25.01.2013

25. Januar 2013

Lang, lang ist es her dass man (und auch Frau) was von der Out of Rosenheim gehört hat. Liegt bestimmt nicht daran, dass es hier langweilig oder nichts los ist. Ganz im Gegenteil, wir waren die Monate so beschäftigt dass wir keine Zeit und auch nicht die Muße hatten neue Berichte zu schreiben. Die Arbeiten sind nun zum größten Teil abgeschlossen. Es liegen nun sehr arbeitsreiche Monate hinter uns. Einiges haben wir schon berichtet wie z.B. die „Innenrenovierung“, wobei vieles erneuert und anderes kosmetisch auf Vordermann gebracht wurde.
Ein wichtiger Teil dieser „Innenrenovierung“ ist natürlich die Elektrik. Nicht, dass sie nicht mehr funktioniert, auch wenn ich einen Kabelbrand hatte (Bericht vom Juli 2012). Nein das ist es nicht, sie wurde ganz einfach zu klein. 1-vorinstalliert.JPG2-rahmen.JPG3-elektrik-neu.JPG4-beschriftung.JPG5-endlich-fertig.JPG6-kabelsalat.JPGAlso gehe ich erst mal in Gedanken,welche ich natürlich zu Papier bringe in Form von Skizzen und Notizen, zu Werke. Das ist nicht so einfach wie es sich anhört, denn der Teufel steckt im Detail aber das ist hinreichend bekannt. Das Konzept steht und ich mache mich an die Arbeit, besorge mir die richtigen Bretter und beginne diese auf die richtige Größe und den passenden Ausschnitten zuzusägen und einzupassen. Nun „zerlege“ ich die alte Elektrik indem ich alle Kabel von deren Anschlüssen trenne. Das ist weiter nichts besonderes aber Probleme gibt es erst dann wenn ein Kabel irrtümlich falsch bezeichnet wird oder die Bezeichnung sich ablöst. Dann beginnt das große messen und probieren. Mit etwas Glück aber ziemlichen Zeitverlust bekommt man so etwas wieder hin. Ganz bleibt es mir nicht erspart aber den größten Teil schaffe ich ohne große Probleme. Ausgerechnet die Dreifarbenlaterne (Positionslicht) am Masttop macht Probleme. Ich messe und versuche alles was mir nur einfällt aber nichts zu machen. Ich bekomme es nicht hin. Nun bleibt nur noch eins ich muss neue Kabel in den Mast einziehen .Na, dann Prost Mahlzeit. Das verschiebe ich einfach nach hinten. Im Moment habe ich weder Bock noch Möglichkeit dies zu reparieren. In mühevoller Kleinarbeit plage ich mich ab die neuen Schalter zu konfektionierten. Nach etlichen Stunden sind sie vorinstalliert. Ich mache mich jetzt daran die Tür einzubauen und die Kabel zu verlegen. Nach einigen Tagen ist die Arbeit vollendet und das Größte dabei ist, dass alles (bis auf die Dreifarbenlaterne) einwandfrei funktioniert.7-gemutliches-abendessen.JPG
Was kommt also als nächstes? Wir müssen aus dem Wasser gehoben werden, denn wie schon früher berichtet muss die Stopfbuchse, also die Dichtung die die Propellerwelle abdichtet damit kein Wasser ins Boot dringen kann, gewechselt werden. Die angebotenen Systeme sind mir alle zu teuer, vor allem hier in Argentinien kosten die ein mehrfaches von dem was man in Deutschland bezahlen muss. Importe nach Argentinien sind seit einem Jahr nicht mehr möglich. Also muss ich mich hier umsehen. Franz von der Scorpio hat mir einen Plan gezeichnet (siehe Bericht vom März 2012) nach dem wir diese Buchse anfertigen lassen. Es ist eine sehr saubere und gute Arbeit die der Dreher (Gerhard Balzer, er hat deutsche Eltern und spricht gut deutsch)geleistet hat. Das Beste daran ist natürlich der Preis. Für 600 Pesos (ca. 100€) geht das Teil in meinen Besitz über.
Es ist soweit, wir werden zur Werft verfrachtet und aus dem Wasser gehoben. Die Reinigung mit dem Hochdruckreiniger entfällt, denn der Schlauch ist kaputt und es muss erst ein neuer besorgt werden. Nach Auskunft des Club – Büros wird dies wohl einige Tage dauern. Nicht so schlimm, denn im Süßwasser, wir liegen ja im Rio de La Plata, gibt es keinen Bewuchs. Das kranen ist spannend wie immer. Es geht alles gut und bald stehen wir an dem uns zugewiesenen Platz. Für heute ist Schluss und morgen sehen wir weiter.
