blitze zucken. Wir haben keinen Bedarf an einem Gewitter und hoffen, dass es an Land bleibt.

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bewegte See

Die Nacht vom zweiten auf den dritten Tag verläuft völlig ruhig, jedoch bin ich völlig ko vom Tag zuvor, denn letzte Nacht hatte  ich Annemarie schlafen lassen da sie immer noch starke Schmerzen am Brustwirbel hat und jede Bewegung für sie schmerzhaft ist. Sie musste ja auch unbedingt die Waschmaschine alleine aus dem Cockpit in die Vorkabine schleppen und dabei ist sie ihr  genau auf den Brustwirbel gefallen. Aber diese Nacht hat sie bis 4:00 Uhr die Wache übernommen.

Um 5:30 Uhr bietet sich mir eine Szenerie wie ich sie bisher noch nie gesehen habe. Im Westen geht der Mond, rot gefärbt und vergrößert durch die Luftschichten unter, während im Osten der gelbe Ball der Sonne aus dem Wasser steigt. Beide berühren zur gleichen Zeit den Horizont. Man müsste jetzt ein Fisheye Objektiv auf der Kamera haben um dies zu fotografieren.

Wir haben Null Wind und die verwirbelten Abgase steigen von achtern in das Cockpit. Nicht mal eine Minute halte ich das aus und flüchte mich mit einem Anflug von Übelkeit in den Salon. Natürlich folgen mir die Abgase auch dorthin. Das Schott zu schließen wäre bei diesen Temperaturen keine gute Idee. „Richte doch den Venti auf den Niedergang“, meint meine Gesundheitsministerin. Toll. funktioniert sogar.

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unsere Begleitung

Bei diesen Verhältnissen, kein Wind und leichte Dünung, hat Johann leichtes Spiel und deshalb bewegt er sich auch nur alle 10-15 Sekunden um einige Zentimeter nach Back- oder Steuerbord. Es ist schon toll, wenn man sich um so profane Dinge wie Ruder gehen nicht zu kümmern braucht. Wir wissen beide, mein Admiral und ich, was es heißt wenn wir die Arbeit von Johann selbst übernehmen müssen. Das Personal ist eben auch nicht mehr das was es früher mal war.

Nach zwanzig Stunden Motorlaufzeit bekommen wir endlich mal wieder etwas Wind und wir können das tun was wir eigentlich wollen: uns segelnd vorwärts bewegen. Bei 8-10kn segeln wir mit 50° zum Wind sehr hoch (Regattasegler werden darüber lachen) und machen dabei immer noch 3,7 bis 4kn Fahrt, was für unsere langkielige Lady doch eine beachtliche Leistung ist. Leider ist nach zwei Stunden der Spaß vorbei und wir fahren wieder mit Unterwasserspi (Motor). Die einheimischen Segler sagten uns schonvor unserer Abfahrt  wir sollen ja genügend Diesel mitnehmen denn auf dieser Strecke gibt es kaum Wind. Erst zu viel Wind (siehe ein besch… Törn) und dann kein Wind. Kann das denn nicht etwas ausgeglichener von statten gehen? Immer diese Extreme!

Es ist dunkel und wir befinden uns in in der Höhe der Stadt Santos. Annemarie hat Wache und hält im Cockpit Ausschau denn es herrscht reger Schiffsverkehr. Sie ruft mir in den Salon nach unten:“komm doch mal rauf, da sind so komische rote Lichter schau Dir das mal an“. Durch das Fernglas sehe ich zwei rote Rundumlichter übereinander und ein grünes und rotes Licht nebeneinander. Es ist ein Fischtrawler der genau auf uns zu hält, also auf Kollisionskurs ist. Ich kann an seiner Geschwindigkeit erkennen, dass er nicht fischt sondern sich uns mit voller Fahrt nähert. Er nähert sich uns von Backbord (links) und wir fahren ebenfalls mit Motor, was an unserer Beleuchtung zu erkennen ist. In diesem Fall sind wir zwei gleichberechtigte Fahrzeuge und somit habe ich die Vorfahrt. Er hält immer noch mit Volldampf auf uns zu. Sicherheitshalber habe ich den Blitzer angemacht um auf mich aufmerksam zu machen, wobei ich überzeugt bin, dass er uns schon lange bemerkt hat. Er ist schon so nah, dass er auch sehen kann, dass wir ein Segler unter Motorfahrt sind. Nun ändert er etwas seinen Kurs. Aber wohin! Nach Backbord und nicht nach Steuerbord. Er fährt uns genau vor die Nase. Als wir ungefähr noch 50 Meter voneinander entfernt sind mache ich das Manöver des letzten Augenblicks und drehe, nachdem ich die Geschwindigkeit verringert habe, denn sonst wäre es noch gefährlicher geworden, nach Steuerbord ab. Mit wirklich geringen Abstand passieren wir einander. Ich enthalte mich eines Kommentars der mir wirklich auf den Lippen liegt und will hier nicht wiedergeben was ich ihm wünsche und was ich ihm nachrufe. Mit der gleichen Ruderbewegung nach Steuerbord wäre er ohne Stress und Gefahr achterlich an uns vorbei gefahren. Trottel gibt es überall und das  nicht nur im Straßenverkehr. Mit den wirklichen Profis, also der Großschifffahrt haben wir mit einer Ausnahme, damals in Gibraltar, noch nie Probleme gehabt. Die sind uns bis jetzt immer ausgewichen, selbst dann, wenn wir ebenfalls unter Motor fuhren. Für Nichtsegler eine kurze Erklärung: Segler haben unter Segel, mit Ausnahme von Fischern beim fischen gegenüber allen anderen die Vorfahrt. Unter Motor unterliegen sie anderen Bestimmungen, ebenso die Fischer. Wenn sie nicht fischen unterliegen sie den allgemeinen Bestimmungen und haben nicht in jedem Fall die Vorfahrt. Es gibt noch einige Ausnahmen will aber hier nicht darauf eingehen. Ich schreibe schließlich kein Segellehrbuch.

Heute sind wir den vierten Tag unterwegs und kämpfen uns schon die ganze Nacht gegen Wind, Welle und Strömung unter Motorkraft voran. Bei Ankunft werde ich wohl ein Buch schreiben mit dem Titel: „Mein Kampf“ (uups). Annemarie hat immer noch ziemliche Schmerzen an der Stelle wo ihr die Waschmaschine draufgefallen ist und kann nicht ans Ruder. Johann hat seinen Dienst quittiert, überlegt es sich nach einigen Stunden aber anders nachdem ich ihm androhe ihn an der tiefsten Stelle des Atlantiks zu versenken. Es ist morgens 5:30 Uhr, der Motor läuft (wie immer) als plötzlich ein lautes „petsch, petsch, petsch“ zu hören ist. Sofort verringere ich die Drehzahl und es hört auf. Was war das? Ein schneller Blick auf die Motorinstrumente meldet mir: alles im grünen Bereich. Ich stürze mich in den Motorraum, kontrolliere alle sichtbaren drehenden Teile. Nichts! Mutig geworden gebe ich wieder (vorsichtig) Gas. Kein „petsch, petsch“ mehr. Irgendwann habe ich dieses Geräusch schon mal gehört. Ziehe alle „Geräuschschubladen“ in meinem etwas schwergängigen oberen Bereich als es mir einfällt. Wir haben längs des Bootes ein Gurtband als Lauf und Sicherheitsleine gespannt um sich bei Arbeiten außerhalb des Cockpits einzupicken und um sich gegen Überbord gehen zu sichern. Es ist der Wind (das himmlische Kind oder das teuflische, je nachdem) der das Gurtband zum schwingen bringt welches dann an den Aufbau unseres Bootes klatscht.

Wir kämpfen uns weiter in Richtung Norden und haben leider nur die Hälfte der vorgenommenen 40 Meilen geschafft. Das wirft natürlich den ganzen Plan, am Tag an der Insel Sao Sebastiao (Ilhabela) anzukommen über den Haufen. Zu allem Überfluss müssen wir auch noch, trotz Motor, aufkreuzen.

Bis auf zehn Meilen haben wir uns an die Einfahrt in den Canal de Sao Sebastiao herangekämpft. Die Wellen erreichen in der Zwischenzeit zwei Meter und der Wind bläst mit bis zu knapp 30 Knoten genau auf den Bug. Kommt eine besonders große Welle steigt das Boot in einen sehr steilen Winkel nach oben und fällt auf der anderen Seite  mit einem Platscher in das Wellental. Mit fast Vollgas geht es zwischen 1,2 kn und Stillstand voran. Es sind noch 7,5 Meilen bis zur Einfahrt. Der Nordwind wird hier durch den Kapeffekt der Insel zum Ostwind. Nun haben wir ihn in einem Winkel von 30° zum Boot ebenfalls auf der Nase was zu vorher keinen Unterschied macht.

Annemarie spricht es als erste aus was wir eigentlich schon lange hätten tun müssen: Umkehren! Ich sehe das genau so und drehe die Nase unserer tapfer kämpfenden Lady aus dem Wind. Sofort nehmen wir Fahrt auf und die Anzeige steh auf 6kn. Also alle hart erkämpften Meilen wieder herzuschenken sind wir beide nicht gewillt. Beidrehen ist die Devise. Ich stelle unser Boot quer zur Welle (ca.60°) und lasche das Ruder fest. Mann, das haut aber rein! Gehen oder stehen im Boot ist nicht möglich. Aller Stabilisation (Großsegel) beraubt schwankt unsere Lady als würde sie von einer Alkoholorgie kommen. Trotzdem muss ich in den Motorraum und den Füllstand des Tagestanks  überprüfen. Das erste was ich sehe ist eine schwarze Brühe in den ersten beiden Dieselfiltern. Der Blick in den TT (Tagestank) zeigt mir auch warum. Dieser ist bis zum letzten Tropfen samt den ganzen Dreck leer. Irgendwie hängen wir doch an einer Glückssträhne, denn in spätestens einer Minute wäre der Motor von selbst stehen geblieben. Dann wäre entlüften angesagt gewesen. Aber wie wenn kein Tropfen Diesel mehr im Tank ist. Den TT aufzufüllen geht nur wenn der Motor läuft. Ja ich weiß ist ein schei… System und hätte es schon lange ändern sollen. Aber hier eine geeignete Pumpe zu einem vernünftigen Preis zu finden ist mir bisher noch nicht geglückt. Dabei würde eine Bohrmaschinenpumpe (von Conrad) für schlaffe 20€ schon reichen.

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Einfahrt Canal de Sao Sebastiao

Ich tue was ich tun muss und baue die ersten beiden Filter aus und mache sie sauber. Der dritte Filter, ein großer Dieselfilter aus einem Truck mit ca. 3Liter Inhalt, ist noch einigermaßen sauber. Kein Dreck zu erkennen nur der Diesel ist dunkel gefärbt. Der vierte und letzte  Filter, der am Motor vor der Einspritzpumpe seinen Dienst versieht ist ebenfalls sauber. Den TT aus einem Reservekanister aufzufüllen brauche ich gar nicht zu denken. Bei der Schaukelei die so heftig ist, dass ich mich im Cockpit gar nicht halten kann bekomme ich den ganzen Diesel zwar aus dem Kanister aber keinen einzigen Tropfen in den TT. Noch läuft der Motor und ich kann auf den großen Tank umschalten und dann beten, dass genügend Diesel kommt bevor der Motor stehen bleibt. Aber das ist nur für den Notfall vorgesehen der hoffentlich nicht eintritt.

Zweimal schmeißt es mich in der Nacht fast aus dem Bett und ich kann mich nur mit Mühe am Tisch festhalten um nicht ganz rauszupurzeln. Das Geschirr in den Schapps klirrt und scheppert. Ich schlafe genau darunter und warte jeden Augenblick darauf dass es aufgeht und die Porzellanscherben sich über meine Koje ergießen. Aber nichts davon geschieht und ich schlafe ein. Tagesanbruch: kein Lufthauch rührt sich und das Meer ist glatt. Sofort fülle ich den TT aus einem Kanister auf. Die beiden Vorfilter sind leer. Um diese zu füllen müsste ich sie nochmal abbauen, mit Diesel auffüllen und wieder anbauen. Ich gehe auf Risiko und drehe bei den Filtern nur die Entlüftungsschrauben auf und starte den Motor. Er springt sofort an und in Sekunden sind beide Vorfilter voll mit Diesel welcher lustig aus den Entlüftungsschrauben spritzt und mir den Motorraum noch mehr versaut. Ich drehe die Schrauben zu und der Motor läuft ohne dass ich die Filter entlüften muss. Der große LKW Filter der nach den beiden Vorfiltern kommt ist bis zu einem gewissen Grad selbstentlüftend und schluckt die Luf, welche er von den beiden Vorfiltern bekommt, klaglos.

Es ist inzwischen 8:00 Uhr geworden, habe ich für die ganze Aktion doch fast drei Stunden gebraucht. Der Wind hat wieder angefangen und die Welle baut sich wieder auf. Annemarie steht am Ruder, ihre Schmerzen haben sich etwas gebessert, und powert mit fast Vollgas wieder gegen Wind und Welle (wie gehabt). In der Spitze bringt es der Wind doch schon wieder auf stolze 20kn. Beide, fest entschlossen diesmal die Einfahrt zu schaffen, bolzen wir gegen an. Es ist wie in der Nacht zuvor: wir werden immer langsamer. Mein Strategieweib am Ruder lässt sich was einfallen. Sie fährt nun nicht mehr direkt auf die Einfahrt zu sondern weicht nach Osten aus. Knallt zwar genau so aber wir kommen doch mit 2,5 bis 3,5kn voran. Weit genug an der Insel und unter Landabdeckung dreht sie um und fährt nun in westlicher Richtung und Wind von achtern zwischen den auf Reede liegenden Tankern und Frachtern durch auf die Einfahrt zu. Es geht jetzt richtig gemütlich zu, denn die Wellen sind kleiner geworden und der Wind schiebt, statt wie vorher uns zu bremsen. Bald sind wir im Kanal zwischen Insel und Festland wo der Wind und die Wellen ganz aufhören. Wir können nun beide bei schönsten Sonnenschein die herrliche Landschaft genießen. Wir fühlen uns fast heimisch, denn es sieht aus als würden wir im Mittelmeer bei Sardinien, Korsika oder in Kroatien sein. Einfach herrlich. So macht es Spaß.

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wartet auf die Durchfahrt

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Kanal zwischen Insel und Festland

Nach ca. 10 Meilen kommen wir am Club Nautica Pinda an und legen uns an eine Boje. Wir sind zu müde und es ist auch schon zu spät um uns im Club anzumelden. Das tun wir morgen. Ich weiß nicht warum aber ich habe unser Boot nicht nur an der Boje festgemacht, sondern auch an der darunter liegendem Halteleine der Boje.In der Ferne gibt es heftiges Wetterleuchten was schnell näher kommt. Es dauert nicht lange und heftiger Wind setzt ein. In Minuten haben wir hier im Hafen an der Boje mehr als 1,5 Meter Welle die bricht und sich über unser Boot ergießt. Das Boot steigt hoch und wird von der Boje wieder nach unten gezogen was zur Folge hat, dass es eine Flut von Salzwasser mit dem Bug auf das Deck schaufelt. Plötzlich ein Knall und die Boje zerlegt sich zu Brei. Es sind nur noch Bruchstücke übrig. Der Metallanker der durch die Boje geht an der sie an der Unterseite mit der Halteleine verbunden ist und an der oberen Seite unser Boot hängt ist ausgerissen. Ebenfalls gebrochen ist der Festmacher den ich unter der Boje an eben dieser Halteleine befestigt hatte. Als der Gewittersturm anfing und die Wellen bereits den Bug überspülten habe ich noch schnell einen zweiten, stärkeren Festmacher, am Bug auf dem Bauch liegend und vom Wasser überspült, an der Bojenleine befestigt. Die Arbeit hat sich gelohnt. Der Festmacher und die Bojenleine halten.

Als Annemarie das Anlegemanöver fuhr und durch Rückwärtsfahrt das Boot abbremste verhakte sich der Gashebel und ist nicht mehr zu bewegen. Wenn also jetzt bei dem Sturm die Leine brechen sollte haben wir keine Möglichkeit unsere Abdrift mittels Motor aufzuhalten. Ich mache den Anker fertig um ihn im Notfall nur noch über Bord werfen zu müssen. Das aber bleibt uns Gott sei Dank erspart. Nach zwei Stunden ist der Spuk vorbei und die Wellen sind so schnell  weg wie sie da waren.

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 Kanaleinfahrt

Während der ganzen Zeit haben wir die Funke auf Kanal 16 (Notrufkanal) an. Was wir hören baut uns nicht gerade auf. „Hilfe, Hilfe helft mir doch“ kam eine in Todesangst rufende Stimme aus dem Radio. Den danach folgenden Wortwechsel in portugiesisch verstehen wir nicht mehr.

Die restliche Nacht verläuft ruhig und wir sinken erschöpft in die Kojen und schlafen durch bis in zum Vormittag. Das Marinapersonal kommt und verholt uns von der lädierten Boje weiter in den Hafen.

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 Im Yacht-Club

Heute habe ich Zeit um mir die klemmende Gangschaltung anzusehen. Ich baue sie auseinander, reinige sie, fette sie erneut ein. Sie funktioniert wieder und nun warten wir auf ein günstiges Wetterfenster um die restlichen 80 Meilen zu unserem nächsten Etappenziel Angra dos Reis anzupacken. Seit Abfahrt aus Argentinien haben wir inzwischen 1200 Meilen zurückgelegt. Nicht all zu viel, wenn man bedenkt, dass wir bis in die Karibik noch fast 4000 Meilen vor uns haben und dabei evtl. noch viel Nordwind „bekämpfen“ müssen.

Der letzte Bericht ist jetzt genau vier Wochen her und schloss mit dem Satz: „aber bis dahin wird es noch dauern“. Und das im wahrsten Sinne des Wortes, denn es dauert immer noch. Sechs Wochen sitzen wir hier fest und sind noch immer nicht fertig. Dabei hätte es so gut angefangen. Schraube und Welle waren nach einer Woche repariert und eingebaut. Doch dann habe ich, wie berichtet, den gebrochenen Bugspriet entdeckt. Ab diesem Zeitpunkt kommt dann alles ins stocken. Dorica, der Mechaniker arbeitet sozusagen nur noch „nebenbei“ an unserem Boot. Die Sommersaison beginnt und alle wollen mit ihren Booten ins Wasser.

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gebrochener Bugspriet

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Der neue Bugspriet wird geschweißt

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sieht gut aus

Er weiß nicht mehr vor lauter Arbeit wo ihm der Kopf steht. Da müssen wir uns natürlich hinten anstellen. Schon irgendwie verrückt. Die, die ins Wasser wollen hätten eigentlich Zeit (eine Woche früher oder später ist doch kein Problem) und wir, die im Wasser sind, haben keine Zeit. Die mit Zeit werden vorgezogen (klar, sind ja Club Mitglieder) und die ohne Zeit müssen warten (auch klar, sind ja keine Club Mitglieder). Abgesehen davon, wir dürfen nicht meckern und tun es auch nicht. Immerhin lässt man uns in diesem wirklich luxuriösen und exklusiven Yacht Club kostenlos liegen. Um einen kleinen Eindruck davon zu bekommen, wie exklusiv dieser Club ist ein Beispiel: die (Motor) Boote sind in einer Größe und Preisklasse die ohne weiteres mit Monaco oder Cannes konkurrieren könnten.

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 For Sale – kann gekauft werden

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 Club-Restaurant

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Quero Quero im Club-aber kein Mitglied

Es gibt innerhalb des Clubs einen Landeplatz für Hubschrauber. Dort haben zwar nur drei Helikopter Platz, ist aber nicht so schlimm, denn wenn mehr kommen, dann fliegt halt mal einer weg, zum nächst gelegenen Flugplatz wo er auf den Privatjet seines Herrn und Meisters wartet. Man gönnt sich ja sonst nichts. So ist auch auf etlichen Motoryachten Personal vorhanden. Da die Eigner nur an Wochenenden auf ihren Booten sind, haben diese Leute nicht viel zu tun. Daher werden die Schiffe täglich! geputzt und gewienert. Ich warte nur noch darauf bis ein Boot mal „weggeputzt“ ist. Wir haben hier im Club schon etliche nette Bekanntschaften geschlossen. Viele der Mitglieder sprechen deutsch was für uns die Verständigung natürlich erheblich erleichtert. Aber mit englisch kommt man (zumindest hier im Club) auch gut zurecht. Positiv aufgefallen ist uns, dass die Mitglieder, obwohl sie zur (finanziellen) Oberklasse gehörend mit beiden Beinen auf dem Boden stehen und nicht abgehoben sind. Da wir vergleichen können, muss ich sagen haben wir in Argentinien andere (Einzel)Fälle erlebt. Ganz gewaltige „Klassenunterschiede“ bestehen auch hier und zwar bei den Motoren. Einen Eigner gefragt nach dem Verbrauch seiner Yacht bekomme ich zur Antwort: „120 Liter die Stunde“. In diesem Fall stehe ich ihm mit 2-2,5 Liter pro Stunde gegenüber. Wenn das mal kein Klassenunterschied ist. Dafür macht er auch ein paar Knoten mehr als wir. ABER – wir legen die größeren Strecken zurück. Wie auch immer, jedenfalls fühlen wir uns hier sehr wohl, wenn uns nur die Zeit nicht so im Nacken säße. Diesmal meine ich nicht die Zeit für den Aufenthalt in Brasilien, sondern die Jahreszeit. Damals, als wir das erste mal versuchten nach Norden zu kommen, von Salvador de Bahia aus, haben wir uns wegen des Wetters entschlossen nach Uruguay zu segeln weil es uns nicht möglich war einen Nordkurs einzuschlagen. Das war im November 2010. Nun sind wir fast in der gleichen Lage. Im November sind wir bestimmt noch nicht so weit im Norden, dass uns der Nordost Passat nach Nordwesten schieben könnte, denn um diese Zeit weht er nämlich bis 10° Süd. Erst bei ca. 5°Süd geht es um die „Kurve“. Sind also mindestens 300 Meilen gegen den Wind. Ganz zu schweigen von den Nordwinden die wir vorher schon mitkriegen werden. Es wird ein harter Törn. Wir hoffen, nur nicht zu hart.

Hart geworden wäre es auf jeden Fall, falls wir, wie gehofft, die letzte Woche hätten los segeln können. Die ganze Woche Südwind. Das ist doch was. Aber nein, wir sitzen hier und der Südwind bläst umsonst. Trotzdem Glück gehabt, denn der angesagte Südwind entwickelt sich im Laufe der Woche, eben diese Woche die wir gebraucht hätten um nach Rio de Janeiro zu kommen, zu einem Cyclone Tropical. Die Vorstufe zu einem Hurrikan. Danke, da hätten wir ganz schön in der Tinte gesessen. Trotz allem wieder mal Glück gehabt.

Die Zeit, die Zeit. Wir hätten nichts dagegen länger zu bleiben. Aber man soll die Freizügigkeit seiner Gastgeber nicht über strapazieren.

Über strapaziert hat allerdings der Beamte der Einwanderungsbehörde unsere Nerven. Wir haben unsere drei Monate Aufenthalt fast „aufgebraucht“. Seit sechs Wochen liegen wir nun schon hier in Porto Belo. Vom Yacht Clubs haben wir ein Schreiben, dass unser Boot in Reparatur und daher nicht seeklar ist. Mit dem Bus geht es in die nächste Stadt nach Itajai, vierzig Kilometer von hier. Bei der Policia Federal angekommen erklärt man uns, und das ziemlich unwirsch, dass nur Spanier, Portugiesen und ? (hab ich vergessen) Verlängerung bekommen aber keine Deutschen. Der Einwand, dass wir mit einem nicht seetüchtigen Boot im Yacht Club zwecks Reparatur sind lässt dieser „freundliche“ Herr nicht gelten. „Keine Ausnahmen, basta“ ist sein Kommentar. „Was soll ich denn tun“, ist meine nächste Frage, die mit der Gegenfrage „und was soll ich tun“ beantwortet wird. Einen Stempel in unsere Pässe drücken, denke ich mir, sage aber nichts. Verärgert über so viel Ignoranz ziehen wir ab. Habe aber bereits mit Angras dos Reis Verbindung aufgenommen und erfahren, dass es dort ohne Probleme die Verlängerung gibt. Wir werden sie, wenn wir dort sind nachholen.

Eigentlich ist so weit alles am Boot in Ordnung bis eben auf den Bugspriet. Da wir in dieser Beziehung auf den Mechaniker angewiesen sind und ich die Arbeit nicht selbst ausführen kann, versuche ich, ebenso wie Annemarie, krampfhaft nach Beschäftigung. Unser Dinghy ist seit zwei Wochen (aus Bequemlichkeit)im Wasser und hat Bewuchs angesetzt. Es wird Zeit es zu säubern bevor es nur noch aus Tieren und Pflanzen besteht. Mich trifft fast der Schlag als ich sehe wie der Boden aussieht. Ein leuchtendes Rot grinst mir entgegen. Sogleich gehe ich daran dieses „Gestrüpp“ mit Wasser und Bürste zu entfernen und bin froh, dass es doch recht leicht ist das Zeugs los zu werden. Bequemlichkeit wird eben bestraft.

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Dinghyboden – Nahaufnahme

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Die Hälfte ist geschafft

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Wieder sauber

Da fällt mir ein, seit zwei Jahren ist der Service für die Winschen überfällig und jetzt ist dafür der richtige Augenblick gekommen. Schnell sind sie abmontiert und zerlegt. Die haben es wirklich nötig. Das Fett fängt schon an fest zu werden also zu verharzen. Höchste Zeit. Sauber geputzt und eingefettet sind sie ebenso schnell wieder angeschraubt. Die verschiedenen Metalle, Stahl (vom Schiff) und Bronze (von den Winschen), in Verbindung mit Salzwasser und Luft neigen sehr stark zur Korrosion. Damit dies nicht passiert und die Metalle nicht in direkte Verbindung kommen habe ich aus einem Plastik Küchenbrett Untersetzer mit der Stichsäge ausgesägt und sie zwischen Winsch und Sockel montiert.

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Vorher

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Zerlegt und gereinigt

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Nachher

Die Kurzwellen Funke habe ich auch wieder zum „laufen“ gebracht. Irgendwer hat da wohl mal (aus Versehen?) die Steuerkabel zum Antennen Tuner abgeknipst (wer das wohl war?). Jetzt fehlt nur noch die UKW Funke. Die Antenne bzw. der Stecker des Antennenkabels am Masttop ist kaputt und muss erneuert werden. Problem ist nur, dass der Mast ohne Vorstag (wegen abgebautem Bugspriet) und somit auch mit losem Achterstag auf dem Deck steht. Er wird nur von den seitlichen Wanten gehalten und da muss ich nicht unbedingt den höchsten Punkt des Schiffes erklimmen. Würde zwar nichts passieren denn der Mast fällt nicht gleich um, aber Sicher ist Sicher. Im Moment habe ich für UKW eine Notantenne und die ist gut genug um mich täglich mit Peter dem hiesigen TO Stützpunktleiter zu unterhalten um ihm mein Leid zu klagen wenn am Boot mal wieder nichts vorwärts geht. Trotzdem hoffen wir, dass bald alles in Ordnung ist und wir von hier los segeln können.

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Fertige Winsch

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Landgang fehlgeschlagen – zu wenig Wasser

Wir hatten hier im Club eine nette Begebenheit und wenn da einer sagt die Welt wäre nicht klein…

Unser Boot liegt am Steg und ich war gerade im Cockpit als ich von einem Herrn auf deutsch angesprochen werde.  „Ich habe gerade den Namen des Bootes gelesen, sind Sie aus Rosenheim“?  Ich: „Ja ich bzw. wir sind aus Rosenheim und im Moment sind wir eben ausserhalb von Rosenheim und deshalb der Name des Bootes“.  Er: „Ich kenne Rosenheim, es ist eine sehr schöne Stadt, sie hat mir gut gefallen“.  „Kennen Sie auch Kiefrsfelden“? Ich: „Kiefrsfelden“? „Natürlich kenne ich Kiefersfelden da bin ich aufgewachsen und verbrachte dort die ersten 20 Jahre meines Lebens“   Er:  „Dann kennen Sie bestimmt auch…“. Es folgten etliche Namen die ich natürlich kenne, fast alles Leute in meinem Alter und so 10-15 Jahre älter.  Von einigen wusste ich, dass sie zu meiner Zeit, also in den 1960 igern bei der Kieferer Blasmusik spielten. Das weiß ich deshalb so genau, da ich damals im Trachtenverein aktiver Schuhplattler war und wir mit der Musikkapelle bei verschiedenen Veranstaltungen aufgetreten sind (sogar im Fernsehen).  „Ich kenne diese Leute“, sagt mein Gegenüber, „weil wir die Kieferer Blasmusik schon einige male nach Blumenau  (Brasilien, 1000km südlich von Rio) zum hiesiegen Oktoberfest eingeladen haben, das nach München übrigens das zweitgrößte Bierfest der Welt ist“.

Jetzt behaupte mal einer das Gegenteil von wegen Welt, nicht  klein und so… Übrigens beginnt das Oktoberfest in Blumenau (80km von unserem derzeitigen Liegeplatz entfernt) am 3.Oktober, genau wie in München, mit großen Trachten Umzug zu dem wieder viele bayrische Trachtengruppen eingeladen sind. Mal sehen ob wir die Mölichkeit haben dort hin zu fahren. Falls ja werde ich auf jeden Fall darüber berichten, natürlich auch mit Bildern

Ein besch… Törn Teil 3

Mit Spannung und etwas mulmigen Gefühl erwarten wir den Taucher. Lange lässt er uns nicht warten und kommt gut gelaunt und guter Dinge am Steg an. Bedächtig und konzentriert macht er sich tauchfertig. Ich gehe inzwischen in die Achterkabine wo der offene Wellentunnel vor mir liegt.

Da bewegt sich auch schon die Welle und wird samt Propeller vorbei am Ruderblatt nach achtern gezogen. Sobald sie in der Stopfbuchse verschwunden ist halte ich die Hand davor und dichte damit das 35mm große Loch der Stopfbuchse ab. Der Mechaniker reicht mir aus weichem Kunststoff einen Stopfen der genau in das Loch passt. Es dauert keine 30 Sekunden, dann hat der Taucher von außen abgedichtet. Es fließt nur noch tröpfchenweise von außen etwas Wasser , welches aber der Kunststoffstöpsel ohne Probleme zurück hält. Keine zwei Liter Wasser sind ins Boot eingedrungen. Das ist schon mal ein Erfolg. Ich gehe nach draußen und sehe mir das gute oder vielleicht besser, das kaputte Stück an. Es ist nicht zu fassen. Die Welle macht einen Bogen von etwa 2cm und ein Propellerblatt ist stark verbogen und sieht aus wie eine halb geöffnete Faust. Für meine Begriffe haben es beide Teile hinter sich und werden wohl auf dem Schrottplatz landen. Gott segne meinen Geldbeutel damit er genügend Inhalt habe.

Hier in Porto Belo ist es nicht möglich solche Teile zu reparieren oder zu kaufen. Dafür muss ich in die nächste Stadt nach Itajai ca. 40km von hier. Doreka der Mechaniker bietet sich an mich zu einer Firma zu bringen dessen Spezialität eben solche Dinge wie Wellen und Schiffspropeller sind. Der Inhaber dieser Firma, übrigens ein deutsch stämmiger Brasilianer deren Eltern aus Deutschland ausgewandert sind, heißt Hoffmann. Es gibt in Deutschland eine Firma die heißt Hoffmann Propellerwerk und die stellen Propeller für die Luftfahrt her. Meine Nachfrage ergibt, dass diese beiden Firmen nichts miteinander zu tun haben. Vom Chef der Club Werft hier in Porto Belo und vom Mechaniker erfahre ich, dass dies die beste Spezialfirma in Brasilien sei. Das lässt hoffen und ich bin guter Dinge. Der Werkmeister schaut sich den Schaden an und meint dass eine Reparatur möglich ist. Ich kann es kaum glauben. So wie die Schraube aussieht. Sie ist nicht nur verbogen sondern von einem Blatt fehlt sogar ein Stück.. (Bilder gibt es leider nicht, das Internet ist so schlecht dass man keine Anhänge verschicken kann. Werde aber ein Webalbum anlegen wenn ich wieder Zugang zu einem vernünftigen Internet habe). Aber wenn der Werkmeister sagt es geht, dann glaube ich es. Schließlich gehe ich davon aus, dass er mehr Erfahrung in dieser Angelegenheit hat als ich. Was so schwer auch gar nicht ist:-).

Ein Arbeiter holt sich sogleich die Teile ab und verschwindet damit in der Werkstatt. Wir, Dorika und ich gehen erst mal einen Kaffee trinken und treiben uns dann in diversen Geschäften mit Nautikzubehör und Werkzeug rum. Am liebsten würde ich den halben Laden aufkaufen. So viele Dinge die ich unbedingt brauche. Aber leider….

Nach etwa zwei Stunden kommen wir zurück. Als erstes zeigt mir der Werkmeister einen kleinen Videoclip den er mit seinem iPod aufgenommen hat. Es zeigt die Welle in der Richtbank wie sie so vor sich hineiert. Die hat einen noch größeren Schlag weg als ich gedacht habe. Wie sie noch im Boot eingebaut war hat man das gar nicht so gesehen. Aber gleich mal vorweg, es eiert jetzt nichts mehr. Die Welle ist ausgerichtet und ausgewuchtet, sie läuft jetzt wieder wie eine Eins. Der Werkmeister deutet auf einen Propeller und meint das sei meiner. Ich lächle etwas süßsauer weil ich der Meinung bin er will mich auf den Arm nehmen. Nein, Nein meint er, es ist wirklich mein Propeller. Das gibt es nicht. Der sieht aus wie nagelneu. Das fehlende Stück wurde aufgeschweißt. Aufgeschweißt, nicht angeschweißt. Es wurde Bronzematerial Stück für Stück aufgeschweißt und dann geschliffen bis der Propeller seine normale Form wieder hatte. Abgesehen davon, dass ich gar nicht wusste dass man Bronze (Messing) überhaupt schweißen kann.

Wir warten auf Herrn Hoffmann vor seinem Büro um die Rechnung zu begleichen. Ganz wohl ist mir nicht in meiner Haut. Was wird das wohl alles kosten? Solche Spezialwerkstätten, die Propeller nicht nur reparieren, sondern sie auch selbst anfertigen, sind normal nicht ganz billig. Wenn dann noch das Wort Boot, Schiff oder Nautik vorkommt, dann ist es von Haus aus schon mal 30-50% teurer. Wir sitzen also im Büro mit Herrn Hoffmann und unterhalten uns. Er fragt mich woher, wohin, wie das passiert ist, was wir noch vor haben usw. usw. Er hält die Rechnung in der Hand, sieht sie an und faltet sie zusammen. Danach meint er: „ich werde ihnen dafür nichts abnehmen“. „Ich wünsche ihnen für die Zukunft alles Gute“. Ich bin perplex und weiß im Moment erst mal gar nicht was ich dazu sagen soll. Schließlich stottere ich ein Danke das ich vor Freude und vor Überraschung kaum über die Lippen bekomme. Wann passiert einem so was schon mal in Deutschland? Meine Angst die Rechnung könnte mein Budget zu sehr belasten war also umsonst.

Wir laden alles ins Auto und fahren zurück nach Porto Belo. Ich versuche an der Tankstelle die Tankrechnung zu bezahlen, schließlich fährt Dorika extra wegen mir nach Itajai. Es nützte alles nichts. Es bleibt beim Versuch.

Am nächsten Tag morgen stehen der Taucher, er heißt übrigens Morillo (denke da an den Zeichner aber der heißt Mordillo) und Dorika am Steg. Der Propeller und die Welle werden zusammengebaut und können wieder dorthin wo sie hingehören. Wieder gehe ich in die Achterkabine, nehme den Stopfen aus der Stopfbuchse und halte die Hand davor bis ich die Welle spüre die von außen eingeschoben wird. Noch ein kleiner Ruck und sie sitzt im Hauptlager an der richtigen Stelle. Der Mechaniker zieht alle Schrauben fest und alles ist in bester Ordnung. Der Probelauf ergibt keinerlei Beanstandung. Funktioniert alles einwandfrei. Der Testlauf ergibt aber etwas anderes. Die Rücklaufleitung ist am vierten Zylinder undicht. Ein Ersatz ist nicht zu bekommen und so baut der Mechaniker diese aus und verspricht mir sie morgen repariert wieder zu bringen und einzubauen. Tatsächlich kommt er am nächsten Tag und baut die Leitung wieder ein. Ergebnis: alles Paletti.

Die Arbeit ist getan und ich frage Dorika um die Rechnung oder wenn schon keine Rechnung was es kostet. Er wehrt ab und meint das hat Zeit. Wieso hat es Zeit? Ich möchte so langsam weiter.

Ich mache mit dem Dinghy eine „Rundfahrt“ um unsere Lady und kontrolliere die Wanten und Stagen. Das Wasserstag ist locker. Wie das? Bei der Inspektion des Vorstags sehe ich, dass auch dieses nicht die Spannung hat welche es haben sollte. Jetzt sehe ich auch, dass der Bugspriet nicht gerade nach vorne zeigt, sondern nach oben gebogen ist. Mir schwant fürchterliches. Ich wackle am Bugspriet. Das vordere Teil ist locker und lässt sich bewegen. Das hintere Teil sitzt fest in der Halterung. Jetzt weiß ich es mit Bestimmtheit: der Bugspriet ist gebrochen! Passt mal wieder wie die Faust aufs Auge. Eigentlich kann mich so leicht nichts mehr schocken und so bin ich froh, dass ich es jetzt entdeckt habe und nicht wenn mal wieder 45kn Wind sind. Hier kann ich den Schaden in Ruhe beheben. Bei 45kn Wind…

Den gebrochenen Bugspriet habe ich ausgebaut und Dorika will mit mir nochmal nach Itajai fahren um das Material für den Bugspriet zu besorgen. Diesmal wird kein Inox Vierkantmaterial mehr genommen. Der Vorschlag von Dorika ist ein 80mm galvanisiertes Stahlrohr mit 4mm Wandstärke zu nehmen. Das Rohr wird noch mit mehreren Schichten Epoxifarbe behandelt. Das hält dann die nächsten 20 Jahre (hoffe ich).

Ich habe bereits im vorigen Bericht erwähnt, dass wir hier von Peter Wiedemann überaus gut betreut werden. Er überbringt mir auch die beste Nachricht die ich mir vorstellen kann. Der Club hat beschlossen mir die Kosten des Liegeplatzes für die Zeit der Reparatur zu erlassen. Wo bin ich hier? Ich glaube es nicht. Ich fühle mich wie auf einem anderen Stern. Das Erlebte und zurückliegende samt all den Schäden hat mit einem mal viel von seinem Schrecken verloren.

Annemarie und ich gehen nun froher Dinge und neuem Elan daran unser Boot (innen) vom Salz zu befreien. Es haben ja einige Liter Salzwasser den Weg in das Schiffsinnere gefunden. Selbst die Vorräte in der Bank im Salon sind nicht verschont geblieben. Vom zweiten Notebook das nur noch Schrott ist ganz zu schweigen. Erst kommt mal den Teppich raus und wird an die frische Luft befördert. Dann geht es zur Sache. Der Salontisch wird abgeschraubt, die Bodenbretter nach draußen geschafft und alles abgespritzt. Innen wird nun der gesamte Salon unter (Süß) Wasser gesetzt bis die Bilgen voll sind. Ich will nicht nochmal zentimeterdicke Rostplatten entfernen müssen., Nachdem dies vorbei ist geht es an die Schubladen in dem das Werkzeugt aufbewahrt ist. Alles raus und im Süßwasser entsalzt und getrocknet. Danach die ganzen Vorräte auspacken und mit feuchtem Tuch abwischen und wieder verstauen. Das ist Annemaries Job. Wirklich eine Sauarbeit. Aber was hilft´s? Es muss gemacht werden. Daran haben wir zwei Tage zu knabbern bevor alles ok ist. Aber schließlich haben wir es doch geschafft. Da kann ich nur noch frei nach Goethes Gedicht Osterspaziergang (vom Eise befreit sind Strom und Bäche…) selber dichten: „vom Salze befreit sind Boot und Segel…“

Das ist nun das Ende des dritten Teils, nicht aber das Ende der Geschichte. Schließlich muss der Bugspriet noch repariert werden, wir müssen auf ein Wetterfenster warten damit wir die nächsten 400 Meilen in Richtung Norden in Angriff nehmen können und zwar nach Rio de Janeiro. Aber bis dahin wird es noch dauern.

Ein besch.. Törn Teil 2

Ich versuche das Ruder zu drehen aber es geht nicht. Ich starte nochmal den Motor, der ist in Ordnung. Den Versuch einen Gang einzulegen lasse ich lieber bleiben. Zwar ist der Anker nicht eingefahren und es liegen so etwa 40m Kette auf dem Grund aber was soll ich tun? Am besten nichts. Oder besser ausgedrückt, ich kann nichts tun. Wir machen die Schotten dicht und legen uns schlafen. Die Frage was passiert ist bleibt offen. Wir haben nur Vermutungen aber wirklich wissen tun wir es nicht. Wir vermuten dass wir in ein Fischernetz geraten sind und uns dabei irgend ein Metallstück, z.B. ein Senkblei oder Ähnliches in die Schraube bekamen. Aber warum ist das Ruder blockiert? Fragen über Fragen auf die wir, zumindest jetzt, keine Antwort wissen. Vor dem einschlafen denke ich über die bisherigen Geschehnisse nach. Komisch, der Wind hatte in der Spitze „nur“ 45kn. Ist zwar ganz schön stark aber doch nur 7bft. Aber warum hat es uns so gebeutelt und warum wurde so viel Wasser an Bord geschaufelt? Es ist doch nicht das erste mal dass wir Wind in dieser Stärke erleben. Aber so beschissen war es bisher noch nie. Jedenfalls habe ich auf die letzten Fragen vor dem einschlafen noch eine Antwort gefunden. Zu den Winden in der gleichen Stärke (45kn) die wir bisher erlebten gab es diesmal einen wesentlichen Unterschied. Bisher war es immer auf hoher See und somit im tiefen Wasser, also hundert oder auch tausend Meter oder mehr. Da sind die Wellen vielleicht noch etwas höher, so an die fünf Meter aber die sind lang, sehr lang sogar und brechen nicht. Wir aber waren diesmal nahe an der Küste mit Wassertiefen zwischen zwanzig und sechzig Metern. Da baut sich eine kurze und steile Welle auf die dann logischerweise bricht. Nicht die Wellen, die Brecher sind gefährlich und davon hatten wir beileibe genug. Und noch etwas. Solches Wetter verliertden größten Teil seines Schreckens wenn ein guter Autopilot das Boot steuert. Aber das ist eine finanzielle Frage, welche im Moment nicht gelöst werden kann

Die Erschöpfung lässt uns beide tief und Traumlos schlafen. Am nächsten Tag oder besser gesagt, einige Stunden später als es hell ist sind wir schon wieder auf den Beinen. Als Annemarie aus dem Luk schaut meint sie dass wir slippen, denn wir liegen jetzt ganz wo anders als bei der Ankunft.. Da hat sie recht aber ich glaube nicht, dass wir geslippt sind. Zum einen sieht es am Tag anders aus als Nachts und zum anderen habe ich ja 40m Kette ausgelegt die jetzt gespannt ist. Nein, der Anker hat gefasst und wir sitzen gut fest.

