12.07.2010

Immer noch in Brasilien

12.07.2010

Lange ist Stille über meine Berichte gezogen und ich habe nichts mehr von mir hören bzw. lesen lassen. Aber was soll ich auch viel berichten. Es ist in dieser langen Zeit eigentlich nicht wirklich Berichtenswertes geschehen. Die Reparaturen, so weit sie am Steg durchgeführt werden konnten sind abgeschlossen. Was jetzt noch zu tun ist, wie das ausgehängte Ruder wieder in die dafür vorgesehene Halterung zu stecken, den reparierten Bugspriet wieder anzubauen, die deformierte Reling zu reparieren bzw. zu erneuern, das Boot komplett entrosten, grundieren und neue Farbe aufbringen, sowie das komplette Antifouling (spezieller Unterwasseranstrich gegen Bewuchs) neu aufzubringen sind Arbeiten, die nur in der Werft gemacht werden können, denn zu den meisten Tätigkeiten muss das Schiff an Land stehen. Das ist dann schon das nächste Problem. Seit Anfang Juni versuchen wir hier in der Werft einen Platz zu bekommen. Wir werden von Woche zu Woche und dann von einem Monat auf den anderen vertröstet. Immer heißt es, nein, die Plätze sind von Fischerbooten belegt. Nun eine neue Variante, das Wetter war so schlecht, durch den vielen Regen konnte nicht gearbeitet werden und es hat sich verzögert. Nun wurden wir vertröstet auf die zweite Julihälfte. Mal sehen ob es dann endlich klappt. Der Aufenthalt in der Werft, da wir alle Arbeiten selbst durchführen wollen, wird wohl so an die zwei Monate dauern, was so viel heißt, wie dass wir erst Ende September, Anfang Oktober Brasilien in Richtung Uruguay verlassen können.

Was ist sonst noch so alles passiert in dieser langen Zeit. Das Problem mit dem kaputten Wechselrichter besteht immer noch, d.h. Ich habe bzw. hatte bis vor kurzem, keine 220 Volt an Bord und konnte meinen Laptop nicht betreiben. Nun habe ich mir einen kleinen mit Benzinmotor betriebenen Generator zugelegt. Einen DC-DC Wandler der mir den Strom von 12 auf 16 Volt für das Notebook umwandelt gibt es hier nicht und das Teil welches ich mir aus Deutschland habe schicken lassen war als Neuteil schon defekt. Der neue Generator, er bekam den Namen „Knatterton“ arbeitet so wie sein Name laut aber zuverlässig. Annemarie kann jetzt wieder ihre Küchengeräte wie Handmixer, Thermomix usw. benutzen und ebenfalls den Staubsauger. Ist schon bequem so was.

So geht mit dem Warten ein ereignisloser Tag nach dem anderen vorbei. Ziemlich nutzlos und langweilig. Abgesehen von der Fußball WM gibt es nichts aufregendes. Ändern können wir dabei nichts. Da wir sozusagen ein Notfall sind haben wir eine Sondergenehmigung der Policia Federal (Einwanderungsbehörde und Bundespolizei) uns bis zum Ende der Reparaturen im Land aufzuhalten, jedoch ist es uns untersagt wie Touristen durchs Land zu reisen oder gar das Land vor dem Ende der Reparaturen zu verlassen. Das heißt, das Land könnten wir schon verlassen aber die dann folgende Einreise um an unser Schiff zu kommen wäre dann nicht mehr möglich. Also bleiben wir hier und schlagen die Zeit tot bis wir einen Platz in der Werft bekommen.

Eine (unangenehme) Begebenheit , die sich sozusagen hinter den Kulissen abspielte möchte ich dann doch noch zum Besten geben. Diejenigen welche mit spanischen Behörden schon mal zu tun hatten werden mir bei dieser Geschichte nachfühlen können. Ein großer Teil des Verhaltens kommt aus der spanischen (kanarischen) Mentalität und wir müssen eben damit leben.

