30.06.2013

30. Juni 2013 – Piraten an Bord

Wir liegen hier im Yacht Club Rio Grande so ganz friedlich mit unserem Boot und denken an nichts Schlechtes als es an unserem Steckschott (Tür) klopft. Ich mache auf und es steht da doch tatsächlich eine vermummte Gestalt mit einer Pistole in der Hand und bedroht uns. Ich nicht faul, denke das muss doch per Foto festgehalten werden, stürze zum Fotoapparat und fange an zu knipsen (siehe Bild). In dem Moment zieht dieser Gauner den Abzug durch. Die Pistole in seiner Hand fängt an blau, rot und weiß zu blinken, begleitet von einen hässlichen Heulton. Klasse Oskar, gut gemacht. So passiert als Oskar letzte Woche noch hier war. 🙂

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Pirat Oskar

Nun aber zu einem ernsteren Thema, Piraten fertigen wir so nebenbei ab. Wir haben, wie im letzten Bericht geschrieben, einiges am Boot zu tun. Pumpen sind ja repariert und ich habe den ausgebauten Kühlwasserrohren etwas Farbe zwecks Rostschutz verpasst. Aber eingebaut sind sie bis jetzt noch nicht, denn von Gonzalo fehlt seit drei Tagen jede Spur. Er war letzte Woche schon etwas kränklich, vermutlich hat es ihn jetzt voll erwischt. Da kann ich ihm gleich Gesellschaft leisten, denn die letzten zwei Tage und Nächte waren nicht gerade angenehm. Kopfweh, Ohrenschmerzen, Halsweh und eine angeschlagene raue Stimme sind im Moment meine Begleiter. Trotz allem habe ich Hempel 2K Epoxifarbe gemischt und Annemarie hat mal wieder „Malermeister“ gespielt und das Deck bzw. die Laufflächen gestrichen.

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Ankerkasten vorher

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 und nachher mit Edelstahl

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alles bleibt im Rahmen

Vorher habe ich, wie schon in Argentinien die Trittplatten mit einem messerscharfen Schaber abgelöst, den Untergrund mit der Maschine abgeschliffen und so zum streichen vorbereitet. Zwei Anstriche sind schon mal drauf. Ein dritter wird folgen und dann ein vierter dieser aber mit stark verdünnter Epoxifarbe versetzt mit Mikroballons als Antislipbelag. Billiger wäre gut gewaschener Quarzsand vom Strand der ist hier fast wie Staub so fein aber sehr scharfkantig. Das wollen wir dann doch nicht. So verstreichen die Tage nicht ganz nutzlos.

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Reif zum Austausch

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Sieht doch gut aus, oder?

Es ist doch immer wieder erstaunlich was da alles so kaputt geht. In Argentinien ist mir eine von den beiden 12V Batterien meiner 24V Batteriebank, die ich vor einem halben Jahr gekauft habe, kaputt gegangen. So weit kein Problem, denn sie wurde problemlos umgetauscht. Nun aber hat die andere ebenfalls ihren Geist aufgegeben und ich brauche einen Ersatz. Da ich nicht mehr im Barlovento bin, muss ich wohl oder übel in die Tasche greifen. Damit aber nicht genug, denn eine meiner beiden großen 175AH Service Batterien hat ebenfalls den Geist aufgegeben. Diese allerdings ist bereits drei Jahre alt. Nun stehe ich vor einem weiteren Problem. Da die 2x175AH Service Batterien parallel zusammengeschlossen sind, kann ich nicht einfach eine Neue kaufen und diese mit der alten Batterie zusammenschließen. Die verschiedenen Innenwiderstände von neu und alt würden beide Batterien auf Dauer kaputt machen. Also sieht der Plan so aus, dass wir vermutlich eine Batterie mit 240AH statt mit 175 AH kaufen werde und diese dann als zwei unabhängig voneinander betriebene Batteriebänke verwenden. Eine Bank wird geladen, die andere arbeitet. So der Plan. Aber was, wenn die zweite 175iger Batterie kaputt geht? Dann würde ich sagen, ganz schön in den A… gekniffen und nochmal tief in die Tasche greifen. Wollen wir es nicht hoffen. Kann schließlich nicht unsere ganze Rente nur für Batterien ausgeben.