Wir inspizieren unser Boot dort wo es normal unter Wasser ist. Dabei stellen wir fest, dass der Propeller verbogen ist. Das passierte wohl damals als wir von Uruguay zurück kamen und beim manövrieren in der Marina der Motor mit einem Schlag blockierte und stehen blieb, was wohl einem unter Wasser schwimmenden Ast zuzuschreiben ist. Da die Welle eh ausgebaut werden muss um die Stopfbuchse zu montieren ist es kein sonderlich großer Umstand.
Franz von der Scorpio ist da und baut mir die Welle aus. Dazu muss sie am vorderen Wellenlager gelöst werden. Es ist unumgänglich dieses auszubauen. Das ist nicht so einfach und ich bin froh dass ich Hilfe habe. Ich mache vieles selbst am Boot aber irgendwann ist mein Latein am Ende und das ist hier so ein Fall. Die Technik ist mir unbekannt und ich kenne mich nicht aus wie die Welle die konisch mit den Walzenlagern verbunden ist, getrennt wird. Aber Franz macht das schon.
Wir wollen neues Antifouling aufbringen aber das Unterwasserschiff sieht verheerend aus. Überall abgeplatzte Farbe und „Pockennarben“. Das muss alles weg. Wir bekommen ein Angebot das Boot bis zum Metall abkratzen zu lassen für einen Preis für den ich ehrlich gesagt keinen Finger rühren würde. Es ist zwar nicht vorgesehen einen kompletten neuen Farbaufbau zu machen aber in diesem Fall können wir nicht nein sagen, obwohl es unser Budget um einen nicht vorgesehenen vierstelligen Eurobetrag belasten wird. Irgendwie werden wir das schon hinkriegen. Haben schließlich schon ganz andere Dinge geschafft. Spätestens in Trinidad hätten wir aus dem Wasser gemusst um diese Arbeit durchzuführen. Das von mir eingeholte Angebot zum Sandstrahlen lautet allein für das Unterwasserschiff auf 1700 US$. Das ist ganz schön happig. Das Angebot hier ist nicht mal ein Zehntel davon. Gut es ist nicht Sandgestrahlt aber blank und von Farbe befreit ist es allemal. Nach drei Tagen ist das Unterwasserboot bis auf die Aluminiumbeschichtung abgekratzt bzw. geschliffen. Diese ist noch absolut in Ordnung und bietet einen sehr guten Schutz für den Stahl. Also warum sollte dies abgeschliffen werden? Nun kommt noch die Farbe über der Wasserlinie dran. Diese schleife ich selbst ab. Dabei mache ich eine für mich ganz neue Erfahrung. Mit einer feineren Schleifscheibe geht es leichter und ich bringe mehr weg als mit einer groben Scheibe. Die Farbe selbst haftet noch sehr gut am Untergrund und schützt das Metall immer noch hervorragend. Also entschließen wir uns nur anzuschleifen um danach neue Farbe aufzutragen. Annemarie fängt, nachdem alles abgeschliffen ist, am unteren Teil schon mal mit dem ersten Anstrich an. Sie streicht alles mit einer Epoxigrundierung, (Hempadur Mastic von Hempel welche in dieser Mixtour in Deutschland nur für gewerbliche Zwecke verarbeitet werden darf und dort für Yachten nicht erhältlich ist) die dann am Ende in acht Schichten aufgetragen ist. Also sind schon mal die ersten 30 von 50 Kilo Farbe verbraucht. Als nächstes ist streichen über der Wasserlinie angesagt. Nach dem abschleifen bringt Annemarie auch hier Hempadur Mastic, diesmal in weiß, in drei Schichten auf.
