25.08.2013

Ein besch… Törn

Es ist kaum zu glauben, dass es Länder gibt in denen man zur Kommunikation besser Trommeln benutzt als z.B. Internet. Brasilien ist so ein Land. Zwar bekommt man in den meisten Marinas „kostenlosen“ Internetzugang, jedoch haben die irgendein eigenartiges System das nicht bzw. in den meisten Fällen nicht funktioniert. Hier in dieser Luxusmarina ist es nicht anders. Deshalb haben wir uns einen Stick gekauft also ein Prepayd System. Da bekommt man überall dort wo es eine Handy Verbindung gibt auch Zugang zum Internet. So die Theorie. Die Praxis sieht so aus, dass die Verbindung aufgebaut wird, dann kommt jede Menge Werbung, die wenn man sie abruft bezahlt werden muss,logisch da werden ja KB´s „verbraucht“ aber eine Verbindung zum Internet mit der man E-Mails schreiben oder womöglich sogar surfen kann, die kommt nicht zustande. Also wie gesagt, besser trommeln. Aber da hat man dann keinen Datenschutz, da kann jeder mithören::-).

Nun zu einem anderen Thema, unserer Fahrt. In Rio Grande wollten wir eigentlich nur maximal 2 Wochen bleiben nun sind es aber doch 6 Wochen geworden. Wir sind aber nicht untätig und erledigen viele kleine Dinge die aber auch sein müssen. Am Abend fragt man sich dann: was wir eigentlich gemacht haben. Den ganzen Tag sind wir beschäftigt aber wir sehen nicht was sich groß geändert hat. Auf jeden Fall rennen wir kreuz und quer durch Rio Grande kaufen dies, erledigen das, besuchen Freunde usw. In Barra, wo wir ja fast ein ganzes Jahr lagen und deshalb dort auch viele Freunde haben spricht es sich rum wie ein Lauffeuer dass wir wieder im Lande sind. Eugenio, der uns damals die 80 Meilen von Xui nach Rio Grande abgeschleppt hat ist im Moment nicht auf See und lässt uns zukommen, dass wir ihn zu Hause besuchen sollen, was wir auch machen. Er freut sich sehr uns begrüßen zu können was auf Gegenseitigkeit beruht. Seine jüngere Tochter, die ältere hat einen Freund und damit andere Interessen, ist gar nicht mehr von unserer Seite zu bringen und neugierig nimmt sie alles auf was wir zu erzählen haben. Die Brasilianer sind durchweg alle sehr gläubig und daher bekomme ich von ihr auch einen“goldenen“ St.Georg Anhänger geschenkt, der jetzt im Salon hängt.
Endlich ist es so weit. Wir und das Boot sind fertig zur Abfahrt in Richtung Norden. Erste Station soll Santa Catarina werden wo wir in der Hufeisenbucht übernachten wollen. Am nächsten Tag in aller Frühe geht es dann weiter nach Porto Belo , was von der Bucht aus nur eine Tagestour entfernt ist. So sieht unser Plan aus. Wie gesagt der Plan. Aber wie so oft ist zwischen Plan, also Theorie und der Wirklichkeit ein großes Loch in dem so allerhand Mist versteckt ist. Warum sollte es diesmal anders sein. Aber ich greife vor. Wie bereits erwähnt, Schiff und Mannschaft sind zur Abfahrt bereit nur spielt leider das Wetter nicht mit. Nordwind, genau das was wir überhaupt nicht brauchen können. Was wir brauchen ist beständiger West Süd oder Ostwind für mindestens drei Tage. Zweimal täglich das Wetter gecheckt sitzen wir hier wie auf heißen Kohlen. Endlich zeichnet sich ein Umschwung ab und es ist Südwind für vier Tage vorausgesagt. Ein schöner Segelwind mit bis zu 25kn (ca 45km/h). Das verspricht eine gute und nicht zu langsame Fahrt.