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Kühlwasserrohre Schiffsmotor

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 Leitungen für Einspritzdüsen

Außerdem belastet das Wetter unseren Geldbeutel. Die Marina hier ist ganz schön teuer. Über 500€ pro Monat. So wie es im Moment aussieht werden wir bestimmt vor dem 10. Juli nicht wegkommen, womit wir dann auch schon wieder fast vier Wochen hier sind. Immer nur Nordwind. Wir brauchen eine stabile Wetterlage aus Ost, West oder Süd. Und das über einige Tage hinweg. Keiner von uns beiden hat Lust gegen an zu donnern.

Letzte Woche hatten wir hier am Steg eine nette Bekanntschaft gemacht. Zwei junge argentinische Segler Miguel Dromedari (der heißt wirklich so) und Guillermo Procyk. Die beiden überführen ein 30 Fuß großes Boot von Angras dos Reis (Nähe Rio de Janairo) nach La Paloma in Uruguay.

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Guillermo und Miguel

Sie haben Probleme mit dem Autopiloten, der hat den Geist aufgegeben. Zwar haben sie einen Ersatz dabei aber sie wissen nicht wie sie ihn anschließen sollen. Sie haben weder das Werkzeug noch das know how dafür. Sie fragen mich ob ich da helfen könnte. Kein Problem. In wenigen Minuten ist alles erledigt. Da muss wohl erst ein Bäcker kommen um alles zu installieren:-). Die Rollanlage für die Genua macht ebenfalls Probleme. Sie rollt nicht richtig auf und nach kurzer Zeit ist die Leine an der Rolle durchgescheuert. Ein Rollblock mit einem Schäkel an der richtigen Stelle befestigt hat auch dieses Problem in kürzester Zeit behoben. Das Problem mit dem Großsegel, ich weiß nicht genau welches, hat Miguel durch aufentern in den Mast, der keine Maststufen besitzt, selbst gelöst.

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Fast geschafft

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Miguel hat den „Höhepunkt“ erreicht

Inzwischen sind sie weg und haben die 196 Seemeilen mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 4,9 Knoten in 40std.hinter sich gebracht allerdings mit mehr Wasser im Boot als außerhalb. Trotzdem oder gerade deshalb Gratulation. Gute Leistung.

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Miguel (li) Guillermo(re)

Am Schluss eine nette Begebenheit die wir diese Woche in Rio Grande erlebten. Annemarie hat ihre (20 Jahre) alte Brille auf der Nase als die plötzlich und ohne ihr Zutun auseinander bricht und zu Boden fällt. Lange schon stand eine neue Brille an. Auch bei mir. Wenn ich am Ruder stehe kann ich die Instrumente nicht mehr ablesen. Für die Lesebrille ist der Abstand zu weit und ohne Brille stehe ich da wie ein blindes Huhn. Ich sehe zwar die Instrumente (wäre ja noch schöner) aber nicht was sie anzeigen.

Also, die Gelegenheit ist günstig oder besser gesagt zwingend und wir gehen zum Augenarzt um die Sehstärke feststellen zu lassen. Der Name des Arztes: Prof. Altmayer! Schreibweise wie mein Name, nur ohne „H“ am Anfang. War ja schon mal ein Gesprächsthema. Er ist, wie der Name schon sagt deutsch stämmig, spricht aber nicht deutsch, denn zur damaligen Zeit (1945 -etwa 1955) wurden deutsche Schulen verboten, ebenfalls die deutsche Sprache. Kein so großes Problem, denn in englisch geht es auch ganz gut. Plötzlich meint er „ich habe den Namen schon mal gehört. Seid ihr mit einem Boot hier“? „Jetzt weiß ich es wieder, ihr seid vor zwei Jahren in Seenot geraten und dann hier in Rio Grande gelandet“. Muss wohl ein sehr verschlafenes Nest sein dieses Rio Grande, wenn man sich nach zwei Jahren noch an diesen Zeitungs und Fernsehbericht erinnert.

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OoR mit geblähten Segeln

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