3.03.2010

01. März 2010

Die ganze letzte Woche hatten wir „schlechtes“ Wetter. Der Wind ging so aber die Temperaturen, sie lagen so um die 18°C, was für diese Jahreszeit kalt ist. Klar, wir haben schon März, was im äquivalent nördlich des Äquators September entspricht. Also war das schon mal ein herbstlicher Vorbote. Für uns zwar schlecht, denn uns war schon zu kalt, für die Umwelt, respektive dem Fluss in dem wir liegen, war es eine kleine Erholungspause. Jetzt wo es wieder warm ist, ist diese Pause auch vorbei. Große Teppiche mit (toxischen) Grünalgen werden vom Fluss angeschwemmt und vernichten fast alles Leben im Wasser. Sie verbrauchen den ganzen Sauerstoff und die toten Fische werden zu Hunderten am Strand angespült, was den Badegästen anscheinend nicht viel ausmacht. Der Badebetrieb geht lustig weiter, dann macht man eben einen Bogen um die toten Fische. Stinken tun sie nicht, dafür sind sie noch zu frisch. Keine Zeitung, kein Fernsehen oder sonstige Medien berichten darüber. Das ist eben so, das kannten unsere Väter auch schon. Warum sollen wir uns darüber aufregen. Alle die ich bisher gefragt habe, wo die Algen denn her kommen, bekomme ich zur Antwort: vom Fluss. Ja, das schon aber was ist die Ursache? Dafür gibt es nur ein Schulterzucken. Die Frage ob es etwas mit Chemie bzw. der Chemieindustrie zu tun hat wird mit „nao Industria“ vehemenent abgestritten. Das kommt eben vom Fluss. Was meinen Wissensstand anbelangt, kommen Grünalgen von Überdüngung. Das ist auch hier die Ursache. Nicht hier an der Mündung liegt der Grund des Übels, sondern im Hinterland. Dort wird jede Menge gedüngt, der (viele) Regen schwemmt den Dünger aus und es wird von neuem gedüngt usw. Dass Tenside und Dünger das Wachstum der Grünalgen fördert ist eigentlich weithin bekannt. Aber nicht nur die Landwirtschaft hat daran Schuld, auch der „Hausgebrauch“ hat daran seinen Anteil. In Städten ist es etwas anderes aber auf den Dörfern wird das Ab und Waschwasser z.T. sogar von den Toiletten einfach ins freie gespült, das läuft dann als stinkende Brühe im Straßengraben bis es versickert oder in einen Bach läuft. Das allerdings kann man den Leuten nicht vorwerfen. Was sollen sie auch tun, wenn die Gemeinden kaum für die Entsorgung und Klärung der Abwässer sorgt? Sie könnten Sickergruben bauen, was hier allerdings unbekannt ist. Es ist nicht nur das Abwasserproblem, der Umweltgedanke scheint hier in den Urwald verbannt, was so auch nicht stimmen kann, denn der wird abgeholzt. In der Stadt, zumindest in Rio Grande gibt es sogar Abfalleimer zur Mülltrennung. Doch was nützt es, wenn trotzdem die Zeitung, die Cola Dose, der Plastikbeutel, da hingeworfen wird wo er gerade geleert wurde. Es würde hier niemand (vielleicht mit ganz wenigen Ausnahmen, siehe leere Abfalleimer) einfallen zwanzig Meter zum nächsten Mülleimer zu laufen und dann womöglich noch in die entgegengesetzte Richtung. Fallen lassen ist viel einfacher und haben wir immer schon so gemacht. Es wird schon etwas, meist von Schwarzen, davon eingesammelt und sortiert. Aber das geschieht aus Eigennutz. Denn der sortierte Müll, vor allem Dosen (Aluminium), wird bei einer Entsorgungsstelle verkauft.

Ich gehe bei uns im Dorf spazieren und denke mir, aha da kommt wohl in den nächsten Tagen der Sperrmüll. Überall liegen in Abständen von einigen hundert Metern alte Möbel, Bretter, kaputte Fernseher usw. Einige Tage später sehe ich die „Sperrmüllbeseitigung“. Wird der Haufen zu groß, dann zündet ihn irgend jemand an und räuchert damit ganze Teile des Dorfes ein. Interessiert niemanden, denn Tage später brennt dann einige hundert Meter weiter ein anderer Haufen. Sind nur noch Reste und Asche übrig, dann gibt es wieder neuen Platz für neuen Müll. Auch eine Art seinen Müll zu entsorgen. Zu Gute halten muss man der Gemeinde jedoch, dass sie zumindest eine Hausmüllentsorgung, also das was so alles in eine normale Plastik-Einkaufstüte passt, regelmäßig entsorgt wird. Dazu gibt es vor jedem Haus eine auf Stelzen stehende Kiste oder der Länge nach aufgeschnittene Öl oder Plastiktonne (auf Stelzen damit keine Hunde, Katzen oder andere Tiere dran kommen), auf der „LIXO“ (Müll) steht.

Umweltbewusstsein zu wecken muss eigentlich von „oben“ von der Politik kommen. Es reicht nicht, nur fünf oder sechs verschiedenfarbige Tonnen aufzustellen und zu sagen, na dann macht mal. Umweltbewusstsein zu wecken beginnt schon im Kindergarten, dann in der Grund und Hauptschule usw. Das Problem ist nur, das was nicht gelehrt wird, kann man auch nicht lernen. Es stimmt schon, die Politiker haben hier (vermeintlich) wichtigere Probleme zu lösen als die der Müllbeseitigung, doch wenn sie dann darin ersticken ist es zu spät.

Ich will aufhören zu meckern, trotzdem bin ich der Meinung man soll nicht alles durch die rosarote Brille sehen. Ich bin zwar Gast hier aber ein wenig kritisch sein darf man trotzdem. Oder?

Im Anschluss ein Link mit Bildern die ich nicht kommentiere, da sie, wie ich meine für sich selbst sprechen. Die Bilder wurden am Vormittag aufgenommen als nur wenige Badegäste anwesend waren. Nach 12:00 Uhr kommt der große Andrang, trotz Algen und toter Fische.

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The show must go on, Umweltprobleme interessieren nicht, es sei denn man kann sie vermarkten

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