24.06.2013

20. Juni 2013 – Wieder auf See

Der letzte Bericht liegt schon einige Monate zurück und man kann nicht gerade behaupten dass ich (wir) in dieser Zeit fleißig waren was das Schreiben anbelangt. Dafür waren wir aber um so fleißiger was die Arbeiten am Boot betrifft. Ich will hier nur mal einige der wichtigsten aufzählen: die Farbe am Unterwasserschiff wurde vollständig entfernt und mit acht Schichten Epoxifarbe und Teerepoxi komplett neu aufgebaut. Das Kasko wurde abgeschliffen und neu gestrichen, die Inneneinrichtung des Bades/Toilette wurde komplett ausgebaut und erneuert, die Möbel im Salon wurden ebenfalls fast komplett ausgebaut, der Rost entfernt, mit Antirostfarbe grundiert und mit Epoxifarbe gestrichen, Die Propellerwelle und der Propeller wurden ausgebaut gerichtet und ausgewuchtet sowie das komplette Stopfbuchsensystem zur Abdichtung der Propellerwelle erneuert. Der Ankerkasten wurde innen neu verkleidet und abgedichtet so dass das Wasser nicht mehr nach innen in die Bilge fließt, der Deckel vom Ankerkasten wurde aus Edelstahl neu konstruiert und eingebaut, das alte provisorische Cockpitdach wurde endlich durch eine neue dauerhafte Konstruktion ersetzt. Annemarie hat aus Canvasstoff Seitenteile genäht um das Cockpit abzuschließen. Leider ging mitten in der Arbeit die Nähmaschine kaputt, so dass dieser Teil der Arbeit noch auf die Fertigstellung wartet. Erneuert wurden auch das Genuafall, die Genuaschoten, das Großfall und die Dirk. Eine der wichtigsten Arbeiten war die Erneuerung der Steuerseile, diese dienen der Sicherheit und müssen besonders sorgfältig geprüft und gepflegt werden, da es an unserem Boot fast unmöglich ist bei einem Ruderschaden ein Notruder anzubringen. Einige Fasern des Steuerseils waren bereits gebrochen. Das sind so die wichtigsten Dinge die wir nun hinter uns haben. Würde ich alles aufzählen würde es den Rahmen des Berichts sprengen und wäre außerdem auch noch langweilig.

kellerkind.JPG Kellerkind

am-steg.JPG Am Steg

Also wie gesagt, mit den Arbeiten sind wir so weit fertig. Nun sind wir unterwegs in Tigre um auszuklarieren uns also bei Emigration, Zoll und Prefectura abzumelden. Im Club haben wir uns bereits verabschiedet und es kann losgehen. Der direkte Weg nach Colonia/Uruguay ist uns wegen zu niedrigem Wasserstand verwehrt also nehmen wir, wie schon vorher einmal, den Weg über die Kanäle. Alles geht so weit gut bis wir zur Abzweigung des Kanals Vinculación – Kanal Honda kommen. Ankert doch da einer wirklich mitten im Kanal in der Fahrspur. Der hat sie aber wirklich nicht alle, denke ich noch, als sich unser Boot, mit Annemarie am Ruder ganz plötzlich von selbst um 180° dreht und mit der Strömung wieder zurück fährt. Was ist denn hier los? Da dämmert es mir und ich finde den Ankerlieger plötzlich nicht mehr doof. Der steckt im Schlick fest und muss warten bis er höheres Wasser unter den Kiel bekommt. Wir sind auch aufgefahren aber nur leicht und die Strömung hat unser Boot umgedreht. Ich übernehme das Ruder und versuche es nochmal. Bis zu einer bestimmten Stelle und es geht nicht mehr weiter und wir sitzen wieder fest. Diesmal mit mehr Geschwindigkeit und die Strömung dreht uns nicht mehr um. Aber was nützt das? Wir versuchen frei zukommen und geben Vollgas. Der Dreck wird aufgewirbelt aber langsam und mithilfe der Strömung klappt es schließlich. Auf zum dritten Versuch, wir wollen unbedingt durch. Nun nehmen wir einen anderen Weg, ganz dicht am Ufer und siehe da, es geht ohne Probleme.

