21.08.2010

15. August 2010

Ich soll mal wieder was schreiben, wurde ich verschiedentlich angemahnt. Man weiß ja gar nicht mehr was mit Euch da so alles los ist, hieß es in den Mails. Ist ja alles schön und gut, Problem dabei ist nur, dass wir schon so lange hier sind und eine Routine eingekehrt ist, die bereits ausgefahrenen Gleisen gleicht. Ist vielleicht damit zu vergleichen, wenn man verlangen würde von einem der morgens aufsteht, zur Arbeit fährt, täglich die gleiche Arbeit verrichtet, abends nach Hause kommt, nach dem Essen vor dem Fernseher sitzt bis er einschläft, ins Bett geht und am nächsten Tag wieder aufsteht, er solle daraus eine spannende Geschichte schreiben.

Vielleicht sollte ich erzählen warum wir immer noch hier sind.

Es ist Mai und wir kümmern uns um einen Platz in der Werft, es müssen umfangreiche Arbeiten am Unter und Überwasserschiff gemacht werden. Es heißt, jetzt noch nicht aber im Juni. Im Juni rufen wir wieder an, doch wir werden auf Juli vertröstet. Im Juli endlich, denken wir, werden wir in die Werft können, denn die Fischerboote sind fast alle weg. Denkste! Wir bekommen, ohne Angabe irgendwelcher Gründe, eine glatte Absage. Wir sind geschockt, denn man hat uns regelrecht 2½ Monate unserer Zeit geklaut. Den Plan nach Uruguay zu segeln müssen wir begraben, denn es wird wegen des Wetters zu spät und es fangen langsam die Frühjahrsstürme an, danach gibt es unbeständiges Sommerwetter mit viel Wind und eine Fahrt in Richtung Norden ist erst wieder im (Süd) Herbst möglich. So lange wollen wir doch nicht bleiben. Aber weiter im Text. Nach der Absage, es ist Anfang August, bemühen wir uns sofort um eine andere Werft. Was wir bekommen sind Absagen mit der Begründung es sei alles voll. Was aber ganz und gar nicht stimmt, ich bin doch nicht blind. Zwei Boote aus dem Wasser und jede Menge Platz für weitere. Die nächste Werft hat aber wirklich keinen Platz und die Zeit drängt immer mehr. Gonzalo unser Freund macht eine Werft ausfindig die uns nehmen will. Allerdings zieht es sich auch wieder. Wir warten nun schon eine Woche darauf, dass der Inhaber der Werft wie versprochen zu uns kommt, um zu verhandeln. Heute ist Sonntag der 15. August, der Tag fast vorbei und von dem Herrn weit und breit nichts zu sehen trotz des Versprechens heute zu kommen. Mal sehen wie es weitergeht. Sollte dies wieder nichts werden bleibt uns als letzte Möglichkeit einen Taucher zu bestellen. Denn geht es nur darum, das kaputte Ruder unter Wasser zu richten evtl. zu schweißen. Den genauen Schaden haben wir selbst noch nicht gesehen. Gonzalo ist davon gar nicht begeistert, da er sagt er möchte sehen was da gemacht wird und traut der Sache nicht so ganz. Er meint eine evtl. schlechte Arbeit kann sehr gefährlich werden falls das Ruder unterwegs doch wieder aus dem Lager springen sollte. Und wenn er dem Taucher nicht traut, dann hat er wohl seine Gründe dafür. Einmal war dieser Taucher schon hier und hat uns für 20 Minuten 100 Rial (ca. 50 EU) abgeknöpft und konnte keine genaue Angabe über den Schaden machen.

Eine etwas nettere und zum Schmunzeln einladende Geschichte war eine unserer letzten Busfahrten nach Rio Grande die wir noch bezahlen mussten. Annemarie hat nur großes Geld und der Schaffner kann nicht rausgeben. Er wartet bis er mehr Geld eingenommen hat, was aber fast am Ende der Fahrt immer noch nicht passiert ist. Plötzlich fährt der Bus rechts ran, der Schaffner rennt aus dem Bus in eine Tankstelle. Er kommt grinsend zurück mit dem gewechselten Schein in der Hand und gibt Annemarie das Wechselgeld. Das war, wie gesagt eine unserer letzten bezahlten Fahrten, denn jetzt profitieren wir von den brasilianischen Sozialgesetzen. Ich bin Rentner und habe Anspruch die Nahverkehrsmittel unbegrenzt kostenlos zu benutzen und Annemarie hat ebenfalls das Recht durch eine Sondergenehmigung die wir bei den Verkehrsbetrieben bekamen. Normalerweise muss man von der Beantragung bis zur Aushändigung des Ausweises eine Woche warten. Jedoch war der Beamte so freundlich uns alles sofort auszuhändigen und hat sich dabei entschuldigt, dass es so lange gedauert hat.

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Schlepperkapitän mit Crew

Da sind auch noch unsere Freunde von den verschiedenen Schleppern, die die großen Schiffe rein und raus schleppen und an den Kai bugsieren um die Ladung zu löschen. Wenn sie hier sind zum tanken, halten wir immer einen kleinen Schwatz. Die Tankzeit dauert immer mehrere Stunden. Es braucht eben seine Zeit bis 8000 – 10000 Liter aus dem Zapfhahn laufen. In dieser Zeit werden Annemarie und ich fast jedes mal eingeladen auf ihrem Boot Kaffee zu trinken. Einmal habe ich sogar 2 Gallonen weiße Farbe für unser Boot geschenkt bekommen, mit Führung durchs gesamte Schiff einschließlich Motorraum, welchen ich am interessantesten fand. Zwei dicke Motoren mit mehreren tausend PS und einem Verbrauch pro Motor von 50-70 Liter/Std. Ist schon beeindruckend. Die Brücke ist es allerdings nicht minder. Steuerrad, was ist das? So was findet man auf dem ganzen „Dampfer“ nicht, denn der Schlepper wird über Joystick manövriert.

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Unsere Freunde von Atlas und Antares

Was ist sonst noch so passiert? Ach ja, vor einigen Tagen hatten wir mal wieder schweres Wetter mit 45 Knoten (ca 80 km/h) Wind. Es war sehr ungemütlich. Annemarie hat fluchtartig das Boot verlassen und ist nach Rio Grande gefahren, ist ja jetzt kostenlos :-) . Ich blieb auf dem Boot, denn bei so einem Wetter lässt man es nicht alleine. Der Sturm dauerte von morgens fünf Uhr etwa 12 Stunden und ging dann in der Nacht auf 35 Knoten (ca. 65 km/h) zurück. Diesmal aber habe ich mit etlichen Festmachern von insgesamt 26! Strängen das Boot gesichert. 1.jpg

Gut gesichert

Der Sturm war bereits eine Woche vorher in den GribFiles angekündigt, die ich mir fast täglich vom Internet downloade und ich deshalb gut vorbereitet war.

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Der Sturm, noch nicht ganz am Höhepunkt

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Am Nachbarsteg

Mehr gibt es im Moment nicht. Doch Stopp! Ganz wichtig:Annemarie kocht Hühnersuppe für unsere kommende Fahrt nach Norden, die sie in Gläsern einmacht.

Und ich bedanke mich bei all den Lesern die mir bisher die Treue gehalten und die mich bei Sailinx so weit nach vorne gebracht haben. Es darf wieder geklickt werden unter http://www.sailinx.de/online-logb-cher-c-34.html :-) Danke!

 

14.07.2010

Ich sitze im Salon unseres Bootes und schreibe diesen Bericht. Was soll ich auch anderes tun. Zum arbeiten ist es viel zu kalt. Wir sind mitten im Winter und müssen einen Schwung südpolare Kaltluft über uns ergehen lassen. Anders ausgedrückt es ist saukalt die Tageshöchsttemperaturen liegen bei 8°C und sacken nachts ab auf 0-2°C. Das alles sind für uns kältgewohnten Deutschen keine Temperaturen. Nur der Unterschied zu Deutschland liegt darin, dass hier die Häuser keine Heizung besitzen und nebenbei so undicht sind, da jede Isolierung fehlt, dass, und das ist keine Übertreibung, der Wind quer durch die Wohnungen weht. Diese haben dann fast Außentemperaturen. Mit dicken Pullovern und Anoraks sitzen die Leute am Mittagstisch und löffeln ihre heiße Suppe. Bei uns auf dem Boot, das ebenfalls keine Heizung besitzt, sieht es doch ein wenig besser aus. Wir haben einen Backofen und der wird als Heizung missbraucht, was wunderbar klappt. So haben wir wenigstens so an die 14-17° im Salon. Nachts haben wir gute Decken und Schlafsäcke. Was mich dabei wundert, ist, wie das die Tier und Pflanzenwelt so wegsteckt. Die Fauna und Flora ist doch überwiegend tropisch oder zumindest subtropisch. Es gibt hier viel Papageien, Bitschebü (heißen wirklich so, werden nur anders geschrieben), Quero-Quero (schreien so wie sie heißen, ebenso wie der Bitschebü) und andere Tropenvögel, vor allen Dingen jede Menge verschiedene Arten von Kolibris. Das sind die liebenswertesten Vögel. Bei unserem Freund Luis, dem wir Felix, den von Annemarie mit der Flasche aufgezogenen Hund, geschenkt haben (siehe Bericht vom 20.02.2010)hat in seinem Garten eine „Futterstelle“ für Kolibris aufgehängt. Das ist ein durchsichtiger Plastikbehälter, der mit Zuckerwasser (Nektar) gefüllt ist und an dem rundum (Plastik) Blüten angebracht sind mit einer nadelfeinen Öffnung. Nun kommen die kleinen Piepmätze und saugen im Flug die „Blüten“ aus. Es ist einfach herrlich das zu sehen. Die kleinsten die wir gesehen haben sind so groß wie etwa ein Maikäfer und die größten erreichen etwa die Größe eines Zaunkönigs. Ich habe versucht die Vögel bei der Tränke zu fotografieren, was mir bis jetzt nicht gelungen ist. Sie sind unheimlich schnell und bewegen sich ungefähr so wie Libellen. Mit einem Ruck sind sie auf der linken Seite und bis man in Position gegangen ist sind sie schon wieder auf der anderen Seite. Versucht mal eine Libelle, wie sie über dem Wasser schwebt, zu fotografieren. Verfolgt man die kleinen Kolibris mit den Augen, kein Problem, aber durch den Sucher bzw. noch schlimmer, auf dem Display einer Digitalkamera, ist das fast unmöglich. Trotzdem gebe ich nicht auf und werde es weiterhin versuchen, vielleicht habe ich Glück. Wenn nur diese Kälte nicht wäre. Die einzigen die sich bei diesen Temperaturen so richtig wohl fühlen sind die Seelöwen. Fast täglich können wir beobachten wie zwei, ein kleiner und ein alter, von Kämpfen mit Narben gezeichneter Bulle, sich vor unserem Boot im Wasser aalen und ihre Spielchen treiben. Erst kommt die Nase aus dem Wasser, dann ein Schnauben, danach dreht er sich auf den Rücken, taucht weg und kommt an einer nicht vermuteten Stelle wieder hoch. Dann ein Schnauben, danach dreht er sich auf den Rücken… Am interessantesten ist es ihnen bei der Jagd zuzuschauen. Wenn sie einen Fisch gefangen haben, welche hier in der Lagune erstaunlich groß sind, tauchen sie auf und schlagen ihn erst mal aufs Wasser, dann wird er mehr oder weniger hoch in die Luft geschmissen, aufgefangen und vertilgt. Die allgegenwärtigen Möwen warten nur darauf dass mal wieder ein „fliegender“ Fisch durch die Luft saust um ihn sich zu schnappen. Pech ist nur, die „Dinger“ sind für sie ein paar Nummern zu groß. Hier „wohnen“ nur die Bullen, die Weibchen sind etliche hundert Meilen weiter südlich. Im Dezember-Januar wandern die Bullen zur Paarung nach Süden und kommen dann wieder zurück. Mit „Kindergarten und Co.“ haben sie nichts zu tun, das übernehmen alleine die „Weiber“. Mann, haben die ein schönes Leben :-). Nach getaner „Arbeit“ ziehen sie wieder gen Norden und liegen dann den ganzen Winter über faul in der Sonne, wenn sie nicht gerade auf Jagd sind. Die Einfahrt der Lagune ist auf beiden Seiten mit einem mehreren Kilometer langen Wellenbrecher gesäumt. Dieser besteht aus großen riesigen Steinquadern und aus den ineinander verkeilten Betonwellenbrechern. Diese haben schöne glatte und große Flächen auf denen sich die Seelöwen tummeln. Die „Naturwellenbrecher“ werden kategorisch abgelehnt. So was nennt man dekadent.

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Seelöwenbulle

Das ist allerdings noch nicht alles was hier so an „Viechern“ zu beobachten sich lohnt. Es gibt Wasserschweine (Hydrochaeris hydrochaeris), mit der brasilianischen Bezeichnung Capivara, welche unter strengen Naturschutz stehen. Selbst haben wir sie leider noch nicht gesehen. Die Brasilianer darauf angesprochen sagen alle übereinstimmend: „ja, die gibt es hier, schmecken sehr gut…“

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Quero Quero

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Mittagspause

Aber was wir schon gesehen habe und häufig vorkommt, das ist der große weiße Reiher (Casmerodius albus), Garça branca grande, wie er hier genannt wird. Stolz steigt er durch die Sumpfwiesen und sucht sich sein Futter um es anschließend in den Büschen sitzend zu verdauen. Ebenfalls zu beobachten sind die Kormorane (Egretta thula ?), wie sie auf Büschen oder Bäumen sitzend, ihre ausgebreiteten Flügel trocknen oder wenn sie beim schwimmen nur noch mit dem Hals aus dem Wasser schauen und es aussieht als würden sie jeden Moment untergehen. Allenthalben zu sehen sind die hier sogenannten Tachã (Chauna torquata) ob es eine entsprechende deutsche Bezeichnung gibt ist mir nicht bekannt. Sie haben dunkles Gefieder ähnlich dem eines Truthahns aber mit dem Körperbau etwa einer Gans. Der Hals ist weiß mit einem schwarzen Halsband. Sie erreichen eine Größe von 85 cm. Sie sind nicht sehr scheu und lassen sich gut beobachten. Gäste, nur zur Winterzeit hier, sind Schwäne lateinische Bezeichnung ist Cygnus melandocoryphus, eine Art die es in Europa nicht gibt. Sie sehen eben aus wie weiße Schwäne(klar, sonst wären sie keine:-)) mit dem Unterschied, dass sie einen schwarzen Hals und einen schwarzen Schnabel haben auf dem ein roter gut sichtbarer Höcker sitzt, zu vergleichen mit dem eines Truthahns, nur größer und dicker. Leider konnten wir diese schönen Tiere noch nicht beobachten. Vielleicht haben wir noch das Glück.

Eine ganze Menge anderer Sumpf und Wasserbewohner, hauptsächlich Vögel gibt es, die mir aber leider unbekannt sind. Was der Freude am Beobachten allerdings keinen Abbruch tut.

Ich werde jetzt den Bericht beenden, mich mit meinem Fotoapparat bewaffnen und versuchen die kleinen Kolibris auf „Platte“ zu bannen. Aber erst gibt es was zu essen und vor allen Dingen gibt es einen heißen Tee zu trinken, den wir noch aus Deutschland bekommen haben. Hier gibt’s nur Matè was absolut nicht unserem Verständnis für Tee entspricht.

Noch eine Anmerkung. Ich habe ein neues Album mit Bildern aus der Umgebung ins Netz gesetzt. Wer es sehen will klickt den folgenden Link an: http://picasaweb.google.de/OutofRosenheim/BarraUndUmgebung#

Viel Spaß

12.07.2010

Lange ist Stille über meine Berichte gezogen und ich habe nichts mehr von mir hören bzw. lesen lassen. Aber was soll ich auch viel berichten. Es ist in dieser langen Zeit eigentlich nicht wirklich Berichtenswertes geschehen. Die Reparaturen, so weit sie am Steg durchgeführt werden konnten sind abgeschlossen. Was jetzt noch zu tun ist, wie das ausgehängte Ruder wieder in die dafür vorgesehene Halterung zu stecken, den reparierten Bugspriet wieder anzubauen, die deformierte Reling zu reparieren bzw. zu erneuern, das Boot komplett entrosten, grundieren und neue Farbe aufbringen, sowie das komplette Antifouling (spezieller Unterwasseranstrich gegen Bewuchs) neu aufzubringen sind Arbeiten, die nur in der Werft gemacht werden können, denn zu den meisten Tätigkeiten muss das Schiff an Land stehen. Das ist dann schon das nächste Problem. Seit Anfang Juni versuchen wir hier in der Werft einen Platz zu bekommen. Wir werden von Woche zu Woche und dann von einem Monat auf den anderen vertröstet. Immer heißt es, nein, die Plätze sind von Fischerbooten belegt. Nun eine neue Variante, das Wetter war so schlecht, durch den vielen Regen konnte nicht gearbeitet werden und es hat sich verzögert. Nun wurden wir vertröstet auf die zweite Julihälfte. Mal sehen ob es dann endlich klappt. Der Aufenthalt in der Werft, da wir alle Arbeiten selbst durchführen wollen, wird wohl so an die zwei Monate dauern, was so viel heißt, wie dass wir erst Ende September, Anfang Oktober Brasilien in Richtung Uruguay verlassen können.

Was ist sonst noch so alles passiert in dieser langen Zeit. Das Problem mit dem kaputten Wechselrichter besteht immer noch, d.h. Ich habe bzw. hatte bis vor kurzem, keine 220 Volt an Bord und konnte meinen Laptop nicht betreiben. Nun habe ich mir einen kleinen mit Benzinmotor betriebenen Generator zugelegt. Einen DC-DC Wandler der mir den Strom von 12 auf 16 Volt für das Notebook umwandelt gibt es hier nicht und das Teil welches ich mir aus Deutschland habe schicken lassen war als Neuteil schon defekt. Der neue Generator, er bekam den Namen „Knatterton“ arbeitet so wie sein Name laut aber zuverlässig. Annemarie kann jetzt wieder ihre Küchengeräte wie Handmixer, Thermomix usw. benutzen und ebenfalls den Staubsauger. Ist schon bequem so was.

So geht mit dem Warten ein ereignisloser Tag nach dem anderen vorbei. Ziemlich nutzlos und langweilig. Abgesehen von der Fußball WM gibt es nichts aufregendes. Ändern können wir dabei nichts. Da wir sozusagen ein Notfall sind haben wir eine Sondergenehmigung der Policia Federal (Einwanderungsbehörde und Bundespolizei) uns bis zum Ende der Reparaturen im Land aufzuhalten, jedoch ist es uns untersagt wie Touristen durchs Land zu reisen oder gar das Land vor dem Ende der Reparaturen zu verlassen. Das heißt, das Land könnten wir schon verlassen aber die dann folgende Einreise um an unser Schiff zu kommen wäre dann nicht mehr möglich. Also bleiben wir hier und schlagen die Zeit tot bis wir einen Platz in der Werft bekommen.

Eine (unangenehme) Begebenheit , die sich sozusagen hinter den Kulissen abspielte möchte ich dann doch noch zum Besten geben. Diejenigen welche mit spanischen Behörden schon mal zu tun hatten werden mir bei dieser Geschichte nachfühlen können. Ein großer Teil des Verhaltens kommt aus der spanischen (kanarischen) Mentalität und wir müssen eben damit leben.

Also, wie jedes Jahr verlangt die spanische Rentenversicherung (habe schließlich dort 10 Jahre einbezahlt) von mir eine „Lebensbescheinigung“. So weit so gut, ich muss eine solche auch jährlich bei der deutschen Versicherung abgeben. In Deutschland wie in Spanien heißt das dass eine Bescheinigung von einer „offiziellen“ Stelle wie z.B. Polizei, Rathaus, Post, Bank usw. sein muss. Was in Deutschland als offiziell gilt, wird auch in Spanien so sein. In Spanien ja, aber wenn man außerhalb ist? Weit gefehlt wie ich schnell bemerkte. Die erste Bestätigung, die ich vom evangelischen Pfarramt in Rio Grande bekam (wird in Deutschland anerkannt) wurde abgelehnt. Diese Mitteilung bekam ich aber erst nachdem ich länger als vier Wochen auf eine Antwort gewartet habe. Dazu noch schnell gesagt, dass für die Aufforderung und die Abgabe dieser Bescheinigung die Bank zuständig ist, bei der man das Konto hat. In meinem Fall die Banca… na ist auch egal. Jedenfalls wurde ich über die Ablehnung der Bescheinigung nicht informiert. Auf meine Frage von wem ich diese ausstellen lassen solle, wieder die Antwort natürlich von eine offiziellen Stelle. Was ist eine offizielle Stelle? Natürlich Banken, Polizei ,Rathäuser… Auf die Frage ob denn eine Notar eine offizielle Stelle sei, hieß es, ja natürlich wenn er eine Zulassung besitzt. So ein Blödsinn dachte ich mir noch, welcher Notar arbeitet ohne Zulassung. Ich also los zum Notar, die Bescheinigung ausstellen lassen. Auf meine Bitte hin setzte er auch die Daten über seine Zulassung auf das Blatt. Endlich dachte ich, habe ich was ich brauche. Dadurch, dass ich keine Rückmeldung bekam und sich alles nun furchtbar in die Länge zog, hat man mir das spanische Konto einfach gesperrt, obwohl noch Geld drauf ist welches nicht von der Rentenversicherung stammt. Aber dagegen unternimm mal was wenn du nicht vor Ort bist. Bei den vielen Anrufen die ich von hier aus getätigt habe wurde ich immer abgewiesen, die zuständige Person sei im Moment gerade im Gespräch mit einem Kunden, sie ist nicht da oder rufen sie in zwei Stunden wieder an. Das war die Frechheit schlechthin, da wäre es auf den Kanaren bereits vier Uhr gewesen und die Banken schließen dort bereits um zwei Uhr!

