24.10.2010

12. Oktober 2010

Fabian unserem neuen Freund ist es gelungen über Beziehungen ein Unternehmen zu finden das uns für „nur“ 1000 Rials (ca. 500 EU) mit einem Autokran aus dem Wasser holt. Morgen ist es so weit und der Kran sollte um 9:00 Uhr hier sein.

Wir liegen immer noch am selben Platz. Inzwischen war das Wasser mal wieder so hoch, dass sich unsere Lady aufrichten konnte und nun steht sie wieder gerade. Jetzt aber haben wir Ebbe das Boot steht zwar aufrecht doch fehlen mindestens 40 cm Wasser unter dem Kiel und hat sich mit diesem in den Schlamm eingegraben.

Es ist Nacht so gegen 1:00 Uhr. Wind kommt auf. Plötzlich neigt sich das Boot und Annemarie kann nur mit Mühe verhindern, dass sie aus dem Bett fällt. Mit gehörigem Schreck und voll Angst verlässt sie eilig das Schiff und ist nicht mehr dazu zu bewegen zurückzukommen. Wir gehen beide in den Aufenthaltsraum des Yacht Clubs und versuchen dort auf den Sesseln zu schlafen. Das hat aber überhaupt keinen Sinn. Nach einiger Zeit kann ich Annemarie überreden wieder auf das Schiff zu kommen. Sie legt sich im Salon hin und klemmt sich zwischen Bank und Tisch so ein, dass sie schlafen kann.

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schräge Lady

Die Nacht und der Schlaf waren mehr als Bescheiden und wir stehen früh auf. Heute soll ja der Kran kommen und wir stecken im Schlamm fest. Als ich den „Platzwart“ erwische, der uns den Platz zugewiesen hat, obwohl ich ausdrücklich sagte er soll uns auf den alten Platz am Steg zurückbringen, habe ich ganz gehörige Wut im Bauch. Erst zeige ich auf das Boot und er kann sich ein geheimes Grinsen nicht verkneifen, was meine schlechte Laune noch steigert. Ich sage ihm, er solle uns von diesem Fleck wegbringen, worauf er meint, das geht nicht, denn das Boot steckt im Schlamm fest. Jetzt werde ich doch ziemlich laut und gebe ihm zu verstehen, dass gleich der Kran kommt und mich aus dem Wasser heben wird. Sollte das nicht möglich sein, weil das Boot so nicht gehoben werden kann, dann garantiere ich ihm, dass er die Rechnung für die Ausfallstunden des Krans aus seiner Tasche zahlen muss, dafür werde ich sorgen. Das macht ihn doch etwas betroffen und sein Grinsen verschwindet ganz schnell. Der Kran kommt und der „Platzwart“ saust wie ein Wiesel zum Kranführer und spricht mit ihm. Dieser meint dass das Boot in tieferes Wasser gezogen werden muss, damit die Gurte unter dem Kiel durchgezogen werden können. Das ist ein Problem, denn die haben hier kein Boot das dies schaffen würde. Da fällt mir etwas ein. Ich sage den Männern, die den Kran bedienen, sie könnten doch an Bug und Heck die Lenzöffnungen wie Henkel hernehmen und die Gurte dort mit Schäkel festmachen. Das tun sie dann auch und heben das Schiff an und Zentimeter für Zentimeter befördern sie es in tieferes Wasser bis es schwimmt. Das ist alles schnell beschrieben und erzählt, in Wirklichkeit aber dauert die ganze Aktion, bis das Boot auf dem Trocknen steht, ganze sechs Stunden.

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„missbrauchte“ Lenzöffnung

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Erster Versuch

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Es geht Aufwärts

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Landeanflug

Der Kranführer fragt mich, wie schwer denn das Boot wohl sei. 12 Tonnen vermute ich, ist meine Antwort. Er lächelt nur und sagt ich solle zu ihm zum Führerstand kommen. Er zeigt auf ein Instrument und mich haut es fast von den Socken. Das gibt es doch gar nicht. Ich glaube mich laust der Affe. Das Teil wiegt doch tatsächlich glatte 16 Tonnen. Dabei sind der Diesel und der Wassertank nicht mal halb voll. Die vollen Tanks machen ca. 350 Kilo (400 Liter)für Diesel und etwa 500 Kilo für Wasser aus.Der Tiefgang, den ich jetzt an Land nachgemessen habe, hat nach den Umbauten in Lanzarote ebenfalls zugenommen und zwar um zehn Zentimeter auf 1,90 Meter.