Wir halten Ausschau nach Hilfe. Es dauert nicht lange, da fährt ein kleines Fischerboot nahe an uns vorbei. Wir rufen ihm zu, dass wir Hilfe brauchen. Er kommt gleich wieder, meint er denn er muss erst seinen Fang abliefern. Ungefähr eine Stunde später kommt er dann mit seinem kleinen Bötchen angetuckert. Wir erzählen ihm was passiert ist und ich bitte ihn mich zum Strand zu fahren. Annemarie bleibt auf dem Boot, denn das wollen wir nicht alleine lassen. Am Strand „reicht“ mich der Fischer weiter. Abermals erzähle ich meine Geschichte und frage nach Hilfe. Ja man kann die Feuerwehr anrufen und die soll und abschleppen zur nächsten Marina. Leider weiß keiner die Nummer. Schließlich hat sie doch noch einer irgendwie erfahren und ruft die Bombiera, also die Feuerwehr an. Ohne Erfolg, keiner hebt ab. So komme ich von einem zum anderen und irgendwann unterhalte ich mich einem der meint sein Bruder habe ein großes Schiff und der könnte mich abschleppen. Im Moment ist er aber beim fischen und kommt erst am Abend zurück. Ehrlich gesagt, das hilft mir auch nicht weiter. Nach einer Zeit kommt noch jemand dazu. Als er sich die Geschichte so anhört meint er, er könne mich bis nach Florianapolis schleppen. Sein Boot ist groß genug. Wir machen den Preis aus,80 Liter Diesel und 300 Riales (100€). Das ist akzeptabel. Auf die Frage wann er uns schleppen will meint er jetzt sofort. Ich bin einverstanden und wir rudern zu seinem Boot. Unter einem großen Boot stelle ich mir eigentlich was anderes vor. Aber wenn er meint dass es geht… Er versichert mir noch, dass er seit 30 Jahren Profi ist und daher sehr erfahren. Na, mal sehen. Ich will ihm eine Leine geben aber er lehnt ab und meint seine sei sehr stark und reiche aus. Wir hängen am „Haken“ und es kann losgehen. Aber wo der hin will da will ich bestimmt nicht hin. Es treibt uns immer mehr in Richtung der Klippen. Was macht der bloß, was hat der vor? Er gibt Gas bis sein Motor anfängt schwarze Qualmwolken von sich zu geben. Nun sieht es auch ein Blinder, dass er bemüht ist sich von den Felsen fern zu halten. Aber es geht nicht. Er schafft es nicht unser Boot mit eingeschlagenen und blockiertem Ruder gerade aus zu ziehen. Ich gehe ans Ruder unseres Bootes und drehe das Rad mit einem Ruck nach Steuerbord (rechts) und mit einem mal ist es frei. Jetzt kann ich steuern, zwar nur sehr begrenzt denn viel lässt sich das Ruder nicht bewegen aber es reicht und wir kommen von den Klippen weg. Wir sind in der schmalen Einfahrt zwischen der Insel Santa Catarina und dem Festland als mit einem Ruck seine Schleppleine bricht. Langsam treiben wir auf die Untiefe einer Sandbank zu. Jetzt kommt beim Fischerboot echte Hektik auf. Er will an meine Steuerbordseite fahren und die Leine übergeben. Da er aber auf beiden Seiten die Ausleger für die Netze hat, nimmt er gleich mein Vorstag mit an dem er hängen bleibt. Die Wucht ist nicht sehr groß und ich kann ihn weg drücken. Beim zweiten Versuch klappt es etwas besser und er kann mir die Leine herüber werfen, die ich sogleich befestige. Keine Sekunde zu früh, denn schon schabt der Sandgrund leicht am Kiel. Ist nochmal gut gegangen (Profi seit dreißig Jahren, von wegen). Etwas später bricht die Leine nochmal. Nun habe ich die Nase voll und werfe meine starke 16 mm Leine zu ihm auf´s Boot. So fahren wir dann ohne Komplikationen weiter. Plötzlich ein winken und rufen vom Fischerboot. Er biegt scharf nach Backbord (links) ab. Ich folge ihm, weiß aber nicht was er eigentlich mit diesem Manöver will. Er deutet nach Steuerbord (rechts) und nun sehe ich dass wir fast in ein Fischernetz, das quer über die Fahrrinne gespannt ist, hineingeraten wären. Die restliche Strecke bis zum Yacht Club Santa Catarina verläuft ruhig und wir können uns die schöne Landschaft ansehen.

Es ist Donnerstag später Nachmittag als wir im Yacht Club ankommen. Wir haben an einer Boje festgemacht und fahren mit dem „Wassertaxi“ an Land um uns im Club im Büro anzumelden. Dort wird uns zu unserer Freude eröffnet, dass wir bis einschließlich Sonntag unseren Liegeplatz nicht bezahlen brauchen. Wir fragen ob es möglich ist uns mit dem Kran an Land zu heben. Leider nein, wir sind zu schwer, der Kran geht nur bis 10t wir aber haben ca.14-15t.

Wir fahren zurück zu unserem Boot und erst jetzt komme ich dazu nachzusehen was los ist. Ich öffne den Tunnel der Antriebswelle und sehe gleich mit freiem Auge, dass diese verbogen ist. Bei genauerer Inspektion entdecke ich eine Schraube die im Tunnel liegt. Woher kommt sie und wo gehört sie hin? Nicht lange und ich habe es entdeckt. Die Schraube hat sich aus der Halterung des Hauptlagers der Antriebswelle gelöst. Nun sehe ich auch, dass das Hauptlager leicht schräg an der verbliebenen zweiten Schraube hängt. Kann das der Fehler gewesen sein, dass der Propeller blockiert hat? Ich weiß es nicht. Ein Marinero bietet sich an kurz mal zu tauchen (brrr und das bei ca.14-15° Wassertemperatur) und nachzusehen was denn die Schraube blockiert. Er taucht auf und sagt dass er nichts entdecken kann und die Schraube frei ist. Nun stehe ich aber vollends auf dem Schlauch. Fakt ist, dass die Welle krumm ist und das Ruder nur leicht eingeschlagen werden kann.

Da das Boot hier nicht aus dem Wasser kann muss irgend was anderes geschehen. Die nächste Möglichkeit, so erfahre ich, ist gut 30 Meilen weiter in Porto Belo. Aber wie soll ich da hinkommen? Mit eigener Kraft? Als erstes bestelle ich mal einen Mechaniker der die verlorene Schraube wieder anbringt. Nicht dass jetzt jemand meint ich schaffe es nicht selbst die Schraube einzudrehen oder bei uns ist der Wohlstand ausgebrochen und iwir haben es nicht mehr nötig selbst Hand anzulegen. Schön wär´s aber so ist es nicht. Ich will vom Mechaniker wissen was da zu tun ist. Der Mechaniker kommt und dreht die Schraube wieder ein. Er fordert mich auf den Motor zu starten und einen Gang einzulegen. Ich höre es jetzt schon wieder krachen. Ich lege den Gang ein und es kracht nicht. Das Boot bewegt sich langsam vorwärts. Die Welle eiert zwar aber der Propeller dreht sich ohne zu blockieren. Das Beste dabei ist, dass der Mechaniker meint damit könnte ich ohne Probleme die 30 Meilen (55km) bis Porto Belo motoren. Es sollte nicht unerwähnt bleiben, dass die Marineros so wie das Personal im Büro des Clubs überaus freundlich, nett und Hilfsbereit sind.

Am Abend gehen wir noch in die Stadt, wir wollen ein Restaurant suchen und etwas essen. Fast eine Stunde suchen wir, dann wird es uns zu bunt. Wir fragen einen Taxifahrer nach einem Restaurant. Aber wie fast überall in Brasilien sind die Restaurants Abends nicht geöffnet. Auch hier nicht, obwohl es ein Touristengebiet ist. Wir nehmen mit einem Schnellimbiss vorlieb und gehen wieder zurück zum Schiff.

Wir fragen am nächsten Tag ob wir unsere Waschmaschine vielleicht am Steg aufstellen dürfen um die Salzgetränkte Wäsche zu waschen. Nein, das geht nicht erklärt man uns aber sie könnten uns von der Boje an den Steg verlegen und dann können wir unsere Wäsche auf dem Boot waschen. Alles klar, ist ja noch besser. Annemarie wäscht und schleudert und ich hänge auf. Nach einigen Stunden ist es geschafft. Vom Boot ist kaum noch was zu sehen es ist mit Wäsche zugehängt.

Am Sonntag morgen legen wir in Florianapolis ab. Allein das ist schon das reinste Abenteuer, denn der Platz den ich zum manövrieren habe ist nicht sehr groß und immer wenn ich das Ruder etwas zu viel einschlage schlägt die Schraube dagegen.. Durch vorwärts und rückwärts fahren bringe ich es fertig das Boot um 180° zu drehen, so dass der Bug endlich in Fahrtrichtung zeigt und wir los können. Die Welle eiert so vor sich hin und wir fahren nur mit tausend Umdrehungen. Dementsprechend langsam geht es vorwärts. Mehr als 3,5 – 3,8kn erreichen wir nicht. Es kommt mal kurze Zeit leichter Wind auf aber zum Segeln reicht es nicht. Wenn die verbogene Welle nicht wäre und wir dadurch nicht dauernd unter Spannung stehen würden, eben wegen der kaputten Welle, dann wäre dies eine gemütliche und erholsame Fahrt. Sogar Wale sehen wir, leider nicht viel, nur den Rücken und das gekräuselte Wasser wo sie knapp unter der Oberfläche schwimmen. Da wir (wieder mal) zu spät von Florianapolis weg kommen ist es dunkel bevor wir in Porto Belo sind. Dank der elektronischen Karte ist der Weg zwischen einer Insel und dem Festland gut zu finden. Kurz danach sind wir auch schon am Ziel. Zumindest sagt uns das die Karte, die nicht sehr detailliert ist. Wir suchen im Dunkel den Yacht Club der hier sein muss. Wir sehen ihn nicht aber er muss hier sein. Also Anker runter gut Kette gegeben und rückwärts eingefahren, Motor aus, wir sind da.

Am nächsten Tag rudern Annemarie und ich mit dem Dinghy in den (sehr exklusiven) Yacht Club. Im Büro fragen wir ob wir hier unser Boot reparieren dürfen und dass wir aus dem Wasser müssen wegen eines Schadens am Propeller und an der Welle. Das Büropersonal ist ausnehmend freundlich, entgegenkommend und Hilfsbereit. Trotzdem bekommen wir abschlägigen Bescheid.. Das geht nicht, wir sind vermutlich zu schwer für die Slippwagen. Einen Kran oder Travellift gibt es hier nicht. Wir müssten weiter fahren in den nächsten Club, dort stehen diese Anlagen zur Verfügung. Die Entfernung ist nicht so groß, nur eine halbe Stunde Fahrt. Die Dame im Büro ruft dort an und fragt nach einem Platz. Nicht vor dem 10. September bekommt sie zur Antwort. Auch das noch. So viel Zeit haben wir nicht, denn bald läuft unser Visum ab und wir müssen es vor dem 15. September verlängern lassen. Das geht aber hier nicht, dazu müssen wir nach Angra dos Reis, über 300 Meilen weiter nördlich.

Nach telefonischer Rücksprache mit einer uns nicht bekannten und sichtbaren Person bekommen wir die Erlaubnis zu bleiben. Ich frage ob es möglich ist den Stützpunktleiter von Trans Ocean anzurufen. Trans Ocean ist ein Verein für Hochseesegler dem auch wir angehören und er hat Stützpunkte auf der ganzen Welt. Der Stützpunktleiter in Porto Belo ist Peter M. K.Wiedemann. Zwar ist er aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr tätig aber in Notfällen ist er trotzdem zu erreichen. Peter genießt hier im Club einen hervorragenden Ruf und auf sein Wort wird gehört obwohl er kein Clubmitglied ist. In der folgenden Zeit ist er immer zur Stelle um zu übersetzen oder zu organisieren. Jetzt ist für uns vieles einfacher und leichter geworden. Es gibt keine Probleme mehr wenn diffizile Fragen geklärt werden müssen.. Das was Peter für uns tut und getan hat ist nicht hoch genug einzuschätzen. Danke Peter, vielen Dank.

Am nächsten Tag sollen wir mit dem Slippwagen aus dem Wasser geholt werden. Ich werde vom Ankerplatz in den Club geschleppt und in die Box manövriert. Der mehrmalige Versuch unser Boot auf den Wagen zu ziehen scheitert. Es ist zu wenig Wasser. Das ganze wird auf den nächsten Tag, wenn wieder Hochwasser ist, verschoben. Am nächsten Tag sieht es leider nicht besser aus. Der Wasserstand ist zu niedrig. Was also tun? Es wird uns vorgeschlagen einen Taucher kommen zu lassen und den Wechsel der Welle im Wasser vorzunehmen. Taucher!! Was Taucher anbelangt bin ich oder besser sind wir gebrannte Kinder. Vor zwei Jahren in Rio Grande hat uns ein Taucher den Ruderschaft abgeschnitten obwohl dies gar nicht nötig gewesen wäre. Aber wie heißt es so schön? Neues Spiel, neues Glück. Ich hoffe wir haben welches. Der Taucher kommt und sieht sich unsere Lady von unten an. Als er auftaucht hält er ein Stück Leine in der Hand und gibt uns zu verstehen dass dies mal zu einem Fischernetz gehörte. Also doch! Der Schaden rührt von einem Fischernetz her. Jetzt haben wir die Gewissheit. Es wird vereinbart, dass der Taucher am nächsten Tag kommt und die Welle zieht. Ich brauche einen Mechaniker der mir die Welle löst. Der ist bald da und schnell ist die Welle fertig zum Ausbau. Die Welle unter Wasser ziehen. Ich habe jede Menge Bedenken, dass zu viel Wasser ins Boot kommt und äußere dies auch. Nein, keine Sorge das wird nicht passieren. Erst vor kurzem hat der Taucher bei einem Kat diese Arbeit durchgeführt und der hatte zwei Motoren. Ist ja gut aber so ganz beruhigt mich das dann doch nicht.

Am nächsten Tag kommt der Taucher und zieht die Welle.

Ende Teil zw

25.08.2013

Ein besch… Törn

Es ist kaum zu glauben, dass es Länder gibt in denen man zur Kommunikation besser Trommeln benutzt als z.B. Internet. Brasilien ist so ein Land. Zwar bekommt man in den meisten Marinas „kostenlosen“ Internetzugang, jedoch haben die irgendein eigenartiges System das nicht bzw. in den meisten Fällen nicht funktioniert. Hier in dieser Luxusmarina ist es nicht anders. Deshalb haben wir uns einen Stick gekauft also ein Prepayd System. Da bekommt man überall dort wo es eine Handy Verbindung gibt auch Zugang zum Internet. So die Theorie. Die Praxis sieht so aus, dass die Verbindung aufgebaut wird, dann kommt jede Menge Werbung, die wenn man sie abruft bezahlt werden muss,logisch da werden ja KB´s „verbraucht“ aber eine Verbindung zum Internet mit der man E-Mails schreiben oder womöglich sogar surfen kann, die kommt nicht zustande. Also wie gesagt, besser trommeln. Aber da hat man dann keinen Datenschutz, da kann jeder mithören::-).

Nun zu einem anderen Thema, unserer Fahrt. In Rio Grande wollten wir eigentlich nur maximal 2 Wochen bleiben nun sind es aber doch 6 Wochen geworden. Wir sind aber nicht untätig und erledigen viele kleine Dinge die aber auch sein müssen. Am Abend fragt man sich dann: was wir eigentlich gemacht haben. Den ganzen Tag sind wir beschäftigt aber wir sehen nicht was sich groß geändert hat. Auf jeden Fall rennen wir kreuz und quer durch Rio Grande kaufen dies, erledigen das, besuchen Freunde usw. In Barra, wo wir ja fast ein ganzes Jahr lagen und deshalb dort auch viele Freunde haben spricht es sich rum wie ein Lauffeuer dass wir wieder im Lande sind. Eugenio, der uns damals die 80 Meilen von Xui nach Rio Grande abgeschleppt hat ist im Moment nicht auf See und lässt uns zukommen, dass wir ihn zu Hause besuchen sollen, was wir auch machen. Er freut sich sehr uns begrüßen zu können was auf Gegenseitigkeit beruht. Seine jüngere Tochter, die ältere hat einen Freund und damit andere Interessen, ist gar nicht mehr von unserer Seite zu bringen und neugierig nimmt sie alles auf was wir zu erzählen haben. Die Brasilianer sind durchweg alle sehr gläubig und daher bekomme ich von ihr auch einen“goldenen“ St.Georg Anhänger geschenkt, der jetzt im Salon hängt.
Endlich ist es so weit. Wir und das Boot sind fertig zur Abfahrt in Richtung Norden. Erste Station soll Santa Catarina werden wo wir in der Hufeisenbucht übernachten wollen. Am nächsten Tag in aller Frühe geht es dann weiter nach Porto Belo , was von der Bucht aus nur eine Tagestour entfernt ist. So sieht unser Plan aus. Wie gesagt der Plan. Aber wie so oft ist zwischen Plan, also Theorie und der Wirklichkeit ein großes Loch in dem so allerhand Mist versteckt ist. Warum sollte es diesmal anders sein. Aber ich greife vor. Wie bereits erwähnt, Schiff und Mannschaft sind zur Abfahrt bereit nur spielt leider das Wetter nicht mit. Nordwind, genau das was wir überhaupt nicht brauchen können. Was wir brauchen ist beständiger West Süd oder Ostwind für mindestens drei Tage. Zweimal täglich das Wetter gecheckt sitzen wir hier wie auf heißen Kohlen. Endlich zeichnet sich ein Umschwung ab und es ist Südwind für vier Tage vorausgesagt. Ein schöner Segelwind mit bis zu 25kn (ca 45km/h). Das verspricht eine gute und nicht zu langsame Fahrt.
Endlich ist es so weit. Wir haben Montag den 12. August 10:00 Uhr als wir vom Steg des Yacht Clubs in Rio Grande ablegen. Bis zur Ausfahrt der Lagoa do Patos sind es etwa zwei Stunden. Gerade fahren wir am Haus von Gonzalo unserem besten Freund in Barra vorbei. Ein hupen, tröten und winken machen uns den Abschied von Gonzalo und seiner Frau Susanne nicht gerade leichter. Wissen wir doch, dass es ein Abschied für immer sein wird. Aber so ist es mal beim Segeln. Ein befreundetes Seglerpaar hat in ihrem Blog mal geschrieben: wir Segler sind Weltmeister im Abschied nehmen. Da kann ich nur zustimmen. Eine Zeit lang bleibt dann immer eine gewisse Leere, die sich im Moment bei uns nicht spürbar macht, denn wir müssen uns auf den Weg konzentrieren. Eine allgemeine Inspektion des Bootes speziell der Ruderanlage ergibt eine undichte Stelle am Ruderquadrant. Es dringt Wasser durch den Abschlussdeckel am oberen Ende des Rohres welches den Ruderschaft aufnimmt. Mist. Mit ein paar leichten Hammerschlägen ist der Deckel zurechtgerückt und alles ist wieder in Ordnung. Die Inspektion des Motorraums ergibt eine undichte Rücklaufleitung. Das ist doch wirklich zum Mäuse melken. Drei Stunden Probelauf innerhalb von drei Tagen hat nichts ergeben. Die undichte Rücklaufleitung konnte ich nicht wechseln, denn einen Ersatz haben wir nicht bekommen. Eigenartig ist nur, dass ich trotz Testläufen keine Undichtigkeit festgestellt habe. Jetzt sind wir zwei Stunden unterwegs und dann das. Ich habe noch hitzebeständiges Silikon und damit schmiere ich die undichte Stelle zu. Funktioniert nicht wirklich. Der Diesel tropft noch immer auf den heißen Motor und qualmt. Sehr unangenehm. Ich schneide aus einem Schlauch eine „Half Pipe“ und schiebe ihn dann unter die undichte Stelle. Das hilft. Den Schlauch leite ich in einen Kanister und fange damit den Diesel auf.
Der Wind ist ziemlich schwach und so ist Motorsegeln angesagt. Wir lassen den Motor mitlaufen und tuckern so mit 4kn dahin. Das Meer ist ruhig und die Nacht ebenfalls.
Am zweiten Tag Nachmittags ist schöner Segelwind mit bis zu 25kn aus Süd angesagt. Der bringt uns bestimmt flott vorwärts. Der Wind kommt wie vorhergesagt aus Süd mit erst 25, dann 35 und zu guter Letzt mit bis zu 45kn (83km/h). Und Johann (unser Automat) macht schon lange nicht mehr mit und so ist Rudergehen angesagt. Wir sind jetzt in der Höhe von Porto Alegre und es kachelt was das Zeug hält. Die Wellen erreichen so an die vier Meter. Sie sind sehr kurz und fast jede Welle bricht. Nun fängt es auch noch an zu Regnen und ich bin nass bis auf die Haut. Das Dach hält zwar den größten Regen ab aber der Wind kommt von Achtern weht mir den Regen in den Rücken. Gerade habe ich mir trockene Sachen angezogen als eine Welle einsteigt und mich mit mindestens 20 Liter Salzwasser beglückt. Nun ist es noch schlimmer als vorher. Das Wasser ist kalt und ich friere. Das aber ist erst der Anfang, nur gut, dass ich das jetzt noch nicht weiß. Die Heftigkeit der Wellen nimmt zu und immer mehr Brecher steigen in das Cockpit ein. Plötzlich bekomme ich einen Schlag in den Rücken. Eine Welle ist von Achtern eingestiegen und hat mir das wirklich fest verzurrte Dinghy in den Rücken geschoben. Es pfeift und tobt wie verrückt. Die inzwischen hereingebrochene Nacht zieht sich wie Kaugummi. Aber der nächste Tag kommt so bestimmt wie das Amen in der Kirche. So ist es dann auch aber das Wetter ändert sich kein bisschen. Es kachelt was das Zeug hält. Ich versuche einen Kurs zu fahren bei dem das .Boot möglichst ruhig ist und keine Brecher überkommen. Mit einem mal rauscht es und ich höre wie der Brecher immer näher kommt. Dann hat er uns eingeholt. Auf dem brechenden Wellenkamm rauschen wir vorwärts, mit 11kn. Auf beiden Seiten läuft das Wasser auf dem Boot .entlang, Das ganze Deck ist etwa 10-20cm unter Wasser so lange bis uns die Welle überholt hat und wir auf deren Rückseite langsamer werden. Jetzt segeln wir nur noch mit 8kn. Erst nachdem das Wasser längst abgelaufen und das Boot wieder langsamer geworden ist begreife ich was das war. Eine andere Position und der Brecher hätte uns unter sich begraben können. Der Tag vergeht, der Sturm und die Wellen donnern immer noch mit unverminderter Kraft über uns hinweg und ich sitze halb erfroren durchnässt und total fertig immer noch am Ruder. Es ist längst wieder dunkel geworden und die nächste Nacht steht mir bevor. Ich weiß nicht wie ich das machen soll. Es kommt fast so was wie Panik oder eigentlich besser gesagt wie Verzweiflung in mir auf und ich weiß wirklich nicht wie ich das überstehen soll. Schließlich sitze ich jetzt fast dreißig Stunden am Ruder. Dass die Fock als einziges Segel steht versteht sich von selbst und dass die plötzlich in Fetzen am Stag hängt ist bei diesem herrschenden Chaos schon fast nicht mehr erwähnenswert. Also bleibt Annemarie nichts anderes übrig als das Ruder zu übernehmen und zu versuchen das Schiff bei diesem Höllenwetter so ruhig wie möglich zu halten, denn ich muss auf das Vorschiff und die Segel wechseln. Wir haben in Rio Grande starkes Bandmaterial gekauft und auf beiden Seiten des Bootes gespannt. Diese Bänder dienen mir jetzt als Laufleine in die ich mich mit der Lifleine (Sicherungsleine) mit einem Karabiner einpicke um nicht von Bord gespült zu werden. Dann taste ich mich nach vorne. Immer wieder schlagen Wellen auf das Deck. Ich bin völlig durchnässt. Aber „Nasser“ als Nass kann ich nicht werden. Also spielt das auch keine große Rolle mehr. Ich löse den Fallenstopper und das „Restsegel“ rauscht nach unten. Schnell fange ich es ein bevor es über Bord geweht werden kann und stopfe es zu einem Knäuel zusammen das ich zum Achterdeck schaffe und dort sichere. Dann hole ich ich im Cockpit die Sturmfock aus dem Segelsack und ziehe sie auf das Vordeck. Gott sei Dank haben wir eine relativ starke Deckbeleuchtung, so dass ich nicht im Dunkeln rumfummeln muss. Ich schlage die Segel mittels Stagreiter an und ziehe es hoch. Sofort ist Druck im Segel und unsere Lady verhält sich viel manierlicher. Sie reagiert erheblich besser auf das Ruder als ohne Segel. Sofort rauschen wir wieder mit acht bis neun Knoten dahin. Sekundenlang sogar wieder mit 11 Knoten wenn es den Wellenberg runter geht. Trotz aller Unbill liegt die Madam gut am Ruder. Ich habe Annemarie wieder abgelöst. Sie steht am Niedergang als eine Welle an Backbord einschlägt. Erst saust sie mit dem Kopf gegen die Verkleidung am Niedergang und dann wird sie zurückgeschleudert mit dem Rücken an den Kartentisch. Ich sehe sie regerecht zu Boden gehen wie einen k.o geschlagenen Boxer. Verdammt noch mal, wann hört diese Scheiße denn endlich mal auf. Gerade als Annemarie das Steckschott einschieben will kommt ein Brecher ins Cockpit gesaust der mit mindestens zwanzig Liter Wasser den Weg in den Salon und auf den Kartentisch findet. Das zweite Notebook das im und nicht auf dem Kartentisch liegt hat daraufhin seinen Geist aufgegeben und ist nur noch Schrott. Das Wasser findet seinen Weg sogar bis in die Schubladen in denen das Werkzeug nun fein gebadet im Salzwasser liegt. Der Rest des in den Salon geschleuderte Wasser landet auf meinem Bett im Salon und durchnässt es völlig. Da kommt so richtig Freude auf. Annemarie ist inzwischen dabei die Bilge auszuschöpfen weil natürlich aus unerfindlichen Gründen genau jetzt die elektrische Bilgenpumpe nicht arbeitet. Vermutlich deshalb weil die Elektrik die ja im Schott neben dem Kartentisch ist auch total nass vom Salzwasser ist. Bin schon froh dass da nichts ernsteres ist und noch mehr Elektrik ausfällt. Während Annemarie die Bilge ausschöpft donnert wieder mal so eine verdammte Querwelle an das Boot. Dabei fällt die Niedergangstreppe, die ausgehängt ist um an die Bilge zu kommen, um und knallt Annemarie voll auf den Hinterkopf. Also ich bin der Meinung langsam reicht´s. Die Brecher die einsteigen werden immer mehr und heftiger und ich sitze darunter wie unter einer Schwalldusche. Ich habe nämlich den Kurs korrigiert und fahre in einem Winkel von etwa 40-60 Grad quer zur Welle. Ist sehr unangenehm, geht aber nicht anders wenn wir dort hin wollen wo wir hin müssen. Fast jedes mal ist das Cockpit viertel bis halb voll mit Wasser wenn so eine Welle oder besser gesagt ein Teil so einer Welle unbedingt als nicht gern gesehener Gast mitkommen will. Die Laune nach ca. dreißig Stunden am Ruder macht diese nassen Gäste auch nicht willkommener. So sitze ich schon ziemlich abgestumpft und letargisch am Ruder bis mir auffällt, dass ich dieses schon eine ganze Zeit nicht mehr bewegt habe. Ich kenne unsere Lady und sofort lasse ich das Ruder ganz los. Sie segelt nun ganz und gar alleine ohne mein Zutun schnurgerade aus. So schnell hat mich noch keiner gesehen wie ich mich in den Salon verziehe und ich das Boot sich selbst überlasse. Eine Welle legt uns ganz schön zur Seite. Das Ruder dreht sich eine Umdrehung nach Steuerbord und eine nach Backbord bevor es wieder in Mittelstellung stehen bleibt. Das geht so schnell, dass es keine Auswirkung auf den Kurs hat. Der bleibt nach wie vor absolut stabil. Jetzt, wo sich unser Boot alleine steuert hat das Wetter für mich seinen Schrecken verloren. Etliche Brecher steigen nach wie vor ein aber das ist mir jetzt egal, denn ich sitze nun im Trockenen. Wir sind in der Nähe der Hufeisenbucht in Santa Catarina und hier war eine Übernachtung mittels ankern geplant. Ich werfe den Motor an um die Bucht anzusteuern. Wir sind fast schon in der Bucht und ich sage zu Annemarie, dass wir jetzt auch eigentlich gleich weitersegeln könnten, die ganze Nacht durch dann sind wir Morgen schon am Ziel. Gesagt getan ich drehe unser Boot in die entgegengesetzte Richtung und wir verlassen die Bucht. Das Wetter hat um keinen Deut nachgelassen aber das ist mir egal so lange ich nicht am Ruder sitzen muss. Ich sage zu Annemarie sie soll doch mal, rein routinemäßig, die Motortemperatur ablesen und mir sagen wo der Zeiger steht. Kurz vor dem roten Strich meint sie. Verdammt nochmal, dann kocht der Ofen doch. Dazu muss ich sagen, dass der Geber und das Instrument nicht kompatibel sind und daher die normale Betriebstemperatur dann erreicht ist wenn der Zeiger gerade mal im untersten blauen Bereich in der Mitte steht. Und nun ist er fast am roten Bereich angelangt. Der Motor muss doch kurz davor sein sich zu fressen. Trotzdem kann ich ihn nicht abstellen. Wir müssen unbedingt zurück zur Bucht. In meinem Blut ist mehr Adrenalin als Wasser im Kühler des Motors, falls dort überhaupt noch welches ist. Wir kommen der Bucht näher, sind in der Landabdeckung und mit einem Schlag ist kaum noch Wind und auch keine Welle mehr. Ich schaue auf die Motortemperatur und die steht dort wo sie stehen soll, in der Mitte des blauen Bereichs.“Welches Instrument hast du abgelesen“? Frage ich Annemarie. „Das Linke“ kommt zurück. Spitze, das ist die Volt Anzeige und die steht immer kurz vor dem roten Bereich wenn der Motor läuft. Aber nun sind wir schon mal in der Bucht und wir fahren nicht nochmal raus. Wir werden hier, wie ursprünglich geplant, ankern. Wir fahren noch ein Stück weiter in die Bucht hinein und dann geht der Schlammhackl über Bord und ich werfe ihm noch so an die vierzig Meter Kette hinterher. In Rückwärtsfahrt fahre ich den Anker ein.. Ich habe das Gefühl wir kommen überhaupt nicht von der Stelle. Plötzlich gibt es einen metallischen Knall, ein Ruck geht durchs Boot und der Motor steht. Oh verdammt das hat sich gar nicht gut angehört. Ich lasse den Motor wieder an, lege den Vorwärtsgang ein. Es gibt wieder einen Knall und der Motor steht wieder still. Das ist nicht gut, das ist gar nicht gut, denn jetzt blockiert das Ruder ebenfalls.

Ende erster Teil

Wir liegen hier im Yacht Club Rio Grande so ganz friedlich mit unserem Boot und denken an nichts Schlechtes als es an unserem Steckschott (Tür) klopft. Ich mache auf und es steht da doch tatsächlich eine vermummte Gestalt mit einer Pistole in der Hand und bedroht uns. Ich nicht faul, denke das muss doch per Foto festgehalten werden, stürze zum Fotoapparat und fange an zu knipsen (siehe Bild). In dem Moment zieht dieser Gauner den Abzug durch. Die Pistole in seiner Hand fängt an blau, rot und weiß zu blinken, begleitet von einen hässlichen Heulton. Klasse Oskar, gut gemacht. So passiert als Oskar letzte Woche noch hier war. 🙂

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Pirat Oskar

Nun aber zu einem ernsteren Thema, Piraten fertigen wir so nebenbei ab. Wir haben, wie im letzten Bericht geschrieben, einiges am Boot zu tun. Pumpen sind ja repariert und ich habe den ausgebauten Kühlwasserrohren etwas Farbe zwecks Rostschutz verpasst. Aber eingebaut sind sie bis jetzt noch nicht, denn von Gonzalo fehlt seit drei Tagen jede Spur. Er war letzte Woche schon etwas kränklich, vermutlich hat es ihn jetzt voll erwischt. Da kann ich ihm gleich Gesellschaft leisten, denn die letzten zwei Tage und Nächte waren nicht gerade angenehm. Kopfweh, Ohrenschmerzen, Halsweh und eine angeschlagene raue Stimme sind im Moment meine Begleiter. Trotz allem habe ich Hempel 2K Epoxifarbe gemischt und Annemarie hat mal wieder „Malermeister“ gespielt und das Deck bzw. die Laufflächen gestrichen.

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Ankerkasten vorher

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 und nachher mit Edelstahl

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alles bleibt im Rahmen

Vorher habe ich, wie schon in Argentinien die Trittplatten mit einem messerscharfen Schaber abgelöst, den Untergrund mit der Maschine abgeschliffen und so zum streichen vorbereitet. Zwei Anstriche sind schon mal drauf. Ein dritter wird folgen und dann ein vierter dieser aber mit stark verdünnter Epoxifarbe versetzt mit Mikroballons als Antislipbelag. Billiger wäre gut gewaschener Quarzsand vom Strand der ist hier fast wie Staub so fein aber sehr scharfkantig. Das wollen wir dann doch nicht. So verstreichen die Tage nicht ganz nutzlos.

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Reif zum Austausch

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Sieht doch gut aus, oder?

Es ist doch immer wieder erstaunlich was da alles so kaputt geht. In Argentinien ist mir eine von den beiden 12V Batterien meiner 24V Batteriebank, die ich vor einem halben Jahr gekauft habe, kaputt gegangen. So weit kein Problem, denn sie wurde problemlos umgetauscht. Nun aber hat die andere ebenfalls ihren Geist aufgegeben und ich brauche einen Ersatz. Da ich nicht mehr im Barlovento bin, muss ich wohl oder übel in die Tasche greifen. Damit aber nicht genug, denn eine meiner beiden großen 175AH Service Batterien hat ebenfalls den Geist aufgegeben. Diese allerdings ist bereits drei Jahre alt. Nun stehe ich vor einem weiteren Problem. Da die 2x175AH Service Batterien parallel zusammengeschlossen sind, kann ich nicht einfach eine Neue kaufen und diese mit der alten Batterie zusammenschließen. Die verschiedenen Innenwiderstände von neu und alt würden beide Batterien auf Dauer kaputt machen. Also sieht der Plan so aus, dass wir vermutlich eine Batterie mit 240AH statt mit 175 AH kaufen werde und diese dann als zwei unabhängig voneinander betriebene Batteriebänke verwenden. Eine Bank wird geladen, die andere arbeitet. So der Plan. Aber was, wenn die zweite 175iger Batterie kaputt geht? Dann würde ich sagen, ganz schön in den A… gekniffen und nochmal tief in die Tasche greifen. Wollen wir es nicht hoffen. Kann schließlich nicht unsere ganze Rente nur für Batterien ausgeben.

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Kühlwasserrohre Schiffsmotor

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 Leitungen für Einspritzdüsen

Außerdem belastet das Wetter unseren Geldbeutel. Die Marina hier ist ganz schön teuer. Über 500€ pro Monat. So wie es im Moment aussieht werden wir bestimmt vor dem 10. Juli nicht wegkommen, womit wir dann auch schon wieder fast vier Wochen hier sind. Immer nur Nordwind. Wir brauchen eine stabile Wetterlage aus Ost, West oder Süd. Und das über einige Tage hinweg. Keiner von uns beiden hat Lust gegen an zu donnern.

Letzte Woche hatten wir hier am Steg eine nette Bekanntschaft gemacht. Zwei junge argentinische Segler Miguel Dromedari (der heißt wirklich so) und Guillermo Procyk. Die beiden überführen ein 30 Fuß großes Boot von Angras dos Reis (Nähe Rio de Janairo) nach La Paloma in Uruguay.

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Guillermo und Miguel

Sie haben Probleme mit dem Autopiloten, der hat den Geist aufgegeben. Zwar haben sie einen Ersatz dabei aber sie wissen nicht wie sie ihn anschließen sollen. Sie haben weder das Werkzeug noch das know how dafür. Sie fragen mich ob ich da helfen könnte. Kein Problem. In wenigen Minuten ist alles erledigt. Da muss wohl erst ein Bäcker kommen um alles zu installieren:-). Die Rollanlage für die Genua macht ebenfalls Probleme. Sie rollt nicht richtig auf und nach kurzer Zeit ist die Leine an der Rolle durchgescheuert. Ein Rollblock mit einem Schäkel an der richtigen Stelle befestigt hat auch dieses Problem in kürzester Zeit behoben. Das Problem mit dem Großsegel, ich weiß nicht genau welches, hat Miguel durch aufentern in den Mast, der keine Maststufen besitzt, selbst gelöst.

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Fast geschafft

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Miguel hat den „Höhepunkt“ erreicht

Inzwischen sind sie weg und haben die 196 Seemeilen mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 4,9 Knoten in 40std.hinter sich gebracht allerdings mit mehr Wasser im Boot als außerhalb. Trotzdem oder gerade deshalb Gratulation. Gute Leistung.

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Miguel (li) Guillermo(re)

Am Schluss eine nette Begebenheit die wir diese Woche in Rio Grande erlebten. Annemarie hat ihre (20 Jahre) alte Brille auf der Nase als die plötzlich und ohne ihr Zutun auseinander bricht und zu Boden fällt. Lange schon stand eine neue Brille an. Auch bei mir. Wenn ich am Ruder stehe kann ich die Instrumente nicht mehr ablesen. Für die Lesebrille ist der Abstand zu weit und ohne Brille stehe ich da wie ein blindes Huhn. Ich sehe zwar die Instrumente (wäre ja noch schöner) aber nicht was sie anzeigen.

Also, die Gelegenheit ist günstig oder besser gesagt zwingend und wir gehen zum Augenarzt um die Sehstärke feststellen zu lassen. Der Name des Arztes: Prof. Altmayer! Schreibweise wie mein Name, nur ohne „H“ am Anfang. War ja schon mal ein Gesprächsthema. Er ist, wie der Name schon sagt deutsch stämmig, spricht aber nicht deutsch, denn zur damaligen Zeit (1945 -etwa 1955) wurden deutsche Schulen verboten, ebenfalls die deutsche Sprache. Kein so großes Problem, denn in englisch geht es auch ganz gut. Plötzlich meint er „ich habe den Namen schon mal gehört. Seid ihr mit einem Boot hier“? „Jetzt weiß ich es wieder, ihr seid vor zwei Jahren in Seenot geraten und dann hier in Rio Grande gelandet“. Muss wohl ein sehr verschlafenes Nest sein dieses Rio Grande, wenn man sich nach zwei Jahren noch an diesen Zeitungs und Fernsehbericht erinnert.

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OoR mit geblähten Segeln

Der letzte Bericht liegt schon einige Monate zurück und man kann nicht gerade behaupten dass ich (wir) in dieser Zeit fleißig waren was das Schreiben anbelangt. Dafür waren wir aber um so fleißiger was die Arbeiten am Boot betrifft. Ich will hier nur mal einige der wichtigsten aufzählen: die Farbe am Unterwasserschiff wurde vollständig entfernt und mit acht Schichten Epoxifarbe und Teerepoxi komplett neu aufgebaut. Das Kasko wurde abgeschliffen und neu gestrichen, die Inneneinrichtung des Bades/Toilette wurde komplett ausgebaut und erneuert, die Möbel im Salon wurden ebenfalls fast komplett ausgebaut, der Rost entfernt, mit Antirostfarbe grundiert und mit Epoxifarbe gestrichen, Die Propellerwelle und der Propeller wurden ausgebaut gerichtet und ausgewuchtet sowie das komplette Stopfbuchsensystem zur Abdichtung der Propellerwelle erneuert. Der Ankerkasten wurde innen neu verkleidet und abgedichtet so dass das Wasser nicht mehr nach innen in die Bilge fließt, der Deckel vom Ankerkasten wurde aus Edelstahl neu konstruiert und eingebaut, das alte provisorische Cockpitdach wurde endlich durch eine neue dauerhafte Konstruktion ersetzt. Annemarie hat aus Canvasstoff Seitenteile genäht um das Cockpit abzuschließen. Leider ging mitten in der Arbeit die Nähmaschine kaputt, so dass dieser Teil der Arbeit noch auf die Fertigstellung wartet. Erneuert wurden auch das Genuafall, die Genuaschoten, das Großfall und die Dirk. Eine der wichtigsten Arbeiten war die Erneuerung der Steuerseile, diese dienen der Sicherheit und müssen besonders sorgfältig geprüft und gepflegt werden, da es an unserem Boot fast unmöglich ist bei einem Ruderschaden ein Notruder anzubringen. Einige Fasern des Steuerseils waren bereits gebrochen. Das sind so die wichtigsten Dinge die wir nun hinter uns haben. Würde ich alles aufzählen würde es den Rahmen des Berichts sprengen und wäre außerdem auch noch langweilig.

kellerkind.JPG Kellerkind

am-steg.JPG Am Steg

Also wie gesagt, mit den Arbeiten sind wir so weit fertig. Nun sind wir unterwegs in Tigre um auszuklarieren uns also bei Emigration, Zoll und Prefectura abzumelden. Im Club haben wir uns bereits verabschiedet und es kann losgehen. Der direkte Weg nach Colonia/Uruguay ist uns wegen zu niedrigem Wasserstand verwehrt also nehmen wir, wie schon vorher einmal, den Weg über die Kanäle. Alles geht so weit gut bis wir zur Abzweigung des Kanals Vinculación – Kanal Honda kommen. Ankert doch da einer wirklich mitten im Kanal in der Fahrspur. Der hat sie aber wirklich nicht alle, denke ich noch, als sich unser Boot, mit Annemarie am Ruder ganz plötzlich von selbst um 180° dreht und mit der Strömung wieder zurück fährt. Was ist denn hier los? Da dämmert es mir und ich finde den Ankerlieger plötzlich nicht mehr doof. Der steckt im Schlick fest und muss warten bis er höheres Wasser unter den Kiel bekommt. Wir sind auch aufgefahren aber nur leicht und die Strömung hat unser Boot umgedreht. Ich übernehme das Ruder und versuche es nochmal. Bis zu einer bestimmten Stelle und es geht nicht mehr weiter und wir sitzen wieder fest. Diesmal mit mehr Geschwindigkeit und die Strömung dreht uns nicht mehr um. Aber was nützt das? Wir versuchen frei zukommen und geben Vollgas. Der Dreck wird aufgewirbelt aber langsam und mithilfe der Strömung klappt es schließlich. Auf zum dritten Versuch, wir wollen unbedingt durch. Nun nehmen wir einen anderen Weg, ganz dicht am Ufer und siehe da, es geht ohne Probleme.

der-steckt-fest.JPG der steckt fest

Wir fahren noch eine Stunde weiter bis zu einem Ankerplatz auf dem wir übernachten. Am nächsten Tag motoren wir nach Colonia. Segeln ist uns leider wegen fehlendem und dann aus der verkehrten Richtung wehenden Windes versagt. Es ist schon dunkel als wir uns schließlich im Hafen von Colonia eine Boje angeln. Wir, das sind Annemarie, ich und unser Freund Oskar aus Argentinien, der uns bis Rio Grande begleiten wird, rudern mit dem Dinghy an Land. Wir wollen unbedingt eine Chivita essen. Das ist eine große Platte mit Fleisch, Ei, Gemüse, Salat und viel, viel Pommes. Dazu ein gutes gekühltes Bier. Einfach spitze.

taxidienst.JPG Taxidienst

bald-gibts-was-zu-essen.JPG Bald gibts was zu essen

Zwei Tage später, das Wetter hat sich zu unseren Gunsten geändert, geht es weiter. Leider wieder mit Motor. Als ich den Tagestank füllen will saugt mir die Kraftstoffpumpe nur Luft an obwohl der große Tank mit 400 Litern randvoll ist. Das Problem ist schnell behoben. Mit einer Handpumpe und den nötigen Schläuchen holen wir den Diesel aus dem großen Tank und außerdem haben wir noch fünf volle Kanister also nochmals 100 Liter als Reserve dabei, mit denen wir den Tagestank füllen können.

einfahrt-lagune.JPG Einfahrt Lagune

gemutlich-flusfahrt.JPGGemütliche Flußfahrt

gemutliches-segeln.JPGGemütliches Segeln

Wir kommen in die Nähe von Montevideo. Es ist eine finstere und Mondlose Nacht. So viele Schiffe habe ich noch nie auf Reede gesehen. Es sind mindestens 100. Gott sei Dank bewegen sich die meisten nicht. Wir schlängeln uns so durch und gehen zu dritt Wache. Einige Schiffe kreuzen dann doch unseren Weg zum Teil ziemlich nahe aber es geht alles gut. Endlich haben wir Punta del Este erreicht und wir ändern die Fahrtrichtung von bisher SO auf NO. Jetzt kommt auch etwas Wind auf und wir können Segel setzen. Mit vier Knoten geht es gemütlich dahin. Der Wind wird stärker und weht mit 15-18kn, dabei saust unsere Lady mit bis zu 7kn dahin. Johann unser Autopilot macht seine Aufgabe sehr gut und wir brauchen uns nicht um das Ruder zu kümmern. Das geht zwei Tage lang so weiter bis wir in der Höhe von Cabo del Diablo, dem Teufels Kap sind. Der Wind weht noch immer mit 15-18kn, wir segeln noch immer mit 6-7kn, nur die Wellen werden erheblich höher und die Fahrt rauer. Der Bugspriet klatscht oft und mit ziemlicher Wucht ins Wasser. Und gerade jetzt streikt der Autopilot. Er meldet erst Low Battaery und steigt dann ganz aus. Low Battary? Ist doch nicht möglich, die Anzeige steht auf 13,8V. Jetzt und in der Nacht den Fehler zu suchen versuche ich erst gar nicht. Ich gehe für drei Stunden ans Ruder bevor ich mich, ziemlich durch gefroren von Oskar ablösen lasse. Er sollte eigentlich die nächsten drei Stunden das Ruder übernehmen. Annemarie knüpft ihm wegen der Kälte noch zusätzlich aus einer warmen Mikrofaserdecke einen Poncho den er sich überzieht. Annemarie ist nicht gut zurecht, hat eine Erkältung und ist leicht Seekrank. Sie legt sich ebenfalls hin und sagt Oskar er soll sie zur gegebenen Zeit aufwecken. Tut er nicht. Als ich morgens so gegen sieben Uhr aufwache sitzt Oskar halb erfroren immer noch am Ruder. Mit eiskalten und starren Fingern umklammert er das Steuerrad und meine Skihandschuhe liegen ungenutzt in der Kabine. Oskar,Oskar!! Jetzt reicht es mit dem Ruder gehen. Ich mache mich sogleich auf die Fehlersuche. Es dauert nicht lange und ich habe den Fehler gefunden. Eine Mutter am Stromanschluss der Sicherungsbox hat sich gelöst. Oder wurde sie vergessen anzuziehen? Wie auch immer. Einige Umdrehungen und mit dem Schlüssel festgezogen und schon nimmt Johann seine Arbeit wieder auf. Die Salzwasserpumpe für den äußeren Kühlkreislauf des Motors leckt erheblich. Das kann nur ein defekter Simmerring sein. Ist nur ein kleines Problem welches wir in Rio Grande beheben werden.

saukalt.JPG Saukalt

Nach Stunden, die mir wie eine Ewigkeit vorkommen sind wir endlich an diesem Teufels Kap vorbei und die Wellen werden weniger aber immer noch bei gleich bleibendem Wind. Unsere Lady rauscht fast lautlos dahin. Es hat sich wirklich gelohnt die Arbeit am Unterwasserschiff. Man möchte nicht meinen was ein Muschelbewuchs bei 6kn für einen Lärm entwickelt. Und nun, so leise als würde sie durch Öl gleiten.

