12.11.2010

09. November 2010

Es sind nun schon einige Tage vergangen und wir, bzw. ich mühe mich redlich damit ab den Bootsrumpf von alten Farb und Muschelresten zu befreien. Annemarie kann nicht viel tun, denn sie hat keine Maschine und kann mit dem Spachtel nur am Kiel rumkratzen. Weiter oben am Rumpf geht sie mir nicht dran, denn da müsste sie auf die Leiter oder auf das inzwischen aufgestellte Gerüst steigen und bei beiden weigert sie sich. So arbeite ich in den nächsten Tagen mit mehr oder weniger großen Pausen. Das Wetter ist heiß und die Arbeit sehr anstrengend. Abends sammle ich meine Knochen ein und versuche zu schlafen was aber Rücken und Bandscheiben nicht so ohne weiteres zulassen. Ohne Medikamente geht da gar nichts mehr. Normal müsste man sich auskurieren, was nicht möglich ist, denn das Boot muss ja irgendwann mal fertig werden. Also morgens nach dem Frühstück gleich mal wieder zwei „Schmerzfrei-Bomben“ von beträchtlicher Wirkung reingehauen und die Arbeit geht weiter.

Es ist Sonntag und da machen wir auch unseren Laden zu. Annemarie versucht sich als Arzt und macht sich mit dem Buch „Medizin auf See“ von Dr. Meinhard Kohfahl, einem segelndem Arzt, schlau. Das Buch würde ich wirklich jedem Langzeitsegler empfehlen, möchte hier aber nicht näher darauf eingehen, es würde den Rahmen dieses Berichtes sprengen. So viel aber noch dazu. Genau das Problem, nämlich Überbeanspruchung und dadurch Verkrampfung des Rückens, wird in einem Kapitel behandelt, mit dem Ratschlag man solle dies durch ausgedehnte Spaziergänge ausgleichen. Macht riesig Spaß, wenn der Rücken eh weh tut und man dann noch gehen soll. Kostet schon eine ganze Menge Überwindung. Also fahren wir mit dem Bus nach Cassino, ein Ort direkt am Strand. Dort nehmen wir unsere Wanderung auf und latschen die ca. 8 km bis nach Barra. Erst tut der Rücken verdammt weh, dann aber, wenn alle Muskeln warm sind, werden sie weich und die Wanderung ist interessant. Wir reden dabei über Gott und die Welt, so dass wir gar nicht merken wie schnell die Zeit und die Kilometer vergehen

Nach einiger Zeit, ich habe nicht auf die Uhr geschaut, kommen wir in Barra an, d.h. an der kürzlich fertig gestellten Mole. Dort haben sie den Betrieb mit den „Segel – Loren“ wieder aufgenommen. Auf der Mole sind Schienen verlegt und mit Loren, die mit einem Segel bestückt sind, werden Leute bis zum Ende der Mole gefahren. Sind alle Loren angekommen, geht der Spaß Rückwärts und sie fahren zum Ausgangspunkt zurück. Bei schönem Wetter, wie heute, geht es hier zu wie auf einem Rummelplatz. Das ist hier in der Umgebung die Attraktion. Kein Wunder, denn mit Freizeitangeboten sind die hier mehr als sparsam.

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Segel – Lore

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raue See

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Stärkung muss sein

Hier angekommen gehen wir zur nächsten Bushaltestelle und fahren zurück nach Rio Grande. Wir steigen schon ziemlich früh aus, denn wir haben Spaß am Laufen gefunden und legen die restlichen vier Kilometer bis zum Yacht Club zu Fuß zurück. Über meine Rückenschmerzen kann ich an dieser Stelle nichts mehr berichten, denn die Verkrampfung hat sich gelöst, die Schmerzen sind weg. Oder kommt es nur daher, weil mir jetzt die Füße weh tun 🙂

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vom Winde verweht

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Schienenwanderung

Aber das, was mir Annemarie jetzt gesteht ist der absolute Hammer. Denn das was sie mir von wegen mit der Bewegung und so erzählt hat steht gar nicht im Buch. Hat sie nur so gesagt, weil sie meint, hätte sie nicht gesagt es würde im Buch stehen, dann hätte sie es sicher nicht geschafft mich vom Boot zu bewegen. Frauen!!!

