Mein Bugspriet. Immer noch nicht gerichtet aber irgendwann muss ich die Sache mal angehen. Vom Verursacher des Schadens, bzw. dem Eigner des Fischerbootes, habe ich damals als ich versuchte mit ihm einig zu werden eine klare Abfuhr erhalten. Also ließ ich das ganze mal auf sich beruhen. Mit den Fischern hier am Steg bin ich schon lange gut Freund und wir tauschen so manche „wichtige“ Information miteinander aus. Dass immer wieder mein Bugspriet zur Rede kommt liegt eigentlich nicht an mir, sondern es wird immer wieder gefragt wann er gerichtet wird. Meine Antwort ist immer die gleiche: würde sich der Verursacher, wie beim ersten mal ausgemacht, an sein Versprechen halten, dann wäre alles schon repariert. Derjenige der damals am Steuer stand hat mir die Reparatur zugesagt, jedoch der Eigentümer, wie vorher schon erwähnt, hat es abgelehnt. Aber weiter im Text. Immer wieder raten mir die Fischer zur Capitania zu gehen und dort eine Anzeige zu machen. Ist ja alles schön und gut aber mit meinem „perfekten“ portugiesisch, das ich selbst kaum verstehe, kann ich keinen Staat machen, geschweige denn eine Anzeige formulieren. Aus dem Grund habe ich bis jetzt diesbezüglich nichts unternommen. Da kommt mir der Zufall zu Hilfe. Vor einigen Tagen spricht mich ein „farbiger“ Brasilianer an. Er gehe hier öfter zum Baden und hätte unser Boot gesehen und dass es eine deutsche Flagge habe. Sein Bruder sei in Deutschland in Stuttgart und würde dort arbeiten. Er verdiene gut und es gefällt ihm sehr, wenn es ginge würde er am liebsten immer dort bleiben usw. usw. Wir unterhalten uns bestimmt über eine Stunde lang. Er spricht recht gut englisch. Ich genieße es, mich mit einem Einheimischen zu unterhalten ohne dass ich Hände und Füße gebrauchen muss. Dabei erfahre ich, dass er bei der Marine ist, die z.B. auch die Guarda Costiera(Küstenwache) stellt. Da gehe ich direkt auf mein Ziel zu. Ich erzähle ihm vom Ärger mit dem Bugspriet, wie alles gekommen ist und wie mich der Eigner des Fischkutters sozusagen als blöden Ausländer abgekanzelt hat. Ich brauche gar nichts weiter zu sagen, denn der Vorschlag kam von Karlos (mit K nicht mit C), so heißt mein neuer Freund. Das ist kein Problem meint er, das könne er ganz schnell regeln. Sein Freund bei der Capitania in Rio Grande kann da helfen. Also fahren wir am nächsten Tag nach Rio Grande und werden bei der Capitania vorstellig. Wenn ich da an Deutschland denke wie bei so einer Sache der „Dienstweg“ aussieht so habe ich dafür nur ein müdes Lächeln übrig, denn jetzt käme da Schreibarbeit und Stempel und weiß Gott noch alles, nur damit dem „Herrn“ mitgeteilt werden kann, dass eine Anzeige gegen ihn vorliegt und er sich dazu äußern solle.
Streitpunkt gebrochener Bugspriet
In meinem Fall (ob das sonst auch so üblich ist weiß ich nicht) meint der Angesprochene: „Eigner der Yasmim I, von dem haben wir die Telefonnummer, das werde ich gleich regeln“. Gesagt, getan, schon hat er ihn an der Strippe. Er erklärt ihm worum es geht und fragt ob er bezahlen will. Natürlich lehnt er ab. Er meint sogar, dass ich an diesem Platz nichts zu suchen hätte, da es der Steg für die Fischer sei. Nun reicht es „unserem“ Mann. Er gibt ihm unmissverständlich zu verstehen, dass diese Barca do Velo (Segelboot) dort mit Genehmigung der Capitania so lange liegen kann bis alle Reparaturen durchgeführt sind und wenn er nicht sofort eine Zusage gibt den Schaden zu begleichen würde er andere Maßnahmen ergreifen. Das sitzt! Die Zusage wird gegeben. Mit einem Lächeln und dem Zeichen Daumen nach oben unterbricht der Beamte die Verbindung. Zum Abschied gibt er mir noch zu verstehen,dass, falls es noch weitere Schwierigkeiten mit dem Eigner geben sollte, ich mich wieder melden solle. Das ist ein Erfolg auf der ganzen Linie und ich freue mich mindestens genau so, wie ich damals beim persönlichen Gespräch mit dem Eigner Wut empfand.
Ich persönlich glaube, dass der Beamte so schnell und unkonventionell gehandelt hat, lag bestimmt daran, dass einmal sozusagen von Amt zu Amt gesprochen wurde und zum anderen, meines Erachtens nach der größere Grund, dass es von „Farbig zu Farbig“ geschah. Ich glaube, wäre ich mit einem „Gringo“ (so nennen sie hier die Weißen) gekommen, hätte es nicht so gut geklappt. Aber ich betone nochmal: Ich glaube das, ob es dann auch wirklich so gewesen wäre kann ich nicht sagen.