Wir sind fast an der Einfahrt der Lagoa de Patos angelangt und der Wind dreht auf Süd, direkt von Achtern. Keine Lust die Segel zu verändern. Da wir platt vorm Laken segeln müssten, müssten wir die Genua ausbaumen und das tun wir uns nicht mehr an. Also Segel runter und Motor an. So geht es gemütlicher und mit weniger Arbeit dem Ziel entgegen.

An der Einfahrt zur Lagoa de Patos übernehme ich das Ruder und steuere das Boot sicher in die Lagune. Nicht sehr schwierig aber auch nicht ganz ohne, denn die Wellen haben nun so an die zwei Meter und schieben uns direkt in die Einfahrt. Wir müssen aufpassen auf die Großschifffahrt. Wir haben Glück die Einfahrt ist frei, und es kommt weder ein Schiff entgegen noch werden wir von einem überholt. In der Lagune übergebe ich das Ruder wieder an Annemarie und sie bringt uns sicher bis zum Yacht Club in Rio Grande.

Es sind einige Tage vergangen und wir besuchen „alte“ Freunde. Die Wiedersehensfreude ist groß. Gonzalo unser Freund und Mechaniker bekommt auch gleich den Auftrag die leckende Salzwasserpumpe und die ebenfalls leckende Einspritzpumpe zu reparieren.

Er baut auch gleich nach unserem Besuch die Pumpen aus. Heute fahren wir nach Pelotas in eine Spezialwerkstatt um die Einspritzpumpe reparieren zu lassen. Nach einer Stunde Arbeit und gründlicher Einstellung und Überprüfung auf dem Prüfstand können wir sie wieder mitnehmen. Kostenpunkt umgerechnet 18,00€. Die Impellerpumpe nimmt Gonzalo mit nach Hause und wird sie dort reparieren.

Die alten Trittmatten sollen entfernt und dann das Deck neu gestrichen werden. Dazu benötigen wir gutes Wetter. Im Moment ist es kalt es regnet und es weht ein ungemütlicher Wind. Richtiges „deutsches Novemberwetter“.

zwischenmahlzeit.JPG Zwischenmahlzeit

Wir hoffen in ca. 2 Wochen eine weitere Etappe in Angriff zu nehmen. Aber nur noch Annemarie und ich, denn Oskar muss zurück nach Buenos Aires. Er kann sein Geschäft nicht zu lange alleine lassen.

tolle-kiste.JPGTolle Kiste

ich-darf-doch-bitten.JPG Ich darf doch bitten…

16.06.2013

15. Juni 2013

Sind gut in Rio Grande angekommen. Teilweise eine tolle Segelei aber auch viel motort. Gehen heute zum einklarieren. Werde mich in den nächsten Tagen daran machen einen Bericht zu
schreiben.

10.06.2013

09. Juni 2013

Hallo leute, Freunde und Bekannte

endlich geschafft, wir sind wieder unterwegs. Sind im Moment in Colonia und
werden morgen Montag weiter in Richtung Brasilien segeln. Ein Bericht über die
erste Etappe wird folgen.

Bis dann viele Grüße aus Uruguay

von der Crew der Out of Rosenheim
Annemarie, Werner und Oskar

13.03.2013

12. März 2013

Es ist so weit, wir müssen mal wieder, wie im vorigen Bericht angekündigt, das Land verlassen aber diesmal ist das Boot dran. Das ist eine Zollangelegenheit. Für uns persönlich ist die Emigration zuständig. Dies haben wir bereits hinter uns. Um aber für das Boot ebenfalls wieder drei Monate zu bekommen mussten wir erst „unsere“ drei Monate in Ordnung bringen. Die kleinen „Unannehmlichkeiten“ die wir dabei erlebten kann man im vorigen Bericht lesen.

Unser Boot ist wieder seetüchtig und wir sind zu einem Abstecher nach Uruguay bereit. Diesmal ist es nicht möglich die direkte Strecke zu fahren. Schuld ist das Wetter. Wir haben seit einigen Tagen NW-Wind und der treibt das ganze Wasser aus dem La Plata ins Meer. Trotz Hochwasser ist deshalb die Tide so niedrig, dass wir beim direkten Weg auf Grund laufen würden. Es gibt nur eine Möglichkeit und die führt über (Natur)Kanäle Richtung Norden in den Rio Paraná de las Palmas und von dort die Internationale Wasserstraße, den Kanal Mitre in Richtung Süden um in der Nähe von Buenos Aires nach Osten also nach Uruguay abzubiegen. (siehe Bild, zum vergrößern Bild anklicken)

kanalstrecke.jpg

Kanalstrecke

Es ist ein Umweg von 30 Meilen oder anders gesagt die doppelte Strecke. Wir lassen uns Zeit und fahren erst gegen Mittag los, denn wir wollen unterwegs ankern. Von der Segelyacht Scorpio die den gleichen Weg vor kurzem gefahren ist bekommen wir den Tipp für einen schönen Ankerplatz.

ankerplatz.jpg

Ankerplatz

Vom Club Barlovento an einem Nebenfluss des Rio de La Plata, dem Rio Lujan gelegen, legen wir ab und es geht los in Richtung NW. Nach kurzer Zeit biegen wir, nun Richtung Norden fahrend in den Canal de Vinculacion ein. Diesen geht es weiter bis wir wieder die Richtung nach NW ändern. Nun sind wir im Rio San Antonio aber nur ein kurzes Stück, denn schon wieder geht es nach Norden, in den Rio Urion. Vom Rio Urion fahren wir nun weiter in den Canal Honda der uns direkt in den Rio Paraná führt. An der Kleinen Isla Nueva vorbei, ein Stück den Rio Paraná in Richtung Osten und wir sind nach ca. 3 Stunden an unserem Ankerplatz angelangt. Auf 5 Meter Wassertiefe fährt Annemarie das Ankermanöver und ich werfe den Schlammhakel über Bord. Rückwärts eingefahren und mit Vollgas nochmal den Sitz des Ankers überprüft und das Tagespensum ist für heute vollbracht. Wir liegen einige hundert Meter neben der Hauptfahrwasserlinie und beobachten was da so an Dickschiffen den Paraná rauf und runter fährt. Und das ist einiges. Da sie alle sehr langsam fahren (müssen) werden wir durch deren Bug oder Heckwelle nicht gestört. Es fährt da so allerhand hin und her. Angefangen vom Sandfrachter über Gastanker, Autofrachter mit bis zu 3000 Fahrzeugen an Bord (groß und hässlich) bis hin zum mehrere hundert Meter langen Container-Schubverband. Wir sitzen im Cockpit und lassen es uns bei einem Sundowner gut gehen. Es ist herrlich und entspannend mal wieder auf dem Wasser unterwegs zu sein auch wenn es „nur“ auf einem Fluss ist. Wir genießen es bis es dunkel ist und wir nichts mehr sehen können. Die Nacht verläuft ruhig nur ab und zu unterbrochen von dem gleichmäßigen tuck tuck der vorbei fahrenden Dickschiffe.

autofrachter.jpg

Autofrachter

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Gastanker

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Sandfrachter

schubverband.jpg

Schubverband

Am nächsten Tag um sechs Uhr gehen wir schon wieder Ankerauf. Während Annemarie am Ruder ist bediene ich die Ankerwinsch. Ich denke mir gerade so wie toll es ist, dass ich den Anker nicht von Hand raufziehen muss, da ich die Winsch ja gerichtet habe, da bleibt sie auch schon stehen und macht keinen Mucks mehr. Verdammtes Teil dich versenke ich noch an der tiefsten Stelle die ich finden kann. Nachdem ich die 40 Meter Kette eingeholt und den 25kg schweren Anker an Bord gehievt habe bin ich total geschafft.

Wir überqueren die Hauptschifffahrtsstraße und fahren neben den Bojen den Canal Mitre entlang diesmal aber in Richtung Süden gen Buenos Aires. Die Temperaturanzeige steigt plötzlich einige Grad an. Nichts tragisches aber wir bleiben doch noch mal stehen und ich klettere in den Motorraum. Nachdem ich etwa einen Liter Wasser nachgefüllt habe ist alles wieder im grünen Bereich. Die Fahrt selbst verläuft anschließend ereignislos.

Wir sind fast am Ziel . Jetzt sind wir endgültig unter die Motorbootfahrer gegangen, denn es ist uns bisher keine müder Meter unter Segel vergönnt worden. Totale Windstille. Noch sind es ungefähr fünfzehn Minuten bis Colonia als es plötzlich mit 15 Knoten anfängt zu blasen. Da kommt ja wirklich Freude auf. Jetzt wo wir gleich ein Anlegemanöver an der Boje fahren müssen bläst es von der Seite. Ist aber auch wirklich verrückt. Annemarie steht am Ruder und steuert ganz vorsichtig die Boje an. Zu vorsichtig, denn sie wird vom Wind weg gedrückt. Macht nichts. Diese liegt eh nicht so gut. Sie fährt einen Kreis und steuert weiter innen im Hafen eine andere Boje an an der man besser liegt. Es klappt auf Anhieb. Mit dem Bootshaken fange ich das Teil ein und mache das Boot fest. Was soll ich sagen, wir sind kaum zehn Minuten da, das „Ankermanöver“ ist voll abgeschlossen und der Wind ist weg als hätte er nie geweht. Da hat wohl einer was gegen uns.

canal-de-vinculacion.jpg

Canal de Vinculacion

rio-urion.jpg

Rio-Urion

Wir lassen das Dinghy zu Wasser und gehen ein und gleichzeitig auch ausklarieren da wir morgen in aller Frühe schon wieder zurück wollen. Nachdem wir alle Stempel und Papiere haben die wir brauchen verziehen wir uns aufs Schiff und gehen auch bald schlafen.

Am nächsten Tag bei Tagesanbruch mache ich uns von der Boje los und Annemarie steuert unsere Lady zurück in Richtung Argentinien. Die Rückfahrt wird ein wenig spannender als die Hinfahrt. Der Wasserstand ist noch mehr gesunken und das Echolot zeigt über weite Strecken null Zentimeter unter dem Kiel an. Da wartet man jeden Augenblick darauf dass es nicht mehr vorwärts geht und man im Schlick stecken bleibt. Aber es geht alles gut und wir kommen wieder in tieferes Wasser. Es kommt uns so allerhand an dicken Pötten entgegen. Bei jedem „Dampfer“ den wir sehen winken wir und bekommen stets Antwort mit einem kurzen Tuuut des Schiffshorns. Einer freut sich so sehr, dass ihm das Tuut nicht reicht , der saust sogar auf die Brücke und winkt uns mit beiden Armen zu.

Am späten Nachmittag sind wir wieder an unserem Ankerplatz. Der Haken saust nach unten und kurze Zeit später sitzt er am Grund fest. Ein gemütliches Abendessen lässt diesen schönen Tag ausklingen.

Am nächsten Tag sind wir relativ früh auf den Beinen und machen uns an die Arbeit. Das Sprayhood zeigt an den Fenstern etliche Rostflecken und das bedeutet Handlungsbedarf bevor es schlimmer wird. Wir bauen die Scheiben aus schleifen den Rost, dank Wechselrichter mit der Maschine ab und bestreichen die blanken Stellen mit Phosphat Säure. Sie nimmt den restlichen Rost weg und verhindert neuen. Mit Hempel Mastic weiß werden anschließend die entrosteten Stellen gestrichen die Fenster wieder eingebaut und die Ränder mit PU vergossen. Das dauert den ganzen Tag. Wir beenden ihn mit der zufriedenen Gewissheit etwas Nützliches getan zu haben. Am nächsten Morgen machen wir uns über einige der morschen Trittplatten am Oberdeck her. Mit einem scharfen Schaber kratze ich die Platten ab. Dann schleife ich mit der Maschine die Farbe an und entferne den restlichen Kleber. Annemarie steht bereits mit dem von mir über alles geschätzten Mastic bereit und trägt zwei Schichten auf. Die restlichen Schichten kommen dann, wenn das komplette Deck gestrichen wird, dazu. Aber nicht hier am Ankerplatz. Der nächste Tag dient dann der Erholung und Entspannung bevor wir uns aufmachen zurück nach Barlovento. Die Rückfahrt verläuft ebenfalls wie die Hinfahrt ruhig und entspannt. Leider, wie nicht anders erwartet, alles unter Motor. Nach sechs Tagen und 50 Liter Diesel ärmer sind wir am späten Nachmittag zurück in Barlovento.

fenster-sind-ausgebaut.jpg

Fenster sind ausgebaut

trittflachen-werden-entfernt.jpg

Trittflächen werden entfernt

Zum Schluss mal ein kleiner (Verbrauchs)Vergleich mit einem Auto. Unser Motor ist ein Vierzylinder 2,5 Liter Diesel mit 54 PS. Er ist sehr sparsam und verbraucht etwa 2 Liter Diesel pro Stunde. Vorausgesetzt er muss nicht gegen Welle und/oder Strömung ankämpfen. In einer Stunde legen wir eine Strecke von fünf Meilen zurück, das sind 9,25 km. Ich brauche also 11 Stunden für 100km. 11×2=22 Liter auf 100km. Ich glaub ich wünsche mir ein Auto. Aber wenn ich mir dann wieder denke was so ein Auto in 11 Stunden verbraucht… 🙂

Anmerkung zum untenstehendem Bild:                                                                                                                      weiße Linie: Kanalstrecke,                                                                                                         blaue Linie: direkter Weg

ubersicht.jpg

Überblick

25.01.2013

25. Januar 2013

Lang, lang ist es her dass man (und auch Frau) was von der Out of Rosenheim gehört hat. Liegt bestimmt nicht daran, dass es hier langweilig oder nichts los ist. Ganz im Gegenteil, wir waren die Monate so beschäftigt dass wir keine Zeit und auch nicht die Muße hatten neue Berichte zu schreiben. Die Arbeiten sind nun zum größten Teil abgeschlossen. Es liegen nun sehr arbeitsreiche Monate hinter uns. Einiges haben wir schon berichtet wie z.B. die „Innenrenovierung“, wobei vieles erneuert und anderes kosmetisch auf Vordermann gebracht wurde.
Ein wichtiger Teil dieser „Innenrenovierung“ ist natürlich die Elektrik. Nicht, dass sie nicht mehr funktioniert, auch wenn ich einen Kabelbrand hatte (Bericht vom Juli 2012). Nein das ist es nicht, sie wurde ganz einfach zu klein. 1-vorinstalliert.JPG2-rahmen.JPG3-elektrik-neu.JPG4-beschriftung.JPG5-endlich-fertig.JPG6-kabelsalat.JPGAlso gehe ich erst mal in Gedanken,welche ich natürlich zu Papier bringe in Form von Skizzen und Notizen, zu Werke. Das ist nicht so einfach wie es sich anhört, denn der Teufel steckt im Detail aber das ist hinreichend bekannt. Das Konzept steht und ich mache mich an die Arbeit, besorge mir die richtigen Bretter und beginne diese auf die richtige Größe und den passenden Ausschnitten zuzusägen und einzupassen. Nun „zerlege“ ich die alte Elektrik indem ich alle Kabel von deren Anschlüssen trenne. Das ist weiter nichts besonderes aber Probleme gibt es erst dann wenn ein Kabel irrtümlich falsch bezeichnet wird oder die Bezeichnung sich ablöst. Dann beginnt das große messen und probieren. Mit etwas Glück aber ziemlichen Zeitverlust bekommt man so etwas wieder hin. Ganz bleibt es mir nicht erspart aber den größten Teil schaffe ich ohne große Probleme. Ausgerechnet die Dreifarbenlaterne (Positionslicht) am Masttop macht Probleme. Ich messe und versuche alles was mir nur einfällt aber nichts zu machen. Ich bekomme es nicht hin. Nun bleibt nur noch eins ich muss neue Kabel in den Mast einziehen .Na, dann Prost Mahlzeit. Das verschiebe ich einfach nach hinten. Im Moment habe ich weder Bock noch Möglichkeit dies zu reparieren. In mühevoller Kleinarbeit plage ich mich ab die neuen Schalter zu konfektionierten. Nach etlichen Stunden sind sie vorinstalliert. Ich mache mich jetzt daran die Tür einzubauen und die Kabel zu verlegen. Nach einigen Tagen ist die Arbeit vollendet und das Größte dabei ist, dass alles (bis auf die Dreifarbenlaterne) einwandfrei funktioniert.7-gemutliches-abendessen.JPG
Was kommt also als nächstes? Wir müssen aus dem Wasser gehoben werden, denn wie schon früher berichtet muss die Stopfbuchse, also die Dichtung die die Propellerwelle abdichtet damit kein Wasser ins Boot dringen kann, gewechselt werden. Die angebotenen Systeme sind mir alle zu teuer, vor allem hier in Argentinien kosten die ein mehrfaches von dem was man in Deutschland bezahlen muss. Importe nach Argentinien sind seit einem Jahr nicht mehr möglich. Also muss ich mich hier umsehen. Franz von der Scorpio hat mir einen Plan gezeichnet (siehe Bericht vom März 2012) nach dem wir diese Buchse anfertigen lassen. Es ist eine sehr saubere und gute Arbeit die der Dreher (Gerhard Balzer, er hat deutsche Eltern und spricht gut deutsch)geleistet hat. Das Beste daran ist natürlich der Preis. Für 600 Pesos (ca. 100€) geht das Teil in meinen Besitz über.
Es ist soweit, wir werden zur Werft verfrachtet und aus dem Wasser gehoben. Die Reinigung mit dem Hochdruckreiniger entfällt, denn der Schlauch ist kaputt und es muss erst ein neuer besorgt werden. Nach Auskunft des Club – Büros wird dies wohl einige Tage dauern. Nicht so schlimm, denn im Süßwasser, wir liegen ja im Rio de La Plata, gibt es keinen Bewuchs. Das kranen ist spannend wie immer. Es geht alles gut und bald stehen wir an dem uns zugewiesenen Platz. Für heute ist Schluss und morgen sehen wir weiter.
Wir inspizieren unser Boot dort wo es normal unter Wasser ist. Dabei stellen wir fest, dass der Propeller verbogen ist. Das passierte wohl damals als wir von Uruguay zurück kamen und beim manövrieren in der Marina der Motor mit einem Schlag blockierte und stehen blieb, was wohl einem unter Wasser schwimmenden Ast zuzuschreiben ist. Da die Welle eh ausgebaut werden muss um die Stopfbuchse zu montieren ist es kein sonderlich großer Umstand.
Franz von der Scorpio ist da und baut mir die Welle aus. Dazu muss sie am vorderen Wellenlager gelöst werden. Es ist unumgänglich dieses auszubauen. Das ist nicht so einfach und ich bin froh dass ich Hilfe habe. Ich mache vieles selbst am Boot aber irgendwann ist mein Latein am Ende und das ist hier so ein Fall. Die Technik ist mir unbekannt und ich kenne mich nicht aus wie die Welle die konisch mit den Walzenlagern verbunden ist, getrennt wird. Aber Franz macht das schon.
Wir wollen neues Antifouling aufbringen aber das Unterwasserschiff sieht verheerend aus. Überall abgeplatzte Farbe und „Pockennarben“. Das muss alles weg. Wir bekommen ein Angebot das Boot bis zum Metall abkratzen zu lassen für einen Preis für den ich ehrlich gesagt keinen Finger rühren würde. Es ist zwar nicht vorgesehen einen kompletten neuen Farbaufbau zu machen aber in diesem Fall können wir nicht nein sagen, obwohl es unser Budget um einen nicht vorgesehenen vierstelligen Eurobetrag belasten wird. Irgendwie werden wir das schon hinkriegen. Haben schließlich schon ganz andere Dinge geschafft. Spätestens in Trinidad hätten wir aus dem Wasser gemusst um diese Arbeit durchzuführen. Das von mir eingeholte Angebot zum Sandstrahlen lautet allein für das Unterwasserschiff auf 1700 US$. Das ist ganz schön happig. Das Angebot hier ist nicht mal ein Zehntel davon. Gut es ist nicht Sandgestrahlt aber blank und von Farbe befreit ist es allemal. Nach drei Tagen ist das Unterwasserboot bis auf die Aluminiumbeschichtung abgekratzt bzw. geschliffen. Diese ist noch absolut in Ordnung und bietet einen sehr guten Schutz für den Stahl. Also warum sollte dies abgeschliffen werden? Nun kommt noch die Farbe über der Wasserlinie dran. Diese schleife ich selbst ab. Dabei mache ich eine für mich ganz neue Erfahrung. Mit einer feineren Schleifscheibe geht es leichter und ich bringe mehr weg als mit einer groben Scheibe. Die Farbe selbst haftet noch sehr gut am Untergrund und schützt das Metall immer noch hervorragend. Also entschließen wir uns nur anzuschleifen um danach neue Farbe aufzutragen. Annemarie fängt, nachdem alles abgeschliffen ist, am unteren Teil schon mal mit dem ersten Anstrich an. Sie streicht alles mit einer Epoxigrundierung, (Hempadur Mastic von Hempel welche in dieser Mixtour in Deutschland nur für gewerbliche Zwecke verarbeitet werden darf und dort für Yachten nicht erhältlich ist) die dann am Ende in acht Schichten aufgetragen ist. Also sind schon mal die ersten 30 von 50 Kilo Farbe verbraucht. Als nächstes ist streichen über der Wasserlinie angesagt. Nach dem abschleifen bringt Annemarie auch hier Hempadur Mastic, diesmal in weiß, in drei Schichten auf.
Die Antriebswelle, der Propeller, die Stopfbuchse und das Stevenrohr sind inzwischen ausgebaut. Dabei entdecken wir, dass die Welle leicht verbogen ist. Der verbogene Propeller samt der Welle werden zu einer Spezialfirma gebracht welche alles wieder „hinbiegt“, sie also ausrichtet und wuchtet. Danach baut Franz alles wieder ein und wir sind fertig. Wie schön! Ging doch schnell, oder? Dass dabei allerdings vier Wochen ins Land gezogen sind möchte ich nur nebenbei erwähnen. Was ich sonst noch erwähnen will ist, was da so am „Rande“ alles passierte. Da wäre mal wieder die leidige Geschichte mit der Emigration. Wieder mal sind die drei Monate abgelaufen und wir müssen, zumindest für einige Stunden, das Land verlassen. Also wie immer fahren wir mit dem Zug nach Tigre und wollen uns ein Ticket für die Fähre nach Carmelo in Uruguay kaufen. So der Gedanke. Leider haben wir die Rechnung ohne den Wirt, sprich der Fährgesellschaft gemacht, denn die hat keine freien Plätze mehr und wir kommen auf die Warteliste. Von dieser Warteliste werden bestimmt so an die 10 – 15 Personen aufgerufen, doch wir sind nicht dabei und die Fähre legt ohne uns ab. Wir fragen ob wir für die nächste Fähre, die in zwei Stunden geht ein Ticket bekommen. Natürlich nicht, erfahren wir, denn die ist ebenfalls ausverkauft aber wir stünden doch auf der Warteliste und sollen uns gedulden. Da denken wir uns dass uns das vielleicht nicht ausgeht. Also werden wir bei der Emigration vorstellig und schildern unser Problem. Da wird die Beamtin mit einem mal fürchterlich patzig und meint ich müsste 600 Pesos (ca. 100€) pro Tag Strafe zahlen. Ich sage ihr, dass es doch nicht meine Schuld sei dass die Fähre ausverkauft ist. Da wird sie noch patziger und plärrt mich an ich soll sofort bezahlen oder das Land verlassen. Nun wird es mir aber wirklich zu blöd. Wir lassen die blöde Kuh (Entschuldigung aber ein anderes Wort fällt mir für die nicht ein) mitten im Satz stehen und gehen einfach. Am liebsten würde ich ihr den Stinkefinger zeigen aber das lasse ich lieber denn ich brauche nicht noch mehr Ärger. Wie kann man nur so blöd und aggressiv sein wenn man bloß nachfragt was man tun soll? Weiber als Beamte! Die glauben sich noch mehr profilieren zu müssen als ihre männlichen Kollegen. Würde ich keine Alternative wissen, dann würde ich natürlich nicht so reagieren, es könnte doch sein, dass ich dieses Dämchen noch brauche. Also nichts wie ab, in den Zug und nach Buenos Aires gedüst. Dann nehmen wir eben die Fähre nach Colonia. Ist etwas teurer aber was soll´s. Am Schalter angekommen verlange ich ein Ticket für die Fähre um 12:45 Uhr nach Colonia. Tut mir Leid, alles besetzt! Kein Problem wir nehmen die um 19:00 Uhr. Tut mir Leid, ebenfalls besetzt. Wann ist wieder was frei? Vielleicht morgen, übermorgen ganz bestimmt. Dann haben wir ein Problem sage ich dem freundlichen Mann am Schalter. Müssen sie Ihr Flugzeug nach Deutschland noch erreichen, fragt er mich? Nein, wir brauchen nur einen Stempel in unseren Pass. Ach so, meint er und fängt an auf seinem Computer rumzuklopfen. Da hätte er noch was. Allerdings erste Klasse Spezial und Rückfahrt erste Klasse „normal“. Die Economy ist komplett ausgebucht. Ist doch was. Wollte immer schon mal Reisen ohne mich unter das „gewöhnliche Volk“ mischen zu müssen. Man gönnt sich ja sonst nichts. 13-primo-class-especial.JPG14-prost.JPGSo sausen wir dann mit der Schnellfähre und dreißig Knoten (ca. 55km/h) über den Rio de La Plata. Eineinhalb Stunden später, also 20:30 Uhr sind wir in Uruguay. Wir haben noch genügend Zeit, denn die Fähre geht erst um 22:00 Uhr wieder zurück. Nun sitzen wir da so in der Ankunftshalle und überlegen was wir während der Wartezeit tun sollen als zufällig mein Blick auf die Uhr fällt die an der Wand hängt. 15-so-macht-reisen-spas.JPG16-blick-in-den-duty-free-shop.JPGAu, verdammt, jetzt aber schnell. In 20 Minuten geht die Fähre. In Uruguay gibt es Sommerzeit, in Argentinien nicht. Hab ich ganz vergessen. Wir sausen zur Emigration um unseren Stempel zu holen. Nichts da! Erst zum Schalter und Einchecken. Auch das noch. Wir flitzen wie der Blitz zum Schalter und Checken ein. Ab zur Einwanderungsbehörde. Nun bekommen wir unseren heiß ersehnten Stempel. Kaum sind wir auf der Fähre und schon geht es los. Nochmal Glück gehabt. Die Rückfahrt in der ersten Klasse, hier werden wir ebenfalls mit je einem Glas Sekt begrüßt, ist lange nicht so luxuriös wie in der Primo Class Especial, aber angenehmer (und leider auch teurer) als in der „dritten Klasse“. Macht nichts, Hauptsache wir haben wieder die Erlaubnis uns für die nächsten drei Monate in Argentinien aufhalten zu dürfen. Anders sieht es da mit unserem Schiff aus. Die „Aufenthaltsgenehmigung“ dafür läuft nämlich am 12. Januar 2013 aus. Da wir an Land stehen und wir nicht wissen was alles auf uns zukommt denken wir, dass eine Verlängerung durchaus nicht schaden kann. Wieder fahren wir mal nach Tigre und suchen den Zoll auf. Ahnt ihr schon mit wem wir es zu tun haben? Ist doch klar. Wieder mit einer Frau! Sie ist zwar nicht ganz so (b)arsch wie die von der Emigration aber trotzdem gibt sie mir erst mal zu verstehen dass eine Verlängerung nicht möglich ist. Das kennen wir nun schon. Bei der letzten Verlängerung war das genau so und dann ging es doch. Nein, das geht nicht, das Boot darf nicht länger in Argentinien bleiben, es muss das Land verlassen. So leicht geht das nicht antworte ich, denn es steht an Land und muss repariert werden. Wie lange dauert die Reparatur? Die Reparatur selbst vielleicht drei oder vier Tage. Dann ist doch alles klar, ihr habt ja noch drei Wochen Zeit. Was sie nicht weiß und ich ihr auch nicht sage, ist, dass wir unser Boot neu streichen wollen. Wie oben schon gesagt haben wir für die Vorarbeiten ein günstiges Angebot bekommen. Nur die Zeit bis zum 12. Januar reicht da nicht ganz, noch dazu weil sich das Kranen um drei Wochen nach hinten, also auf den 22. Dezember verschoben hat. Eine Verlängerung um vier Wochen wäre da schon angebracht. Wenn ich also den wahren Grund sage ernte ich ganz bestimmt ein klares und unmissverständliches NEIN! Also ist ein kleiner Schwindel angesagt. Schwindel, nicht Lüge. Ich erkläre der Beamtin, dass mein Propeller samt Welle verbogen ist und dass das Stevenrohr inklusive dem darin liegendem Gummilager erneuert werden muss. So weit die Wahrheit. Geschwindelt habe ich beim Zeitraum wie lange das dauert. Ich erkläre der „freundlichen“ Beamtin dass die Teile nicht vor dem 15. Januar 2013 (das ist bereits drei Tage über der Zeit des normalen Aufenthalts) fertig sein werden. Wieso so lange? Die Firma arbeitet zwischen Weihnachten und dem 6. Januar nicht, sage ich einfach. Das muss ich ihr schriftlich bringen und übrigens bekomme ich die Verlängerung erst wenn unsere persönlichen Aufenthaltsgenehmigungen (siehe oben) erteilt worden sind. Das geht in Ordnung antworte ich und verziehe mich mit einem innerlichen Grinsen und der Gewissheit die Schlacht gewonnen zu haben. Allerdings mit der Auflage wenn wir Argentinien verlasse dürfen wir nicht zurück kommen. Wie lange wir nicht zurück kommen dürfen bleibt aber offen. Na gut denke ich, wichtig sind die vier Wochen mehr. Zurück wollten wir aber schon, denn wir müssen noch einiges machen.
Alle Unterlagen sind beschafft und liegen dem Zoll vor, woraufhin wir die Verlängerung bekommen. Die Teile sind einige Tage später fertig, nur der Anstrich dauert eben seine Zeit. Eigentlich könnte alles schon eingebaut werden aber eine innere Stimme sagt mir, lass es bleiben, man kann nie wissen… Und man konnte es wirklich nicht wissen. Die Dame vom Zoll (sie ist übrigens sehr hübsch, wäre sie nur genau so freundlich) steht plötzlich (in Zivil und deshalb habe ich sie nicht gleich erkannt) vor uns und begrüßt mich sogar mit Küsschen. Ich weiß gar nicht wie mir geschieht. Ach deshalb dauert es so lange, weil das Boot gestrichen wird. Damit kann sie mich nicht fangen. Nein, das ist nicht das Problem, denn das ist in wenigen Tagen fertig. Das Problem liegt hier. Ich zeige ihr die Stelle wo die Welle und der Propeller sein sollten und erkläre ihr außerdem, dass das Stevenrohr und das Gummilager noch neu konstruiert werden müssen. Ich beglückwünsche mich zu meiner inneren Stimme, denn die Teile liegen bereits fertig im Salon aber da kommt sie nicht hin. Nun hat sie das „Problem“ selbst gesehen und alles ist in Ordnung. Nun kommt Charlie, das ist der „Kranboss“ ins Spiel. Ich denke mir die „Zöllnerin“ schaut sich die anderen Schiffe an die da so sind. Nein, tut sie nicht, sie spricht seit einer halben Stunde mit Charlie. Ihm habe ich erzählt, dass wir für das Boot eine Verlängerung bekommen haben aber nicht mehr zurück kommen dürften. Charlie meinte ob wir was ausgefressen hätten, denn diese Anweisung wäre doch sehr ungewöhnlich. Also wie gesagt wir stehen da so vor unserem Boot, da kommt sie mit Charlie angerauscht. Charlie hinter ihr lacht und hebt den Daumen nach oben. Ich verstehe nicht gleich. Diese nette Dame die mich mit Küsschen begrüßt hat spricht mich plötzlich mit Hola Amigo an. Nun verstehe ich gar nichts mehr. Jetzt erklärt sie uns, dass das alles nur ein Irrtum war, natürlich können wir wieder zurück nach Argentinien, gar keine Frage. Ich frage sie wann das möglich ist. Eigentlich brauchen wir nur den Ein und Ausreisestempel von Uruguay und dann können wir, wenn wir wollen am nächsten Tag gleich wieder in Argentinien einreisen. Das lasse ich mir gefallen. Als Charlie sie fragte warum wir nicht zurück kommen dürfen, scheint sie wohl unter Druck gekommen zu sein. Warum sonst plötzlich die Wendung um 180 Grad? Aber, so sagt sie mir, ich müsste zwei Tage bevor wir wieder ins Wasser kommen, bei ihr im Büro vorbei kommen und mir die Genehmigung für das zu Wasser lassen holen. Einige Tage später ist ihr Chef wieder aus dem Urlaub zurück und läuft mir zufällig hier im Club über den Weg. Ich erkläre ihm, dass wir in zwei Tagen wieder im Wasser sind und ob ich vorher deshalb bei ihm vorbei schauen müsste. Nein, warum auch? Erst wenn das Boot wieder im Wasser ist, nicht vorher. Was war das eben, habt ihr es auch gehört? Ach ja, der Amtsschimmel hat gewiehert.
Bevor unsere Lady den Landliegeplatz verlässt bekommt sie noch ein „Schiffchen“ verpasst. Wir lassen es in der Schreinerei anfertigen. Dieses Schiffchen hat in der Mitte ein Loch in das der Geber für das Echolot eingebracht wird damit er nicht von unter Wasser treibenden Gegenständen beschädigt werden kann. 8-echolot.JPG9-schiffchen-seitenansicht.JPGSchnell ist es am Rumpf angebracht und mit Antifouling bestrichen. Das Holz ist ein hier vorkommendes sehr widerstandsfähiges Hartholz und für Dinge die sich lange im Wasser befinden bestens geeignet.
Die Arbeiten sind alle abgeschlossen und morgen Samstag sollen wir von den Böcken auf den Wagen versetzt werden. Dort bleiben wir bis Montag stehen, können die Stellen anpinseln die vorher von den Stützen bedeckt waren. Das läuft ja wie geschmiert. Halt! Da war nicht richtig geschmiert da hat doch eben was gequietscht. Was war das? Das war der Anlasser vom Traktor der den Geist aufgegeben hat. Wir haben Freitag, also kann der Anlasser erst am Montag gerichtet werden, was so viel heißt, dass wir nicht auf den Wagen kommen und dass wir nicht am Montag im Wasser sind.10-stevenrohr.jpg
Es ist Montag und der Anlasser wurde gerichtet eingebaut und der Traktor startet – nicht! Also Anlasser ausbauen und den nächsten Tag, also Dienstag für das Wassern vergessen. Klasse.
Dienstag. Der Anlasser ist eingebaut und der Traktor startet – wieder nicht! Da hilft nur eins, anschieben. Schnell ist ein Laster besorgt und der Traktor läuft. Wie der Blitz sause ich zu Charlie und frage ob wir nun ins Wasser kommen. Nein, heute geht das nicht. Morgen muss der Traktor gerichtet werden. Wasserung unbestimmt. Einige Zeit später sagt Charlie zu mir, ich soll mithelfen den Traktor anschieben er möchte den Wagen unter unser Boot schieben damit wir endlich ins Wasser kommen. Also schieben wir und tatsächlich der Traktor springt an. Ich freue mich schon dass es doch noch heute klappt als plötzlich ein lautes nichts gutes verheißendes Geräusch aus dem Traktor kommt das sich zum Lärm steigert. Sofort stellt Charlie den Motor ab. Eine sofortige Inspektion ergibt, dass sich das Schwungrad in das der Anlasser greift gelockert hat. Da passt mal wieder alles zusammen. Der Mechaniker schmeißt sich unter das Fahrzeug und beginnt zu schrauben.11-trecker-oldie.JPG12-mechaniker.JPG Er schraubt und hämmert, dann ist die Schwungscheibe ab. Kurze Zeit später mit neuen Schrauben wieder angebracht. Der Traktor wird gestartet und – er läuft. Nun steht uns für die Wasserung morgen am Mittwoch (hoffentlich) nichts mehr im Weg.
Mittwoch 6:00 früh. Wir hören ein Geräusch und es klingt wie Musik in unseren Ohren. Der Motor des Treckers wurde soeben gestartet und verbreitet sein gleichmäßiges tuck, tuck, tuck. Es dauert noch drei Stunden und unsere Lady ist wieder in ihrem Element. 17-am-haken.jpg18-sie-schwimmt-wieder.jpgRuhig schwimmt sie am Steg und wartet dass sie wieder an ihren alten Platz rangiert wird. Einige Zeit später später ist es so weit, sie liegt an ihrem „angestammten“ Platz und schwimmt als wäre sie nie an Land gewesen. Der einzig sichtbare Unterschied: sie sieht ziemlich verjüngt aus, so als wäre sie geliftet worden.

Und zum Schluss ein lange anliegendes doch nicht verwirklichtes Thema ist das Dinghy. Unser „altes“ Dinghy ist schon sehr ramponiert, was uns nicht so viel ausmacht. Das schlimmste dabei ist, dass dauernd die Luft ausgeht. Mindestens einmal am Tag muss es aufgepumpt werden und das nervt auf die Dauer. Es wurde schon 1000x geflickt mit mehr oder weniger Erfolg. Zum Schluss mit weniger Erfolg. Also ist es an der Zeit ein neues Dinghy anzuschaffen. Wenn ich ehrlich bin, es tut uns beiden weh das alte Teil auszumustern. Wir haben nicht nur in Argentinien gesucht sondern auch das Internet von vorn bis hinten durchsucht. Das was wir wollten haben wir nicht gefunden und zwar einen „Bruder“ bzw. eine „Schwester“ am besten eine „Zwillingsschwester“ unseres Beibootes. Nichts zu machen. Es war aus Hypalon und hatte, trotzdem dass es nur 2,30m lang war einen Schlauchdurchmesser von 45cm. Nun ist unser „Neues“ nicht aus Hypalon (kaum noch zu bezahlen) und zum anderen werden diese Boote in der Größe nur noch mit 35cm Schläuchen gebaut, was bei Wellengang einen nassen Hintern und nasse Klamotten bedeutet. Ich will ja nicht meckern, denn es sieht gut aus und ist sehr sauber verarbeitet. Zwar, wie schon gesagt, kein Hypalon aber immerhin UV und witterungsbeständiges PVC mit eingearbeiteten Gewebe. Zwar Made in China (was kommt eigentlich nicht von da?) aber trotzdem wie bereits erwähnt sehr gut und sauber verarbeitet. Hoffentlich stimmt auch die Qualität. Habe mit den Chinesen schon manchen Reinfall erlebt. Der Preis liegt bei ca. 650 € und das ist für hiesige Verhältnisse unschlagbar. Kostet doch ein hier gefertigtes in der gleichen Größe so ungefähr das doppelte.
Wollen mal sehen wie es sich macht. Sollten wir untergegangen sein schicken wir Euch allen viele Grüße vom Grund des Rio de La Plata.dsci0180.JPG

27.07.2012

27. Juli 2012

Diesmal ist der Zeitraum erheblich kürzer seit dem letzten Bericht. Um es genau zu sagen es ist eigentlich mehr ein Nachtrag. Hätte alles bereits im vorigen Bericht stehen können, habe es aber wirklich vergessen. Ist doch klar. An „schlechte“ Dinge erinnert man sich eben nicht gerne.

Unser Wasseraufbereiter (ich sage extra nicht Wassermacher, da er nur „schlechtes“ Süßwasser aufbereitet. Kein Salzwasser) macht mal wieder Ärger und ich versuche das Problem zu beheben. Die Zuleitung ist nicht ganz dicht und wenn der interne Tank voll ist läuft er trotzdem weiter. Also sitze ich im Motorraum und hantiere mit Schraubenzieher und anderem Werkzeug herum. Wasser spritzt umher da ich immer wieder die Zuleitung aufmachen muss. Ich bin schon ziemlich nass, will aber trotzdem die Kleidung nicht wechseln. Der Motorraum ist ziemlich eng und die Batterien (2x12V parallel geschaltet also 24V)sind genau vor mir und ich berühre in geduckter Haltung, in der ich im „Keller“ arbeiten muss, mit den Knien die Batterien. Soll also heißen, der Platz ist sehr begrenzt. Auch der Einstieg in den Motorraum gleicht eher einer Panzerluke in die ich von oben also vom Cockpit aus einsteigen muss. Will ich wieder raus, so muss ich mich wie ein Barrenturner mit beiden Händen an der Luke festhalten mit den Füßen vom Boden abstoßen und dann mittels durchdrücken der Arme mich aus dem Motorraum „drücken“. Ist gut für die Bizeps und die Fitness, von der Beweglichkeit die man dadurch nicht verliert ganz zu schweigen. Wir haben eben ein „sportliches“ Schiff und deshalb hat sich mein Admiral auch bisher erfolgreich dagegen gewehrt „meinen“ Motorraum zu besuchen. Selbst das streichen muss ich dort unten übernehmen. Wie ich das hasse (siehe vorherigen Bericht). Lange Rede kurzer Sinn. Wollen wir zu dem eigentlichen „Vorfall“ kommen. Wie gesagt ich sitze in Hocke im Motorraum und berühre mit den Knien die Batterien und einige Kabel. Plötzlich merke ich wie es mir an den Knien warm wird, dann knistert es und schon geht Rauch auf. Das alles innerhalb von vielleicht einer oder zwei Sekunden. Verdammt ein Kurzschluss! Sofort trenne ich mit dem Hauptschalter die Batterien vom Netz. Die Kabel kokeln weiter. Was nun? Mir fällt nichts anderes ein und ich reiße mit der Hand die Kabel von der Batterie. Das Geknister und die Kokelei hören auf. Ich besehe mir den Schaden. Die Kabel sind hin. Verschmort. Nicht ganz so schlimm ich kann sie ja wieder erneuern. Ist in zwei Stunden erledigt. Woher kam das? Ich versuche der Sache auf den Grund zu gehen. Die eigentliche Ursache kann ich nicht finden. Zwar ist ein Schalter eingeschaltet der es hätte nicht sein dürfen. Vermutlich habe ich ihn bei der Werkelei mit dem Wassermacher unabsichtlich berührt und ihn dabei eingeschaltet. Nun ist die Batterie eins und zwei von plus auf minus in Reihe für 24 Volt geschaltet, was auch richtig ist aber mit dem zweiten Schalter wurde dann noch Minus Batterie eins mit Minus Batterie zwei verbunden was natürlich nicht richtig ist. Dabei kam es dann zum Kurzschluss. Ob das dann wirklich so war kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen, denn ich will diese Fehlschaltung nicht nachträglich nochmal ausprobieren. Also weiter im Text. Wie ich da so im Motorraum knie und die Ursache untersuche hebe ich die Kabel an und schon wieder ein knistern und diesmal sehr starke Rauchentwicklung. Was ist das? Die Kabel sind doch von der Batterie getrennt, vermute ich jedenfalls. Der Rauch entwickelt sich in Sekunden so stark dass ich nichts mehr sehen kann. Atmen ist unmöglich. Ich habe bereits einen Teil der giftigen Gase eingeatmet, die Lunge brennt, die Augen brennen stark und tränen. Ich muss zwei Dinge tun. Erstens die Kabel müssen ganz raus und zweitens ich muss ebenfalls aus dem Motorraum. Ich packe mit geschlossenen Augen die Kabel, verbrenne mir anständig dabei die Finger und reiße kräftig an so dass ich gleich den ganzen Schaltkasten samt den daran angebrachten Regler abreiße. Jetzt wird es höchste Zeit dass ich aus dem Motorraum komme. Ich habe die Luft angehalten und halte es nicht mehr länger aus. Die Rauchentwicklung nimmt ziemliche Ausmaße an. Es nützt nichts, ich muss raus. Wie oben beschrieben stemme ich mich am Rand der Einstiegsluke hoch und schwinge mich raus. Noch kann ich mich nicht entschließen mit dem Feuerlöscher in den Motorraum zu spritzen. Ist nämlich erst dort mal Schaum bzw. Löschpulver drin, dann ist das Chaos perfekt. Ich versuche von oben in den Motorraum zu schauen ob ich vielleicht Feuer sehen kann. Kann ich nicht. Der Rauch wird etwas weniger und das beruhigt mich dann doch. Gefahr vorbei. Ich atme erleichtert auf und die zwei Liter Adrenalin pro Sekunde die in meinem Körper gepumpt wurden verringern sich erheblich. Was ist passiert? Beim anheben der Kabel sind die bereits zum Teil blanken Drähte wohl wieder irgendwo mit Strom in Berührung gekommen und da hat es dann wieder angefangen zu schmoren. Wieder steige ich in den Motorraum und versuche die Ursache zu ergründen und wieder komme ich auf kein Ergebnis. Nun räume ich aber die Kabel vollends weg. Der Schaltkasten hängt halb zertrümmert an den verbliebenen Schrauben und der HLR (Hochleistungsregler) des Generators baumelt an seinen Kabeln.

