31.03.2009

16. März 2009

Neunzehnter Tag auf See  ETMAL 98,2nm

So wie der Tag endete, begann die Nacht. Die Squalls ließen erst mal nach und es war kaum Wind. Wir verzogen uns in den Salon und machten Abendessen. Großen Hunger hatte keiner von uns und so gab es auch nur Schokoladensuppe bzw. ganz weichen Pudding. Annemarie war ziemlich müde und legte sich gleich hin und ich folgte ihrem Beispiel. Doch mir war gar nicht so recht wohl da doch noch einige schwarze Wolken am Himmel standen. Also nahm ich mein Kopfkissen und meine Decke und legte mich ins Cockpit. Der Jockel zickte auch mal wieder und so war es gut dass ich direkt daneben war. Sobald er aus dem Ruder lief, brauchte ich nur von meinem Schlafplatz aus das Steuerrad zu drehen um ihn wieder auf Kurs zu bringen. Das ging ein paar Stunden ganz gut. Ich schlief gerade ein als unsere Lady einen regelrechten Bocksprung machte und anfing zu spurten. Erst dachte ich mir endlich etwas mehr Wind, so an die 15kn, vorher war fast Flaute nur 5-6kn. Das war allerdings nicht alles. Eine Böe mit 30kn riss mich aus der Lethargie. Ich machte einen Sprung ans Ruder und schaltete den Automaten aus. Dann gings lustig zur Sache. Der Wind frischte auf bis 25knund in den Spitzen auf 30kn. Die stärkste Böe brachte es schließlich auf 35kn. Da war Schluss mit lustig. Auch deshalb, weil es anfing zu regnen. Ich jagte Annemarie aus der Koje und warf die Kissen aus dem Cockpit in den Salon. Ich hatte nur ein T-Shirt an, das war etwas wenig. Annemarie brachte die Öljacke und meine Gummistiefel. Die sind rutschfest bei nassem Boden. Mit allerlei Verrenkungen gelang es mir, mich an zu ziehen ohne das Steuerrad los zu lassen. Schließlich habe ich es dann doch geschafft.

Plötzlich gab es einen Schlag wie ein Kanonenschuss. Der Wind machte mit voller Kraft eine Drehung und kam für ca. 10 Sekunden aus der entgegengesetzten Richtung und drückte die Segel back.

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Ich rief Annemarie zu: „Schnell mach die Deckbeleuchtung an. Ich muss die Segel sehen können.“ Der Schlag wiederholte sich und der Wind drehte wieder auf die alte Richtung.Dann kam noch dazu, dass es erst regnete, dann schüttete und dann war nur noch Wasser. Ich weiß nicht ob ich so einen Regen schon mal erlebt habe. Das ganze Spiel dauerte etwa eine Stunde. Das muss ein Monstersquall gewesen sein. Gesehen habe ich in dieser Nacht nichts, es gab nur Schwärze. Es war so dunkel, man konnte auch nach dem Regen keinen Horizont erkennen. Danach war völlige Flaute und wir standen fast auf der Stelle. So blieb ich natürlich die ganze Nacht am Ruder. Zweimal hat man mich noch richtig begossen. Die haben wohl keine Ahnung, dass das bei mir nichts mehr nützt, ich wachse nicht mehr.

Für den heutigen Tag sieht es ganz gut aus. So an die 10-15kn Wind aus Ost und schönes Wetter.Die Wolken sind alle friedlich, keine Squalls in Sicht. So ist es fast ein Genusssegeln. Mal sehen wie es in der kommenden Nacht aussieht.

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