7.03.2012

06. März 2012

Also unseren Plan den Rio Uruguay und den Rio Negro zu erkunden können wir schon mal aufgeben. Die Stopfbuchse (Abdichtung der Propellerwelle) ist wieder undicht und macht Wasser. Dieser Mangel muss auf jeden Fall behoben werden bevor man eine längere Motorfahrt macht. Aber so einfach wie es sich anhört ist es leider in der derzeitigen Situation nicht zu machen. Hier in Colonia gibt es weder die Möglichkeit etwas zu reparieren, noch irgendwelche Ersatzteile jedweder Art zu bekommen. Von einer (speziellen) Stopfbuchse ganz zu schweigen. Die Möglichkeit das Boot aus dem Wasser zu heben ist ebenfalls nicht gegeben. Es bleibt also nur noch eins, nach Argentinien zurück zu segeln und die Arbeit dort durchzuführen. Nun ist es aber so, dass das Ersatzteil hier in Uruguay und auch in Argentinien nicht zu bekommen ist. Außerdem ist es zu teuer dieses Teil aus Deutschland einfliegen zu lassen. Von den Umständen alles aus dem Zoll zu bekommen ganz zu schweigen. Wenn überhaupt, dann kann man das Paket nur nach Uruguay schicken, sollte allerdings um mit der Behörde alles zu regeln dafür einen Agenten beauftragen, der ebenfalls $ 200 kassiert. Was also tun? Konsumverweigerer spielen? Damit alleine kommen wir nicht weiter.
Nach einem Gespräch mit unseren Freunden von der Scorpio, die wir in Piriapolis kennen gelernt haben und die ebenfalls hier im Hafen liegen, sieht die Welt schon wieder etwas besser aus. Franz erklärt mir ein System um die Welle abzudichten, die mir sehr gut gefällt. Er macht mir eine technische Zeichnung mit der ich bei einem Dreher dieses Teil bauen lassen kann .Ich muss es dann nur noch einbauen. Obwohl es angefertigt werden muss kommt es preisgünstiger als wenn ich einen Zubehör oder Versandhandel bemühen würde.
Ich will versuchen dieses System etwas zu erläutern, vielleicht ist es für technisch interessierte oder Segler die das gleiche oder ein ähnliches Problem haben von Interesse. (Langzeit) Segler sind eigentlich immer für neue und solche Ideen die preiswert und gut sind zu haben.

zeichnung.jpg

Als erstes sollte man sich einen dicken und festen Schlauch mit dem Durchmesser des Stevenrohrs besorgen, so wie schwere Schlauchschellen.In diesen Schlauch wird eine vom Dreher gefertigte „Hülse“ geschoben in der drei Simmeringe sind, die das Wasser hindern einzudringen und das Fett oder Öl im Inneren der „Hülse halten. Das ist zwar eine laienhafte Erklärung aber ich denke, dass technisch etwas versierte den Rest aus der Zeichnung lesen können.

Für uns sieht es so aus, dass wir bis April noch hier bleiben. Wir wollen noch einiges erledigen, wie z.B. eine Waschmaschine kaufen. Das haben wir inzwischen getan und sie auch bereits ausprobiert. Wirklich ein tolles Teil. Sie ist leicht, was für uns wichtig ist, da sie keinen festen Platz im Schiff hat. Sie wiegt leichte 14kg und ist somit leicht vom Cockpit, wo gewaschen wird, ins Vorschiff, wo sie verstaut wird, zu transportieren.
bettwasche.JPG
Das Fassungsvermögen liegt bei immerhin 4kg Trockenwäsche. Nach dem Waschgang von 15 Minuten kommt die Wäsche in die integrierte Schleuder und wird dort fünf Minuten gespült und geschleudert. Es ist phantastisch, denn nach insgesamt 20 Minuten ist die Wäsche komplett fertig. Die Maschine schafft nicht nur Leibwäsche, sondern auch Bettwäsche. Dazu ist noch zu sagen, dass, ob in Brasilien, Uruguay oder Argentinien, nur kalt gewaschen wird. Die Waschmittel sind so gut, dass sich eine Warmwäsche erübrigt. Will man trotzdem warm oder heiß (bis 60°C) waschen, dann füllt man die Maschine eben mit heißem Wasser auf. Wasser braucht jetzt nicht mehr aus Flaschen von Hand in die Maschine gefüllt werden. Das geht nun „halbautomatisch“. Ein Eimer, dem ich einen Hahn und einen Schlauch mit Gardena Anschluss verpasst habe und uns auch gleichzeitig als Cockpitdusche dient, übernimmt die Wasserversorgung.

die-maschine-wird-befullt.JPGdie-waschmaschine.JPGhalbautomatischer-wasserzulauf.JPG

Für uns (Segler) ist wichtig, dass unsere Geräte wenig Strom verbrauchen. Dieses Gerät braucht zum waschen 180 Watt und zum Schleudern 100 Watt. Wenn das nicht ökonomisch ist. Ich könnte die Maschine über meine Bordbatterien und den Wechselrichter betreiben. Tun wir aber nicht, denn unser kleiner 220 Volt Knatterton will ja auch beschäftigt werden.

Trotzdem brauchen wir mehr Strom und dieser soll aus der Natur kommen, sprich Solarmodul. Wir werden uns wohl zwei davon mit je 80 Watt (fast 7 A, also 2×7 gleich 14 A) zulegen. Die alten Module haben ausgedient, sie bringen nichts mehr. Wir waren erstaunt und überrascht über den Preis. 50%!! billiger als in Deutschland und noch dazu mit monokristallinen Solarzellen. Das kann man sich nicht entgehen lassen.

Kommentare

Bei weitem die ehrlichsten Zeilen eines Langzeitseglers – leider wollen die zukünftigen Cruiser sie so nicht glauben oder träumen sich ihre Reise etwas anders. Von der Waschmaschine sind sogar verwöhnte Lagoon Kunden begeistert:
http://www.youtube.com/watch?v=PTuA5k_pGFU
Werner noch eine Bitte – ist es möglich deinem Blogbearbeiter zu sagen er möge die Links der Bilder (wenn sie groß angezeigt werden) auf einen neuen Tab/Fenster schalten? Dann kann man flüssig deine gelungenen Berichte lesen und bei Bedarf auf Techn. Zeichnung schalten.
Gruß aus Bayern

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