25.07.2012

25. Juli 2012

Wie die Zeit vergeht. Manchmal habe ich das Gefühl, dass ein Monat nur noch knapp drei Wochen oder weniger hat. Die Zeit verrinnt einem zwischen den Fingern. Nicht, dass wir es eilig hätten aber trotzdem ist auch unsere Zeit (in Argentinien) nicht unbegrenzt. Im Oktober läuft unser Visum ab und wir müssen, zumindest für einen Tag, das Land verlassen, was so kein Problem ist, denn Uruguay ist ja nicht weit. Morgens mit der Fähre los und am Abend wieder zurück. Kein Problem. Wollen wir das nicht tun, dann geht es eben zur Emigration nach Buenos Aires dort kann man ebenfalls um drei Monate verlängern. Ist aber genau so teuer als wenn wir mit der Fähre nach Uruguay, in diesem Fall nach Carmelo, ein kleines Städtchen an der Mündung des Rio Uruguay gelegen, fahren. Wie gesagt, kostet das gleiche und wir haben auch noch einen schönen Ausflug gemacht. Im Januar 2014 ist es dann so weit, dann läuft auch die Aufenthaltsgenehmigung für unser Boot ab. Dann müssen wir samt unserem Schiff „verschwinden“. Aber unser Plan sieht da eh so aus, dass wir zwar Buenos Aires verlassen, nicht aber auf Dauer Argentinien. Wir wollen dann nämlich eine Flussfahrt auf dem Rio Paraná bis Paraguay machen. Aber davon wenn es so weit ist.
Das ist schon mal der Plan ob es dann so weit kommt, wir werden sehen. Wenn wir was gelernt haben während unserer Zeit die wir unterwegs sind, dann, dass ein Plan erst dann zur Ausführung kommt, wenn es so weit ist. Alles andere gehört in die Schublade „Absichtserklärungen“.
Aber ich will das eigentliche Ziel dieses Berichtes nicht aus den Augen verlieren und der heißt Zeit und Zeit heißt im Moment bei uns Arbeit. Wir haben noch sehr, sehr viel vor was unser Boot betrifft in Sachen Änderung, Reparaturen, Verbesserung und Verschönerung. Innen wie außen. Nach der Toilette (siehe letzten Bericht) kommt nun der Salon dran. Da gibt es viel zu tun. Erst mal die Bänke, darunter liegen die Backskisten, ausräumen und demontieren. Dann kommt der Boden dran. Alle Bodenbretter raus, einen Teil davon muss ich sogar aufsägen, eine Kühlbox ausbauen und wegwerfen, sie ist kaputt und eine Reparatur macht keinen Sinn mehr. Den fest am Boden verankerten Tisch abschrauben, die Bodenbretter hoch und wir befinden uns am Ort des Geschehens. Bei dem Anblick bin ich nicht wirklich glücklich. Jede Menge Rost grinst uns unverschämt entgegen so nach dem Motto: ach ja habt ihr endlich Zeit auch mal nach mir zu sehen. Bin ja immer unter Brettern versteckt da sieht man dann nicht wie gut (bzw. schlecht) es mir hier geht. Abgesehen davon, wir brauchen uns über den Zustand des Bodens nicht zu wundern, sind wir, bzw. ich, selber Schuld daran. 2008, also vor vier Jahren als wir noch auf den Kanaren waren und wir so knapp 2000 Liter Wasser im Boot hatten (vergessen ein Seeventil zu schließen), da bin ich mit der ganzen Sache zu nachlässig umgegangen und habe kaum mit Süßwasser nachgespült. Feuchtigkeit und Salz haben dann natürlich Party gefeiert und ich muss nun den ganzen „Partydreck“ wegräumen. Selbst Schuld, meldet sich da meine innere Stimme. Na was solls, Nobody is perfect. Dass der „Partydreck erheblich ist bekommen wir dann auch gleich zu spüren. Mit einer Spachtel hebe ich ca. 5mm dicke Rostplatten vom Boden ab. Danach gehe ich mit einem Maurerhammer ans Werk. Abwechselnd mit der Spitze und dann wieder mit dem flachen Teil hämmere ich auf den Schiffsboden ein, dass es nur so dröhnt.

rost_.JPG Rost
und-nichts-als-rost.JPGund nichts als Rost

Damit verfolge ich zwei Ziele. Erstens, dass der Rost abspringt und zweitens ob das Blech noch überall so dick ist, dass keine Gefahr besteht und der Rumpf irgendwo zu dünn wird oder womöglich schon durchgerostet ist. Aber wir haben Glück, denn trotz der dicken abgehobenen Rostplatten ist alles in Ordnung. Nun gehe ich mit Bohrmaschine und einer Aluminiumoxid-Schleifscheibe mit 16er Körnung, wie sie für die Profi-Winkelschleifer verwendet wird, ans Werk dass die Fetzen nur so fliegen.

und-dann-hau-ich-mit-dem-hammerchen-mein-schiffchen_.JPGund dann hau ich mit dem Hämmerchen mein Schiffchen…
rostplatten.JPGRostplatten