Also, wie jedes Jahr verlangt die spanische Rentenversicherung (habe schließlich dort 10 Jahre einbezahlt) von mir eine „Lebensbescheinigung“. So weit so gut, ich muss eine solche auch jährlich bei der deutschen Versicherung abgeben. In Deutschland wie in Spanien heißt das dass eine Bescheinigung von einer „offiziellen“ Stelle wie z.B. Polizei, Rathaus, Post, Bank usw. sein muss. Was in Deutschland als offiziell gilt, wird auch in Spanien so sein. In Spanien ja, aber wenn man außerhalb ist? Weit gefehlt wie ich schnell bemerkte. Die erste Bestätigung, die ich vom evangelischen Pfarramt in Rio Grande bekam (wird in Deutschland anerkannt) wurde abgelehnt. Diese Mitteilung bekam ich aber erst nachdem ich länger als vier Wochen auf eine Antwort gewartet habe. Dazu noch schnell gesagt, dass für die Aufforderung und die Abgabe dieser Bescheinigung die Bank zuständig ist, bei der man das Konto hat. In meinem Fall die Banca… na ist auch egal. Jedenfalls wurde ich über die Ablehnung der Bescheinigung nicht informiert. Auf meine Frage von wem ich diese ausstellen lassen solle, wieder die Antwort natürlich von eine offiziellen Stelle. Was ist eine offizielle Stelle? Natürlich Banken, Polizei ,Rathäuser… Auf die Frage ob denn eine Notar eine offizielle Stelle sei, hieß es, ja natürlich wenn er eine Zulassung besitzt. So ein Blödsinn dachte ich mir noch, welcher Notar arbeitet ohne Zulassung. Ich also los zum Notar, die Bescheinigung ausstellen lassen. Auf meine Bitte hin setzte er auch die Daten über seine Zulassung auf das Blatt. Endlich dachte ich, habe ich was ich brauche. Dadurch, dass ich keine Rückmeldung bekam und sich alles nun furchtbar in die Länge zog, hat man mir das spanische Konto einfach gesperrt, obwohl noch Geld drauf ist welches nicht von der Rentenversicherung stammt. Aber dagegen unternimm mal was wenn du nicht vor Ort bist. Bei den vielen Anrufen die ich von hier aus getätigt habe wurde ich immer abgewiesen, die zuständige Person sei im Moment gerade im Gespräch mit einem Kunden, sie ist nicht da oder rufen sie in zwei Stunden wieder an. Das war die Frechheit schlechthin, da wäre es auf den Kanaren bereits vier Uhr gewesen und die Banken schließen dort bereits um zwei Uhr!

Also die nächste Bescheinigung vom Notar ist nun ebenfalls mehr als drei Wochen unterwegs und ich habe noch nichts davon gehört. Anruf bei der Bank. Ergebnis siehe oben. Daraufhin verständigte ich einen Freund in Lanzarote der für mich nachfragen sollte. Siehe da, die Dame hatte plötzlich Zeit . Klar, sie wusste ja nicht worum es geht. Dieser Freund bekam nun die Antwort, dass die Bescheinigung schon einige Zeit vorläge, jedoch nicht anerkannt werde, da die Zulassung des Notars in von Den Haag sein müsse. Das ist doch der Hammer. Erstens welcher brasilianische Notar hat eine europäische Zulassung und zweitens, warum hat man mir das nicht gleich gesagt? Als nächster Punkt, wie schon vorher, die Bescheinigung liegt vor, wird nicht anerkannt und ich werde nicht verständigt und das Konto bleibt weiterhin gesperrt. Endlich hatte ich mal das Glück, vermutlich wusste die Dame nicht wer ich bin und hat mich einfach weiterverbunden, mit der zuständigen Person zu reden. Da erfuhr ich nun, es wird nur eine Bescheinigung des Konsulats anerkannt und nichts anderes. Danke, das genügt. Das nächste Konsulat befindet sich in Porto Alegre und das sind immerhin 700 km hin und zurück Aber es bleibt mir nichts anderes übrig als dort hin zu fahren. Nach einem stressigen Tag der mich eine spanische Monatsrente kostete, war ich wieder zurück und im Besitz einer Lebensbescheinigun. Diese per Einschreiben wieder an meine Bank gesendet mit der Hoffnung, dass die Kontosperre aufgehoben wird und alles in Butter ist. Da habe ich allerdings die Rechnung ohne den spanischen Wirt gemacht. Nach weiteren vier Wochen, wie üblich habe ich über den Empfang der Bescheinigung nichts gehört, rufe ich bei der Bank an. Da erfahre ich, wie kann es anders sein „nein die Bescheinigung kann nicht anerkannt werden, denn anerkannt wird die Bescheinigung nur von einem spanischen Konsulat!! Hat man da noch Worte? Jeden Wurm muss man denen extra aus der Nase ziehen. Als deutscher gehe ich natürlich auf ein deutsches Konsulat. Seit wann werden die Konsulate untereinander nicht mehr anerkannt? Und das nennt sich dann Europa! Bin neugierig wie es mal aussieht wenn ich irgendwo bin wo es kein spanisches Konsulat gibt. Vermutlich sind die der Meinung dass Rentner zu Hause bleiben sollen, dann haben sie die Probleme nicht. Also machte ich mich ein weiteres mal auf den 700 km langen Weg nach Porto Alegre, womit auch die zweite spanische Monatsrente beim Busunternehmen liegen gelassen wurde. Die Bescheinigung des spanischen Konsulats ist nun seit zwei Wochen unterwegs und ich habe noch keine Nachricht. Vermutlich muss ich wieder anrufen um nachzufragen was denn jetzt los ist. Mal sehen wie es weiter geht. Der ganze Mist zieht sich nun schon über ein halbes Jahr hin. Das Konto ist immer noch gesperrt. Nur gut, dass ich mit der deutschen Versicherung diese Probleme nicht habe, die haben nämlich die Bescheinigung des evangelischen Pfarramtes anerkannt.