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Schmorbraten

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Rohbau fertig

Das alles betrifft die 24 Volt Anlage, die mit der 12 Volt Anlage nur während des Ladevorgangs verbunden ist. Das ist so gesehen mein Glück, denn die 24 Volt Anlage ist nur mit kurzen Kabeln direkt mit dem Schaltkasten verbunden. Wäre das mit den 12 Volt passiert wäre der Schaden erheblich größer wenn nicht sogar dabei das gesamte Schiff verloren gegangen wäre. Die Kabel der 12 Volt Anlage ziehen sich durch das ganze Boot und wenn dann dort an einer unzugänglichen Stelle die Kabel anfangen zu brennen dann gute Nacht. Wie so oft, seit wir unterwegs sind, steht das Glück mal wieder Pate.

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Der „Neue“

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Innenleben

Nun stehe ich vor dem Trümmerhaufen. Etliche verschmorte Kabel und ein zerstörter Schaltkasten. Was hilft da all das jammern? Bretter zugeschnitten und einen neuen Schaltkasten (diesmal mit Sicherungen) gebaut und wieder alles montiert. Hört sich schnell an dauert allerdings drei Tage. Nun ist (elektrisch) wieder alles in Ordnung. Für Interessierte: ich habe einen Schaltplan gezeichnet wie die Batterien von 12 auf 24 Volt umgeschaltet werden können ohne dass man die Kabel verändern muss. Der Fachmann möge mir nachsehen, dass ich nicht die Symbole verwendet habe die für solche Zeichnungen vorgesehen sind. Ich als Laie finde den Schaltplan so übersichtlicher.

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Schaltplan Wassermacher

Nun zu einem anderen Thema. Ich schreibe viel von mir, einiges von uns aber eigentlich so viel wie nichts über meinen Admiral. Der soll heute mal zu Wort kommen. Das heißt im Klartext: der Admiral diktiert und der Kapitän hat zu schreiben. Ist doch klar dass man bei dem Rang einen Adjutanten bzw. einen Sekretär hat.

Eine Frau als Admiral? Klar doch, ich sag ja immer: Frauen an die Macht:

Macht Kaffee

Macht Brötchen

Macht sauber.

Diese Zeilen werde ich wenn das Manuskript zensiert wird in weiß schreiben. 🙂

Nun aber lass ich Annemarie zu Wort kommen.

Da ich ein Fan von Milchprodukten ´bin wie z.B. Naturjoghurt, Quark, Käse usw. und wir lange unterwegs sind und ich viel Zeit und noch dazu viel Spaß am Kochen und selber machen habe, kommt im Laufe der Zeit so einiges „auf den Tisch“. Zum Teil mache ich aus der Not auch eine Tugend. Was man nicht bekommt und nicht zu schwierig ist wird einfach selber gemacht.

Im Moment beschäftige ich mich mit Kefir und Kefir Produkten. Kefir ist wie die meisten sicher wissen ein Blumenkohl ähnlicher Pilz der aus dem Kaukasus stammt Er ernährt sich vom Milchzucker wodurch eine Säuerung entsteht. Er ist für mich einfacher zu handhaben als die Joghurt Herstellung.

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Fertig zum abschütten

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abschütten

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Der abgeschüttete Kefir

Vor einigen Wochen habe ich einen Babypilz (Ableger) in einem Mückennetz eingepackt , geschenkt bekommen und bin davon sehr begeistert. Das Netz eingehängt in einem Glas das ich mit Milch fülle und verschließe, lasse ich ihn ein bis zwei Tage reifen und der Kefir ist fertig. Damit bereite ich unser tägliches Frühstücksmüsli vor. Früchte, wie Bananen, Birne und anderes (Saison) Obst inklusive Haferflocken, mit oder ohne Kakao und schon steht unser gesundes und wohlschmeckendes Frühstück zum Verzehr bereit, das ich am Abend vorher (ohne Obst) vorbereitet habe. .Das ist aber nicht alles. Ich mache auch davon Quark. Der schmeckt herrlich locker und frisch und liegt uns nicht so schwer im Magen wie der normale Mager oder Vollmilch Quark den man hier bekommt.

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Gepresst

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Der fertige Quark

Für 150 Gramm Quark benötige ich 600ml Milch und ca. 100 Gramm Kefir (evtl. etwas mehr, einfach ausprobieren).Die Milch wird erhitzt (nicht kochen) und dann wird der Kefir eingerührt. Von der Kochstelle nehmen und stehen lassen. Dann flockt alles auf und die Molke wird sichtbar. Ist keine Molke zu sehen dann einfach noch etwas Kefir hinzugeben. In ein mit dünnen, dicht gewebten Baumwollstoff (z.B. Stoffwindel) ausgeschlagenes Plastiksieb (kein Metallsieb) gießen.

Leicht ausdrücken und fertig ist der Quark ( ich stelle immer die dreifache Menge her). Der abgekühlte Quark kann dann je nach belieben mit Kümmel und/oder Schnittlauch und Salz gewürzt werden. Schmeckt hervorragend als Brotaufstrich oder zu Pellkartoffeln. Die Molke nicht weg schütten. Man kann daraus mit Bananen oder anderen Früchten einen herrlich frischen Shake machen Werner verwendet den Kefir und die Molke für sein Brot Ich bin gerade dabei aus Kefir Käse herzustellen aber das ist noch im „Versuchsstadium“.

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Das Brot

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Guten Appetit

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Kefir für Müsli

Ich finde das alles toll, auch wenn wir jetzt womöglich in den Ruf kommen „Grüne“ oder „Alternative“ zu sein. Aber mal ganz im Ernst, wir sind zwar Umwelt bewusst aber weder Grün noch Alternativ, es macht eben einfach Spaß vieles selber zu machen. So habe ich in Essig eingemachte Paprika und selbst gemachtes Sauerkraut in der Backskiste. Wohl bekomm´s.

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Kefir für den nächsten Tag vorbereiten

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Eingelegte Paprika

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Schmeckt herrlich

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Selbstgemachtes Sauerkraut

25.07.2012

25. Juli 2012

Wie die Zeit vergeht. Manchmal habe ich das Gefühl, dass ein Monat nur noch knapp drei Wochen oder weniger hat. Die Zeit verrinnt einem zwischen den Fingern. Nicht, dass wir es eilig hätten aber trotzdem ist auch unsere Zeit (in Argentinien) nicht unbegrenzt. Im Oktober läuft unser Visum ab und wir müssen, zumindest für einen Tag, das Land verlassen, was so kein Problem ist, denn Uruguay ist ja nicht weit. Morgens mit der Fähre los und am Abend wieder zurück. Kein Problem. Wollen wir das nicht tun, dann geht es eben zur Emigration nach Buenos Aires dort kann man ebenfalls um drei Monate verlängern. Ist aber genau so teuer als wenn wir mit der Fähre nach Uruguay, in diesem Fall nach Carmelo, ein kleines Städtchen an der Mündung des Rio Uruguay gelegen, fahren. Wie gesagt, kostet das gleiche und wir haben auch noch einen schönen Ausflug gemacht. Im Januar 2014 ist es dann so weit, dann läuft auch die Aufenthaltsgenehmigung für unser Boot ab. Dann müssen wir samt unserem Schiff „verschwinden“. Aber unser Plan sieht da eh so aus, dass wir zwar Buenos Aires verlassen, nicht aber auf Dauer Argentinien. Wir wollen dann nämlich eine Flussfahrt auf dem Rio Paraná bis Paraguay machen. Aber davon wenn es so weit ist.
Das ist schon mal der Plan ob es dann so weit kommt, wir werden sehen. Wenn wir was gelernt haben während unserer Zeit die wir unterwegs sind, dann, dass ein Plan erst dann zur Ausführung kommt, wenn es so weit ist. Alles andere gehört in die Schublade „Absichtserklärungen“.
Aber ich will das eigentliche Ziel dieses Berichtes nicht aus den Augen verlieren und der heißt Zeit und Zeit heißt im Moment bei uns Arbeit. Wir haben noch sehr, sehr viel vor was unser Boot betrifft in Sachen Änderung, Reparaturen, Verbesserung und Verschönerung. Innen wie außen. Nach der Toilette (siehe letzten Bericht) kommt nun der Salon dran. Da gibt es viel zu tun. Erst mal die Bänke, darunter liegen die Backskisten, ausräumen und demontieren. Dann kommt der Boden dran. Alle Bodenbretter raus, einen Teil davon muss ich sogar aufsägen, eine Kühlbox ausbauen und wegwerfen, sie ist kaputt und eine Reparatur macht keinen Sinn mehr. Den fest am Boden verankerten Tisch abschrauben, die Bodenbretter hoch und wir befinden uns am Ort des Geschehens. Bei dem Anblick bin ich nicht wirklich glücklich. Jede Menge Rost grinst uns unverschämt entgegen so nach dem Motto: ach ja habt ihr endlich Zeit auch mal nach mir zu sehen. Bin ja immer unter Brettern versteckt da sieht man dann nicht wie gut (bzw. schlecht) es mir hier geht. Abgesehen davon, wir brauchen uns über den Zustand des Bodens nicht zu wundern, sind wir, bzw. ich, selber Schuld daran. 2008, also vor vier Jahren als wir noch auf den Kanaren waren und wir so knapp 2000 Liter Wasser im Boot hatten (vergessen ein Seeventil zu schließen), da bin ich mit der ganzen Sache zu nachlässig umgegangen und habe kaum mit Süßwasser nachgespült. Feuchtigkeit und Salz haben dann natürlich Party gefeiert und ich muss nun den ganzen „Partydreck“ wegräumen. Selbst Schuld, meldet sich da meine innere Stimme. Na was solls, Nobody is perfect. Dass der „Partydreck erheblich ist bekommen wir dann auch gleich zu spüren. Mit einer Spachtel hebe ich ca. 5mm dicke Rostplatten vom Boden ab. Danach gehe ich mit einem Maurerhammer ans Werk. Abwechselnd mit der Spitze und dann wieder mit dem flachen Teil hämmere ich auf den Schiffsboden ein, dass es nur so dröhnt.

rost_.JPG Rost
und-nichts-als-rost.JPGund nichts als Rost

Damit verfolge ich zwei Ziele. Erstens, dass der Rost abspringt und zweitens ob das Blech noch überall so dick ist, dass keine Gefahr besteht und der Rumpf irgendwo zu dünn wird oder womöglich schon durchgerostet ist. Aber wir haben Glück, denn trotz der dicken abgehobenen Rostplatten ist alles in Ordnung. Nun gehe ich mit Bohrmaschine und einer Aluminiumoxid-Schleifscheibe mit 16er Körnung, wie sie für die Profi-Winkelschleifer verwendet wird, ans Werk dass die Fetzen nur so fliegen.

und-dann-hau-ich-mit-dem-hammerchen-mein-schiffchen_.JPGund dann hau ich mit dem Hämmerchen mein Schiffchen…
rostplatten.JPGRostplatten

Im wahrsten Sinne des Wortes. Die Funken stieben und der restliche Rost, der noch auf dem Blech sitzt löst sich in einer Staubwolke auf. Der ganze Salon ist rot vom Roststaub. Meine Staubmaske ist nach kurzer Zeit so verdreckt dass ich kaum noch Luft bekomme und Annemarie mir den Filter wechselt. Aber auch das geht mal vorbei und nach etwa einer Stunde schleifen (die Schleifscheibe ist immer noch zu gebrauchen) bin ich dann so weit fertig. Wir warten eine halbe Stunde bis sich der Staub gelegt hat und versuchen mit Besen und Staubsauger dem Chaos auf den Leib zu rücken. Als wir das dann endlich geschafft haben (nur der Boden ist sauber, wie der Rest des Salons aussieht, darüber schweige ich mich lieber aus), geht Annemarie pinselschwingend an die ihr zugedachte Arbeit. Damit kann ich nichts anfangen. Alles was mit Farbe und streichen zu tun hat ist für mich die reine Marter. Überall Farbe, nur nicht dort wo sie hingehört, das meiste natürlich an den Händen. Ich hasse streichen. Und so bete ich jeden Abend: Gott erhalte meine Gesundheit und die Arbeitskraft meiner Frau. Gott hat sie erhalten, denn nach nicht all zu langer Zeit sind Boden inklusive Backskisten schon mal mit Rostgrund gestrichen. Fürs Erste soll es dann mal genug sein. Es ist schon spät und so nehmen wir mangels Sitzgelegenheit unser Abendessen das aus aufgewärmten Nudeln mit Tomatensoße vom Vortag besteht, im stehen ein. Danach verschwinden wir in die Kojen.
Der nächste Tag, ein Sonntag, geht der Spaß weiter. Annemarie streicht noch den Rest der gestern nicht mehr fertig wurde und ich fahre in die Stadt (hier ist Sonntag der Haupt-Einkaufstag)und besorge Farbe damit Annemarie damit den Endanstrich machen kann. Als ich nach einigen Stunden zurück komme, den Rucksack voller Einkäufe, nicht nur Farben, wir brauchen ja auch was zu Essen, ist der Boden schon so weit getrocknet, dass mit dem Endanstrich begonnen werden kann. Da die Bodenbretter nicht direkt auf dem Metall liegen können wir auch gleich, obwohl die Farbe noch nicht getrocknet ist, die Bodenbretter auflegen, die Backskisten zusammen schrauben und den Tisch wieder fest am Boden verankern. In der kommenden Nacht geht es mir dann nicht so gut. Die trocknende Farbe hält sich zwar was den Geruch angeht in Grenzen, der wäre auszuhalten aber die Ausdünstungen die die Luft im Raum verpesten sind grausam. Mit Kopfschmerzen verstopfter Nase und schlechtem Geschmack im Mund wache ich so gegen drei Uhr morgens auf. Ich reiße sämtlich Luken und Schotts auf, hole mir noch zusätzliche Decken und packe mich wieder hin. Die Decken sind auch wichtig, denn schließlich sinken die Temperaturen des Nachts im Moment so bis in die Gegend von 5°C und da wird es bei geöffneten „Türen und Toren“ dann etwas frisch.. Im Boot sind es trotzdem immer noch 15°C, aber immerhin. Da tun ein paar Decken ganz gut. Aber wenn ich da an früher denke als ich noch im Winter beim Bergsteigen in der ungeheizten Schutzhütte bei -20°C übernachtet habe… Man wird so richtig zum Weichei.

fertig-zur-grundierung.JPGfertig zur Grundierung
bilge.JPGBilge
endanstrich.JPGEndanstrich

Als nächstes kommt der Motorraum dran. Außer der Hauptmaschine muss ich alles im Motorraum befindliche ausbauen. Regale, fünf Batterien, Schraubstock, Generator usw. Das wird noch mal so richtig lustig. Aber, so wie es aussieht, nicht mehr in dieser Woche, denn nun ist es auch am Tag sehr kalt. Das Wasser hat ca. 10-12°C. Ebenso kalt ist auch der Schiffsrumpf. Bei dieser Kälte ist es nicht ratsam die Farbe auf das Metall zu streichen. Also werden wir uns eine „laue“ Woche gönnen und hoffen, dass es bald wieder wärmer wird.

5.06.2012

04. Juni 2012

Ich weiß im Moment bin sehr faul was das Schreiben anbelangt, dabei wäre eigentlich so viel geschehen seit dem letzten Bericht. Also wo fange ich an. Am besten eigentlich am Anfang :-).

Wir sitzen bei einer Freundin, die wir bereits vor einiger Zeit kennen gelernt haben. Wir sind dort zum Essen eingeladen. Eingeladen sind ebenfalls Freunde von Ihr und zwar Helma und Walter. Sie besitzen eine kleine Segelyacht welche hier in einem der Nachbar Clubs liegt. Er ist bereits in Pension und sie arbeitet als Journalistin beim Argentinischen Tagblatt das in deutscher Sprache erscheint. Natürlich fragt sie uns, sonst wäre sie auch keine Journalistin, ob sie mit uns ein Interview machen darf. Sie will einen Bericht bringen über das Leben an Bord. Der Abend ist schön, es ist warm und wir sitzen auf der Terrasse und es gibt viel zu erzählen. Es ist kein eigentliches Interview mit Fragen und Antworten so wie man es normal kennt. Nein, es ist einfach eine zwanglose Unterhaltung. Natürlich steht dabei Segeln im Vordergrund. Ziemlich spät am Abend verlassen wir unsere Gastgeberin und verabschieden uns. Helma verspricht uns, dass sie den Bericht die darauf folgende Woche in der Samstagsausgabe bringen wird. Oh je, genau am nächsten Tag wollen wir in aller Frühe aufbrechen und nach Colonia in Uruguay segeln. Leider haben wir keine Zeit mehr uns die Zeitung zu besorgen. Aber Chris unsere Freundin bringt uns noch rechtzeitig vor unserem Aufbruch die Zeitung (siehe Bild, zum vergrößern anklicken).

Wir segeln also ab in Richtung Uruguay und wie es uns dabei ergangen ist siehe Bericht vom 15.02 2012.

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 News

Ich sitze am Computer und rufe meine Mails ab. „Kennst Du einen Peter Kleiner“ (Name geändert) frage ich Annemarie, der hat eine Mail geschrieben“. „Ja, kenne ich“, kommt die Antwort zurück.“Das ist der Vater meines ersten Sohnes, warum was ist mit dem?“. Ich erzähle ihr, dass Peter geschrieben hat. Er kommt gerade aus Deutschland und kaufte sich in Buenos Aires am Flugplatz eine Zeitung. Er staunt nicht schlecht als er Annemaries Namen, der in dicken Lettern in der Überschrift steht, liest. Daraufhin hat er gleich geschrieben und bedauert, dass er keine Zeit hat, denn er muss die Fähre nach Colonia erreichen. So ein Zufall, denn dort sind wir bereits. Annemarie schreibt eine Mail zurück und wir machen ein Treffen in Colonia aus.

Zwei Tage später treffen wir uns. Peter, seine Frau, Annemarie und ich und verbringen einen schönen Nachmittag in Colonia. Für Annemarie war es der erste Kontakt seit vor über 20 Jahren dieser abbrach. Zufälle gehen oft seltsame Wege.

Apropos Zufälle. Annemarie hat hier in Uruguay Verwandtschaft, die sie nur vom Hörensagen kennt. Leider hat sie nichts anderes als nur eine Postfachadresse. Alle Recherchen im Internet bleiben erfolglos. In Colonia lernen wir einen deutschen Segler kennen, dem ich die Geschichte erzähle. Ach, meint er, er hat einen guten Freund in Monte Video, der sei Politiker und kenne daher Gott und die Welt. Den werde er gleich mal anrufen. Gesagt, getan. Er gibt mir von seinem Freund die Telefonnummer und Annemarie setzt sich mit ihm in Verbindung und teilt ihm mit was sie von Ihrer Verwandtschaft weiß und wie sie heißt. Ja natürlich den kenne ich, zwar nicht Heinz A. (alle Namen geändert)sondern Walter A.. Die Mail Adresse von Walter hat er gleich mitgeteilt und Walters Antwort lässt nicht lange auf sich warten. Ja Heinz ist ein Verwandter aber er habe keine Verbindung zu ihm, schickt allerdings die Mail Adresse der Tochter von Heinz. Eine Woche später kommt die Antwort. Ja, sie habe es ihrem Vater ausgerichtet und wenn es uns recht wäre könnten wir uns ja am Wochenende in Colonia treffen. Wir sagen zu und freuen uns schon auf die Zusammenkunft. Nicht nur Heinz kommt, sondern auch seine Frau, seine Schwester und der Schwager. Wir erfahren einiges unter anderem auch, dass sie einen landwirtschaftlichen Betrieb haben. Da klingelt es bei mir gleich, denn wir brauchen unbedingt neue und leistungsstarke Sonnenpaneele. Natürlich frage ich ihn gleich ob denn evtl. hier in Uruguay Sonnenpaneele für die Landwirtschaft subventioniert werden. Leider nein. Sonnenenergie wird nicht subventioniert sondern nur Windenergie. Aber meint der Schwager von Heinz, er kenne eine Firma in Monte Video die Sonnenpaneele Windräder und andere Dinge für die Landwirtschaft verkauft. Er wird für mich anrufen, sich über die Preise erkundigen und uns dann benachrichtigen. Am Montag, also bereits am nächsten Tag flattert eine Mail mit Angeboten ins Haus (Schiff). Ich kann es kaum glauben aber es ist wahr. Fast 50% billiger als in Deutschland. Und das beste dabei: die Dinger sind nach einer japanischen Lizenz in Uruguay gefertigt und haben außer CE, noch andere ausländische Zertifikate wie auch die Abnahme durch den deutschen TÜV! Also können wir uns sicher sein keinen billigen Schrott zu kaufen. Dazu noch einen elektronischen Regler mit allen möglichen Anzeigen wie Ladung und Entladung in Ampere Ladezustand der Batterien usw. Anzeigen für die ich normal ein teures Anzeigegerät kaufen müsste.

Vor einigen Tagen haben wir in Colonia deutsche MH´s (Motor Home Fahrer) aus Ulm kennen gelernt. Wir haben ihr MH besichtigt und sie unser Boot. Wir erzählen von Annemaries Verwandtschaft und wie wir sie gefunden haben und dass wir durch sie günstig an Sonnenpaneele kommen können. Dann frage ich ohne Umschweife ob sie mit uns, unter Übernahme sämtlicher Kosten natürlich, nach Monte Video fahren könnten um die Sonnenpaneele zu kaufen. Kein Problem, sie wollten eh nach Monte Video fahren. Das passt ja. Und nun macht sich das GPS mal wieder wirklich nützlich. Auf Anhieb finden wir die Firma. Sie ist mitten in der Stadt und ohne GPS wären wir vermutlich stundenlang umher geirrt. Das Einbahnstraßen-System ist wirklich für Unkundige sehr verwirrend. Mittags gehen wir in ein Lokal zum Essen. Ich muss sagen es war reichlich, gut und sehr preiswert. Wie eigentlich fast überall in Uruguay. Die Sonnenpaneele sind größer und schwerer als wir es uns vorgestellt haben. Sie werden von hinten in das Auto geschoben und liegen nun weich auf den Betten. So kommen wir am Abend zurück nach Colonia und verfrachten alles auf unser Boot. Laut Betriebsanleitung haben sie zusammen 200 Watt und bringen eine Tagesleistung von 70Ah. Das ist eine ordentliche Leistung. Anbauen werden wir sie allerdings erst wenn wir wieder in Argentinien sind.

Wir, das sind Annemarie, ich und Freunde, kommen gerade vom Einkaufen aus der Stadt zurück. Der Tag fing mit herrlichem Sonnenschein an. Als wir aber zur Mole kommen und freie Sicht auf den Rio de La Plata haben sehen wir eine schwarze Wolkenwand eine „Walze“ oder „Zigarre“ ziemlich schnell auf uns zu kommen. Das muss man gesehen haben. Blauer Himmel und wie mit dem Lineal gezogen eine pechschwarze dicke Walze die immer mehr den Himmel verdeckt. Wir eilen zu den Dingis um schnell zu unseren Booten zu kommen. Ich habe noch zehn leere Fünf Liter Flaschen im Dingi um sie mit Wasser zu füllen. Unser Freund Edgardo treibt zur Eile denn die Walze kommt immer näher. Da ich unbedingt die Flaschen noch füllen möchte fährt Annemarie mit ihm schon mal zum Boot. Ich bin fertig und fahre ebenfalls ab. Da kommt schon die erste Böe mit ziemlicher Wucht angesaust. Ich befinde mich gerade neben einer kleinen Segelyacht die sich in diesem Moment so auf die Seite legt, dass ich einen Haken schlage weil ich dachte der Mast schlägt gleich auf´s Wasser.

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57 Knoten

War natürlich nicht so aber trotzdem bin ich erschrocken. Ich komme am Boot an und es bläst bereits wie verrückt. Annemarie kommt mit Edgardo kurz vor mir an und klettert an Bord. Edgardo fährt zu seinem Boot. Als er aus dem Windschatten unseres Bootes kommt bläste es bereits so stark, dass er in wenigen Sekunden an die 20 – 30 Meter abgetrieben wird. Statt seinem Boot näher zu kommen entfernt er sich davon. Plötzlich eine Böe und es hebt ihn samt Boot mit Außenborder in die Höhe. Fast steht er senkrecht und droht nach hinten über zu kippen aber in diesem Moment lässt der Wind nach und er fällt nach vorne. „Edgardo komm sofort zurück“ rufe ich, denn ich sehe, dass er es niemals bis zu seinem Boot schafft. Gerade noch so schafft er es die paar Meter zu uns zurück zu kommen bevor der nächste Windstoß ihn wieder von unserem Boot weg treiben kann. Er macht sein Dingi hinter unserem fest als mit Wucht die nächste Böe über das Wasser fährt und sein Dingi samt Motor hoch hebt und es auf unserem Dingi landen lässt. Aber wichtig ist, dass Edgardo bei uns an Bord und in Sicherheit ist. Inzwischen hat der Sturm, es ist ein Pampero bereits 57 Knoten (105km/h)erreicht das ist immerhin Windstärke 12 (Orkan).

Der Pampero ist ein oft stürmischer Südwestwind in den argentinischen Pampas. Er bringt dabei kalte, trockene Luft aus Patagonien in die Pampas, nach Buenos Aires und bis nach Paraguay und Uruguay. Mit dem Pampero einher gehen häufig beträchtliche Niederschläge und Temperaturabfall (entnommen aus Wikipedia).

Es bläst noch über eine Stunde wie verrückt aber wir hängen sicher an der Boje. Es hört sich alles gefährlicher an wie es dann wirklich ist. Wir liegen nämlich ca. 100 Meter hinter der Hafenmole und trotz des starken Sturms kann sich auf diese kurze Distanz keine Welle aufbauen. Würden allerdings Boje oder Festmacher brechen dann wäre wirklich Panik angesagt. Eine gute Stunde später ist der Spuk vorbei, die schwarze Wand durchgezogen und das Blau des Himmels scheint schon wieder durch die Wolken.

Die Zeit in Uruguay ist vorbei und wir segeln zurück nach Argentinien (siehe Kurzbericht vom 10.04.2012)

Wir sind wieder im Yacht Club in Barlovento und wir machen uns so langsam daran am Schiff zu arbeiten. Als erstes nehmen wir uns die Toilette vor. Eine Toilettenpumpe, die uns seit dem ersten Tag als wir sie gekauft haben Ärger macht wird abgebaut und weg geschmissen. Es kommt so eines zum anderen und plötzlich ist die komplette Toilette entkernt, d.h. es ist nichts mehr da und nichts mehr drin außer dem nackten Raum. War nicht so vorgesehen, hat sich aber so ergeben. Vorteil: man hat jetzt überall leichten Zugang zu den Roststellen. Im Rumpf innen wurde zur Isolierung ein spezieller (PU) Schaum aufgebracht.

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Bilge vorher

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Bilge nachher

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Handlungsbedarf

Als wir damals 2008 den Wassereinbruch hatten wurde eben dieser Schaum vom Salzwasser durchdrungen. Dadurch hat sich natürlich einiger Rost unter dem Schaum gebildet der sich nun mithilfe einer Spachtel in einigen Millimeter dicken Platten ablöst. Es wird immer mehr und ich mache mir schon Sorgen es könnte diesbezüglich ernste Probleme geben. Von Freunden und Leuten die davon mehr verstehen als ich werde ich beruhigt. Das Blech ist vier Millimeter dick und ein Zentimeter Rost kostet einen Millimeter Blech. Also hat sich mein Blech dann nur um zehntel Millimeter „verdünnt“. Keine Probleme also. Nachdem ich den Rost so weit wie möglich abgeschliffen habe wird alles von Annemarie mit einem „Rostversiegeler“ gestrichen. Dieser wandelt den restlichen noch vorhandenen Rost in einen harten und von der Luft abgeschlossenen Untergrund um der dann mit Farbe bestrichen wird. Die Möbel wurden damals durch die Nässe natürlich auch in Mitleidenschaft gezogen und sind am unteren Rand schon ziemlich vergammelt. Wir besorgen uns in San Fernando Sperrholz um die kaputten Teile der Möbel zu erneuern. Leider bekommen wir nicht die Qualität an Holz die wir eigentlich wollten. Aber es muss auch so gehen. Ich lasse mir die Platten grob zuschneiden und besorge den Rest am Schiff, wie z,B, Türen ausschneiden anpassen schleifen usw. Annemarie schwingt den Pinsel und verwandelt die ausgeschnittenen Teile in schneeweiße „Schrankwände“. Während dieser Zeit mache ich mich daran die aufgeklebten Korkplatten von den Wänden zu reißen und schleife die losen darunter liegenden Farbteile ab. Es ist eine schmutzige und staubige Angelegenheit. Danach bringt Annemarie weiße Farbe in etlichen Lagen auf. So schön langsam nimmt alles wieder Form und Farbe an, vor allen Dingen nachdem die Möbel wieder eingebaut sind. Man will es nicht glauben aber was vorher so leicht zum ausbauen war macht nun Probleme beim einbauen und ich muss mich wundern wie und und wieso es vorher gepasst hat. Letztendlich bleibe ich Sieger und es ist alles wieder am richtigen Platz. Und nebenbei gesagt, es sieht sogar gut aus. Es ist alles schnell beschrieben und erzählt, jedoch nahm alles in allem so an die knapp drei Wochen in Anspruch.

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Reif fuer Rostbekaempfung 

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Inkognito

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fertig zum streichen

Von heute auf morgen ist es plötzlich kalt geworden und wir können vorerst keine weiteren arbeiten durchführen. Als nächstes kommt der Salon dran. Wir müssen die Backskisten ausleeren ebenfalls die Roststellen bekämpfen und neu streichen. Wenn wir den Innenraum streichen müssen wir Tag und Nacht lüften da wir ja auf dem Boot wohnen und bei im Moment fast null Grad in der Nacht wollen wir uns diesen Umstand ersparen. Es wird auch wieder wärmer. Der Wetterbericht sagt für nächste Woche bereits wieder 17° an.

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es wird wieder

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schon besser

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fertig

10.04.2012

10. April 2012

nur eine kurze Mitteilung. Wir haben am Sonntag Colonia verlassen und sind inzwischen wieder im Yacht Club Barlovento. Es war eine herrliche Überfahrt bei ca 20 kn Wind. Teilweise sind wir (Schmetterling) sechs Knoten gesegelt. Elektronische Karten sind die beste Erfindung der Weltgeschichte. Ohne die hätten wir bestimmt jede Menge Adrenalin ausgeschüttet ob wir wirklich an der richtigen Stelle sind, denn der Weg an dem genügend Wasser (bei Tiden Höchststand) ist, der ist sehr schmal. Und dann bei Dunkelheit, wir kamen gegen 19:30 an, ist selbst für alte Hasen kein Zuckerschlecken, schließlich muss man genau die Flusseinfahrt treffen. Zu viel daneben und man sitzt im Schlick, was zwar nicht unbedingt gefährlich ist aber bestimmt auch nicht gerade angenehm.

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Bild im Anhang von unserer Tour. Wie ihr sehen könnt sind wir fast identisch hin und zurück gefahren. Hin mit Motor (kein Wind) und zurück alles gesegelt (spitzenmässiger Wind um die 20 kn und aus der richtigen Richtung aus Osten also von hinten und dann halber Wind also von der rechten Seite). Die Tonnen mit gelber „Keule“ sind alles Schiffswracks. Sehr beruhigend:-)

7.03.2012

06. März 2012

Also unseren Plan den Rio Uruguay und den Rio Negro zu erkunden können wir schon mal aufgeben. Die Stopfbuchse (Abdichtung der Propellerwelle) ist wieder undicht und macht Wasser. Dieser Mangel muss auf jeden Fall behoben werden bevor man eine längere Motorfahrt macht. Aber so einfach wie es sich anhört ist es leider in der derzeitigen Situation nicht zu machen. Hier in Colonia gibt es weder die Möglichkeit etwas zu reparieren, noch irgendwelche Ersatzteile jedweder Art zu bekommen. Von einer (speziellen) Stopfbuchse ganz zu schweigen. Die Möglichkeit das Boot aus dem Wasser zu heben ist ebenfalls nicht gegeben. Es bleibt also nur noch eins, nach Argentinien zurück zu segeln und die Arbeit dort durchzuführen. Nun ist es aber so, dass das Ersatzteil hier in Uruguay und auch in Argentinien nicht zu bekommen ist. Außerdem ist es zu teuer dieses Teil aus Deutschland einfliegen zu lassen. Von den Umständen alles aus dem Zoll zu bekommen ganz zu schweigen. Wenn überhaupt, dann kann man das Paket nur nach Uruguay schicken, sollte allerdings um mit der Behörde alles zu regeln dafür einen Agenten beauftragen, der ebenfalls $ 200 kassiert. Was also tun? Konsumverweigerer spielen? Damit alleine kommen wir nicht weiter.
Nach einem Gespräch mit unseren Freunden von der Scorpio, die wir in Piriapolis kennen gelernt haben und die ebenfalls hier im Hafen liegen, sieht die Welt schon wieder etwas besser aus. Franz erklärt mir ein System um die Welle abzudichten, die mir sehr gut gefällt. Er macht mir eine technische Zeichnung mit der ich bei einem Dreher dieses Teil bauen lassen kann .Ich muss es dann nur noch einbauen. Obwohl es angefertigt werden muss kommt es preisgünstiger als wenn ich einen Zubehör oder Versandhandel bemühen würde.
Ich will versuchen dieses System etwas zu erläutern, vielleicht ist es für technisch interessierte oder Segler die das gleiche oder ein ähnliches Problem haben von Interesse. (Langzeit) Segler sind eigentlich immer für neue und solche Ideen die preiswert und gut sind zu haben.

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Als erstes sollte man sich einen dicken und festen Schlauch mit dem Durchmesser des Stevenrohrs besorgen, so wie schwere Schlauchschellen.In diesen Schlauch wird eine vom Dreher gefertigte „Hülse“ geschoben in der drei Simmeringe sind, die das Wasser hindern einzudringen und das Fett oder Öl im Inneren der „Hülse halten. Das ist zwar eine laienhafte Erklärung aber ich denke, dass technisch etwas versierte den Rest aus der Zeichnung lesen können.

Für uns sieht es so aus, dass wir bis April noch hier bleiben. Wir wollen noch einiges erledigen, wie z.B. eine Waschmaschine kaufen. Das haben wir inzwischen getan und sie auch bereits ausprobiert. Wirklich ein tolles Teil. Sie ist leicht, was für uns wichtig ist, da sie keinen festen Platz im Schiff hat. Sie wiegt leichte 14kg und ist somit leicht vom Cockpit, wo gewaschen wird, ins Vorschiff, wo sie verstaut wird, zu transportieren.
bettwasche.JPG
Das Fassungsvermögen liegt bei immerhin 4kg Trockenwäsche. Nach dem Waschgang von 15 Minuten kommt die Wäsche in die integrierte Schleuder und wird dort fünf Minuten gespült und geschleudert. Es ist phantastisch, denn nach insgesamt 20 Minuten ist die Wäsche komplett fertig. Die Maschine schafft nicht nur Leibwäsche, sondern auch Bettwäsche. Dazu ist noch zu sagen, dass, ob in Brasilien, Uruguay oder Argentinien, nur kalt gewaschen wird. Die Waschmittel sind so gut, dass sich eine Warmwäsche erübrigt. Will man trotzdem warm oder heiß (bis 60°C) waschen, dann füllt man die Maschine eben mit heißem Wasser auf. Wasser braucht jetzt nicht mehr aus Flaschen von Hand in die Maschine gefüllt werden. Das geht nun „halbautomatisch“. Ein Eimer, dem ich einen Hahn und einen Schlauch mit Gardena Anschluss verpasst habe und uns auch gleichzeitig als Cockpitdusche dient, übernimmt die Wasserversorgung.

die-maschine-wird-befullt.JPGdie-waschmaschine.JPGhalbautomatischer-wasserzulauf.JPG

Für uns (Segler) ist wichtig, dass unsere Geräte wenig Strom verbrauchen. Dieses Gerät braucht zum waschen 180 Watt und zum Schleudern 100 Watt. Wenn das nicht ökonomisch ist. Ich könnte die Maschine über meine Bordbatterien und den Wechselrichter betreiben. Tun wir aber nicht, denn unser kleiner 220 Volt Knatterton will ja auch beschäftigt werden.

Trotzdem brauchen wir mehr Strom und dieser soll aus der Natur kommen, sprich Solarmodul. Wir werden uns wohl zwei davon mit je 80 Watt (fast 7 A, also 2×7 gleich 14 A) zulegen. Die alten Module haben ausgedient, sie bringen nichts mehr. Wir waren erstaunt und überrascht über den Preis. 50%!! billiger als in Deutschland und noch dazu mit monokristallinen Solarzellen. Das kann man sich nicht entgehen lassen.

16.02.2012

Fassungslos

Langzeitsegeln
Segeln kann so schön sein. Sonne, weißer Strand, auf einer Insel ganz alleine, blaues Wasser auf dem Meer, grünes Wasser in der Lagune und natürlich einsamer weißer Korallensand so weit das Auge reicht. Ein Leben wie im Bilderbuch. Ein Leben im Paradies.
Dies ist Klischee, wie es aber im „wirklichen“ Leben aussehen kann das beschreibt folgender Bericht, der mir von Rene´und Viola von der Segelyacht Svenya zugeschickt wurde. Nachfolgend der Bericht im Original.

„Trauma“
11. September – Ende 2011

Ribeira

1.jpg
In der kleinen Piermarina, acht Kilometer vom Zentrum von Salvador de Bahia entfernt, habe ich mich Mitte September mit dem Rest der Crew, Sina + Piria, eingerichtet. In dieser Marina wird jede Crew mit einem exotischen Fruchtsaft willkommen geheissen. Eine noble Geste die einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Hier wartete ich die Rückkehr von Viola und die Ankunft von Benno ab. Die Zeit habe ich genutzt um einige Wartungsarbeiten auszuführen und meine Zahnentzündung zu kurieren.
Benno ist ein Seglerkollege aus Möhlin der den Bau der „SVENYA“ in der Endphase begleitet hat. Er wollte mit uns nach Fortaleza segeln.

Nachdem Mitte Oktober unsere Crew mit unserem Gast Benno vollständig war folgte die erste Überraschung. Viola wollte an einem Bankomat Geld beziehen. Bei der ersten Bank waren zwei Versuche erfolglos. Eine Viertelstunde später bei der nächsten Bank kam die Meldung: Karte gesperrt! Noch gleichentags konsultierte ich via Internet mein Bankkonto. 2.jpgWelch ein Schreck: Mein Konto wurde gleichentags in 18 Transaktionen um beinahe 10`000 sFr geplündert. Bei einem sofortigen Anruf der Kartengesellschaft wurde mir eröffnet: Ihre Karte wurde von Kriminellen profimässig kopiert! Dies obwohl die fraglichen bankinternen Bankomaten 24 Stunden bewacht werden und wir die Karte nie aus der Hand gaben. Kurz was folgte: Bangen um das Geld, Polizeirapport, Schadenrapport, diverse Telefone und Mails mit der Bank und suchen nach einer zuverlässigen Adresse für die Zustellung der neuen Karte. Nach einer Woche der Ungewissheit die erleichterte Meldung: Unser Geld ist nicht verloren.

Am 27. Oktober war es dann endlich so weit und wir konnten zusammen mit Benno Ribeira verlassen, nicht ohne eine Visitenkarte unseres Besuches zu hinterlassen. Jede Yacht hinterlässt eine mehr oder weniger phantasievolle Zeichnung. Bei dieser Gelegenheit haben wir die gestalterischen und zeichnerischen Fähigkeiten von Benno kennen gelernt (siehe oben).3.jpg Auch die Marina hatte uns ein nicht willkommenes Geschenk. Unser Unterwasser hatte in den fünf Wochen einen Pelz von sage und schreibe drei Zentimeter angesetzt. Deshalb versetzten wir uns in saubere Gewässer nach Itaparica um diesen unerwünschten Bremsklotz zu entfernen.

So haben wir es uns nicht vorgestellt

Am 1.11. war es so weit und wir setzten unter guten Voraussetzungen Segel um unsere Reise Richtung Norden fortzusetzen. Wind aus OSO und Wellen aus derselben Richtung kündigten eine angenehme und gute Fahrt an. In den späten Abendstunden hatten wir bereits 70 Seemeilen zurückgelegt und die Bordroutine pendelte sich ein. 4.jpgKurz vor Mitternacht lief die „SVENYA“ aus dem Kurs und ich wollte mit der Stirnlampe bewaffnet die Selbststeueranlage kontrollieren.

Zwischenbemerkung
Ich habe mir lange überlegt ob ich die Ereignisse der nachfolgenden elf Tage in den Reisebericht aufnehmen soll. Sie sind derart dramatisch und könnten aus einem überzeichneten Drehbuch stammen. Wenn ich es trotzdem mache, will ich zeigen die Realität sieht manchmal anders aus. Langzeitsegeln bedeutet nicht immer Sonnenschein und kühle Drinks unter Palmen am weissen Sandstrand!