Heute müssen wir mal wieder Einkaufen, nicht nur Lebensmittel, sondern auch neue Schleifscheiben um am Boot weiter arbeiten zu können. Vom Yacht Club in die Stadt ist es ein Weg von ca, 10 Minuten, je nachdem wo man hin will. Also gehen wir zu Fuß in Richtung Stadt und unterhalten uns sehr angeregt. Ein jüngeres Paar kommt uns entgegen, welches wir nicht besonders beachten. Wir sind gerade an ihnen vorbei als ich höre: „die sprechen deutsch“. Vollbremsung und umgedreht. Die beiden bleiben ebenfalls stehen. So kommen wir ins Gespräch. Es sind Wiener, sehr nette übrigens und sagen uns, dass sie mit ihrem Boot am Steg des Ozean Museums liegen, welches gleich um die Ecke des Yacht Clubs ist. Schnell haben wir was ausgemacht und treffen uns am Abend auf ihrem Boot, eine 42 Fuß Stahlyacht. Dabei werden natürlich Fragen gestellt und beantwortet mit dem woher und wohin, ach den kennt ihr auch, den haben wir dort und dort getroffen usw. Man möchte es nicht glauben, wie klein die Welt, besonders die des Seglers ist. Man trifft immer wieder neue Leute wo man dann feststellt, dass man gemeinsame Bekannte hat. Die „Segler – Familie“ ist durch die Bank sehr Kontakt und Mitteilungsfreudig. Und es ist auch schön wenn man erfährt wo sich der eine oder andere gemeinsame Bekannte gerade befindet und was er tut. Barbara und Christoph haben eine sehr gute Webseite. Ihr könnt sie unter www.sytaurus.com besuchen. Solltet mal nachsehen, rentiert sich wirklich.

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Barbara

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Christoph

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wieder mal ein Abschied

Es ist wieder mal Sonntag unsere „Arbeitsstelle“ ist geschlossen und wir machen nochmal die Wanderung wie letzte Woche von Cassino den Strand entlang nach Barra. Diesmal mit Barbara und Christoph. Die Sonne scheint und die Temperatur ist angenehm, nur es weht ein sehr starker Wind. Als wir am Strand anlangen können wir kaum was sehen, da der Wind uns den Sand in die Augen treibt. Glück für uns ist, dass wir bei der Strandwanderung den Wind von hinten bekommen und so es erträglich ist. Die Wellen schlagen hoch und Gischt wird von den Kämmen abgeweht. Der Sand wird aufgewirbelt und verleiht einem ein „Sahara-Feeling“. Teilweise kann man kaum noch was sehen, so staubt es. Wenn der Sand in Streifen über den Strand in Richtung Wasser geweht wird, sieht es aus wie wir es in unseren Breiten vom Winter her gewohnt sind wenn wir so richtig schönes Schneegestöber haben, nur dass es eben Sand ist. Es dauert nicht lange, da gesellen sich zwei Hunde zu uns, die uns tatsächlich bis Barra begleiten. Während der eine am Ende des Strandes umkehrt und zurück läuft, begleitet uns der andere doch tatsächlich immer noch. Wir gehen nach Barra und trinken ein paar kühle Bierchen in der Nähe des Stegs an dem wir so lange lagen. Die beiden „Steg-Hunde“, die von uns damals die Namen Molli und Casanova bekamen, erkannten uns sofort und es gibt ein gequietsche und gekreische seitens der beiden vor lauter Wiedersehensfreude, die aber nicht all zu lange anhält, wir mussten ja wieder zurück nach Rio Grande. Molli hatte, als wir noch da waren, zum zweiten mal geworfen. Vier Welpen. drei Männchen und ein Weibchen. Ein Männchen fiel damals am Steg ins Wasser und ertrank. Ich habe versucht es aus dem Wasser zu ziehen, ging aber nicht, denn das Wasser war zu niedrig und es fehlten ca. 20 Zentimeter um es vom Steg aus zu erreichen. Es schwamm in die verkehrte Richtung, nicht zum Strand sondern zum Fluss. Es war nichts zu machen. Was mit den beiden anderen Männchen war bzw. ist, weiß ich nicht, denn wir sehen nur noch ein Junges und das ist das Weibchen.

