3.01.2011

24. Dezember 2010

Das Ruder das wir haben richten lassen haben wir inzwischen (ohne Gonzalo, er kam mal wieder nicht) versucht einzubauen. So weit so gut, nur es gibt, wie soll es auch anders sein, ein Problem, denn die haben in der Werkstatt beim schweißen nicht darauf geachtet, dass der Schaft mit dem Ruder in der Flucht, also in einer Linie mit dem Ruderblatt ist. Der Ruderzapfen am unteren Ende geht nicht in das Lager, er ist zwei Zentimeter daneben. Die Löcher für die Arretierung des Ruderquadranten sind ebenfalls am falschen Platz. Das hebt auch nicht gerade die Stimmung. Also gibt es nur eins und zwar Reklamieren. Wir gehen zur Werkstatt und tragen unser Anliegen vor. Inzwischen spreche ich so leidlich einen spanisch/portugiesischen Mix. Ich weiß jedenfalls was ich will und der Mechaniker versteht mich auch. Am Nachmittag kommt er vorbei holt das Ruder ab und bringt es bereits zwei Stunden später repariert zurück. Jetzt passt alles. Am nächsten Tag bauen wir das Ruder wieder ein. Alles ok. Die Schiffsschraube wird ebenfalls angebaut und wir warten jetzt nur noch auf den Kran.

Wir sind so weit fertig und könnten eigentlich ins Wasser. Der Kran soll heute um 14:00 Uhr kommen, uns vom Bock heben und am Kran hängend auf den Boden stellen. Dann können wir die Auflageflächen am Boot noch abschleifen und streichen. Es wurde uns versprochen, dass wir dafür zwei Stunden Zeit bekommen bevor wir endgültig ins Wasser gehen.

Soeben kommt Renato, der Besitzer des Krans und erklärt mir, dass etwas dazwischen gekommen ist und der Kran heute anderweitig gebraucht wird. Er meinte in drei oder vier Tagen wäre es dann kein Problem. Ich erkläre ihm, dass es wohl ein Problem ist, denn das Boot ist bereits mit Antifouling gestrichen und innerhalb von 48 Stunden ins Wasser da sonst die Wirkung der Antibewuchsfarbe verloren gehen kann. Wenn es mir nichts ausmacht und wir hier genügend Licht haben, damit der Kranführer was sehen kann, dann würde er noch heute so gegen 18 oder 20:00 Uhr kommen. Das ist auch ok, Hauptsache ist dass wir endlich unseren „Landurlaub“ beenden können. Nachdem wir alles geklärt haben sagt Renato noch was zu mir und ich denke ich habe mich verhört. Also frage ich nochmal nach. Nein, ich habe mich nicht verhört. Er meint nämlich ich brauche die 1000 Rials (ca 450 €) für den Kran nicht zu bezahlen es wäre sein Weihnachtsgeschenk an uns. Da fehlen mir doch die Worte. Natürlich bedanke ich mich tausend mal. und freue ungemein. Annemarie hat ihm daraufhin für Morgen gleich ein Blech Streuselkuchens versprochen, den er schon mal bei uns gegessen hat und der ihm und seiner Frau so gut schmeckt.

Der Kran kommt dann doch erst zwei Tage später, am späten Nachmittag. Die ganze Aktion dauert mehrere Stunden und bis das Boot im Wasser ist ist es bereits finstere Nacht. Es geht alles gut und das ist die Hauptsache.

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Restarbeiten

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 Kurz vor der „Landung“

Bis zu unserer Abreise Ende Dezember haben wir noch viel zu tun. Die Streicharbeiten sind noch nicht ganz fertig, denn das Deck bekommt ebenfalls einen neuen Anstrich. UKW und Kurzwellenantenne müssen angebaut werden, der Antrieb für den Autopiloten wartet auf seinen Einbau usw. usw. Arbeit gibt es noch genug.

