5.06.2012

04. Juni 2012

Ich weiß im Moment bin sehr faul was das Schreiben anbelangt, dabei wäre eigentlich so viel geschehen seit dem letzten Bericht. Also wo fange ich an. Am besten eigentlich am Anfang :-).

Wir sitzen bei einer Freundin, die wir bereits vor einiger Zeit kennen gelernt haben. Wir sind dort zum Essen eingeladen. Eingeladen sind ebenfalls Freunde von Ihr und zwar Helma und Walter. Sie besitzen eine kleine Segelyacht welche hier in einem der Nachbar Clubs liegt. Er ist bereits in Pension und sie arbeitet als Journalistin beim Argentinischen Tagblatt das in deutscher Sprache erscheint. Natürlich fragt sie uns, sonst wäre sie auch keine Journalistin, ob sie mit uns ein Interview machen darf. Sie will einen Bericht bringen über das Leben an Bord. Der Abend ist schön, es ist warm und wir sitzen auf der Terrasse und es gibt viel zu erzählen. Es ist kein eigentliches Interview mit Fragen und Antworten so wie man es normal kennt. Nein, es ist einfach eine zwanglose Unterhaltung. Natürlich steht dabei Segeln im Vordergrund. Ziemlich spät am Abend verlassen wir unsere Gastgeberin und verabschieden uns. Helma verspricht uns, dass sie den Bericht die darauf folgende Woche in der Samstagsausgabe bringen wird. Oh je, genau am nächsten Tag wollen wir in aller Frühe aufbrechen und nach Colonia in Uruguay segeln. Leider haben wir keine Zeit mehr uns die Zeitung zu besorgen. Aber Chris unsere Freundin bringt uns noch rechtzeitig vor unserem Aufbruch die Zeitung (siehe Bild, zum vergrößern anklicken).

Wir segeln also ab in Richtung Uruguay und wie es uns dabei ergangen ist siehe Bericht vom 15.02 2012.

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 News

Ich sitze am Computer und rufe meine Mails ab. „Kennst Du einen Peter Kleiner“ (Name geändert) frage ich Annemarie, der hat eine Mail geschrieben“. „Ja, kenne ich“, kommt die Antwort zurück.“Das ist der Vater meines ersten Sohnes, warum was ist mit dem?“. Ich erzähle ihr, dass Peter geschrieben hat. Er kommt gerade aus Deutschland und kaufte sich in Buenos Aires am Flugplatz eine Zeitung. Er staunt nicht schlecht als er Annemaries Namen, der in dicken Lettern in der Überschrift steht, liest. Daraufhin hat er gleich geschrieben und bedauert, dass er keine Zeit hat, denn er muss die Fähre nach Colonia erreichen. So ein Zufall, denn dort sind wir bereits. Annemarie schreibt eine Mail zurück und wir machen ein Treffen in Colonia aus.

Zwei Tage später treffen wir uns. Peter, seine Frau, Annemarie und ich und verbringen einen schönen Nachmittag in Colonia. Für Annemarie war es der erste Kontakt seit vor über 20 Jahren dieser abbrach. Zufälle gehen oft seltsame Wege.