In mühevoller Arbeit haben wir erst mal das Unterwasserschiff mit einem Spachtel von den Pocken befreit. So etwas wie einen Hochdruckreiniger gibt es hier im Yacht Club leider nicht. Dann heißt es , ebenfalls von Hand und mit Spachtel den Rumpf von Farb bzw. Antifoulingresten zu befreien. Das wird sehr mühsam. Eine Leiter, um auf das Schiff zu kommen, kann ich mit Mühe organisieren, jedoch eine Staffelei oder noch besser ein Gerüst um am Boot zu arbeiten, das auch noch auf einem überaus hohen Wagen steht, kann ich hier nicht bekommen.

Am nächsten Tag, es ist Dienstag, kommt der Chef des Kranunternehmens und besucht uns. Wir unterhalten uns über dies und das und er zeigt mir auch sein Boot, das hier im Yacht Club steht. Dazu erzählt er mir eine erstaunliche Geschichte. Davon aber später. Annemarie fragt ihn ob er denn nicht eine Staffelei für uns hätte. Natürlich meint er, so was können wir von ihm haben. Wir fahren zu ihm in die Firma. Dort lässt er von seinen Leuten ein fahrbares Gerüst auf einen LKW laden und gibt mir auch gleich noch eine große Schleifmaschine mit den nötigen Schleifscheiben mit. Damit geht natürlich die Arbeit schneller und leichter. Das leichter kann man getrost vergessen, denn das Ding wiegt mindestens sechs Kilo. Ist es schon schwer genug damit an einer senkrechten Fläche zu arbeiten ist es doch viel mühevoller das dann über Kopf zu tun. Am Abend schmerzen mir meine Oberarme und der Rücken scheint abzubrechen. Dabei habe ich doch gerade etwas mehr als den Kiel bearbeitet. Unser Freund Gonzalo kommt mit einem Hochdruckreiniger an. Das ist ja Klasse. Da brauche ich den Schleifstaub nicht mit dem Wasserschlauch abwaschen. Todmüde und mit kaputten Knochen sinke ich abends ins Bett. Der erste Arbeitstag am Schiff ist beendet.

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Nach getaner Arbeit

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Ich bin so weit, wo ist der Patient?

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Es gibt viel zu tun, verschieben wir es auf Morgen

Nun zu der versprochenen Geschichte. Wie fange ich nur an. Am besten so, wie Geschichten eben anfangen mit es war einmal.

Also, es war einmal vor vielen Jahren eine Regatta. Und wie es bei Regatten eben so ist, will jeder gewinnen. Dazu muss man sehr schnell sein und man darf, trotz starken Windes auf keinen Fall die Segel reffen. So auch ein Teilnehmer dieser Regatta (übrigens ein Deutscher). Jedoch war in diesem Fall der Mast anderer Meinung und verabschiedete sich in dem er brach. Das Boot samt Mannschaft trieben nun Steuerlos im Meer. Da das alles relativ nahe an der Küste stattfand war Hilfe schnell zur Stelle und die Mannschaft abgeborgen. Das Boot jedoch wurde seinem Schicksal überlassen. Da der Wind auflandig war dauerte es auch nicht lange bis das Boot strandete und am Strand legen blieb. Der Sand, der Wind und das Wasser leisteten schnelle Arbeit und bald war das Boot im Sand verschwunden.

Fünfzehn Jahre später…

Paulo, das ist der Eigentümer des vorher beschriebenen Kranunternehmens, will eigentlich schon lange eine Segelyacht.Eine neue ist unerschwinglich, auch für einen Unternehmer wie ihn. Also denkt er z.B an einen Selbstbau. Das ist hier in Brasilien fast nicht möglich, denn alles muss importiert werden und bei 100% Zoll ist es uninteressant. Da hört er von der Geschichte mit dem Regattaboot das seit 15 Jahren irgendwo am Strand liegen soll. Freunde zeigen ihm die Stelle und das Boot ist schnell gefunden bild-1.JPG. Er zögerte nicht lange, holte einen Bagger aus seiner Firma und ließ graben bild-2.jpg. Starke Pumpen saugten Wasser und Sand aus dem Innerenbild-3.jpg. Nun noch Seile am Boot befestigt und mit dem Bagger angehoben bild-4.jpg und das Boot an den Strand gezogen bild-5.jpg. Nun steht es da und wartet dass es abgeholt wird bild-6.jpg. Eine erste Inspektion zeigt, dass es in noch sehr gutem Zustand ist bild-7.jpg Der nun stolze Besitzer und neue Eigentümer dieser schönen Yacht versichert mir, dass er im Inneren des Schiffes keine Holzteile, weder an der Einrichtung noch an den Türen, erneuern musste. Ich habe es gesehen, sieht aus wie neu. Einfach unglaublich. Nach vielen Arbeitsstunden und und nicht zu geringem finanziellen Aufwand sieht das Boot wirklich sehen lassen bild-8.jpg

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