Die Antriebswelle, der Propeller, die Stopfbuchse und das Stevenrohr sind inzwischen ausgebaut. Dabei entdecken wir, dass die Welle leicht verbogen ist. Der verbogene Propeller samt der Welle werden zu einer Spezialfirma gebracht welche alles wieder „hinbiegt“, sie also ausrichtet und wuchtet. Danach baut Franz alles wieder ein und wir sind fertig. Wie schön! Ging doch schnell, oder? Dass dabei allerdings vier Wochen ins Land gezogen sind möchte ich nur nebenbei erwähnen. Was ich sonst noch erwähnen will ist, was da so am „Rande“ alles passierte. Da wäre mal wieder die leidige Geschichte mit der Emigration. Wieder mal sind die drei Monate abgelaufen und wir müssen, zumindest für einige Stunden, das Land verlassen. Also wie immer fahren wir mit dem Zug nach Tigre und wollen uns ein Ticket für die Fähre nach Carmelo in Uruguay kaufen. So der Gedanke. Leider haben wir die Rechnung ohne den Wirt, sprich der Fährgesellschaft gemacht, denn die hat keine freien Plätze mehr und wir kommen auf die Warteliste. Von dieser Warteliste werden bestimmt so an die 10 – 15 Personen aufgerufen, doch wir sind nicht dabei und die Fähre legt ohne uns ab. Wir fragen ob wir für die nächste Fähre, die in zwei Stunden geht ein Ticket bekommen. Natürlich nicht, erfahren wir, denn die ist ebenfalls ausverkauft aber wir stünden doch auf der Warteliste und sollen uns gedulden. Da denken wir uns dass uns das vielleicht nicht ausgeht. Also werden wir bei der Emigration vorstellig und schildern unser Problem. Da wird die Beamtin mit einem mal fürchterlich patzig und meint ich müsste 600 Pesos (ca. 100€) pro Tag Strafe zahlen. Ich sage ihr, dass es doch nicht meine Schuld sei dass die Fähre ausverkauft ist. Da wird sie noch patziger und plärrt mich an ich soll sofort bezahlen oder das Land verlassen. Nun wird es mir aber wirklich zu blöd. Wir lassen die blöde Kuh (Entschuldigung aber ein anderes Wort fällt mir für die nicht ein) mitten im Satz stehen und gehen einfach. Am liebsten würde ich ihr den Stinkefinger zeigen aber das lasse ich lieber denn ich brauche nicht noch mehr Ärger. Wie kann man nur so blöd und aggressiv sein wenn man bloß nachfragt was man tun soll? Weiber als Beamte! Die glauben sich noch mehr profilieren zu müssen als ihre männlichen Kollegen. Würde ich keine Alternative wissen, dann würde ich natürlich nicht so reagieren, es könnte doch sein, dass ich dieses Dämchen noch brauche. Also nichts wie ab, in den Zug und nach Buenos Aires gedüst. Dann nehmen wir eben die Fähre nach Colonia. Ist etwas teurer aber was soll´s. Am Schalter angekommen verlange ich ein Ticket für die Fähre um 12:45 Uhr nach Colonia. Tut mir Leid, alles besetzt! Kein Problem wir nehmen die um 19:00 Uhr. Tut mir Leid, ebenfalls besetzt. Wann ist wieder was frei? Vielleicht morgen, übermorgen ganz bestimmt. Dann haben wir ein Problem sage ich dem freundlichen Mann am Schalter. Müssen sie Ihr Flugzeug nach Deutschland noch erreichen, fragt er mich? Nein, wir brauchen nur einen Stempel in unseren Pass. Ach so, meint er und fängt an auf seinem Computer rumzuklopfen. Da hätte er noch was. Allerdings erste Klasse Spezial und Rückfahrt erste Klasse „normal“. Die Economy ist komplett ausgebucht. Ist doch was. Wollte immer schon mal Reisen ohne mich unter das „gewöhnliche Volk“ mischen zu müssen. Man gönnt sich ja sonst nichts. 13-primo-class-especial.JPG14-prost.JPGSo sausen wir dann mit der Schnellfähre und dreißig Knoten (ca. 55km/h) über den Rio de La Plata. Eineinhalb Stunden später, also 20:30 Uhr sind wir in Uruguay. Wir haben noch genügend Zeit, denn die Fähre geht erst um 22:00 Uhr wieder zurück. Nun sitzen wir da so in der Ankunftshalle und überlegen was wir während der Wartezeit tun sollen als zufällig mein Blick auf die Uhr fällt die an der Wand hängt. 