Apropos Zufälle. Annemarie hat hier in Uruguay Verwandtschaft, die sie nur vom Hörensagen kennt. Leider hat sie nichts anderes als nur eine Postfachadresse. Alle Recherchen im Internet bleiben erfolglos. In Colonia lernen wir einen deutschen Segler kennen, dem ich die Geschichte erzähle. Ach, meint er, er hat einen guten Freund in Monte Video, der sei Politiker und kenne daher Gott und die Welt. Den werde er gleich mal anrufen. Gesagt, getan. Er gibt mir von seinem Freund die Telefonnummer und Annemarie setzt sich mit ihm in Verbindung und teilt ihm mit was sie von Ihrer Verwandtschaft weiß und wie sie heißt. Ja natürlich den kenne ich, zwar nicht Heinz A. (alle Namen geändert)sondern Walter A.. Die Mail Adresse von Walter hat er gleich mitgeteilt und Walters Antwort lässt nicht lange auf sich warten. Ja Heinz ist ein Verwandter aber er habe keine Verbindung zu ihm, schickt allerdings die Mail Adresse der Tochter von Heinz. Eine Woche später kommt die Antwort. Ja, sie habe es ihrem Vater ausgerichtet und wenn es uns recht wäre könnten wir uns ja am Wochenende in Colonia treffen. Wir sagen zu und freuen uns schon auf die Zusammenkunft. Nicht nur Heinz kommt, sondern auch seine Frau, seine Schwester und der Schwager. Wir erfahren einiges unter anderem auch, dass sie einen landwirtschaftlichen Betrieb haben. Da klingelt es bei mir gleich, denn wir brauchen unbedingt neue und leistungsstarke Sonnenpaneele. Natürlich frage ich ihn gleich ob denn evtl. hier in Uruguay Sonnenpaneele für die Landwirtschaft subventioniert werden. Leider nein. Sonnenenergie wird nicht subventioniert sondern nur Windenergie. Aber meint der Schwager von Heinz, er kenne eine Firma in Monte Video die Sonnenpaneele Windräder und andere Dinge für die Landwirtschaft verkauft. Er wird für mich anrufen, sich über die Preise erkundigen und uns dann benachrichtigen. Am Montag, also bereits am nächsten Tag flattert eine Mail mit Angeboten ins Haus (Schiff). Ich kann es kaum glauben aber es ist wahr. Fast 50% billiger als in Deutschland. Und das beste dabei: die Dinger sind nach einer japanischen Lizenz in Uruguay gefertigt und haben außer CE, noch andere ausländische Zertifikate wie auch die Abnahme durch den deutschen TÜV! Also können wir uns sicher sein keinen billigen Schrott zu kaufen. Dazu noch einen elektronischen Regler mit allen möglichen Anzeigen wie Ladung und Entladung in Ampere Ladezustand der Batterien usw. Anzeigen für die ich normal ein teures Anzeigegerät kaufen müsste.

Vor einigen Tagen haben wir in Colonia deutsche MH´s (Motor Home Fahrer) aus Ulm kennen gelernt. Wir haben ihr MH besichtigt und sie unser Boot. Wir erzählen von Annemaries Verwandtschaft und wie wir sie gefunden haben und dass wir durch sie günstig an Sonnenpaneele kommen können. Dann frage ich ohne Umschweife ob sie mit uns, unter Übernahme sämtlicher Kosten natürlich, nach Monte Video fahren könnten um die Sonnenpaneele zu kaufen. Kein Problem, sie wollten eh nach Monte Video fahren. Das passt ja. Und nun macht sich das GPS mal wieder wirklich nützlich. Auf Anhieb finden wir die Firma. Sie ist mitten in der Stadt und ohne GPS wären wir vermutlich stundenlang umher geirrt. Das Einbahnstraßen-System ist wirklich für Unkundige sehr verwirrend. Mittags gehen wir in ein Lokal zum Essen. Ich muss sagen es war reichlich, gut und sehr preiswert. Wie eigentlich fast überall in Uruguay. Die Sonnenpaneele sind größer und schwerer als wir es uns vorgestellt haben. Sie werden von hinten in das Auto geschoben und liegen nun weich auf den Betten. So kommen wir am Abend zurück nach Colonia und verfrachten alles auf unser Boot. Laut Betriebsanleitung haben sie zusammen 200 Watt und bringen eine Tagesleistung von 70Ah. Das ist eine ordentliche Leistung. Anbauen werden wir sie allerdings erst wenn wir wieder in Argentinien sind.