Im wahrsten Sinne des Wortes. Die Funken stieben und der restliche Rost, der noch auf dem Blech sitzt löst sich in einer Staubwolke auf. Der ganze Salon ist rot vom Roststaub. Meine Staubmaske ist nach kurzer Zeit so verdreckt dass ich kaum noch Luft bekomme und Annemarie mir den Filter wechselt. Aber auch das geht mal vorbei und nach etwa einer Stunde schleifen (die Schleifscheibe ist immer noch zu gebrauchen) bin ich dann so weit fertig. Wir warten eine halbe Stunde bis sich der Staub gelegt hat und versuchen mit Besen und Staubsauger dem Chaos auf den Leib zu rücken. Als wir das dann endlich geschafft haben (nur der Boden ist sauber, wie der Rest des Salons aussieht, darüber schweige ich mich lieber aus), geht Annemarie pinselschwingend an die ihr zugedachte Arbeit. Damit kann ich nichts anfangen. Alles was mit Farbe und streichen zu tun hat ist für mich die reine Marter. Überall Farbe, nur nicht dort wo sie hingehört, das meiste natürlich an den Händen. Ich hasse streichen. Und so bete ich jeden Abend: Gott erhalte meine Gesundheit und die Arbeitskraft meiner Frau. Gott hat sie erhalten, denn nach nicht all zu langer Zeit sind Boden inklusive Backskisten schon mal mit Rostgrund gestrichen. Fürs Erste soll es dann mal genug sein. Es ist schon spät und so nehmen wir mangels Sitzgelegenheit unser Abendessen das aus aufgewärmten Nudeln mit Tomatensoße vom Vortag besteht, im stehen ein. Danach verschwinden wir in die Kojen.
Der nächste Tag, ein Sonntag, geht der Spaß weiter. Annemarie streicht noch den Rest der gestern nicht mehr fertig wurde und ich fahre in die Stadt (hier ist Sonntag der Haupt-Einkaufstag)und besorge Farbe damit Annemarie damit den Endanstrich machen kann. Als ich nach einigen Stunden zurück komme, den Rucksack voller Einkäufe, nicht nur Farben, wir brauchen ja auch was zu Essen, ist der Boden schon so weit getrocknet, dass mit dem Endanstrich begonnen werden kann. Da die Bodenbretter nicht direkt auf dem Metall liegen können wir auch gleich, obwohl die Farbe noch nicht getrocknet ist, die Bodenbretter auflegen, die Backskisten zusammen schrauben und den Tisch wieder fest am Boden verankern. In der kommenden Nacht geht es mir dann nicht so gut. Die trocknende Farbe hält sich zwar was den Geruch angeht in Grenzen, der wäre auszuhalten aber die Ausdünstungen die die Luft im Raum verpesten sind grausam. Mit Kopfschmerzen verstopfter Nase und schlechtem Geschmack im Mund wache ich so gegen drei Uhr morgens auf. Ich reiße sämtlich Luken und Schotts auf, hole mir noch zusätzliche Decken und packe mich wieder hin. Die Decken sind auch wichtig, denn schließlich sinken die Temperaturen des Nachts im Moment so bis in die Gegend von 5°C und da wird es bei geöffneten „Türen und Toren“ dann etwas frisch.. Im Boot sind es trotzdem immer noch 15°C, aber immerhin. Da tun ein paar Decken ganz gut. Aber wenn ich da an früher denke als ich noch im Winter beim Bergsteigen in der ungeheizten Schutzhütte bei -20°C übernachtet habe… Man wird so richtig zum Weichei.

fertig-zur-grundierung.JPGfertig zur Grundierung
bilge.JPGBilge
endanstrich.JPGEndanstrich

Als nächstes kommt der Motorraum dran. Außer der Hauptmaschine muss ich alles im Motorraum befindliche ausbauen. Regale, fünf Batterien, Schraubstock, Generator usw. Das wird noch mal so richtig lustig. Aber, so wie es aussieht, nicht mehr in dieser Woche, denn nun ist es auch am Tag sehr kalt. Das Wasser hat ca. 10-12°C. Ebenso kalt ist auch der Schiffsrumpf. Bei dieser Kälte ist es nicht ratsam die Farbe auf das Metall zu streichen. Also werden wir uns eine „laue“ Woche gönnen und hoffen, dass es bald wieder wärmer wird.

Kommentare

… man, was sind wir froh, dass wir grad nicht „zuhause“ sind – bei dem rumgekloppe mit dem hammer. Da hätten wir ja kein Auge zu gekriegt. Grüsse aus dem paraguayanischen Chaco von euren Nachbarn Rene u. Marion

Hallo Ihr Zwei,
nur den Mut nicht verlieren! Wir haben das auch hinter uns ud wieder vor uns. Morgen geht es für uns wieder aufs Trockene und dann wird der Niedergang und so manche andere Stellen entrostet. Wie ihr müssen auch wir auf dem Boot leben und das ist kein Spass. Allerdings sind bei uns die Temperature etwas wärmer und wir schwitzen uns den A…. ab. Das ist der Preis den man bezahlen muss, wenn man ein sicheres Stahlschiff sein Eigen nennen will. 🙂
Wir überlegen uns ob wir uns nicht eine Klimaanlage aufs Schiff stellen. Bei 3 Monaten Landleben lohnt sich das bestimmt.
Also, haltet die Ohren steif und viel viel Glück bei euerer Rostarbeit!
Liebe Grüße
Astrid und Björn
PS: Wolltet ihr nicht 2013 gen Karibik segeln?

Hör auf zu jammern Dad…noch nie war der Winter bei uns so kalt und nass wie der heurige Sommer 😉
Hochzeitsvorbereitungen gehen voran: heute Essen auf der Burg organisiert…noch hast die Chance mich zu retten, dafür müsst Ihr aber kommen *gg*

liebe Grüße
Martin, Sanja und Isabelle

Hinterlasse einen Kommentar

Dein Kommentar:

Kategorien