30.03.2009

02. März 2009

Fünfter Tag auf See ETMAL 107,4nm

Die Nacht war mal wieder sehr schaukelig obwohl sich Wind und unser Kurs nicht geändert haben. Wir segeln nach wie vor mit einem Schnitt von ca. 4,3 – 4,5kn. So lange unsere Etmale so bei 100nm liegen will ich gar nicht meckern. Die Buena Vista zieht immer mehr davon und hat bereits 120 Meilen Vorsprung. So ist das eben mit den jungen Leuten. Keine Zeit und immer versuchen die optimale Geschwindigkeit zu fahren. Das mag ich nicht aus verschiedenen Gründen. Erstens hab ich Zeit, zweitens schont es die Nerven und drittens, sehr wichtig, das Material. Ich fahre auch nicht mit dem Groß. Dieser „Mörderbaum“ kostet mich nämlich meinen letzten Nerv. Mit seinen 6½ Metern ist er trotz Bullentalje kaum zu beherrschen. Dauernd darauf aufzupassen dass es keine Patenthalse gibt ist mir einfach zu stressig. Da lasse ich lieber die eine oder andere Meile unterwegs liegen. Dann komm ich halt drei oder vier Tage später an, was soll`s. Wir segeln jetzt platt vorm Laken und haben deshalb die Fock weg genommen und nur die ausgebaumte Genua steht noch. Wir segeln statt wie vorher 190° jetzt 230° damit wir mehr West machen um dann auch den Äquator bei 29° W zu überqueren. Dort sind die Kalmen meistens am schmalsten und man braucht nicht so lange motoren bis man auf den SO-Passat trifft, was Sprit und Geldbeutel schont.

Gestern hat wohl mein Regler der Solarpaneele den Geist aufgegeben. Die Paneele liefern zwar Strom der in den Regler geht aber es kommt nichts mehr raus. Den Fehler hab ich noch nicht gefunden.

Heute gab es gleich einen Schreck in der Morgenstunde. Das GPS im Cockpit ist ausgefallen. So ein Mist. Ich betätigte alle Schalter und Knöpfe an dem Ding, keine Reaktion. Da dachte ich mir, da ein GPS ja auch ein Computer ist probiere ich mal das alte bewährte Mittel dem Teil einfach den Strom abzudrehen. Na also, geht doch. Es funktioniert wieder und Daten gingen auch keine verloren.

Mann, das war jetzt gerade der Schreck in der Abendstunde. Ich werkle im Motorraum, den Generator anschmeissen um „Strom zu machen“ und krieche gerade aus dem Loch als Annemarie den Niedergang hoch kommt und nach hinten schaut. Da ruft sie „ein Frachter ist hinter uns“. Ich dreh mich um und tatsächlich ist ein Containerschiff hinter uns und der Kurs sieht für mich doch etwas, na sagen wir mal, nah aus. Ich lasse sofort den Motor an und weiche nach Bb aus.

weg-nach-brasilien-040.jpg

Ganz schön nah

Der Frachter hat uns aber gesehen, da die Brückenbesatzung raus kam und zu uns herüber schaute. Das Ding von der „MAERSK LINE“ fuhr in einem ungefährlichen, aber für uns doch sehr nahen Abstand von ca. 200-300m vorbei. Zehn Minuten später war er im Dunst verschwunden und nicht mehr zu sehen. Es war Tag, 18:00 Uhr UTC. Und ich schlafe Nachts wenn es geht…

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