der-steckt-fest.JPG der steckt fest

Wir fahren noch eine Stunde weiter bis zu einem Ankerplatz auf dem wir übernachten. Am nächsten Tag motoren wir nach Colonia. Segeln ist uns leider wegen fehlendem und dann aus der verkehrten Richtung wehenden Windes versagt. Es ist schon dunkel als wir uns schließlich im Hafen von Colonia eine Boje angeln. Wir, das sind Annemarie, ich und unser Freund Oskar aus Argentinien, der uns bis Rio Grande begleiten wird, rudern mit dem Dinghy an Land. Wir wollen unbedingt eine Chivita essen. Das ist eine große Platte mit Fleisch, Ei, Gemüse, Salat und viel, viel Pommes. Dazu ein gutes gekühltes Bier. Einfach spitze.

taxidienst.JPG Taxidienst

bald-gibts-was-zu-essen.JPG Bald gibts was zu essen

Zwei Tage später, das Wetter hat sich zu unseren Gunsten geändert, geht es weiter. Leider wieder mit Motor. Als ich den Tagestank füllen will saugt mir die Kraftstoffpumpe nur Luft an obwohl der große Tank mit 400 Litern randvoll ist. Das Problem ist schnell behoben. Mit einer Handpumpe und den nötigen Schläuchen holen wir den Diesel aus dem großen Tank und außerdem haben wir noch fünf volle Kanister also nochmals 100 Liter als Reserve dabei, mit denen wir den Tagestank füllen können.

einfahrt-lagune.JPG Einfahrt Lagune

gemutlich-flusfahrt.JPGGemütliche Flußfahrt

gemutliches-segeln.JPGGemütliches Segeln

Wir kommen in die Nähe von Montevideo. Es ist eine finstere und Mondlose Nacht. So viele Schiffe habe ich noch nie auf Reede gesehen. Es sind mindestens 100. Gott sei Dank bewegen sich die meisten nicht. Wir schlängeln uns so durch und gehen zu dritt Wache. Einige Schiffe kreuzen dann doch unseren Weg zum Teil ziemlich nahe aber es geht alles gut. Endlich haben wir Punta del Este erreicht und wir ändern die Fahrtrichtung von bisher SO auf NO. Jetzt kommt auch etwas Wind auf und wir können Segel setzen. Mit vier Knoten geht es gemütlich dahin. Der Wind wird stärker und weht mit 15-18kn, dabei saust unsere Lady mit bis zu 7kn dahin. Johann unser Autopilot macht seine Aufgabe sehr gut und wir brauchen uns nicht um das Ruder zu kümmern. Das geht zwei Tage lang so weiter bis wir in der Höhe von Cabo del Diablo, dem Teufels Kap sind. Der Wind weht noch immer mit 15-18kn, wir segeln noch immer mit 6-7kn, nur die Wellen werden erheblich höher und die Fahrt rauer. Der Bugspriet klatscht oft und mit ziemlicher Wucht ins Wasser. Und gerade jetzt streikt der Autopilot. Er meldet erst Low Battaery und steigt dann ganz aus. Low Battary? Ist doch nicht möglich, die Anzeige steht auf 13,8V. Jetzt und in der Nacht den Fehler zu suchen versuche ich erst gar nicht. Ich gehe für drei Stunden ans Ruder bevor ich mich, ziemlich durch gefroren von Oskar ablösen lasse. Er sollte eigentlich die nächsten drei Stunden das Ruder übernehmen. Annemarie knüpft ihm wegen der Kälte noch zusätzlich aus einer warmen Mikrofaserdecke einen Poncho den er sich überzieht. Annemarie ist nicht gut zurecht, hat eine Erkältung und ist leicht Seekrank. Sie legt sich ebenfalls hin und sagt Oskar er soll sie zur gegebenen Zeit aufwecken. Tut er nicht. Als ich morgens so gegen sieben Uhr aufwache sitzt Oskar halb erfroren immer noch am Ruder. Mit eiskalten und starren Fingern umklammert er das Steuerrad und meine Skihandschuhe liegen ungenutzt in der Kabine. Oskar,Oskar!! Jetzt reicht es mit dem Ruder gehen. Ich mache mich sogleich auf die Fehlersuche. Es dauert nicht lange und ich habe den Fehler gefunden. Eine Mutter am Stromanschluss der Sicherungsbox hat sich gelöst. Oder wurde sie vergessen anzuziehen? Wie auch immer. Einige Umdrehungen und mit dem Schlüssel festgezogen und schon nimmt Johann seine Arbeit wieder auf. Die Salzwasserpumpe für den äußeren Kühlkreislauf des Motors leckt erheblich. Das kann nur ein defekter Simmerring sein. Ist nur ein kleines Problem welches wir in Rio Grande beheben werden.

