3.10.2010

01. Oktober 2010

Schon ist der nächste Monat, sprich Oktober ins Land gekommen und bei uns bzw. am Boot ist so viel wie nichts passiert. Meine anfängliche Freude, dass unsere Lady endlich an Land kann ist schnell verflogen, denn nun hat man mir mitgeteilt, dass der Kran nur für acht Tonnen zugelassen ist und es deshalb nicht möglich ist das Boot an Land zu stellen. Da frage ich mich wirklich ob es denn hier keine kompetenten Leute gibt, die einem eine verbindliche Auskunft geben können. Das Büro bestätigt mir, dass das Schiff an Land gehoben werden kann, der Kranführer sagt acht Tonnen und kein Kilo mehr. Die einzige Möglichkeit wäre, so der Kranführer, das Heck so weit anzuheben, dass man an den Schaft des Ruders kommt um es abzuschneiden. Immerhin wäre dann das Ruder schon mal aus dem Wasser.

Am nächsten Tag ist es dann so weit. Die Gurte werden um den Rumpf gelegt und das Boot am Heck angehoben. Es wird so stark gehoben, dass der Bug unter Wasser getaucht ist. Es sieht aus wie die Titanic kurz bevor sie für immer verschwand. Ein grässlicher Anblick. Der Taucher kommt und schneidet das Ruder mit einem Schneidbrenner ab. Ich sage ihm noch, dass er den Schaft mindestens 10 cm oberhalb des Ruders abschneiden soll um ihn dort später, wenn das Ruder gerichtet ist, wieder anzuschweißen. Was macht er? Er trennt mit einem Schneidbrenner den Schaft genau auf dem Ruder. Dieser Knallkopf. Und dann so schlecht, dass nun ein zusammenschweißen nur unter erheblichen Zeitaufwand möglich ist. Es muss nun ein Flansch angebracht werden um den Schaft mit dem Ruder wieder zu verbinden. Es ist wirklich zum verzweifeln. Die Sicherungsmutter am Propeller hat er ebenfalls versaut, so dass ich eine Neue besorgen muss. Das ist nicht einfach eine 32iger Mutter, sondern eine ganz spezielle für Schiffsschrauben. Sie muss aus Messing sein und ich hoffe es gibt bei der Beschaffung keine zu großen Probleme.

Das Ruder liegt an Land und ich sehe es mir genauer an. Ich kann keinen Schaden feststellen. Dann aber sehe ich es. Das Ruder ist in sich verdreht. Ich hoffe nur, dass ich jemanden finde der so etwas richten kann.

Einen neuen Freund haben wir auch wieder kennen gelernt. Er heißt Erwin, ist deutsch stämmiger Argentinier, dessen Großeltern aus Danzig stammen und nach Südamerika auswanderten. Er spricht perfekt Deutsch, Spanisch und Portugiesisch, ist 76 Jahre und noch so fit, dass er alleine mit seiner Segelyacht Nomade unterwegs ist. Er hat uns hier sehr viel geholfen.Ebenso viel hat uns geholfen und hilft uns immer noch Fabian, der hier im Yachtclub ein Geschäft für Segelzubehör betreibt. Fabian will für uns versuchen bei der Marina einen besseren Preis zu erlangen, da er der Meinung ist, dass der Preis den wir hier bezahlen gut ist für Charterschiffe, nicht aber für Leute die länger hier bleiben. Außerdem will er versuchen einen Autokran zu  vernünftigen Konditionen zu bekommen. Sollten beide Versuche fehlschlagen, so hat er bereits  mit einer anderen Marina Verbindung aufgenommen bei der einem „Landgang“ unserer Lady nichts mehr im Wege steht. Diese Marina ist in Pelotas ca. 20 Meilen flussaufwärts von hier.Dass das Schiff unbedingt an Land muss haben wir jetzt festgestellt, denn große Teile des Unterwasseranstrichs sind abgeblättert. Das in Salvador aufgetragene Antifouling taugt nichts, hat sich mit dem Untergrund nicht vertragen, trotz gegenteiliger Behauptung des Verkäufers. Wenn das Boot schon aus dem Wasser muss, auch oder gerade wegen des Ruders, das nur an Land wieder eingebaut werden kann, werden wir dem Schiff einen komplett neuen Anstrich verpassen. Geschätzte Zeit ca. 4 Wochen. Erst aber müssen wir noch abwarten wie es weiter geht ob wir hier bleiben oder nach Pelotas geschleppt werden müssen. Schon wieder mal heißt es warten. Warten auf dies, warten auf jenes, warten, warten, warten. Das geht einem schon ganz schön auf die Nerven.