Also die nächste Bescheinigung vom Notar ist nun ebenfalls mehr als drei Wochen unterwegs und ich habe noch nichts davon gehört. Anruf bei der Bank. Ergebnis siehe oben. Daraufhin verständigte ich einen Freund in Lanzarote der für mich nachfragen sollte. Siehe da, die Dame hatte plötzlich Zeit . Klar, sie wusste ja nicht worum es geht. Dieser Freund bekam nun die Antwort, dass die Bescheinigung schon einige Zeit vorläge, jedoch nicht anerkannt werde, da die Zulassung des Notars in von Den Haag sein müsse. Das ist doch der Hammer. Erstens welcher brasilianische Notar hat eine europäische Zulassung und zweitens, warum hat man mir das nicht gleich gesagt? Als nächster Punkt, wie schon vorher, die Bescheinigung liegt vor, wird nicht anerkannt und ich werde nicht verständigt und das Konto bleibt weiterhin gesperrt. Endlich hatte ich mal das Glück, vermutlich wusste die Dame nicht wer ich bin und hat mich einfach weiterverbunden, mit der zuständigen Person zu reden. Da erfuhr ich nun, es wird nur eine Bescheinigung des Konsulats anerkannt und nichts anderes. Danke, das genügt. Das nächste Konsulat befindet sich in Porto Alegre und das sind immerhin 700 km hin und zurück Aber es bleibt mir nichts anderes übrig als dort hin zu fahren. Nach einem stressigen Tag der mich eine spanische Monatsrente kostete, war ich wieder zurück und im Besitz einer Lebensbescheinigun. Diese per Einschreiben wieder an meine Bank gesendet mit der Hoffnung, dass die Kontosperre aufgehoben wird und alles in Butter ist. Da habe ich allerdings die Rechnung ohne den spanischen Wirt gemacht. Nach weiteren vier Wochen, wie üblich habe ich über den Empfang der Bescheinigung nichts gehört, rufe ich bei der Bank an. Da erfahre ich, wie kann es anders sein „nein die Bescheinigung kann nicht anerkannt werden, denn anerkannt wird die Bescheinigung nur von einem spanischen Konsulat!! Hat man da noch Worte? Jeden Wurm muss man denen extra aus der Nase ziehen. Als deutscher gehe ich natürlich auf ein deutsches Konsulat. Seit wann werden die Konsulate untereinander nicht mehr anerkannt? Und das nennt sich dann Europa! Bin neugierig wie es mal aussieht wenn ich irgendwo bin wo es kein spanisches Konsulat gibt. Vermutlich sind die der Meinung dass Rentner zu Hause bleiben sollen, dann haben sie die Probleme nicht. Also machte ich mich ein weiteres mal auf den 700 km langen Weg nach Porto Alegre, womit auch die zweite spanische Monatsrente beim Busunternehmen liegen gelassen wurde. Die Bescheinigung des spanischen Konsulats ist nun seit zwei Wochen unterwegs und ich habe noch keine Nachricht. Vermutlich muss ich wieder anrufen um nachzufragen was denn jetzt los ist. Mal sehen wie es weiter geht. Der ganze Mist zieht sich nun schon über ein halbes Jahr hin. Das Konto ist immer noch gesperrt. Nur gut, dass ich mit der deutschen Versicherung diese Probleme nicht habe, die haben nämlich die Bescheinigung des evangelischen Pfarramtes anerkannt.

Etwas Gutes kann zumindest Annemarie der Sache abgewinnen. Durch die viele Zeit die wir jetzt haben produziert sie selber gemachtes Sauerkraut, was übrigens hervorragend schmeckt und veredelt den hier wirklich geschmacklosen Käse zu einer guten und wohlschmeckenden Brotauflage. Gekeimte Linsen verwandelt sie zu „Leberwurst“. Dabei jagt sie die Linsen durch den Mixer und gibt verschiedene Kräuter dazu wodurch es schmeckt und aussieht wie Leberstreichwurst aber eben vegetarisch. Sollte jemand Interesse an der „Käseveredelung“ oder am Rezept für Sauerkraut (ganz einfach und unklompliziert)oder der „Leberwurst“ haben, so genügt eine Anfrage über E-Mail. Diese Rezepte sind besonders geeignet für (natürlich auch für alle anderen) Leute die unterwegs sind und solche Gelüste verspüren wie wir.

Vielleicht hört sich der Bericht doch etwas negativ an. So schlimm ist es allerdings nicht. Meistens hört es sich schlimmer an als es am Ende dann ist. Dass es allerdings ärgerlich ist dürfte klar sein. Deshalb möchte ich zum Schluss noch von einem Ereignis berichten, das doch recht angenehm und für uns schmeichelhaft war. Als wir letzte Woche in Rio Grande waren, wir kauften schon mal Farben und andere Dinge, die wir dann später, wenn wir in der Werft sind brauchen. Der Verkäufer merkte sofort dass wir Ausländer sind (ist auch nicht schwer zu erkennen) :-). Nachdem unsere Nationalität feststand sah er uns an und meinte: „ach ihr seid doch die Deutschen die im Fernsehen waren“. Ich bestätigte es ihm, was zur Folge hatte, dass ich unsere Geschichte zum …ten mal erzählen musste. Was ich inzwischen schon ohne stocken und stottern kann.Aus einem Mix aus spanisch und portugiesisch zwar aber verständlich. Das passierte mir in einem anderen Geschäft ebenfalls. Ist doch toll obwohl der Bericht bereits ein halbes Jahr her ist. Es ist bewundernswert, dass die Leute immer noch so viel Anteilnahme zeigen. Die Fischer ebenfalls, denn wir bekamen gestern mal wieder einen ganzen Schwung Fische geschenkt.

Es ist einige Tage her, es war Nacht als es bei uns neben dem Boot klatschte als würde jemand ins Wasser springen. Neugierig geworden standen wir auf, um nachzusehen. Erst sah ich gar nichts, sondern hörte es weiterhin unter dem Steg platschen. Dann sahen wir es. Es waren so an die drei oder vier Fischottern die um unser Boot schwammen und Fische fingen. Wir sahen entzückt dem Treiben zu, bis die Ottern genug hatten und wieder verschwanden. Dass gegen Abend und auch zum Teil Tags über die Reiher bei uns am Steg sitzen gehört schon fast zur Routine und man beobachtet sie nur „am Rande“. Delphine und Seelöwen sind fast jeden Tag zu beobachten und sind Hauptakteure in unserem „Wassertheater“.

22.04.2010

15. April 2010

Gonzalo kommt und wir wollen den Deckel des Motorraums bzw. den Cockpitboden schließen. Erst befreien wir die Auflageränder am Deckel und am Boden von Rost und anderem Schmutz. Mit Sikaflex dick eingeschmiert wird der Deckel geschlossen. Während ich schon mal in den jetzt finsteren Motorraum krieche, steckt Gonzalo die 25 Schrauben durch die Löcher. Ich setze von unten die Muttern an und mein „Hilfsarbeiter“ dreht sie von oben fest. Der noch kleine verbleibende Spalt wird mit Silkon abgedichtet. Es muss alles ordentlich abgedichtet werden denn sonst nimmt der Motor bei der nächsten Welle die einsteigt eine Salzwasserdusche und antwortet mit verstärkter Korrosion. Auf dieses Zwiegespräch kann ich aber gut verzichten. Nach Abschluss dieser Arbeit machen wir uns daran die Motorsteuerung zu zerlegen.

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gereinigt und fertig zum Zusammenbau

Alleine traue ich mich nicht, muss doch an manchen Stellen ziemlich Gewalt angewendet werden und kaputt machen möchte ich nichts. In Zukunft weiß ich jetzt wie es funktioniert. Nach gründlicher Reinigung und frischem Fett wird alles wieder zusammengebaut. Sie funktioniert und arbeitet wieder so leichtgängig wie am ersten Tag.

steuerung-fertig.jpg fertig zum Einbau

22.04.2010

10. April 2010

Nachdem ich heute die Lichtmaschine ausgebaut habe bringen wir diese sogleich in die Werkstatt. Wir haben Glück, denn der Elektriker macht sich sofort an die Arbeit. Nach der Überprüfung.

Auf dem Prüfstand zerlegt er die Lima in ihre Einzelteile. Das sieht gar nicht gut aus. Der Anker und die hintere Platte mit den Dioden und den Anschlüssen haben das Zeitliche gesegnet. Die Teile werden ausgetauscht und ich bin ca. 140€ ärmer. Er hat keine Original Boschteile verwendet, denn sonst hätte ich das Doppelte bezahlt. Mit der reparierten Lichtmaschine bewaffnet fahren wir zurück zum Boot und ich baue diese wieder ein. Die Kabel sind schnell angeschlossen und wir können den Motor zum Probelauf starten. Dieser springt sogleich an, die Ladekontrollleuchte erlischt und der Drehzahlmesser zeigt 800 RPM Leerlaufdrehzal an. Super. Das wäre also schon mal geschafft. Leider ist jedoch der Hebel der Motorsteuerung so schwergängig, dass er sich nur mit größter Mühe betätigen lässt. So kann man das nicht lassen. Also werden wir die Steuerung abbauen, zerlegen und reparieren. Aber nicht mehr heute.

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defekte Motorsteuerung

22.04.2010

08. April 2010

Während Annemarie weiter die Sperrholzplatte auf Vordermann bringt,widme ich mich wieder dem Motor. Ich wechsle noch einige poröse Schläuche und andere Kleinigkeiten aus und plötzlich ist der Motor fertig zum Probelauf. Den Tank habe ich bereits mit 200 Liter Diesel zur Hälfte aufgefüllt. Erst wird einmal entlüftet, was bei den doch sehr umfangreichen Kraftstoffsystem und den vier Filtern einige Zeit dauert. Dabei stellen wir fest, dass die Dieselpumpe nicht so funktioniert, wie sie eigentlich soll. Gonzalo wird sie in den nächsten Tagen ausbauen und reparieren. Nun sind wir so weit. Ich drücke auf den Anlasser, dieser orgelt ganz anständig aber der Motor springt nicht an. Wir entlüften nochmal und die Orgelei geht von neuem los. Doch der Motor will und will einfach nicht anspringen. Es ist zum junge Hunde kriegen. Es wird bereits dunkel und die Batterie ist auch leer. Wir hören für heute auf und werden morgen weiter machen. Ich lasse den Generator laufen um die Bord- und Starterbatterien für den morgigen Tag zu laden. Am nächsten Tag machen wir uns sogleich ans Werk. Ich stecke den Zündschlüssel rein und drücke den Startknopf. Nach einigen Umdrehungen springt der Motor sofort an, jedoch die Ladekontrollleuchte bleibt an und der Drehzahlmesser rührt sich keinen Millimeter. Sogleich bewaffne ich mit mit meinen Multimeter und messe die Spannung. Mist! Nur die Batteriespannung steht an. Die Lichtmaschine liefert nicht die mindestens benötigte Spannung von 13,8 Volt. Das heißt entweder der Regler oder die komplette Lichtmaschine ist kaputt. Da kommt Freude auf.

22.04.2010

04. April 2010

Wir werden heute die Platte für das Cockpitdach bearbeiten. Ich mache mich sogleich daran die Oberfläche der Platte abzuschmirgeln. Die Qualität der Platte ist nicht das was wir normal gewöhnt sind aber was solls. Nach mehrmaligen schleifen und streichen lassen wir es für heute gut sein. Morgen wird Annemarie daran weiter machen. Der Chef hat Wichtigeres zu tun :-).

22.04.2010

02. April 2010

Heute, Karfreitag, soll man ja fleischlos essen. So weit ja nicht schlimm aber ausgerechnet heute an meinem Geburtstag, wo ich mich doch schon so auf einen saftigen Braten gefreut habe… Von Annemarie bekomme ich zur Feier des Tages eine rote Rose geschenkt. Und das nach 21 Jahren. Das ist doch was. Mittags sind wir bei Gonzalo und seiner Frau Suzana eingeladen. Wir sind inzwischen wirklich sehr gut miteinander befreundet. Es war ein schöner Tag und wir können den Ärger, den wir gestern hatten, etwas vergessen. Nachts, kurz vor 22:00 Uhr hat es plötzlich gerummst, dass ich bald von der Bank gefallen wäre. Ist uns doch schon wieder so ein Blindfisch mit seinem 50 Tonnen Fischtrawler in die Seite gefahren und hat dabei den gesamten vorderen Teil der Reling verbogen. Wäre der bereits reparierte Bugspriet schon wieder angebaut gewesen, wäre er jetzt wieder über den Jordan. Und damit dass das Maß voll ist, hat uns ein anderer (oder der Gleiche?) am Ostersonntag nachts um drei mit einem weiteren gewaltigem Bumms die Reling vollends verbogen. Langsam wird es mir zu bunt. Das ist jetzt das vierte mal dass wir gerammt werden. Leider können wir von diesen vieren nur einen zur Rechenschaft ziehen, den die anderen waren zu schnell in der Dunkelheit verschwunden.

22.04.2010

31. März 2010

Die Platte die wir gestern gekauft haben muss nun noch zum Schiff transportiert werden. Sie wird in den nächsten Tagen geliefert. Den Tag über habe ich am Motor gearbeitet und alle Schläuche für das Kraftstoffsystem angeschlossen. Gut, dass ich mir damals einen Plan gezeichnet habe, denn sonst hätte ich es nicht mehr hingekriegt, jedenfalls nicht so schnell. Es ist doch nicht ganz so einfach sich wieder in die Situation und die Gedanken hinein zu versetzen, die man damals bei der Konstruktion hatte. Auf alle Fälle ist wieder alles in bester Ordnung, nur die Salzwasserpumpe macht Ärger. Sie wird nicht dicht. Der Schlauch für den Zulauf ist porös und ich tausche ihn aus. Das aber ist leichter gesagt als getan. Drei Stunden werkle ich unter lautstarkem Fluchen an dem Ding herum, bis ich mit viel List und Tücke den Schlauch auf dem Pumpenanschluss habe, der natürlich an der unzugänglichsten Stelle unter zwei anderen Kühlwasserrohren liegt. Den Deckel der Pumpe habe ich auch abgedichtet.

Von Fischern haben wir mal wieder etliche Fische bekommen. Einige davon hat Annemarie als Bratfisch in einen Sud eingelegt. Nach einigen Tagen sind sie fertig zum Verzehr. Schmecken hervorragend. Der Vorteil ist, dass sie nicht so viele Gräten haben wie Bratheringe.

22.04.2010

30. März 2010

Also die Arbeit geht mir bestimmt nicht aus. Ich möchte gerade den Tagestank einbauen, werfe aber noch einen Blick in diesen. Was glitzert denn da? Um besser sehen zu können drehe ich den Tank etwas und hebe ihn hoch. Ich glaube mich laust der Affe. Am Boden des Tanks sind mindestens 20 kleine Löcher von der dicke einer Stecknadel. Lochfraß!! Das hat gerade noch gefehlt. Ich bespreche es mit Gonzalo und er meint das wäre kein großes Problem. Das könne er verzinken bzw. Hartlöten. Für heute bleibt die Arbeit liegen, den wir müssen nach Rio Grande um eine Marine-Sperrholzplatte zu besorgen. Wir bauen uns damit als Ersatz für das zerrissene Bimini ein Dach über das Cockpit.

22.04.2010

29. März 2010

Gonzalo kommt gegen Mittag und ist erstaunt wie weit die Arbeit bereits fortgeschritten ist. Heute werden wir das Getriebe mit der Antriebswelle verbinden. Leider gibt es da ein Problem. Es fehlen einige Millimeter um die Schrauben in die dafür vorgesehene Passung zu stecken. Mit dem Flaschenzug heben wir den Motor nochmal um einige Zentimeter an aber es passt immer noch nicht. Erst als wir das Wellenlager etwas lösen passen die Schrauben. Das alles dauert etwa 1½ Stunden. Dann war es Mittag und Gonzalo geht nach Hause. Er lässt mich noch wissen, dass er heute keine Zeit mehr hat, denn er muss noch in die Stadt fahren. Na gut, stört mich wenigstens keiner beim Arbeiten. An diesem Nachmittag baue ich alle Schläuche, Rohre, Wärmetauscher usw. an. Als letztes verpasse ich der Salzwasserpumpe noch einen neuen Impeller. Es wird langsam dunkel und ich bin ganz schön geschafft aber zufrieden mit der Arbeitsleistung. (braver Werner, ganz braver Werner - Anmerkung von Annemarie :-)).

22.04.2010

28. März 2010

Annemarie war beim Einkaufen und bringt 2kg Schweinebraten mit. Das ist doch was. Das gibt einen super Braten. Den letzten Schweinebraten vertilgten wir in Lanzarote als Abschiedsessen mit der Crew der Buena Vista. Die Schwarte wird in Karos eingeschnitten. Den gewürzten Braten legt man nun mit der Schwarte nach unten in einen Topf mit wenig Salzwasser. Nach einer ½ Stunde wird der Braten umgedreht und im Rohr fertig gebraten. Durch das Ankochen wird die Schwarte besonders knusprig. Während der Braten im Ofen brutzelt richte ich schon mal alles her für die Semmelknödel. Knödelbrot gibt es hier nicht und die Semmeln eignen sich dafür absolut nicht. In denen ist nur Luft. Es gibt in Scheiben geschnittenes Weißbrot das wie Zwieback, im Ofen getrocknet wird. Das nehme ich. Aus Brot, Ei, Salz, Petersilie, etwas Mehl und Milch mische ich den Teig für die Knödel, die im heißen Salzwasser ziehen bis sie aufschwimmen. Dann sind sie fertig. Der Braten ist nun auch durch und schön saftig. Mit großem Appetit und einem schönen kalten Bier, schnell aus der Kneipe geholt, machen wir uns über den Braten her. Schweinsbraten nach bayrischer Art mit Knödel und einer Maß Bier, im südlichsten Zipfel von Brasilien, das grenzt ja schon bald an Snobismus. Aber uns schmeckt es trotzdem oder vielleicht gerade deswegen. Soll ich mal verraten was uns dieser Schmaus hier kostet? 14 Reals inklusive Bier. Das sind gerade mal 5,60 €.

22.04.2010

26. März 2010

Wir haben jetzt „bis morgen“ und wir haben schönes Wetter, die Sonne ist da, die Steghunde sind da, jede Menge Fischerboote sind da, nur Gonzalo ist nicht da. Ich warte noch bis Mittag aber er kommt nicht.Um 12:00 Uhr wird gegessen, dann legt er sich hin bis 16:00 Uhr und danach kommt er bestimmt nicht mehr. Also hole ich mein Werkzeug und mache mich an die Arbeit. In den nächsten drei Stunden baue ich die Lichtmaschine, den Keilriemen, den Anlasser, den Tank für den Süßwasserkreislauf, die Ölschläuche und den Ölfilter an. Danach überpinsele ich mit roter Farbe einige Stellen am Motor, Getriebe und an Anbauteilen, die beim Motoreinbau abgestoßen wurden. Es fehlen jetzt noch die Ölkühler für Getriebe und Motor, den Luftansaugstutzen, den Wärmetauscher für den Süßwasserkreislauf, der Impeller für die Salzwasserpumpe, das Abgassammelrohr für den Auspuff und der dazugehörige Wassersammler für die Wassereinspritzung zur Kühlung der Auspuffgase. Etliche andere Zuarbeiten sind ebenfalls noch fällig. Die Schläuche des Kraftstoffsystems müssen von mir installiert werden, da Gonzalo bei der von mir entworfenen Konstruktion nicht ganz durchblickt. Die Halterung der Batterien sind auch noch nicht eingebaut (wäre das bloß schon gemacht), das wird noch eine Hundsarbeit. Die Elektrik mit ihren mehr als 24 Anschlüssen muss auch noch komplettiert werden.

22.04.2010

25. März 2010

Wir haben den 25.März und endlich, nachdem der Motor weitere sinnlose Tage unberührt auf der Cockpitbank stand, kommt Gonzalo um ihn einzubauen. Die ganze Übung beginnt von vorne: Eisenstange am Dreibein und am Mast befestigt, Rolle mit Haken angebracht, alles wie bereits gehabt. Endlich schwebt der Motor über der Öffnung des Motorraumes und senkt sich langsam nach unten.

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auf dem Weg ind den „Keller“

Nun wird der Motor mit der „Nase“ nach unten gekippt, so dass der Antrieb für das Getriebe gut zugänglich ist. Mit einem zweiten Flaschenzug kommt das Getriebe hinterher und wird am Motor angeflanscht.

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Getriebe im Anmarsch

Nun senken wir die gesamte Einheit ab bis sie auf den Gummipuffern der Motorhalterung sitzt. So weit, so gut. Jetzt die Anbauteile dran. Aber nicht heute. Das Tagwerk ist nach zwei Stunden beendet. Bloß nicht überarbeiten ist die Devise. Meine zwar auch aber etwas mehr könnte nicht schaden. Asta manhana (bis morgen) und damit entschwebt Gonzalo in heimatliche Gefilde.

