25.01.2011

18. Januar 2011

Wir haben heute den 18.Januar 2011 und sind seit unserer „Rückkehr“ bereits wieder 18 Tage hier.

Annemarie macht mich gerade aufmerksam, dass im Kalender, den sie vom hiesigen Pastor der Seemansseelsorge letztes Jahr geschenkt bekam der Dezember unter dem Leitsatz „kehret um…“ steht. Also folgsam wie wir sind haben wir es befolgt… 🙂

Es muss etliches Material und Ersatzteile besorgt werden. Die Einspritzpumpe ist in Reparatur in Pelotas, ein Ort ca. 60 km nördlich von hier. Was mir da am meisten stinkt ist, dass hier für die ganz normalen Straßen von einer Stadt in die andere Maut bezahlt werden muss. Für die Strecke müssen jedesmal umgerechnet sieben Euro berappt werden, was die Reparatur der Pumpe insgesamt nochmal um weitere 14 Euro verteuert. Auch nicht gerade geschenkt. Aber was soll´s, die ganze Jammerei hilft nichts. Unser Boot ist bis auf Vorstag und Motor fertig, so dass wir alles andere ruhig angehen lassen. Es ist fast wie „Urlaub“. Wir gehen spazieren, lesen viel und faulenzen.

Die Marina ist, ich weiß nicht warum, auf fast keiner Karte verzeichnet. Sie liegt im Norden von Rio Grande und es sind von der Einfahrt der Lagune bis zum Yacht Club ca. 11 Meilen. Der Weg ist gut betonnt und leicht zu befahren, man muss nur auf die Dickschiffe aufpassen und ihnen ausweichen, was kein Problem ist, denn auf beiden Seiten des Tonnenstrichs ist es tief genug für Sportboote. Meistens jedenfalls. :-). Was gebraucht wird ist eine gute Karte. Ich habe c-map Karten, die sind so gut, dass ich laut GPS bei der Einfahrt genau auf der Kaimauer gefahren bin. Wirklich Klasse

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Einfahrt in die Lagune

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Gefahrene Route

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Weg zum Yachtclub

Gott sei Dank habe ich aber eine CD mit 250 Spezialkarten der Küste von Brasilien. Die stimmen wenigstens. Die habe ich mir für wenig Geld damals in Salvador gekauft im Copy Laden ganz in der Nähe des Nautic Clubs wo wir eine Zeit lang lagen. Diese Karten, den Segelführer Cruising the Coast of Brasil, so wie das Navi Programm MaxSea habe ich mir in diesem Shop für wenig Geld besorgt und möchte davon nichts mehr missen. Wer sich evtl. diese Dinge ebenfalls zulegen will, der sollte im Nautic Club in Salvador nach dem Copy Laden fragen. Die wissen wo er ist und geben gerne Auskunft. Der Laden befindet sich in der Rua Estados Unidos Nr.4. E-mail allendwg@hotmail.com. Der Besitzer ist Allan Romeo und ist gerne bereit bei Problemen mit Programmen die bei ihm gekauft wurden zu helfen. Er hat jede Menge Karten von Brasilien von denen er für wenig Geld Farbkopien macht DerVorteil von Romeo ist, dass er gut englisch spricht.

Aber weiter mit dem Yacht Club Rio Grande. Er ist zu finden auf der Position 32°02´448´´S und 052°10´730´´ W. Im Januar 2011 kostete der Liegeplatz einen Real (R$) pro Fuß und Tag inklusive Wasser, Strom und Kranbenutzung (max. 8 Tonnen). Bei längerem Aufenthalt (ein Monat und mehr) gibt es Rabatt, so dass z.B ein 39 Fuß Schiff 1000 R$ kostet. (1€=2,24 R$, Januar 2011). Die Leute hier sind alle sehr nett und zuvorkommend. Einzig mit der Sprache kann es Probleme geben, da fast keiner englisch spricht und wenn, dann sehr schlecht. Mit spanisch kommt man gut zurecht. Die Liegeplätze für Gäste sind nicht gerade üppig gesät aber man bekommt irgendwo doch immer einen Platz. Es wird ein neuer Steg an der Einfahrt zur Marina gebaut, nach dem Steg des Museums. Am Museumssteg ist auf Anfrage einige Tage kostenloses liegen möglich. Die Einfahrt zur Marina beträgt nur 1,30 Meter. Der Grund besteht jedoch aus lockerem Schlamm und Boote bis 1,90 Meter Tiefgang kommen bei Hochwasser mit dem nötigen Schwung leicht durch.Die Liegeplätze sind am Steg zwischen 1,30 und knapp zwei Metern. Der Club kann kurz vor der Einfahrt auf Kanal 16 gerufen und um Schlepphilfe gebeten werden. Schlepphilfe wird bald nicht mehr gebraucht, da sie im Moment dabei sind Einfahrt und Hafenbecken auf drei Meter Tiefe auszubaggern. Mit einem selbst gebauten Baggerschiff und einem ca. 100 Meter langen Schlauch wird dies in Eigenregie bewältigt.