Am Schiff geht es so nach und nach vorwärts. Das Unterwasserschiff ist nun komplett abgeschliffen und es kann mit einem Epoxi-Primer grundiert werden. Da ist Annemarie am Zug. Mit Streicharbeiten habe ich nichts zu tun, da heißt es dann bei mir immer: „ich Ausländer, ich andere Baustelle“. Ist das nicht schön, andere arbeiten zu lassen? Muss Arbeit schön sein. Könnte stundenlang zusehen. Es geht dann auch ziemlich schnell und der erste Anstrich ist aufgebracht. Am nächsten Tag folgt dann der zweite. Dann hat Annemarie wieder Pause, denn ich muss nun das Überwasserschiff abschleifen und die Roststellen ausbessern. Der dritte Anstrich der Grundierung unter der Wasserlinie kommt erst, wenn die weiße Farbe und der blaue Streifen oberhalb der Wasserlinie angebracht sind. Klingt ein bisschen Umständlich, ist aber so. Denn wenn die Grundierung fertig ist, werden noch drei Schichten Antifouling (für Nicht-Segler: Unterwasser-Anstrich der den Bewuchs hemmen soll, leider hilft er in den meisten Fällen nur die Kassen der Hersteller zu füllen) aufgetragen. Dann muss aber das Boot nach maximal 24 Stunden im Wasser sein, da sonst die eh schon geringe Wirkung ganz verloren geht. Hat man in Deutschland mit diesen Farben schon seine Probleme, so taugen sie hier gar nichts und die Prozedur muss nach fünf Monaten bereits wiederholt werden. Also Schiff raus, abkratzen, altes Antifouling entfernen und neu auftragen. Hätte mir vielleicht doch lieber ein Wohnmobil kaufen sollen.

Mit den Wienern Barbara und Christoph verbringen wir noch einige schöne Tage, bevor wir Abschied nehmen und sie in Richtung Süden weiter segeln. Als nächstes Ziel werden sie wohl Mar de Plata in der Rio de La Plata Mündung anlaufen um dann weiter nach Ushuhaia und um das Kap Horn in den Pazifik zu segeln.Auf der Website von Freunden habe ich mal gelesen wir wären alle Weltmeister im Abschied nehmen. Das kann ich nur bestätigen.

Obwohl man sich nur kurz kennt, bleibt doch bei jedem Abschied für eine Zeit eine gewisse Leere zurück, die aber meistens schnell durch neue Bekanntschaften wieder ausgefüllt wird. So auch bei uns, denn wir lernen hier im Yacht Club Luiz aus Mozambique mit seiner brasilianischen Frau Marli kennen als wir sein wunderschönes Aluschiff bewundern. So kommen wir schnell ins Gespräch und erfahren, dass er in Zusammenarbeit mit der in Rio de Janairo ansässigen Werft Segelyachten konstruiert. Es sind die einzigen in Brasilien in Serie hergestellten Segelyachten. Dabei erzählt er mir, dass sie so wenig, am besten gar kein Material aus Brasilien verarbeiten, denn die zu bekommende Qualität der Bauteile wie z.B. Masten und anderes Zubehör reicht bei weitem nicht aus. Also wird alles eingeführt und mit bis zu 100% Zoll belegt. Was heißt, dass sich neue Yachten nur wirklich Reiche leisten können, was sich dann wiederum teilweise mit horrenden Preisen bei Ersatzteilen und Liegeplätzen niederschlägt. Das ist natürlich alles im Verhältnis zum Durchschnittseinkommen der Leute zu sehen. Ich höre schon die Protestschreie von manchen meiner Leser. Ich gebe ja zu, dass die im Yacht Club mit dem brasilianischen Durchschnittseinkommen wirklich nichts am Hut haben. Noch was zu den Preisen. Ich habe jetzt meinen eigenen Fotoapparat bekommen. Kann meinen „Leihapparat“ wieder an Gonzalo zurückgeben. Ich habe ein Sonderangebot, für 40€, das mir mein Sohn besorgt hat

