29.11.2010

25. November 2010

Meine Vermutung, am Schluss des vorherigen Berichtes, dass Gonzalo bei schlechtem Wetter nicht kommt, hat sich bestätigt. So schlimm ist es aber auch nicht, denn arbeiten hätten wir eh nicht gekonnt. So machen wir uns einen schönen Tag und schauen uns auf dem Laptop Filme an bis wir viereckige Augen haben. Ist auch mal ganz nett.

Am nächsten Tag ist es wieder so weit schön, dass Annemarie die dritte Schicht der Grundierung aufbringen kann. Ich kümmere mich um „schmutzige“ Dinge wie Achterpiek entrosten und mit Rostumwandler einstreichen. Ist wirklich eine miese Arbeit, muss aber sein. So vergehen die Tage und wir kommen vorwärts. Es tut sich was. Somit ist auch der Frust vorbei, der sich anstaut wenn man, warum auch immer, nicht vorwärts kommt.

Gonzalo lässt sich wieder mal sehen und erklärt mir, dass der Dreher für seine Arbeit 800 Rials (ca. 350 €) verlangt, was Gonzalo gleich ablehnt. Seiner Meinung nach ist das viel zu viel. Also geht die Suche weiter, was wieder einige Tage dauert. So lange wir hier am Boot zu tun haben ist das alles kein Problem, nur falls es zu lange dauert und wir deshalb aufgebockt bleiben müssen, dann wird es ärgerlich.

Das Überwasserschiff ist endlich abgeschliffen und Annemarie ist fleißig am streichen oder besser gesagt am rollen. Die Rolle habe ich auf eine Teleskopstange gesteckt und diese ganz ausgezogen. Den blauen Streifen haben wir diesmal weggelassen, denn der Aufwand wäre uns zu groß gewesen. Einen Vorteil hat das Ganze. Der Rumpf sieht dadurch etwas größer aus. Obwohl Annemarie auf einem Podest steht hat sie große Probleme bis an die obere Kante des Bootes zu gelangen. Ist nun mal Pech wenn man so klein ist. Der erste weiße Anstrich ist am Abend fertig und es warten in den nächsten Tagen noch weitere zwei Anstriche. Wenn wir fertig sind werden wir mehr als 40kg Farbe verarbeitet haben.

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Verdammt hoch

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fast fertig

Von den Pinseln, kleinen und großen Rollen, etliche Rollen Abklebestreifen nebst nicht mehr brauchbaren Gummihandschuhen will ich gar nicht reden. Aber Hauptsache ist doch, dass sich was bewegt. Und es bewegt sich wirklich was, denn Gonzalo ist fündig geworden. Drei Tage später kommt Gonzalo mit dem Mechaniker, der sich das Ruder ansehen will. Als alles klar ist was gemacht werden soll verabschiedet sich der Mechaniker der zu Fuß kam, da die Werkstatt in der Nähe liegt. Gonzalo nimmt die Gelegenheit beim Schopf, bringt den Mechaniker mit seinem Auto zurück und verhandelt während der Fahrt über den Preis.

Als er zurückkommt frage ich natürlich voller Spannung, wie viel es kostet. Ich rechne nochmal kurz im Kopf durch. Der erste verlangte 1200 Rials plus 300 Rials Material (ca. 750 €), der zweite verlangte 800 Rials ohne Material (ca 350 €), dann wird dieser vielleicht 500 Rials (ca.220 €) verlangen. Gonzalo grinst und meint,nein keine 500 Rials, sondern 200 Rials (ca. 87 €). Das haut mich aber um. Das Material habe inzwischen schon eingekauft und kostete mich 130 Rials (ca. 57 €). Das Suchen hat sich also gelohnt, denn schneller kann man knapp 700 € nicht mehr verdienen. Danke Gonzalo, ohne Dich hätte ich das nicht geschafft.