saukalt.JPG Saukalt

Nach Stunden, die mir wie eine Ewigkeit vorkommen sind wir endlich an diesem Teufels Kap vorbei und die Wellen werden weniger aber immer noch bei gleich bleibendem Wind. Unsere Lady rauscht fast lautlos dahin. Es hat sich wirklich gelohnt die Arbeit am Unterwasserschiff. Man möchte nicht meinen was ein Muschelbewuchs bei 6kn für einen Lärm entwickelt. Und nun, so leise als würde sie durch Öl gleiten.

Wir sind fast an der Einfahrt der Lagoa de Patos angelangt und der Wind dreht auf Süd, direkt von Achtern. Keine Lust die Segel zu verändern. Da wir platt vorm Laken segeln müssten, müssten wir die Genua ausbaumen und das tun wir uns nicht mehr an. Also Segel runter und Motor an. So geht es gemütlicher und mit weniger Arbeit dem Ziel entgegen.

An der Einfahrt zur Lagoa de Patos übernehme ich das Ruder und steuere das Boot sicher in die Lagune. Nicht sehr schwierig aber auch nicht ganz ohne, denn die Wellen haben nun so an die zwei Meter und schieben uns direkt in die Einfahrt. Wir müssen aufpassen auf die Großschifffahrt. Wir haben Glück die Einfahrt ist frei, und es kommt weder ein Schiff entgegen noch werden wir von einem überholt. In der Lagune übergebe ich das Ruder wieder an Annemarie und sie bringt uns sicher bis zum Yacht Club in Rio Grande.

Es sind einige Tage vergangen und wir besuchen „alte“ Freunde. Die Wiedersehensfreude ist groß. Gonzalo unser Freund und Mechaniker bekommt auch gleich den Auftrag die leckende Salzwasserpumpe und die ebenfalls leckende Einspritzpumpe zu reparieren.

Er baut auch gleich nach unserem Besuch die Pumpen aus. Heute fahren wir nach Pelotas in eine Spezialwerkstatt um die Einspritzpumpe reparieren zu lassen. Nach einer Stunde Arbeit und gründlicher Einstellung und Überprüfung auf dem Prüfstand können wir sie wieder mitnehmen. Kostenpunkt umgerechnet 18,00€. Die Impellerpumpe nimmt Gonzalo mit nach Hause und wird sie dort reparieren.

Die alten Trittmatten sollen entfernt und dann das Deck neu gestrichen werden. Dazu benötigen wir gutes Wetter. Im Moment ist es kalt es regnet und es weht ein ungemütlicher Wind. Richtiges „deutsches Novemberwetter“.

zwischenmahlzeit.JPG Zwischenmahlzeit

Wir hoffen in ca. 2 Wochen eine weitere Etappe in Angriff zu nehmen. Aber nur noch Annemarie und ich, denn Oskar muss zurück nach Buenos Aires. Er kann sein Geschäft nicht zu lange alleine lassen.

tolle-kiste.JPGTolle Kiste

ich-darf-doch-bitten.JPG Ich darf doch bitten…

Kommentare

Ich danke Annemarie (Admiral) und Werner (der Kapitän) die schöne Segelfahrt von Buenos Aires (Argentinien) bis nach Rio Grande do Sul (Brasilien). In diese fast drei erlebnisvolle Wochen, hab‘ ich zwei nette und gute Freunde kennengelernt mit denen ich viel gequatscht, amüsiert und gelacht habe. Vielen Dank und ich wünsche Beiden eine sehr Gute Reise (wenn man hier in Argentinien einem Segler eine „Gute Reise“ wünscht sagt man: „Buenos Vientos“ (d.h.“Gute Winde“). Bis bald. Oskar

Hinterlasse einen Kommentar

Dein Kommentar:

Kategorien