Heute ist ein Feiertag, die Geschäfte sind geschlossen. Es ist der Tag der Schutzheiligen der Fischer. Genau wie in Lanzarote werden auch hier die Boote geschmückt und fahren in einer Prozession aufs Meer hinaus wo sie Blumen „opfern“. Dann werden Boote und Menschen gesegnet und kehren zurück in den Hafen. Das wollen wir uns ansehen, müssen aber so an die 3 km laufen um an den Ort des Geschehens zu kommen. Wir sind fast am Ortsrand als mir einfällt, dass ich die geliehene Kamera auf dem Boot vergessen habe. Ich will doch unbedingt Bilder machen. Ich sage zu Annemarie dass sie hier warten soll und ich schnell zurück laufe um den Foto zu holen. Gerade als ich den Steg zurück gehe kommen mir ein Mann und eine Frau entgegen und sie spricht mich auf deutsch an. Sie sagt mir, dass sie im Moment in Rio Grande in einem Hotel wohnen und dass sie dort von mir bzw. uns erfahren hat. Der Hotelbesitzer hätte ihr von dem TV-Bericht erzählt. Daraufhin beschlossen sie uns zu besuchen. Finde ich ja toll, obwohl Rio Grande eine Großstadt ist sprechen sich solche Dinge wohl doch schnell herum. Sie erzählte mir, dass wirklich fast jeder dort diese Story kennt. Dass wir sozusagen hier „gestrandet“ sind, die Reparaturen sehr teuer sind und wir doch kaum Geld hätten. Na, so habe ich es dem Fernsehen nicht erzählt, auch nicht der Zeitung aber das ist es was sie daraus gemacht haben. So dumm ist es am Ende allerdings dann auch nicht, denn wir bekommen jetzt noch mehr Fisch, Krebse und Meeresfrüchte geschenkt als vorher. Als ich gestern den Strand entlang lief, saß ein Mann vor seinem Haus und sprach mich an. Er hätte die Zeitung gelesen und er sei ja auch in Sichtweite meiner „Barca“ und kenne die ganze Geschichte. Er fragte wann denn alles repariert wäre, wann es weiter geht und wohin. So stand ich ihm dann eben Rede und Antwort. Plötzlich gibt er mir zu verstehen dass ich ihm ins Haus folgen solle, das er mir voll Stolz zeigt. Ebenso den Garten dahinter. Plötzlich fängt er an einige Stauden Salat abzuschneiden, dann einen ganzen Haufen mir unbekannter Blätter. Scheint so was zu sein wie Kohl aber eben nur einzelne Blätter mit Stiel. Hat Annemarie dann auch so zubereitet schmeckt herrlich. Sein besonderer Stolz sind seine Weintrauben von denen er mir eine ganze Plastiktüte voll schenkt. Mir scheint so langsam bekommen wir hier schon so was wie einen lokalen Bekanntheitsgrad. Man merkt es wirklich wenn wir auf der Straße gehen oder beim Einkaufen sind. Früher haben wir die Leute als erste gegrüßt heute geht das gar nicht mehr, denn die beeilen sich wirklich dass sie als erste grüßen und dann so als würden wir uns kennen.Gestern war ich zwei Stunden im Internet und brauchte nur eine zu bezahlen. Trotzdem glaube ich es wird langsam Zeit von hier weg zu kommen. Ich will dieses wirklich schöne und nette Verhältnis nicht zu sehr strapazieren. So wie ich es sehe wird es aber bestimmt Ende Februar werden.
Jetzt bin ich ganz davon abgekommen was ich eigentlich erzählen wollte. Also die beiden die mich angesprochen haben, Angelica und Olek, sie Malerin (macht ab und zu, wenn sie in Deutschland ist Ausstellungen ihrer Gemälde) und er Arzt, zwei sehr interessante Menschen.
Alt aber Zuverlässig von Alaska bis zur Südspitze Südamerikas
Es sind wirklich reiselustige Abenteurer. Er hat sein Haus verkauft und das Geld als Grundstock genommen, um sein Leben zu finanzieren. Die beiden bereisen die Welt, nicht wie wir mit dem Schiff, sondern mit dem Auto. Wenn es ihnen irgendwo gefällt mieten sie sich ein Haus oder eine Wohnung und bleiben dort so lange sie Lust haben bzw. es möglich ist, bevor sie ihre Reise fortsetzen. Sie haben sich vorgenommen von der nördlichsten Stadt Amerikas (irgendwo in Alaska) bis zur südlichsten Stadt Amerikas (Ushuhaia in Argentinien – fast am Kap Hoorn) zu fahren. Jetzt sind sie auf der Rückreise und haben in Rio Grande Station gemacht wo sie dann auf uns gestoßen sind.
Das Nötigste wird in ihrem Kombi mitgeführt und so fahren sie durch die Lande und erleben mindestens genau so viele Abenteuer wie wir. Ihr Auto, ein „Amerikaner“, nicht gerade das neueste Modell, dafür aber zuverlässig und geräumig, hat schon 500.000 km auf dem Buckel.Die Probleme die unterwegs zu überwinden sind (vor allem behördliche) sind zum Teil um einiges größer als die der Segler.
Für Segler gibt es (meistens) klare Vorschriften über das Einklarieren wenn man in ein Land einreist. Das gibt es auf dem Landweg auch aber dort ist es nicht alltäglich dass jemand aus einem weit entfernten Land oder einem anderen Kontinent kommt und oft weiß der Beamte an der Grenze dann nicht wie er die Sache behandeln soll. Jedenfalls haben sie alle Probleme gemeistert.
Alles dabei was man so braucht
In USA zugelssenes Nummernschild
In einigen Tagen werden wir uns wieder treffen und Erfahrungen austauschen über Land, Leute und Abenteuer. Ich freue mich schon darauf.
Olek und Angelica bei uns zu Besuch
Hier noch die Links zu den Zeitungen in denen ein Bericht über uns erschienen ist. Vielleicht kann jemand portugiesisch. Ich hab es bisher bis auf ein paar Brocken noch nicht geschafft:-)
http://wp.clicrbs.com.br/rumosdosul/2010/01/28/os-visitantes-acidentais/?topo=77,1,1