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wieder eine Einheit Motor und Getriebe

21.04.2010

22. März 2010

Das Wochenende ist vorbei, Wind ist nicht da, Welle ist nicht da und Gonzalo ist natürlich ebenfalls nicht da, trotz bester Voraussetzungen. Es heißt eben wieder mal warten. Damit aber die Zeit nicht völlig nutzlos verstreicht, mache ich mich daran den Bugspriet abzubauen. Das ist nach einer halben Stunde passiert. Was jetzt? Eigentlich müssten die Maststufen oberhalb der zweiten Saling neu angebracht werden und ein Splint in einem Bolzen am Masttop gehört ausgebohrt. Geht aber nicht. Warum? Dazu brauche ich eine Bohrmaschine. Kein Problem, die habe ich aber leider fehlen mir dafür 220 V. Die habe ich nicht. Logisch, der Wechselrichter ist immer noch in Reparatur. Nerven braucht man, so stark wie mein Vorstag. Eine andere sinnvolle Arbeit steht für heute nicht mehr an. Also vertrödeln wir den heutigen Tag. Langsam bzw. eigentlich schnell läuft uns die Zeit davon. Es geht auf den Winter zu, der Wind aus Süden wird häufiger und stärker. Wenn wir nach Uruguay wollen müssen wir nach Süden. Je weiter es nach Süden geht um so stärker werden um diese Zeit die Stürme.

21.04.2010

19. März 2010

Es sind weitere Tage vergangen als Gonzalo den Motor mit einem Handwagen über den Steg bis zu uns ans Boot zieht. Na endlich, denke ich mir, jetzt kann es losgehen. Der Motor wird mit dem Flaschenzug hochgehoben und auf den Steg gestellt. Wieder ist mal ein Tagwerk vollbracht. Gonzalo gibt mir zu verstehen, dass er in den nächsten Tagen, wann kann er nicht genau sagen, vorbei kommt um den Motor in das Boot zu hieven.

Zwei Tage vergehen bis Gonzalo sich wieder sehen lässt. Klasse, heute wird der Motor eingebaut. Alles wird hergerichtet, der Motor, der Flaschenzug, die Rolle mit dem Eisenhaken nebst der Stange auf der die Rolle kommt um den Motor vom Steg ins Boot zu befördern.

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“Transportvorrichtung”

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Auf dem Weg ins Cockpit

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Die Stange wird auf der einen Seite am „Dreibein“ befestigt und auf der anderen am Baum, der zur Verstärkung mit einem Pfahl unterstützt wird. Langsam wird der Motor mit dem Flaschenzug so weit angehoben, dass man ihn über die Reling ziehen kann. Das ist dann auch schnell getan und der Motor ist jetzt im Cockpit und steht auf der Bank. Im Cockpit auf der Bank? werden sich die geneigten Leser fragen. Ja, natürlich im Cockpit auf der Bank. Schließlich ist Freitag und das Wochenende naht. „Nächste Woche komme ich wieder, vorausgesetzt es gibt keinen Wind und keine Wellen“, gibt Gonzalo mir zu verstehen und entschwindet ins hart erarbeitete Wochenende.

21.04.2010

12. März 2010

Es hat sich ja schon lange nichts mehr mit dem Motor getan. Er steht, fertig zum Einbau, in der Garage von Gonzalo. Der „arme“ Kerl hat einfach keine Zeit den Motor hierher zu schaffen.

Es sind nun wieder einige Tage vergangen und Gonzalo zeigt mir stolz, dass der Motor immerhin schon bei einem Freund in der Werkstatt steht, nicht weit vom Boot entfernt. Das ist doch schon mal was. Bis auf hundert Meter genähert, so nah war der Feind noch nie.

Nach weiteren drei Tagen kommt Gonzalo und bringt dicke, zwei Meter lange Pfosten an die er zu uns auf den Steg schleppt. Mit Hammer und Nägel baut er ein Dreibein als Auflage für die Eisenstange an der später der Flaschenzug befestigt wird. Nach einer Stunde ist alles vorbei und das Tagwerk vollbracht.

21.04.2010

10. März 2010

Es sind ein paar Tage vergangen und der Kleine hat, Annemarie taufte ihn Felix (es bedeutet der Glückliche), gute Fortschritte gemacht. Er ist jetzt etwa acht Wochen alt und seit einigen Tagen verschmäht er die Flasche. Er frißt jetzt feste Kost, jedoch Trockenfutter lehnt er ab, auch eingeweicht. Aber bei Fisch oder Hähnchen mit Reis ist er nicht mehr zu halten. Da haut er rein, dass er anschließend mit kugeln schneller vorwärts kommt als mit laufen. Was Annemarie ihm von Anfang an beigebracht hat, ist auf das „Katzenkloo“ zu gehen. Es ist nicht zu glauben aber es funktioniert wunderbar. Selbst nachts, wenn er wach wird geht er in die „Kiste“ und legt sich anschließend wieder schlafen. So was habe ich bei einem Hund noch nie gesehen und das obwohl Felix erst acht Wochen alt ist. Er ist also schon „Stubenrein“. Trotzdem, dass er so lieb und putzig ist, werden wir ihn nicht behalten. Die Probleme unterwegs sind zu groß. Nicht mit dem Hund aber mit den Behörden in den verschiedenen Ländern. Allein schon im Nachbarland in Uruguay z.B. darf der Hund das Boot nicht verlassen. Wir wollen dort aber so an die drei Monate bleiben. Ein anderes Beispiel, was uns allerdings jetzt noch nicht betrifft, ist Neuseeland. Dort dürfen Tiere ebenfalls nicht von Bord und außerdem kommt täglich(!) der Veterinär zur Untersuchung und kassiert dafür jedes mal 50 US$.

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Felix mit seinen „beiden“ Müttern.

Wir haben für Felix einen schönen Platz bei einer Familie gefunden. Die Tochter, deren Hund vor einiger Zeit gestorben ist, wird ihn nehmen. Dort ist er in guter Gesellschaft von fünf weiteren Hunden, ebenso vielen Katzen, eine Horde Meerschweinchen, einen Papagei, Hühner und Enten. Im Hof hat er genügend Platz um mit den anderen herumzutoben. Eine Hütte als Schlafplatz steht für ihn ebenfalls bereit. Heute werden wir ihn, wenn auch schweren Herzens, an die neue Familie übergeben.

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Der Feind muss bekämpft werden

 

21.04.2010

07. März 2010

Wir kommen gerade vom Strandspaziergang zurück und es liegt der Welpe, den ich vor einiger Zeit aus dem Fischernetz befreit habe, vor seinem Bau direkt am Wasser. Eine etwas größere Welle und er ist weg.Eigenartigerweise kümmert sich Dolly, seine Mutter, überhaupt nicht um ihn. Annemarie nimmt eine Spritze, natürlich ohne Kanüle und füllt sie mit Milch. Gierig saugt der Kleine an der Spritze. Dann kommt nochmal eine Ladung und nochmal. Jetzt scheint er satt zu sein. Annemarie meint, dass der Kleine hier wohl verhungern würde und nimmt ihn mit auf das Boot. Dort wird er nun von Annemarie, mittels der inzwischen gekauften Babyflasche aufgezogen. Alle zwei bis drei Stunden füttern, auch nachts, das wäre mir zu viel. Aber bei Annemarie wurde wohl der Mutterinstinkt geweckt.

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21.04.2010

05. März 2010

Längere Zeit schon ist mein Wechselrichter kaputt, also in der Werkstatt. Was so viel heißt, wie dass ich meinen Laptop auf dem Boot so gut wie nicht gebrauchen kann. Jedenfalls nicht um neue Berichte zu erstellen. Diese „Live“ zu schreiben würde zu lange dauern und die Internetkosten in die Höhe treiben. Mein zehn Finger System ist dafür nicht schnell genug (mit neun Fingern einkreisen und mit dem zehnten draufklopfen). Also muss ich erst die Berichte mit der Hand schreiben und mir dann eine Möglichkeit suchen diese in den Laptop zu hämmern. Diese Möglichkeit habe ich jetzt gefunden, ist allerdings ein wenig umständlich. Hier haben alle so unendlich viel Zeit und da wird die Geduld, die wir uns in 12 Jahren Lanzarote angeeignet haben, schon sehr strapaziert. Den Wechselrichter habe ich bereits vor drei Wochen zur Reparatur gebracht aber er liegt immer noch total zerlegt beim Elektroniker. Ich habe mal so leise nachgefragt wann denn das Teil wieder einsatzbereit sei und bekam nur zur Antwort. „muito complicado“ (sehr kompliziert). Auf einen Termin wollte er sich auf keinen Fall festlegen.Die einzige Aussage die ich ihm entlocken konnte war, dass ich nächste Woche nochmal vorbei schauen solle. Vorweg genommen, der Wechselrichter ist auch nach 6 Wochen noch nicht fertig. Er hat wohl nicht den Mut zu sagen dass er damit überfordert ist. Er meinte nur so nebenbei im Gespräch, dass da so viele Komponenten eingebaut sind, die mehrere Funktionen hätten, da seien die in Brasilien gebauten Geräte einfacher. Eine Komponente, eine Funktion, aber das Teil da…

3.03.2010

01. März 2010

Die ganze letzte Woche hatten wir „schlechtes“ Wetter. Der Wind ging so aber die Temperaturen, sie lagen so um die 18°C, was für diese Jahreszeit kalt ist. Klar, wir haben schon März, was im äquivalent nördlich des Äquators September entspricht. Also war das schon mal ein herbstlicher Vorbote. Für uns zwar schlecht, denn uns war schon zu kalt, für die Umwelt, respektive dem Fluss in dem wir liegen, war es eine kleine Erholungspause. Jetzt wo es wieder warm ist, ist diese Pause auch vorbei. Große Teppiche mit (toxischen) Grünalgen werden vom Fluss angeschwemmt und vernichten fast alles Leben im Wasser. Sie verbrauchen den ganzen Sauerstoff und die toten Fische werden zu Hunderten am Strand angespült, was den Badegästen anscheinend nicht viel ausmacht. Der Badebetrieb geht lustig weiter, dann macht man eben einen Bogen um die toten Fische. Stinken tun sie nicht, dafür sind sie noch zu frisch. Keine Zeitung, kein Fernsehen oder sonstige Medien berichten darüber. Das ist eben so, das kannten unsere Väter auch schon. Warum sollen wir uns darüber aufregen. Alle die ich bisher gefragt habe, wo die Algen denn her kommen, bekomme ich zur Antwort: vom Fluss. Ja, das schon aber was ist die Ursache? Dafür gibt es nur ein Schulterzucken. Die Frage ob es etwas mit Chemie bzw. der Chemieindustrie zu tun hat wird mit „nao Industria“ vehemenent abgestritten. Das kommt eben vom Fluss. Was meinen Wissensstand anbelangt, kommen Grünalgen von Überdüngung. Das ist auch hier die Ursache. Nicht hier an der Mündung liegt der Grund des Übels, sondern im Hinterland. Dort wird jede Menge gedüngt, der (viele) Regen schwemmt den Dünger aus und es wird von neuem gedüngt usw. Dass Tenside und Dünger das Wachstum der Grünalgen fördert ist eigentlich weithin bekannt. Aber nicht nur die Landwirtschaft hat daran Schuld, auch der „Hausgebrauch“ hat daran seinen Anteil. In Städten ist es etwas anderes aber auf den Dörfern wird das Ab und Waschwasser z.T. sogar von den Toiletten einfach ins freie gespült, das läuft dann als stinkende Brühe im Straßengraben bis es versickert oder in einen Bach läuft. Das allerdings kann man den Leuten nicht vorwerfen. Was sollen sie auch tun, wenn die Gemeinden kaum für die Entsorgung und Klärung der Abwässer sorgt? Sie könnten Sickergruben bauen, was hier allerdings unbekannt ist. Es ist nicht nur das Abwasserproblem, der Umweltgedanke scheint hier in den Urwald verbannt, was so auch nicht stimmen kann, denn der wird abgeholzt. In der Stadt, zumindest in Rio Grande gibt es sogar Abfalleimer zur Mülltrennung. Doch was nützt es, wenn trotzdem die Zeitung, die Cola Dose, der Plastikbeutel, da hingeworfen wird wo er gerade geleert wurde. Es würde hier niemand (vielleicht mit ganz wenigen Ausnahmen, siehe leere Abfalleimer) einfallen zwanzig Meter zum nächsten Mülleimer zu laufen und dann womöglich noch in die entgegengesetzte Richtung. Fallen lassen ist viel einfacher und haben wir immer schon so gemacht. Es wird schon etwas, meist von Schwarzen, davon eingesammelt und sortiert. Aber das geschieht aus Eigennutz. Denn der sortierte Müll, vor allem Dosen (Aluminium), wird bei einer Entsorgungsstelle verkauft.

Ich gehe bei uns im Dorf spazieren und denke mir, aha da kommt wohl in den nächsten Tagen der Sperrmüll. Überall liegen in Abständen von einigen hundert Metern alte Möbel, Bretter, kaputte Fernseher usw. Einige Tage später sehe ich die „Sperrmüllbeseitigung“. Wird der Haufen zu groß, dann zündet ihn irgend jemand an und räuchert damit ganze Teile des Dorfes ein. Interessiert niemanden, denn Tage später brennt dann einige hundert Meter weiter ein anderer Haufen. Sind nur noch Reste und Asche übrig, dann gibt es wieder neuen Platz für neuen Müll. Auch eine Art seinen Müll zu entsorgen. Zu Gute halten muss man der Gemeinde jedoch, dass sie zumindest eine Hausmüllentsorgung, also das was so alles in eine normale Plastik-Einkaufstüte passt, regelmäßig entsorgt wird. Dazu gibt es vor jedem Haus eine auf Stelzen stehende Kiste oder der Länge nach aufgeschnittene Öl oder Plastiktonne (auf Stelzen damit keine Hunde, Katzen oder andere Tiere dran kommen), auf der „LIXO“ (Müll) steht.

Umweltbewusstsein zu wecken muss eigentlich von „oben“ von der Politik kommen. Es reicht nicht, nur fünf oder sechs verschiedenfarbige Tonnen aufzustellen und zu sagen, na dann macht mal. Umweltbewusstsein zu wecken beginnt schon im Kindergarten, dann in der Grund und Hauptschule usw. Das Problem ist nur, das was nicht gelehrt wird, kann man auch nicht lernen. Es stimmt schon, die Politiker haben hier (vermeintlich) wichtigere Probleme zu lösen als die der Müllbeseitigung, doch wenn sie dann darin ersticken ist es zu spät.

Ich will aufhören zu meckern, trotzdem bin ich der Meinung man soll nicht alles durch die rosarote Brille sehen. Ich bin zwar Gast hier aber ein wenig kritisch sein darf man trotzdem. Oder?

Im Anschluss ein Link mit Bildern die ich nicht kommentiere, da sie, wie ich meine für sich selbst sprechen. Die Bilder wurden am Vormittag aufgenommen als nur wenige Badegäste anwesend waren. Nach 12:00 Uhr kommt der große Andrang, trotz Algen und toter Fische.

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The show must go on, Umweltprobleme interessieren nicht, es sei denn man kann sie vermarkten

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23.02.2010

20. Februar 2010

Es ist Samstag und Wochenende. Wir fahren mit dem Bus nach Rio Grande um unsere dortigen Freunde Angelica und Olek im Hotel Paris zu besuchen. Erst aber wollen wir einen Elektronik Shop aufsuchen der uns von der Besatzung des Bugsierschleppers empfohlen wurde. Ich habe die KW-Peitschenantenne am Schlepper gesehen und gleich gefragt wo es diese gibt. Meine ist ja abgebrochen und in den unergründlichen Tiefen des Atlantiks verschwunden. Freundlich, wie die Brasilianer nun mal sind, hat einer der Besatzung gleich bei dem Shop angerufen und gefragt ob so eine Antenne vorrätig sei. Das sei sein Freund gewesen und dort er hat die Antenne für den Schlepper besorgt. Es ist die Firma Electronic Professional in der Rua 24. Maio. Wir haben diese Firma nach kurzer Suche entdeckt und tragen unser Anliegen vor. Wir richten auch schöne Grüße von Francesco aus, der vor einigen Tagen mit ihnen telefoniert hat. Großes Erstaunen, denn Francesco kennen sie nicht und KW-Antenne hätten sie auch keine. Wir fragen nochmal ob dies die Firma Electronic Professional sei, was uns bestätigt wird. Ich zeige ihm die Telefonnummer und er bestätigt, dass es die der Firma sei. Nun verstehe ich gar nichts mehr. Die Adresse stimmt, die Firma stimmt, ebenso die Telefonnummer aber Francesco ist nicht bekannt und KW Antennen haben sie auch nicht. Entweder gibt es diese Firma nochmal in dieser Straße oder der Verkäufer ist völlig inkompetent. Ich frage ihn ob es denn diese Firma hier nochmal gäbe. Ja natürlich, weiter unten in der Straße der Elektronik Shop. Wir laufen die Straße bis zum Ende durch aber ohne diesen ominösen Shop zu finden. Irgend was ist hier wohl absolut schief gelaufen. Francesco hat mit dieser Firma telefoniert, ich war ja dabei. Also ist der Wurm wohl anderswo zu suchen. Na, egal wir besuchen jetzt unsere Freunde bevor sie in den nächsten Tagen weiter ziehen.

Am frühen Abend sind wir wieder zurück am Boot und unsere zwei Steghunde, der bzw. die dritte ist seit Wochen verschwunden, empfangen uns schwanzwedelnd am Steg. Annemarie gibt ihnen gleich das aus Reis und Hühnerknochen bereits gestern hergerichtete Futter, das sie gierig verputzen.

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Annemarie und „ihre“ Hunde

Er, wir haben ihn Casanova getauft legt sich auf den Steg und schläft. Sie, die wir Dolly nennen, läuft zurück zu ihren Jungen. Dolly ist seit ungefähr zwei bis drei Wochen Mama. Plötzlich hören wir Hundegeheul. Ich schenke dem nicht viel Aufmerksamkeit, da in der Nachbarschaft eine Hündin läufig und Casanova wohl etwas Liebeskrank ist. Aber das Geheule hört nicht auf. Es sind da die Frauen, die wohl mehr Gefühle entwickeln als die Männer. Jedenfalls meint Annemarie, dass dieses Geheule nicht normal sei und geht nachschauen. Kurz danach kommt sie zurück und erzählt mir, dass Dolly so jämmerlich jault und dauernd um sie rumschwänzelt. „Nimm doch eine Taschenlampe und leuchte unter das Haus unter dem sie ihre Jungen abgelegt hat“, meint Annemarie zu mir. Ich nehme die Taschenlampe und ziehe los. Ich leuchte unter das Haus, kann aber nichts sehen. Dolly kommt und schlüpft unter das Haus. Ich schaue wo sie hingeht und da sehe ich ihr Junges. Es liegt da, so halb auf einem alten Fischernetz. Dolly geht hin und stupst es an, doch das Kleine rührt sich nicht vom Fleck und Dolly fängt wieder an zu jaulen.. Annemarie meint ich soll das Junge doch mal rausnehmen, ich könne es doch mit der Hand leicht erreichen. Ich will es nehmen, doch es geht nicht, denn es hat sich total in dem alten Netz verfangen und kann sich nicht bewegen. Der Kopf und ein Fuß stecken in einer Masche des Netzes. Das Kleine wird sogar davon leicht stranguliert. Ich rufe Annemarie zu sie soll so schnell wie möglich ein Messer besorgen damit ich es losschneiden kann. Das ist dann auch schnell getan und das Kleine ist frei. Dolly sieht man die Freude an, denn sie hat begriffen, dass die Gefahr für ihr Junges nun vorbei ist.

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Das riecht aber nicht nach Mama

Annemarie legt es ihr gleich an die Zitzen und es säugt gierig. Da sage mir mal einer, Hunde oder Tiere seien nicht Intelligent. Sie hat uns regelrecht geholt, wohl wissend dass nur wir ihrem Jungen helfen können.

Am nächsten Tag morgens ist Dolly wieder pünktlich zur Stelle um sich ihre Ration für den Tag abzuholen. Wir gehen etwas mit ihr am Strand spazieren und sie ist aufgedreht wie ein junges Fohlen. Man sieht welche Freude sie hat.

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so ein Ausflug ist anstrengend

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 Mann, ich bin so was von fertig

Sie läuft wie wild den Strand entlang, dreht um springt mit allen Vieren gleichzeitig in die Höhe und läuft wieder weg. Ich glaube das ist ihre Art Danke zu sagen.

