13.03.2013

12. März 2013

Es ist so weit, wir müssen mal wieder, wie im vorigen Bericht angekündigt, das Land verlassen aber diesmal ist das Boot dran. Das ist eine Zollangelegenheit. Für uns persönlich ist die Emigration zuständig. Dies haben wir bereits hinter uns. Um aber für das Boot ebenfalls wieder drei Monate zu bekommen mussten wir erst „unsere“ drei Monate in Ordnung bringen. Die kleinen „Unannehmlichkeiten“ die wir dabei erlebten kann man im vorigen Bericht lesen.

Unser Boot ist wieder seetüchtig und wir sind zu einem Abstecher nach Uruguay bereit. Diesmal ist es nicht möglich die direkte Strecke zu fahren. Schuld ist das Wetter. Wir haben seit einigen Tagen NW-Wind und der treibt das ganze Wasser aus dem La Plata ins Meer. Trotz Hochwasser ist deshalb die Tide so niedrig, dass wir beim direkten Weg auf Grund laufen würden. Es gibt nur eine Möglichkeit und die führt über (Natur)Kanäle Richtung Norden in den Rio Paraná de las Palmas und von dort die Internationale Wasserstraße, den Kanal Mitre in Richtung Süden um in der Nähe von Buenos Aires nach Osten also nach Uruguay abzubiegen. (siehe Bild, zum vergrößern Bild anklicken)

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Kanalstrecke

Es ist ein Umweg von 30 Meilen oder anders gesagt die doppelte Strecke. Wir lassen uns Zeit und fahren erst gegen Mittag los, denn wir wollen unterwegs ankern. Von der Segelyacht Scorpio die den gleichen Weg vor kurzem gefahren ist bekommen wir den Tipp für einen schönen Ankerplatz.

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Ankerplatz

Vom Club Barlovento an einem Nebenfluss des Rio de La Plata, dem Rio Lujan gelegen, legen wir ab und es geht los in Richtung NW. Nach kurzer Zeit biegen wir, nun Richtung Norden fahrend in den Canal de Vinculacion ein. Diesen geht es weiter bis wir wieder die Richtung nach NW ändern. Nun sind wir im Rio San Antonio aber nur ein kurzes Stück, denn schon wieder geht es nach Norden, in den Rio Urion. Vom Rio Urion fahren wir nun weiter in den Canal Honda der uns direkt in den Rio Paraná führt. An der Kleinen Isla Nueva vorbei, ein Stück den Rio Paraná in Richtung Osten und wir sind nach ca. 3 Stunden an unserem Ankerplatz angelangt. Auf 5 Meter Wassertiefe fährt Annemarie das Ankermanöver und ich werfe den Schlammhakel über Bord. Rückwärts eingefahren und mit Vollgas nochmal den Sitz des Ankers überprüft und das Tagespensum ist für heute vollbracht. Wir liegen einige hundert Meter neben der Hauptfahrwasserlinie und beobachten was da so an Dickschiffen den Paraná rauf und runter fährt. Und das ist einiges. Da sie alle sehr langsam fahren (müssen) werden wir durch deren Bug oder Heckwelle nicht gestört. Es fährt da so allerhand hin und her. Angefangen vom Sandfrachter über Gastanker, Autofrachter mit bis zu 3000 Fahrzeugen an Bord (groß und hässlich) bis hin zum mehrere hundert Meter langen Container-Schubverband. Wir sitzen im Cockpit und lassen es uns bei einem Sundowner gut gehen. Es ist herrlich und entspannend mal wieder auf dem Wasser unterwegs zu sein auch wenn es „nur“ auf einem Fluss ist. Wir genießen es bis es dunkel ist und wir nichts mehr sehen können. Die Nacht verläuft ruhig nur ab und zu unterbrochen von dem gleichmäßigen tuck tuck der vorbei fahrenden Dickschiffe.

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Autofrachter

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Gastanker

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Sandfrachter

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Schubverband

Am nächsten Tag um sechs Uhr gehen wir schon wieder Ankerauf. Während Annemarie am Ruder ist bediene ich die Ankerwinsch. Ich denke mir gerade so wie toll es ist, dass ich den Anker nicht von Hand raufziehen muss, da ich die Winsch ja gerichtet habe, da bleibt sie auch schon stehen und macht keinen Mucks mehr. Verdammtes Teil dich versenke ich noch an der tiefsten Stelle die ich finden kann. Nachdem ich die 40 Meter Kette eingeholt und den 25kg schweren Anker an Bord gehievt habe bin ich total geschafft.

Wir überqueren die Hauptschifffahrtsstraße und fahren neben den Bojen den Canal Mitre entlang diesmal aber in Richtung Süden gen Buenos Aires. Die Temperaturanzeige steigt plötzlich einige Grad an. Nichts tragisches aber wir bleiben doch noch mal stehen und ich klettere in den Motorraum. Nachdem ich etwa einen Liter Wasser nachgefüllt habe ist alles wieder im grünen Bereich. Die Fahrt selbst verläuft anschließend ereignislos.