Man freut sich schon, wenn man den gleichen Apparat im Schaufenster sieht aber nicht für 40 sondern für 350, nicht Reals sondern Euro.

Ein neues Boot mit englischer Flagge ist im Yacht Club angekommen, habe es nicht gesehen aber Annemarie hat es mir erzählt. Sie hat die Leute auch gleich angesprochen und zu ihrer Überraschung handelt es sich um Hans und Anneliese. Sie aus Innsbruck und er aus der ehemaligen DDR, hat aber bereits in den siebziger Jahren Erich und Konsorten den Rücken gekehrt und ihnen aus dem Westen den Stinkefinger gezeigt. Wir haben schnell alle zueinander Kontakt gefunden und verstehen uns prima. Anneliese ist, wie gesagt aus Innsbruck und ich bin fast vor ihrer Haustür, in Kiefersfelden, die ehemalige Grenzstation zu Tirol, aufgewachsen. Da hat man dann gleich viel zu erzählen und findet viele Gemeinsamkeiten.

Wie geht es nun an unserem Boot weiter? Also, die Farbarbeiten sind zwar noch nicht erledigt aber der Ablauf ist weitgehend geregelt. Problem macht nur noch das Ruder. Mithilfe von Luiz aus Mozanbique, der hier viele Leute kennt, ist ja schließlich mit einer Brasilianerin verheiratet, will mir jemand besorgen der in der Lage ist das Ruder zu richten. Es ist auch bald jemand gefunden der sich mir bzw. des Ruders annimmt. Er schaut sich die Sache an und er meint es müsse der komplette noch am Ruder verbliebene Schaft abgetrennt und ein neuer Schaft eingeschweißt werden. Dazu braucht er schon mal eine 2,70 Meter lange und 5 cm dicke Stahlstange aus Vollmaterial und meint kostet schon mal (umgerechnet) 150 € und die Arbeitszeit würde 1200 Rials betragen was eine Gesamtrechnung von (wieder umgerechnet) ca. 750 € ausmachen würde aber nur wenn es keine Komplikationen gibt. Da erhebt sich gleich die Frage, was läuft hier schon ohne Komplikationen? Für mich ist das eine Vorankündigung, dass die 750 € am Ende nicht ausreichen. Jetzt muss der sich erst noch den Tisch besorgen über den er mich ziehen will. Nein, Danke, der Deal ist geplatzt.