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Die stolze Mama

23.02.2010

19. Februar 2010

Gonzales hat, nach längerer Pause, mal wieder Zeit für uns bzw. unseren Motor. Erst musste er für die Fischer arbeiten, dann fuhr er nach Uruguay zu seiner Familie, seine Mutter hatte Geburtstag. Während dieser Zeit schöpfe ich das restliche Wasser aus dem Tank und Annemarie bepinselt den Motorraum mit frischer Farbe. Allerdings war die Schöpfarbeit umsonst, da es wieder mal regnet, der Tankdeckel und der Deckel des Motorraumes, sprich Boden des Cockpits, offen ist und der Regen den Tank wieder auffüllt. Da kommt so richtig Freude auf. Macht nichts, leeren wir den Tank dann eben nochmal. Man gönnt sich ja sonst nichts. Aber nun weiter mit dem Motor. Er ist so weit fertig zusammengebaut. Es sind nur noch Kleinigkeiten zu erledigen. Nachdem das alles geschehen ist, wird der Motor provisorisch zum Probelauf hergerichtet. Wir stellen ihn auf eine feste Unterlage und befestigen ihn, damit er nicht umfallen kann. Dann fülle ich Motoröl auf. Passen doch da tatsächlich 10 Liter rein. Da der Motor erst mal ohne Wasserkreislauf laufen soll bleibt der Auspuff weg, da diesem der Wärmetauscher vorgeschaltet ist und dessen Innenleben würde es ohne Kühlung nicht überleben. Wir merken beim Anbau der Dieselleitungen, dass zwei davon verstopft und auch mit Pressluft nicht frei zu bekommen sind. Ersatzleitungen haben wir im Moment nicht, also werden vorläufig die eines anderen Motortyps zurecht gebogen und angeschraubt. Die Autobatterie aus Gonzales` Auto wird ausgebaut und mit dem Anlasser verbunden. Dann werden Einspritzpumpe und Leitungen samt Filter entlüftet. Nun kommt die Stunde der Wahrheit. Das Pluskabel an die Batterie gehalten und nach einigen Umdrehungen ein fürchterlicher Krach und Funkenflug aus den Abgasaustrittslöchern am Zylinderkopf, an denen der Auspuff angeschlossen wird. Der Motor läuft gleichmäßig und ohne Vibrationen. Lastwechsel nimmt er schnell und gleichmäßig an. Als der Motor dann anfängt sich aufzuwärmen schalten wir ihn ab um ihn nicht zu Beschädigen. Bravo Gonzales, gut gemacht. Nachdem der Motor wieder abgekühlt ist, füllen wir Wasser in die Rohre ein aber ohne den Wassertank anzubauen. Dann starten wir den Motor nochmal und können ihn ca. 5 Minuten laufen lassen bevor das Wasser mehr als 40°C erreicht. Er läuft wirklich gleichmäßig rund. Wir schalten ihn wieder ab und lassen ihn auskühlen. Jetzt müssen wir nur noch zwei Dieselleitungen besorgen, den Motor mit einem Hochdruckreiniger von Öl und Fett befreien damit er neu lackiert werden kann. Dann warten wir einen ruhigen Tag ab, an dem es weder regnet noch Wind weht, um den Motor wieder an seinen angestammten Platz zu befördern.

23.02.2010

14. Februar 2010

Vor zwei Wochen wurde mal wieder eine Einladung ausgesprochen, der wir heute nachkommen wollen. Heute, Sonntag sind wir für 10:00 Uhr verabredet. Wir stehen etwas früher auf, wir sind beide Langschläfer, um rechtzeitig „Landfein“ zu sein, wenn wir abgeholt werden. Es wird Zehn, viertel nach Zehn, halb Elf, keiner kommt uns abholen. Na, was soll`s, die haben das sicher vergessen. Ist ja auch schon zwei Wochen her, dass wir uns verabredet haben.

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Gisela mit ihrem Sohn

Nächster Tag. Wir sind vor einer viertel Stunde aufgestanden, gerade beim Frühstück als jemand nach uns ruft. Annemarie schaut raus und es wartet jemand auf uns der uns zur ausgemachten Verabredung abholen will. Ach ja, denken wir uns, haben sich wohl um einen Tag vertan. Es war doch Sonntag und nicht Montag ausgemacht. Aber was soll`s. Schnell fertig gemacht und mitgefahren. Wie wir gerade so durch Rio Grande fahren sage ich noch zu Annemarie: „es ist aber sehr ruhig heute, wenig Verkehr“. Wir kommen an einem großen Supermarkt vorbei der geschlossen hat. Annemarie fragt unseren Fahrer ob der denn nicht auf hat. Nein, heute am Sonntag nicht, ist die Antwort. Ach du grüne Neune, das war ein Satz mit X, war wohl nix. Wir haben uns um einen ganzen Tag vertan, nicht unsere Gastgeber! Da waren wir wohl mal unserer Zeit wieder voraus. Das ist der ganz normale „Rentnerstreß“. Kann vorkommen. Bei unserer Gastgeberin vermeiden wir es peinlichst darüber auch nur ein Wort zu verlieren. Gisela, so der Name ist Brasilianerin, spricht aber deutsch. Ihre Eltern sind während des letzten Krieges von Pommern nach Brasilien geflohen.

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Giselas Sohn mit Frau

Ihr Sohn aber spricht leider nur portugiesisch. Sie aber erhält sich ihr deutsch durchs Fernsehen. Über Kabel sieht sie Deutsche Welle TV. Sie zeigt uns noch Bilder von ihren Eltern und sogar ein Bild von dem Schiff mit dem ihr Vater als Zwanzigjähriger hier ankam. Der Sohn interessiert sich sehr für unsere Fahrt von Lanzarote nach Brasilien und ich muss ihm alles genau erklären, was ich auch tue. So lange ich meine Hände dazu gebrauchen kann klappt die Verständigung auch ganz gut. Selbst seine Frau, was hier wirklich ungewöhnlich ist, zeigt sehr viel Interesse und hat auch viele Fragen über die Fahrt, über unser jetziges und früheres Leben, über Deutschland usw. Wir bleiben den ganzen Tag über da und erst am Abend, es ist schon dunkel, werden wir zurück zu unserem Boot gebracht. Es war ein schöner Tag

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Abends am Steg

23.02.2010

10. Februar 2010

Ob jetzt neuer bzw. reparierter Bugspriet oder nicht, jedenfalls ist er nach wie vor von hier anlegenden Fischkuttern ernsthaft gefährdet, gänzlich zerstört zu werden. Um Aufmerksamkeit für das gefährdete Teil zu erregen habe ich jetzt eine rote Warnflagge angebracht. So weit so gut aber des Nächtens sind die anlegenden Kutter schließlich nicht aus der Welt oder besser gesagt aus dem Wasser. Also brauche ich ein Warnlicht. Ich habe eine Pralinendose, bereits an der Batterie angeschlossene Kabel von den Positionsleuchten, einen Holzstab und zehn rote, stark leuchtende LED´s. Daraus habe ich dann eine brauchbare Warnleuchte gebaut. Ich komme mir vor wie Mc.Gyver, fehlt nur noch der Kaugummi. :-). Funktioniert bisher bestens. Man merkt schon beim Anlegemanöver dass die Fischer die Flagge bzw. das Licht sehen.

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Die „McGyver“ Warnlampe

Ein weiteres Problem das wir am Steg haben ist der Schwell bei Wind und wenn die dicken Containerschiffe vorbeifahren. Da springt unsere Lady wie ein Geißbock auf und ab. Das ist aber gleich wieder vorbei. Das größere Problem ist der Wind. Vor einigen Tagen hatten wir mal wieder 30kn. Da geht es ganz schön zur Sache. Die Windrichtung spielt dabei natürlich auch eine gewisse Rolle. Inzwischen ist die Lady auf der Steuerbordseite mit insgesamt 15 (!) Strängen Festmachern in der Stärke von 10-30mm „gefesselt“. Weitere drei 20 Meter lange und 12mm starke Festmacher sind auf der Backbordseite angebracht um bei Nordwind das Boot nicht dauernd an den Steg knallen zu lassen. So wie wir manchmal mit Wucht dagegen geschleudert werden hätte ein Kunststoffboot schon lange den Geist aufgegeben. Da lobe ich mir schon unsere „eiserne Lady“. Die am Steg angebrachten Autoreifen sind als Dämpfung weitaus effektiver als unsere Fender. Vor allem sind sie Widerstandsfähiger. Der große Nachteil, für uns jedenfalls, ist, dass der schwarze Abrieb des Gummis unsere ganze Farbe versaut. Was soll`s, in Uruguay oder in Argentinien muss das Boot eh an Land, denn es ist über und unter Wasser bereits wieder stark Überholungsbedürftig. Aber bis dahin ist noch Zeit, denn für den Aufenthalt in Uruguay und in Argentinien sind bis jetzt mindestens ein Jahr vorgesehen. Wir wollen dort endlich mal Landausflüge machen und nicht nur immer das ganze Geld ins Boot investieren.

23.02.2010

07. Februar 2010

Mein Bugspriet. Immer noch nicht gerichtet aber irgendwann muss ich die Sache mal angehen. Vom Verursacher des Schadens, bzw. dem Eigner des Fischerbootes, habe ich damals als ich versuchte mit ihm einig zu werden eine klare Abfuhr erhalten. Also ließ ich das ganze mal auf sich beruhen. Mit den Fischern hier am Steg bin ich schon lange gut Freund und wir tauschen so manche „wichtige“ Information miteinander aus. Dass immer wieder mein Bugspriet zur Rede kommt liegt eigentlich nicht an mir, sondern es wird immer wieder gefragt wann er gerichtet wird. Meine Antwort ist immer die gleiche: würde sich der Verursacher, wie beim ersten mal ausgemacht, an sein Versprechen halten, dann wäre alles schon repariert. Derjenige der damals am Steuer stand hat mir die Reparatur zugesagt, jedoch der Eigentümer, wie vorher schon erwähnt, hat es abgelehnt. Aber weiter im Text. Immer wieder raten mir die Fischer zur Capitania zu gehen und dort eine Anzeige zu machen. Ist ja alles schön und gut aber mit meinem „perfekten“ portugiesisch, das ich selbst kaum verstehe, kann ich keinen Staat machen, geschweige denn eine Anzeige formulieren. Aus dem Grund habe ich bis jetzt diesbezüglich nichts unternommen. Da kommt mir der Zufall zu Hilfe. Vor einigen Tagen spricht mich ein „farbiger“ Brasilianer an. Er gehe hier öfter zum Baden und hätte unser Boot gesehen und dass es eine deutsche Flagge habe. Sein Bruder sei in Deutschland in Stuttgart und würde dort arbeiten. Er verdiene gut und es gefällt ihm sehr, wenn es ginge würde er am liebsten immer dort bleiben usw. usw. Wir unterhalten uns bestimmt über eine Stunde lang. Er spricht recht gut englisch. Ich genieße es, mich mit einem Einheimischen zu unterhalten ohne dass ich Hände und Füße gebrauchen muss. Dabei erfahre ich, dass er bei der Marine ist, die z.B. auch die Guarda Costiera(Küstenwache) stellt. Da gehe ich direkt auf mein Ziel zu. Ich erzähle ihm vom Ärger mit dem Bugspriet, wie alles gekommen ist und wie mich der Eigner des Fischkutters sozusagen als blöden Ausländer abgekanzelt hat. Ich brauche gar nichts weiter zu sagen, denn der Vorschlag kam von Karlos (mit K nicht mit C), so heißt mein neuer Freund. Das ist kein Problem meint er, das könne er ganz schnell regeln. Sein Freund bei der Capitania in Rio Grande kann da helfen. Also fahren wir am nächsten Tag nach Rio Grande und werden bei der Capitania vorstellig. Wenn ich da an Deutschland denke wie bei so einer Sache der „Dienstweg“ aussieht so habe ich dafür nur ein müdes Lächeln übrig, denn jetzt käme da Schreibarbeit und Stempel und weiß Gott noch alles, nur damit dem „Herrn“ mitgeteilt werden kann, dass eine Anzeige gegen ihn vorliegt und er sich dazu äußern solle.

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Streitpunkt gebrochener Bugspriet

In meinem Fall (ob das sonst auch so üblich ist weiß ich nicht) meint der Angesprochene: „Eigner der Yasmim I, von dem haben wir die Telefonnummer, das werde ich gleich regeln“. Gesagt, getan, schon hat er ihn an der Strippe. Er erklärt ihm worum es geht und fragt ob er bezahlen will. Natürlich lehnt er ab. Er meint sogar, dass ich an diesem Platz nichts zu suchen hätte, da es der Steg für die Fischer sei. Nun reicht es „unserem“ Mann. Er gibt ihm unmissverständlich zu verstehen, dass diese Barca do Velo (Segelboot) dort mit Genehmigung der Capitania so lange liegen kann bis alle Reparaturen durchgeführt sind und wenn er nicht sofort eine Zusage gibt den Schaden zu begleichen würde er andere Maßnahmen ergreifen. Das sitzt! Die Zusage wird gegeben. Mit einem Lächeln und dem Zeichen Daumen nach oben unterbricht der Beamte die Verbindung. Zum Abschied gibt er mir noch zu verstehen,dass, falls es noch weitere Schwierigkeiten mit dem Eigner geben sollte, ich mich wieder melden solle. Das ist ein Erfolg auf der ganzen Linie und ich freue mich mindestens genau so, wie ich damals beim persönlichen Gespräch mit dem Eigner Wut empfand.

Ich persönlich glaube, dass der Beamte so schnell und unkonventionell gehandelt hat, lag bestimmt daran, dass einmal sozusagen von Amt zu Amt gesprochen wurde und zum anderen, meines Erachtens nach der größere Grund, dass es von „Farbig zu Farbig“ geschah. Ich glaube, wäre ich mit einem „Gringo“ (so nennen sie hier die Weißen) gekommen, hätte es nicht so gut geklappt. Aber ich betone nochmal: Ich glaube das, ob es dann auch wirklich so gewesen wäre kann ich nicht sagen.

7.02.2010

02. Februar 2010

Heute ist ein Feiertag, die Geschäfte sind geschlossen. Es ist der Tag der Schutzheiligen der Fischer. Genau wie in Lanzarote werden auch hier die Boote geschmückt und fahren in einer Prozession aufs Meer hinaus wo sie Blumen „opfern“. Dann werden Boote und Menschen gesegnet und kehren zurück in den Hafen. Das wollen wir uns ansehen, müssen aber so an die 3 km laufen um an den Ort des Geschehens zu kommen. Wir sind fast am Ortsrand als mir einfällt, dass ich die geliehene Kamera auf dem Boot vergessen habe. Ich will doch unbedingt Bilder machen. Ich sage zu Annemarie dass sie hier warten soll und ich schnell zurück laufe um den Foto zu holen. Gerade als ich den Steg zurück gehe kommen mir ein Mann und eine Frau entgegen und sie spricht mich auf deutsch an. Sie sagt mir, dass sie im Moment in Rio Grande in einem Hotel wohnen und dass sie dort von mir bzw. uns erfahren hat. Der Hotelbesitzer hätte ihr von dem TV-Bericht erzählt. Daraufhin beschlossen sie uns zu besuchen. Finde ich ja toll, obwohl Rio Grande eine Großstadt ist sprechen sich solche Dinge wohl doch schnell herum. Sie erzählte mir, dass wirklich fast jeder dort diese Story kennt. Dass wir sozusagen hier „gestrandet“ sind, die Reparaturen sehr teuer sind und wir doch kaum Geld hätten. Na, so habe ich es dem Fernsehen nicht erzählt, auch nicht der Zeitung aber das ist es was sie daraus gemacht haben. So dumm ist es am Ende allerdings dann auch nicht, denn wir bekommen jetzt noch mehr Fisch, Krebse und Meeresfrüchte geschenkt als vorher. Als ich gestern den Strand entlang lief, saß ein Mann vor seinem Haus und sprach mich an. Er hätte die Zeitung gelesen und er sei ja auch in Sichtweite meiner „Barca“ und kenne die ganze Geschichte. Er fragte wann denn alles repariert wäre, wann es weiter geht und wohin. So stand ich ihm dann eben Rede und Antwort. Plötzlich gibt er mir zu verstehen dass ich ihm ins Haus folgen solle, das er mir voll Stolz zeigt. Ebenso den Garten dahinter. Plötzlich fängt er an einige Stauden Salat abzuschneiden, dann einen ganzen Haufen mir unbekannter Blätter. Scheint so was zu sein wie Kohl aber eben nur einzelne Blätter mit Stiel. Hat Annemarie dann auch so zubereitet schmeckt herrlich. Sein besonderer Stolz sind seine Weintrauben von denen er mir eine ganze Plastiktüte voll schenkt. Mir scheint so langsam bekommen wir hier schon so was wie einen lokalen Bekanntheitsgrad. Man merkt es wirklich wenn wir auf der Straße gehen oder beim Einkaufen sind. Früher haben wir die Leute als erste gegrüßt heute geht das gar nicht mehr, denn die beeilen sich wirklich dass sie als erste grüßen und dann so als würden wir uns kennen.Gestern war ich zwei Stunden im Internet und brauchte nur eine zu bezahlen. Trotzdem glaube ich es wird langsam Zeit von hier weg zu kommen. Ich will dieses wirklich schöne und nette Verhältnis nicht zu sehr strapazieren. So wie ich es sehe wird es aber bestimmt Ende Februar werden.

Jetzt bin ich ganz davon abgekommen was ich eigentlich erzählen wollte. Also die beiden die mich angesprochen haben, Angelica und Olek, sie Malerin (macht ab und zu, wenn sie in Deutschland ist Ausstellungen ihrer Gemälde) und er Arzt, zwei sehr interessante Menschen.

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Alt aber Zuverlässig von Alaska bis zur Südspitze Südamerikas

Es sind wirklich reiselustige Abenteurer.  Er hat sein Haus verkauft und das Geld als Grundstock genommen, um sein Leben zu finanzieren. Die beiden bereisen die Welt, nicht wie wir mit dem Schiff, sondern mit dem Auto. Wenn es ihnen irgendwo gefällt mieten sie sich ein Haus oder eine Wohnung und bleiben dort so lange sie Lust haben bzw. es möglich ist, bevor sie ihre Reise fortsetzen. Sie haben sich vorgenommen von der nördlichsten Stadt Amerikas (irgendwo in Alaska) bis zur südlichsten Stadt Amerikas (Ushuhaia in Argentinien – fast am Kap Hoorn) zu fahren. Jetzt sind sie auf der Rückreise und haben in Rio Grande Station gemacht wo sie dann auf uns gestoßen sind.

Das Nötigste wird in ihrem Kombi mitgeführt und so fahren sie durch die Lande und erleben mindestens genau so viele Abenteuer wie wir. Ihr Auto, ein „Amerikaner“, nicht gerade das neueste Modell, dafür aber zuverlässig und geräumig, hat schon 500.000 km auf dem Buckel.Die Probleme die unterwegs zu überwinden sind (vor allem behördliche) sind zum Teil um einiges größer als die der Segler.     

Für Segler gibt es (meistens) klare Vorschriften über das Einklarieren wenn man in ein Land einreist. Das gibt es auf dem Landweg auch aber dort ist es nicht alltäglich dass jemand aus einem weit entfernten Land oder einem anderen Kontinent kommt und oft weiß der Beamte an der Grenze dann nicht wie er die Sache behandeln soll. Jedenfalls haben sie alle Probleme gemeistert.

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Alles dabei was man so braucht

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In USA zugelssenes Nummernschild

In einigen Tagen werden wir uns wieder treffen und Erfahrungen austauschen über Land, Leute und Abenteuer. Ich freue mich schon darauf.

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Olek und Angelica bei uns zu Besuch

Hier noch die Links zu den Zeitungen in denen ein Bericht über uns erschienen ist. Vielleicht kann jemand portugiesisch. Ich hab es bisher bis auf ein paar Brocken noch nicht geschafft:-)

http://zerohora.clicrbs.com.br/zerohora/jsp/default2.jsp?uf=1&local=1&source=a2791371.xml&template=3898.dwt&edition=13995&section=1003

http://wp.clicrbs.com.br/rumosdosul/2010/01/28/os-visitantes-acidentais/?topo=77,1,1

http://www.clicrbs.com.br/especial/rs/dsm/19,0,2791830,Dois-meses-depois-de-tempestade-estragar-veleiro-casal-alemao-se-prepara-para-retomar-jornada.html

http://www.kzuka.com.br/especial/rs/kzukars/19,0,2791830,Dois-meses-depois-de-tempestade-estragar-veleiro-casal-alemao-se-prepara-para-retomar-jornada.html

4.02.2010

01. Februar 2010

Ich gehe wie immer ins Internetcafe um meinen Bericht ins Net zu stellen. Da sagt mir der Besitzer „nao luiz“ (kein Licht, Strom). Ich frage noch ob er weiß wann alles wieder funktioniert, was er verneint. Da Gonzalo in der Nähe seine Werkstatt hat, denke ich mir, schaue ich bei ihm mal vorbei. Die Werkstatt ist geschlossen und ich finde ihn in der Wohnung. Ich frage ihn warum er nicht arbeitet. Die Antwort ist „nao luiz“. Ach, sage ich was ist passiert warum ist kein Strom da? Er sagt etwas von „ladrao, roubo“ (Räuber, Raub). Ich verstehe nicht ganz, meine ich. Was soll das heißen Räuber und Raub in Zusammenhang mit „nao luiz“? Dann versucht er mir es zu erklären. Raus kommt dabei folgendes: In der Nacht von Gestern auf Heute haben Diebe das 30.000 Volt Überlandkabel zwischen zwei Masten gekappt und das Kabel geklaut. Ich fange an zu lachen und kann mich nicht mehr einkriegen. Das gibt es nicht, so was ist doch nicht möglich. Ich frage noch mal nach ob ich ihn auch richtig verstanden habe. Er bestätigt es mir. Er meint noch, dass es zwar nicht Alltäglich sei, dass Stromleitungen geklaut werden aber es komme schon mal vor. Man stelle sich das mal vor, in Deutschland würde einer die Überlandleitung, sagen wir mal, die nach München klauen. Undenkbar. Na, denke ich mir, ob das nicht bloß so eine Story ist, die man halt mal so erzählt. Vielleicht irgendwo ein wahrer Kern aber gleich eine funktionierende und unter Strom stehende Leitung? Das kann ich nicht glauben. Als ich allerdings eine Stunde später von einem anderen Bekannten das Gleiche höre glaube ich es. Nach der Frage woher er die Information habe sagte er mir, dass es in den Nachrichten gekommen sei und er es im Autoradio gehört hat. Auch das ist Brasilien.

