3.10.2010

21. September 2010

(Evtl. Bilder zu den Berichten werden später eingefügt, irgendwie klappt das derzeit nicht. Anm. d. Redaktion)

Diesmal muss ich mich erst mal bei allen treuen Lesern recht herzlich bedanken vor allem aber auch bei den „Klickern“, die so fleißig bei Sailinx auf die Taste drücken,so dass nun die Seite der Out of Rosenheim doch mit einem ganz schönen Vorsprung vor der so lange „führenden Seite“ steht. So kleine Dinge bereiten doch immer wieder Freude und es richtet einen moralisch auf. Man ist nicht alleine, denn man weiß, dass andere an der Sache teilnehmen, wenn auch „nur“ per Internet.

Was ist nun in der Zeit seit meinem letzten Bericht so alles passiert? Da es wie es scheint, es bei uns nur Maxime gibt, ist es diesmal nicht anders. Die Taucher waren einige male hier und versuchten sich am Ruder. Die Bemühungen führten leider zu keinem befriedigendem Ergebnis. So teilen sie mir mit, dass es unumgänglich wäre das Boot nach Rio Grande in den alten Hafen zu schleppen, denn dort stünden die nötigen Geräte zur Verfügung. Das jedoch ist leider leichter gesagt als getan. Wie ich dorthin komme ist natürlich mein Problem. Der gute Gonzalo bietet sich sogleich an alles zu organisieren. Ist ja schön, leider sagt mir da meine Erfahrung, dass er zwar guten Willens ist, aber in dieser Richtung außer Vertröstungen auf einen späteren Zeitpunkt noch nicht viel auf die Beine gestellt hat. Natürlich sage ich ihm zu und dass, wenn er was erreicht hat Bescheid geben soll. Nun verlassen wir uns natürlich, die Umstände haben es uns gelehrt, am besten auf uns selbst. Annemarie und ich fahren zum Yacht Club Rio Grande um Auskünfte einzuholen. Vorher allerdings suchten wir noch eine Werft auf, die uns Freunde empfohlen haben. Natürlich können wir dort unser Boot an Land ziehen aber leider ist es aus technischen Gründen im Moment nicht möglich aber wenn wir uns im Oktober oder später nochmal melden würden… Wir sind es Leid immer den selben Käse zu hören, deshalb auf zum Yacht Club. Bevor wir allerdings den Weg nach Rio Grande antreten muss der Taucher hier nochmal antanzen, denn er hat beim letzten mal das Ruder nicht wieder richtig befestigt, so dass im derzeitigem Zustand ein schleppen nicht möglich ist. Das geht schnell, der Taucher ist auch sogleich zur Stelle und befestigt das Ruder. Am selben Tag noch fahren wir zum Yacht Club. Dort erfahren wir, dass die Auskunft, die wir im Januar bekamen gar nicht stimmte. Die Einfahrt ist nicht 1,30 m tief, sondern 1,50 m. Unsere Lady hat aber 1,80 m Tiefgang. Man erklärt uns, dies sei kein Problem, der Grund besteht aus lockerem Schlamm und sie ziehen uns da mit einem Motorboot durch. Das also ist schon mal geregelt. Der Kran macht uns etliche Sorgen, denn der trägt nur 10 Tonnen, wir aber haben 12. Es gibt hier eine Firma, die haben einen Autokran, dort könnte ich es mal versuchen. Ab in den Bus und die Firma besucht. Ja, sie haben einen Autokran und ja, sie können vom Gewicht her unser Boot aus dem Wasser heben. Freude steigt in uns auf, denn wir sehen uns dem Ziel schon erheblich näher. Ach ja, da ist ja noch was. Was kostet das denn? 3000 Rials für raus und 3000 Rials für rein, also 6000 Rials. Das sind umgerechnet 3000 Euro und somit ist das Thema abgehakt.

