19.07.2010

Kolibris und anderes „Getier“

 

14.07.2010

Ich sitze im Salon unseres Bootes und schreibe diesen Bericht. Was soll ich auch anderes tun. Zum arbeiten ist es viel zu kalt. Wir sind mitten im Winter und müssen einen Schwung südpolare Kaltluft über uns ergehen lassen. Anders ausgedrückt es ist saukalt die Tageshöchsttemperaturen liegen bei 8°C und sacken nachts ab auf 0-2°C. Das alles sind für uns kältgewohnten Deutschen keine Temperaturen. Nur der Unterschied zu Deutschland liegt darin, dass hier die Häuser keine Heizung besitzen und nebenbei so undicht sind, da jede Isolierung fehlt, dass, und das ist keine Übertreibung, der Wind quer durch die Wohnungen weht. Diese haben dann fast Außentemperaturen. Mit dicken Pullovern und Anoraks sitzen die Leute am Mittagstisch und löffeln ihre heiße Suppe. Bei uns auf dem Boot, das ebenfalls keine Heizung besitzt, sieht es doch ein wenig besser aus. Wir haben einen Backofen und der wird als Heizung missbraucht, was wunderbar klappt. So haben wir wenigstens so an die 14-17° im Salon. Nachts haben wir gute Decken und Schlafsäcke. Was mich dabei wundert, ist, wie das die Tier und Pflanzenwelt so wegsteckt. Die Fauna und Flora ist doch überwiegend tropisch oder zumindest subtropisch. Es gibt hier viel Papageien, Bitschebü (heißen wirklich so, werden nur anders geschrieben), Quero-Quero (schreien so wie sie heißen, ebenso wie der Bitschebü) und andere Tropenvögel, vor allen Dingen jede Menge verschiedene Arten von Kolibris. Das sind die liebenswertesten Vögel. Bei unserem Freund Luis, dem wir Felix, den von Annemarie mit der Flasche aufgezogenen Hund, geschenkt haben (siehe Bericht vom 20.02.2010)hat in seinem Garten eine „Futterstelle“ für Kolibris aufgehängt. Das ist ein durchsichtiger Plastikbehälter, der mit Zuckerwasser (Nektar) gefüllt ist und an dem rundum (Plastik) Blüten angebracht sind mit einer nadelfeinen Öffnung. Nun kommen die kleinen Piepmätze und saugen im Flug die „Blüten“ aus. Es ist einfach herrlich das zu sehen. Die kleinsten die wir gesehen haben sind so groß wie etwa ein Maikäfer und die größten erreichen etwa die Größe eines Zaunkönigs. Ich habe versucht die Vögel bei der Tränke zu fotografieren, was mir bis jetzt nicht gelungen ist. Sie sind unheimlich schnell und bewegen sich ungefähr so wie Libellen. Mit einem Ruck sind sie auf der linken Seite und bis man in Position gegangen ist sind sie schon wieder auf der anderen Seite. Versucht mal eine Libelle, wie sie über dem Wasser schwebt, zu fotografieren. Verfolgt man die kleinen Kolibris mit den Augen, kein Problem, aber durch den Sucher bzw. noch schlimmer, auf dem Display einer Digitalkamera, ist das fast unmöglich. Trotzdem gebe ich nicht auf und werde es weiterhin versuchen, vielleicht habe ich Glück. Wenn nur diese Kälte nicht wäre. Die einzigen die sich bei diesen Temperaturen so richtig wohl fühlen sind die Seelöwen. Fast täglich können wir beobachten wie zwei, ein kleiner und ein alter, von Kämpfen mit Narben gezeichneter Bulle, sich vor unserem Boot im Wasser aalen und ihre Spielchen treiben. Erst kommt die Nase aus dem Wasser, dann ein Schnauben, danach dreht er sich auf den Rücken, taucht weg und kommt an einer nicht vermuteten Stelle wieder hoch. Dann ein Schnauben, danach dreht er sich auf den Rücken… Am interessantesten ist es ihnen bei der Jagd zuzuschauen. Wenn sie einen Fisch gefangen haben, welche hier in der Lagune erstaunlich groß sind, tauchen sie auf und schlagen ihn erst mal aufs Wasser, dann wird er mehr oder weniger hoch in die Luft geschmissen, aufgefangen und vertilgt. Die allgegenwärtigen Möwen warten nur darauf dass mal wieder ein „fliegender“ Fisch durch die Luft saust um ihn sich zu schnappen. Pech ist nur, die „Dinger“ sind für sie ein paar Nummern zu groß. Hier „wohnen“ nur die Bullen, die Weibchen sind etliche hundert Meilen weiter südlich. Im Dezember-Januar wandern die Bullen zur Paarung nach Süden und kommen dann wieder zurück. Mit „Kindergarten und Co.“ haben sie nichts zu tun, das übernehmen alleine die „Weiber“. Mann, haben die ein schönes Leben :-). Nach getaner „Arbeit“ ziehen sie wieder gen Norden und liegen dann den ganzen Winter über faul in der Sonne, wenn sie nicht gerade auf Jagd sind. Die Einfahrt der Lagune ist auf beiden Seiten mit einem mehreren Kilometer langen Wellenbrecher gesäumt. Dieser besteht aus großen riesigen Steinquadern und aus den ineinander verkeilten Betonwellenbrechern. Diese haben schöne glatte und große Flächen auf denen sich die Seelöwen tummeln. Die „Naturwellenbrecher“ werden kategorisch abgelehnt. So was nennt man dekadent.