15-so-macht-reisen-spas.JPG16-blick-in-den-duty-free-shop.JPGAu, verdammt, jetzt aber schnell. In 20 Minuten geht die Fähre. In Uruguay gibt es Sommerzeit, in Argentinien nicht. Hab ich ganz vergessen. Wir sausen zur Emigration um unseren Stempel zu holen. Nichts da! Erst zum Schalter und Einchecken. Auch das noch. Wir flitzen wie der Blitz zum Schalter und Checken ein. Ab zur Einwanderungsbehörde. Nun bekommen wir unseren heiß ersehnten Stempel. Kaum sind wir auf der Fähre und schon geht es los. Nochmal Glück gehabt. Die Rückfahrt in der ersten Klasse, hier werden wir ebenfalls mit je einem Glas Sekt begrüßt, ist lange nicht so luxuriös wie in der Primo Class Especial, aber angenehmer (und leider auch teurer) als in der „dritten Klasse“. Macht nichts, Hauptsache wir haben wieder die Erlaubnis uns für die nächsten drei Monate in Argentinien aufhalten zu dürfen. Anders sieht es da mit unserem Schiff aus. Die „Aufenthaltsgenehmigung“ dafür läuft nämlich am 12. Januar 2013 aus. Da wir an Land stehen und wir nicht wissen was alles auf uns zukommt denken wir, dass eine Verlängerung durchaus nicht schaden kann. Wieder fahren wir mal nach Tigre und suchen den Zoll auf. Ahnt ihr schon mit wem wir es zu tun haben? Ist doch klar. Wieder mit einer Frau! Sie ist zwar nicht ganz so (b)arsch wie die von der Emigration aber trotzdem gibt sie mir erst mal zu verstehen dass eine Verlängerung nicht möglich ist. Das kennen wir nun schon. Bei der letzten Verlängerung war das genau so und dann ging es doch. Nein, das geht nicht, das Boot darf nicht länger in Argentinien bleiben, es muss das Land verlassen. So leicht geht das nicht antworte ich, denn es steht an Land und muss repariert werden. Wie lange dauert die Reparatur? Die Reparatur selbst vielleicht drei oder vier Tage. Dann ist doch alles klar, ihr habt ja noch drei Wochen Zeit. Was sie nicht weiß und ich ihr auch nicht sage, ist, dass wir unser Boot neu streichen wollen. Wie oben schon gesagt haben wir für die Vorarbeiten ein günstiges Angebot bekommen. Nur die Zeit bis zum 12. Januar reicht da nicht ganz, noch dazu weil sich das Kranen um drei Wochen nach hinten, also auf den 22. Dezember verschoben hat. Eine Verlängerung um vier Wochen wäre da schon angebracht. Wenn ich also den wahren Grund sage ernte ich ganz bestimmt ein klares und unmissverständliches NEIN! Also ist ein kleiner Schwindel angesagt. Schwindel, nicht Lüge. Ich erkläre der Beamtin, dass mein Propeller samt Welle verbogen ist und dass das Stevenrohr inklusive dem darin liegendem Gummilager erneuert werden muss. So weit die Wahrheit. Geschwindelt habe ich beim Zeitraum wie lange das dauert. Ich erkläre der „freundlichen“ Beamtin dass die Teile nicht vor dem 15. Januar 2013 (das ist bereits drei Tage über der Zeit des normalen Aufenthalts) fertig sein werden. Wieso so lange? Die Firma arbeitet zwischen Weihnachten und dem 6. Januar nicht, sage ich einfach. Das muss ich ihr schriftlich bringen und übrigens bekomme ich die Verlängerung erst wenn unsere persönlichen Aufenthaltsgenehmigungen (siehe oben) erteilt worden sind. Das geht in Ordnung antworte ich und verziehe mich mit einem innerlichen Grinsen und der Gewissheit die Schlacht gewonnen zu haben. Allerdings mit der Auflage wenn wir Argentinien verlasse dürfen wir nicht zurück kommen. Wie lange wir nicht zurück kommen dürfen bleibt aber offen. Na gut denke ich, wichtig sind die vier Wochen mehr. Zurück wollten wir aber schon, denn wir müssen noch einiges machen.