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Ruder ohne Schaft

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Ruder fertig zum Einbau

Gleich am späten Nachmittag wird das Ruder geholt und ist am nächsten Tag morgens um 9:00 Uhr fertig geschweißt wieder zurück. Es ist noch so heiß, dass wir es ohne Handschuhe gar nicht anfassen können als wir es vom Wagen heben. So schnell und vor allem sauber hat bisher noch keine Firma gearbeitet

Um das Ruder einbauen zu können muss das untere Widerlager, aus dem es damals gesprungen ist, abgebaut werden. Das ist nicht ganz so einfach, denn die vier Haltebolzen mit denen es befestigt ist wurden seit über fünfundzwanzig Jahren nicht geöffnet. Wir gehen mit Hammer und Meißel ans Werk und klopfen erst mal auf die Bolzen um deren Muttern zu lockern. Dann schrauben wir sie auf. Das Dumme dabei ist nur, dass die Bolzenköpfe rund sind und nicht, wie bei Schrauben üblich, sechseckig. Die aufgeschraubten Muttern sind zu allem Überfluss an zwei Seiten abgerundet und an den anderen zwei Seiten flach. Einen Schraubenschlüssel aufzusetzen ist nicht möglich. Mit Franzosen und Wasserrohrzange gehen wir ans Werk und nachdem ich mir einmal den Finger klemme und beim zweiten klemmen an der Handfläche sogar eine Blutblase hole, sind die Muttern offen und das Lager kann abgenommen werden.

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unteres Ruderlager

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Lager wird abgenommen

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geschafft, das Lager ist abgebaut

Übermorgen haben wir Samstag und Gonzalo will bis dahin einen Flaschenzug besorgen mit dem wir dann das Ruder einbauen können. Was wiederum so viel heißt, dass wir womöglich nach zwei Monaten „Landaufenthalt“ wieder ins Wasser können. Wir werden sehen was nächste Woche passiert.

Sind wir wieder im Wasser ist noch bei weitem nicht alles erledigt. Die Reling ist zwar gerichtet, trotzdem sind an ihr noch kleine Schweißarbeiten zu machen. Die Ankerwinsch ist kaputt, kann aber hier nicht gerichtet werden, was heißt, dass Muskelarbeit angesagt ist. 40 Meter Kette und 25 kg Anker müssen von Hand hochgezogen werden. Wenn Frau am Steuer ist und gut manövriert und der Anker sich nicht irgendwo verhakt hat, dann ist es möglich (inklusive Rückenschmerzen). Einen weiteren Sterling Regler für die Lichtmaschine des Motors werde ich auch noch einbauen. Damit kann ich bei Motorfahrt die Batterien (550 AH) innerhalb einer Stunde von 50% auf 100% laden, was die Sicherheit erhöht. Einen solchen Regler habe ich bereits an meinen 12 Volt Generator angebaut und er hat sich dort seit zwei Jahren hervorragend bewährt.

Die meiste Arbeit jedoch ist, na was wohl? Streicharbeit!! Denn unsere Lady soll nicht nur ein schön gestrichenes Kasko bekommen, sondern auch ein schönes weißes Deck mit ebenso schönen und weißen Cockpit. Da geht es nochmal so richtig zur Sache.

So wie es jetzt im Moment aussieht geht unser Aufenthalt in Rio Grande dem Ende entgegen. Wenn alles glatt läuft (und das hoffe ich nun doch sehr, Probleme gab es bisher mehr als genug), dann werden wir Ende Dezember, gutes Wetter vorausgesetzt, in Richtung Norden aufbrechen. Es soll in kleinen Schritten von 300 – 500 Meilen, ( für Nichtsegler etwa 550 – 900 km) bis Salvador und dann (endlich) nach Trinidad gehen, was aber auch heißt, dass wir vermutlich Silvester auf See verbringen und auf See gibt es auf unserem Schiff keinen Alkohol:-(. Nach Trinidad werden wir, so ist es vorgesehen, nicht alleine Segeln, denn Erwin der Deutsch – Argentinier wird in Salvador auf uns warten um sich dann gemeinsam mit uns auf den Weg zu machen..

Im August/September 2011 werden wir vermutlich in Lanzarote sein und von dort aus einige Monate Deutschland besuchen. Geht unser Plan auf, sind wir im Januar/Februar 2012 zum dritten mal auf der Atlantiküberquerung, dann aber in Richtung Venezuela. Nur muss ich sagen, es werden nie so schnell und so oft Pläne umgeworfen wie beim Segeln. Es fließt bis dahin noch viel Wasser den Amazonas, den Rhein oder die Donau runter.

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