Auf dem Achterdeck konnte ich im ersten Moment nichts Anormales feststellen. Plötzlich bekam ich einen Schlag auf den Kopf. Nach einem kurzen Moment der Benommenheit sah ich viel Blut auf meinem T-shirt und dem Deck unter mir. Zudem konnte ich nur noch lallend den inzwischen von Viola alarmierten Benno um Hilfe bitten. Auf allen Vieren kroch ich unter seiner Mithilfe ins Cockpit zurück. Erbrechen und starker Blutverlust waren die äusseren Anzeichen einer Kopfverletzung. Nun mussten die Beiden das Kommando übernehmen und über den nächst möglich anzulaufenden Hafen entscheiden. In Anbetracht der Wetterlage bot sich nur das 200 Seemeilen entfernte Maceio an. Die Beiden befanden sich in einer sehr ungemütlichen Lage. Glücklicherweise handelten sie ruhig und besonnen. Unter meiner spärlichen Mithilfe erreichten wir nach 60 Stunden am 4.11. morgens um neun Uhr den Hafen von Marceio. Inzwischen war mein Kopf blutverkrustet, die rechte Gesichtshälfte blutunterlaufen und das rechte Auge zugeschwollen und somit unbrauchbar. Westlich des Industriehafens übernahm ich das Ankermanöver was sich später als folgenschwere Fehlleistung erweisen sollte. Im anschliessend aufgesuchten Spital stellte man anhand eines Computertomogramms einen Schädelbruch fest der einen dringenden Eingriff erforderte. Der zugezogene Traumatologe konnte die Umstände kaum glauben. Seiner Ansicht sei ein solcher Vorfall mit nicht rechtzeitiger ärztlicher Versorgung tödlich. Viola und Benno machte er für ihr Verhalten grosse Komplimente. Die Operation wurde für drei Uhr nachmittags angesetzt. Was nun folgte kann man kaum nachvollziehen. Die Spitalleitung errechte die Kosten: 94`000 RS (entspricht 47`000 sFr, oder 39`000 Euro) für Operation und Spitalaufenthalt. Nun begann ein Feilschen zwischen der Krankenkasse, der Spitalleitung und Viola das sieben Tage dauern sollte!!!!! Viola war oft am verzweifeln. Die erste Nacht verhandelte sie bis 22.00 Uhr ehe sie entkräftet neben mir auf einem Sessel einschlief. Benno konnten wir nicht erreichen und mussten ihn im Ungewissen lassen. Hätte ich gewusst was sich draussen abspielt, hätte man mich trotz Verletzung nicht halten können und ich wäre auf die „SVENYA“ geeilt. Während sieben Tagen lag ich unter misslichen Umständen in der Notaufnahme im Ungewissen, denn von Tag zu Tag wurden angesetzte Operationstermine verschoben und ab dem dritten Tag musste ich mir stückweise Horrormeldungen betreffend der „SVENYA“ anhören. Viola und Benno wollten mich in meinem kritischen Zustand nicht zu sehr belasten und erzählten mir nur scheibenweise von den Vorkommnissen nach meiner Spitaleinweisung.

Strandung

In der Nacht nach meiner Einlieferung kam Sturm aus Südost mit starkem Wellengang auf. Die „SVENYA“ ging auf Drift Richtung Strand. Ein Horrorszenario für jeden Skipper. 5.jpgMorgens um 03.00 Uhr strandete sie definitiv ohne dass Benno der sich noch an Bord befand etwas unternehmen konnte. Zu diesem Zeitpunkt verlangte die anwesende Küstenwache Benno solle aus Sicherheitsgründen das Schiff verlassen und sich in ein Hotel begeben das er aus Sorgen um die „SVENYA“ nach drei Stunden wieder verliess. Während diesen drei Stunden wurde die Küsten-wache ihrer Aufgabe nicht gerecht. Standräuber suchten das Schiff heim und raubten diverse Sachen. Die Bezeichnung Küstenschläfer statt Küstenwache wäre im vorliegenden Fall angebrachter!
Nun hatten wir nicht nur Schäden unbekannten Ausmasses sondern mussten auch noch den Verlust wichtiger Gegenstände beklagen.

Nach der Bergung kam die „SVENYA“ an eine Boje des Motor- und Segelboot Clubs Marceio. Das Clubgelände lag zwischen zwei Favelas und das Wasser in dieser Bucht eine stinkende schwarze Brühe. Anlanden mit dem Dingi war nur möglich beim Club und da musste das Dingi sofort hinter die Umzäunung gebracht werden, denn die Langfingerzunft beobachtete jeden unserer Schritte und war jederzeit bereit dein Eigentum auf Nimmerwiedersehen verschwinden zu lassen. Dies war der erste Ort wo wir mit diesem Problem konfrontiert wurden. Im Club wurden wir herzlich aufgenommen und man liess uns jegliche Hilfe angedeihen.

Am 8.11. um neun Uhr brannte mir die Sicherung durch. Ich fühlte mich wie ein Gefangener ohne Anklage, vom Anwalt verlassen und von der Gesellschaft vergessen. Seit vier Tagen lag ich auf einem steinharten Bett, konnte nicht schlafen, musste mir das Stöhnen ständig neuer Notfallpatienten anhören und hatte das Sonnenlicht nicht eine Sekunde gesehen. Ich nahm meine kleine Tasche, mehr hatte ich nicht, und begab mich auf die Suche nach dem Spitaldirektor. Das Spital gleicht einem Irrgarten. Nach langem Suchen stand ich vor ihm und versuchte in meinem holprigen Portugiesisch zu erklären warum ich nun auf mein Schiff gehe. Er verstand nichts, nahm vermutlich an einen Irren mit einem ihm vertrauten Turban auf dem Kopf vor sich zu haben. Er verlangte meinen Namen und begann zu telefonieren. Nach wenigen Minuten traten zwei hübsche Brasilianerinnen ins Büro, erklärten mir in einem guten Englisch sie seien Dolmetscherinnen und wollen mir helfen. Nachdem mein Problem dem Direktor übersetzt wurde setzte er eine verständnisvolle Mine auf und begann in väterlicher Art auf mich einzureden. Ich solle Ruhe bewahren, alles werde gut und es sei nur noch eine Frage von wenigen Stunden bis alles geklärt sei. Was konnte ich anderes tun, noch war kein Flick auf dem Loch in meinem Dach?

Aus den wenigen wurden 72 Stunden. Am 11.11. in der Früh endlich die erlösende Nachricht die Operation sei definitiv auf abends 18.00 Uhr angesetzt. Die Krankenkasse blieb in ihrer Kostenzusage hart und die Spitalleitung wie auch der Chirurg machten Abstriche. Als Laie kann ich nicht beurteilen was richtig war. Tatsache war, der Chirurg wollte aus welchen Motiven auch immer diese Operation durchführen. Nach drei Tagen Intensiv- und vier Tagen Pflegestation konnte ich das Spital mit einem reparierten Dach verlassen. Der Chirurg machte von den verschiedenen Stadien der Operation Bilder des offenen Schädels für sein Poesiealbum. Um niemanden zu erschrecken trug ich fortan ein Laudakäppi mit dem Unterschied keinen Heller dafür zu bekommen.

Auf dem Schiff zurückgekehrt musste ich feststellen unter welch schlechten Bedingungen Viola und Benno die letzten zwei Wochen verbringen mussten. Auf dem Schiff funktionierte nichts mehr. Die Stromversorgung war ausgefallen, somit hatten die Beiden weder Licht noch Wasser noch konnten sie kochen. Ein Segler des lokalen Clubs bescheidene Malzeiten herrichten konnten. Weiter musste ich zur Kenntnis nehmen, dass ein erster Bergungsversuch durch Fischer ausser grossen Kosten nichts brachte. 6.jpgErst der Einsatz eines Pilotbootes des Industriehafens konnte am Folgetag unser Schiff in tiefere Gewässer ziehen und an einer Boje festmachen. Und dies kostenlos! Dieser Einsatz wurde landesweit im Fernsehen ausgestrahlt und die Arbeit der Lotsen in höchsten Tönen gelobt. Treibende Kraft war Mister Rodrigez, so wollte er angesprochen werden. Ein herzensguter Mensch der viel für uns tat. Mich wollte er nur mit Captain ansprechen.

Weiter musste ich den Totalverlust unseres Dingis mit Motor, Navigationsmittel und zwei Computer mit den Navigationsprogrammen verdauen. Nicht zu vergessen die Sachen die gestohlen wurden und zum Teil nicht mehr beschafft werden können. Ich war am Boden zerstört. Kann man so viel Pech auf ein Mal haben? Womit habe ich das verdient? Wären Viola, Benno, Sina und Piria nicht gewesen, ich hätte den ganzen Bettel hingeworfen! Ich hatte keine Kraft mehr und war vollkommen demotiviert.

Obwohl ich nach der Operation sehr schwach war musste ich mich an die Arbeit machen. Als Erstes erstellte ich zusammen mit Benno eine Schadens- und Verlustliste. Es war niederschmetternd und zum Heulen. Als Nächstes erstellte ich Provisorien um wieder Licht und fliessendes Wasser in die Bude zu bekommen und Kochen wieder möglich wurde. Dann Erstellung einer Materialliste um das Schiff wieder fahrtüchtig zu machen. Marceio ist Provinz und nichts von dem was ich benötigte konnte da beschafft werden. Salvador war der nächst mögliche Ort um maritimes Material zu beschaffen. Ich war unter Druck, zwei Tage nach der Spitalentlassung war ein Flug nach Salvador gebucht um meinen Zahnarzttermin einzuhalten, die Maestroersatzkarte abzuholen damit wir wieder zu Geld kamen und der Einkauf des dringend benötigten Materials.

Während meiner Abwesenheit leistete Benno Viola Gesellschaft und am 27.11. war sein Brasilienabenteuer beendet und er kehrte wieder auf sicheren Schweizerboden zurück. Lieber Benno, herzlichen Dank für all was Du für uns getan hast und vor allem deine Geduld und das Verständnis. Ich werde mich bemühen zumindest einen Teil in irgendeiner Form zurückzugeben.

Nach Bennos Abreise und meiner Rückkehr weilten wir noch zwei Wochen in Maceio um die „SVENYA“ segeltüchtig zu machen. Während dieser Zeit stiessen das nette Schweizersegelpaar Christa und Marcel mit der „Deception“ zu uns.

Die Beiden haben wir auf Itaparica kennen gelernt wie bei uns die Welt noch in Ordnung war. Sie haben uns nach unserem Desaster mit Rat und Tat geholfen und uns eine seriöse Winschkurbel sowie ein Fernglas ausgeliehen. Da ihr Ziel Trinidad ist werden die beiden Teile bald wieder am anstammten Platz verstaut werden können. Herzlichen Dank für die Hilfe.7.jpg

Die Frage die sich jedermann und ich auch mir stelle: Was war die Ursache? Ich habe es versucht zu rekonstruieren ohne eine endgültige Antwort zu finden. Entweder war es der Besanbaum oder das Gegengewicht der Selbststeueranlage. Ich „grüble“ nicht weiter. Tempi passati.

Welches sind die Folgen meines Unfalls? Die anfänglich hässliche Narbe ist kaum mehr zu sehen und wird von meinem Pelz verdeckt. Das Laudakäppi brauche ich nicht mehr. Die Sprechprobleme sind etwas geringer. Ob sie gänzlich verschwinden kann niemand voraussagen. Selbst bei geringen Anstrengungen werde ich seither sehr müde. Ein sehr störendes Problem sind die beiden Knies. Sie sind kraftlos und schmerzen ständig. Vielleicht ändert sich da auch noch etwas zum Positiven.

Sonntag den 19. Dezember haben „Deception“ und wir Anker gelichtet und das 200 Seemeilen entfernte Jacare (bei Joao Bessoa) angesteuert. Position: 07˚ 02.154S 034˚ 51.34N. Es war eine wunderbare Fahrt mit mässigem Passatwind und ohne nennenswerten Zwischenfall. Hier feierten wir bei 33 Grad das Weihnachtsfest und nahmen via Internet Kontakt mit unseren Lieben zu Hause auf. Nebenbei beschäftigen uns nach wie vor die Mängel und Schäden am Schiff.8.jpg

Anfangs Januar werden wir wieder in See stechen um das 1400 Seemeilen entfernte Französisch Guayana anzusteuern. Wer weiss, vielleicht lassen sie zu unserer Begrüssung eine Rakete steigen. Bis April sollten wir es schaffen Trinidad zu erreichen.

Wir wünschen Euch einen guten Rutsch ins neue Jahr. Gesundheit und Zufriedenheit mögen Eure treuen Begleiter in den nächsten zwölf Monaten sein.

Liebe Grüsse

René (Sven), Viola, Sina + Piria


Jacare, 30.12.2011

15.02.2012

Colonia – Uruguay

Colonia Uruguay 14.02.2012
Sonntag der 4. Februar 2012 morgens 5:30. Annemarie und ich erledigen die letzten Arbeiten um das Boot seeklar zu machen. Um 06:00 Uhr ist Hochwasser und da wollen wir raus aus Barlovento und in Richtung Colonia in Uruguay segeln. Es ist nicht besonders weit, nur 65 km. Warum ich die Entfernung in km angebe und nicht in Meilen? Ganz einfach, wir segeln auf dem La Plata und das ist ein Fluss. Auf Flüssen wird die Entfernung mit km angegeben. So weit so gut. Nun eine kleine (subjektive) Wetterkunde. Der Sommer ist in Südamerika die Regenzeit. Trotzdem hat es hier im Süden zumindest in diesem Jahr sehr wenig, zu wenig, geregnet. Hunderte von Kühen sind bereits auf den Weiden verdurstet. Es ist ein schlechtes Jahr für die Landwirtschaft. Ich will nicht zu weit abschweifen. Also, trotz Regenzeit regnet es sehr wenig. Wochenlang scheint schon die Sonne, unterbrochen von kurzen Regenschauern so ein bis zweimal die Woche. Aber ausgerechnet heute wo wir nach Colonia segeln wollen regnet es. So was nennt man Schicksal. Vor allem dann, wenn man den ganzen Weg am Ruder stehen muss. Aber es ist nicht so schlimm wir sind im Cockpit relativ gut geschützt.
Die flachen Stellen, bei denen wir bei der Hinfahrt nach Barlovento gebibbert haben, da das Echolot dauernd auf Null stand, sind diesmal sehr entspannend, da wir so viel Hochwasser haben dass es nie weniger als 30 cm unter dem Kiel sind. Eigentlich verläuft die ganze Fahrt ziemlich ereignislos bis auf einen Umstand, dass die Zugleine der Genua-Rollanlage von der Rolle springt und sich darunter hoffnungslos verklemmt. Kopfüber hänge ich an der äußersten Spitze des Bugspriets, wie ein Liebhaber an seiner Angebeteten – oben klammern, unten fummeln- und versuche die verklemmte Leine zu lösen. Über eine Stunde. Dann greife ich zu drastischen Mitteln. Ich besorge mir ein Messer und schwupps, das Problem ist gelöst, eine neue Leine schnell wieder eingezogen. Klatschnass, denn es hat die ganze Zeit genieselt, verziehe ich mich unter Deck und ziehe mich um. Die Stunde kopfüber und die auf und ab Bewegungen von jedes mal 1,5 -2 Metern bleiben nicht ohne Folgen und ich opfere Neptun. Egal, war eh bloß das Frühstücksmüsli. Soll er es haben.
Am frühen Nachmittag erreichen wir Colonia und legen uns vor Anker. Ach ja, bevor ich es vergesse. Die Wolken sind sehr dünn geworden und die Sonne kommt wieder raus während wir noch Ankermanöver fahren.
Drei Tage später. Wir sitzen, es ist schon lange dunkel, im Cockpit und beobachten das Wetterleuchten am Horizont. Blitze zucken fast im Sekundentakt. Man hört keinen Donner, dafür ist alles zu weit weg. Allerdings baut sich eine dicke schwarze Wolkenwand am Horizont auf, die man trotz der Dunkelheit erkennen kann. Langsam wird die Luft kühler, den ersten Donner kann man schon hören. Es dauert nicht mehr lange, ein Windstoß und sogleich fängt es an zu regnen und das Gewitter tobt sich aus. Die Windböen erreichen 30 Knoten (55-60 km/h) und das Boot wird durchgerüttelt. Alles nicht schlimm aber nach so langer Liegezeit in der Marina doch wieder etwas gewöhnungsbedürftig. Aber gelobt sei was hart macht. Das Gewitter ist nach etwa 2 Stunden vorbei aber der Wind bleibt die ganze Nacht. Das Boot schaukelt und reißt an der Ankerkette. Der Schlaf ist etwas unruhig, denn ein Ohr ist immer an Deck. Einige male stehe ich während der Nacht auf und prüfe anhand der Lichter an Land ob wir noch an der gleichen Stelle liegen. Kein Problem, der Anker hält.
Am nächsten Tag, im Laufe des Vormittags, der Wind hat etwas nachgelassen, es weht nur noch so mit 20 Knoten, bemerken wir, dass wir slippen. Verdammt was ist los? Wieso hält der Anker nicht mehr obwohl der Wind erheblich leichter geworden ist? Sogleich den Motor angeworfen und so schnell wie möglich den Anker hoch geholt. Inzwischen sind wir schon so weit in Richtung Land getrieben, dass wir Bodenberührung haben. Eine Boje die direkt neben uns liegt wird eingefangen und ein Festmacher durchgezogen, so dass wir nicht weiter abtreiben können. Annemarie ist am Ruder und sie gibt Vollgas, der Dreck wirbelt auf aber wir kommen, obwohl gegen den Wind, wieder frei. Ich löse den Festmacher von der „Notboje“ und Annemarie steuert eine der zahlreichen Bojen im tieferen Wasser an um daran fest zu machen. Obwohl Annemarie die Boje zielgenau ansteuert, erwische ich den Ring an der Boje nicht um den Festmacher einzufädeln. Endlich, nach dem dritten Versuch klappt es. Da das Boot aber noch etwas Fahrt hat muss ich den Festmacher ziemlich lang auslegen. Der Erfolg dabei ist, dass sich unsere Lady quer zum Wind legt und die Boje gegen den Rumpf knallt und uns einige Schrammen an der Lackierung verpasst. Wir müssen unbedingt die Boje so nah an das Boot holen, dass sie am Bug und nicht auf der Seite am Schiff zu liegen kommt. Der Versuch mit „Manneskraft“ das Boot zu bewegen scheitert kläglich, da der Winddruck zu groß ist. Riesig wird des Menschen Kraft, wenn er mit Verlängrung schafft. Und zwar in Form einer Winde. Wir legen den Festmacher um die Mastwinsch und drehen damit unser Boot in die richtige Richtung. Mit zwei Festmachern festgemacht und einen dritten als Sicherheit liegen wir an der Boje. Der Sieg ist unser.
Das ganze Manöver ist ruhig und ohne Hektik abgelaufen. Annemarie und ich sind in der Zwischenzeit schon so gut eingespielt, dass dabei weder zu großer Stress aufkommt noch zu viel Adrenalin ausgeschüttet wird. In unserer Anfangszeit hätten wir ein erheblich größeres Problem damit gehabt. Man wird eben älter und abgeklärter:-).
Eigentlich wollten wir den Rio Uruguay hoch segeln und von dort in den Rio Negro. Wollten. Wie so oft kommt es mal wieder anders als gedacht. Meine Bilge ist voll Wasser und das muss einen Grund haben. Hat es auch. Die Stopfbuchse, die die Propellerwelle gegen eindringendes Wasser abdichten soll leckt. Also ist „Action“ angesagt. Das Schiff muss aus dem Wasser, die Welle ausgebaut und neu abgedichtet werden. Die Angelegenheit ist nicht billig, kostet das bei mir eingebaute System in Deutschland schon ca. 300 € und ist außerdem in Südamerika nicht zu bekommen. Bis das von Deutschland kommt, die Fracht und der Zoll bezahlt sind schlagen gut 500 € zu Buche. Ganz zu schweigen was Kranen und Landliegeplatz kosten. Also spielen wir eben „Konsumverweigerer“ und bauen uns eine Wellenabdichtung selbst. Franz von der Scorpio, der ebenfalls hier in Colonia ist und den wir damals in Piriapolis kennen gelernt haben, hat mir eine Zeichnung gemacht, wie man eine Wellenabdichtung selbst konstruiert. Ohne „Ablaufdatum“ oder „Sollbruchstellen“ wie in den kommerziellen Dichtungen. Sollte bei diesem System wirklich mal was undicht werden, so müssen nur zwei Simmerringe gewechselt werden und nicht gleich das ganze drum herum.
Da wir hier an der Boje liegen haben wir weder Wasser noch Strom von Land. Wasser haben wir genug gebunkert aber Strom, den müssen wir uns selber „machen“. Dafür haben wir einen Generator um die Batterien zu laden. Nach ungefähr einjähriger Standzeit, wir hatten ja immer Landstrom, muss unser Knatterton wieder arbeiten. Ich drücke auf den Startknopf und sofort springt er an, läuft etwa zehn Sekunden und gibt die Arbeit auf. Was ist nun schon wieder los? Schnell die Leitung an der Einspritzpumpe aufgeschraubt, den Motor durchdrehen lassen und schon weiß ich was los ist. Es kommt kein Tropfen Diesel aus der Leitung. Da in Brasilien eine neue Einspritzpumpe eingebaut wurde, kann diese wohl kaum defekt sein, vielmehr vermute ich, dass sich nach der langen Standzeit Dreck vom Diesel in der Pumpe abgesetzt hat und deshalb diese verstopft ist. Da muss ich wohl den Generator bzw. dessen Motor ausbauen und zu einer Fachwerkstatt bringen, die sich mit Einspritzpumpen auskennt. Der letzte Versuch die Pumpe selbst zu reparieren endete mit einer neuen Einspritzpumpe. Das muss nicht sein.
Hier in Uruguay bzw. Colonia gibt es keine Möglichkeit diese Reparaturen durchzuführen. Also werden wir wohl in nicht all zu langer Zeit wieder zurück nach Argentinien segeln. Für Abwechslung und reichlich Arbeit ist gesorgt.

13.01.2012

13. Januar 2012

Wir haben November und sind nun schon zwei Monate in Deutschland. Es gibt nach so langer Abwesenheit doch einiges zu regeln. Wir haben beide neue Pässe beantragt, so dass jetzt von uns beiden jeder zwei hat, ganz offiziell natürlich. Mit der Begründung dass wir uns längere Zeit auf großer Fahrt befinden werden und in dem einen oder anderen Fall während unseres Aufenthaltes der Pass ein behalten wird und wir uns im Ausland nicht ohne Ausweise bewegen wollen. Hat geklappt. Aber nicht nur Amtsgänge und andere Pflichten erledigen wir, sondern auch schöne Dinge. Eins davon ist eine Kanufahrt auf der Werra, in der Nähe von Eschwege, auf dem ehemaligen Grenzfluss zwischen Ost und West.

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Auf der Werra

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Schwanensee auf der Werra

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Werraufer

Nachdem ich dann wieder den Süden Deutschlands aufgesucht habe, habe ich nach vielen, vielen Jahren endlich mal wieder die Gelegenheit auf den Bergen rum zu kraxln. Nur ein bisschen kraxln, nicht klettern, denn dafür bin ich schon zu lange aus der Übung. Trotzdem macht es Spaß durch das Kaisergebirge zu wandern, den Friedenrath zu besuchen und den Brünnstein zu besteigen.

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Blick vom Brunnstein zum Kaisergebirge

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Blick vom Peterskopfl ins Inntal

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Fast am Ziel

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Gleich geschafft

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Kaisergebirge

Es ist Samstag. In 10.000 Meter Höhe bei einer Geschwindigkeit von im Moment 950 km/h suche ich mir gerade einen Action Film mit Sean Connery aus, der mir die 14 Std. Flug etwas verkürzen soll. Annemarie sitzt neben mir und schaut sich ihren Film bereits an, während ich noch am Menü herum fummle.
Nach einem nicht enden wollenden Flug kommen wir am nächsten Tag in Rio de Janeiro an, wo wir erst mal 4 Stunden Aufenthalt haben. Diese verbringen wir schlafend oder besser gesagt dösend im Transitgebäude des Flughafens bevor es weiter nach Buenos Aires geht, welches wir dann endlich am Sonntag Mittag erreichen. Nach einer 60 km langen Fahrt mit der Remise (ein Taxi, nur etwas preiswerter), sind wir dann endlich an unserem Schiff angelangt. So schnell wie möglich verstauen wir unsere Sachen und schon liegen wir im Bett um den verlorenen Schlaf nachzuholen. Erst am nächsten Tag (Montag) fühlen wir uns etwas erholter.
Von Victoria fahren wir mit dem Zug ein paar Stationen weiter nach Tigre. Wir müssen uns beim Zoll zurückmelden und um eine Genehmigung zur Verlängerung für den Aufenthalt unseres Schiffes ersuchen denn, diese läuft in 4 Tagen aus. Wir brauchen diese um noch unser nicht hundert prozentig funktionierendes Ruder zu reparieren. Als wir beim Zollbüro ankommen empfängt uns eine mürrisch drein blickende Dame und fragt nach unserem Anliegen. Wir bzw. ich versuche es ihr zu erklären. Wenn Annemarie etwas sagen will beachtet sie sie gar nicht und fordert mich auf zu reden. Sie stellt mir Fragen die ins private gehen und meiner Meinung nach mit der Sache nicht wirklich zu tun haben, wie z.B. warum wir nach Deutschland geflogen sind, warum wir so lange dort waren, was wir denn gemacht hätten usw. Geduldig stehe ich Rede und Antwort. Plötzlich fragt sie zu mich ob ich denn eine Genehmigung vorweisen könne zum verlassen des Landes bzw. um das Schiff alleine hier in Argentinien liegen lassen zu dürfen. Natürlich habe ich und zeige ihr das vom Zoll ausgestellte Dokument, welches ich mir vor dem Abflug noch geholt hatte. Ich glaube Enttäuschung in ihrem Gesicht zu sehen. Wie aus der Pistole geschossen kommt die Frage wer denn dieses Dokument ausgestellt hat. Weiß ich natürlich nicht, ich kenne doch nicht die Mitarbeiter dieses Büros. Also zeige ich auf die Unterschrift und sage dieser Herr war es. Damit gibt sie sich zufrieden. Als wir damals das Dokument für die Genehmigung das Boot alleine liegen lassen zu dürfen beantragten, fragten wir gleich nach einer Verlängerung, da wir ja nach unserer Rückkehr nur noch vier Tage Zeit haben das Land zu verlassen, sagte man uns damals es würde reichen wenn wir zurück kommen. Jetzt aber belehrt mich die „freundliche“ Dame, dass der Zeitpunkt bereits vor vier Wochen gewesen wäre. Ist doch prima. Besser kann´s doch gar nicht laufen. Langsam wird mir das Gequatsche doch zu blöd und ich beschließe dem ein Ende zu bereiten. Also sage ich zu ihr, wenn sie uns anweist das Land zu verlassen, dann werden wir es auch tun und innerhalb der nächsten drei Tage samt unserem Boot abreisen. Ich sage es ohne Emotionen und auch nicht mit einem gewissen Grimm in der Stimme, sondern ganz normal. Da schwenkt sie plötzlich um, wird richtig freundlich und meint: nein, natürlich brauche ich nicht mit dem defekten Ruder abfahren. Sie braucht von mir nur ein Schreiben des Clubs in dem wir sind, dass das Ruder auch wirklich defekt ist und dass das Boot aus dem Wasser muss. Also fahren wir wieder zurück zum Club, lassen uns vom Büro die Bestätigung ausstellen und gondeln wieder nach Tigre. Nun geht alles ziemlich schnell. Nach der Frage wie lange wir noch bleiben wollen(müssen) erkläre ich, dass zwei Monate reichen würden. Mit dem Dokument in der Tasche fahren wir zurück zum Schiff.

Heute ist es so weit. Unser Boot wird an Land gehoben. Nachdem aufgebockt und das Unterwasserschiff mit einem Hochdruckreiniger abgespritzt ist machen wir uns gleich an die Arbeit. Wir bauen das Ruder aus. Wir, das sind Annemarie ich und Udo von der La Boheme, dessen Frau Heidi ihm heute „frei“ gegeben hat, um zu helfen. Es dauert nicht lange, das Ruder ist ausgebaut und das Ruderlager an seinem vorbestimmten Platz. Am Abend sind wir fertig und alles funktioniert. Am zweiten Tag schleifen wir das Unterwasserschiff etwas ab, tragen Grundierung auf und dann wird das Antifouling erneuert. Morgen können wir dann schon wieder ins Wasser.

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Unsere Lady geht an Land

Wir sind wieder im Wasser und ich fahre zurück zum Liegeplatz. Den Motor lasse ich noch eine ganze Weile laufen, denn dieser war das letzte mal vor vier Monaten in Betrieb. Routinemäßig prüfe ich den Motor auf Dichtigkeit und stelle fest, dass ein Dieselfilter leckt. Das werde ich wohl beheben müssen. Das schlimmere aber ist, dass ich Wasser in der Bilge entdecke. Ich gehe der Sache auf den Grund und entdecke, dass die Wellenabdichtung leckt und zwar ziemlich heftig. Verdammt noch mal, das hat gerade noch gefehlt. Wenn ich Pech habe muss ich nochmal aus dem Wasser und die Welle abdichten. Problem ist nur, ich habe eine spezielle Wellenabdichtung die hier in Buenos Aires bestimmt nicht zu bekommen ist. Und wenn, dann vermutlich nur für horrendes Geld, kostet die in Deutschland schon über 300 €. Sogleich mache ich mich an die Arbeit. Und tatsächlich, nach etwa zwei Stunden bekomme ich sie wieder hin. Das Teil ist wieder dicht. Aber eine neue Dichtung muss ich auf alle Fälle als Ersatz besorgen.

Wie sieht es weiter aus? Wir werden Anfang Februar Argentinien für einige Zeit verlassen und nach Uruguay segeln. Dort möchten wir zusammen mit noch einem Boot den Rio Uruguay bis zum Rio Negro hochfahren, und einige Zeit bleiben um die Gegend etwas zu erkunden. Davon aber mehr, wenn es so weit ist.

Es gibt wieder neue Bilder. Entweder den folgenden Link kopieren und in die Befehlszeile setzen oder noch besser gleich rechte Seite am Blogrol auf „Neue Webalben der Out of Rosenheim“ klicken. Übrigens Sailinx, ebenfalls rechte Seite Blogroll, darf wieder besucht und abgestimmt werden :-). Ich sage schon mal Danke

Link zum Webalbum https://picasaweb.google.com/110953844027179763848

24.10.2011

In eigener Sache

Es lebe der Computer, falls alles funktioniert. Meine Festplatte ist geschrottet und alle Daten sind weg. Das hat folgende Konsequenzen: Es gibt eine neue E-Mail Adresse und ich kann Euch nicht mehr verständigen falls ein neuer Bericht erscheint. Der Ausweg ist, mir eine E-Mail mit Eurer Adresse zu schreiben. Dann, so verspreche ich Euch bekommt Ihr auch wieder Nachricht von mir.
Meine neue Adresse lautet: SY.Out-of-Rosenheim@web.de

13.09.2011

13.09.2011

Wir haben den Kontinent gewechselt und befinden uns in Europa, genauer gesagt in Deutschland wo wir bis Anfang Dezember bleiben werden. Dann wird es um so schöner, denn wir fliegen anschließend aus der europäischen Kälte in den südamerikanischen Hochsommer. Solange gibt es mit den Berichten eine Pause. Melde mich dann wieder aus Argentinien oder aus Uruguay, das steht noch nicht genau fest.
Haltet durch, ich weiß Ihr schafft es 🙂

Es grüßt Euch alle Kapitän Werner und Admiral Annemarie

Info aus erster Hand vom Seenotfall der Kalythea. Hier der Original Text. Ich
habe ihn ohne Veränderung übernommen:

 

Rückfahrt von Salvador da Bahia Brasilien nach den Kanarischen Inseln


Nach dem wir reichlich Lebensmittel gebunkert, in Itaparica noch mal Quellwasser in unsere leeren Wasserflaschen gefüllt hatten, starten wir von der Marina Pier Salvador die große Rücktour.

Erst noch einmal Mittag essen im Kilo-Restaurante der Marina, denn wegen der Tide mussten wir sowieso bis Mittag warten aber 14:00 können wir auslaufen.

Der Himmel sieht noch grau aus, wie meist in den letzten Wochen, denn es ist ja Regenzeit. Wir umrunden die Halbinsel Ribeira hinter der die Marina liegt und laufen unter Motor zum Centro Nautico Salvador, um an der schwimmenden Tankstelle unsere Tanks mit Diesel aufzufüllen. Anschließend suchen wir eine windgeschützte Stelle und setzen unsere Segel. Um 16:00 sind wir auf dem Weg nach Hause. Die Sonne scheint inzwischen und wir laufen mit 4-5 kt aus der Bahia in Richtung Atlantik. Die positive Wetterentwicklung nehmen wir für ein gutes Vorzeichen und freuen uns schon auf eine schöne Segelzeit und letztendlich auf zu Hause.

Laut Wetterbericht, der uns Südwind versprach, können wir nicht, wie geplant, nach nordost segeln, sondern nur, da der Wind nichts anderes zulässt, nach südost.

21:00 gehen wir schließlich auf Backbordbug und laufen in nördlicher Richtung. Es gelingt uns gerade an Salvador vorbei zu kommen, denn der Wind und der Current drückt uns immer wieder in Richtung Küste. Unser ursprünglicher Plan sah vor schräg über den Südatlantik in nord-östlicher Richtung die Cabo-Verdes anzusteuern. Daraus wurde erst einmal nichts. Wir segeln weiter die brasilianische Küste ab, bis in die Höhe von Recife. Erst dann durch den natürlichen Verlauf der Küste nach nord-west gewinnen wir etwas mehr Abstand und kommen mit Mühe östlich an der Insel Fernando de Naronha vorbei.

Das Wetter macht uns oft zu schaffen. Viele Tage sind grau und liefern oft heftige Regenschauer mit stürmischen Winden oder es gibt gar keinen Wind zum Segeln und Kalythea ist einfach nicht mehr steuerbar, dreht im Mondschein Kreise und lässt uns verzweifeln oder es hat zu viel Wind und wir stellen nach so einer Nacht fest, dass der Flaggenstock samt Edelstahlhalterung einfach abgerissen wurde. Auch unser Toplicht hat es vom Mast gefegt. Dabei sind wir noch auf dem Südatlantik und nicht in den Kalmen, die für ihre Squalls bekannt sind. Als wir eines morgens das Großsegel trimmen wollten, erwartete uns eine besondere Überraschung: das Kutterstagsegel lag auf Deck! Das Fall war durchgescheuert. Was tun? Mit dem am Top angeschlagenen Reservefall und einem zusätzlichem Schäkel setzen wir es wieder. Geht wunderbar!

Nun stehen wir 100 nm vor dem Äquator und die nördliche Hemisphäre rückt in greifbare Nähe. Aber so einfach entlässt uns der Südatlantik nicht und die letzte Nacht steckt uns noch in den Knochen. Kalythea raste durch die Nacht, durch den dicksten Squall (es können auch mehrere gewesen sein) über eine sehr rauhe See gegen die Wellen mit viel Schräglage und einem Gefühl wie bei einer Fahrt über eine alte Brandenburger Kopfsteinpflasterstrasse mit extra großen Schlaglöchern in einem alten Bus mit kaputter Federung. Wasser kann so hart sein. An schlafen war da nicht zu denken.

Als am Morgen die Sonne aufgeht und alles wieder friedlich aussieht, kann man kaum glauben wie uns die Nachtfahrt zugesetzt hat.

Die Äquatorüberquerung findet bei herrlichstem Sommer-Sonnen-Segelwetter am 25.06.2011 um 12:10 statt und wird mit einem Gläschen Rum, Kaffee und „Äquator-Kuchen“ gefeiert. Als besonderen Moment empfinden wir diese Überquerung auch wieder, denn innerhalb einer Minute verlässt man die Südhalbkugel und erreicht die Nordhalbkugel, wechselt vom Winter in den Sommer. Das jetzt schöne sonnige Wetter begleitet uns auch weiter, aber die See ist ruppig und wir erfreuen uns an einem kräftigen Südost, der uns voran bringt.

Ab 5° Nord gibt es wieder mehr Wolken, z.T. Ist der Himmel ganz bedeckt aber es bleibt vorerst trocken. Wir versuchen unsere Windsteueranlage Aries einzusetzen, da der Autopilot nicht immer mit den durcheinander laufenden Wellen klar kommt. Die Aries schafft das auch nicht. Also war letzte Nacht viel „Handarbeit“ angesagt und wenig Schlaf. Am nächsten Tag beschäftigen wir uns weiter mit unserer Aries. Sie hält den Kurs mitunter über einige Stunden, läuft dann aber ohne Grund aus dem Ruder. Wir können ihr nicht vertrauen. Der Autopilot muss steuern, auch wenn es Strom kostet. Nachts erwischt uns dann der erste Squall nach dem Äquator und damit beginnen für uns die Kalmen. In der Nacht haben wir einen wunderbaren Sternenhimmel, wenig Wind und Welle und Kalythea zieht leise rauschend ihre Bahn. Eine Nacht, die viel zu schön ist um sie zu verschlafen. Der Körper aber verlangt seinen Schlaf, bekommt er doch durch den 3-Stunden-Rhythmus der Wachen viel zu wenig davon.

Morgens sehen wir auf dicke Wolkentürme, die sich immer weiter zusammen schieben und uns mit Regenwänden regelrecht einkreisen. Da es keinen Wind gibt motoren wir den ganzen Tag. In der Nacht versuchen wir mit einem Lüftchen zu segeln. Wenn der Wind auf 0 kt geht, kann auch der Autopilot nicht mehr steuern. Am nächsten Tag haben wir das Gefühl, dass die Kalmen zu Ende gehen, denn die Sonne löst viele Wolken auf und blauer Himmel zeigt sich an verschiedenen Stellen. Bald zieht sich der Himmel wieder zu und ist nur noch grau. Der Motor ist wieder gefragt. Ab 12:00 ist der Wind da – südost. Wir sind begeistert endlich mal wieder richtig segeln zu können. Gegen Abend überrascht uns ein riesiger Squall , der mehrere Stunden anhält und uns gehörig durchrüttelt. Etwas später schläft der Wind ein. Die Segel knallen. Wir nehmen das Großsegel weg, da es uns zu sehr auf die Nerven geht und wir Sorge haben es könnte Schaden nehmen. Dafür rollen wir nun in alle Richtungen und können nicht schlafen. Am nächsten Tag hängen wir mächtig durch. Nach Sonnenaufgang versucht Peter das Schiff auf Kurs zu bringen, damit wir in die richtige Richtung dümpeln und stellt erschreckt fest, dass sich Kalythea nicht mehr steuern lässt. Alle Steuerversuche schlagen fehl. Die Gedanken überschlagen sich. Was tun? Ist das das Aus? Nach der ersten Aufregung beginnen wir nach der Ursache zu suchen. Es zeigt sich, dass der Ruderquadrant die Ruderwelle nicht mitbewegt. Die sorgfältig abgedichtete Serviceklappe im Cockpit muss geöffnet werden. Nach einer Weile findet Peter den Fehler. Die Feder, die Ruderquadrant und Ruderwelle verbindet, fehlt und der Ruderquadrant ist abgerutscht und sitzt viel zu tief. Ein Kraftakt, kopfüber im Schiff hängend, brachte alles wieder ins Lot. Die nächsten Tage und Nächte sind bestimmt von einem diffusen Licht bedingt durch eine hohe Wolkenschicht und meist wenig Wind, so dass wir sanft durch die Dünung gleiten oder ruppigen Kreuzseen uns das Leben schwer machen. Besonders unter Deck bedarf es akrobatischer Einlagen beim Kochen oder Backen. Ab 15° N wird es noch ungemütlicher. Die Wellen werden aggressiver und größer. Sie krachen gegen das Schiff und gehen teilweise ganz darüber hinweg. Wir kontrollieren das Auge von unserm Kutterstagsegel und stellen fest, dass es leicht beschädigt ist. Wir reparieren mit einem Palsteg. 2 Tage später fällt Peter auf, dass die Rollfock sich eigenartig bewegt. Beim genaueren Hinsehen stellen wir fest, dass das T-Stück vom Vorstag-Wantenspanner-Terminal abgebrochen ist. Unter großen Schwierigkeiten bergen wir das Rollfock-Segel. Peter verbindet den Bugspriet mit dem Vorstag mit Schäkeln zur Stabilisierung und um unsere Rollanlage vor Verbiegen zu schützen. Spannung kann damit keine hergestellt werden. So verzichten wir darauf das Groß wieder zu setzen und nutzen nur noch das Kutterstagsegel. Damit kommen wir aber nicht gegen Wind, Wellen und Strömung an. Wir brauchen dringend einen Hafen zum Reparieren. Mindelo auf den Cabo Verdes ist „nur ca. 560 nm“ entfernt und damit unser nächstes Ziel., welches wir nur unter Motor anlaufen können. Alles ist gegen uns, Wind ,Wellen und der Current und wir werden immer weiter nach Westen gedrückt. Kalythea wird auf Grund der hohen Wellen hin und her geworfen. Wir entschließen uns einen Distress- Ruf zu senden, da wir Diesel benötigen. Unser neues Ukw-Funk gerät löst aber keinen Distress-Ruf aus, obwohl laut Anzeige alles richtig programmiert wurde. Zum Glück können wir über das AIS sehen, wenn ein Schiff in der Nähe ist. So bitten wir das Schiff „Nordstern“ einen Distress-Ruf für uns abzusetzen. Nach 3 Stunden bekommen wir eine Bestätigung des Ruf und am nächsten Morgen meldet sich der Tanker „Sonagol Namibe“, der uns Diesel bringen will. Das Wetter ist freundlich und trotzdem wird es ein rabenschwarzer Tag für uns. Wir sollen dicht an den Tanker heranfahren und je eine Leine zu Befestigung am Vorschiff und Heck zu übernehmen. Wir lassen schnell wieder los, denn Kalythea schrammt an der Bordwand. Bei erneuter Ansteuerung werden wir durch die hohen Wellen und den Current gegen die Bordwand gedrückt, wobei unser Bugspriet bricht. In der inzwischen heruntergelassenen Gangway verfängt sich unser Geräteträger mit den Solarpanel und wird zu Schrott. Wir brechen erschreckt ab. Als sich die Aufregung etwas legt fällt uns auf, das auch das Backstag abgerissen und die Saling angebrochen ist. Gegen Abend, zur Zeit unserer regelmäßigen Bilgenkontrolle, stellten wir Wasser im Schiff fest. Vermutlich waren die starke Beschädigung im Bereich des Bugspriet und Wasserstags die Ursache.

Der nächste Tag ist grau und passt somit zu unserer Stimmung. Wir bergen einen 20l Kanister mit Diesel, der uns noch von der Sonagol Namibe zum Aufpicken zugeworfen worden war und der während der Nacht aussenbords festgelascht war. Der Diesel ist dunkelbraun und wasserhaltig. Damit hätten wir unseren Motor gleich ins Aus gebracht.

In immer kürzeren Abständen müssen wir unsere Pumpe laufen lassen.

Am nächsten Vormittag entschließen wir uns, da wir keine Alternative sehen- Diesel geht zu ende, wir machen ständig mehr Wasser und können nicht mehr segeln -, die EPIRB-Rettungsboje zu aktivieren. Erleichtert stellen wir fest, dass sie sendet.

5 Stunden später meldet sich „Imola Express“ und ist gegen 17:00 bei uns. Das Schiff ist extrem hoch. Es liegt mit dem Bug im Wind, so dass die Wellen zu beiden Seiten des Schiffes gleich hoch laufen. Auch hier gibt es wieder eine starke Strömung, die verhindert, dass wir ohne Gefahr in die Nähe des Schiffes gelangen können. Die Lotsenleiter hängt an der Bordwand und reicht nicht bis ins Wasser. Wir können uns nicht vorstellen, wie wir da an Bord gelangen können, ohne unser Leben ernsthaft in Gefahr zu bringen. Außerdem beginnt es dunkel zu werden und die Scheinwerfer an Bord blenden uns. Wir brechen den Versuch ab. Noch hatten wir für ca. 24 Stunden Diesel um Wasser abzupumpen und zur Stromversorgung und hofften auf eine zweite ultimative Chance. Der Kapitän der Imola-Express war uns in sofern behilflich, dass er sich über Funk nach einem anderen geeigneterem Schiff erkundigte. Die M.V. Spar Gemini sollte am Morgen zu uns kommen. Ein Bulk-Carrier mit weniger hoher Bordwand. Dieselsparend laufen wir in der Nacht vor dem Wind ab, immer hoffend, dass der Wind und die Wellen endlich weniger werden. Es passierte nicht. Im Gegenteil gegen morgen brieste es weiter auf.

Gegen 3:30 meldet sich M.V. Spar Gemini. Im Morgenlicht machten wir das uns zu Hilfe kommende Schiff aus. Bis das Schiff gestoppt hatte, und wir in der Nähe waren, war es ganz hell. Der Kapitän Joshi erklärte über Funk die geplante Rettungsaktion. Das gab uns ein gutes Gefühl, zu wissen, was auf uns zukam. Die M.V. Spar Gemini wurde genau quer zum Wind gelegt, so dass die recht hohen Wellen nur noch mäßig hoch waren und uns eine Ansteuerung an die Bordwand und ein Festmachen am Mast und Heck ermöglichten. Das war trotzdem nicht einfach, denn jedes Zusammentreffen von Kalythea und dem Frachter erschütterten unser kleines Schiff heftig. Dabei die Leinen einzufangen und z.B. am Mast fest zu machen ohne das Gleichgewicht zu verlieren, war beängstigend.