Also müssen wir als Alternative mit dem 10 Tonnen-Kran vorlieb nehmen, was für uns heißt, dass das Boot nur am Heck angehoben wird um so an das Ruder zu kommen. Das Pech bei der ganzen Sache ist nur, dass das Boot unbedingt einen neuen kompletten Anstrich braucht. So werden wir versuchen so viel wie möglich zu streichen, wie z.B. das Deck, das Sprayhood und alle Holzteile. Vielleicht gelingt es uns, den Rumpf oberhalb der Wasserlinie anzupinseln. Wir werden ja sehen. Für den Antifouling Anstrich müssen wir dann wohl oder übel in Salvador nochmal in die Werft.

Mit dem Yacht Club haben wir vereinbart, dass sie uns hier am Steg abholen und zur Marina schleppen. Natürlich, morgen um neun sind wir da. Wir hinterlassen eine Telefonnummer wo sie anrufen sollten, falls was dazwischen kommt. Nein, nein, das braucht es nicht, denn sie kommen auch ganz bestimmt. Ist ja gut, aber wir lassen die Nummer trotzdem da. Es wird Dienstag neun Uhr, keiner ist da. Die hat bestimmt gemeint, um neun Uhr fährt er von Rio Grande weg, also ist er so gegen 10:30 Uhr hier. Es wird elf Uhr, kein Marinero in Sicht. Annemarie geht zu unseren Freunden und lässt anrufen. Nein, heute nicht, es ist ja neblig. Wann dann? Kann ich nicht sagen, tönt es aus dem Telefon. Warum haben wir denen eigentlich eine Telefonnummer gegeben um uns zu verständigen wenn etwas dazwischen kommt. Was sagte die Dame gleich noch? Nein, nein sie kommen doch ganz bestimmt. Haben wohl vergessen Monat und Jahr anzugeben. Diesmal lassen wir aber nicht locker wir werden sie mit Anrufen löchern bis uns entweder abholen oder den Stecker rausziehen, weil sie so genervt sind.

Der Nebel hat sich gelichtet und wir werden anfangen sie zu nerven in dem wir gleich anrufen lassen. Heute kommen die bestimmt nicht, aber wie gesagt, abholen kommen oder genervt den Stecker ziehen…

Der Anruf hat natürlich nichts gebracht, habe ich auch nicht wirklich erwartet. Hier bei uns in Barra scheint die Sonne aber in Rio Grande liegt immer noch Nebel. Sagten sie zumindest am Telefon. Wann sie denn dann kommen war die nächste Frage. Tolle Antwort: wenn das Wetter passt. Da wird es an einem Tag neblig sein, am anderen regnen, dann wieder Wind…

Ich bin gerade auf dem Steg und denke mir, es wäre toll wenn Annemarie etwas Süßes wie z.B. Streuselkuchen machen würde. Mit solchen Sachen kann man guten Frustabbau betreiben. Was rieche ich? Kaffee und Kaiserschmarrn. Da habe ich wohl etwas laut gedacht 🙂

Draußen höre ich direkt am Schiff ein lautes prusten. Ach, die Seelöwenbullen sind wieder da. Wir stellen uns ins Cockpit und schauen zu wie zwei von ihnen ihre Kräfte im Spiel messen. Trotzdem geht es da ganz schön zur Sache. Aus solcher Nähe haben wir sie noch nie gesehen, zwei Meter vom uns entfernt. Das Spiel dauert etwa 20 Minuten und dann schwimmt einer weg, der andere bleibt noch da. Annemarie steigt auf den Steg als der Bulle den Kopf aus dem Wasser hebt und sie anschaut. Da versucht sie das brüllen der Bullen mit einem lauten „uuuaaaah“ nachzuahmen, als dieser das Maul aufreißt und richtig zornig zurück brüllt. Möchte nur wissen, was sie ihm da unanständiges an den Kopf geworfen hat.