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Seelöwenbulle

Das ist allerdings noch nicht alles was hier so an „Viechern“ zu beobachten sich lohnt. Es gibt Wasserschweine (Hydrochaeris hydrochaeris), mit der brasilianischen Bezeichnung Capivara, welche unter strengen Naturschutz stehen. Selbst haben wir sie leider noch nicht gesehen. Die Brasilianer darauf angesprochen sagen alle übereinstimmend: „ja, die gibt es hier, schmecken sehr gut…“

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Quero Quero

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Mittagspause

Aber was wir schon gesehen habe und häufig vorkommt, das ist der große weiße Reiher (Casmerodius albus), Garça branca grande, wie er hier genannt wird. Stolz steigt er durch die Sumpfwiesen und sucht sich sein Futter um es anschließend in den Büschen sitzend zu verdauen. Ebenfalls zu beobachten sind die Kormorane (Egretta thula ?), wie sie auf Büschen oder Bäumen sitzend, ihre ausgebreiteten Flügel trocknen oder wenn sie beim schwimmen nur noch mit dem Hals aus dem Wasser schauen und es aussieht als würden sie jeden Moment untergehen. Allenthalben zu sehen sind die hier sogenannten Tachã (Chauna torquata) ob es eine entsprechende deutsche Bezeichnung gibt ist mir nicht bekannt. Sie haben dunkles Gefieder ähnlich dem eines Truthahns aber mit dem Körperbau etwa einer Gans. Der Hals ist weiß mit einem schwarzen Halsband. Sie erreichen eine Größe von 85 cm. Sie sind nicht sehr scheu und lassen sich gut beobachten. Gäste, nur zur Winterzeit hier, sind Schwäne lateinische Bezeichnung ist Cygnus melandocoryphus, eine Art die es in Europa nicht gibt. Sie sehen eben aus wie weiße Schwäne(klar, sonst wären sie keine:-)) mit dem Unterschied, dass sie einen schwarzen Hals und einen schwarzen Schnabel haben auf dem ein roter gut sichtbarer Höcker sitzt, zu vergleichen mit dem eines Truthahns, nur größer und dicker. Leider konnten wir diese schönen Tiere noch nicht beobachten. Vielleicht haben wir noch das Glück.

Eine ganze Menge anderer Sumpf und Wasserbewohner, hauptsächlich Vögel gibt es, die mir aber leider unbekannt sind. Was der Freude am Beobachten allerdings keinen Abbruch tut.

Ich werde jetzt den Bericht beenden, mich mit meinem Fotoapparat bewaffnen und versuchen die kleinen Kolibris auf „Platte“ zu bannen. Aber erst gibt es was zu essen und vor allen Dingen gibt es einen heißen Tee zu trinken, den wir noch aus Deutschland bekommen haben. Hier gibt’s nur Matè was absolut nicht unserem Verständnis für Tee entspricht.

Noch eine Anmerkung. Ich habe ein neues Album mit Bildern aus der Umgebung ins Netz gesetzt. Wer es sehen will klickt den folgenden Link an: http://picasaweb.google.de/OutofRosenheim/BarraUndUmgebung#

Viel Spaß

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