Das Abbergen sollte mittels eines Rettungskorbes aus dem Cockpit erfolgen. In unserem verbogenem Geräteträger, dem Achterstag und der Heckleine verfing sich der Korb immer wieder. Deshalb kam die Lotsenleiter zum Einsatz, die bis in unser Cockpit reichte. Gleichzeitig erfolgte eine Sicherung mittels Lifbelt. Kalythea hob und senkte sich ca. 2 m neben dem Frachter. Die Leiter reichte bis zum Boden des Cockpits und im nächsten Moment war sie 2 m höher. Wir mussten sie gleichzeitig mit Füssen und Händen erwischen. Von der Crew der Spar Gemini wurde das Ausschlagen des Mastes und der Wanten beobachtet. Im ungefährlichen Moment wurde die Leiter wie ein Fahrstuhl schnell nach oben gezogen, um uns aus der Gefahrenzone zu bringen. So schnell hätten wir das mit Klettern nie geschafft. Peter hatte mir geholfen auf die Leiter zu kommen. Oben hatte man mich zu einer Sitzgelegenheit geführt, da die Beine ihren Dienst versagten. Nach ein paar Minuten fiel mir auf, dass unser Gepäck auf Deck landete und alle gespannt auf unser kleines Schiffchen schauten, sich sorgenvoll anblickten, die Leiter auf der Reling hin und her geschoben wurde aber Peter nicht in Sicht kam. Da ich von meinem Platz aus nichts sehen konnte, anfangs auch nicht in der Lage war aufzustehen, um an die Reling zu gehen, hatte ich fürchterliche Angst irgend etwas könnte passiert sein. Mir wurde kalt und heiß und schlecht, bis ich mich zwang aufzustehen, um über die Reling zu sehen. Glücklicherweise sah ich Peter, wie es schien unverletzt, im Cockpit stehen und nach der Leiter angeln. Später stellte sich heraus, dass er noch einmal unter Deck gegangen war ,um seine Brille zu holen.

8:00 waren wir beide, zwar völlig geschafft, an Bord der M.V. Spar Gemini. Dort hatte man während der Vorbereitung einen großen Sani-Koffer, nebst Trage und Decken bereitgestellt. Das alles wurde zu Glück nicht gebraucht.

Nachdem wir geraume Zeit an Deck der M.V. Spar Gemini gesessen hatten, ging es uns langsam besser. Wir sahen zu, wie Kalythea sich immer weiter entfernte und langsam versank.

Uns wurde auf der M.V. Spar Gemini die Lotsenkabine als Schlafplatz zugewiesen und in der Offiziersmesse 2 Plätze am Tisch des Kapitäns. Dort wurden wir an allen Tagen wie VIP-Gäste bedient. Wir erfuhren auch, dass wir von einem norwegischen Schiff mit indischer Crew geborgen worden waren. Das die Bergung ohne Verletzungen gelang, lag sicher auch daran, dass der Kapitän des Schiffes sehr großen Wert auf Sicherheit legt und seine Mannschaft immer wieder entsprechende Trainings absolvieren lässt. Davon konnten wir uns während unseres Aufenthaltes an Bord überzeugen.

Am gleichen Abend traf sich die ganze Besatzung auf der Brücke und wir hatten Gelegenheit jedem einzelnen „Danke“ zu sagen. Der Kapitän hatte schon Requisiten bereitstellen lassen, die für Gruppenfotos mit der ganzen Crew bestimmt waren. Es war eine entspannte und glückliche Atmosphäre und wir hatten das Gefühl in die „Bordfamilie“ aufgenommen zu sein.

Die nächsten Tage bestanden für uns vorwiegend aus essen und schlafen. In der Zwischenzeit hatten wir erfahren, dass der Frachter in Brasilien im Amazonas-Delta Erz laden wird. Da wir vor 6 Wochen in Brasilien ausklariert hatten und erst nach 6 Monaten wieder einreisen durften, machten wir uns Sorgen. Aber der Kapitän wiegelte ab und meinte er mache das schon. Uns war aber trotzdem nicht wohl. Es hatte uns in eine Gegend verschlagen mit der wir uns nie beschäftigt hatten, nicht wussten wo es einen Flughafen gibt, welche Transportmöglichkeiten sonst noch bestehen…… und da es kein Internet an Bord gab, konnten wir uns auch nicht informieren. Ein Gefühl der Hilflosigkeit machte sich breit.

Bei der Einklarierung des Schiffes kamen 6 Personen an Bord und wir wurden am Schluss dazu geholt. Nachdem der Kapitän unser Problem geschildert hatte, wollte der Mister Diego die deutsche Botschaft informieren und riet uns Flugtickets von Deutschland aus buchen zu lassen. Der Kapitän stellte uns das Imarsat-Telefon des Schiffes zur Verfügung, so dass wir unsere Tochter in Berlin informieren konnten

Am nächsten Tag kam von besagtem Mister Diego eine Rechnung in Höhe von ca. 4000 USD über Dienstleistungen, die nicht nachzuvollziehen waren. Zahlbar bis zum Abflug. Nun war guter Rat teuer, teuer im ganz realen Sinn, denn soviel Bargeld hatten wir nicht dabei. Eine Überweisung auf eine Caribische Bank mit Weiterleitung nach Honduras war auch noch möglich. Die Volksbank weigerte sich auf das angegebene Konto zu überweisen. Wir fühlten uns so richtig in der Klemme. Die deutsche Botschaft, die von unserer Tochter inzwischen kontaktiert worden war, riet von einer Zahlung ab, da es völlig unüblich wäre, für eine Not-Einklarierung bezahlen zu müssen und verhandelte per Telefon mit besagtem „Diego“. Nach vielen hin und her Telefonaten zwischen unserer Tochter und der Botschaft und uns erhielten wir die Zusicherung, dass wir maximal 250 USD zahlen müssten und das akzeptieren sollten. Inzwischen hatten wir unsere Flugbuchung von Belem nach Recife und weiter nach Frankfurt/Main für den 05.08. in der Hand. Uns fehlte aber immer noch der Flug von dem „Internationalen Aerport(chen) Macapa“ nach Belem. Diese Strecke konnte nicht im Internet gefunden werden und alles schien daran zu scheitern. Wir wussten ja nicht, dass diese Strecke fast immer ausgebucht ist. Letztlich gelang es unserer Tochter aber doch noch, sozusagen im letzten Moment, einen Internetzugang zu diesem kleinen Aerport zu finden und 2 Plätze zu buchen. Uns fiel ein Stein vom Herzen und der Kapitän Peter um den Hals, denn er hatte täglich mit uns gezittert, ob alles gut ausgeht.

6 Stunden vor der Abflugzeit wurden wir am Verladeplatz vom Schiff abgeholt, um uns unsere Einreise zu genehmigen und uns dann am Flughafen abzusetzen. Wir waren sehr angespannt, wussten wir doch nicht genau, ob die telefonischen Absprachen mit der deutschen Botschaft greifen oder wir uns doch noch gehörigen Geldforderungen gegenüber sehen. Aber es lief alles reibungslos und ohne Kosten ab. Erst als wir im Flieger saßen, konnten wir es glauben.

Eine etwas heikle Situation gab es noch beim Abflug von Recife nach Frankfurt /Main. Dort fand es die Policia Federal sehr merkwürdig, dass wir einen Einreisestempel im Pass hatten, der 6 Wochen nach unserer Ausklarierung in Salvador vergeben war. Erst nachdem der Verantwortliche den ganzen Vorgang im Computer gelesen hatte, alle Passagiere längst abgefertigt waren, war er von der Richtigkeit überzeugt und entließ uns.

Der Rest der Heimreise verlief ohne weitere Zwischenfälle.

9.08.2011

07. August 2011

Seenot

Bildquelle: Spar Gemini (zum vergrößern Bilder anklicken)

 

Eine Seefahrt die ist lustig eine Seefahrt die ist schön… dass dieser Text der Wahrheit entspricht möchte ich manchmal ganz stark bezweifeln. Mein Freund Peter und seine Partnerin Elke von der Segelyacht „Kalythea“ stimmen mir hierbei ganz bestimmt zu.

Wir lernen Peter 2007 in Lanzarote in der Marina Rubicon, wo er neben uns am Steg liegt, kennen. Er kommt gerade aus La Gomera mit etlichen hundert Litern Wasser an Bord, die eigentlich nicht da sein sollten. Er hat vergessen eine Luke zu schließen und dabei Wasser ins Schiff „geschaufelt“. Der Schaden ist schnell behoben und das Boot wieder trocken. In den folgenden Wochen lernen wir uns näher kennen und tauschen Erfahrungen aus und Pläne für die Zukunft. Dann segelt Peter wieder zurück nach La Gomera.. Kurze Zeit später schreibt er mir, dass er Elke, seine jetzige Partnerin, kennen gelernt hat und er sich vorbereite einen großen Törn zu unternehmen. Wir sind des öfteren über E-Mail in Kontakt und tauschen uns aus. Eines Tages bekomme ich von ihm die Nachricht, dass er es nun wagen werde einen größeren Törn zu starten und unterwegs sei in Richtung Cabo Verde. Es dauert auch nicht lange und es erreicht mich die Meldung von ihm, dass er die Kap Verden erreicht habe und nun in Richtung Salvador weiter segelt. Eigentlich die gleiche Route die Annemarie und ich 2009 auch schon gesegelt sind.

Elke und Peter verbringen einige Zeit in Brasilien bevor sie sich entschließen wieder zurück zu den Kanaren zu segeln. Kurz vor ihrer Abfahrt bekomme ich Nachricht, dass sie sich auf den Weg machen werden.

Einige Wochen später verständigt mich plötzlich Elkes Tochter, dass Elke und Peter auf dem Atlantik vermisst werden. Meine Bestürzung ist groß. Was soll ich machen? Helfen kann ich von hier aus nicht, außer per E-Mail der Tochter Hoffnung zusprechen.

Dann erfahre ich, dass sie von einem Frachter gesehen wurden, der ihnen Diesel übergab. Mehr nicht. Danach sind sie wieder verschollen. Einige Tage später schreibt mir Uta , Elkes Tochter, dass inzwischen die Position der „Kalythea“bekannt sei und zwar bei 14°N und 34°W, das ist etwa 500 Meilen westlich der Kap Verden.

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Spar Gemini

Sie haben einen Mastbruch und treiben im Atlantik. Den Diesel den sie vorher von einem Frachter übernommen haben ist vermutlich schon wieder verbraucht. Nun haben sie auch noch Wassereinbruch auf dem Schiff. Ihre Position liegt nicht in der Nähe einer Schifffahrtslinie und für Rettungshubschrauber sind sie zu weit von der Küste entfernt. Der norwegische Frachter „Spar Gemini“ der sich in der „Nähe“ befindet wird per Funk benachrichtigt und zum Havaristen umgeleitet. Sie werden gefunden und nach einer vermutlich nicht gerade leichten Bergung sind sie in Sicherheit. Die „Kalythea“ muss zurückbleiben und sinkt einige Zeit später.

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Elke

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Peter

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gerettet

Peter und Elke fahren mit dem Frachter zurück nach Brasilien. Von dort aus geht es dann mit dem Flugzeug zurück nach Deutschland – glauben sie wenigstens

Doch dem ist nicht so. Nun macht die Policia Federal Schwierigkeiten. Sie wollen die Notlage ausnutzen und verlangen einige Tausend Dollar (wofür eigentlich?), zu überweisen auf eine Bank in der Karibik Das stinkt aber wirklich zum Himmel. Da erhebt sich die Frage, was ist das für eine Welt (oder Staat)wenn in Not geratene Personen von offizieller Seite ganz unverfroren erpresst werden? Der Aufenthalt auf dem Frachter ist begrenzt, er muss weiter da er einen Auftrag der Reederei zu erfüllen hat. Also muss gehandelt werden und zwar schnell. Die deutsche Botschaft in Brasilien wird eingeschaltet und kümmert sich um den Fall. Das Problem wird diplomatisch geregelt und die beiden dürfen ausreisen. Die Botschaft lässt wissen, dass wohl alles auf sprachliche Schwierigkeiten und Missverständnisse zurückzuführen sei. Elke und Peter sind inzwischen zu Hause eingetroffen.

Ende gut alles gut? Wir wünschen den beiden für die Zukunft viel Glück und alles Gute.

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Kalythea

7.07.2011

6. Juli 2011

Es ist nicht immer leicht einen Bericht zu schreiben, wenn man längere Zeit an einem Ort verbringt, denn dann treten sich die Pfade immer mehr aus, soll heißen es kommt eine tägliche Routine zustande mit wenig Abwechslung. Würde man versuchen zu Hause in Deutschland oder wo auch immer, Berichte zu schreiben was du so täglich alles erlebst , obwohl du nur morgens aufstehst, frühstückst, zur Arbeit fährst, abends dann nach Hause kommst, das Abendessen vertilgst und dich dann vor den Fernseher verfrachtest, dann, so kann ich mir vorstellen, dass die Berichte nicht sehr viele Höhepunkte beinhalten. In einer ähnlichen Lage befinden wir uns auch. Denn wir sind bereits schon seit drei Monaten hier in Argentinien und eine gewisse tägliche Routine kann man nicht verleugnen.

Drei Monate. Drei Monate lang dürfen wir uns hier aufhalten. Dann müssen wir das Land verlasen oder um eine Verlängerung der Aufenthaltsgenehmigung nachsuchen. Also fahren wir mit dem Zug zur nächsten Stadt mit Emigration und fragen nach einer Verlängerung des Dokuments. Leider Fehlanzeige, denn wir bekommen zu hören, dass eine Verlängerung der Genehmigung nur in der Hauptstelle in Buenos Aires möglich ist und dass diese umgerechnet 100 € kostet. Na super! Wir setzen uns in den Zug und fahren vom Anfang(Tigre) bis zur Endstation in Buenos Aires. Die ca. 40 km. kosten 1,35 Pesos pro Person (ca.0,23 €). Wenigstens das ist billig. Am Bahnhof aussteigen und 10 Minuten bis zur Emigration laufen, vorausgesetzt man läuft den richtigen Weg. Aber warum sollten wir. Aus den zehn Minuten sind dann schließlich eine halbe Stunde geworden.. Ein wenig genervt kommen wir bei der (vermeintlich) richtigen Stelle an. Es ist das gleiche Büro in dem wir bei der Ankunft schon waren. Wieder Fehlanzeige, denn nicht diese Stelle ist für die Verlängerung zuständig sondern die im Nebengebäude. Wir kommen in den Vorraum und dort warten mindestens 300 Personen. Das passt doch! Nicht faul sause ich an den Wartenden vorbei und frage am Schalter ob das hier richtig wäre für die Verlängerung eines Touristenvisums. Nein, das ist im Nebenraum. Dort stehen zwar nicht 300 aber immerhin mindestens 150 Personen. Wieder gegen die „Laufrichtung“ an den Schalter gespurtet und gefragt ob ich hier für mein Anliegen richtig wäre. Ja, hier sind Sie richtig. Stellen Sie sich hinten an. Danke und Tschüss. Zwar haben wir Zeit aber nicht die Geduld den Rest des Tages durch anstehen zu vertrödeln. Ich sehe mir mal die Leute genauer an die hier sind. Männer, Frauen mit und ohne Kinder, alte bzw. ältere Leute und junge. Die meisten wohl aus dem Norden aus Kolumbien, Peru usw. Ein großer Anteil an Indios. Vermutlich Emigranten. Also dann Tschüss, stellt Euch alleine an.

Also bleibt uns nur noch die zweite Möglichkeit nämlich das Land zu verlassen. Da hat es unser Boot doch etwas besser als wir, denn das darf acht Monate hier bleiben. Das gibt uns die Möglichkeit auszureisen in dem wir mit der Fähre nach Uruguay fahren.

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Deltacat

Am Sonntag ist es dann so weit. Morgens um sechs klingelt der Wecker und wir stehen auf. Nach dem Frühstück laufen wir zum Bahnhof. Es ist saukalt so gegen Null Grad. Aber was jammere ich, schließlich hatten wir am 21. Juni Winteranfang. In Tigre angekommen laufen wir langsam zur Fähre die in einer Stunde abfährt. Die Tickets hatten wir uns bereits im voraus besorgt, so dass wir nur noch den Zoll passieren mussten. Nach genauer Leibesvisitation und Beschnüffelung durch einen Drogenhund dürfen wir endlich auf die Fähre. Es ist ein nicht zu großer aber gemütlicher und vor allen Dingen gut geheizter Katamaran. Die ca 50 Meilen (ca. 90 km) schafft er in zwei Stunden. Es ist eine herrliche Fahrt durch verschiedenen Flüsse und Kanäle wie Rio Lujan, Rio Parana, Rio de la Plata und andere. Wir haben die Möglichkeit, durch eine Glasscheibe getrennt, die Fahrt aus der Sicht des Kapitäns mitzuerleben. Wir können alles genau beobachten, das Echolot (Tiefenmesser), GPS mit Plotter, Geschwindigkeit des Bootes usw. So schön die Fahrt auch sein mag aber mit unserem Boot könnten wir diese Strecke nicht segeln, da das Echolot des öfteren nur 1,10 Meter anzeigt. Wir aber brauchen 1,90 Meter. Trotzdem, dass die Fähre an die 100 Personen transportieren kann, hat sie einen Tiefgang von nur 0,90 Metern.

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auf der Brücke

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Hafeneinfahrt

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Heckwelle

In Carmelo in Uruguay angekommen müssen wir abermals durch den Zoll. Ein großes Schild weist darauf hin, dass es verboten ist Lebensmittel einzuführen. Verdammt, wir haben Brotzeit und zwei Äpfel dabei. Ein Griff in den Rucksack, die Äpfel sind weg und Annemarie hat eine wundersame Brustvergrößerung erfahren Als wir am Zollbeamten vorbei gehen tue ich so als wolle ich, etwas umständlich, meinen Tagesrucksack öffnen. Der Beamte fragt mich ob wir Lebensmittel dabei hätten. Mit dem unschuldigsten Lächeln das mir gelingt sage ich nein und wir können passieren. Die Brotzeit ist gerettet.

Wir gehen in Carmelo spazieren und schauen uns die Geschäfte an. Was sollen wir auch sonst tun. Im Ort gibt es nicht viel zu sehen und er ist absolut tote Hose. So latschen wir dann eben etliche Stunden dort hin und hier hin. Wir überqueren einen Fluss und folgen dem Wegweiser „Puerto Nautico“. Nach einiger Zeit sehen wir den Puerto Nautico. Ein einziger Segler hängt einsam an einer Boje und das war´s dann auch. Ein ganzes Stück weiter gibt es einen „Pinien Park“. Was daran so toll sein soll können wir nicht in Erfahrung bringen, trotzdem setzen wir uns auf eine Bank und machen Brotzeit. Wir wollen an der Mole zurück zur Fähre gehen, geben aber das Unternehmen schnell auf, denn vom Fluss her weht ein eiskalter Wind der uns zur Umkehr zwingt. Also laufen wir den Weg wieder zurück. An der Fähre angekommen haben wir noch zwei Stunden Zeit bis zur Abfahrt. Da es nun schon später Nachmittag ist und die Sonne den Zenit schon lange überschritten hat wird es empfindlich kalt und wir beschließen uns in den Warteraum zu setzen. Schließlich geht auch diese Zeit vorüber und wir fahren wieder zurück. Gegen 19:30 Uhr sind wir wieder in Tigre zurück. Die Prozedur mit Leibesvisitation und Schnüffelhund lassen wir über uns ergehen und stehen vor dem Emigrationsbeamten. Der drückt seinen Einreisestempel mit dreimonatiger Gültigkeit in unsere Pässe und das war´s. Wir mussten keine 600 Pesos bezahlen, denn die Fahrt war um einiges billiger und wir hatten nebenbei noch einen relativ schönen Tag in Uruguay verbringen können. Das Wichtigste dabei ist allerdings, dass wir nun, ohne Gebühren zahlen zu müssen, weitere drei Monate in Argentinien bleiben dürfen.

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Winterpark in Carmelo

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Brücke in Carmelo

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Pinienpark

Gebühren=Geld. Geld bekommt man – wenn man es bekommt – von der Bank. Es ist ein Leichtes. Die Karte in den Geldautomaten gesteckt, Geheimzahl eingeben und schon spuckt der liebe Automat den eingegebenen Betrag aus. Unter bestimmten Voraussetzungen natürlich. Geld muss auf dem Konto sein, klar. Der Betrag der aus dem Automat kommt ist beschränkt, selbst bei Liquidität, auch klar. Aber wenn die Karte nicht stimmt, weil die Bank ihre Bedingungen geändert hat, dann ist nichts mehr klar. Dann stehst du vor dem Automaten wie ein begossener Pudel und wartest vergebens auf (Geld)Futter.Das passiert seit dem 1. Juni jedem der sich im Nichteuropäischen Ausland befindet und Kunde bei der Postbank ist. Die besagte Bank hat nämlich die glänzende Idee gehabt, jedem seiner Kunden einen sogenannten TAN Generator für 14,00 € zu verkaufen, ohne dem er keinen Zugriff mehr auf das Konto hat, bzw. keine Überweisungen mehr tätigen kann. Was aber, wenn man in einem Land ist in dem es fast unmöglich ist ohne größere Probleme elektronische Geräte (TAN Generator) einzuführen? Damit nicht genug. Die bisherigen Bankkarten (Maestro, Master Card) haben ihre Gültigkeit verloren und es wurden neue Debit (Visa)Karten ausgegeben die nur innerhalb Europas Gültigkeit besitzen. Womit also nun Geld abheben? Der geneigte Leser wird nun sagen, ganz klar mit einer Kreditkarte, die gilt auf der ganzen Welt. Wenn er aber die Antwort bekommt, mein lieber Kunde, tut mir furchtbar Leid aber mit ihrem Einkommen bekommen sie bei unserer (Post)Bank keine Kreditkarte, und dieser Kunde sich noch dazu im fernen Argentinien befindet, dann sieht er einfach alt aus. Eine Möglichkeit allerdings ist noch offen. Hat der Kunde, wie in diesem Fall, eine „SparCard“, dann kann er mit dieser im Ausland immer noch Geld abheben. Aber nicht dass jetzt einer denkt, na also, geht doch. Weit gefehlt, denn nicht bei jeder Bank die die Visa Karte akzeptiert, akzeptiert auch die Visa plus Karte der Postbank. Um zu erfahren wo die Karten akzeptiert werden muss der geplagte Kunde erst im Internet das Land und dann die Stadt suchen um diese Stellen zu finden. Dann geht die Suche los, in einer Millionenstadt in der man sich nicht auskennt, die richtige Bank zu finden, denn es ist hier nicht üblich anzuzeigen welche Karten akzeptiert werden.Der nächste Haken: es muss Geld vom Girokonto auf das Sparkonto überwiesen werden. Nun die Masterfrage: wie denn, wenn kein TAN Generator zur Verfügung steht um sich eine TAN generieren zu lassen? Es gibt da noch eine Möglichkeit und zwar über das Handy. Man kann über Handy eine TAN anfordern, die dann per SMS übermittelt wird. Doch wenn kein Handy mit deutschen Anbieter zur Verfügung steht und es im Ausland keine Möglichkeit gibt eines zu erwerben da hier kein Wohnsitz besteht? Dann ist die Sch… aber wirklich am dampfen. In solch einem Fall können nur noch gute Freunde helfen.

Dieser besagte Kunde ist ab September für einige Monate in Deutschland und der erste Weg führt ihn zur Postbank. Nun kann sich jeder an einer Hand abzählen wie lange dieser Kunde, trotz 50 jähriger Zugehörigkeit zur Postbank, dort noch Kunde bleibt. Es lebe die Provinz -Bauern und Kartoffelbank der Post!

Um den Frust abzubauen werde ich mich in den Ankerkasten begeben diesen entrosten und anschließend darf Annemarie ihrer Streichwut freien Lauf lassen um den Kasten und sich selber mit Farbe zu bekleckern.,

10.06.2011

Wieder im Club

Juni 20011

Es sind fast auf den Tag genau vier Wochen, dass wir hier im Fluss an unserem Ankerplatz liegen. Alles hat so seine Vor und Nachteile. Wir liegen hier zwar sehr ruhig und irgendwie gemütlich, jedoch dass wir bei Ebbe fast immer auf Grund sitzen ist manchmal etwas nervig, da wir dabei des öfteren etwas Schräglage haben. Das stört beim Schlafen da man immer in eine Ecke rollt bzw. aufpassen muss, damit man nicht aus dem Bett fällt. Es ist schon Winter, der Juni entspricht dem Dezember auf der Nordhalbkugel. Es ist nicht so kalt wie letztes Jahr, da gab es um diese Zeit bereits Minustemperaturen zu verzeichnen. Dieses Jahr ist es etwas wärmer. Weniger als 6°C hatten wir noch nicht. Trotzdem ist es im Boot sehr kalt, da wir keinen Ofen haben. Wir behelfen uns damit, dass wir den Backofen, der mit Gas beheizt wird, anzünden und die Backofentüre öffnen. Leider wird dabei viel Gas verbraucht und bisher haben wir noch keine Firma gefunden die in der Lage wäre unsere Flaschen zu füllen, obwohl ich den Adapter, den damals in Rio Grande unser Freund Gonzalo konstruierte, mitgegeben habe. Mal sehen irgendeine Lösung muss gefunden werden.

Heute war ich mal wieder im Internet und habe eine Nachricht vom TO – Stützpunktleiter von Buenos Aires vorgefunden. Wir haben, ebenso wie alle anderen ausländischen Segler die sich gerade hier im Club befinden, eine offizielle Einladung für das am Wochenende stattfindende Fest des Yacht Clubs Barlovento bekommen, obwohl wir uns mit unserem Boot im Moment nicht im Club aufhalten. Das finden wir ganz toll und wir freuen uns auch sehr darüber.

Nun sitzen wir schon wieder mal auf Grund und wir sind der Meinung das reicht jetzt. Wir werden uns etwas verholen mehr zur Flussmitte hin, da ist es tiefer. Ich werfe den Motor an, lasse ihn warm laufen und fahre los. Da wir aber auf Grund sitzen dreht sich das Heck noch mehr in Richtung Ufer und wir sitzen regelrecht in den Büschen. Ich gebe mehr Gas und es schleift, kracht und kratzt, einige Äste brechen und dann sind wir im etwas tieferen Wasser. In der Flussmitte lasse ich den Anker fallen und gebe genügend Kette. Kette fixiert und Vollgas rückwärts und der Anker sitzt fest. Wir haben einlaufendes Wasser und natürlich habe ich mit dem Bug zur Strömung geankert (wie denn auch sonst). Als aber die Tide kippt und das Wasser abläuft versucht das Boot mit der Strömung mit zu gehen und fängt an sich zu drehen. Das geht natürlich nicht, da wir sonst die komplette Fahrrinne absperren. Ich hole unseren zweiten Anker raus verstaue ihn im Dinghy und versenke ihn nicht weit aber weit genug hinter dem Heck unseres Bootes. Einige male an der Ankerleine angezogen und der Plattenanker sitzt fest im weichen Schlick des Flusses. So gesichert lässt es sich aushalten und wir sitzen auch nicht mehr auf Grund. Das Boot bewegt sich mal auf die eine und dann wieder auf die andere Seite, sitzt jedoch nicht auf und lässt genügend Platz für die anderen Boote um an uns vorbei zu fahren.

Es ist Wochenende und heute Abend steigt das große Fest im Yacht Club Barlovento. Ich muss zur Tankstelle und Sprit für den Außenborder besorgen. Bei der Hin wie bei der Rückfahrt werde ich pitschnass. Der Wind weht und die Wellen auf dem Fluss sind doch sehr ruppig. Ausgerechnet heute wo wir doch das Fest haben und ein wenig festlich gekleidet sein werden. Auch dafür finden wir eine Lösung. Die guten Klamotten in wasserdichte Tüten verpackt, unser Ölzeug angezogen und los geht’s. Verdammt ist das kalt und nass. Es ist nämlich schon 21:00 Uhr. In einer halben Stunde soll das Fest beginnen. Nass aber sicher kommen wir im Club an. Schnell ziehen wir uns um und stapfen in Richtung Clubhaus. Es sind schon viele Leute hier, sie stehen in Gruppen herum und unterhalten sich. Ich suche nach bekannten Gesichtern und sehe Monica, die Partnerin von unserem Freund Erwin. Sie hat den größten Teil des Festes organisiert. Erwin kann leider nicht kommen er hat vorübergehende gesundheitliche Probleme. Annemarie wird mit Küsschen und ich mit Handschlag von einem Clubmitglied begrüßt, den wir schon eher kennen gelernt haben. Später frage ich Monica wer das denn war, ich würde ihn zwar kennen, weiß aber nicht wer er ist. Das ist der Präsident des Clubs sagt sie mir und stellt mir auch gleich den Vizepräsidenten vor. Wir kennen uns schon aus mehreren vorhergehenden Gesprächen aber dass er Vize ist wusste ich bisher noch nicht. Warum ich das alles so ausführlich erzähle? Ich will damit und hoffentlich ist es mir gelungen, die wirklich herzliche und ungezwungene Atmosphäre rüberzubringen. Wir fühlen uns hier wirklich „Sauwohl“.

Nach einer kurzen Begrüßung kann das Fest beginnen. Und es beginnt erst mal mit reichlich Pizza und Bier. An dem Tisch an dem wir sind sitzen Einheimische die etwas deutsch sprechen und auch englisch. So unterhalten wir uns angeregt in einem Mischmasch aus deutsch, englisch und spanisch. Wichtig ist aber, dass wir uns wunderbar verstehen und verständigen.

Nach dem Essen geht es sozusagen zum gemütlichen Teil über. Ein Franzose ebenfalls Gast im Club spielt (elektronisches) Klavier. Ganz toll. Alte „Schlager“ aus den 30igern ebenso wie Oldies, und neuere internationale Songs. Monica greift zum Mikro und gibt einige Songs zum Besten. Sie hat eine wunderbare Stimme. Beide bekommen sie großen Beifall, sie haben ihn sich auch wirklich verdient. Unser ehemaliger „Nachbar“ und neuer Bekannter ein Holländer der mit seiner Segelyacht Skua hier ist, spielt mit seiner Harmonika (die mit Knöpfen, nict mit Tasten)ebenfalls bekannte und weniger bekannte Lieder. Danach geht es mit Disco weiter. Der Discjokey legt sogar Rock´n Roll auf. Da gibt es für Annemarie und mich kein halten mehr. Endlich, nach vier Jahren haben wir wieder die Möglichkeit Roch´n Roll zu tanzen. Au weia, was sind wir eingerostet. Ich höre fast die Knochen knacken. Nach der zweiten Runde und einen heißen Twist, die Tanzfläche gehörte uns alleine, geben wir schließlich auf. Beide schnappen wir nach Luft wie Fische auf dem Trockenen. Wir bekommen Applaus, was natürlich unsere Seelen streichelt. Jetzt kennt uns wohl so ziemlich jeder hier im Club. Was wir auch merken, denn wir werden von anderen Seglern und Clubmitgliedern in den folgenden Tagen mehrmals angesprochen. Die größte Überraschung des Abends aber ist: wir ausländischen Segler werden nacheinander mit dem Namen unserer Boote aufgerufen und dann wird uns ein aufwändig mit Golddruck gestalteter Bildband über die 50 jährige Geschichte des Clubs überreicht. Das nenne ich Gastfreundschaft.

So gegen zwei Uhr morgens tauschen wir unsere „Festkleidung“ wieder gegen unser Ölzeug aus und machen uns auf den Heimweg. Wenn es so nass, windig und kalt ist kann man sich gar nicht vorstellen wie lange zehn Minuten sein können. Schließlich aber gelangen wir doch zu unserem Boot und verkriechen uns müde und starr vor Kälte in unsere Betten.

Eine Woche später, wieder haben wir Wochenende, ist hier der Teufel los. Der Club der hier am Flussufer sozusagen sein zweites Domizil hat, hat das neu gekaufte Gelände bebaut und zwar mit einem großen Pool und Sprungturm. Nun kommen die Mitglieder in Scharen mit ihren kleinen und großen Booten um sich das „Bauwerk“ anzusehen. Jedes mal wenn ein Boot bei uns vorbei fährt werden wir, trotz Bug und Heckanker, durch die Wellen ein wenig weiter in Richtung Ufer gedrückt bis wir endlich wieder fest auf Grund sitzen. Annemarie ist stinksauer und will unbedingt wieder in den Yacht Club. Mit äußerst spitzen Bleistift wird rauf und runter und von schräg nach quer gerechnet bis es passt. Wir sagen im Club Bescheid, dass wir wieder kommen werden, welches sie dort mit großer Freude aufnehmen (wenigstens habe ich den Eindruck).

Wir wollen am nächsten Tag los, was aber nicht klappt. Erwin meint wir sollen unbedingt auf ihn warten, denn er will für uns vorher noch was mit dem Club regeln. Als Erwin sich dann schließlich meldet ist das Wasser bereits so weit abgeflossen und wir sitzen wieder mal dermaßen fest, dass wir nicht los kommen. Es ist kein Beinbruch, dann warten wir eben bis zum nächsten Tag.

Am nächsten Tag ist es schließlich so weit. Ich ziehe mir, während der Motor warm läuft, schon mal meinen Arbeitsoverall an. Dann gibt’s „Action“. Erst lasse ich mal zusätzliche 20 Meter Kette raus und fahre zurück bis ich über unserem Heckanker stehe. Mit ganzer Kraft versuche ich ihn anzuheben. Erst nach mehreren Versuchen gelingt es mir ihn aus dem Schlick zu ziehen. Den Anker inklusive mindesten zehn Kilo Schlick ziehe ich nach oben. Den Anker lasse ich im Wasser hängen um ihn nachher durch die Strömung sauber zu bekommen. Das war der erste Streich und der Zweite folgt zugleich. Mit gutem Mut bewaffnet setze ich mich in Richtung Bug in Bewegung um auch den 25kg Bügelanker aus dem Schlamm zu ziehen. Nebenbei sei noch bemerkt, dass meine Ankerwinsch den Geist aufgegeben hat und immer noch nicht repariert ist. Ich sage Annemarie, die jetzt am Ruder steht, sie soll langsam nach vorne fahren damit ich die (ca 40 Meter) Kette an Bord hieven kann. Ich stemme mich gegen die Kette und ziehe und ziehe. Verdammt, wie lange sind eigentlich 40 Meter? Vermutlich sind es 400! Wenigstens brauche ich diesmal den Anker nicht aus dem Schlamm zu ziehen. Annemarie fährt über den Anker und bricht ihn dadurch aus. Aber nun muss ich ziehen. Wie schwer ist das Ding eigentlich? Hundert Kilo? Nach einiger Zeit habe ich es geschafft ihn bis zur Wasseroberfläche zu ziehen. An dem Ding hängen doch tatsächlich mindestens zehn Kilo Schlick, genau so viel wie vorher am Heckanker. Ich lasse den Anker ebenfalls im Wasser hängen um ihn durch die Strömung während der Fahrt zu säubern.Das reicht mir jetzt aber. Ich bin fix und foxi und kippe erst mal zwei Gläser Wasser!! in mich hinein. Dann brauche ich noch weitere zehn Minuten um mich zu erholen. Mit knapp 70 sollte man so was doch lieber Jüngeren überlassen (oder die Ankerwinsch reparieren:-)).

Nun sehe ich mich und das Boot an. Oh je, mehr Dreck an mir an der Kette und an Deck als am Flussgrund. Mit mehreren Eimern Wasser ist das Malheur aber schnell behoben.

Eine halbe Stunde später liegen wir sicher vertäut an den Moorings. Strom und Wasser sind angeschlossen und die Heizung ist auch gesichert, da wir ja nun kein Gas mehr brauchen. Das kleine (elektrische)Heizöfchen steht schon für die kalten Abende bereit.

18.05.2011

16. Mai 2011

Hurra, wir sind nicht mehr Inkognito, wir bzw. unser Boot hat wieder einen Namen!

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(Zum Vergrößern Bild(er) anklicken)

Vom Yacht Club Barlovento aus werde ich heute einen kleinen Ausflug mit dem Dinghi machen. Annemarie hat keine Lust mitzukommen und so fahre ich eben alleine. Der Tank des Außenborders ist voll und es kann losgehen. Aus der Marina raus halte ich mich links und quere erst mal den Rio Liuján. Auf der anderen Seite angekommen fahre ich in den ersten Seitenarm des Flusses. Es ist ein „toter“ Seitenarm des Rio Liuján, welcher sich wiederum im großen Delta des Rio Parana befindet. Jeder Fluss(Rio) und jeder Arroio (Bach) gehört zum riesigen Flussdelta des Rio Parana. Im Seitenarm, den ich gerade befahre, befindet sich unser nächster Ankerplatz den ich in Augenschein nehmen möchte. Sieht wirklich toll aus hier. Richtig einsam und Romantisch. Nachdem ich den kommenden Ankerplatz inspiziert und für gut befunden habe fahre ich weiter.

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OoR im Gegenlicht

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Am Ankerplatz

Ich tuckere gemütlich weiter Flussaufwärts bis zum Canal Vinculación. Nach etwa einen halben Kilometer biege ich nach rechts ab und befinde mich im Arroio Anguilas. Anfangs ist dieser „Bach“ relativ groß und wäre hier noch sicherlich für Flussboote ohne Probleme zu befahren. Das erste was ich dort sehe sind Hütten am Ufer mit jeder Menge Ölfässer davor. Vermutlich befindet sich in denen Kraftstoff für Generatoren und andere Maschinen. Weiter den „Bach“ hinauf und es wird schon etwas enger und das Ufer sumpfiger. Die Bäume allerdings stehen noch weit vom Wasser entfernt. Nach einigen Kilometern ändert sich das Bild und der Wald reicht bis dicht ans Ufer. Nun ist es auch schon richtig einsam. Totale „Zivilisations-Stille“. Man hört und sieht nur Insekten zirpen und schwirren oder den einen oder anderen Vogel schreien, rufen oder singen, je nach Anlage. Obwohl eigentlich im „Sumpf“, habe ich keine Probleme mit Mücken. Aber vielleicht kommen die erst in der Dämmerung aber da bin ich schon lange nicht mehr hier. Es wird immer enger und die Sträucher reichen immer weiter in den Arroio hinein. Es ist so richtig wild-romantisch und ich komme mir vor wie ein Entdecker. Es ist ein richtiges Urwaldfeeling und riecht nach Abenteuer a la Indiana Jones. Aber ehrlich gesagt, was Abenteuer anbelangt hält es sich in sehr engen Grenzen. Trotzdem ist es herrlich schön. Der Fluss macht eine Biegung nach rechts. Links geht ein kleiner enger und namenloser Seitenarm weg. Nachdem ich mich zwischen Büschen und Wasserpflanzen durchgearbeitet habe wird der Lauf wieder etwas breiter. Mein Außenborder läuft im Leerlauf und ich fahre langsam weiter wobei ich die Fahrt so richtig genieße. Ich kann mich an diesem Bild nicht satt sehen. Ich fahre bis es nicht mehr weiter geht, dann drehe ich um. Auf der Rückfahrt komme ich wieder an der schon vorhin gesehenen einsamen Hütte vorbei. Ein Kahn ist am Ufer festgemacht Vom Wasser führt eine Leiter auf die Uferböschung um zum Haus zu gelangen. Die Hütte wird etwas von den davor stehenden herbstlich gefärbten Bäumen verdeckt. Bei diesem Anblick werde ich an Mark Twain und Onkel Toms Hütte erinnert. Genau so muss es gewesen sein. Vor der Hütte lungern Hunde herum, die friedlich aussehen, mich aber genau beobachten. Sicherlich würden sie mich daran hindern „Onkel Toms Hütte“ zu besuchen.

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Rundfahrt

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„Onkel Toms Hütte“

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 Flusslandschaft

Zurück an der Abzweigung folge ich wieder dem Flussverlauf. Langsam aber sicher ändert sich das Bild ein weiteres mal. Der Fluss wird breiter und die Büsche weichen großen Bäumen. Wie eine Allee säumen sie das Ufer. Ich sehe auch wieder die ersten Boote in denen Angler hoffen einen dicken Fisch zu fangen. Nach geraumer Zeit lichtet sich das Ufer der Arroio Anguilas und er mündet in den Rio Antonio. Dicke Motoryachten liegen hier vor Anker. Nun gebe ich Gas und fahre etwas schneller. So interessant sind diese Yachten und der nun große Flußlauf wirklich nicht. Ich umrunde die Südspitze der Insel und biege in den Rio Liuján ein. Fünf Minuten später bin ich am Ausgangspunkt angelangt. Ein absolut herrlicher Ausflug.

Morgen oder Übermorgen wollen wir zu unserem Ankerplatz fahren. Aber als wir am nächsten Tag aus der Koje schlüpfen und uns umsehen, können wir unser Vorhaben abschreiben. Nach dem vorangegangenen Hochwasser ist die Tide nun so niedrig, dass an ein Verlassen des Hafens nicht zu denken ist. Einige Boote haben beträchtliche Schräglage da sie auf Grund stehen. Wir übrigens auch, haben jedoch das Glück, dass wir auf unserem breiten Kiel stehen bleiben.

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Standplatz im Yacht Club

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Abendstimmung

Zwei Tage später ist es dann so weit. Bei Hochwasser verlassen wir den Yacht Club und fahren zu unserem neuen Ankerplatz. Nach nicht einmal zehn Minuten sind wir da und nach weiteren fünfzehn Minuten sitzt der Anker. Sogleich steige ich ins Dinghi und bringe noch zwei Landleinen aus. Wir legen uns sehr nahe ans Ufer damit die Flussmitte frei bleibt und der „Verkehr“ am Wochenende nicht behindert wird. Im Moment sind wir ganz alleine und es ist absolut ruhig.

Die Ruhe, so habe ich mir sagen lassen, ist nur während der Woche.

Es ist Samstag und ich sage zu Annemarie dass wir eigentlich was unternehmen könnten. Also fahren wir mit dem Zug die ca. 20 km nach Tigre. Pro Person zahlen wir dafür 80 Centavos also zusammen 160 Centavos. Das sind umgerechnet gerade mal 28 Cent. Das können wir uns, falls wir das Abendessen auslassen, gerade noch leisten :-).

In Tigre angekommen verlassen wir den Bahnhof und die ersten Eindrücke auf uns wirken. Auf den ersten Blick sieht man, das hier ist absolutes Touri Gebiet. Der Ort macht einen sauberen und gepflegten Eindruck. So schlendern wir durch die Stadt und schauen uns Schaufenster an. Bei Schuh und Textilgeschäften bleiben wir stehen und betrachten erstaunt die Preise. Was hier in Pesos (Kurs 1,00 € = 5,7 Pesos) verlangt wird würde man in Deutschland in Euro bezahlen. Ein gut gearbeitetes Kostüm in sehr guter Stoffqualität z.B. für 420 Pesos das sind nicht mal 75,00€.

Anzüge aus feinstem Zwirn für 600 Pesos (etwas über 100 €) usw. usw. Ein echtes Dorado zum Einkaufen.

Vielfältige Angebote für Touristen vor allem auf dem Wasser. Überall stehen Touristenboote bereit die einen durch die Flüsse und Kanäle schippern. Aber dort wo ich mit meinem Dinghi hinfahre kommen die nicht hin :-).

Es ist ein Kommen und Gehen vor allem auf dem „Bootsbahnhof“. Hier herrscht ein Gedränge wie in einem Bienenhaus. Bin ich froh, dass ich nicht mit unserem Boot da mitmischen muss. Da bricht mir allein bei diesem Gedanken schon der Angstschweiß aus. Trotz allem wird sehr große Rücksicht auf die Ruderer und Paddler genommen die sich zwischen der Berufsschifffahrt aufhalten. Die großen Boote warten bis die kleinen vorbei sind und erst dann fahren sie weiter. Die kleinen sind eben gleichberechtigte „Verkehrsteilnehmer“

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großes Gedränge

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dazwischen die Kleinen

Einige Stunden später besteigen wir wieder unser Bähnlein und fahren zurück nach Barlovento. Von dort aus mit dem Dinghi zu unserem Boot. Es war ein schöner Tag.

Wir haben Sonntag, schönes Wetter und es ist die Hölle los. Alles kommt mit Boot samt Kind und Kegel, sei es ein kleines Gummiboot, eine große Motor oder auch Segelyacht, hierher und sucht sich einen Ankerplatz. Die meisten fahren ganz ans Ufer mit dem Bug in die Büsche und binden dort ihr Boot an einen Ast an. Anschließend wird gegrillt oder man sitzt nur so in der Sonne. Um mit deutschem Wortschatz zu reden kann man sagen am Sonntag sitzen sie alle in ihren Schrebergärten.

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Kolonne im Anmarsch

Das Angenehme dabei (jedenfalls für uns) ist die Ruhe trotz der vielen Boote. Wenn ich da an Brasilien denke dann stellen sich mir die Haare auf. Denn dort ist es nicht wichtig, dass ein Boot gut und gemütlich eingerichtetes ist, sondern dass sich in diesem eine fette Stereoanlage mit mindestens 1000 Watt befindet, die dann aufgedreht wird bis die Nieten aus den Löchern fliegen.