Ich wende mich mal wieder an Gonzalo, das dauert bei dem immer sehr lange aber dafür geht es meist preiswerter ab. Wir fahren zusammen zu einem Dreher der den zukünftigen Schaft bearbeiten soll und erkundigen uns bei einer Eisenwarenhandlung nach dem Preis für die „Eisenstange“. Nun kommen wir beim Material für den Schaft nur noch auf ca. 50 € und der Arbeitspreis, so meint Gonzalo, wird bestimmt nicht mehr als 250 € betragen, vielleicht noch weniger. Also wenn ich jetzt meine grauen Zellen zum arbeiten bringe, dann ist das so gesehen doch gleich mal… Moment ich rechne… also… jetzt hab ichs, eine ganze Menge weniger als 750 €. Jetzt wollen wir nur mal sehen wie lange es dauert bis alles so weit ist. Was mir dieses blöde Ruder bereits Nerven gekostet hat ist wirklich schauerlich. Die Ironie an der ganzen Sache ist, was wir jetzt festgestellt haben, dass es das alles nicht gebraucht hätte. Das Ruder ist leicht in sich verbogen, ja, aber es spielt keine Rolle, denn beim Segeln ist das Ruder eh immer in Bewegung, es ist ja nicht starr festgemacht und man fährt immer gerade aus. Die Inkompetenz des Tauchers hat mir den ganzen Schlamassel beschert. Dieser war nicht fähig das herausgesprungene Ruder wieder ins Lager einzusetzen. Hat erklärt, dass dies unmöglich sei und das Ruder müsse abgeschnitten werden. Dabei hätte das Lager nur abgeschraubt werden müssen, um es auf das Ende des Schafts zu stecken. Dann hätte man es wieder angeschraubt und das ganze wäre ok gewesen. Der Chef der Taucher hat gesehen welchen Mist die gemacht haben, deshalb ist er auch bis heute noch nicht da gewesen um mir die Rechnung zu bringen. Sollte er das wirklich tun, dann werde ich ihm erst mal eine Rechnung über 40 € präsentieren, denn so viel hat es mich gekostet eine neue Bronzemutter für die Schiffsschraube anfertigen zu lassen, die mir der Taucher ebenfalls versaut hat. Er hat die Mutter schräg aufgesetzt und mit Gewalt angedreht. Damit war dann das Gewinde der Bronzemutter versaut. Gott sei Dank ist die Schraubenwelle auf die er die Mutter geschraubt hat aus Edelstahl und der ist hart, denn sonst hätte ich wohl diese wegen eines versauten Gewindes auch noch erneuern müssen, falls ein Nachschneiden nicht funktioniert hätte. Das wäre bei Edelstahl sicher nicht so einfach gewesen.

Es ist Sonntag und wir haben uns für heute zum Grillen verabredet. Wir, das sind Hans und Anneliese, Luiz aus Mozambique mit seiner Frau Marli, der Japaner George mit Frau und deren Freunde. Hier im Yacht Club gibt es eine ganze Reihe fest installierter Grillplätze mit Tischen, Wasser, Spülbecken und Strom. Jeder bringt was mit und wir grillen Fisch, Camerons (Scampi), Hähnchenflügel usw. Es ist ein sehr heißer aber gemütlicher Sonntag Nachmittag. Einige werden sich fragen in welcher Sprache wir uns denn unterhalten. Das ist verschieden. Eigentlich in sämtlichen Sprachen der Leute die hier sind, mit Ausnahme von japanisch. Das wäre doch etwas zu viel verlangt. Hauptsächlich natürlich englisch. Ansonsten ein Mix von spanisch und portugiesisch. Wozu hat man denn Hände und Füße. Ein Krieg ist bisher noch nicht ausgebrochen, also scheinen wir immer die richtigen Worte getroffen zu haben. Ganz sicher kann man sich ja nie sein :-). Gegen Abend lösen wir die Gesellschaft auf und wir gehen nach Hause bzw. zu unseren Booten zurück.

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von links: Hans, Anneliese, Luis, Annemarie, Marli

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von links: Hans, Anneliese, Marli, Werner, „ wichtige Gespräche“

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Grillplatz

Am Montag ist es noch heißer als gestern. Wir haben 35° im Schatten. Trotzdem muss ich am Boot arbeiten. Annemarie ist mit Anneliese in die Stadt gegangen um Besorgungen zu erledigen und ich schwitze mir hier die Seele aus dem Leib. Bin gerade dabei das Überwasserschiff per Hand und Schmiergelpapier von losen Farbteilen zu befreien und die Roststellen mit der Maschine abzuschleifen.

