21.08.2010

15. August 2010

Ich soll mal wieder was schreiben, wurde ich verschiedentlich angemahnt. Man weiß ja gar nicht mehr was mit Euch da so alles los ist, hieß es in den Mails. Ist ja alles schön und gut, Problem dabei ist nur, dass wir schon so lange hier sind und eine Routine eingekehrt ist, die bereits ausgefahrenen Gleisen gleicht. Ist vielleicht damit zu vergleichen, wenn man verlangen würde von einem der morgens aufsteht, zur Arbeit fährt, täglich die gleiche Arbeit verrichtet, abends nach Hause kommt, nach dem Essen vor dem Fernseher sitzt bis er einschläft, ins Bett geht und am nächsten Tag wieder aufsteht, er solle daraus eine spannende Geschichte schreiben.

Vielleicht sollte ich erzählen warum wir immer noch hier sind.

Es ist Mai und wir kümmern uns um einen Platz in der Werft, es müssen umfangreiche Arbeiten am Unter und Überwasserschiff gemacht werden. Es heißt, jetzt noch nicht aber im Juni. Im Juni rufen wir wieder an, doch wir werden auf Juli vertröstet. Im Juli endlich, denken wir, werden wir in die Werft können, denn die Fischerboote sind fast alle weg. Denkste! Wir bekommen, ohne Angabe irgendwelcher Gründe, eine glatte Absage. Wir sind geschockt, denn man hat uns regelrecht 2½ Monate unserer Zeit geklaut. Den Plan nach Uruguay zu segeln müssen wir begraben, denn es wird wegen des Wetters zu spät und es fangen langsam die Frühjahrsstürme an, danach gibt es unbeständiges Sommerwetter mit viel Wind und eine Fahrt in Richtung Norden ist erst wieder im (Süd) Herbst möglich. So lange wollen wir doch nicht bleiben. Aber weiter im Text. Nach der Absage, es ist Anfang August, bemühen wir uns sofort um eine andere Werft. Was wir bekommen sind Absagen mit der Begründung es sei alles voll. Was aber ganz und gar nicht stimmt, ich bin doch nicht blind. Zwei Boote aus dem Wasser und jede Menge Platz für weitere. Die nächste Werft hat aber wirklich keinen Platz und die Zeit drängt immer mehr. Gonzalo unser Freund macht eine Werft ausfindig die uns nehmen will. Allerdings zieht es sich auch wieder. Wir warten nun schon eine Woche darauf, dass der Inhaber der Werft wie versprochen zu uns kommt, um zu verhandeln. Heute ist Sonntag der 15. August, der Tag fast vorbei und von dem Herrn weit und breit nichts zu sehen trotz des Versprechens heute zu kommen. Mal sehen wie es weitergeht. Sollte dies wieder nichts werden bleibt uns als letzte Möglichkeit einen Taucher zu bestellen. Denn geht es nur darum, das kaputte Ruder unter Wasser zu richten evtl. zu schweißen. Den genauen Schaden haben wir selbst noch nicht gesehen. Gonzalo ist davon gar nicht begeistert, da er sagt er möchte sehen was da gemacht wird und traut der Sache nicht so ganz. Er meint eine evtl. schlechte Arbeit kann sehr gefährlich werden falls das Ruder unterwegs doch wieder aus dem Lager springen sollte. Und wenn er dem Taucher nicht traut, dann hat er wohl seine Gründe dafür. Einmal war dieser Taucher schon hier und hat uns für 20 Minuten 100 Rial (ca. 50 EU) abgeknöpft und konnte keine genaue Angabe über den Schaden machen.

Eine etwas nettere und zum Schmunzeln einladende Geschichte war eine unserer letzten Busfahrten nach Rio Grande die wir noch bezahlen mussten. Annemarie hat nur großes Geld und der Schaffner kann nicht rausgeben. Er wartet bis er mehr Geld eingenommen hat, was aber fast am Ende der Fahrt immer noch nicht passiert ist. Plötzlich fährt der Bus rechts ran, der Schaffner rennt aus dem Bus in eine Tankstelle. Er kommt grinsend zurück mit dem gewechselten Schein in der Hand und gibt Annemarie das Wechselgeld. Das war, wie gesagt eine unserer letzten bezahlten Fahrten, denn jetzt profitieren wir von den brasilianischen Sozialgesetzen. Ich bin Rentner und habe Anspruch die Nahverkehrsmittel unbegrenzt kostenlos zu benutzen und Annemarie hat ebenfalls das Recht durch eine Sondergenehmigung die wir bei den Verkehrsbetrieben bekamen. Normalerweise muss man von der Beantragung bis zur Aushändigung des Ausweises eine Woche warten. Jedoch war der Beamte so freundlich uns alles sofort auszuhändigen und hat sich dabei entschuldigt, dass es so lange gedauert hat.

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Schlepperkapitän mit Crew

Da sind auch noch unsere Freunde von den verschiedenen Schleppern, die die großen Schiffe rein und raus schleppen und an den Kai bugsieren um die Ladung zu löschen. Wenn sie hier sind zum tanken, halten wir immer einen kleinen Schwatz. Die Tankzeit dauert immer mehrere Stunden. Es braucht eben seine Zeit bis 8000 – 10000 Liter aus dem Zapfhahn laufen. In dieser Zeit werden Annemarie und ich fast jedes mal eingeladen auf ihrem Boot Kaffee zu trinken. Einmal habe ich sogar 2 Gallonen weiße Farbe für unser Boot geschenkt bekommen, mit Führung durchs gesamte Schiff einschließlich Motorraum, welchen ich am interessantesten fand. Zwei dicke Motoren mit mehreren tausend PS und einem Verbrauch pro Motor von 50-70 Liter/Std. Ist schon beeindruckend. Die Brücke ist es allerdings nicht minder. Steuerrad, was ist das? So was findet man auf dem ganzen „Dampfer“ nicht, denn der Schlepper wird über Joystick manövriert.

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Unsere Freunde von Atlas und Antares

Was ist sonst noch so passiert? Ach ja, vor einigen Tagen hatten wir mal wieder schweres Wetter mit 45 Knoten (ca 80 km/h) Wind. Es war sehr ungemütlich. Annemarie hat fluchtartig das Boot verlassen und ist nach Rio Grande gefahren, ist ja jetzt kostenlos 🙂 . Ich blieb auf dem Boot, denn bei so einem Wetter lässt man es nicht alleine. Der Sturm dauerte von morgens fünf Uhr etwa 12 Stunden und ging dann in der Nacht auf 35 Knoten (ca. 65 km/h) zurück. Diesmal aber habe ich mit etlichen Festmachern von insgesamt 26! Strängen das Boot gesichert. 1.jpg

Gut gesichert

Der Sturm war bereits eine Woche vorher in den GribFiles angekündigt, die ich mir fast täglich vom Internet downloade und ich deshalb gut vorbereitet war.

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Der Sturm, noch nicht ganz am Höhepunkt

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Am Nachbarsteg

Mehr gibt es im Moment nicht. Doch Stopp! Ganz wichtig:Annemarie kocht Hühnersuppe für unsere kommende Fahrt nach Norden, die sie in Gläsern einmacht.

Und ich bedanke mich bei all den Lesern die mir bisher die Treue gehalten und die mich bei Sailinx so weit nach vorne gebracht haben. Es darf wieder geklickt werden unter http://www.sailinx.de/online-logb-cher-c-34.html 🙂 Danke!

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