4.02.2010

31. Januar 2010

Seit in der Zeitung und im Fernsehen über uns berichtet wurde ist es noch interessanter das Verhalten der Leute zu studieren. Einige kommen so ganz „unabsichtlich“ den Steg entlang und tun so als wäre nichts, werfen aber immer wieder einen verstohlenen Blick auf unser Boot, andere sind nicht ganz so schüchtern und stellen sich ganz neugierig am Steg hin und warten dass jemand (in dem Fall wir) auftauchen und mit uns reden können. Ein Paar steht am Steg so an die zwanzig Meter entfernt und schaut zu uns rüber, ich sehe ihn durchs Bullauge. Ich gehe raus ins Cockpit, da stößt er seine Frau an die sich daraufhin neugierig umdreht, während er die Kamera zückt und eine Aufnahme macht. Ich winke ihm zu und verschwinde wieder im Boot. Kurze Zeit später kommt ein ca. 50 jähriger Mann mit einem kleinen Kind und einer älteren Frau, die scheinbar seine Mutter ist und spricht Annemarie an. Die hat eine ganz neue Masche, sagt immer „Momendito“ und ruft nach mir und ich kann mich dann mit Händen und Füßen mit den Leuten unterhalten und sie ist fein raus. Heute natürlich ebenso. Nur als ich erklären will, dass ich nur ein wenig spanisch spreche und portugiesisch nur ein paar Brocken, da spricht die Frau mich auf deutsch an. Wir unterhalten uns eine Zeit und erfahren dass vor mehr als 100 Jahren ihre Eltern aus Pommern nach Brasilien kamen und sie hier geboren wurde aber trotzdem immer noch deutsch spricht. Allerdings ein altes pommersches Deutsch, bei dem ich aufpassen muss dass ich alles verstehe. Ihr geht es mit mir genau so. Aber zu sagen, dass wir mit dem Verstehen Probleme hätten kann man nicht. Bevor sie gehen lädt sie uns für den Sonntag in zwei Wochen in ihr Haus ein. Sie lässt uns vormittags abholen und wir sollen zum Mittagessen bleiben.

Etliche der hier anlegenden Fischer haben die Sendung auch gesehen oder die Zeitung gelesen. Jetzt bekommen wir noch mehr Fisch geschenkt als vorher. Der Fischer am Nachbarsteg, bisher hatten wir mit dem noch keinen Kontakt, fragt uns ob wir Camarone möchten, das sind die ganz großen Gambas. Natürlich lehnen wir nicht ab. Diese Dinger sind auch hier nicht ganz billig. Ich gehe mit ihm mit zu seinem Boot und er füllt mir einen Plastikbeutel voll ab. Es sind acht Gambas und zehn Krebse, genauer gesagt es sind Bärlappkrebse. Sie sehen aus wie Langusten, sind nur etwas kleiner und haben dort wo die Langusten ihre Fühler haben zwei große halb-runde Lappen am Kopf. Schmecken tun sie wie Langusten nur das Fleisch ist nicht ganz so fest, eher so wie das von Gambas.

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Mit Genuss verspeisen wir die Bärlappkrebse

Diego und Henrique, die beiden die damals bei der Rettung ins Wasser sprangen, treffen wir am Steg und wir unterhalten uns. Sie sind seit gestern vom Fischfang zurück und haben ein paar Tage frei, bevor sie wieder für längere Zeit auf See sind.

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die „verstärkte“ Crew, gleich nach der Rettung. -ganz links Diego, ganz rechts Henrique

Apropos Einladung und Essen. Ich werde den Bericht jetzt beenden, da wir für heute bei Eugenio, dem Besitzer der Juliana 3, er hat uns damals an den Haken genommen und nach hier gebracht, zum Essen eingeladen sind. Er wird gleich kommen und uns abholen.

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Bei Freunden, während des Zyklons am 12.Dezember 2009

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zum Andenken an unsere Rettung ein Geschenk von Diego und Henrique

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Annemarie und ihre „Steghunde“ im Abendlicht

4.02.2010

29. Januar 2010

Also der ganze Schaden am Motor ist jetzt zu sehen und es ist nicht gerade ermutigend, denn es ist erheblich mehr als ich mir habe träumen lassen. Das Ergebnis: vier Kolben samt Ringe, so wie vier Einspritzdüsen müssen erneuert werden, dann noch eine ziemlich fertige, verdreckte und verschlammte und vom Salzwasser korrodierte Einspritzpumpe bei der fast das gesamte Innenleben ausgetauscht werden muss. Von den anderen noch anfallenden Arbeiten ganz zu schweigen. Als da wären z.B. die Kolben. Mein Motor ist zwar ein englischer Perkins aber im damaligen Jugoslawien in Lizenz gebaut, was weiter auch kein Problem wäre, wenn nicht die originalen Kolben, die wir uns hier besorgt haben, um 0,2 mm zu lang wären. Nichts wie ab in eine Dreherei und das überschüssige Aluminium abgedreht. Ist zwar kein Problem, verursacht aber alles Mehrkosten.

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Der zerlegte Motor

Während wir auf die Einspritzpumpe warten geht die Arbeit am Motor weiter. Die Zylinder werden mithilfe einer Bohrmaschine und einem Aufsatz aus feinstem Sandpapier poliert, die Ventile und die Ventilstößel neu eingeschliffen, der Zylinderkopf gereinigt, die Ventile wieder eingebaut und eingestellt. Die Tage vergehen wie im Fluge und die Arbeit scheint nicht weniger zu werden.

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Kolben eingebaut, der Motor ist fast fertig zum Einbau

Der Motor ist wieder zusammen gebaut und fast zum Einbau fertig, wäre da nicht noch eine winzige Kleinigkeit. Denn wenn der Motor schon mal komplett und gereinigt vor einem steht, dann bekommt er auch gleich einen neuen Farbanstrich. Er kommt nächste Woche dann sozusagen unter die „Farbdusche“ in Form einer mit roter Farbe gefüllten Spritzpistole.

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die Ventilstößel werden eingeschliffen

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die verschlammte Einspritzpumpe, im Inneren sieht es genau so aus

3.02.2010

27. Januar 2010

Wir gehen gerade am Strand spazieren, es ist ein schöner warmer und sonniger Sommertag als zwei Personen zielgerichtet auf uns zusteuern. Ich denke mir noch was die wohl von uns wollen, als sie sich auch schon als Reporter der im Raum Rio Grandes größten Tageszeitung „Zero Hora“ zu erkennen geben. Sie fragen uns ob wir ihnen ein Interview geben würden. Natürlich sagen wir ihnen zu. Einer macht das Interview, der andere ist der Fotograf und schießt jede Menge Bilder. Einen Tag später erscheint alles in der Zeitung auf fast zwei Seiten. Nur schade, dass wir es nicht verstehen können. Wir werden aber versuchen eine Übersetzung zu bekommen und den Wortlaut auf dieser Seite veröffentlichen. Die Reporter sind gerade weg, als unsere „Nachbarn“ kommen und uns mitteilen dass der Beitrag des TV- Teams um 12:00 Uhr im heutigen Mittagsjournal gesendet wird. Wir sehen ihn uns an und finden ihn gut, obwohl wir kein Wort davon verstehen. Schlecht muss er jedoch nicht sein, denn etliche Leute sprechen uns danach auf diese Sendung an.

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Bild und Textbeitrag in der Tageszeitung Zero Hora

Das ist allerdings nicht das Einzige in der gedruckten Presse. Ein Beitrag, den ich geschrieben habe, wird im „Lass fallen Anker“, einem Journal der deutschen Seemannsmission, erscheinen. Leider werde ich zum Erscheinungsdatum nicht mehr in Brasilien sein um ein Exemplar zu bekommen.

Hier der Wortlaut:

Freundliches Brasilien

Wir, Werner (66) und Annemarie (62), am Ende unseres Arbeitslebens haben uns unseren Wunsch erfüllt, mit dem Segelboot fremde Länder zu bereisen. Wir kauften uns vor vier Jahren in Kroatien eine gebrauchte Stahlsegelyacht und sind nach Überholungs- und Umbauarbeiten seit zwei Jahren unterwegs. Unser Ausgangshafen war Arrecife in Lanzarote. Dort wohnten und arbeiteten wir die letzten 12 Jahre. Da wir unserem ehemaligen Wohnort in Deutschland (Rosenheim in Bayern) doch noch verbunden sind haben wir ihn bei der Namensgebung unseres Bootes verewigt. Mit der „Out of Rosenheim“, so der Name unseres Bootes, wollen wir die Welt erkunden. Dabei liegt uns daran etwas abseits der üblichen „Touristenwege“ zu segeln. Land und Leute näher kennen lernen kann man kaum in den ausgetretenen Touristenpfaden. Dort sind die meisten von nicht landesüblichen Einflüssen bereits verdorben. So war es für uns klar, dass wir als erstes nicht in die Karibik segeln, sondern über die Kap Verden nach Brasilien.Das sind von unserem Ausgangshafen Arrecife knapp 3000 Meilen, welche wir mit 40 Seetagen, davon 10 auf der ersten Etappe bis Mindelo, dort machten wir eine Woche Pause und weiteren 30 Seetagen bis Salvador de Bahia, hinter uns brachten.

Unsere erste Station in Salvador war der Nautic Club. Wir wurden herzlich empfangen und wir kamen uns vor als wären wir alte Bekannte. Ein kleines Problem gibt es mit der Sprache. Ich spreche kein portugiesisch und die wenigsten sind des englischen mächtig. Trotzdem kann man sich unterhalten. Wofür hat man denn Hände und Füße? Wir fanden doch noch jemandem im Nautic Club der englisch sprach und er erklärte uns die Vorgehensweise bei der Einklarierung. Bei den Behörden lief alles korrekt und ohne Komplikationen ab. Allerdings sollte man einige Dinge beachten. Die Beamten sind Respektspersonen und Respekt sollte man ihnen auch entgegenbringen. Da haben, speziell wir Deutschen, öfters unsere Probleme. Ich kann nicht zu einer Behörde gehen so wie ich auf dem Boot rumlaufe. Lange Hose, geschlossene Schuhe und ein Hemd sind die Utensilien die ich mir bei einem Amtsgang leisten sollte, dann habe ich schon halb gewonnen. Etliche Segler, vor allem jüngere, mit denen ich gesprochen habe hatten Probleme. Bei näherem Hinterfragen stellte sich meistens die ( typisch deutsche)Abneigung gegen Amtspersonen heraus. Alle diese Probleme sind uns bisher unbekannt.

Wir besichtigten die Stadt, machten uns schlau über deren Geschichte von der Gründung über den Sklavenhandel bis zur heutigen Zeit. Wir sprachen mit Einheimischen, die uns gerne, so weit wir uns verständigen konnten, unsere Fragen beantworteten. Wir kauften uns hier ein neues Navigationsprogramm für unseren Laptop. Der Ladenbesitzer ließ es sich nicht nehmen persönlich auf unser Boot zu kommen und die Installation des Programms nebst der Installation des GPS selbst vorzunehmen, alles als kostenlose Serviceleistung. Kann ich auch in Deutschland haben, mit dem Unterschied dass dabei etliche klingende Münzen bzw. Scheine den Besitzer wechseln.

Wir segelten weiter nach Aratu und legten uns vor dem Yachtclub vor Anker. Wie selbstverständlich durften wir den Steg zum Anlegen mit unserem Dinghy kostenlos nutzen. Wir bekamen auch jederzeit Wasser, das man uns ebenfalls kostenlos anbot. Wir konnten im Yachtclub ein und ausgehen als wären wir Mitglieder. Bar und Restaurant stand uns jederzeit zur Verfügung.

Falls wir einkaufen gehen, kaufen wir so weit wie möglich immer im Ort in den kleinen Läden. Man wird freundlich und entgegenkommend bedient und bekommt dort, wie früher in den Tante Emma- Läden, schnell Kontakt. Außerdem sind sie meist nicht teurer als die großen unpersönlichen Supermärkte, die überall auf der Welt gleich sind. Bei der ersten Begegnung mit „unserer“ Gemüsefrau spielte sich folgendes ab. Annemarie kaufte Gemüse und mehrere Früchte. Vor dem Einpacken in eine Tüte begutachtete die Gemüsefrau den Einkauf. Nahm etliches Obst wieder weg und tauschte es gegen anderes mit besserer Qualität aus. Ein anderes mal als sie Äpfel kaufte, nahm sie ihr diese ab, hob die obere Kiste hoch und meinte die besseren sind in der unteren Kiste. Wir haben bei ihr auch dann den gesamten Einkauf an Frischproviant für unserer Reise nach Uruguay gekauft, den sie uns kostenlos direkt bis ans Boot lieferte

Wir hatten mehr als 2000 Meilen seit Salvador bereits hinter uns und waren nur noch zwei Tage von unserem Ziel Punta del Este entfernt als uns ein Südsturm erwischte. Dabei zerrissen die Segel und der Motor fiel aus, so dass wir fast Manövrierunfähig waren. Wir trieben immer mehr in Richtung Land und waren bereits 5 Meilen vor der Küste und nahe daran zu stranden als uns Fischer zu Hilfe kamen. Als erstes brachten sie uns Lebensmittel an Bord, die für uns einen ganzen Monat gereicht hätten, dann nahmen sie uns auf den Haken und schleppten uns 16std. lang die 80 Meilen nach Rio Grande do Sul in ihren Heimathafen. Bereits unterwegs stellten wir uns die bange Frage, was tun, wenn der Fischer auf das internationale Seerecht pocht und die ihm zustehende Gebühr (bis zu 20% des Schiffswertes) verlangt? Das hätte das Ende unserer Reise bedeutet. Weit gefehlt und umsonst Sorgen gemacht. Er wollte nicht einen einzigen Centavo. Ich wollte mich natürlich revanchieren und ihn samt Besatzung in ein Restaurant zum Essen einladen, was er strikt ablehnte. Im Gegenzug dazu bekam ich von ihm für Weihnachten eine Einladung in sein Haus um mit seiner 35 köpfigen Familie zu feiern.

Bei der Ankunft lernte ich ebenfalls Gonzalo kennen. Dieser fragte mich als erstes ob ich genügend Lebensmittel an Bord hätte. Ich sagte ja aber trotzdem kam er nach einer halben Stunde wieder mit einem Plastikbeutel voller Lebensmittel die er mir schenkte. Alle Leute mit denen wir bisher Kontakt hatten sind ausnahmslos entgegenkommend und freundlich. Diese Herzlichkeit sind wir von Europa nicht gewöhnt. Ich versuche mich immer nach Möglichkeit mit einigen Kleinigkeiten zu revanchieren damit bloß nicht der Verdacht aufkommt ich würde die Situation ausnützen. Manchmal ist es mir schon fast peinlich wie sehr die Leute um uns besorgt sind. Wir wurden vom ersten Tag an in ihre Gemeinschaft aufgenommen und so behandelt als gehörten wir schon immer zu ihnen. Gonzalo opferte viel Zeit für uns, denn er begleitete uns zu sämtlichen Behörden zu denen wir mussten. Alleine hätten wir das nie geschafft, da wir ja des portugiesischen nicht mächtig sind. Die Aufenthaltsgenehmigung für Brasilien ist bereits abgelaufen und dadurch gibt es jetzt natürlich einige Probleme. Ich muss hier als Notfall anerkannt werden um bleiben zu können und um die Reparaturen ausführen zu lassen. Daher verlangen die Behörden auch einen genauen Bericht über den Hergang des Notfalls und wie es dazu kam, sowie eine genaue Schadensaufstellung. Das konnte ich nur in deutsch schreiben was dann übersetzt werden musste. Eine große Hilfe erfuhr ich durch den evangelischen Pastor der Seemannsmission in Rio Grande, Ruben Adelar Bonato, der die Übersetzung bewerkstelligte und uns auch so gut betreute. Es ist schön mit jemand zu sprechen der unsere Sprache versteht.

Gonzalo, so stellte sich später heraus , ist auch Mechaniker und so bekommt er ohne Umschweife auch gleich den Auftrag für die Motorreparatur.

Weihnachten kam schließlich und ich bekam noch weitere Einladungen aber leider können wir uns nicht zerteilen und so mussten wir Absagen erteilen. Zum Jahreswechsel war es genau so. Jedenfalls waren die Feiern ob zu Weihnachten oder zum Jahreswechsel sehr schön. Trotz der paar Brocken die wir portugiesisch können waren es herrliche Abende.

Wir liegen hier am Steg an dem die Fischer ankommen um Diesel und Wasser zu tanken. Man hilft beim Anlegen in dem man die Festmacher über die Poller wirft. Sofort kommt man dann mit ihnen ins Gespräch. Fragen nach dem woher, wohin, was ist passiert müssen beantwortet werden. Immer wieder wundern sie sich wenn sie unser kleines 12m Schiffchen sehen und können es gar nicht glauben dass wir damit in den letzten 4 Jahren über 8000 Meilen gesegelt sind. Vor allem die Fischer, die ja andere Größenordnungen gewöhnt sind, meinen immer wieder, wenn sie erfahren dass wir nur zu zweit sind „mucho Courage“, was mir persönlich eigentlich nicht so vorkommt. Sicher es ist abenteuerlich und dass es kein Sonntagsspaziergang wird war uns ebenfalls von Anfang an klar.

Wenn wir hier die Reparaturen beendet haben werden wir weiter segeln nach Uruguay und nach Argentinien. Wir sind neugierig was uns dort erwartet, sind aber auch davon überzeugt, dass die Menschen bestimmt genau so freundlich sind wie hier.

Ende des Berichts

 

Etwas Ärger gibt es doch noch zum Schluss, was das Gesamtbild das ich von den Menschen hier gewonnen habe in keiner Weise negativ beeinflusst. Wie heißt das Sprichwort? Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Und Idioten gibt es schließlich auf der ganzen Welt.

Es wurde mir damals zwar versprochen, dass der verbogene Bugspriet vom Verursacher des Schadens repariert wird aber es ist nichts geschehen. Man erklärt mir, ich solle mich, nicht wie ich es getan habe, an den Bootsführer wenden, sondern an den Eigner. Werde aber gleichzeitig vor seiner Sturheit und Unverträglichkeit und den Unvermögen mit anderen Leuten vernünftig zu kommunizieren, gewarnt. Er hat einen sehr schlechten Ruf unter den Fischern, keiner mag ihn und jeder meidet ihn. Trotzdem habe ich ihn auf den Schaden angesprochen. Das hätte ich auch gleich sein lassen können. Er meint es wäre mein Problem und ich solle verschwinden. Ich sage zu ihm, dass das doch ein Versicherungsfall sei und diese es bezahlen würde. Er ließ mich einfach stehen, gab Gas und fuhr mit dem Auto weg. Den Rechtsweg einzuschlagen finde ich Sinnlos. Ich wünsche ihm noch einiges, welches ich hier nicht wiedergeben möchte und trottete, bildlich gesprochen, mit hängenden Ohren und jede Menge Wut im Bauch zurück zum Boot

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Der „Bugsprietmörder“

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der lädierte Bugspriet

3.02.2010

25. Januar 2010

Vor einigen Tagen sagte Annemarie zu mir: „Also in Lanzarote oder in Deutschland wäre doch bei so etwas wie in unserem Fall zumindest die Lokalpresse schon lange auf der Matte gestanden“. „Du weißt ja noch,damals wurden wir vom Rosenheimer Lokalsender interviewt, obwohl wir `nur` nach Lanzarote gingen unter dem Motto `Rosenheimer wandern aus`, aber hier scheinen sie zu schlafen“. Das muss sie wohl ziemlich laut gesagt haben, denn einige Tage später hat sich das Regionalfernsehen angesagt und um ein Interview gebeten.

Wir kommen gerade von der Nachbarstadt Pelotas zurück, wo wir Ersatzteile für die Reparatur des Motors gekauft haben, da kommt der Besitzer der Ferreteria an unserem Steg zu uns und teilt uns mit, dass das Fernsehteam in zwei Stunden kommen werde um Aufnahmen zu machen. Sie sind ziemlich pünktlich und rollen auch schon mit ihrem „Dienstwagen“ an, was natürlich gleich Aufsehen erregt. Wir empfangen sie am Boot und bitten sie an Bord zu kommen. Es ist nur ein kleiner Schritt vom Steg aufs Boot aber zu groß für die Reporterin, sie traut sich nicht und bittet ob wir auf den Steg kommen könnten. Gleich ist auch eine Schar von Schaulustigen da und beobachtet uns. Vom Gespräch allerdings bekommen sie nichts oder nicht viel mit, da wir es in englisch, deutsch spricht sie leider nicht, führen.

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TV Reporterin und die Crew der Out of Rosenheim

Einzig der Kameramann kommt zu uns aufs Boot und macht Aufnahmen, die Reporterin weigert sich nach wie vor den Schritt über den Steg aufs Schiff zu machen. Sie meint auch es wird ihr sehr schnell übel, da das Boot auf den Wellen schaukelt. Nach etwa zwei Stunden ziehen Kameramann und Reporterin wieder ab. Sie versprechen uns Nachricht zu geben wenn das Interview gesendet wird. Es wird ein etwa zehn Minuten dauernder Beitrag im Mittagsjournal werden, verrät sie uns.