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vor der Behandlung

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abgeschliffen und grundiert

Diese grundiere ich dann mit flüssigem Zink und verspachtle sie mit Epoxispachtel. Sehr mühevoll aber ich kann es nicht ändern. Ich befürchte (aus Erfahrung), dass das Wetter so nicht mehr lange halten wird, denn es ziehen bereits Cirruswolken auf, was einen Kaltlufteinbruch in großer Höhe bedeutet und dies wiederum ist meist die Ankündigung für schlechtes Wetter. Kann sein, muss aber nicht, denn bei Frauen und Cirren kann man sich irren.

Habe mich nicht geirrt, 48 Stunden später haben wir das Sauwetter. Wind, Regen und nur noch 15°C. Ein Temperatursturz von 20°. Deutschlandwetter lässt grüßen. Die Polarluft der Antarktis ist wirklich sehr unangenehm, vor allem wegen des Windes. Wir haben November und das entspricht auf der Nordhalbkugel dem Juli. Der Regen ist nicht so schlimm, da wartet man eben bis er vorbei ist. Ekelhaft ist dabei der Wind. Er ist nicht so stark, in den Spitzen knapp 30 Knoten ( 55 km/h) aber man bedenke, wir sitzen auf einem aufgebocktem Boot, das kaum bzw. gar nicht abgesichert ist. Klar, 16 Tonnen werden nicht so leicht umgeworfen aber es ist wirklich keine Freude wenn der Wind in den Wanten heult und das Boot viebriert als würde es jeden Augenblick abheben.Fing nachts so gegen drei Uhr an und Annemarie ging gleich mal flüchten und sitzt jetzt, wir haben inzwischen 13:30 Uhr, immer noch im Aufenthaltsraum des Yacht Clubs. Ich war für eine „Filmlänge“ bei ihr, bin aber dann wieder aufs Boot gegangen, denn ich habe keine Lust dauernd wach zu bleiben. Habe mich dann so gegen 06:00 Uhr wieder ins Bett gelegt und bis 09:00 Uhr geschlafen, was man so schlafen nennen kann. Diese Umstände geben mir die Möglichkeit und die Zeit diesen Bericht zu schreiben.

Ich habe es schon einmal erwähnt, dass man das Boot so blöd aufgestellt hat, dass das Heck über dem Wasser ist und ich kaum eine Möglichkeit habe dort hin zu kommen um zu schleifen und zu streichen. Aber gerade am Heck habe ich große Rostflecken und die Farbe blättert ab. Eigenes Verschulden. Ich darf kein Edelstahl mit normalem Stahl ohne gute Isolierung zusammenbringen, wie ich es gemacht habe, beim Anbringen der Einstiegsstufen. In Zusammenarbeit mit Salzwasser gibt es Elektrolyse und der Stahl rostet weg als würde Schnee in der Sonne schmelzen. Muss ich ablegen unter der Rubrik „Lehrgeld“. Ich dachte nämlich nur mit Gummi unterlegen würde reichen. Satz mit X, war wohl nix.

Mithilfe von Hans haben wir gestern eine Konstruktion gebaut, die mir erlauben soll am Heck zu arbeiten. Schon etwas abenteuerlich. Würde bestimmt nicht durch den TÜV kommen.

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abenteuerlicher Arbeitsplatz

Aber was solls. Ich werde mich beim Arbeiten sichern und ebenso die Schleifmaschine. Nicht dass wir beide baden gehen und es heißt dann, armer Kerl, dem ist der Fön in die Badewanne gefallen, Pech, dass er gerade in dem Augenblick auch in der Wanne war.

Jetzt werde ich warten bis das Wetter besser wird um wieder werkeln zu können. Gonzalo wollte heute kommen um das Ruder in die Werkstatt zu bringen aber meine Erfahrung sagt mir, dass ich ihn bei solchem Wetter nicht zu Gesicht bekomme. Mal sehen.

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