Wir sind fast am Ziel . Jetzt sind wir endgültig unter die Motorbootfahrer gegangen, denn es ist uns bisher keine müder Meter unter Segel vergönnt worden. Totale Windstille. Noch sind es ungefähr fünfzehn Minuten bis Colonia als es plötzlich mit 15 Knoten anfängt zu blasen. Da kommt ja wirklich Freude auf. Jetzt wo wir gleich ein Anlegemanöver an der Boje fahren müssen bläst es von der Seite. Ist aber auch wirklich verrückt. Annemarie steht am Ruder und steuert ganz vorsichtig die Boje an. Zu vorsichtig, denn sie wird vom Wind weg gedrückt. Macht nichts. Diese liegt eh nicht so gut. Sie fährt einen Kreis und steuert weiter innen im Hafen eine andere Boje an an der man besser liegt. Es klappt auf Anhieb. Mit dem Bootshaken fange ich das Teil ein und mache das Boot fest. Was soll ich sagen, wir sind kaum zehn Minuten da, das „Ankermanöver“ ist voll abgeschlossen und der Wind ist weg als hätte er nie geweht. Da hat wohl einer was gegen uns.

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Canal de Vinculacion

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Rio-Urion

Wir lassen das Dinghy zu Wasser und gehen ein und gleichzeitig auch ausklarieren da wir morgen in aller Frühe schon wieder zurück wollen. Nachdem wir alle Stempel und Papiere haben die wir brauchen verziehen wir uns aufs Schiff und gehen auch bald schlafen.

Am nächsten Tag bei Tagesanbruch mache ich uns von der Boje los und Annemarie steuert unsere Lady zurück in Richtung Argentinien. Die Rückfahrt wird ein wenig spannender als die Hinfahrt. Der Wasserstand ist noch mehr gesunken und das Echolot zeigt über weite Strecken null Zentimeter unter dem Kiel an. Da wartet man jeden Augenblick darauf dass es nicht mehr vorwärts geht und man im Schlick stecken bleibt. Aber es geht alles gut und wir kommen wieder in tieferes Wasser. Es kommt uns so allerhand an dicken Pötten entgegen. Bei jedem „Dampfer“ den wir sehen winken wir und bekommen stets Antwort mit einem kurzen Tuuut des Schiffshorns. Einer freut sich so sehr, dass ihm das Tuut nicht reicht , der saust sogar auf die Brücke und winkt uns mit beiden Armen zu.

Am späten Nachmittag sind wir wieder an unserem Ankerplatz. Der Haken saust nach unten und kurze Zeit später sitzt er am Grund fest. Ein gemütliches Abendessen lässt diesen schönen Tag ausklingen.

Am nächsten Tag sind wir relativ früh auf den Beinen und machen uns an die Arbeit. Das Sprayhood zeigt an den Fenstern etliche Rostflecken und das bedeutet Handlungsbedarf bevor es schlimmer wird. Wir bauen die Scheiben aus schleifen den Rost, dank Wechselrichter mit der Maschine ab und bestreichen die blanken Stellen mit Phosphat Säure. Sie nimmt den restlichen Rost weg und verhindert neuen. Mit Hempel Mastic weiß werden anschließend die entrosteten Stellen gestrichen die Fenster wieder eingebaut und die Ränder mit PU vergossen. Das dauert den ganzen Tag. Wir beenden ihn mit der zufriedenen Gewissheit etwas Nützliches getan zu haben. Am nächsten Morgen machen wir uns über einige der morschen Trittplatten am Oberdeck her. Mit einem scharfen Schaber kratze ich die Platten ab. Dann schleife ich mit der Maschine die Farbe an und entferne den restlichen Kleber. Annemarie steht bereits mit dem von mir über alles geschätzten Mastic bereit und trägt zwei Schichten auf. Die restlichen Schichten kommen dann, wenn das komplette Deck gestrichen wird, dazu. Aber nicht hier am Ankerplatz. Der nächste Tag dient dann der Erholung und Entspannung bevor wir uns aufmachen zurück nach Barlovento. Die Rückfahrt verläuft ebenfalls wie die Hinfahrt ruhig und entspannt. Leider, wie nicht anders erwartet, alles unter Motor. Nach sechs Tagen und 50 Liter Diesel ärmer sind wir am späten Nachmittag zurück in Barlovento.

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Fenster sind ausgebaut

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Trittflächen werden entfernt

Zum Schluss mal ein kleiner (Verbrauchs)Vergleich mit einem Auto. Unser Motor ist ein Vierzylinder 2,5 Liter Diesel mit 54 PS. Er ist sehr sparsam und verbraucht etwa 2 Liter Diesel pro Stunde. Vorausgesetzt er muss nicht gegen Welle und/oder Strömung ankämpfen. In einer Stunde legen wir eine Strecke von fünf Meilen zurück, das sind 9,25 km. Ich brauche also 11 Stunden für 100km. 11×2=22 Liter auf 100km. Ich glaub ich wünsche mir ein Auto. Aber wenn ich mir dann wieder denke was so ein Auto in 11 Stunden verbraucht… 🙂

Anmerkung zum untenstehendem Bild:                                                                                                                      weiße Linie: Kanalstrecke,                                                                                                         blaue Linie: direkter Weg

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Überblick

Kommentare

Hallo Annemarie und Werner, es freut uns dass alles so gut funktioniert hat. Bei uns hat sich nicht viele Neues ereignet, außer dass wir eigentlich vom Schnee „die Schnauze voll haben“ fahren heute zum GDE Seminar nach Würzburg bei Schnnetreiben, obwohl es schon kurzzeitig Frühling war.
Liebe Grüße von Christa und Manfred und wünschen Euch immer eine bandbreit Wasser unter dem Kiel.

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