Der Motor wird weiter zerlegt. Wir haben soeben das Getriebe abgebaut und nun ist die Ölwanne dran. Schnell ist sie entfernt und die Kurbelwelle liegt frei. Wir schrauben die Pleuellager ab, die nach 1200std aussehen als wären sie neu. Die Kolben 2-4 können wir ohne Probleme aus den Zylindern ziehen.Sie sehen ebenfalls sehr gut aus, wie der ganze Motor überhaupt. Jetzt kommt das „Problemkind“, der erste Zylinder bzw. Kolben. Keine Chance ihn auch nur einen Millimeter zu bewegen. Es muss Gewalt angewendet werden. Mit einem Holzpflock und einen schweren Fäustling versuchen wir den Kolben nach unten zu bewegen. Er rührt sich nicht die Bohne. Verdammt, der sitzt wirklich fest. Ich ahne schon Schlimmes. Mehrere Versuche den Kolben von der Unterseite her nach oben zu schlagen bringen nur als Ergebnis ein abgebrochenes Teil des Pleuelauges. Klasse, der Kolben ist hin. Das wird jetzt richtig teuer. Einen Kolben erneuern ist nicht gerade das gelbe vom Ei. Wenn schon neu, dann sollten es aus Sicherheitsgründen schon alle vier sein, natürlich einschließlich der kompletten Kolbenringe. Andererseits habe ich dann praktisch einen neuen Motor. Schließlich bringen wir den Kolben doch noch aus dem Zylinder. Die harte Lauffläche des Zylinders ist Gott sei Dank nicht beschädigt. Der Kolben allerdings ist ganz schön rau von der Korrosion. Die Fläche macht ca. ¼ der Gesamtfläche des Kolbens aus. Also kein Wunder, dass dieser sich nicht bewegen ließ. Gonzalo meint nochmal, dass der Kolben geschweißt und die rauhen Flächen geschliffen werden könnten und alles wieder wie neu wäre. Keine Diskussion! Kolben reparieren kommt gar nicht in Frage. Ist ja schön, dass er mir sparen helfen will. Sollte aber aus dem Grund irgendwas nicht funktionieren oder der Motor deshalb wieder kaputt gehen, es würde mich zerreissen vor Wut und Dummheit, bloß weil ich sparen wollte. Und Gonzalo mitnehmen, damit er eventuelle Schäden beseitigen kann, geht wohl auch nicht. Ebenso als Vorsichtsmaßnahme bauen wir die Einspritzpumpe aus. Sie wird zur Überprüfung in eine Spezialwerkstatt gegeben. Wäre fatal wenn die Pumpe durch Wasser oder Schmutz außer Gefecht gesetzt würde. Dann wären viele Arbeitsstunden umsonst gewesen.

Für heute, Freitag, ist die Arbeit beendet. Die Firma bei der wir die Ersatzteile bekommen hat erst am Montag wieder geöffnet und ist ca. 70km von hier entfernt, was so viel heißt, dass bestimmt der Montag dabei drauf geht, die Teile zu besorgen.

Ich will den Bericht des heutigen Tages nicht abschließen ohne eine (wahre) Begebenheit zum Besten zu geben. Als wir, Gonzalo und ich so dabei sind den Motor zu zerlegen, ertönt nebenan aus der Küche ein Schrei. Wir gehen nachsehen was wohl die Ursache ist Da sehen wir eine Vogelspinne, mit einem Körper so groß wie ein Ein Euro-Stück in aller Ruhe durch die Küche in Richtung Tür marschieren inklusive mehrere Hundert kleine oder besser gesagt kleinste junge Vogelspinnen, die der Mama hinterher rennen. Mama und Kinder verschwinden nach einigen Metern unter einem parkendem Auto. War wirklich süß das Spinnchen. Warum sich Frauen immer so anstellen müssen. Klar das Tierchen war in ihrer Küche, aber doch nur auf der Durchreise.

12.01.2010

06. Januar 2010

Pünktlich um 09:00 Uhr war Gonzalo zur Stelle und wir können mit unserer Arbeit fortfahren. Was wir brauchen ist eine Aufhängung an der wir den Flaschenzug befestigen um dann dann den Motor auf den Steg zu befördern. Wir besorgen uns drei große dicke Pfosten, die wir zu einem Dreibein zusammenbinden. Über den Großbaum, der mit einem Balken abgestützt ist, legen wir im rechten Winkel einen langen Holzriegel und befestigen diesen am Dreibein. Das wäre schon mal der Galgen an dem wir unseren Motor aufhängen können. Es ist eine wahrlich abenteuerliche Konstruktion aber an solche Dinge habe ich mich zwischenzeitlich schon gewöhnt. Alle Befestigungen des Motors und des Getriebes sind gelöst und der Motor kann die Fahrt nach oben beginnen. Es ist wirklich eine Millimeterarbeit um den Motor aus der Öffnung zu bugsieren. Zwei Halterungen müssen dazu noch zusätzlich abgeschraubt werden aber dann ist der Motor draußen. Nun heißt es aber das fast 500kg schwere Monster drei Meter über die Reling nach links auf den Steg zu schaffen. Das wird noch abenteuerlicher als alles bisher gesehene. Links vom ersten Flaschenzug, an dem der Motor hängt (siehe Bild), wird abermals ein Flaschenzug angebracht. Dieser wird jetzt auf Spannung gesetzt, so dass er nach links zieht. Die ganze Konstruktion sieht gefährlich schräg aus. Annemarie hält sich die Augen zu, sie kann gar nicht mehr hinsehen. Ich selber warte auf den großen Knall mit dem das ganze Gestänge samt Motor zu Bruch geht. Jetzt wo der zweite Flaschenzug nach links zieht, wird der erste Flaschenzug entspannt. Der Motor hängt jetzt an dem zweiten und ist etwa einen halben Meter weiter links. Jetzt aber ist die Reling im Weg. Der Motor kann nicht so weit hochgezogen werden, dass er über die Reling passt. Vier kräftige Fischerhände heben den Motor über die Reling. Dann wiederholt sich das Spiel mit den Flaschenzügen bis der Motor auf dem Steg liegt. Nun muss aber auf einen Transportwagen in Form eines Handwagens mit einer Deichsel, Platte und vier Gummirädern. Mit dem Flaschenzug raufheben geht nicht, da ist kein Platz da. Also Motor aufladen von Hand. Schnell sind von den hier liegenden Fischerbooten zehn Leute organisiert. Zwei große Holzprügel unter die Halteseile geschoben und dann auf Kommando den Motor angehoben, den Wagen drunter und Motor ablassen. Das wars. Der Motor wird jetzt zur Werkstatt bzw. Garage von Gonzalo gebracht. Morgen werden wir daran weiterarbeiten.ftftftf-003.jpg

Der Motor ist raus

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Auf dem Weg zum Steg

12.01.2010

05. Januar 2010

Gonzalo, der Mechaniker, hat nun seine Arbeit bei den Fischern abgeschlossen und er kann sich jetzt mir, bzw. meinem Motor widmen. Das Ergebnis ist nicht sehr ermutigend. Überall immer nur die Maxime, leider im negativen Sinn. Der Motor muss raus. Das hat mir gerade noch gefehlt. Das Problem ist in diesem Fall nicht der Motor, sondern die ganzen Zuarbeiten um den Motor rausheben zu können. Es muss die komplette Steuersäule abgebaut werden, was an sich sich nicht so schlimm wäre aber leider laufen dort Kabel und Bowdenzüge für Getriebe,Gas und Motordrossel durch. Ein weiteres Problem stellt natürlich die Verbindung vom Bediengerät des Autopiloten zu dessen Antriebsmotor und den dazugehörigen Fluxgatekompass dar. Die Kabel kann man nicht einfach abzwicken und dann mit einer Quetschverbindung wieder zusammenfügen wie ein normales Elektrokabel. Ich habe dann den Boden des Cockpits, der zugleich der Deckel des Moorraums ist aufgeschraubt und alle elektrischen Leitungen, die in einem Kabelbaum zusammengefasst sind, ebenso wie das Steuerrad, abgebaut und die Steuerseile gelöst. Es sah im Motorraum aus als hätte eine Bombe eingeschlagen. Die gelösten Leitungen, ob elektrisch, für Diesel oder Steuerleitungen für Instrumente, hingen wirr in der Gegend rum. Der Deckel bzw. der Boden (je nach Betrachtungsart) kann jetzt abgehoben werden. Das wird dann morgen geschehen.

03.01.2010

Das Jahr 2010 hat begonnen und ich wünsche allen nochmal nachträglich alles Gute und bedanke mich bei meinen treuen Lesern, die, wie ich an der Statistik sehen kann, inzwischen doch sehr zahlreich geworden sind.

Wir sind heute bereits 23 Tage hier in Barra in der Nähe von Rio Grande do Sul und es ist trotz der drei Wochen am Schiff noch nicht viel passiert. Aber der Reihe nach, beginnend mit Heilig Abend.

31.12.2009

Vor acht Uhr morgens stehen wir bereits am Steg der Jasmim I und warten. Erstaunt werden wir angeschaut. Mit dieser Hartnäckigkeit haben sie wohl nicht gerechnet. Vor allem nicht, dass wir schon so früh hier auftauchen. Einer auf dem Boot, der uns sieht haut gleich ab um die Kurve und verschwindet hinter dem Brückenhaus. Wir bleiben unbeirrt stehen. Nach kurzer Zeit kommt ein junger Mann und fragt wie er uns helfen kann. Zumindest verstehe ich es so. Ich frage ihn ob er der Schiffsführer sei. Nein, er ist der „Motorista“, der Schiffsführer kommt später, wann genau weiß er nicht. Ich sage ihm, dass wir die von dem Boot sind, das gestern gerammt wurde. Der weiß natürlich Bescheid. Dann sage ich zu ihm, dass ich keinen Ärger will. Ich will auch kein Geld, sondern nur, dass mein Bugspriet und alle anderen verbogenen Teile wieder hergestellt, sprich, repariert werden. Ich gehe jetzt wieder zurück zum Boot und warte dass der Schiffsführer kommt und wir alles besprechen können. Sollte er nicht kommen, dann gehe ich am Montag zur Capetania und mache eine Anzeige. Das gäbe natürlich für ihn einen riesigen Ärger. Es ist so was wie „Bootsführerflucht“. Um elf Uhr, siehe da, kommt die Jasmim I und legt am Steg an. Der Bootsführer, ein wahrer Gorilla, von der Figur wie von der Behaarung, steigt aus und reicht mir die Hand. Ich wiederhole was ich dem Maschinisten schon gesagt habe und wir werden uns schnell einig. Hätte ich Geld gefordert, hätte es erheblich mehr Ärger gegeben und wie viel Geld sollte ich fordern? Das kam für mich gar nicht in Frage. So sind wir eben verblieben dass er nächste Woche am Montag kommt und den Schaden reparieren lässt. Dem Mechaniker, den er mitgebracht hat, habe ich gleich gesagt, dass er es richtig machen solle und nicht nur versuchen alles mit dem Hammer gerade zu klopfen, sondern mit dem Schweißbrenner erhitzen, gerade biegen und falls notwendig schweißen. Was er sowieso tun muss, da er die Reling absägen muss die am Bugspriet angeschweißt ist. Dass ich kein Geld verlangt habe hat sich verbreitet wie ein Lauffeuer und ich habe dafür auch die Achtung der Leute bekommen. Fast alle am Steg, Bekannte wie Unbekannte geben mir durch Zeichen (Daumen nach oben) zu verstehen, dass sie meine Handlungsweise richtig finden. Das freut mich natürlich, dass dieser Vorfall so gut abgelaufen ist und ich dadurch auch die Sympathien der Einheimischen gewinnen konnte.

Für diesen Abend haben wir natürlich wieder das gleiche Problem wie an Weihnachten. Zu viele Einladungen. Diesmal von unserem Freund Gonzalo, dem ich vor einigen Tagen schon zugesagt habe und dann noch von Eugenio, der mich erst heute eingeladen hat. Verdammt, dem kann ich nicht schon wieder einen Korb geben. Er bewerkstelligte schließlich den Löwenanteil an meiner Rettung und noch dazu ohne einen Penny zu fordern. Im Gegenteil er hat mich nun schon das zweite mal eingeladen. So sage ich ihm zu. Aber nun kommt der Gang nach Canossa. Ich muss Gonzalo erklären warum ich, trotz meiner Zusage, nicht kommen kann. Würde das ganze mit Deutschen passieren, hätte ich keine Probleme. Ich kann mich genügend artikulieren. Aber in portugiesisch? Das wird schwer. Ich kann nicht einfach sagen „Nao possibile“. Ich muss ihm schon verständlich erklären wieso und warum ich absagen muss und mich natürlich dafür auch entsprechend entschuldigen. Ich habe es dann doch geschafft und auch dafür Verständnis bekommen und das war ehrlich gemeint. Annemarie und ich haben für solche Situationen ein feines Gefühl und merken meistens schnell ob es gespielt oder ehrlich gemeint ist. Dafür werden wir ihn und seine Frau am Sonntag mit einem frisch gebackenem Zopf und einem ebenso frischem Brot überraschen.

Am Abend gegen 22:00 Uhr gehen wir also zu Eugenio. Er hat aufgetischt dass sich die Tafel biegt. So nach und nach treffen die Gäste oder besser gesagt die „Familienangehörigen“ im weitesten Sinne, ein. Es sind so an die dreißig Leute. Vom Alter her gut gemischt von 3 -80 Jahre. Ich komme mir vor wie in den 1950iger Jahren als in Deutschland die „Fresswelle“ ihren Höhepunkt hatte. Fleisch in Hülle und Fülle angefangen vom Puter bis über Schweinefilet, Rinderfilet, Schulter, Rippen Kasseler (wie es hier heißt weiß ich natürlich nicht) bis hin zu Süßigkeiten wie Pudding und süße Spezialitäten. Was aber ganz und gar nicht fehlen darf und das habe ich mir erklären lassen, ist um Mitternacht die obligatorische Linsensuppe mit Wurst und Fleischeinlage (den brasilianischen Namen habe ich natürlich längst wieder vergessen), die in ganz Brasilien zum Jahreswechsel gegessen wird. Jetzt, endlich kann er uns vorstellen, natürlich muss er, so wie ich, wieder jede Menge Fragen beantworten. Irgendwie habe ich das Gefühl dass es ihm gut tut von allen Seiten Anerkennung zu bekommen. Aber ehrlich gesagt, wem tut es nicht gut?

Um 12:00 Uhr stehen wir alle im Freien und schauen und hören uns die Knallerei an. Dann geht’s wieder los, Bussi, Bussi und die guten Wünsche zum neuen Jahr. Keine Stunde später hat sich die „Versammlung“ aufgelöst und um zwei Uhr, wir sind natürlich wieder die Letzten, verabschieden auch wir uns und gehen zum Schiff zurück.

30.12.2009

Am vorletzten Tag des Jahres ist bei uns am Steg Hochbetrieb. Die Fischer kommen zu Hauff an den Steg, tanken, füllen Wasser auf, reinigen ihre Boote, machen alles fertig für das nächste Jahr wenn sie wieder raus fahren. Wir sitzen gerade im Salon als es fürchterlich rummst und unser Boot durchgeschüttelt wird. Sofort sind wir an Deck. Ein Boot hat beim Anlegen unseren Bugspriet gerammt. Dieser steht jetzt ca. einen Meter zur Seite und hat die Rolle der Genua Reffanlage unter die Reling gedrückt. Alles verbogen und das Rohr des Bugspriets abgeknickt. Das Fischerboot setzt zurück und ist schon wieder verdächtig nahe am Bugspriet. Ich schreie was das Zeug hält ebenso die Zuschauer auf dem Steg. Daraufhin gibt der Schiffsführer Gas und haut ab. Annemarie hat die besseren Augen als ich und frage sie welcher Name auf dem Boot steht. Es ist klein geschrieben und das Boot doch schon weit weg.“Ich glaube es heißt Jasmin oder so ähnlich“, sagt sie. Gut den Namen werden wir uns merken. Annemarie fragt einen der jungen Männer die es gesehen haben. Einem ist es sehr peinlich, er zieht den Kopf ein und schaut stur in eine andere Richtung und der andere tut so als verstehe er nicht. Annemarie bleibt hartnäckig. Seine Antwort war so viel wie: ich habe nichts gesehen und weiß auch nicht was das für ein Boot war. Natürlich hat er es gesehen, er war doch der, der am lautesten dem Bootsführer eine Warnung zugerufen hat. Auch egal, es sollte ja nur eine Bestätigung sein, dass sie den Namen richtig erkannt hat. Es dauert keine fünf Minuten und es rummst schon wieder. Das nächste Boot, die Hiena dos Mares, hat den Bugspriet gerammt. Dabei liegen wir doch hinter dem Steg und stehen nicht vor. Aber jetzt ist es eh schon egal. Aber eine Entschuldigung hätte ich zumindest erwartet. Wir müssen das erste Boot finden und uns mit dem Schiffsführer in Verbindung setzen. Der muss schließlich für den Schaden aufkommen. Annemarie läuft die Stege ab und sucht nach dem Boot. Nach einer halben Stunde kommt sie ohne Ergebnis wieder zurück. Die Fischer kennen sich normal alle. Also gehen wir zu Eugenio und erzählen ihm den Vorfall. Sogleich setzen wir uns ins Auto und er bringt uns zum Liegeplatz der Jasmim I, wie wir jetzt den vollen Namen sehen können. „Die Verhandlungen müsst ihr selber führen, das geht mich nichts an“, meint Eugenio, wobei er auch Recht hat. Wir fragen nach dem Schiffsführer und bekommen die Antwort dass er nicht da ist. Auf die Frage wann man ihn erreichen kann, sagt man uns Morgen. Wann, um welche Zeit? Keine Ahnung 10, 9, 8. Die Fischer, die wir fragen wissen anscheinend schon Bescheid, da das Wort „Iate“, Yacht, gefallen ist. Also ziehen wir wieder ab.

26.12.2009

Wie in Spanien gibt es auch hier nur einen Feiertag, den 25. eben. Heute ist Arbeitstag und ich warte auf Gonzalo, dem Mechaniker, damit wir am Motor weiter arbeiten können. Aber es kommt niemand. Na, denke ich, dann eben morgen. Aber auch da kommt er nicht. Abends gehen wir bei ihm vorbei und fragen nach was los ist. Er ist zwischen Weihnachten und Neujahr voll mit den Fischern beschäftigt, die ja am 2.Januar wieder raus wollen. Also müssen erst diese bedient werden. Dafür habe ich auch volles Verständnis. Er hat mir aber fest versprochen am 4. Januar an meinem Motor weiter zu arbeiten. Wir werden dann, wie schon gesagt, versuchen den Motor durchzudrehen. Ich habe genügend Rostlöser in den Zylinder gekippt und hoffe dass es hilft. Wenn nicht heißt es eben Motor raus.

25.Dezember Weihnachten

Am 25. waren wir dann bei Eugenio,unserem „Abschlepper“ eingeladen. Er sagte nur er holt uns ab aber wann, hat er uns nicht gesagt. Am Mittag kommt dann Diego, einer der beiden jungen Männer die bei der Rettungsaktion auf unserem Boot waren und lädt uns ein zu ihm ins Haus zu kommen. Wir sagen zu weil wir beide dachten dass Eugenio uns erst am Abend abholen würde. Weit gefehlt. Gerade als wir mit Diego weggehen wollen kommt Eugenio. Verdammt, da sitzen wir in einer Zwickmühle. Wir verbleiben so, dass wir jetzt mit Diego mitgehen und am Abend zu Eugenio kommen. Die „Weihnachtsfeier“ war ähnlich wie die am Vorabend nur eben mit lauter jungen Leuten und Nachmittags. Es war einfach eine Grillparty im Garten. Wieder werden wir mit Fleisch vollgestopft. Am Abend verabschieden wir uns von Diego und gehen zu Eugenio. Die 40 Gäste waren alle schon weg und wir waren, außer den Familienangehörigen alleine. Eigentlich waren wir ganz froh darüber. Endlich konnten wir uns mal alleine Unterhalten und wir hatten uns viel zu erzählen. Er tafelte auf wie für eine Kompanie. Fleisch, Salat und Süßes. Wir mussten nochmal essen. Am 25. wird hier anscheinend nur Nachmittags gefeiert. Todmüde und mit zum platzen vollen Bäuchen kehren wir gegen Mitternacht auf unser Boot zurück. Wusste gar nicht, dass Einladungen so anstrengend sein können. Dazu kommt noch, dass du dich nicht in deiner Sprache verständigen kannst, was natürlich doppelt anstrengt. Aber trotz allem, es hat uns gefallen und wir haben hier wirklich Freunde gefunden.