Wir haben heute den 21.12. und wir wollen am 25.12 hier absegeln. Also stehen die Amtsgänge an wie Einwanderungsbehörde (Policia Federal), Hafenkapitän (Capitania) und evtl. der Zoll (Receita Federal). Bin neugierig was da rauskommt, denn wir sind nun über ein Jahr in Rio Grande und 1½ Jahre in Brasilien. Wir kommen an bei der Einwanderungsbehörde und zeige das Dokument vor, welches wir damals bei unserer Ankunft bekamen. Der Beamte ist freundlich und zuvorkommend und das Beste ist, dass er sehr gut englisch spricht. So kann ich ihm alle Umstände die dazu führten, dass wir immer noch im Land sind problemlos erklären. Normal muss man, wenn an ausklariert ist innerhalb von 24 Std. das Land verlassen. Ich erkläre so nebenbei, dass wir so schnell wie möglich abfahren werden, im Moment jedoch das Wetter nicht so gut ist und der Wind erst am 25.12. für uns günstig ist. Kein Problem meint er und klariert uns schon mal für den 25. aus. Das ist absolut ungewöhnlich, denn teilweise ist es so, dass wenn man sagt, dass am erst am nächsten Tag abfährt, kann einem passieren ,dass sie verlangen, dass man erst am nächsten Tag kommt. Die Hürde wäre genommen. Nun der Hafenkapitän. Der sagt uns, wir müssen erst zur Gesundheitsbehörde. Was soll das denn bei der Ausreise. Dort waren wir bei der Einreise. Also gehen wir zur Gesundheitsbehörde. Die aber schütteln nur den Kopf und erklären uns, dass dies nicht nötig sei. Vorsichtig und durch Schaden klug geworden lasse ich mir von dem Mitarbeiter der Behörde den Namen und die Telefonnummer geben. Zurück bei der Capitania gebe ich weiter was uns soeben mitgteilt wurde. Nein, das sei nicht richtig und wir müssen bei der Gesundheitsbehörde ausklarieren. Hab ich mir gedacht dass es so kommt und deshalb ziehe ich den Zettel mit der Telefonnummer aus der Tasche und reiche sie dem Beamten. Nach einem trotzdem noch fünf Minuten dauernden Gespräch ist klar, dass ich dort nicht hin muss. Aber wir müssen zum Zoll und dann wieder zurück zur Capitania, wird uns erklärt. Das wird ja was geben. Das war schon bei der Ankunft so ein Fiasko, weil sich keiner auskennt. Wir waren über zwei Stunden dort. Ich will nur das Kurioseste wiedergeben. Es ging erst mal um ein Papier, welches genau diese Stelle bei der Auskunft auszustellen hat,uns es damals aber mit den Worten, wir seien ein Notfall und können deshalb nicht einklariert werden, dieses verweigert wurde.. Jetzt aber, wollen sie genau dieses Dokument haben. Nun wird es schwierig. Die Dame spricht kein englisch und mein Kauderwelsch reicht nicht aus. Nach längeren unfruchtbaren Versuchen uns zu verständigen ging die Dame zu ihrer Vorgesetzten, die wiederum zu ihrem Chef, der nach ca. einer halben Stunde kam. Er sagte mir nichts neues, sondern nur dass ich ein Zoll-Einreisedokument vorweisen muss. Wenigstens spricht er so lala englisch. Ich erkläre ihm dass mir seine Behörde das Dokument damals wegen Notfall verweigert hätte, mit der Begründung, dass ich es nicht brauche. Sehen Sie, sagt er zu mir, genau das ist das Problem. Ohne das Einreisedokument keine Ausreise. Langsam aber sicher schwillt mir der Hals wie bei einem Frosch. Das was der sagt gleicht der Quadratur des Kreises. Ist wirklich toll. Wir können uns nicht einigen und so schickt er mich zur nächsthöheren Dienststelle. Aber da weiß ich von zwei verschiedenen Yachten, dass die einen kurzerhand wieder zurückschicken da sie dafür nicht zuständig sind. Ich habe das Problem auf meine Weise geregelt. Da wir damals weder bei der Capitania noch beim Zoll registriert, also einklariert wurden, habe ich beiden in Gedanken den Stinkefinger gezeigt und fahren eben los ohne diese Papiere. Registriert waren wir einzig und allein bei der Einwanderungsbehörde und dort sind wir ganz normal ausklariert worden. Wir segeln nun in kleinen Schritten die brasilianische Küste nach Norden und werden immer nur ankern bleiben nur kurze Zeit und segeln dann weiter. Das Ein und Ausklarieren schenken wir uns. Ist zwar nicht ganz legal, geht aber. Ab Salvador werden wir eh direkt nach Lanzarote segeln und dort brauchen wir keine Papiere, ist immer noch unser Wohnsitz.

Nun haben wir bereits den 24.12. und ich schreibe gerade an diesen Bericht. Ich hoffe ich finde noch eine Möglichkeit ihn ins Internet zu geben. Morgen ist Weihnachten, da ist leider alles zu.

Auf jeden Fall wünsche ich trotzdem allen meinen Lesern ein frohes und ruhiges Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Vermutlich werden wir zur Jahreswende irgendwo in der Nähe von Rio de Janeiro auf See sein.

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