Es sind zwei Tage vergangen ohne dass sich etwas geändert hat, weder vom Wetter, noch von unserer Situation. Heute morgen hat unser Freund bzw. seine Frau nochmal im Yacht Club angerufen. Das Ergebnis ist ja richtig toll. Plötzlich bekommen wir die Antwort, dass es nicht möglich ist uns abzuholen, denn sie hätten nur eine Schaluppe und die sei zu klein um unser Boot zu schleppen. Die Antwort auf die Frage ob sie denn kein größeres Boot hätten war ein klares nein. Verdammt nochmal, unser Boot hatte doch am Samstag als wir dort waren um alles klar zu machen auch schon 12 Tonnen, nicht erst heute. Wie auch immer, wir müssen eine andere Lösung finden und zwar schnell. Leider ist schnell ein Wort das hier nicht zum Sprachschatz gehört. Wie auch immer, versuchen müssen wir es. Maria, die Frau von unserem Freund Luiz sagt wir sollen mit zu ihr nach Hause kommen, denn Luiz hätte vielleicht eine Lösung unseres Problems. Na, dann wollen wir mal sehen. Luiz sagt uns, wir sollen mit Maria, seiner Frau, ein paar Stege weiter gehen um dort einen Fischer zu fragen, dessen Name ich nicht verstanden habe. Also dann mal los. Wir fragen uns durch, bis wir den gefunden haben den wir sprechen wollen. Ach, das ist ja das Fischerboot Grande Rio aus Rio Grande, die Besatzung und den Käpt´n kenne ich ja schon. Die Sache ist schnell geregelt und wir haben die Zusage, dass er uns nach Rio Grande schleppt. Je nachdem wie er mit der Arbeit fertig wird, entweder heute oder Morgen früh. Die Frage nach dem Preis beantwortet er mit: „ein Bier“. Also alles klar, abgemacht. Ich sause schon mal los um Bier einzukaufen. Ein Bier ist wohl etwas zu wenig, so besorge ich schon mal 16 Dosen denn „Sixpacks“ gibt es hier nicht, sondern nur „Aightpacks“. Also wieder mal eine Zusage, mal sehen was daraus wird. Etwas später sitzen wir trotz der Zusage ziemlich frustriert im Salon, denn das Ganze geht uns doch sehr auf die Nerven. Bisher hatten wir ja jede Menge Zusagen leider aber genau so viele Absagen.

So, nun dürft Ihr mal raten was daraus geworden ist. Habt Ihr es erraten? Ich glaube nicht, denn zwei Stunden später war das Boot da und holt uns ab. Im Zweierpack geht es mit mehr als sechs Knoten durch die Lagune in Richtung Rio Grande. Ich kann es gar nicht glauben. Der Taucher wird angerufen, um mit der Marina alles klarzumachen damit wir an der Einfahrt in Empfang genommen werden können. Für die Marina ist das Fischerboot mit seinem 650 PS Motor dann doch zu groß.

Annemarie ist schon mal mit Maria ihrer Freundin mit dem Bus voraus gefahren um eventuelle Probleme zu klären bis wir ankommen. Als wir ankommen wartet bereits die kleine Schaluppe und schleppt uns in die Marina. Endlich, Endlich hat wenigstens einmal etwas geklappt. Gleich gehen wir ins Büro und melden uns an. Vorher sehe ich noch meine Papiere durch und entdecke, dass in meinem Standerschein, das ist so was ähnliches wie beim Auto der KFZ Brief, dass dort nur ein Gewicht von 10 Tonnen eingetragen ist. Da springt mein Herz vor Freude. Gleich mache ich die Dame im Büro aufmerksam, dass ich mich getäuscht habe und mein Boot laut Dokument 10 und nicht 12 Tonnen hat. Somit steht einem „Landausflug“ unserer Lady eigentlich nichts mehr im Wege. Dieser ist für Montag versprochen und der Taucher kann das Ruder auf dem Trocknen reparieren. Dazu braucht man zwar keinen Taucher mehr, aber seine Arbeit ist erst beendet wenn das Ruder wieder eingebaut ist. So ist es jedenfalls abgemacht.

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