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Ankerplatz während der Woche…

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…und am Wochenende

Wir sitzen auf unserem Boot wie auf einem Balkon sehen uns die Prozession an und grüßen freundlich den Vorbeifahrenden zu. Unsere Fahne am Heck ist nicht zu übersehen und so fallen wir natürlich auf. Manchmal fliegen dann einige Brocken spanisch aber auch deutsch hin und her. Abends gegen 16:30 Uhr sind die meisten weg und wir sind wieder alleine.

Die Ruhe und Einsamkeit kehrt wieder ein. Bis nächste Woche bis die „Schrebergärtner“ wieder kommen.

In eigener Sache

Es wird Zeit, dass ich mich bei all denen wieder mal bedanke, die meine Webseite besuchen und fleißig dabei bei Sailinx (siehe Blogroll rechte Seite)klicken. Nicht nur, dass Ihr mich bei der „Logbuchseite“ an die erste Stelle geklickt habt, nein Ihr habt mich an die Spitze der „Sailinx-Gesamtführung“ geschossen. Soll heißen, die Seite der Out of Rosenheim hat die höchste Punktzahl aller in Sailinx vertretenen Seiten. Das ist für mich eine riesige Freude, gleichzeitig aber auchVerpflichtung und ich werde mich bemühen das Niveau der Seite weiterhin zu steigern. Ich freue mich über jeden Kommentar auf meiner Seite und jede E-Mail die ich bekomme.Konstruktive Kritik nehme ich ebenfalls gerne an.

Also nochmal vielen Dank an jeden Einzelnen.

Zum Schluss noch etwas: Wer mehr Bilder sehen möchte der braucht nur auf der rechten Seite im Blogroll auf „Webalben der Out of Rosenheim“ zu klicken. Ich habe zwei neue Alben hochgeladen mit den Titeln „Herbstbilder und Rundfahrt“ und „Impressionen vom Ankerplatz“. Viel Spaß mit den Bildern wünscht allen die Crew der Out of Rosenheim, Kapitän Werner und Admiral Annemarie. 🙂

Die „Dienstgrade“ haben wir übernommen aus einem sehr netten Bericht der Segelyacht WASA

20.04.2011

19. April 2011

Es ist sieben Uhr morgens und Annemarie werkelt bereits in der Pantry um das Frühstück zu zubereiten. Das Wasser steht hoch aber nicht so hoch wie es laut Tidenbericht stehen sollte. In 1½ Std haben wir Höchststand mit 1,20 Meter über Kartennull (über den angegebenen Tiefen auf der Karte). Aber wie gesagt, es wird wohl diese Marke nicht ganz erreichen, das sieht man jetzt schon am Wasserstand. Um 8:00 Uhr fahren wir los. Die Sonne scheint, es geht kein Wind und es ist schon 20°C warm. Eigentlich so richtig gemütliches und angenehmes Wetter. Langsam fahren wir unter Motor aus der Marina. Wir werden die ganze Strecke motoren, das steht schon fest. Selbst wenn wir günstigen Wind hätten würden wir uns, ehrlich gesagt, bei dieser kniffligen Tour nicht trauen zu segeln. Wir möchten nämlich nicht, dass wir, nur weil wir die Spur nicht genau halten können plötzlich im Schlick stecken bleiben. Muss ja nicht sein. Annemarie steht am Ruder und hat den Computer vor ihrer Nase und stiert angestrengt auf den Bildschirm, damit sie ja nicht vom Kurs abkommt. Verstohlen beobachte ich das Echolot. Nicht so schlimm, jedenfalls noch nicht. Es sind immer so an die 50 cm Wasser unter dem Kiel. Also ist das Hochwasser nicht gerade üppig. Wir sind beide angespannt. Nach ca einer Stunde wird das Wasser flacher. Die Anzeige geht zurück auf 20cm, dann 10cm und plötzlich steht null auf dem Echolot. Bei beiden sind die Nerven zum zerreissen gespannt, sie liegen blank. Gesprochen wird nur was unbedingt sein muss. Die Spannung steigt ins Uferlose und jeden Augenblick warten wir auf den Ruck und den Stillstand unseres Bootes. Erwin unser Freund meinte gestern noch ganz gelassen: „Es kann überhaupt nichts passieren. Es ist alles weicher Grund, keine Steine. Wenn ihr im Schlamm stecken bleibt, schmeißt den Anker und wartet bis das Wasser höher steigt“. Na Danke, das wäre dann erst wieder wenn es bereits dunkel ist und da fahre ich in diesem Gewässer keinen Meter. Angespannt schleichen wir nun mit 2,8 Knoten dahin und hoffen, dass alles gut geht. Immer und immer wieder werfe ich einen Blick durchs Fernglas und versuche den Weg und die Einfahrt in den Nebenfluss des Rio de La Plata zu finden. Ehrlich gesagt, ich sehe rein gar nichts, nur dass wir stur auf das Land zu halten. Aber das haben wir inzwischen schon gelernt. Es ist nicht immer alles so wie es aussieht. Wenn es so aussieht als würden wir geradewegs auf das Land zufahren und man keine Einfahrt sieht, dann heisst das noch lange nicht, dass es auch so ist. Da muss man dann eben der Karte vertrauen, was wir auch tun. Vor uns taucht eine lange Reihe grüner hoher Stangen auf, die nicht auf der Karte verzeichnet sind. Diese zeigen also eine Fahrrinne an. Nur die roten Stangen kann ich nicht entdecken. Aber dafür sehe ich zwei rote Untiefen Tonnen. Wir sind auf dem richtigen Weg. Nun sind wir nahe genug und wir sehen die Einfahrt in den Fluss. Die Wassertiefe hat auch wieder einen beruhigenden Wert eingenommen. Erst 1,20 Meter unter dem Kiel und das steigert sich bis auf sieben Meter, je weiter wir in den Fluss kommen. Nun müssen wir noch die richtige Marina finden. Hier ist eine an der anderen. Ich habe auf einer Meile zehn!! verschiedene Marinas gezählt. Aber wirklich keine in der weniger als hundert Schiffe liegen. Es kommt wie es kommen muss und wir finden „unsere“ Marina. Wir wären fast vorbei gefahren. Annemarie legt den Rückwärtsgang ein und gibt Gas. Schon stehen wir direkt vor der Einfahrt. Über Funk kann ich nicht rufen, da sie in diesem Yacht Club mit UKW Kanal 66 arbeiten. Alle anderen Kanäle funktionieren einwandfrei, nur Kanal 66 nicht. Unsere Geräte, die wir in Europa verwenden stimmen in der Empfangsfrequenz nicht mit der Sendefrequenz der hier verwendeten Geräte überein. Soll im Klartext heißen: Die können mich verstehen, ich aber sie nicht. Wir stehen also vor der Einfahrt und ich sehe einen Marinero mit dem Boot vorbeifahren. Mit einem gellenden Pfiff mache ich auf uns Aufmerksam. Der Marinero macht durch Gesten klar, dass wir ihm folgen sollen. Ich übernehme von Annemarie das Ruder, denn ich sehe, dass ihr die letzten zwei Stunden doch sehr hart zugesetzt haben und fahre das Boot in die zugewiesene Box. Wir sind da! Keine Sturmfahrt, die wir bis jetzt hinter uns brachten, hat je so an den Nerven gezehrt wie diese paar Meilen. Es ist, für uns jedenfalls, nichts so schlimm wie eine Fahrt bei der man jeden Moment darauf wartet sich festzufahren. Das Boot kann zwar in diesem Fall nicht kaputt gehen, wie bei Felsgrund. Trotzdem ich danke wenn ich im Schlamm stecke und das Wasser fällt nochmal um ca einen Meter oder mehr und ich hänge da weiß Gott wie lange mit Schräglage in der Gegend herum.Muss ich nicht wirklich haben. Aber es geht alles gut und wir liegen nun beruhigt und zufrieden in der Marina. Mal sehen was die nächsten Tage uns bringen werden. Ein Problem habe ich allerdings jetzt schon. Wir bekommen hier keine Verbindung zum Internet. Aber damit müssen wir leben.

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Yacht Club Barlovento

Lange werden wir hier nicht bleiben, obwohl uns der Yacht Club sehr gut gefällt. Er hat eine sehr ruhige Lage, es sieht fast so aus als wäre er mitten im Wald angelegt. Die Leute sind alle sehr freundlich und zuvorkommend. Wir sind hier, weil in diesem Club unser Freund Erwin sein Boot liegen hat. Von den Liegeplätzen der Boote kommt man nicht an Land. Dafür gibt es ein (kostenloses) Wassertaxi das einem zu jeder Tages und Nachtzeit vom Boot abholt und wieder zurückbringt. Obwohl es hier wirklich schön ist, werden wir nächste Woche in den Nebenarm des Flusses verlegen und dort ankern (siehe Bild Yacht Club Barlovento).

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Der erholsame Teil

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 Der nervige Teil

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Clubhaus Barlovento

20.04.2011

18. April 2011

Die Woche im Centro Naval in Nunez ist vorüber und morgen werden wir, wie die Nomaden weiter ziehen nach Barlovento. Der Weg dorthin ist nicht weit, ca. acht Meilen aber er hat es in sich. Unser Boot hat einen Tiefgang von 1,90 Metern und die angezeigten Tiefen auf der Karte liegen zum Teil bei nur 1,10 Meter. Das ist verdammt wenig und es ist klar, dass, wenn überhaupt, das nur bei Hochwasser zu machen ist. Hochwasser allein genügt nicht, denn Wind und Wetter müssen ebenfalls stimmen. Die Eigenart von Flüssen und Lagunen, wir kennen das von Rio Grande her, haben ihre eigenen Gesetze. Wenn z.B. der Wind mit der Strömung steht, dann kann es passieren, dass trotz Hochwasser das Wasser niedriger steht als bei Niedrigwasser wenn der Wind gegen den Strom steht und so verhindert wird, dass das Wasser in den Atlantik abfließen kann.. Also heißt es Wetter und Tide genau zu beobachten. Heute am Abend des 18.04. steht das Wasser sehr hoch und es ist kein Wind, also gute Aussichten für morgen.

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Unser Liegeplatz in Nunez

15.04.2011

14. April 2011

Die Tage im Yacht Club Argentino in Buenos Aires sind leider vorbei. Wir haben die Tage genossen, trotz der Rennerei die wir wegen der „Lebensbescheinigung“ für die spanische Rentenversicherung hatten. Ein weiteres Verweilen in diesem Club erlaubt unser Budget leider nicht (89,00 US$/Tg.). So fahren wir von Buenos Aires ab in Richtung Norden. Wir wollen zu dem ca acht Meilen entfernten Yacht Club Centro Naval in Nunez. Wir fahren alles mit Motor, denn es geht kein Wind. Man muss höllisch auf Untiefen aufpassen. Die Karten sind nicht immer genau, wie das nebenstehende Bild von der Einfahrt in die Marina zeigt

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Das Sicherste und Beste ist immer noch die „Augapfelnavigation“. Dass es nicht immer gut geht zeigen die zahlreichen Wracks die an der Küste und auch im Rio de La Plata selbst liegen. Das wohl berühmteste Wrack ist das der Graf Spee.

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Panzerkreuzer Graf Spee (Archivbild)

Wir kamen auch, allerdings Nachts, an dieser Stelle vorbei (siehe Markierung  Bild unten-auf Bild klicken) an dem den Panzerkreuzer Graf Spee am 17.12.1939 sein Schicksal ereilte.

Es war das zur damaligen Zeit beste Kriegsschiff der Welt. Am 21. August 1939 verließ es unter dem Kommando von Kapitän zur See Hans Langsdorff, ein hervorragender Soldat mit noch echtem Ehrenkodex und absolut kein Nationalsozialist, Wilhelmshaven. Er zerstörte auf seinem Weg 9 Handelsschiffe und war dabei immer bemüht so viele Menschen der versenkten Schiffe zu retten, wie nur möglich. Er war eine große Gefahr für die Nachschubwege der Engländer und diese konnten sich dies nicht bieten lassen. So beorderten sie einen Verband, bestehend aus dem schweren Kreuzer Exeter und den leichten Kreuzern Ajax und Achilles in den Südatlantik, um die Graf Spee zu suchen, aufzuspüren und sie zu vernichten. Am 13.12 1939 fanden die Engländer die Graf Spee. Weisungswidrig stellte diese sich zum Kampf, wobei sie den schweren Kreuzer Ajax kampfunfähig schoss und die beiden anderen durch Treffer beschädigte. Auf Grund eigener Treffer (36 Tote und 59 Verletzte) lief die Graf Spee zwecks Reparatur in Montevideo, im neutralen Uruguay ein. Dem Verhandlungsgeschick der Engländer ist es zu verdanken, dass die Graf Spee nach 72 Stunden den Hafen verlassen musste.

Mit politischer Neutralität hatte diese Abmachung zwischen England und Uruguay allerdings nichts zu tun.

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Die länger benötigte Reparaturzeit wurde der Graf Spee von der damaligen uruguayischen Regierung verweigert. Verstärkung für die englische Flotte war bereits unterwegs in Form des Schlachtschiffes Cumberland, das die kampfunfähig geschossene Exeter ersetzen sollte. Die in die Flucht geschlagenen Schlachtschiffe Achilles und Ajax hatten ihre Schäden beheben können. Damit aber das deutsche Schiff den Hafen nicht sofort verlassen konnte, denn die Verstärkung war noch nicht eingetroffen, griffen die Engländer zu einer List. Nach internationalem Seerecht durfte ein Kriegsschiff erst 24 Stunden nach dem Auslaufen des gegnerischen Schiffes das im selben Hafen lag, diesen verlassen. Um aber ein sofortiges Auslaufen der Graf Spee zu verhindern, schickten die Engländer täglich eines ihrer Schiffe aus dem Hafen und zwar so lange bis die Cumberland beim englischen Verband eingetroffen war.

Was den Deutschen damals gestattet wurde, war, dass sie in voller Uniform und mit allen militärischen Ehren ihre im Kampf gefallenen Kameraden beerdigen durften. Bei diesem Zeremoniell entbot Kapitän z.S. Hans Langsdorff seinen toten Soldaten den militärischen Gruß, während alle anderen, einschließlich des Priesters, die Hand zum Hitlergruß hoben.

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Kapitän zur See Hans Langsdorff (Archivbild)

Derweilen griffen die Engländer zu einer weiteren List. Sie täuschten durch fingierte Funksprüche eine erheblich stärkere Übermacht vor, die den Ausgang der La Plata Mündung blockierte um so die Graf Spee daran zu hindern den offenen Atlantik zu erreichen.

Am 17. Dezember 1939 musste der Panzerkreuzer der deutschen Reichsmarine den Hafen von Montevideo verlassen. Um ein sinnloses Gemetzel und auch die Gefangenschaft durch die Engländer zu verhindern, ließ der Kapitän knapp außerhalb der drei Meilen Zone ankern. Es war nur noch eine Notbesatzung auf dem Schiff. Der Rest der ca. 1000 Mann Besatzung ging bereits in Montevideo von Bord. Es wurden, nach Rücksprache mit der Reichsregierung, mehrere Sprengladungen am Schiff angebracht. Dann verließen auch die letzten Männer das Schiff. Kurz danach explodierten die Sprengladungen und versenkten das Flaggschiff der deutschen Kriegsmarine. Dadurch wurde verhindert, dass es in die Hände des Gegners gelangte.

Das war das Ende der unbesiegten stolzen Graf Spee in der „Seeschlacht“ vor Montevideo.

Die Mannschaft kam danach in Buenos Aires in Gefangenschaft.

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Das bittere Ende der Graf Spee (Archivbild)

Der Kapitän erschoss sich drei Tage später in Buenos Aires im Marine Arsenal durch Kopfschuss, in voller Uniform und auf der deutschen Reichskriegsflagge liegend. Er wurde dort unter großer Teilnahme der Bevölkerung beigesetzt. Die gesamte Besatzung der Graf Spee war bis zum letzten Mann bei der Beerdigung anwesend.

Am 25. Februar 2004 wurde begonnen die auf zehn Meter Tiefe liegende Graf Spee zu bergen.

Das allerdings ist eine andere (traurige) Geschichte. Gott sei Dank hat alles nicht so geklappt wie man es sich vorstellte. Es konnten nur einige Teile geborgen werden.

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Aber statt dessen, dass die deutsche Regierung sich bemüht hätte ein deutsches Schiff mit so großer, wenn auch kurzer Vergangenheit, als Denk und Mahnmal oder als Musemsschiff nach Deutschland zu bringen, hat es nicht einmal dagegen protestiert, dass (immer noch) deutsches Eigentum von Wrackplünderern und Geschäftemachern ehrenlos ausgeschlachtet wird.

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Die Graf Spee auf dem Grund des La Plata

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Die Farbbilder wurden aus der u.a. deutschen Webseite für Uruguay entnommen welche meinen Bericht ebenfalls veröffentlichte

http://www.uruguaynatural.net/archiv/36-uruguay/411-die-graf-spee-in-montevideo.html

Farb-Bilder: Quelle http://maquetas.mforos.com/480463/7468468-el-pecio-del-graf-spee/

Zum Schluss noch eine nette Begebenheit. Wir fahren gerade langsam in die Marina ein, als vor lauter Freude darüber dass wir es sind, ein Fisch einen Luftsprung macht und genau auf Deck landet. Wir sind beide so mit Manöver beschäftigt um in dem flachen Hafen bloß nirgends aufzufahren, dass wir den Fisch gar nicht bemerken. Annemarie erzählt mir später, dass sie, als sie den zappelnden Fisch an Deck hört, sich denkt was das denn für ein Geräusch sei. Nach Beendigung des Anlegemanövers sagt Annemarie zu mir, „du, da ist ein Fisch an Deck gesprungen“. Das hätte er nicht tun sollen, denke ich mir und ziehe ihm gleich mit einer Eisenstange eins über. Das Abendessen ist gerettet. (siehe vorherigen Bericht)

13.04.2011

13. April 2011

Die Out of Rosenheim ist nun von der Luxusmarina umgezogen und hat sich im Yacht Club Centro Naval in Nunez eingefunden:

34 32.192S, 058 27.162W

Zur Begrüßung ist ein 1300 Gramm schwerer Fisch auf dem Deck gelandet. Hätte er nicht tun sollen, der nächste Weg war der in die Pfanne

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8.04.2011

08. April 2011

Für Piriapolis ist schweres Wetter angesagt und alle Boote die vor dem Hafen ankern werden von der Prefctura angewiesen in den Hafen zu fahren. Bei Sturm darf kein Boot außerhalb liegen. Alle Boote befolgen die Anweisung bis auf ein Schweizer Boot dessen Skipper nicht ausfindig zu machen ist. Es dauert auch nicht lange und der Sturm bricht los. Hier im Delta des La Plata ist es sehr flach und schnell gehen die Wellen hoch. Es kommt wie es kommen muss und das Schweizer Boot geht auf Slip in Richtung Hafenmole bzw. Wellenbrecher. Wir ( ich und einige andere Leute)versuchen das Boot von den Steinen wegzudrücken. Die Prefectura ist mit einem Schlauchboot da und zieht es von den Steinen weg. Das Manöver gelingt und das Boot wird in den Hafen gezogen. Zwischenzeitlich ist auch der Skipper des Bootes eingetroffen. Er hat nochmal Glück gehabt. Außer ein paar tiefen Schrammen im Gelcoat über der Wasserlinie ist nichts passiert. Vor einigen Wochen war ebenfalls ein Sturm und da hat es ein Boot an den Strand auf die Steine geworfen. Dieses Boot kam dabei nicht so gut davon. Es hat auf der Steuerbordseite ein großes Loch mit ca 1 Meter Durchmesser und ist voll Wasser gelaufen. Nun hat man es geborgen und es liegt im Hafen an Land mit dem Loch nach unten damit es restlos auslaufen kann.

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Blick auf Piriapolis

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Gleich gehts los

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Ruhe vor dem Sturm

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Wir sind jetzt fast vier Wochen in Piriapolis, schreiben März 2011 und es wird wirklich Zeit dass wir uns von hier verabschieden und weiter segeln. Es ist zwar sehr schön hier, leider haben uns die Preise die Freude an einem weiteren Aufenthalt vergällt. Wir haben das Pech um drei Wochen zu früh dran zu sein, denn bis 15.März kostet ein Aufenthalt in der Marina um 300% mehr als in der Nachsaison. Seit wir in Uruguay sind habe ich mir geschworen nie mehr im Leben über die deutsche Bürokratie zu schimpfen. Was Bürokratie wirklich bedeutet kann man hier erleben. Ein Beispiel: Freunde von uns haben ihr Boot an Land heben lassen, so weit so gut, nur mussten sie erst zur Prefectura (ähnlich der Küstenwache) und mussten sich, natürlich gegen Bezahlung einer Gebühr, eine Genehmigung holen den Kran benützen zu dürfen (Krankosten gehen extra). Dann brauchen sie eine Genehmigung (gegen Gebühr) um ihr Schiff streichen zu dürfen. Dabei müssen u.a. die Zinkanoden am Rumpf abgeschnitten und neu angeschweißt werden, was ebenfalls nur gegen Zahlung einer Gebühr für die dafür benötigte Genehmigung möglich ist. Ich führe bei mir einen Ölwechsel durch was ebenfalls nur gegen eine Gebühr möglich ist, was ich jedoch erst später von anderen erfahre. Es hat keiner gesehen, ich habe es nicht gewusst und bin so (glücklicherweise) durch die Maschen der Bürokratie geschlüpft. Allerdings muss ja bei mir die Membran der Kraftstoffpumpe gewechselt werden, welches ebenfalls gegen Gebühr erlaubt wird. Leider wird aus dem Membranwechsel ein Pumpenwechsel. Dieser muss gegen Gebühr von einem Inspektor abgezeichnet werden, worauf sie in meinem Fall aber verzichten.

Nachdem ich beim Amt für Hydrografie die Marinagebühr, die Duschenbenutzung, den Wasserverbrauch so wie die Stromkosten bezahlt habe bekomme ich die Erlaubnis den Hafen in Richtung Colonia verlassen zu dürfen, mit der Auflage mich über Funk nochmal bei der Hafenbehörde abzumelden. Unterwegs müsste ich mich beim vorbeisegeln in Buceo melden, was ich mir aber schenke. In Montevideo allerdings hole ich mir über Funk die Erlaubnis die Bojenstrasse der Großschifffahrt queren zu dürfen. Die ca. 135 Meilen legen wir ohne irgendwelche Probleme zurück. Meinen 68. Geburtstag am 2. April „feiere“ oder besser gesagt verbringe ich diesmal auf dem Wasser und am Ruder stehend. Am 3. April gibt es für uns eine Premiere. Zum ersten mal fahren wir nachts in einen uns unbekannten Hafen ein. Wie schon bei der Abfahrt in Piriapolis müssen wir uns hier über Funk bei der Port Control auf Kanal 16 anmelden. Alles geht glatt und kurz danach fällt der Anker und wir in die Kojen.

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auf dem Weg nach Argentinien

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Lotse und Rudergänger

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Priapolis – Buenos Aires

Die Segelyacht Lorbas mit Thomas und Claudia ist ebenfalls hier und wir freuen uns sehr sie wieder zu sehen. Leider ist unsere Zeit diesmal sehr knapp bemessen und es reicht nur für ein Abendessen zu welchen wir zu ihnen aufs Boot eingeladen sind. Da sie sich aber länger hier aufhalten wollen hoffen wir, dass wir uns doch nochmal sehen werden.

Am nächsten Tag gehen wir zum einklarieren, brauchen dabei aber nur zur Prefectura und ins Marinabüro was schnell erledigt ist. Im Laufe des Tages kommt unser Freund Erwin mit der Fähre aus Buenos Aires und wir treffen ihn im Hafen. Er hat sich einige Dinge für sein Boot aus den USA schicken lassen was wir auf unsere Lady verfrachten. Ich erledige heute noch einen Teil der Ausklarierung. Es ist schon ziemlich spät aber die Emigration hat 24 Std. geöffnet, die kann ich noch erledigen. Am nächsten Tag früh gehe ich zum Zoll und anschließend zur Hidrografia und zur Prefectura. Dann sind wir fertig und laufen aus. Erwin macht unseren Lotsen und ist bei uns an Bord. Wir haben (wenig) Wind von vorne und motoren gegenan. Einige Zeit später dreht der Wind etwas und wird stärker. Also ziehen wir die Segel hoch und fahren mit Motorunterstützung weiter. Nach einigen Stunden Fahrt fängt plötzlich der Motor an zu stottern. Sofort schalte ich ihn ab, steige in den Motorraum und sehe nach. Filter sauber, kein Wasser und kein Dreck, dafür aber jede menge Luft. Wir haben für diese Schräglage zu wenig Sprit im Tank. Ich spiele mal wieder Maschinist und plantsche mit Diesel rum. Nach einiger Zeit ist der Motor wieder entlüftet und er läuft wieder. Nun segeln wir ohne Motorunterstützung weiter. Zwar auch nicht langsamer aber dafür nicht mehr so hoch am Wind. Dadurch kommen wir ziemlich weit nach Süden, was wir aber später durch Motorfahrt wieder wett machen wollen. Der Vorteil hier im Rio de La Plata ist, dadurch dass er so flach ist muss die Großschifffahrt in vorgeschriebenen Bojenstraßen fahren und sind daher gut berechenbar. Als wir jedoch eine dieser Wege queren wollen kommen wir so einem Dampfer ziemlich nahe, jedoch ohne irgendwelche Gefahr. Erwin, der am Ruder steht, dreht einen Kreis und wir können unbesorgt weiter fahren. Buenos Aires ist schon lange in Sicht, aber es ist noch weit bis zu unserem Ziel. Es wird schon dunkel und wir sind wegen des Windes 12 Meilen zu weit südlich. Nun nehmen wir die Segel runter und fahren mit Motor weiter. Es dauert nicht lange und wir haben stockfinstere Nacht. Wenn ich jetzt so an die Zeit denke als es noch keine elektronischen Karten gab und wir wären in die Lage versetzt den Hafen finden zu müssen, da packt mich das kalte Grausen. Selbst mit elektronischer Hilfe ist es nicht ganz so einfach. Man muss der Karte vertrauen, scharf Ausguck halten damit man keine unbeleuchtete Boje über den Haufen rennt und dass man kein querendes Schiff übersieht was leicht passieren kann, da man bei dem hell und farbig leuchtenden Hintergrund den die Stadt abgibt, die kleinen Positionslichter eines Sandfrachters der längs der Küste fährt, leicht übersehen kann.Dadurch dass Erwin sich hier bestens auskennt und er am Ruder steht ist alles eine Erholung für unsere Nerven. Nachts gegen 22:00 Uhr sind wir endlich in der Hafeneinfahrt und wir rufen die Marina. Die Barriere wird aufgemacht und wir können in die Marina einfahren. Ein Platz wird uns zugewiesen und wir machen fest. Annemarie richtet ein Abendessen für uns drei und wir lassen es uns schmecken. Danach gehen wir noch ins Marinabüro und melden uns an. Nachdem alles erledigt ist verabschiedet sich Erwin von uns und fährt nach Hause. Wir fallen todmüde in die Kojen und sind auch sofort eingeschlafen.

Der nächste Tag, es ist der 6. April, geht es zum einklarieren. Die Formalitäten sind easy, das ist kein Problem. Problem sind nur die Wege die dabei zurückgelegt werden müssen. Wir müssen uns die Ämter Emigration, Zoll und Prefectura in der Stadt zusammensuchen. Die Ironie bei der Geschichte ist, dass wir erst zur Einwanderungsbehörde (Emigration) und dann zum Zoll müssen, der ca. 5 km davon entfernt ist und dann geht es wieder zurück zur Prefectura die „nur“ 2 km von der Emigration weg ist. Es macht wirklich keinen Spaß in einer 20 Millionenstadt in der man sich kein bisschen auskennt mit dem Bus und zu Fuß kreuz und quer durch die Gegend zu latschen und nach Ämtern zu suchen. Plötzlich verschwindet Annemarie im Hotel Sheraton. Hat sie die Schnauze voll und will dort einbuchen? Nach einiger Zeit kommt sie zurück und wedelt mit einem Stadtplan, was nun die Suche erheblich erleichtert. Dabei haben wir ein schönes Erlebnis.Wir lernen eine ganze Blase von MH – Fahrern kennen (Motorhome – Fahrer). Sie kommen aus der Schweiz und Deutschland. Sogar Münchner sind dabei. Wie klein ist doch die Welt. Der Schweizer MH – Fahrer ist ein Bekannter von Rene und Viola, von der Segelyacht Svenya, welche wir in Piriapolis kennen gelernt haben. Gegenseitig fragen wir uns Löcher in den Bauch nach den Erlebnissen. Diese sind manchmal auf beiden Seiten nicht ganz harmlos. Abenteuer gibt es überall.

Völlig geschafft, ausgehungert und mit Blasen an den Füßen kehren wir endlich nach sechs Stunden zu unserem Boot zurück.

Der Club in dem wir liegen ist der teuerste und exklusivste in Buenos Aires und gehört u.a. dem Rotary Club an. Nicht dass jetzt jemand denkt bei uns sei der Wohlstand ausgebrochen. Ganz bestimmt nicht. Aber es ist von Colonia kommend der beste Platz zum einklarieren. Ausländische Gastyachten dürfen hier sechs Tage kostenlos bleiben. Danach allerdings müssten wir für unser Boot täglich umgerechnet 60,00 € bezahlen, was dann pro Monat so schlappe 1800 € sind. Da wir vor haben länger in Argentinien zu bleiben ist es sicher nicht die richtige Kragenweite für uns.

Wir gehen am Fahnenmast des Clubs vorbei und ich traue meinen Augen kaum. Wir sind hier im Moment die einzigen ausländischen Gäste. Haben sie doch uns zu Ehren neben der argentinischen ebenfalls die deutsche Fahne gehisst. Und ich habe mir bis jetzt noch nicht mal eine Gastlandflagge besorgen können. So eine Schande. Es ist mir wirklich peinlich. Ich frage im Club danach, leider können sie mir nicht helfen. Also gehen wir in die Stadt, was dann aber ebenfalls nicht von Erfolg gekrönt wird. Die sonst üblichen Schiffszubehörläden in der Nähe von Clubs oder Marinas fehlen hier ganz. Aber irgendwie werden wir es schon noch zu einer argentinischen Flagge bringen. Ich hoffe nur bevor wir hier wieder abziehen.

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Flaggensprache-deutsche Gäste im Club

Was nun Buenos Aires betrifft, der erste Eindruck ist überwältigend. Schon richtig, eine Skyline wie jede andere Großstadt ob New York, Salvador oder sonst wo. Aber bei genauerem hinsehen hat diese Stadt (jedenfalls was wir bisher gesehen haben) einen ganz eigenartigen Charm. Das Hafenviertel in dem wir hier sind ist ganz neu gestaltet worden. Viele alte Lagerhäuser wurden zu Wohnungen und Geschäften umgebaut. Alte baufällige Gebäude wurden abgerissen und an ihrer Stelle entstanden dann die Hochhäuser. Wer sich hier eine Wohnung leisten kann, der hat wirklich Geld. Dazu gehört auch der Yacht Club. Das Gelände ist riesig und die Einrichtungen sind vom Feinsten. Allein schon das Clubhaus mit seinem eigenwilligen Stil sticht aus den umgebenden Gebäuden heraus. Restaurant, Fitnessräume und clubeigene Werkstatt ob für Mechanik oder Holzarbeiten gehören zum Standard des Vereins.

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Im Club

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Clubhaus

Morgen werde ich wohl mal wieder die Stadt unsicher machen und das spanische Konsulat aufsuchen, denn die spanische Rentenversicherung verlangt mal wieder, wie jedes Jahr, eine „Lebensbescheinigung“. Da kann man nur sagen: von der Wiege bis zur Bahre Formulare, Formulare.

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 OoR vor der Skyline Buenos Aires

6.04.2011

05. April 2011

am Dienstag, 05.04.2011 ist die Out of Rosenheim um 22:00 Uhr in Argentinien in Buenos Aires eingetroffen. Am Mittwoch wird die Crew erst einmal einklarieren und sich um einen neuen Liegeplatz kümmern.  In der Marina in der sie z.Zt. liegen ist die teuerste aber dafür auch die exclusivste in Buenos Aires. Die Out of Rosenheim darf hier eine Woche kostenlos liegen, aber dann müssen sie etwas adäqautes für den Geldbeutel gefunden haben. Bericht folgt sobald der Skipper dafür Zeit und Muße findet.

1.04.2011

01. April 2011

Nein, kein Aprilscherz. Es geht weiter mit der Reise.

Heute will die Besatzung der Out of Rosenheim von Piriapolis aus nach Colonia starten. Es sind zwar nur ca. 135 sm, aber da derzeit wenig Wind herrscht, wird die Reise voraussichtlich bis zum 03. April dauern.

Das heisst dann wohl, den Geburtsstag vom Skipper auf offener See feiern (02. April).

Guido

15.03.2011

15. März 2011

Der Februar ist bald vorbei und immer noch sind wir in Rio Grande im Yacht Club. Die Arbeiten sind fast fertig. Die Ersatzteile aus Deutschland sind eingetroffen und ich kann mich weiter mit dem Vorstag beschäftigen. Das Dinghy lässt ebenfalls sehr zu wünschen übrig, denn es verliert die Luft schneller als ich pumpen kann. Das Teil hat mehrere undichte Stellen und zum Überfluss auch noch genau an einer Naht, so dass mit einem Flicken nichts zu machen ist, da ich nicht über Eck kleben kann. Der Bug ist ebenfalls betroffen und eine Rundung zu kleben von oben nach unten und dann ebenfalls von links nach rechts um die Ecke ist sehr problematisch und bisher sind alle Versuch fehlgeschlagen. Sämtliche Versuche mit Spezialkleber für Hypalon waren so erfolglos wie sie teuer waren. Ein Freund riet mir, es doch mal mit Sikaflex zu versuchen. Also habe ich es mir mal genau angeschaut was das eigentlich ist. Es ist ein PU-Kleber. Also Polyurethan. Es ist aber auch fast doppelt so teuer wie andere Marken. Wichtig ist doch eigentlich nur, dass es ein Kleber mit Polymeren ist. So kaufe ich eine einheimische Marke mit dem Namen Unifix. Flicken aus Hypalon habe ich auch nicht mehr. Also nehme ich, so wie in alten Zeiten, einen alten LKW Schlauch. Nach eingehender Behandlung der zu klebenden Stellen mit Benzin streiche ich das PU drauf. Es lässt sich sehr gut verarbeiten. Es ist wie Creme. Dann kommt der zugeschnittene Schlauchgummi drauf und das ganze angedrückt. Ich lasse es einige Stunden trocknen und pumpe dann die Luft auf. Siehe da, drei Tage später ist sie immer noch drin. Prima.Der Vorteil bei PU ist, dass man die undichten Stellen eigentlich schon alleine mit dem Kleber abdichtet und den Gummi dann nur noch zusätzlich anklebt. Einige kleine Stellen habe ich nur mit dem Kleber abgedichtet. PU ist UV und Salzwasser beständig.

Die gebrochene Antriebswelle der Einspritzpumpe ist zwischenzeitlich ausgewechselt worden und Gonzalo hat die Pumpe wieder eingebaut. Nach einem kurzen Probelauf hat er seine Arbeit abgeschlossen. Der Zeitpunkt unserer Abfahrt aus Brasilien kommt immer näher. Am nächsten Tag mache ich nochmal einen Probelauf. Die Ölpumpe fördert kein Öl. So ein Mist. Ich rufe Gonzalo an, dass er nochmal kommen muss. Er verspricht mir am nächsten Tag zu kommen, tatsächlich dauert es aber drei Tage bis er erscheint. Er werkelt etwa eine Stunde, dann läuft das Öl wieder durch den Motor. Gonzalo verabschiedet sich und ich mache erst mal einen einstündigen Probelauf, auch um den Verbrauch zu messen. Als ich nach einer Stunde den Motor abstellen will, funktioniert das nicht. Er läuft einfach weiter. Den Abstellhebel an der Einspritzpumpe mit der Hand abzustellen schlägt ebenfalls fehl. Mir bleibt nichts anderes übrig, als den Luftansaugschlauch abzuziehen und die Ansaugöffnung mit der Hand zuzuhalten. Nachdem der Motor nun steht lese ich den Verbrauch ab. Verdammt, so ein Mist. Da ist mir wohl ein Fehler unterlaufen. Der Motor braucht normal nur 2 L/Std. Diesmal sind es aber drei Liter. Gleich wiederhole ich den Versuch. Er braucht wieder drei Liter. Diesmal haben die in der Werkstatt wohl Mist gebaut mit der Einstellung. Die Pumpe nochmal ausbauen und wieder in die Werkstatt bringen, sage ich zu Gonzalo. Er verspricht mir am nächsten Tag zu kommen. Doch diesmal lässt er mich eine ganze Woche warten. Erst als ich Erwin unseren Freund aus Argentinien bitte bei Gonzalo anzurufen erklärt er mir, dass er einen anderen Spezialisten Bescheid gesagt habe, der am nächsten Tag am Boot vorbei schauen würde. Ich brauche wohl nicht zu betonen, dass dieser Typ nicht gekommen ist. Jetzt ist es mir zu dumm, die Pumpe geht ja, nur dass der Verbrauch um 30% zu hoch ist. Wir wollen trotzdem von hier weg.

Den Plan nach den Kanaren zu segeln haben wir aufgegeben denn wir wollen mit unserem Freund Erwin nach Argentinien, genauer gesagt nach Buenos Aires.

Am Mittwoch den 2. März fahren wir gegen 10:00 Uhr morgens los. Annemarie steht am Ruder. Wir biegen an der Hafenausfahrt um die Ecke, da steht mitten in der Fahrrinne ein Bagger. Als die Leute uns sehen winken und schreien sie und deuten uns, dass wir stoppen sollen.. Annemarie legt den Rückwärtsgang ein und gibt Gas. Durch den Schraubeneffekt dreht sich das Heck nach Steuerbord und schon stehen wir quer in der schmalen Fahrrinne und stecken auch schon im Schlamm. Wir kommen trotz Vollgas nicht mehr raus. Den Bagger haben sie auf die Seite gefahren um uns vorbei zu lassen. Nützt aber nichts. Alle Versuche alleine frei zu kommen bringen nichts. Also holen die Arbeiter die Schaluppe und ziehen uns mit viel Mühe aus dem Schlamm.Wir sind frei aber die Strömung schiebt uns nach Backbord bevor wir Fahrt aufnehmen können und schon wieder stecken wir fest. Beim nächsten Versuch uns aus dem Dreck zu ziehen klappt es endlich und sie ziehen uns diesmal wirklich bis ins tiefe Wasser. Wir kommen bis Barra als der Öldruck zu fallen anfängt. Er geht beängstigend weit runter. Sofort laufen wir den Steg, an dem wir vorher fast ein Jahr lang gelegen sind an und machen dort fest.Von hier sind es fünf Minuten bis zu Gonzalos Haus. Sogleich mache ich mich auf den Weg um ihn zu holen. Diesmal kommt er auch sofort (es dauert nur zwei Stunden, denn Mittagspause muss sein). Er meint es läge vielleicht am Öl und wir machen einen Ölwechsel und füllen diesmal ein SAE 40 auf und nicht wie vorher mit 10/30. Das Öl ist dicker und der Druck geht auch wieder hoch. Wir verabschieden uns und es geht los in Richtung Süden. Das Wetterfenster dauert mindestens eine Woche und das soll heißen, der NO Wind bleibt uns erhalten. Die Ausfahrt ist ziemlich ruppig, denn es steht der Wind gegen Strömung und Welle. Wir haben Mühe innerhalb des Tonnenstrichs zu bleiben. An der letzten Boje der Ausfahrt kommen wir nur knapp vorbei, so drückt uns Wind und Strömung nach Süden. Zwar wollen wir in diese Richtung, jedoch dürfen wir nicht zu früh abbiegen, denn dann liegen die Sandbänke genau vor uns und wenn wir dort auflaufen ist es ein für allemal vorbei. Jedoch wir schaffen es und biegen nach der letzten Tonne ab. Nun haben wir Welle und Wind von achtern. Die Strömung läuft auch mit uns und so sind wir teilweise mit acht Knoten unterwegs. So schnell sind wir mit unserem Boot noch nie gewesen. In den ersten 13 Stunden schaffen wir dann auch gleich mal 76 Meilen. Das große Manko diesmal ist, dass Annemarie und ich so Seekrank sind wie eigentlich nie zuvor. Beide kotzen wir uns die Seele aus dem Leib. Nur gut, dass der Automat die Steuerung übernommen hat und wir uns darum nicht zu kümmern brauchen.

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In der Nacht des nächsten Tages wird es etwas ruhiger, wir machten in den letzten 24 Std. (ETMAL) 114 nm. Am Tag ist die See bereits ruhig, doch uns geht es immer noch nicht sehr gut. Erst am Abend haben sich die Mägen von uns beiden so weit gebessert, dass wir ganz vorsichtig was essen können, ohne es gleich wieder über Bord zu schmeißen. Am dritten Tag ist der Wind fast ganz weg und als wir nur noch 2,5 Knoten Fahrt machen entschließen wir uns den Motor zu starten. Nach ca. 10 Stunden Motorlaufzeit geht der Öldruck ganz verdächtig in die Knie und als er dann fast bei Null ist, stelle ich den Motor ab. Ich steige in den Motorraum und kontrolliere das Öl. Ich traue meinen Augen nicht. Als ich den Motor gestartet habe war der Ölstand auf Maximum und nun ist der Ölstand so hoch, dass er bis zum Ende des Messstabs reicht. Ich messe immer und immer wieder nach. Es ändert sich nichts. Ich pumpe das Öl ab und was stelle ich fest? Diesel! Diesel ist im Motoröl. Verdammt, das ist nicht gut. Ich weiß es nicht genau aber vermutlich kann Diesel nur über den Zylinder und undichten Kolbenringe in die Ölwanne gelangen. Das aber dürfte doch nicht sein, denn Kolben und Ringe sind ja neu. Allerdings würde das den erhöhten Verbrauch an Kraftstoff erklären. Wir waren schon mal (2009) ungefähr auf der gleichen Position, da hat es uns wieder nach Norden getrieben allerdings war damals nicht nur der Motor sondern auch die Segel kaputt und der Wind hatte von Nord auf Süd gedreht. Diesmal haben wir etwas mehr Glück und das bisschen Wind das weht bleibt auf nördlicher Richtung und dreht bei der Einfahrt in die La Plata Mündung auf Ost, so dass wir immer achterlichen Wind haben. So weit man bei 5 bis 7 Knoten von Wind noch reden kann. Genau genommen ist es ein kaum merkbarer Windhauch der mit der Zeit immer schwächer wird. Als wir zwischen Punta del Este und der Insel Lobos durch sind ist der schwierigste aber auch der „gefährlichste“ Teil ohne Motor geschafft. Hier hätte es vielleicht etwas kitzelig werden können, da uns der Kapeffekt und die Strömung nicht bekannt sind. Aber es geht alles gut und wir sind vorbei. Vorbei ist nun auch allerdings der letzte Hauch und der Windmesser zeigt gerade noch mal drei bis vier Knoten an. Normalerweise kann auf dem Meer mit diesem „Wind“ nicht mehr gesegelt werden, da normal wegen der Wellen die Segel schlagen und das Boot hin und her schaukelt und dabei die letzte Fahrt auch noch verloren geht. Unser Glück in diesem Fall ist jedoch, dass die Flussmündung praktisch ohne Welle ist und die Segel nicht zusammen fallen, so dass wir immerhin noch 1,5 Knoten Fahrt in die richtige Richtung machen. Da es hier, so nah an der Küste, keine Großschifffahrt gibt ist alles sehr easy und wir übergeben dem Automaten die Verantwortung. Annemarie und ich verziehen uns in den Salon und überwachen die Fahrt auf dem Bildschirm. Elektronische Karten sind schon was feines. Bei dieser „Rauschefahrt“ legen wir uns sogar schlafen, lassen jedoch den Computer an, so dass wir jederzeit über unsere Position im Bilde sind. Am nächsten, also dem vierten Tag, kommen wir dann bis Piriapolis in Uruguay . Dort ist eine Marina die wir anlaufen. Da wir ohne Motor nicht in den Hafen fahren können, rufe ich über Kanal 16 die Port Control und bitte um Schlepphilfe. Wir liegen bereits vor der Einfahrt und haben den Anker geworfen, da der Wind aufgefrischt hat und uns abzutreiben droht. Es dauert auch nicht lange dann kommt die Prefectura mit einem Schlauchboot und schleppt uns in den Hafen. Hier machen wir erst mal an der Mole fest. Für Google Fans: wir liegen auf Position 34°52.525 S und 055°16.765 W

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Route

Wenn wir einklariert haben kümmern wir uns um einen Mechaniker um zu sehen was wir machen können.