Alle Unterlagen sind beschafft und liegen dem Zoll vor, woraufhin wir die Verlängerung bekommen. Die Teile sind einige Tage später fertig, nur der Anstrich dauert eben seine Zeit. Eigentlich könnte alles schon eingebaut werden aber eine innere Stimme sagt mir, lass es bleiben, man kann nie wissen… Und man konnte es wirklich nicht wissen. Die Dame vom Zoll (sie ist übrigens sehr hübsch, wäre sie nur genau so freundlich) steht plötzlich (in Zivil und deshalb habe ich sie nicht gleich erkannt) vor uns und begrüßt mich sogar mit Küsschen. Ich weiß gar nicht wie mir geschieht. Ach deshalb dauert es so lange, weil das Boot gestrichen wird. Damit kann sie mich nicht fangen. Nein, das ist nicht das Problem, denn das ist in wenigen Tagen fertig. Das Problem liegt hier. Ich zeige ihr die Stelle wo die Welle und der Propeller sein sollten und erkläre ihr außerdem, dass das Stevenrohr und das Gummilager noch neu konstruiert werden müssen. Ich beglückwünsche mich zu meiner inneren Stimme, denn die Teile liegen bereits fertig im Salon aber da kommt sie nicht hin. Nun hat sie das „Problem“ selbst gesehen und alles ist in Ordnung. Nun kommt Charlie, das ist der „Kranboss“ ins Spiel. Ich denke mir die „Zöllnerin“ schaut sich die anderen Schiffe an die da so sind. Nein, tut sie nicht, sie spricht seit einer halben Stunde mit Charlie. Ihm habe ich erzählt, dass wir für das Boot eine Verlängerung bekommen haben aber nicht mehr zurück kommen dürften. Charlie meinte ob wir was ausgefressen hätten, denn diese Anweisung wäre doch sehr ungewöhnlich. Also wie gesagt wir stehen da so vor unserem Boot, da kommt sie mit Charlie angerauscht. Charlie hinter ihr lacht und hebt den Daumen nach oben. Ich verstehe nicht gleich. Diese nette Dame die mich mit Küsschen begrüßt hat spricht mich plötzlich mit Hola Amigo an. Nun verstehe ich gar nichts mehr. Jetzt erklärt sie uns, dass das alles nur ein Irrtum war, natürlich können wir wieder zurück nach Argentinien, gar keine Frage. Ich frage sie wann das möglich ist. Eigentlich brauchen wir nur den Ein und Ausreisestempel von Uruguay und dann können wir, wenn wir wollen am nächsten Tag gleich wieder in Argentinien einreisen. Das lasse ich mir gefallen. Als Charlie sie fragte warum wir nicht zurück kommen dürfen, scheint sie wohl unter Druck gekommen zu sein. Warum sonst plötzlich die Wendung um 180 Grad? Aber, so sagt sie mir, ich müsste zwei Tage bevor wir wieder ins Wasser kommen, bei ihr im Büro vorbei kommen und mir die Genehmigung für das zu Wasser lassen holen. Einige Tage später ist ihr Chef wieder aus dem Urlaub zurück und läuft mir zufällig hier im Club über den Weg. Ich erkläre ihm, dass wir in zwei Tagen wieder im Wasser sind und ob ich vorher deshalb bei ihm vorbei schauen müsste. Nein, warum auch? Erst wenn das Boot wieder im Wasser ist, nicht vorher. Was war das eben, habt ihr es auch gehört? Ach ja, der Amtsschimmel hat gewiehert.
Bevor unsere Lady den Landliegeplatz verlässt bekommt sie noch ein „Schiffchen“ verpasst. Wir lassen es in der Schreinerei anfertigen. Dieses Schiffchen hat in der Mitte ein Loch in das der Geber für das Echolot eingebracht wird damit er nicht von unter Wasser treibenden Gegenständen beschädigt werden kann. 8-echolot.JPG9-schiffchen-seitenansicht.JPGSchnell ist es am Rumpf angebracht und mit Antifouling bestrichen. Das Holz ist ein hier vorkommendes sehr widerstandsfähiges Hartholz und für Dinge die sich lange im Wasser befinden bestens geeignet.
Die Arbeiten sind alle abgeschlossen und morgen Samstag sollen wir von den Böcken auf den Wagen versetzt werden. Dort bleiben wir bis Montag stehen, können die Stellen anpinseln die vorher von den Stützen bedeckt waren. Das läuft ja wie geschmiert. Halt! Da war nicht richtig geschmiert da hat doch eben was gequietscht. Was war das? Das war der Anlasser vom Traktor der den Geist aufgegeben hat. Wir haben Freitag, also kann der Anlasser erst am Montag gerichtet werden, was so viel heißt, dass wir nicht auf den Wagen kommen und dass wir nicht am Montag im Wasser sind.10-stevenrohr.jpg
Es ist Montag und der Anlasser wurde gerichtet eingebaut und der Traktor startet – nicht! Also Anlasser ausbauen und den nächsten Tag, also Dienstag für das Wassern vergessen. Klasse.