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 Yachtclub

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 Baggerschiff, „Schlammspucker“

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Steg im Bau

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Sicht auf Museumssteg

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Clubhaus mit Pool

Im Yacht Club selber gibt es ein Restaurant, das Essen ist gut. Duschen und Toiletten sind sauber. Nachteil ist vielleicht, dass fast an jedem Wochenende im Sommer Partys stattfinden. Die Lärmbelästigung hält sich aber in Grenzen. Ein Pool und Tennisplätze sind ebenfalls vorhanden, sowie ein Fußballplatz und eine Aschenbahn. Kostenlos zur Verfügung stehen Grillplätze mit gemauerten Grills, Tischen und Bänken, Strom und Wasser. Weil wir gerade von Essen sprechen, die Einkaufsmöglichkeiten sind gut, leider ist es bis zum nächsten Supermarkt ein Fußmarsch von 15 Minuten. Mit einem Taxi geht es schneller. Es kann vom Büro aus gerufen werden.

In der Anlage selbst gibt es viel Grün, Sträucher und Eukalyptusbäume. Was uns wirklich Spaß macht ist, dass man hier viele Vögel beobachten kann, wie z.B Kero-Kero oder Greifvögel. Allgegenwärtig sind Bütschebü, die heissen wirklich so, wie sie allerdings in portugiesisch geschrieben werden kann ich nicht sagen. Ihr Ruf „bütschebü“ ist den ganzen Tag zu hören. Sie sind nicht sehr scheu. Oft sitzen sie bei uns auf der Reling wo wir sie mit Freude betrachten. Viele Arten von Möven, Seeschwalben und vor allen Dingen Kormorane fliegen, tauchen und schwimmen hier rum. Im Moment sind viele Fische im Hafenbecken, denen wir bei ihrem Liebesspiel vor der Paarung zuschauen. Neben dem Yacht Club ist das Meeresbiologische Museum. Für wenig Geld kann es besucht werden. Leider ist alles nur in portugiesisch beschrieben. Ein Seelöwe schwimmt im Becken der hier gesund gepflegt und wieder frei gelassen wurde, worauf er überhaupt keinen Wert legte. Er belagerte das Museum so lange bis er wieder in das Becken durfte und dort schwimmt er zur Belustigung des Publikums und macht seine faxen.

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Kormorane

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Bütschebü

Eine Sache die ebenfalls Spaß macht ist ein Spaziergang durch die verschiedenen Parks die es hier gibt. Wir setzen uns oft gemütlich auf eine Bank beobachten die Leute, schauen den Vögeln zu oder dösen ein wenig im kühlen Schatten so vor uns hin und erfreuen uns der verschiedenen bunten Pflanzen und Blüten. Rio Grande ist zwar eine Millionenstadt aber nicht im europäischen Sinne. Angebot und Treiben ähneln eher einer kleinen Provinzstadt. Ausnahme machen am ehesten noch die zahlreichen öffentlichen Busse, die es zuhauf gibt. Diese sind aber im Gegensatz zu uns, fast immer voll besetzt. Nicht nur während der Hauptverkehrszeit.

Trotz aller Beschaulichkeit sind wir fieberhaft darum bemüht, dass alles so schnell wie möglich über die Bühne geht und wir unseren zweiten Anlauf in Richtung Norden starten können.