Wir, das sind Annemarie, ich und Freunde, kommen gerade vom Einkaufen aus der Stadt zurück. Der Tag fing mit herrlichem Sonnenschein an. Als wir aber zur Mole kommen und freie Sicht auf den Rio de La Plata haben sehen wir eine schwarze Wolkenwand eine „Walze“ oder „Zigarre“ ziemlich schnell auf uns zu kommen. Das muss man gesehen haben. Blauer Himmel und wie mit dem Lineal gezogen eine pechschwarze dicke Walze die immer mehr den Himmel verdeckt. Wir eilen zu den Dingis um schnell zu unseren Booten zu kommen. Ich habe noch zehn leere Fünf Liter Flaschen im Dingi um sie mit Wasser zu füllen. Unser Freund Edgardo treibt zur Eile denn die Walze kommt immer näher. Da ich unbedingt die Flaschen noch füllen möchte fährt Annemarie mit ihm schon mal zum Boot. Ich bin fertig und fahre ebenfalls ab. Da kommt schon die erste Böe mit ziemlicher Wucht angesaust. Ich befinde mich gerade neben einer kleinen Segelyacht die sich in diesem Moment so auf die Seite legt, dass ich einen Haken schlage weil ich dachte der Mast schlägt gleich auf´s Wasser.

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57 Knoten

War natürlich nicht so aber trotzdem bin ich erschrocken. Ich komme am Boot an und es bläst bereits wie verrückt. Annemarie kommt mit Edgardo kurz vor mir an und klettert an Bord. Edgardo fährt zu seinem Boot. Als er aus dem Windschatten unseres Bootes kommt bläste es bereits so stark, dass er in wenigen Sekunden an die 20 – 30 Meter abgetrieben wird. Statt seinem Boot näher zu kommen entfernt er sich davon. Plötzlich eine Böe und es hebt ihn samt Boot mit Außenborder in die Höhe. Fast steht er senkrecht und droht nach hinten über zu kippen aber in diesem Moment lässt der Wind nach und er fällt nach vorne. „Edgardo komm sofort zurück“ rufe ich, denn ich sehe, dass er es niemals bis zu seinem Boot schafft. Gerade noch so schafft er es die paar Meter zu uns zurück zu kommen bevor der nächste Windstoß ihn wieder von unserem Boot weg treiben kann. Er macht sein Dingi hinter unserem fest als mit Wucht die nächste Böe über das Wasser fährt und sein Dingi samt Motor hoch hebt und es auf unserem Dingi landen lässt. Aber wichtig ist, dass Edgardo bei uns an Bord und in Sicherheit ist. Inzwischen hat der Sturm, es ist ein Pampero bereits 57 Knoten (105km/h)erreicht das ist immerhin Windstärke 12 (Orkan).

Der Pampero ist ein oft stürmischer Südwestwind in den argentinischen Pampas. Er bringt dabei kalte, trockene Luft aus Patagonien in die Pampas, nach Buenos Aires und bis nach Paraguay und Uruguay. Mit dem Pampero einher gehen häufig beträchtliche Niederschläge und Temperaturabfall (entnommen aus Wikipedia).

Es bläst noch über eine Stunde wie verrückt aber wir hängen sicher an der Boje. Es hört sich alles gefährlicher an wie es dann wirklich ist. Wir liegen nämlich ca. 100 Meter hinter der Hafenmole und trotz des starken Sturms kann sich auf diese kurze Distanz keine Welle aufbauen. Würden allerdings Boje oder Festmacher brechen dann wäre wirklich Panik angesagt. Eine gute Stunde später ist der Spuk vorbei, die schwarze Wand durchgezogen und das Blau des Himmels scheint schon wieder durch die Wolken.

