31.03.2009

26. März 2009

Neunundzwanzigster Tag auf See ETMAL 67,0nm

Das war der bisher schrecklichste Tag bzw. Nacht seit der Abfahrt von Lanzarote. Die Genua, die ja wegen der defekten Rollanlage um das Vorstag gewickelt ist, hat sich zum Teil gelöst und schlägt unvorstellbar heftig und zerrt am Vorstag Ich habe keine Möglichkeit dieses zu befestigen. Der Wind hat aufgefrischt auf bis zu 18kn. Genau der Wind den wir uns immer gewünscht haben zum vorwärts kommen. Jetzt wo er am Segel und am Schiff nur Schaden anrichtet ist er da. Das Vorstag schlägt so stark und biegt sich unter der Wucht des schlagenden Segels so durch und rüttelt an den Beschlägen im Top und am Bugspriet, dass jeden Augenblick etwas brechen kann. Und das dann bei stockfinsterer Nacht. Die Situation ist gefährlich. An segeln ist kaum zu denken, da durch das Schlagen und Rütteln kaum Kurs zu halten ist. Das ganz Schiff vibriert als würde es in einer Rüttelmaschine stecken. Ich warte wirklich jeden Augenblick auf den großen Knall und das Vorstag kommt runter und fällt ins Wasser. Vorsichtshalber habe ich es schon mit mehreren Tauen gesichert, so dass ich es im Notfall wieder aus dem Wasser ziehen kann. Und die Nacht geht und geht einfach nicht vorbei. Als sie aber dann schließlich und endlich doch vorbei ist, sehe ich die Genua zerrissen und flatternd im Wind hängen, der auf 12kn nachgelassen hat. Tiefe Verzweiflung packt mich. In diesem Moment weiß ich einfach nicht wie ich diese Lage meistern soll. Das Segel weiter so schlagen lassen geht auf keinen Fall. Bis jetzt hält das Vorstag noch, ich muss es nicht herausfordern. Ich nehme ein Fall und wickle es sehr sehr mühsam von oben nach unten um das Segel. Das ist nicht leicht und auch nicht ganz ungefährlich. Ich stehe wacklig ganz vorne und ungesichert auf dem Bugspriet. Ich kann mich nicht sichern, da ich sonst bei diesem Wust von Segeltuch und bereits vorhandenen Sicherungstauen nicht arbeiten kann. Ich würde mich eher darin verfangen als dass es mir hilft. Also Balanceakt über Balanceakt bei schwankendem und eintauchendem Bugspriet. Am Ende ging dann doch alles gut und ich habe die zerrissene Genua eingefangen und fixiert. Ist das eine herrlich Ruhe. Nichts vibriert, nichts wackelt, nichts schlägt. Wir haben die Lage wieder zu 100% im Griff. Nun hoffe ich, dass wir ohne weitere Umstände endlich in Salvador ankommen. Das waren wirklich genug Abenteuer und im Moment habe keinen Bedarf an weiteren.

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