Etwas Gutes kann zumindest Annemarie der Sache abgewinnen. Durch die viele Zeit die wir jetzt haben produziert sie selber gemachtes Sauerkraut, was übrigens hervorragend schmeckt und veredelt den hier wirklich geschmacklosen Käse zu einer guten und wohlschmeckenden Brotauflage. Gekeimte Linsen verwandelt sie zu „Leberwurst“. Dabei jagt sie die Linsen durch den Mixer und gibt verschiedene Kräuter dazu wodurch es schmeckt und aussieht wie Leberstreichwurst aber eben vegetarisch. Sollte jemand Interesse an der „Käseveredelung“ oder am Rezept für Sauerkraut (ganz einfach und unklompliziert)oder der „Leberwurst“ haben, so genügt eine Anfrage über E-Mail. Diese Rezepte sind besonders geeignet für (natürlich auch für alle anderen) Leute die unterwegs sind und solche Gelüste verspüren wie wir.

Vielleicht hört sich der Bericht doch etwas negativ an. So schlimm ist es allerdings nicht. Meistens hört es sich schlimmer an als es am Ende dann ist. Dass es allerdings ärgerlich ist dürfte klar sein. Deshalb möchte ich zum Schluss noch von einem Ereignis berichten, das doch recht angenehm und für uns schmeichelhaft war. Als wir letzte Woche in Rio Grande waren, wir kauften schon mal Farben und andere Dinge, die wir dann später, wenn wir in der Werft sind brauchen. Der Verkäufer merkte sofort dass wir Ausländer sind (ist auch nicht schwer zu erkennen) :-). Nachdem unsere Nationalität feststand sah er uns an und meinte: „ach ihr seid doch die Deutschen die im Fernsehen waren“. Ich bestätigte es ihm, was zur Folge hatte, dass ich unsere Geschichte zum …ten mal erzählen musste. Was ich inzwischen schon ohne stocken und stottern kann.Aus einem Mix aus spanisch und portugiesisch zwar aber verständlich. Das passierte mir in einem anderen Geschäft ebenfalls. Ist doch toll obwohl der Bericht bereits ein halbes Jahr her ist. Es ist bewundernswert, dass die Leute immer noch so viel Anteilnahme zeigen. Die Fischer ebenfalls, denn wir bekamen gestern mal wieder einen ganzen Schwung Fische geschenkt.

Es ist einige Tage her, es war Nacht als es bei uns neben dem Boot klatschte als würde jemand ins Wasser springen. Neugierig geworden standen wir auf, um nachzusehen. Erst sah ich gar nichts, sondern hörte es weiterhin unter dem Steg platschen. Dann sahen wir es. Es waren so an die drei oder vier Fischottern die um unser Boot schwammen und Fische fingen. Wir sahen entzückt dem Treiben zu, bis die Ottern genug hatten und wieder verschwanden. Dass gegen Abend und auch zum Teil Tags über die Reiher bei uns am Steg sitzen gehört schon fast zur Routine und man beobachtet sie nur „am Rande“. Delphine und Seelöwen sind fast jeden Tag zu beobachten und sind Hauptakteure in unserem „Wassertheater“.

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