Einen Mechaniker haben wir organisiert und es wird uns versprochen, dass er noch heute kommt und zwar so gegen 19:30 Uhr. Da bin ich aber mal gespannt. Vorgewarnt von bisherigen Erfahrungen rechnen wir mit mindestens einer Stunde später oder heute gar nicht mehr. Es ist 19:20 Uhr (Rosenmontag) und der Mechaniker steht bei Fuß. Das ist doch schon mal positiv. Ich erkläre ihm mein Problem und er macht sich an die Arbeit. Was er macht ist nichts was ich nicht schon selbst gemacht hätte. Wir verbleiben so, dass er erst mal morgen wieder kommt und einen neuen Ölfilter mitbringt. Er selbst meint, dass wenn das Öl gewechselt, es also wieder dick und nicht mit Diesel verdünnt ist, der Öldruck auch wieder funktioniert. Ist immer noch besser als wenn die Ölpumpe gewechselt werden müsste, denn dazu müsste der Motor wieder ausgebaut werden.Leider ist das Problem mit dem Diesel im Öl dann immer noch nicht geklärt. Er meint, dass das von einem undichten O-Ring am Antrieb der Einspritzpumpe kommt, was so viel heißt wie Einspritzpumpe ausbauen.

So weit das Geschäftliche, nun gehen wir zum gemütlichen Teil über, denn heute steigt der große Karnevalszug von Piriapolis und den wollen wir uns ansehen. Gegen 22:00 Uhr ziehen wir los in die Stadt. Von weitem hören wir schon die Trommeln und den Lärm. An den Straßen stehen die Schaulustigen und sind fleißig dabei die Tänzer und Tänzerinnen anzufeuern. Ich kenne nun den Karneval der Kanaren, den der Kap Verden von Salvador de Bahia und nun auch den von Piriapolis.. Miteinander verglichen ist der von den Kap Verden am „schönsten“, was die prächtigen Kostüme anbelangt,aber die beste Stimmung herrscht hier in Uruguay. Die Köstüme sind toll, da wird ziemlich gespart, vor allem an Stoff 🙂 . Es ist bewundernswert welche Kondition die Mitwirkenden aufbringen. Zwei bis drei Stunden ohne Pause zu trommeln und zu tanzen und das mit einem Temperament das sogar eine Horde Stiere zur Verzweiflung bringen würde, ist schon enorm. Das ist schon fast Leistungssport.

Abgekämpft und todmüde schleichen wir uns um 2:00 Uhr vom Acker zurück zu unserem Boot und schlafen wie die Murmeltiere.

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Cleo

Der Mechaniker ist am nächsten Tag (Faschingsdienstag) abends wieder pünktlich zur Stelle und hat einen neuen Ölfilter nebst einer neuen Theorie, was den Diesel im Öl betrifft, dabei. Nun meint er, dass wahrscheinlich bei der am Motor angebauten Kraftstoffpumpe die Membran kaputt ist und der Diesel durch den Antriebshebel der Pumpe in das Innere des Motors gelangt. Nachdem er die Pumpe ausgebaut hat bestätigt sich seine Theorie, denn sie pisst wie ein Wallach. Ich frage ihn ob er eine neue Membran besorgen könne. Vermutlich nicht, ist seine Antwort, aber eine neue Pumpe wäre sicher kein Problem. Wenn er die Teile hat würde er morgen Abend zur gewohnten Zeit wieder kommen.

In der Zwischenzeit klingelt bei der Marina die Kasse, denn sie zieht mir täglich mehr als 30,00 € aus der Tasche zusätzlich 4,40 €/Tag für Strom und Wasser. Die Steuer wird dann noch extra berechnet. Die ziehen einem hier das letzte Hemd aus. Der Versuch um den Preis zu feilschen schlägt fehl, es sei denn, so meinen sie, ich komme nach dem 15. März wieder, da sei nämlich die Saison vorbei, dann könne ich für täglich 10,00 € hier liegen. Doch was nützt mir das? Mein Motor streikt jetzt und nicht am 15. März. Kurz überschlagen sind das doch an die 300% Unterschied. Wenn das keine Abzocke ist, dann weiß ich auch nicht was man darunter verstehen soll.

Wir wollen uns heute mal etwas in der Stadt umschauen, denn wir können im Moment nichts tun und der Mechaniker kommt auch erst am Abend. Wir entdecken ein kleines privates Museum über die Eisenbahnstrecke die 1897 gebaut wurde. Ein Originalwagen mit erster und zweiter klasse und viele andere Artefakte aus dieser Zeit sind zu bewundern. Ebenfalls bewundern kann man, in der 1893 von Francisco Piria, gegründeten Stadt, das 1897 von ihm gebaute Schloss. Nach der Eisenbahn kamen dann später noch das Argentino Hotel, eine Kirche, das Hotel Piriapolis und andere Gebäude hinzu. Die Stadt zählt heute ca. 10.000 Einwohner und ist eine der bedeutendsten Badeorte von Uruguay. Die gesamte Infrastruktur ist danach ausgerichtet (vor allem die Preise 🙁 ).

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Meerblick

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Palmfrüchte

Ein Sessellift führt direkt vor dem Hafen auf den Aussichtspunkt von dem aus man ganz Piriapolis überblicken kann.

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Seilbahn und Hafen

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Schloss Francisco Piria

Heute soll der Mechaniker wieder kommen um alles endgültig zum Abschluss zu bringen. Er kommt auch aber leider ohne Pumpe, die muss nämlich erst aus Montevideo geliefert werden. So sind aus einem „kein Problem, in ein paar Stunden fertig“, inzwischen drei Tage geworden. Am nächsten Tag erscheint der Mechaniker pünktlich wie ausgemacht und mit Pumpe. Super, endlich wird der Motor heute wieder zum Leben erweckt – denke ich. War wieder mal ein Satz mit „X“ (war wohl nix), denn der Anschluss passt nicht, also verabschiedet sich der gute Mann und verspricht am nächsten Tag mit passendem Anschluss wieder zu erscheinen. So passiert es auch. Am nächsten Tag erscheint der Mechaniker mit Pumpe und passendem Anschluss. Nach etwa einer Stunde und bangen fünf Minuten, denn der Öldruck kommt erst nach einiger Zeit und öffnen verschiedener Anschlüsse, ist alles in Ordnung. Der anschließende zweistündige Testlauf verläuft zur Zufriedenheit und die Welt sieht nun schon wieder etwas besser aus.

Wir wollen nun sehen wie es weiter geht. Was wir brauchen ist ein günstiges Wetterfenster um nach Colonia weiter segeln zu können. Die nächsten 4 – 5 Tage geht es auf keinen Fall. Denn alleine für das Wochenende ist Sturm bis 9 bft angesagt und dann auch noch aus der für uns verkehrten Richtung. Wir werden sehen wie und wann es weiter geht und vor allem wie es mit bzw. nach dem Sturm aussieht..

8.03.2011

08. März 2011

Nur ein sehr kurzer Zwischenbericht:

Die SY Out of Rosenheim liegt derzeit in Piriapolis in Uruguay in der Nähe von Monte Video. Nicht ganz freiwillig, da der ursprüngliche Plan nach Colonia zu segeln,  von erneuten Motorproblemen zunichte gemacht worden ist. Der weitere Plan ist so schnell als möglich nach Buenos Aires zu segeln und von dort aus im September nach Deutschland zu fliegen. Das Schiff soll so lange in Argentinien bleiben. Aber dazu dann mehr in einem ausführlichen Bericht.

25.01.2011

18. Januar 2011

Wir haben heute den 18.Januar 2011 und sind seit unserer „Rückkehr“ bereits wieder 18 Tage hier.

Annemarie macht mich gerade aufmerksam, dass im Kalender, den sie vom hiesigen Pastor der Seemansseelsorge letztes Jahr geschenkt bekam der Dezember unter dem Leitsatz „kehret um…“ steht. Also folgsam wie wir sind haben wir es befolgt… 🙂

Es muss etliches Material und Ersatzteile besorgt werden. Die Einspritzpumpe ist in Reparatur in Pelotas, ein Ort ca. 60 km nördlich von hier. Was mir da am meisten stinkt ist, dass hier für die ganz normalen Straßen von einer Stadt in die andere Maut bezahlt werden muss. Für die Strecke müssen jedesmal umgerechnet sieben Euro berappt werden, was die Reparatur der Pumpe insgesamt nochmal um weitere 14 Euro verteuert. Auch nicht gerade geschenkt. Aber was soll´s, die ganze Jammerei hilft nichts. Unser Boot ist bis auf Vorstag und Motor fertig, so dass wir alles andere ruhig angehen lassen. Es ist fast wie „Urlaub“. Wir gehen spazieren, lesen viel und faulenzen.

Die Marina ist, ich weiß nicht warum, auf fast keiner Karte verzeichnet. Sie liegt im Norden von Rio Grande und es sind von der Einfahrt der Lagune bis zum Yacht Club ca. 11 Meilen. Der Weg ist gut betonnt und leicht zu befahren, man muss nur auf die Dickschiffe aufpassen und ihnen ausweichen, was kein Problem ist, denn auf beiden Seiten des Tonnenstrichs ist es tief genug für Sportboote. Meistens jedenfalls. :-). Was gebraucht wird ist eine gute Karte. Ich habe c-map Karten, die sind so gut, dass ich laut GPS bei der Einfahrt genau auf der Kaimauer gefahren bin. Wirklich Klasse

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Einfahrt in die Lagune

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Gefahrene Route

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Weg zum Yachtclub

Gott sei Dank habe ich aber eine CD mit 250 Spezialkarten der Küste von Brasilien. Die stimmen wenigstens. Die habe ich mir für wenig Geld damals in Salvador gekauft im Copy Laden ganz in der Nähe des Nautic Clubs wo wir eine Zeit lang lagen. Diese Karten, den Segelführer Cruising the Coast of Brasil, so wie das Navi Programm MaxSea habe ich mir in diesem Shop für wenig Geld besorgt und möchte davon nichts mehr missen. Wer sich evtl. diese Dinge ebenfalls zulegen will, der sollte im Nautic Club in Salvador nach dem Copy Laden fragen. Die wissen wo er ist und geben gerne Auskunft. Der Laden befindet sich in der Rua Estados Unidos Nr.4. E-mail allendwg@hotmail.com. Der Besitzer ist Allan Romeo und ist gerne bereit bei Problemen mit Programmen die bei ihm gekauft wurden zu helfen. Er hat jede Menge Karten von Brasilien von denen er für wenig Geld Farbkopien macht DerVorteil von Romeo ist, dass er gut englisch spricht.

Aber weiter mit dem Yacht Club Rio Grande. Er ist zu finden auf der Position 32°02´448´´S und 052°10´730´´ W. Im Januar 2011 kostete der Liegeplatz einen Real (R$) pro Fuß und Tag inklusive Wasser, Strom und Kranbenutzung (max. 8 Tonnen). Bei längerem Aufenthalt (ein Monat und mehr) gibt es Rabatt, so dass z.B ein 39 Fuß Schiff 1000 R$ kostet. (1€=2,24 R$, Januar 2011). Die Leute hier sind alle sehr nett und zuvorkommend. Einzig mit der Sprache kann es Probleme geben, da fast keiner englisch spricht und wenn, dann sehr schlecht. Mit spanisch kommt man gut zurecht. Die Liegeplätze für Gäste sind nicht gerade üppig gesät aber man bekommt irgendwo doch immer einen Platz. Es wird ein neuer Steg an der Einfahrt zur Marina gebaut, nach dem Steg des Museums. Am Museumssteg ist auf Anfrage einige Tage kostenloses liegen möglich. Die Einfahrt zur Marina beträgt nur 1,30 Meter. Der Grund besteht jedoch aus lockerem Schlamm und Boote bis 1,90 Meter Tiefgang kommen bei Hochwasser mit dem nötigen Schwung leicht durch.Die Liegeplätze sind am Steg zwischen 1,30 und knapp zwei Metern. Der Club kann kurz vor der Einfahrt auf Kanal 16 gerufen und um Schlepphilfe gebeten werden. Schlepphilfe wird bald nicht mehr gebraucht, da sie im Moment dabei sind Einfahrt und Hafenbecken auf drei Meter Tiefe auszubaggern. Mit einem selbst gebauten Baggerschiff und einem ca. 100 Meter langen Schlauch wird dies in Eigenregie bewältigt.

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 Yachtclub

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 Baggerschiff, „Schlammspucker“

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Steg im Bau

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Sicht auf Museumssteg

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Clubhaus mit Pool

Im Yacht Club selber gibt es ein Restaurant, das Essen ist gut. Duschen und Toiletten sind sauber. Nachteil ist vielleicht, dass fast an jedem Wochenende im Sommer Partys stattfinden. Die Lärmbelästigung hält sich aber in Grenzen. Ein Pool und Tennisplätze sind ebenfalls vorhanden, sowie ein Fußballplatz und eine Aschenbahn. Kostenlos zur Verfügung stehen Grillplätze mit gemauerten Grills, Tischen und Bänken, Strom und Wasser. Weil wir gerade von Essen sprechen, die Einkaufsmöglichkeiten sind gut, leider ist es bis zum nächsten Supermarkt ein Fußmarsch von 15 Minuten. Mit einem Taxi geht es schneller. Es kann vom Büro aus gerufen werden.

In der Anlage selbst gibt es viel Grün, Sträucher und Eukalyptusbäume. Was uns wirklich Spaß macht ist, dass man hier viele Vögel beobachten kann, wie z.B Kero-Kero oder Greifvögel. Allgegenwärtig sind Bütschebü, die heissen wirklich so, wie sie allerdings in portugiesisch geschrieben werden kann ich nicht sagen. Ihr Ruf „bütschebü“ ist den ganzen Tag zu hören. Sie sind nicht sehr scheu. Oft sitzen sie bei uns auf der Reling wo wir sie mit Freude betrachten. Viele Arten von Möven, Seeschwalben und vor allen Dingen Kormorane fliegen, tauchen und schwimmen hier rum. Im Moment sind viele Fische im Hafenbecken, denen wir bei ihrem Liebesspiel vor der Paarung zuschauen. Neben dem Yacht Club ist das Meeresbiologische Museum. Für wenig Geld kann es besucht werden. Leider ist alles nur in portugiesisch beschrieben. Ein Seelöwe schwimmt im Becken der hier gesund gepflegt und wieder frei gelassen wurde, worauf er überhaupt keinen Wert legte. Er belagerte das Museum so lange bis er wieder in das Becken durfte und dort schwimmt er zur Belustigung des Publikums und macht seine faxen.

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Kormorane

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Bütschebü

Eine Sache die ebenfalls Spaß macht ist ein Spaziergang durch die verschiedenen Parks die es hier gibt. Wir setzen uns oft gemütlich auf eine Bank beobachten die Leute, schauen den Vögeln zu oder dösen ein wenig im kühlen Schatten so vor uns hin und erfreuen uns der verschiedenen bunten Pflanzen und Blüten. Rio Grande ist zwar eine Millionenstadt aber nicht im europäischen Sinne. Angebot und Treiben ähneln eher einer kleinen Provinzstadt. Ausnahme machen am ehesten noch die zahlreichen öffentlichen Busse, die es zuhauf gibt. Diese sind aber im Gegensatz zu uns, fast immer voll besetzt. Nicht nur während der Hauptverkehrszeit.

Trotz aller Beschaulichkeit sind wir fieberhaft darum bemüht, dass alles so schnell wie möglich über die Bühne geht und wir unseren zweiten Anlauf in Richtung Norden starten können.

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Eine kleine Information bzw. Begebenheit möchte ich noch zum Besten geben. Ich habe bereits in vergangenen Berichten erwähnt, dass, wenn es um Edelstahl geht, hier die Lichter ausgehen, vor allen Dingen bei den Preisen, falls das gewünschte Teil überhaupt zu bekommen ist. Was ich brauche sind nur fünf Löcher mit 6 mm Durchmesser in einer Metallplatte aus V4A – Stahl. Meine Bohrer dafür haben leider schon das Zeitliche gesegnet. Also auf zu einer Ferretaria (Eisenwarenhandlung) und schnell mal die nötigen Bohrer gekauft. Fazit: schnell geht nicht und Bohrer schon gleich gar nicht. Wir klappern vier oder fünf Geschäfte ab.. Überall das Gleiche. Bohrer für Inox? Nein so was haben wir nicht, selbst nicht in einem Spezialgeschäft für Edelstahl. Nun ist guter Rat teuer. Was machen denn die Drehereien wenn sie Löcher bohren müssen? Keine Ahnung aber man kann ja mal fragen. Ab in die nächste Dreherei und gefragt ob er mir wohl Löcher bohren könnte in eine Inox Platte. Kein Problem. Ich fragte ihn woher er denn die Bohrer hätte. Das wäre ebenfalls kein Problem meint er, ich bräuchte nur die handelsüblichen Stahlbohrer zu kaufen und ihm bringen, dann würde er sie mir so schleifen, dass ich damit auch Inox bohren kann. So einfach ist das. Man muss es nur wissen und können.

Im letzten Bericht habe ich geschrieben, dass mir der Splint am Vorstag durchgerostet sei und deshalb der Haltebolzen das Weite gesucht hätte. Jetzt, wo ich dabei bin alle galvanisierten Splinte gegen Inox Splinte auszutauschen bemerke ich, dass der Splint am Achterstag gebrochen ist. Nun vermute ich, dass das selbe am Vorstag passierte. Das wäre erst was geworden, wenn mir das Achterstag ebenfalls aus der Halterung geflogen wäre. Dann aber gute Nacht schöne Gegend. Es ist wirklich nicht zu fassen welch ein Mist hier für teures Geld verkauft wird. Selbst die Einheimischen schimpfen über die miese Qualität die angeboten wird. Ich kann nur jedem raten, der gezwungen ist hier Teile für das Boot zu kaufen diese unterwegs drei und vier mal so oft zu kontrollieren wie man es eh schon tut.

Zum Schliss ein kleiner Hinweis: Ich habe zwei Links zu interessanten Webseiten auf meinem Rollblog installiert, einmal für Sailinx (damit weiterhin fleißig geklickt werden kann 🙂 ). und die Seite von Skipper Udo. Das ist eine sehr informative Seite. Viele nützliche Tricks und Tipps so z.B. wo und wie man kostenlose Naviprogramme downloaden, Papierkarten einscannen und sie elektronisch nutzen kann, weltweites Programm für Segelwettervorhersage u.v.m. Die Berichte über seine Weltumsegelung sind ebenfalls spannend und oft zum schmunzeln. Viel Spaß bei Sailinx und bei Skipper Udo.

Sollte jemand Interesse an Infos über den ICW (Intracoastel Waterway) haben, der sollte mal folgende Adresse eingeben: www.loss-mer-jon.de

25.12.2010
Das Wetter ist gut, SO-Wind mit 15 Knoten und die Sonne scheint. Das Boot ist fertig zur Abfahrt. Eigentlich brauchen wir jemand der uns über die Untiefe an der Ausfahrt zieht aber heute am 25. ist natürlich keiner da. Warten bis Morgen wollen wir aber auf keinen Fall. So versuchen wir es eben alleine. Annemarie steht am Ruder und steuert unser Boot aus der Box. Als wir kurz vor der Untiefe sind gibt sie nochmal richtig Gas und dann durch. Wir haben gerade Hochwasser und so geht alles ohne Probleme über die Bühne. Wir sind jetzt im Kanal und motoren die 11 Meilen in Richtung Ausfahrt. Vorher kommen wir jedoch in Barra vorbei, wo wir so lange lagen und legen dort an um Diesel zu tanken und uns endgültig von unseren Freunden zu verabschieden, die extra an den Steg gekommen sind. Annemarie, immer noch am Ruder, legt an wie ein Profi, ruhig und gekonnt. Wir tanken noch zusätzliche 250 Liter, verabschieden uns endgültig (oder vielleicht doch nicht?) und rauschen ab. Wir haben die Ausfahrt erreicht und biegen in Richtung Norden ab. Wir wollen erst mal nur die 250 Meilen bis Santa Katarina segeln, dort einige Tage bleiben und ein günstiges Wetterfenster abwarten um von dort aus die 500 Meilen bis Angros dos Reis in Angriff zu nehmen. In Angros dos Reis wartet unser Freund Erwin auf uns mit dem wir dann zusammen weiter segeln bis Salvador.
Wir haben Richtung Nord eingeschlagen aber der Wind weht so leicht dass segeln nicht möglich ist. Also muss unser „Eisensegel“ weiterhin in Betrieb bleiben. Den Autopiloten können wir aber wenigstens in Betrieb nehmen, glauben wir jedenfalls. Der jedoch denkt gar nicht daran zu arbeiten. Das gibt es doch gar nicht. Gestern noch ausprobiert und einwandfrei funktioniert. Aber nichts geht mehr. Es ist ein elektronisches Problem. Ich überprüfe sämtlich Kabel und Anschlüsse und finde eine schlechte Lötstelle, welche ich sogleich behebe. Wenn ich jetzt Kurskorrektur Backbord oder Steuerbord eingebe reagiert der Computer aber leider nur da. Den Kurs zu halten und selbständig zu steuern, daran denkt er überhaupt nicht. Damit bin ich mit meinem Latein am Ende. Ich baue zwar den elektronischen Steuerkompass (Fluxgate Kompass) aus und kontrolliere alle Anschlüsse aber dann ist Schluss. Bravo, das heißt nämlich 24 Stunden Ruder gehen und das zu zweit. Umdrehen wollen wir auf keinen Fall. Sind wir erst mal in Santa Katarina bzw. Florianapolis, dann sehen wir weiter.
Wir segeln mit Motorunterstützung schon fast zwei Tage, immer wieder mal kurze Etappen ohne Motor, wenn der Wind etwas kräftiger wird. Wir können unsere Lady sogar so gut trimmen, dass sie teilweise alleine fährt, als wüsste sie wohin wir wollen. Das geht aber nur unter sehr günstigen Bedingungen, gibt mir allerdings die Gelegenheit etwas länger zu schlafen. Es geht eigentlich alles ohne Probleme über die Bühne und wir kommen gut voran. Heute müssten wir eigentlich ankommen, denn wir haben nur noch 50 Meilen bis zum Ziel.
Es ist 3:30 Uhr, Annemarie steht am Ruder und der Motor brummt so vor sich hin. Mit einem mal, wie abgeschnitten bleibt der Motor stehen und macht keinen Mux mehr. Annemarie weckt mich sofort auf und sagt mir was passiert ist. Verdammt, auch das noch. Ich kontrolliere sofort alle Filter, denke schon wieder an schlechten Diesel oder Wasser im Tank. Aber nichts von alledem. Nur der Motor läuft eben nicht. Sofort begebe ich mich, nach nur 1½ Stunden Schlaf an die Arbeit. Wechsle erst mal alle drei Filter, entlüfte das ganze System und versuche nach fast 12 Stunden Arbeit den Motor zu starten. Der dreht zwar voll durch ist aber in keiner Weise gewillt anzuspringen. Immer wieder entlüfte ich die Leitungen und die Filter aber nichts geschieht. Der Motor springt einfach nicht an. Es kommt einfach kein Diesel bis zu den Einspritzdüsen. Nun versuche ich in meiner Verzweiflung etwas, was man eigentlich nicht tun soll, denn es könnte dem Motor schaden. Ich fülle eine Spritze mit Benzin auf und spritze sie in den Luftansaugkanal. Dann starte ich den Motor, der tatsächlich einige Umdrehungen läuft, bis der Benzin alle ist und tut dann nichts mehr. Mir sagt es jedenfalls, dass der Motor selbst in Ordnung ist. Ich überprüfe nochmal das gesamte System. Überall ist Diesel vorhanden, auch in der Einspritzpumpe. Jetzt schraube ich die Auslassleitungen am Pumpenaustritt ab, lasse den Motor durchdrehen. Kein einziger Tropfen Diesel verlässt die Pumpe. Schöne Bescherung. Diagnose: Einspritzpumpe hat das Zeitliche gesegnet. Wir stehen, im wahrsten Sinne des Wortes, ohne funktionierenden Motor da und zu allem Überfluss hat der Wind nach Nord gedreht, weht uns genau auf die Nase. Es dauert allerdings nicht sehr lange und wir haben Flaute. Ein Schiff das vorbei fährt funke ich an und bitte es die Küstenwache zu verständigen, damit sie uns nach Florianapolis oder in eine andere Marina schleppen können. Da wir im Moment eh nichts tun können es bereits Abends ist und wie gesagt in der Flaute stehen, Regnen hat es auch angefangen, legen wir uns hin und schlafen erst mal. Am nächsten Tag, die Küstenwache hat sich natürlich nicht sehen lassen, versuchen wir es mit segeln. Alles probiert, leider lassen die Verhältnisse nur eine Richtung zu und zwar zurück. Wir beratschlagen kurz was zu tun sei und entschließen uns trotz der nur noch 50 Meilen bis zum Ziel, umzukehren. Es geht alles sehr zäh und langsam, zum Teil nur mit 1½ Knoten dahin, trotzdem der Wind mit bis zu 15 Knoten weht. Die Strömungen sind hier wirklich zum Verzweifeln, vor allem wenn sie gegen einen stehen. Aber es geht alles vorbei, so auch dieses. Der Wind weht immer noch mit ca. 15 Knoten aus Nord etwas auffrischend bis auf 20 Knoten. Als ginge ein Ruck durch das Boot flitzen wir plötzlich mit sechs bis sechseinhalb Knoten dahin. Nur noch 165 Meilen bis zur Einfahrt der Lagune, wir sind bald da. Es wird nicht mehr lange dauern. Annemarie sagt plötzlich zu mir wir könnten doch Gummistrops an das Ruder binden, dann müsste das Boot doch den Kurs alleine halten können. Warum bin eigentlich ich nicht darauf gekommen? Gelesen habe ich das doch schon. Das hat Rollo Gebhardt in seinem Buch Seefieber doch genau beschrieben. Gesagt, getan und nach einigen Versuchen lief alles wie am Schnürchen. An beiden Seiten des Steuerrades jeweils einen Gummistrop angebracht, die richtige Spannung eingestellt und wir haben den schönsten Autopiloten. Das gibt uns beiden die Möglichkeit die Fahrt auch etwas zu genießen. Der Schlafmangel war damit fast behoben. Die Freiwache kann schlafen und die Wache muss nicht am Ruder stehen, sondern ab und zu mal einen Rundblick machen und den Kurs kontrollieren. So macht Segeln Spaß.
Zwei Uhr morgens Wachwechsel. Wir sitzen beide im Salon und machen uns über einen Imbiss her. Plötzlich ein Knall. Was war das? Annemarie macht die Deckbeleuchtung an und ich kontrolliere Wanten und Stagen. Verdammte Sauerei, das Vorstag hängt lose am Bugspriet. Der Haltebolzen ist aus der Halterung geflogen. Wie ist das möglich? Ich habe doch vor der Abfahrt alle Splinte gewechselt. Jedenfalls mache ich mich sogleich daran die Genua zu bergen. Zu allem Überfluss ist mal wieder die Verdrehsicherung für die Rollanlage am Masttop gebrochen. Diese Rollanlage ist der größte Mist den ich je erlebt habe. Diesmal hat sie nicht mal eine Woche gehalten. Nun die Genua ausrollen um sie bergen zu können ist damit fast aussichtslos. Trotzdem versuche ich es, denn am losen Vorstag kann das Segel nicht bleiben. Die Gefahr dass mir das komplette Vorstag samt Profile zerstört wird ist zu groß. Nach drei Stunden wirklich harter Arbeit habe ich es endlich geschafft und das Segel ist abgeschlagen. Das durchhängende Vorstag binde ich an der Reling fest. Annemarie kümmert sich um die Genua, die sie ebenfalls an der Reling befestigt. Nur gut, dass wir eine Kuttertakelung haben und so hält das Fockstag den Mast und wir müssen uns nicht mit einem Notrigg begnügen. Zwar geht es jetzt erheblich langsamer ohne Genua aber wir haben immerhin noch die Fock und können segeln. Wirklich gut, dass unser „Gummiautomat“ funktioniert und wir nicht auch noch ans Ruder müssen. So ist die physische und psychische Belastung relativ entspannt. Um den richtigen Kurs zu halten und die richtige Position für die Einfahrt in die Lagune zu erreichen müssen wir kreuzen, was unseren Weg um einige Meilen verlängert aber kaum ins Gewicht fällt. Immer wieder versuchen wir die Pilot Station in Rio Grande die auf Kanal 9 oder 10 zu erreichen ist anzurufen um um Schlepphilfe zu bitten. Nichts aber auch gar nichts rührt sich. Wir haben es in den letzten zwei Stunden bestimmt an die hundert mal versucht. Nichts! Es ist der erste Januar und die müssen wohl ihren Rausch ausschlafen. Es liegen jede Menge Containerschiffe auf Reede und so versuche ich diese zu erreichen. Gleiches Ergebnis. Nichts. Wir kommen der Einfahrt immer näher und müssen dann dort in der Hauptschifffahrtslinie der Großschifffahrt aufkreuzen was eine Gefahr für uns und die großen Pötte bedeutet.
Nun sind wir in der Einfahrt und beginnen in dieser aufzukreuzen. Es geht alles wie in Zeitlupe. Wir machen nur ein bis zwei Knoten, manchmal weniger. Wenn jetzt ein großer kommt ist es nicht möglich auszuweichen. Sicherheitshalber richte ich mir schon mal die roten Raketen her um auf uns aufmerksam zu machen. Plötzlich kommt ein riesiger voll beladener Containerfrachter aus der Einfahrt. Also arbeiten sie doch. Warum hat dann von diesen Holzköpfen keiner geantwortet. Wieder rufen wir die Pilot Station und wieder nichts. Unsere Funke ist aber definitiv in Ordnung, da ich ja während unserer Fahrt mit anderen gesprochen habe und auch auf Kanal 16 Leute quatschen höre. Da hier kaum einer englisch spricht habe ich den Verdacht, dass wenn jemand auf englisch ruft erst gar keiner an die Funke geht. Wobei sich dabei aber die Frage erhebt, wie unterhalten die sich mit der Großschifffahrt? Die sprechen doch nicht alle portugiesisch. Andererseits steht aber auch in den Seehandbüchern man soll sich vor der Einfahrt in die Lagune über eben diese Pilot Station erkundigen wie im Moment die örtlichen Gegebenheiten aussehen, da bei bestimmten Verhältnissen die Einfahrt kaum oder nicht möglich ist. Wie auch immer wir sind allein gelassen und auf uns selbst gestellt. Ich bin ganz schön am rudern. Von vorne der große Frachter und jetzt von achtern auch noch ein Fischerboot in schneller Fahrt. Als Annemarie das sieht stürzt sie sich an die Funke und ruft den Fischer an. Sie erklärt ihm in ihrem verhauten spanisch unser Problem. Sogleich verringert er seine Fahrt und dreht bei um uns eine Schleppleine zuzuwerfen. Annemarie geht ans Ruder und ich nehme die Leine auf und befestige sie. Im gleichen Moment zieht das Dickschiff in nicht all zu großer Entfernung an uns vorbei. Von einem auf den anderen Augenblick sind wir aus dem Schneider. Mit fünf Knoten werden wir in die Lagune geschleppt. Der Fischer nimmt uns mit bis nach Rio Grande wo er anlegt. Wir bleiben im Päckchen liegen und übernachten hier.
Am nächsten Morgen, es ist Sonntag, geht Annemarie zu Fuß zur Marina und versucht zu organisieren, dass wir in die Marina geschleppt werden. Nach zwei Stunden kommt sie mit einer Schaluppe und einem Marinero an, der uns dann in die Marina schleppt. Das wäre mal geschafft . fürs erste.
Als wir da sind erzählt sie mir, dass es gar nicht so einfach war die Schaluppe zu organisieren. Sie war so früh dran, dass das Büro noch nicht geöffnet war. Der einzige „Funcinario“ war der Pförtner und der weiß dass der Marinero, der die Schaluppe fährt heute frei hat und auch sonst niemand da sei. Das Büro wird erst in einer Stunde geöffnet werden. Selbst wenn Annemarie ihm hundert mal erklärt dass wir in die Marina geschleppt werden müssen, da der Fischer, bei dem wir im Päckchen liegen morgen in aller Frühe zum Fischen fährt und wir bis dahin weg sein müssen, kann er nicht helfen. Da kommt ein Auto an und drin sitzt einer der Bosse der Marina. Verwundert sieht er Annemarie an und fragt was los sei, da er ja weiß, dass wir doch schon weg sind. Sie erklärt ihm was passiert ist und dass wir Hilfe brauchen. Herr Meier, so sein Name sagt dem Pförtner, dass er Monica, die Geschäftsführerin anrufen soll und diese wiederum den Marinero in die Marina zitieren soll der uns dann schleppen kann. Mit etwas Glück, Durchhaltevermögen und der Hilfe von Herrn Meier kam dann schließlich doch noch ein „Schleppzug“ zu stande.

Heute ist Montag und wir wollen sehen was wir tun können um so schnell wie möglich wieder von hier weg zu kommen. Erst gehe ich ins Büro um alles zu klären und Gonzalo anrufen zu lassen. Der sagt er würde morgen kommen. Nein, lasse ich ihm klar machen, nicht morgen sondern heute. Na gut, dann heute Nachmittag. Er erscheint tatsächlich und wir machen uns an die Arbeit. Er kommt zu dem gleichen Schluss wie ich, die Pumpe ist hinüber. Da sie aber erst vor kurzem überholt wurde und ich eine Garantie von einem Jahr darauf habe, werde ich morgen mit Gonzalo zu der Firma fahren und dann sehen wir weiter.
Jetzt kümmere ich mich um das Vorstag. Um nicht auf den Mast steigen zu müssen nehme ich mir das Fernrohr und sehe mir den Masttop an. Nun haut es mich aus allen Wolken. Es kommt knüppeldick. Das 8 Millimeter dicke Vorstag ist direkt am Pressterminal gebrochen, was so viel heißt, es muss ein komplett neues Vorstag her inklusive neuem Terminal. Gleich sause ich nebenan zu unserem Freund Fabian und erkläre ihm, dass ich ein neues Vorstag brauche. Das gibt es nur in Porto Alegre, hier gibt es so etwas nicht. Diese Nachricht trägt nicht gerade zu einer Stimmungsbesserung bei. Also werde ich morgen das Vorstag abmontieren es genau ausmessen und dann soll Fabian ein neues bestellen, das dann per Kurier nach hier gebracht wird. Somit sind Annemarie und ich der Überzeugung, dass der Januar in Rio Grande bereits gesichert ist und wir bestimmt nicht vor Februar hier weg kommen. Von wegen schnell richten und in einigen Tagen wieder abhauen. Brasilien will und will uns einfach nicht loslassen.

Nachtrag: Soeben komme ich aus Pelotas zurück. Ich war bei der Firma, die mir im Februar letzten Jahres die Einspritzpumpe repariert hatte. Eine Inspektion hat ergeben, dass die Antriebswelle gebrochen ist. Also kein Garantiefall, dafür aber um so teurer. Alle Ersatzteile müssen erst besorgt werden, so dass dies eine langwierige Sacher werden wird. Ebenso die Besorgung für das Material für das Vorstag. Gestern rannte Annemarie den halben Tag in Rio Grande rum nur um Splinte aus Edelstahl zu finden. Passende Bolzen von 12 mm Stärke in Edelstahl sind überhaupt nicht aufzutreiben. So bald es hier um Edelstahl (Inox) geht, gehen hier die Lichter aus. Um nun dies alles regeln zu können auch die finanzielle Seite, wird es bestimmt Anfang März werden. So lange werde ich dann wohl weiterhin aus Rio Grande berichten
Dies ist wirklich ein toller Beginn des neuen Jahres. 🙁

3.01.2011

24. Dezember 2010

Das Ruder das wir haben richten lassen haben wir inzwischen (ohne Gonzalo, er kam mal wieder nicht) versucht einzubauen. So weit so gut, nur es gibt, wie soll es auch anders sein, ein Problem, denn die haben in der Werkstatt beim schweißen nicht darauf geachtet, dass der Schaft mit dem Ruder in der Flucht, also in einer Linie mit dem Ruderblatt ist. Der Ruderzapfen am unteren Ende geht nicht in das Lager, er ist zwei Zentimeter daneben. Die Löcher für die Arretierung des Ruderquadranten sind ebenfalls am falschen Platz. Das hebt auch nicht gerade die Stimmung. Also gibt es nur eins und zwar Reklamieren. Wir gehen zur Werkstatt und tragen unser Anliegen vor. Inzwischen spreche ich so leidlich einen spanisch/portugiesischen Mix. Ich weiß jedenfalls was ich will und der Mechaniker versteht mich auch. Am Nachmittag kommt er vorbei holt das Ruder ab und bringt es bereits zwei Stunden später repariert zurück. Jetzt passt alles. Am nächsten Tag bauen wir das Ruder wieder ein. Alles ok. Die Schiffsschraube wird ebenfalls angebaut und wir warten jetzt nur noch auf den Kran.

Wir sind so weit fertig und könnten eigentlich ins Wasser. Der Kran soll heute um 14:00 Uhr kommen, uns vom Bock heben und am Kran hängend auf den Boden stellen. Dann können wir die Auflageflächen am Boot noch abschleifen und streichen. Es wurde uns versprochen, dass wir dafür zwei Stunden Zeit bekommen bevor wir endgültig ins Wasser gehen.

Soeben kommt Renato, der Besitzer des Krans und erklärt mir, dass etwas dazwischen gekommen ist und der Kran heute anderweitig gebraucht wird. Er meinte in drei oder vier Tagen wäre es dann kein Problem. Ich erkläre ihm, dass es wohl ein Problem ist, denn das Boot ist bereits mit Antifouling gestrichen und innerhalb von 48 Stunden ins Wasser da sonst die Wirkung der Antibewuchsfarbe verloren gehen kann. Wenn es mir nichts ausmacht und wir hier genügend Licht haben, damit der Kranführer was sehen kann, dann würde er noch heute so gegen 18 oder 20:00 Uhr kommen. Das ist auch ok, Hauptsache ist dass wir endlich unseren „Landurlaub“ beenden können. Nachdem wir alles geklärt haben sagt Renato noch was zu mir und ich denke ich habe mich verhört. Also frage ich nochmal nach. Nein, ich habe mich nicht verhört. Er meint nämlich ich brauche die 1000 Rials (ca 450 €) für den Kran nicht zu bezahlen es wäre sein Weihnachtsgeschenk an uns. Da fehlen mir doch die Worte. Natürlich bedanke ich mich tausend mal. und freue ungemein. Annemarie hat ihm daraufhin für Morgen gleich ein Blech Streuselkuchens versprochen, den er schon mal bei uns gegessen hat und der ihm und seiner Frau so gut schmeckt.

Der Kran kommt dann doch erst zwei Tage später, am späten Nachmittag. Die ganze Aktion dauert mehrere Stunden und bis das Boot im Wasser ist ist es bereits finstere Nacht. Es geht alles gut und das ist die Hauptsache.

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Restarbeiten

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 Kurz vor der „Landung“

Bis zu unserer Abreise Ende Dezember haben wir noch viel zu tun. Die Streicharbeiten sind noch nicht ganz fertig, denn das Deck bekommt ebenfalls einen neuen Anstrich. UKW und Kurzwellenantenne müssen angebaut werden, der Antrieb für den Autopiloten wartet auf seinen Einbau usw. usw. Arbeit gibt es noch genug.

Wir haben heute den 21.12. und wir wollen am 25.12 hier absegeln. Also stehen die Amtsgänge an wie Einwanderungsbehörde (Policia Federal), Hafenkapitän (Capitania) und evtl. der Zoll (Receita Federal). Bin neugierig was da rauskommt, denn wir sind nun über ein Jahr in Rio Grande und 1½ Jahre in Brasilien. Wir kommen an bei der Einwanderungsbehörde und zeige das Dokument vor, welches wir damals bei unserer Ankunft bekamen. Der Beamte ist freundlich und zuvorkommend und das Beste ist, dass er sehr gut englisch spricht. So kann ich ihm alle Umstände die dazu führten, dass wir immer noch im Land sind problemlos erklären. Normal muss man, wenn an ausklariert ist innerhalb von 24 Std. das Land verlassen. Ich erkläre so nebenbei, dass wir so schnell wie möglich abfahren werden, im Moment jedoch das Wetter nicht so gut ist und der Wind erst am 25.12. für uns günstig ist. Kein Problem meint er und klariert uns schon mal für den 25. aus. Das ist absolut ungewöhnlich, denn teilweise ist es so, dass wenn man sagt, dass am erst am nächsten Tag abfährt, kann einem passieren ,dass sie verlangen, dass man erst am nächsten Tag kommt. Die Hürde wäre genommen. Nun der Hafenkapitän. Der sagt uns, wir müssen erst zur Gesundheitsbehörde. Was soll das denn bei der Ausreise. Dort waren wir bei der Einreise. Also gehen wir zur Gesundheitsbehörde. Die aber schütteln nur den Kopf und erklären uns, dass dies nicht nötig sei. Vorsichtig und durch Schaden klug geworden lasse ich mir von dem Mitarbeiter der Behörde den Namen und die Telefonnummer geben. Zurück bei der Capitania gebe ich weiter was uns soeben mitgteilt wurde. Nein, das sei nicht richtig und wir müssen bei der Gesundheitsbehörde ausklarieren. Hab ich mir gedacht dass es so kommt und deshalb ziehe ich den Zettel mit der Telefonnummer aus der Tasche und reiche sie dem Beamten. Nach einem trotzdem noch fünf Minuten dauernden Gespräch ist klar, dass ich dort nicht hin muss. Aber wir müssen zum Zoll und dann wieder zurück zur Capitania, wird uns erklärt. Das wird ja was geben. Das war schon bei der Ankunft so ein Fiasko, weil sich keiner auskennt. Wir waren über zwei Stunden dort. Ich will nur das Kurioseste wiedergeben. Es ging erst mal um ein Papier, welches genau diese Stelle bei der Auskunft auszustellen hat,uns es damals aber mit den Worten, wir seien ein Notfall und können deshalb nicht einklariert werden, dieses verweigert wurde.. Jetzt aber, wollen sie genau dieses Dokument haben. Nun wird es schwierig. Die Dame spricht kein englisch und mein Kauderwelsch reicht nicht aus. Nach längeren unfruchtbaren Versuchen uns zu verständigen ging die Dame zu ihrer Vorgesetzten, die wiederum zu ihrem Chef, der nach ca. einer halben Stunde kam. Er sagte mir nichts neues, sondern nur dass ich ein Zoll-Einreisedokument vorweisen muss. Wenigstens spricht er so lala englisch. Ich erkläre ihm dass mir seine Behörde das Dokument damals wegen Notfall verweigert hätte, mit der Begründung, dass ich es nicht brauche. Sehen Sie, sagt er zu mir, genau das ist das Problem. Ohne das Einreisedokument keine Ausreise. Langsam aber sicher schwillt mir der Hals wie bei einem Frosch. Das was der sagt gleicht der Quadratur des Kreises. Ist wirklich toll. Wir können uns nicht einigen und so schickt er mich zur nächsthöheren Dienststelle. Aber da weiß ich von zwei verschiedenen Yachten, dass die einen kurzerhand wieder zurückschicken da sie dafür nicht zuständig sind. Ich habe das Problem auf meine Weise geregelt. Da wir damals weder bei der Capitania noch beim Zoll registriert, also einklariert wurden, habe ich beiden in Gedanken den Stinkefinger gezeigt und fahren eben los ohne diese Papiere. Registriert waren wir einzig und allein bei der Einwanderungsbehörde und dort sind wir ganz normal ausklariert worden. Wir segeln nun in kleinen Schritten die brasilianische Küste nach Norden und werden immer nur ankern bleiben nur kurze Zeit und segeln dann weiter. Das Ein und Ausklarieren schenken wir uns. Ist zwar nicht ganz legal, geht aber. Ab Salvador werden wir eh direkt nach Lanzarote segeln und dort brauchen wir keine Papiere, ist immer noch unser Wohnsitz.

Nun haben wir bereits den 24.12. und ich schreibe gerade an diesen Bericht. Ich hoffe ich finde noch eine Möglichkeit ihn ins Internet zu geben. Morgen ist Weihnachten, da ist leider alles zu.

Auf jeden Fall wünsche ich trotzdem allen meinen Lesern ein frohes und ruhiges Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Vermutlich werden wir zur Jahreswende irgendwo in der Nähe von Rio de Janeiro auf See sein.

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