Was uns ebenfalls auf die Nerven geht, ist, dass man uns an einen Stellplatz gebracht hat, der bei Ebbe nicht immer genügend Wassertiefe hat. So sitzen wir am Grund auf und das Boot bekommt Schlagseite. Um noch größere Schlagseite zu verhindern haben wir es mit zwei Balken abgestützt. Gott sei Dank neigt sich das Schiff nicht so weit, dass wir aus den Betten fallen. Jedenfalls ist es weder lustig noch bequem.

schieflage.JPG

Schieflage“

Wer kennt das nicht, man freut sich auf das essen, jedoch plötzlich fehlt eine entscheidende Zugabe, sei es ein kaltes Bier, ein wohltemperierter Wein oder sonst etwas Entscheidendes.Die Enttäuschung ist groß und alles schmeckt nur noch halb so gut. So geht es mir immer wenn wir Brotzeit machen oder eine der hier guten Würste essen. Zu einer guten Wurst, sei es Bratwurst, Leberstreichwurst oder eine andere Leckerei gehört natürlich ein guter Senf. Und schon haben wir das Problem. Nämlich das was man hier Senf nennt ist nur eine senffarbene Mehlpampe und schmeckt nach gar nichts. Das vermiest mir dann schon den ganzen Genuss. Da meint Annemarie wenn wir schon keinen Senf haben, dann machen wir uns einen. Sogleich nimmt Annemarie ihre Proviantbibel zur Hand, ein Buch für Segler und Leute die gerne vieles selber machen angefangen vom Einkochen bis zum haltbar machen von Fisch, Fleisch usw., und sucht nach einem Rezept für Senf (Rezept s.u.). Dieses ist schnell gefunden und der Senf auch bald fertig. Ich bin überrascht, das haut mich glatt von den Socken. Das Teil schmeckt so gut, ich könnte ihn Löffelweise essen. Er riecht und schmeckt wie ein süßer Hausmachersenf, mit dem kleinen Unterschied dass er pikant ist. Wer es nicht so scharf mag, der muss den Senf ca. 2 Wochen stehen lassen, dann verliert sich die Schärfe. Dieser Senf ist gut geeignet z.B. für Weißwurst. Aber da haben wir schon wieder ein Problem, denn die gibt es hier bestimmt nicht 🙂

Hier das Rezept:

50g gelbe Senfkörner

30g Essig 3,5%

40g Wasser

5g Salz

15g rohen Honig (Ersatzweise Zucker)

Alle Zutaten in einen Topf geben und gut durchmischen.

Fein gemahlene Senfkörner ergeben eine Paste wie wir sie kennen. Lässt man sie etwas gröber sieht der Senf aus wie der bayrische süße Senf. Private Meinung: bei groben Körnern kommt das Aroma besser zur Geltung. Vor dem Verzehr mindestens zwei Tage stehen lassen (Aroma).

Nun werde ich in die Stadt gehen und meine Berichte abschicken. Das Internet hier im Club ist zwar kostenlos, dafür funktioniert es aber auch nicht. Es geht doch nichts über einen reibungslosen Ablauf. 🙂

Hinterlasse einen Kommentar

Dein Kommentar:

Kategorien