Die Zeit in Uruguay ist vorbei und wir segeln zurück nach Argentinien (siehe Kurzbericht vom 10.04.2012)

Wir sind wieder im Yacht Club in Barlovento und wir machen uns so langsam daran am Schiff zu arbeiten. Als erstes nehmen wir uns die Toilette vor. Eine Toilettenpumpe, die uns seit dem ersten Tag als wir sie gekauft haben Ärger macht wird abgebaut und weg geschmissen. Es kommt so eines zum anderen und plötzlich ist die komplette Toilette entkernt, d.h. es ist nichts mehr da und nichts mehr drin außer dem nackten Raum. War nicht so vorgesehen, hat sich aber so ergeben. Vorteil: man hat jetzt überall leichten Zugang zu den Roststellen. Im Rumpf innen wurde zur Isolierung ein spezieller (PU) Schaum aufgebracht.

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Bilge vorher

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Bilge nachher

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Handlungsbedarf

Als wir damals 2008 den Wassereinbruch hatten wurde eben dieser Schaum vom Salzwasser durchdrungen. Dadurch hat sich natürlich einiger Rost unter dem Schaum gebildet der sich nun mithilfe einer Spachtel in einigen Millimeter dicken Platten ablöst. Es wird immer mehr und ich mache mir schon Sorgen es könnte diesbezüglich ernste Probleme geben. Von Freunden und Leuten die davon mehr verstehen als ich werde ich beruhigt. Das Blech ist vier Millimeter dick und ein Zentimeter Rost kostet einen Millimeter Blech. Also hat sich mein Blech dann nur um zehntel Millimeter „verdünnt“. Keine Probleme also. Nachdem ich den Rost so weit wie möglich abgeschliffen habe wird alles von Annemarie mit einem „Rostversiegeler“ gestrichen. Dieser wandelt den restlichen noch vorhandenen Rost in einen harten und von der Luft abgeschlossenen Untergrund um der dann mit Farbe bestrichen wird. Die Möbel wurden damals durch die Nässe natürlich auch in Mitleidenschaft gezogen und sind am unteren Rand schon ziemlich vergammelt. Wir besorgen uns in San Fernando Sperrholz um die kaputten Teile der Möbel zu erneuern. Leider bekommen wir nicht die Qualität an Holz die wir eigentlich wollten. Aber es muss auch so gehen. Ich lasse mir die Platten grob zuschneiden und besorge den Rest am Schiff, wie z,B, Türen ausschneiden anpassen schleifen usw. Annemarie schwingt den Pinsel und verwandelt die ausgeschnittenen Teile in schneeweiße „Schrankwände“. Während dieser Zeit mache ich mich daran die aufgeklebten Korkplatten von den Wänden zu reißen und schleife die losen darunter liegenden Farbteile ab. Es ist eine schmutzige und staubige Angelegenheit. Danach bringt Annemarie weiße Farbe in etlichen Lagen auf. So schön langsam nimmt alles wieder Form und Farbe an, vor allen Dingen nachdem die Möbel wieder eingebaut sind. Man will es nicht glauben aber was vorher so leicht zum ausbauen war macht nun Probleme beim einbauen und ich muss mich wundern wie und und wieso es vorher gepasst hat. Letztendlich bleibe ich Sieger und es ist alles wieder am richtigen Platz. Und nebenbei gesagt, es sieht sogar gut aus. Es ist alles schnell beschrieben und erzählt, jedoch nahm alles in allem so an die knapp drei Wochen in Anspruch.

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Reif fuer Rostbekaempfung 

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Inkognito

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fertig zum streichen

Von heute auf morgen ist es plötzlich kalt geworden und wir können vorerst keine weiteren arbeiten durchführen. Als nächstes kommt der Salon dran. Wir müssen die Backskisten ausleeren ebenfalls die Roststellen bekämpfen und neu streichen. Wenn wir den Innenraum streichen müssen wir Tag und Nacht lüften da wir ja auf dem Boot wohnen und bei im Moment fast null Grad in der Nacht wollen wir uns diesen Umstand ersparen. Es wird auch wieder wärmer. Der Wetterbericht sagt für nächste Woche bereits wieder 17° an.

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es wird wieder

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schon besser

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fertig

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Glückwunsch für Eure Arbeit.Da habt Ihr ja einiges geleiste.Gruß Christa und Rainer

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