24.Dezember Heilig Abend

Heute ist Heilig Abend und wir sind natürlich mal wieder eingeladen. Leider können wir nur einer Einladung folgen und mussten deshalb zwei andere absagen. Heute Abend sind wir bei Lu und ihrer Familie. Das ist die Eisenwaren und Schiffszubehörhandlung (für Fischerboote) die am Ende unseres Stegs liegt. Als kleines Geschenk habe ich einen Hefezopf gebacken, der auch freudig angenommen wird. So etwas gibt es hier nicht und es wird auch gleich allen anderen die heute hier anwesend sind erzählt wer wir sind und was wir erlebt haben. Natürlich müssen wir nochmal alles erzählen so gut es geht. Aber sie scheinen es zu verstehen. Es sind doch immer die gleichen Fragen nach dem Woher und dem Wohin. Wie lange auf See und wie viele Personen auf dem Schiff, wie groß ist das Boot usw. Dann immer wieder der gleiche Satz, hauptsächlich von den Fischern, die das eh nicht verstehen können, dass man nur so zum Spaß auf dem Meer rumfährt: mucho courage (sehr mutig). Eugenio, der Mann der uns damals abgeschleppt hatte war nur fünf Minuten auf unserem Boot, dann musste er runter. Er sagte damals das ist ihm viel zu klein hier und er würde sich zu Tode fürchten mit so einem kleinen Boot auch nur eine Meile auf das Meer hinaus zu fahren. Na gut, weiter mit der Einladung. Also an Heilig Abend werden auch hier die Geschenke verteilt, so wie wir es von Deutschland her kennen. Nur der Ablauf des Abends sieht erheblich anders aus. Von stiller oder andächtiger Nacht ist nicht viel zu spüren. Eher der amerikanische Stil. Laute Musik, Tanz viel Lärm, vor allem mit Kracher, Kanonenschlägen und Leuchtraketen. So etwas wie die Generalprobe für Silvester. Dann natürlich und das ist die Hauptsache, das Essen. Es wird gegrillt was das Zeug hält. Getrunken wird von den Frauen nur Cola (das sieht man auch ihren Figuren an) und die Männer trinken Bier, meistens aber auch Cola. Das wird hier Literweise in sich rein geschüttet. Also ungesünder geht es kaum noch. Das Fleisch meistens Rind aber auch Schwein, wird so „unbehandelt“ wie es vom Metzger kommt auf den Grill geworfen, mit allem Fett, Knorpeln, Knochen, und Sehnen. Das ist nicht ganz so mein Fall. Die fetten Teile habe ich dann (hoffentlich unbemerkt) den Hunden zukommen lassen. Der Fernseher läuft im Hintergrund mit einer Musik-DVD und hebt den Lärmpegel noch etwas an. Um 12:00 Mitternacht wird sich gegenseitig „Felize Natal“ (frohe Weihnachten) gewünscht und Bussis, nach französischer Art, erst links, dann rechts, dann wieder links verteilt. Eine halbe Stunde später sitzen nur noch Annemarie und ich am Tisch, was für uns das Zeichen ist uns zu verabschieden und zum Boot zurück zu gehen. An sich ein netter Abend aber eher eine alte Leute Party als ein Weihnachtsfest. Andere Länder andere Sitten. Aber so fremd ist uns das eigentlich gar nicht. In Spanien bzw. auf den Kanaren wird Weihnacht auch so gefeiert. Nur waren wir nie direkt dabei.

Heute haben wir endlich mal „frei“. Keine Einladung, kein Behördengang, keine Besuche. Irgendwie ist das alles schon anstrengend. Wir legen heute mal einen „Erholungstag“ ein. Wir werden die weit sichtbare, himmelblau gestrichene Kirche besuchen.Der Kirchenbesuch nach jeder Etappe gehört bei uns von Anfang an dazu.

Morgen soll der Tank endlich ganz gereinigt werden. Bisher fehlte es an einer starken Pumpe die fähig ist den Schlamm vom Boden abzusaugen. Na mal sehen.

Nächster Tag. Gonzalo kann im Moment keine passende Pumpe auftreiben. Die, die er sich leihen wollte steht im Moment gerade nicht zur Verfügung. Ich mache an diesem Tag dann eben mal eine schriftliche Bestandsaufnahme über die entstandenen Schäden. Die brauche ich, da die Behörden eine Beschreibung des Notfalls und der Schäden verlangen. Diese sind zahlreicher als ich Anfangs dachte. Als da sind: Motor defekt (dazu später mehr), Tank verschlammt, Filter und Schläuche der Kraftstoffanlage verdreckt und verstopft, zwei Großsegel gerissen, Rollreffanlage Genua defekt, Bugspriet verbogen, „Laufblech“ vom Bugspriet losgeschlagen, KW-Antenne abgebrochen, Genuaschlitten mit Rolle ausgerissen. Das reicht mal fürs Erste.

Nun machen wir uns über den Motor her. Gonzalo, welch ein Zufall ist Mechaniker (nicht selbst ernannt, hat er gelernt, in Uruguay wie er mir versicherte) und repariert hauptsächlich die Motoren der Fischerboote. Da bin ich eigentlich an der richtigen Adresse.. Wir entlüften erst mal die Einspritzpumpe. Dann schließen wir einen Schlauch direkt, unter Umgehung sämtlicher Filter und Leitungen, an um zu sehen ob der Motor überhaupt läuft. Alles klar, dann Start. Klack, nochmal klack und wieder klack. Der Anlasser zieht an, dreht aber nicht durch. Komisch, die Batterie müsste doch geladen sein. Gonzalo geht zum Mittagessen und ich habe eine Stunde Zeit die Batterie zu laden. Gonzalo kommt wieder und das Spiel beginnt von vorne. Klack, klack, klack, mehr nicht. Also an der Batterie liegt es nicht. Der Auspuff und der Wärmetauscher werden abgebaut, dann der Ventildeckel. Vom ersten Zylinder ist das Ventil etwas geöffnet. Ich drücke es ganz auf und was herauskommt ist Wasser. Auch das noch. Wir schrauben den Zylinderkopf ab und sehen das Malheur. Der erste Zylinder ist voll mit Salzwasser und hat sich festgerostet. Der zweite Zylinder ist auch nicht ganz in Ordnung, aber es ist nur wenig Wasser darin. Erst trocknen wir das Wasser mit einem Tuch aus den Zylinder und dann wird fest mit WD40 eingesprüht, das soll den Rost entfernen und die Kolben wieder gängig machen. Den ganzen Tag über sprühe ich WD40 in die beiden ersten Zylinder. Morgen ist Sonntag und da kann es sich, ich sprühe alle Stunde ein bis die Flasche leer ist, hoffentlich bis Montag lösen. Wenn nicht, steht das nächste Übel an, denn dann muss der Motor vom Getriebe getrennt werden, damit der Motor angehoben werden kann. Dann wird die Ölwanne abgebaut um von unten an den Kolben zu kommen der dann ausgebaut werden muss. Ich hoffe aber dass es so weit nicht kommt. Aber das werde ich am Montag erfahren.

Sonntag, einem Tag nach dem Sturm kommt Eugenio unser Kapitän vom Fischerboot Juliana zu uns und lädt uns ein in sein Haus zu kommen. Aha, nun ist es so weit. Wir sind zum Mittagessen eingeladen und bleiben bis zum frühen Abend. Kein Wort von Geld , nicht mal eine Andeutung. Ich bin Überrascht, damit habe ich nicht gerechnet. Also ganz so nebenbei abtun will ich das auch nicht. Ich mache einen Vorstoß. Ihm Geld anzubieten oder zu fragen was das alles kostet wäre eine Beleidigung für ihn. So viel haben Annemarie und ich bereits heraus gehört. Was tun? Ich mache ihm einen Vorschlag und frage nach einem guten Restaurant, denn wir wollen ihn, seine Familie und die komplette Schiffsmannschaft zu einem Essen einladen als Dank für die Rettung. Die Antwort war ein klares NEIN, kommt überhaupt nicht in Frage. Helfen sei Selbstverständlich und bedarf keiner Bezahlung. Statt dessen bekommen wir eine Einladung von ihm für Weihnachten. Wir sollen am 25. zu ihm kommen und mit der ganzen 35 köpfigen Familie Weihnachten feiern. Haste da noch Töne? Das zu kommentieren fehlen mir ganz einfach die Worte. Noch was vorweg genommen. Von der Familie die uns bei dem Sturm aufgenommen hat bekamen wir ebenfalls für Weihnachten eine Einladung, mussten jedoch, aus verständlichen Gründen, dankend absagen. Kein weiterer Kommentar, ich weiß darauf nichts zu sagen. Es sind wirklich alles Freunde. Wir werden hier rumgereicht und von allen zum Essen eingeladen, wir bekommen Fisch geschenkt von Fischern, die ich nicht kenne usw. usw.

rio-grande-rs-brasil.jpg Google Übersicht von Rio de Janeiro bis Punta del Este in Uruguay

Am Montag, wir sind seit Freitag hier, holt uns Gonzalo ab und fährt uns in die Stadt nach Rio Grande zum einklarieren. Große Verwunderung bei der Polizei und anschließend bei allen anderen Ämtern, da wir ja bereits sechs Monate im Land waren und eigentlich nicht hier sein dürften. Überall erklären wir, dass wir ein Notfall sind und nur so lange bleiben wollen wie die Reparaturen dauern. Das wird auch genehmigt werden aber der Behördenweg ist lang und umständlich. Wir werden von einem Amt zum anderen geschickt und keiner will als erster seinen Stempel auf ein Dokument setzten. Jeder schiebt es dem anderen zu. Das erinnert mich an einen Witz. Als zwei Grenzbeamte Streife gehen kommen sie an einem Baum vorbei an dem sich einer erhängt hat. Ein Ast ist auf deutschem und der andere Ast auf österreichischem Boden ist. Da stößt der eine Grenzer den anderen an und sagt: „schau mal da hin, jetzt hängt dieser Typ schon wieder auf unserer Seite“. Mal sehen wer als erster einen Stempel hergibt. Gonzalo kennt jemand vom hiesigen Yachtclub der anscheinend etwas Einfluss hat und den wollen wir aufsuchen. Gonzalo meint auch es wären noch andere deutsche Yachten hier und ich solle sie, wenn ich mag, besuchen. Ich gehe so den Steg entlang und sehe mir die Namen der Schiffe an und was sehe ich da? Die Lorbas. Claudia und Thomas. Das ist eine Überraschung. Eigentlich haben wir die bereits in Uruguay gewähnt.  Sie erzählen uns, dass sie einen Tag vor uns hier eingetroffen sind. Wir verabreden dass sie uns in Barra, wo wir bei den Fischern liegen, zu Besuch kommen. Wir freuen uns schon darauf.

rio-grande-rs-brasil-3.jpg rio-grande-rs-brasil-4.jpgUnser Liegeplatz. Hier sieht man die zwei Stege zwischen denen wir während des Sturms festgemacht sind

22.12.2009

12. Dezember 2009

Die Nacht war ruhig und wir schliefen beide tief und fest. Jetzt ist es sechs Uhr morgens und der Wind pfeift und heult. Er rüttelt am Boot und es vibriert. Die Wellen werden immer höher das Wasser ist dunkelbraun vom aufgewirbelten Sand und Schlick. So geht das einige Stunden und die Wucht des Sturms nimmt immer mehr zu. Der Wind kommt genau von Steuerbord. Nun wird es mulmig. Ich sage zu Annemarie dass wir wohl das Schiff verlassen müssen, es wird zu gefährlich. Als die ersten Böen 50kn erreichen reißen mir gleich drei 12mm Festmacher hintereinander wie Gitarrenseiten. Nur der Festmacher am Heck hält noch aber wie lange. Das Boot dreht sich nach Backbord und zeigt fast in Richtung Strand von dem wir nur 20m entfernt sind. Ein Festmacher am Bug, den wir an der anderen Seite des Stegs festgemacht hatten hält auch noch, so dass es nicht ganz die restlichen zehn Meter zum Strand hin abtreibt.Sollten wir noch weiter in diese Richtung gehen dann sitzen wir auf. Sofort sind auch, ich weiß nicht wie viel, Leute zur Stelle die uns helfen. Wir haben schon lange die Rettungswesten angezogen und die wichtigsten Dinge eingepackt. Nun heißt es für Annemarie das Boot zu verlassen. Der Wind drückt uns vom Steg weg. Es sind so an die 3-4 Meter. Marquinho der „Tankreiniger“ springt ins tosende Wasser und hantelt sich an der Leine zu uns an Deck. Eine Rettungsleine fliegt hinterher an die wir Annemarie anbinden. Jetzt kommt die Mutprobe, sie muss in das aufgewühlte Wasser springen. Sie steigt über die Reling und dann verlässt sie der Mut. Sie will einfach nicht springen und klammert sich an die Reling. Marquinho und ich, jeder von uns nimmt eine Hand von ihr und löst sie gewaltsam von der Reling und schon ist sie im Wasser. Die Leute am Steg ziehen an der Leine und eine halbe Minute später ist sie an Land. Sie ist ganz schön fertig.

fischerboot-im-sturm.jpg Fischerboot ankert direkt vor unserem Steg bei Sturm

vor-unserem-steg.jpg während des Sturm verließen alle Fischerboote den Steg und ankerten in der Lagune

Nun heißt es das Schiff zu sichern. Vom Steg gegenüber fliegt eine Holeleine an Deck an die wir einen Festmacher binden. Dieser wird auf den anderen Steg verholt und festgemacht. Jetzt liegt das Boot mit dem Heck im Wind und nicht mehr mit der Breitseite. Weitere Festmacher werden am Heck und am Bug festgemacht und zum Steg geworfen. Nun liegen wir vertäut mit Bug und Heck zwischen zwei Stegen. Zwar knallen jetzt die Wellen voll gegen die Steuerbordseite aber der Wind kommt von achtern und hat nicht mehr so viel Angriffsfläche. Das Boot wird so auf und ab geworfen, dass es teilweise mit dem Heck ins Wasser taucht um dann hochgehievt zu werden, dass man fast die Schraube sieht. Nun heißt es für mich ebenfalls das Schiff zu verlassen. Ich habe ja die Schwimmweste an die sich automatisch aufbläst wenn ich ins Wasser springe. Also dann, Rettungsleine festgemacht und ab geht’s. Ich warte darauf dass die Weste sich aufbläst aber nichts geschieht. Ist in dem Fall auch nicht so wichtig. In weniger als einer Minute haben die Leute mich an den Steg gezogen und aus dem Wasser gefischt. Ich denke mir noch ach das ist ja schön warm. Verrückt an welche Nebensächlichkeiten man eigentlich in Gefahrensituationen so denkt. Wir arbeiten weiter an den Festmachern um das Boot noch besser zu sichern. Es sind so an die fünf Minuten vergangen als unter dem Gelächter der Leute die Weste plötzlich anfängt sich aufzublähen. Jetzt bin ich fast Bewegungsunfähig. Ich reiße mir das blöde Ding runter und ziehe weiter an den Festmachern. Endlich ist es so weit. Gesichert mit insgesamt sechs 12mm Leinen dürfte nichts mehr passieren. Wissen kann man es allerdings nicht. Wir werden von den Besitzern der Ferreteria (Bootszubehör für Fischerboote) ins Haus geholt wo wir uns umziehen können. Wir bekommen Essen und Trinken und sollen so lange bleiben bis der Sturm aufhört. Vom Fenster aus können wir unsere Lady beobachten wie sie mit Wind und Wellen kämpft und wie sie wie ein gefangener Tiger an den Leinen zerrt. Alle paar Minuten renne ich raus und kontrolliere die Festmacher ob sie irgendwo schamfilen aber alles ist in Ordnung.

rio-grande-rs-ankerplatz-60kn-wind.jpg so sah es bei 60kn Wind an unsrem Steg aus. Ein Aufenthalt auf dem Schiff wäre zu diesem Zeitpunkt zu gefährlich gewesen

Gegen Abend, der Sturm dauert nun schon zwölf Stunden, lässt der Wind nach. Eine Stunde später sieht es aus als wäre nie etwas gewesen. Am nächsten Tag erfahren wir, dass es ein Zyklon war der in der Spitze mit 70kn ( 130km/h) wehte. Das passiert alle paar Jahre mal und genau uns muss es erwischen.Wir kehren zurück auf unser Schiff. Die Nacht ist ruhig, unser Schlaf allerdings weniger.

Da wird man aus Seenot gerettet, denkt alles ist gut und dabei verliert man dann fast sein Boot im Hafen. Es ist schon verrückt was alles so passieren kann. Aber wieder einmal und Gott sei Dank, sind wir mit einem blauen Auge davon gekommen. Jetzt weiß ich mit dem Spruch „da wirst du aber katholisch“ wirklich was anzufangen.

22.12.2009

11. Dezember 2009

Wir sind noch gar nicht richtig angekommen. Geistig meine ich, körperlich sind wir natürlich da. Wir haben keine Zeit zum Verschnaufen. Bereits in aller Frühe ist Gonzalo da und holt uns ab. Er bringt uns zu seinem Sohn der hat Internet. Sofort schicke ich eine Nachricht nach Deutschland dass wir angekommen sind und sie sich keine Sorgen machen müssen, schließlich haben wir mehr als 30 Tage nichts von uns hören lassen. Gonzalo hat auch Marquinho mobilisiert der unseren Tank reinigen soll. Dann erfahren wir im Gespräch, dass für morgen Sturm angesagt ist. Wir machen unser Boot Sturmfest. Es wird noch mal mit stärkeren Festmachern vertäut und zwei Festmacher gehen an den nächsten Steg. Jetzt liegt das Boot Längseits zwischen zwei Stegen.

22.12.2009

10. Dezember 2009

Es ist ganz schön nervig am Haken zu hängen und geschleppt zu werden. Man glaubt es geht gar kein Ende her. Aber auch diese Nacht geht vorbei. Die Gedanken die mir durch den Kopf gehen sehen nicht gerade nach Freude aus und auf meiner Stirn sind bereits wieder die Sorgenfalten. Was wird sein wenn wir da sind? Was wird das ganze denn kosten? Laut internationalem Seerecht darf der Fischer, ganz sicher bin ich mir nicht, bis zu 20% des Schiffswertes verlangen. Das wäre dann das Ende. Selbst bei ein paar Tausend Euro würde es schon Probleme geben. Annemarie beruhigt mich und meint es wird schon nicht so schlimm werden. Das hoffe ich auch.

Nach schier endlos erscheinenden 16 Stunden sind wir endlich da. Gekonnt und meisterlich, ich bewundere immer wieder wie gut diese Leute mit ihrem Boot umgehen können, werden wir an den Steg bugsiert. Zahlreiche Hände nehmen sofort die Leinen entgegen. Hier hat bisher noch nie eine Yacht festgemacht und deshalb sind wir natürlich die Attraktion. Gleich stürmen Fragen auf uns ein. Woher, wohin, wie lange auf See, was ist passiert? Wir beantworten alle Fragen so gut wir es verstehen und erklären können. Der Organisator,so nennen wir ihn, den Namen Gonzalo erfahren wir erst später, bemüht sich wirklich rührend um uns. Er fragt sogleich ob wir was zu essen brauchen. Ich verstehe es nicht richtig und sage gleich mal ja. Kurze Zeit darauf erscheint er mit einer Plastiktüte voll Lebensmittel. Ich versuche ihm zu erklären, dass ich es jetzt nicht bezahlen kann, da wir kein Geld an Bord haben. Morgen werde ich gleich zur Bank gehen. Nein, nein das ist ein Geschenk, er will dafür kein Geld. So viel Freundlichkeit wie in Brasilien habe ich noch nicht erlebt, egal ob im Norden oder wie jetzt ganz im Süden. Der Fischer verabschiedet sich, wir bedanken uns so gut es uns möglich ist, und sagt uns, dass er morgen vorbei kommt. Na, da werde ich dann wohl die Rechnung bekommen. Es ist mir schon mulmig im Magen.

22.12.2009

09. Dezember 2009

Einen Tag später, abends 22:00 Uhr, wir schlafen bereits, hören wir Rufe. Erstaunt schaue ich nach draußen und sehe die Fischer die bereits heute zurück sind. Später erfahren wir, dass sie einen guten Fang hatten und die Lagerräume voll gefüllt sind.

Also machen wir uns an die Arbeit. Ich will den Anker lichten – Fehlanzeige! Da ich den Motor nicht mitlaufen lassen kann schaffen es die Batterien nicht die Winsch zu drehen.. Also dann eben per Hand. Ein sinnloses Unterfangen. Ich kann keine 50m Kette samt dem Boot gegen die Strömung ziehen. Eine Leine fliegt auf das Boot die ich sofort belege. Zwei Leute vom Fischerboot springen ins Wasser und hanteln sich die 10m bis zu uns. Ich helfe ihnen an Deck. Zu dritt versuchen wir den Anker zu holen. Es gelingt uns nicht ihn an Bord zu ziehen. Eine Eisensäge hilft uns das Problem zu lösen. Kette durchsägen. Das ist schnell erledigt und wir holen den verbleibenden Rest der Kette an Bord. Das andere Ende mit dem Anker, gesichert durch ein Tau, ist auf dem Fischerboot. Mit viel Mühe bekommen fünf Mann den Anker frei. Nach eineinhalb Stunden ist die Aktion beendet und wir hängen an einer dicken Trosse und werden die 80 Meilen mit fünf Knoten Fahrt in Richtung Rio Grande abgeschleppt.

Den beiden jungen Burschen die bei mir auf dem Boot sind gebe ich zu verstehen, dass sie da bleiben sollen. Sie machen nämlich Anstalten wieder von Bord zu gehen. Ich merke wie froh sie sind nicht gleich nochmal und das bei stockfinsterer Nacht ins Wasser zu müssen. Annemarie versorgt sie mit warmen und trockenen Sachen einschließlich Decken. Sie legen sich im Cockpit auf die Bank und schlafen. Wir schlafen ebenfalls bzw. versuchen es wenigstens. So einfach ist das nicht, da teilweise fürchterliche Geräusche durchs Schiff gehen, wenn die Kette, an der die Trosse befestigt ist, gegen den Rumpf schlägt.