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Eine kleine Information bzw. Begebenheit möchte ich noch zum Besten geben. Ich habe bereits in vergangenen Berichten erwähnt, dass, wenn es um Edelstahl geht, hier die Lichter ausgehen, vor allen Dingen bei den Preisen, falls das gewünschte Teil überhaupt zu bekommen ist. Was ich brauche sind nur fünf Löcher mit 6 mm Durchmesser in einer Metallplatte aus V4A – Stahl. Meine Bohrer dafür haben leider schon das Zeitliche gesegnet. Also auf zu einer Ferretaria (Eisenwarenhandlung) und schnell mal die nötigen Bohrer gekauft. Fazit: schnell geht nicht und Bohrer schon gleich gar nicht. Wir klappern vier oder fünf Geschäfte ab.. Überall das Gleiche. Bohrer für Inox? Nein so was haben wir nicht, selbst nicht in einem Spezialgeschäft für Edelstahl. Nun ist guter Rat teuer. Was machen denn die Drehereien wenn sie Löcher bohren müssen? Keine Ahnung aber man kann ja mal fragen. Ab in die nächste Dreherei und gefragt ob er mir wohl Löcher bohren könnte in eine Inox Platte. Kein Problem. Ich fragte ihn woher er denn die Bohrer hätte. Das wäre ebenfalls kein Problem meint er, ich bräuchte nur die handelsüblichen Stahlbohrer zu kaufen und ihm bringen, dann würde er sie mir so schleifen, dass ich damit auch Inox bohren kann. So einfach ist das. Man muss es nur wissen und können.

Im letzten Bericht habe ich geschrieben, dass mir der Splint am Vorstag durchgerostet sei und deshalb der Haltebolzen das Weite gesucht hätte. Jetzt, wo ich dabei bin alle galvanisierten Splinte gegen Inox Splinte auszutauschen bemerke ich, dass der Splint am Achterstag gebrochen ist. Nun vermute ich, dass das selbe am Vorstag passierte. Das wäre erst was geworden, wenn mir das Achterstag ebenfalls aus der Halterung geflogen wäre. Dann aber gute Nacht schöne Gegend. Es ist wirklich nicht zu fassen welch ein Mist hier für teures Geld verkauft wird. Selbst die Einheimischen schimpfen über die miese Qualität die angeboten wird. Ich kann nur jedem raten, der gezwungen ist hier Teile für das Boot zu kaufen diese unterwegs drei und vier mal so oft zu kontrollieren wie man es eh schon tut.

Zum Schliss ein kleiner Hinweis: Ich habe zwei Links zu interessanten Webseiten auf meinem Rollblog installiert, einmal für Sailinx (damit weiterhin fleißig geklickt werden kann 🙂 ). und die Seite von Skipper Udo. Das ist eine sehr informative Seite. Viele nützliche Tricks und Tipps so z.B. wo und wie man kostenlose Naviprogramme downloaden, Papierkarten einscannen und sie elektronisch nutzen kann, weltweites Programm für Segelwettervorhersage u.v.m. Die Berichte über seine Weltumsegelung sind ebenfalls spannend und oft zum schmunzeln. Viel Spaß bei Sailinx und bei Skipper Udo.

Sollte jemand Interesse an Infos über den ICW (Intracoastel Waterway) haben, der sollte mal folgende Adresse eingeben: www.loss-mer-jon.de

Kommentare

wir hoffen ihr schafft es irgendwann mal dort wegzukommen – der Ort ist ja wie ein Gummibandl für euch. Also entweder alle Segel setzen oder um ein Dauervisum ansuchen. Wir sind inzwischen in Ushuaia angekommen und warten noch auf das Wetterfenster für Kap Hoorn. Wir wünschen euch auf jeden Fall alles Gute und mehr Glück beim nächsten Startversuch.

Hallo,
nun musste ich mir doch mal die Homepage von denjenigen Ansehen die mich bei Sailinx von Platz 1 verjagt haben. Und da habe ich doch eine tolle Homepage mit nützlichen Informationen gefunden. Vor allem Interessiert mich wie teuer das MaxSea in Salvador war, leider bekomme ich bei der E-Mail Adresse von Herrn Romeo immer eine Fehlermeldung. Über eine Antwort würde ich mich freuen. Viele Grüße aus Deutschland und weiterhin viel Glück und Freude auf eurem weiteren Törn wünsche ich euch.

Sven Richter

Hallo,
soweit ich weiß, heißt der Vogel
„BEM TE VIE“ zu deutsch -gut das ich dich sah- also so etwas wie der deutsche Kuckuck.

Noch viel Spaß beim Segeln.
Benno

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