Dienstag. Der Anlasser ist eingebaut und der Traktor startet – wieder nicht! Da hilft nur eins, anschieben. Schnell ist ein Laster besorgt und der Traktor läuft. Wie der Blitz sause ich zu Charlie und frage ob wir nun ins Wasser kommen. Nein, heute geht das nicht. Morgen muss der Traktor gerichtet werden. Wasserung unbestimmt. Einige Zeit später sagt Charlie zu mir, ich soll mithelfen den Traktor anschieben er möchte den Wagen unter unser Boot schieben damit wir endlich ins Wasser kommen. Also schieben wir und tatsächlich der Traktor springt an. Ich freue mich schon dass es doch noch heute klappt als plötzlich ein lautes nichts gutes verheißendes Geräusch aus dem Traktor kommt das sich zum Lärm steigert. Sofort stellt Charlie den Motor ab. Eine sofortige Inspektion ergibt, dass sich das Schwungrad in das der Anlasser greift gelockert hat. Da passt mal wieder alles zusammen. Der Mechaniker schmeißt sich unter das Fahrzeug und beginnt zu schrauben.11-trecker-oldie.JPG12-mechaniker.JPG Er schraubt und hämmert, dann ist die Schwungscheibe ab. Kurze Zeit später mit neuen Schrauben wieder angebracht. Der Traktor wird gestartet und – er läuft. Nun steht uns für die Wasserung morgen am Mittwoch (hoffentlich) nichts mehr im Weg.
Mittwoch 6:00 früh. Wir hören ein Geräusch und es klingt wie Musik in unseren Ohren. Der Motor des Treckers wurde soeben gestartet und verbreitet sein gleichmäßiges tuck, tuck, tuck. Es dauert noch drei Stunden und unsere Lady ist wieder in ihrem Element. 17-am-haken.jpg18-sie-schwimmt-wieder.jpgRuhig schwimmt sie am Steg und wartet dass sie wieder an ihren alten Platz rangiert wird. Einige Zeit später später ist es so weit, sie liegt an ihrem „angestammten“ Platz und schwimmt als wäre sie nie an Land gewesen. Der einzig sichtbare Unterschied: sie sieht ziemlich verjüngt aus, so als wäre sie geliftet worden.

Und zum Schluss ein lange anliegendes doch nicht verwirklichtes Thema ist das Dinghy. Unser „altes“ Dinghy ist schon sehr ramponiert, was uns nicht so viel ausmacht. Das schlimmste dabei ist, dass dauernd die Luft ausgeht. Mindestens einmal am Tag muss es aufgepumpt werden und das nervt auf die Dauer. Es wurde schon 1000x geflickt mit mehr oder weniger Erfolg. Zum Schluss mit weniger Erfolg. Also ist es an der Zeit ein neues Dinghy anzuschaffen. Wenn ich ehrlich bin, es tut uns beiden weh das alte Teil auszumustern. Wir haben nicht nur in Argentinien gesucht sondern auch das Internet von vorn bis hinten durchsucht. Das was wir wollten haben wir nicht gefunden und zwar einen „Bruder“ bzw. eine „Schwester“ am besten eine „Zwillingsschwester“ unseres Beibootes. Nichts zu machen. Es war aus Hypalon und hatte, trotzdem dass es nur 2,30m lang war einen Schlauchdurchmesser von 45cm. Nun ist unser „Neues“ nicht aus Hypalon (kaum noch zu bezahlen) und zum anderen werden diese Boote in der Größe nur noch mit 35cm Schläuchen gebaut, was bei Wellengang einen nassen Hintern und nasse Klamotten bedeutet. Ich will ja nicht meckern, denn es sieht gut aus und ist sehr sauber verarbeitet. Zwar, wie schon gesagt, kein Hypalon aber immerhin UV und witterungsbeständiges PVC mit eingearbeiteten Gewebe. Zwar Made in China (was kommt eigentlich nicht von da?) aber trotzdem wie bereits erwähnt sehr gut und sauber verarbeitet. Hoffentlich stimmt auch die Qualität. Habe mit den Chinesen schon manchen Reinfall erlebt. Der Preis liegt bei ca. 650 € und das ist für hiesige Verhältnisse unschlagbar. Kostet doch ein hier gefertigtes in der gleichen Größe so ungefähr das doppelte.
Wollen mal sehen wie es sich macht. Sollten wir untergegangen sein schicken wir Euch allen viele Grüße vom Grund des Rio de La Plata.dsci0180.JPG

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Hallo, Gruss von der Green Duck. Wir sind zwischen Salvador und Rio und unterwegs Richtung Argentinien/Uruguay. Können auf Euren Webseiten leider keine Kontaktadresse finden.
Lieber Gruß,
Christel und Ludger

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