22.12.2009

08. Dezember 2009

Da wir damit rechnen heute zu stranden haben wir die wichtigsten Dinge wie z.B. Ausweise, Schiffspapiere nebst Notebook und trockene Sachen so gut wie möglich wasserdicht verpackt. Nun warten wir bis der neue Tag anbricht. Ich bin hundemüde, kann aber nicht schlafen. Anspannung und Sorgen sind einfach zu groß. Um 05:30 Uhr, es ist seit einer halben Stunde hell, gehe ich an Deck um die Lage zu peilen. Da sehe ich plötzlich so an die zehn Fischerboote in unserer Nähe. Ich rufe in den Salon:“Annemarie, komm rauf, hier sind jede Menge Fischerboote“. Annemarie sieht die Boote und stürzt sofort ans Funkgerät und setzt einen Hilferuf ab. Ich stehe an Deck und winke mit einem roten Tuch um auf uns aufmerksam zu machen. Eines der Boote, die Juliana, löst sich aus dem Verband und kommt auf uns zu. Wir erklären ihnen, dass unser Motor defekt ist und die Segel kaputt sind und wir immer mehr in Richtung Küste treiben, sie geben uns zu verstehen, dass wir hier den Anker werfen sollen, sie kommen in drei Tagen zurück und holen uns ab. „Hier“? frage ich ungläubig. „Ja“, ist die Antwort es sind 20m und man kann gut ankern. Auf meine besorgte Frage nach dem Wind erklären sie mir, dass das Wetter sich in nächster Zeit nicht ändern wird. Also dann, nichts wie runter mit dem Schlammhakl (für Nicht-Bayern Schlammhakl=Schlammhaken=Anker). Schon ein komisches Gefühl so fast im freien Meer zu ankern. Kein Schutz rundum. Bevor sie uns verlassen, sie wollen in drei Tagen zurück sein und uns abholen, fragen sie noch ob wir Essen und Trinken benötigen. Wasser nein, davon haben wir noch genug. Essen können wir etwas gebrauchen, nicht viel, vielleicht einen Fisch und etwas Brot. Unser Vorrat reicht noch etwa eine Woche. Daraufhin fliegt eine Leine auf unser Deck und ich ziehe an. Mann ist das schwer. Ein Sack voll mit Lebensmitteln darunter vier Fische zu je 2 Kilo und zwei Kilo Fleisch und ein Kilo Mortadella, so wie zwei Brote, Kekse und Kräcker. Daneben noch Trockengerichte,Suppen und anderes. Wir wollten doch nur etwas Proviant. Das ist ja für eine ganze Kompanie für vier Wochen. Auf jeden Fall Danke, es wird uns helfen und uns auch moralisch aufrüsten.

09-hilfe.jpg es geht immer weiter zurück nach Norden. Der Wind lässt uns keine andere Wahl. Wir kommen in Legerwall und kommen nicht mehr von der Küste frei bis uns ein Fischer “aufsammelt”

Endlich ist Hilfe da, das ist schon mal die halbe Miete. Tschau Sandküste, wir sehen uns doch nicht aus der Nähe. Ein großer Teil der Anspannung, erst jetzt merke ich wie fertig ich bin, fällt von mir ab und ich lege mich schlafen. Augenblicklich bin ich eingeschlafen.

22.12.2009

07. Dezember 2009

Es kommt immer schlimmer. Vor zwei Tagen hat uns ein Gewittersturm mit 40 Knoten immer weiter an die Küste getrieben und jetzt liegen wir auf Legerwall und kommen nicht mehr los. Wir müssen unbedingt um Hilfe rufen. Von den Schiffen die wir sehen und anrufen bekommen wir keine Antwort. Der Kanal 70 mit DSC Ruf ist der reinste Witz. Auf dem antwortet überhaupt niemand. Wenn, dann schon wie immer, auf Kanal 16.

08-irrfahrt-1.jpg so hat es uns tagelang in der Gegend ab dem Punkt “totale Flaute” herumgetrieben.

 

Um 4:00 Uhr sehen wir einen Autotransporter. Anruf auf Kanal 16 und DSC-Ruf klappt nicht. Da es noch ziemlich dunkel ist gebe ich SOS Zeichen mit dem Handscheinwerfer. Darauf bekomme ich Antwort auf Kanal 16. Ich erkläre mein Problem und dass wir Hilfe brauchen. Wir müssen abgeschleppt werden. Er solle doch bitte eine Rettungsstation verständigen. Er ruft die Station La Paloma in Uruguay bekommt aber keine Verbindung. Ich dachte immer dass Rettungsstationen 24 Stunden besetzt sind. Vermutlich nicht in Uruguay. Da sieht man mal wieder den Unterschied zwischen Theorie und Praxis. Die Brücken der Großschifffahrt sollen auch 24 Stunden besetzt sein. Und warum sieht uns dann keiner? Obwohl wir sogar drei mal eine Rakete abgeschossen haben! Wir hören den Frachter noch etliche male die Station La Paloma rufen aber dann ist er außer Reichweite. Ob er es noch länger versucht hat wissen wir nicht. Jedenfalls kommt keine Hilfe. Wir treiben immer mehr in Richtung Küste. Ich kann nicht sagen wie lange es bis dorthin noch dauern wird, jedenfalls ist bereits Land in Sicht. Wir haben noch 15 Meilen und sind wieder bis Brasilien zurück getrieben worden. Dabei waren wir schon so nahe am Ziel. Ich hoffe wir und das Boot werden es überleben. Eine Strandung ist kein Kinderspiel. In der Nähe der Radiobake auf Position 33°44.36 S und 52°56.05 W werden wir wohl stranden.

22.12.2009

05. Dezember 2009

Die ganze Nacht sind wir mit 1,5kn dahingedümpelt. Und nun Hurra, er ist wieder da der lang ersehnte NO Wind. Wir können den Kurs von 240° aufnehmen und wieder in Richtung Uruguay segeln. Unserem Ziel, von 90 Meilen auf 140 abgetrieben haben wir uns bereits wieder auf 120 Meilen ran gekämpft.

07-zweiter-anlauf.jpg der zweite Anlauf nach unserer “Nordfahrt”, bevor die zweite und endgültige Abdrift nach Norden begann

Die Geschwindigkeit liegt bei drei Knote. Man wird ja Bescheiden. Während der Nacht begegnen uns fünf Schiffe ohne jedes Problem. Ein halbstündiger Ausguck während der vierstündigen Wache ist allerdings unabdingbar. Der Blitzer am Masttop leistet gute Dienste, der wird auch in zehn Meilen Entfernung noch gesehen. Ich kann jeden Skipper nur empfehlen sich einen Blitzer zu installieren. Er erhöht die Sicherheit gegenüber den normalen Positionslichtern erheblich und braucht nur einen Bruchteil des Stroms der Laternen. Diese schalte ich dann allerdings dazu wenn das andere Schiff zu nahe kommt. Ich möchte das Gerät nicht mehr missen. Hier schon gleich gar nicht, da wir mitten in der Südamerikanischen Hauptschifffahrtslinie rumpaddeln.

22.12.2009

04. Dezember 2009

Nun liegen wir schon seit drei Tagen bei und treiben immer noch in die verkehrte Richtung. Der Abstand zum Ziel hat sich von 90 auf 140 Meilen vergrößert. Wir wollen wieder aktiv ins Geschen eingreifen. Wir setzen Segel und wollen näher an die Küste, mit der Hoffnung, dass es dort günstigeren Wind gibt. Der Wind erlaubt uns nur einen NW Kurs. Wir warten noch immer auf eine Winddrehung um südlichen Kurs anzulegen. Unsere Taktik sieht jetzt so aus: Wir segeln so nah wie möglich an die Küste um dann mit Strom und NO Wind nach Süden zu gelangen. Da uns die Genua nicht mehr zur Verfügung steht machen wir trotz 20kn Wind nur 2,5kn Fahrt. Wir hoffen, dass unsere Taktik aufgeht, wir wollen doch endlich ankommen.

In der Ferne sehen wir einen Frachter der nach etwa einer Stunde in drei Meilen Entfernung an uns vorbei fährt. Es ist die NUR und wir glauben sie in Aratu gesehen zu haben. Wir rufen sie über Funk und wir bekommen eine Verbindung. Nach einer kurzen Plauderei wünschen wir uns gegenseitig gute Fahrt.

Es ist 21:30 Uhr und wir stehen mal wieder auf der Stelle. Vielleicht schiebt uns die hier herrschende Strömung etwas nach Süden. Sollte die Flaute anhalten muss ich nochmal in den Mast die Rollanlage reparieren. Ohne Genua kommen wir überhaupt nicht von der Stelle. Wenn dann die Flaute vorbei ist hoffen wir auf NO-Wind, der laut Pilot Charts im Dezember zu 80% der Zeit wehen soll. Aber ausgerechnet wir müssen SW Wind abbekommen und dann auch noch in Sturmstärke.

22.12.2009

03. Dezember 2009

Gestern Abend fing es mit einer Dümpelei und einem Wind aus West an. Ist doch toll, der Wind kommt genau da her wo wir hin wollen. Es hat keinen Zweck. Diese Richtung ist uns im Moment versperrt. Ich setze das Ruder gegen den Wind fest und hole das Segel Back (für Nichtsegler: ich setze das Segel auf die „verkehrte“ Seite von der der Wind kommt). Wir „üben“ mal wieder Beiliegen. Wir treiben mal hier hin und mal da hin. Genau um 4:00 Uhr, bei Tagesanbruch bricht der Weststurm los. Erst versuche ich noch das Boot zu steuern. Es geht nicht, denn das Groß macht das nicht mehr lange mit. Da ich es wegen des zerrissenen Teils so am Baum eingebunden habe, dass das Loch nicht mehr dem Wind ausgesetzt ist, hat das Segel eine unmögliche Form und bildet einen Sack in dem sich der Wind voll fängt. Die Wirkung ist ungefähr die gleiche als würde ich einen Spi bei halben Wind fahren. Die Segel knallen und der Wind heult mit 35kn, fürchterlichen Tönen und Getöse in den Wanten und Stagen. Das Meer tobt. Gischt wird von den an die 5m hohen grünen Wellen abgeweht. Es gibt jetzt nur noch eine Möglichkeit das Inferno einigermaßen relativ Stress-frei abzuwettern. Das bewährte Beiliegen. Diesmal aber müssen erst die Segel geborgen werden um die Fahrt so weit wie möglich aus dem Schiff zu nehmen. Das wird bei diesem Wind nicht einfach sein. Annemarie erzählt mir später, dass, gerade als ich die Fock berge, der Windanzeiger auf 38kn steht. Mit viel Mühe bekomme ich die Fock „eingefangen“ und bändsle (binde) sie an der Reling fest. Es wird etwas besser der Druck auf das Schiff ist nicht mehr ganz so stark. Aber das Groß muss auch noch geborgen werden. Ich nehme eine dünne Leine und binde sie am hinteren Ende des Segels am Baum fest. Nun macht Annemarie den Fallenstopper auf und ich ziehe das Segel etwa einen Meter herunter, dann den Fallenstopper zu, das Segel einbinden, Fallenstopper auf, Segel runter, einbinden usw. bis das ganze Segel geborgen ist. Nass von den überkopmmenden Wellen hantele ich mich wieder zurück ins Cockpit. Wir machen die Bude dicht, soll heißen, Steckschott rein und Schiebeluk zu. Jetzt wird erst mal gefrühstückt und dann geschlafen. Mehr kann man ja sowieso nicht tun. Das Boot macht jetzt alles alleine und es macht es gut. Fast gemütlich treibt es auf den Wellen dahin, doch der Blick auf das aufgewühlte grüne und schäumende Meer belehrt mich eines Besseren, denn da ist überhaupt nichts Gemütliches. Mal sehen wie lange das anhält, das Baro ist bereits wieder um 5mb gestiegen.

Gerade komme ich aus der Bugkabine in den Salon als eine Welle mit voller Kraft Mittschiffs regelrecht einschlägt. Ich werde vom Mittelgang aus über die Salonbank geschleudert und knalle mit dem Hinterkopf ans Bücherschapp. Verdammt, das tut weh. Ich bin etwas benommen und mir ist schwindlig. Das war fast ein k.o. Schlag. Ich werde mich gleich etwas hinlegen.

Der Wind hat nachgelassen, weht aber nach wie vor mit 20kn aus SW, so dass es uns schon eine ganze Weile und etliche Meilen nach NO treibt. Dabei waren wir schon so nah am Ziel, von dem wir uns jetzt immer weiter entfernen. Wir können nichts anderes tun als abwarrten bis sich der Wind in eine für uns günstige Richtung dreht. Die Brecher die zwischendurch einsteigen und das Cockpit füllen finde ich schon fast nicht mehr Erwähnenswert.

22.12.2009

02. Dezember 2009

Gestern Nachmittag um 16:00 Uhr kam der Wind ganz langsam wieder. Erst ganz sachte, dann stärker und dann so ungünstig, dass es Anton nicht gelingt Kurs zu halten. So bleibt nichts anderes übrig als selbst die ganze Nacht am Ruder zu sitzen. Jetzt am Vormittag haben sich Wind und Welle so eingespielt, dass Anton das Ruder übernehmen kann. Doch das dauert nicht lange. Der Wind steigert sich bis auf 30kn und ich muss wieder selbst ans Ruder. Das geht so bis 13:30 Uhr, dann, so was kann man kaum glauben hört der Wind von einer auf die andere Sekunde schlagartig auf, als wenn einer einen Hahn zugedreht hätte. Kein Vortrieb mehr, nur noch hohe Dünung. Das Schiff schaukelt wie verrückt. Um 16:00 Uhr kommt dann ganz leichter Wind auf. Zu leicht. Das Boot reagiert nicht aufs Ruder und noch dazu kommt dieser Sch… Wind aus Westen, da wollen wir doch hin. Es hat uns bereits wieder einige Meilen zurück getrieben. Hoffentlich hört das bald auf und wir können wieder unseren Kurs Richtung Westen aufnehmen. Ich habe mir ausgerechnet, dass wir morgen Mittag da sein müssten. Und jetzt diese Winddrehung. Das kostet uns mindestens einen Tag. Es ist zum verrückt werden. Wir wollen endlich ankommen. Es reicht jetzt.

06-wir-treiben-nach-norden.jpg hier unsere “Norddrift”

Nun ist es 19:00 Uhr und der Kreis geschlossen. Wir sind an der selben Stelle wie heute morgen um 11:00 Uhr. Leichter Wind kommt auf und wir hoffen unsere Fahrt fortsetzen zu können. Eine Stunde später weht der Wind gerade mal mit 12 Knoten. Es reicht kaum um vorwärts zu kommen. So weit so gut, leider stellt sich heraus dass meine Reparatur der Verstellbremse nur kurz von Erfolg gekrönt ist, den dieses blöde Ding ist schon wieder kaputt und so bleibt die Genua eingerollt. Wir dümpeln also statt mit drei Knoten eben nur mit 0.8 – 1 Knoten so dahin.

22.12.2009

01. Dezember 2009

Die Gewitter sind weg, das Tief ist weg und der Wind ist auch weg. Seit 00:00 Uhr sitzen wir in der Flaute und treiben so zwischen 0,8 und 1,2kn dahin. Aber wenigstens in die richtige Richtung. Das ist doch auch schon was.

Um sechs Uhr weckt mich Annemarie und meint, das Wetter wäre doch gerade richtig um in den Mast zu steigen um die Verdrehsicherung der Genua zu reparieren. Mann, was bin begeistert, ich würde mich am liebsten umdrehen und weiter schlafen. Aber sie hat ja Recht. Das Teil muss unbedingt gerichtet werden damit sich die Genua wieder ein bzw. ausrollen lässt. Ich schaue mir die Lage selber an. Natürlich ist das Meer ruhig. So weit man das sagen kann. Aber die Mastspitze legt trotzdem von ganz links nach ganz rechts so an die zwei oder drei Meter zurück. Es wird nicht einfach werden.

Bedächtig ziehe ich meinen Klettergurt an, der mir als Ersatz für einen Bootsmannstuhl dient, lege mir alles Material zurecht und picke mich in das Fall ein, das mir als Sicherung dient. Dann steige ich in den Mast. Ich muss diesmal an der Vorderseite rauf, da das Groß gesetzt ist. Das Problem dabei ist, dass ich über die Radarschüssel steigen muss und mir auch das Diamantstag den Weg versperrt. Das ist schnell gemeistert und ich bin nach zwei kleinen Pausen, in denen ich warte, dass sich das Boot nach etwas größeren Wellen wieder ausgependelt hat, im Masttop angelangt. Ich sichere mich nochmals zusätzlich, so dass ich beide Hände zum arbeiten frei habe. Aber das ist nicht ganz so einfach. Es kommt immer wieder eine größere Welle, die den Mast wie eine Schiffschaukel (im wahrsten Sinne des Wortes) schaukeln lässt und ich wie ein Klammeraffe am Mast hänge. Nach einer halben Stunde bin ich fertig und habe die „Notverdrehbremse“ angebracht. Ich beginne, von Annemarie über die Winsch gesichert, den Abstieg. Ich steige gerade über das Diamantstag als die Stufe an der ich mich einhalte vom Mast abbricht. Ich schwinge nach rechts aus und erwische gerade noch ein Spannseil vom Diamantstag an dem ich mich festhalte. Die Gefahr einer schnellen Parterre-Fahrt ist aber nicht gegeben, da ich ja am Fall gesichert bin und Annemarie aufgepasst hat. Trotzdem, am Boden bzw. auf Deck angekommen brauche ich erst mal ein Glas Wasser um meine von der Anstrengung ausgedörrte Kehle wieder dem Normalzustand zu zuführen.

Die Reffanlage funktioniert wieder. Das ist ein Erfolgserlebnis.

Am Nachmittag begebe ich mich in den „Keller“ um nach dem Motor zu sehen. Zuerst aber nehme ich eine Probe aus dem Dieseltank. Diesmal von der Oberfläche. Nur brauner Dreck. Kapitel Motor ist gestorben, ebenfalls 400 Liter Diesel und das tut weh, vor allem im Geldbeutel. Ich hätte das Geld ebenso gut ins Meer werfen können. Wenn wir ankommen muss ich zusehen wie wir das Anker oder Anlegemanöver ohne Motor hinkriegen. Hoffentlich spielt das Wetter mit. Die Marina liegt in der La Plata Mündung, das wird nicht ganz einfach. Na, schau ma mal.

22.12.2009

30. November 2009

Wir haben eine besch…(eidene) Nacht hinter uns. KA (Keilriemen Anton) schafft es nicht das Boot auf Kurs zu halten. So sitze ich am Ruder und Annemarie am Bedienpaneel. Wenn Anton versucht aus dem Ruder zu laufen drückt Annemarie die entsprechenden Tasten um ihn auf Kurs zu halten. Klappt das nicht dann muss ich am Ruder den Motor auskuppeln, den richtigen Kurs anlegen und den Motor wieder einkupppeln. So geht das die ganze Nacht seit gestern Abend. Das Barometer ist um 5mb gefallen, das verheißt nichts Gutes. Um zwei fängt es an zu blitzen. Sehr weit weg, ein Wetterleuchten. Aber es kommt näher und zwar ziemlich schnell. Das Gewitter oder besser die Gewitter treffen uns nicht direkt, bleiben aber nicht ohne Folgen. Der Wind nimmt stark zu, ebenfalls die Welle. Es ist vier Uhr, der Tag bricht an und die Hölle aus. Dicke schwarze Wolken vor uns und wir segeln bei 23kn Wind mit fast 6kn über Grund auf diese zu. Dann packt sie uns. Der Wind erhöht erst mal auf 30kn, dann kommt der Regen. Man kann kaum noch was sehen. Der Wind steht genau gegen die anrollenden Brecher. Der Regen wird vom Wind waagrecht über die Wellen gepeitscht. Das Meer schäumt und brodelt. Der Wind heult in den Wanten und Gischt wird über das Boot gefegt, Brecher gehen über das Boot. Es kracht und rummst, man könnte meinen unsere Lady wird mit einem Dampfhammer bearbeitet. Es ist Dantes Inferno.

04-gewitter.jpg unser Weg vom 20.11.-29.11

So was habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht erlebt und möchte es auch nicht mehr. Ich stehe am Ruder und bin, trotz Segelbekleidung, bereits Sekunden nach Beginn des Regens, nass bis auf die Haut. Ich versuche, egal in welche Richtung immer das Schiff aus dem Wind zu drehen, so dass wir den Wind immer von achtern haben, also praktisch ablaufen. Nach einer Stunde ist das Schlimmste vorbei. Der Wind hat um 180° gedreht, also fahren wir wieder zurück. Wir machen eine Halse und wechseln den Bug so dass wir unseren alten Kurs wieder aufnehmen können. Der Wind bläst uns mit 25kn ins Gesicht und wir stampfen durch die aufgewühlte See. Es ist ein absolutes Wellenchaos. Teilweise laufen sie gegeneinander, stellen sich auf, fallen in sich zusammen um gleich wieder aufzusteigen. Keinerlei Ordnung oder Gleichklang. Es geht alles mal vorbei, so auch dieses Chaos. Der Automat arbeitet wieder und wir sitzen beide im Salon. Ich lege mich hin und bin auch gleich darauf eingeschlafen. Plötzlich ein Donnerschlag. Ich schieße senkrecht aus dem Schlaf hoch und finde mich nicht gleich zurecht. Was ist passiert? Ein Brecher ging über das Boot hinweg und knallt voll ins Cockpit und hat es bis zum Süllrand mit Wasser gefüllt. Meine spätere Rechnung ergibt, dass es fast an die 1000 Liter, also 1cbm, gewesen sein mussten. In weniger als einer Minute fließt das Wasser durch die Lenzrohre wieder ab.

Der Abend bricht an, es ist alles im grünen Bereich. Anton hält Kurs, Annemarie schläft und ich schreibe gerade diese Zeilen.

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