Endlich ist es so weit. Wir haben Montag den 12. August 10:00 Uhr als wir vom Steg des Yacht Clubs in Rio Grande ablegen. Bis zur Ausfahrt der Lagoa do Patos sind es etwa zwei Stunden. Gerade fahren wir am Haus von Gonzalo unserem besten Freund in Barra vorbei. Ein hupen, tröten und winken machen uns den Abschied von Gonzalo und seiner Frau Susanne nicht gerade leichter. Wissen wir doch, dass es ein Abschied für immer sein wird. Aber so ist es mal beim Segeln. Ein befreundetes Seglerpaar hat in ihrem Blog mal geschrieben: wir Segler sind Weltmeister im Abschied nehmen. Da kann ich nur zustimmen. Eine Zeit lang bleibt dann immer eine gewisse Leere, die sich im Moment bei uns nicht spürbar macht, denn wir müssen uns auf den Weg konzentrieren. Eine allgemeine Inspektion des Bootes speziell der Ruderanlage ergibt eine undichte Stelle am Ruderquadrant. Es dringt Wasser durch den Abschlussdeckel am oberen Ende des Rohres welches den Ruderschaft aufnimmt. Mist. Mit ein paar leichten Hammerschlägen ist der Deckel zurechtgerückt und alles ist wieder in Ordnung. Die Inspektion des Motorraums ergibt eine undichte Rücklaufleitung. Das ist doch wirklich zum Mäuse melken. Drei Stunden Probelauf innerhalb von drei Tagen hat nichts ergeben. Die undichte Rücklaufleitung konnte ich nicht wechseln, denn einen Ersatz haben wir nicht bekommen. Eigenartig ist nur, dass ich trotz Testläufen keine Undichtigkeit festgestellt habe. Jetzt sind wir zwei Stunden unterwegs und dann das. Ich habe noch hitzebeständiges Silikon und damit schmiere ich die undichte Stelle zu. Funktioniert nicht wirklich. Der Diesel tropft noch immer auf den heißen Motor und qualmt. Sehr unangenehm. Ich schneide aus einem Schlauch eine „Half Pipe“ und schiebe ihn dann unter die undichte Stelle. Das hilft. Den Schlauch leite ich in einen Kanister und fange damit den Diesel auf.
Der Wind ist ziemlich schwach und so ist Motorsegeln angesagt. Wir lassen den Motor mitlaufen und tuckern so mit 4kn dahin. Das Meer ist ruhig und die Nacht ebenfalls.
Am zweiten Tag Nachmittags ist schöner Segelwind mit bis zu 25kn aus Süd angesagt. Der bringt uns bestimmt flott vorwärts. Der Wind kommt wie vorhergesagt aus Süd mit erst 25, dann 35 und zu guter Letzt mit bis zu 45kn (83km/h). Und Johann (unser Automat) macht schon lange nicht mehr mit und so ist Rudergehen angesagt. Wir sind jetzt in der Höhe von Porto Alegre und es kachelt was das Zeug hält. Die Wellen erreichen so an die vier Meter. Sie sind sehr kurz und fast jede Welle bricht. Nun fängt es auch noch an zu Regnen und ich bin nass bis auf die Haut. Das Dach hält zwar den größten Regen ab aber der Wind kommt von Achtern weht mir den Regen in den Rücken. Gerade habe ich mir trockene Sachen angezogen als eine Welle einsteigt und mich mit mindestens 20 Liter Salzwasser beglückt. Nun ist es noch schlimmer als vorher. Das Wasser ist kalt und ich friere. Das aber ist erst der Anfang, nur gut, dass ich das jetzt noch nicht weiß. Die Heftigkeit der Wellen nimmt zu und immer mehr Brecher steigen in das Cockpit ein. Plötzlich bekomme ich einen Schlag in den Rücken. Eine Welle ist von Achtern eingestiegen und hat mir das wirklich fest verzurrte Dinghy in den Rücken geschoben. Es pfeift und tobt wie verrückt. Die inzwischen hereingebrochene Nacht zieht sich wie Kaugummi. Aber der nächste Tag kommt so bestimmt wie das Amen in der Kirche. So ist es dann auch aber das Wetter ändert sich kein bisschen. Es kachelt was das Zeug hält. Ich versuche einen Kurs zu fahren bei dem das .Boot möglichst ruhig ist und keine Brecher überkommen. Mit einem mal rauscht es und ich höre wie der Brecher immer näher kommt. Dann hat er uns eingeholt. Auf dem brechenden Wellenkamm rauschen wir vorwärts, mit 11kn. Auf beiden Seiten läuft das Wasser auf dem Boot .entlang, Das ganze Deck ist etwa 10-20cm unter Wasser so lange bis uns die Welle überholt hat und wir auf deren Rückseite langsamer werden. Jetzt segeln wir nur noch mit 8kn. Erst nachdem das Wasser längst abgelaufen und das Boot wieder langsamer geworden ist begreife ich was das war. Eine andere Position und der Brecher hätte uns unter sich begraben können. Der Tag vergeht, der Sturm und die Wellen donnern immer noch mit unverminderter Kraft über uns hinweg und ich sitze halb erfroren durchnässt und total fertig immer noch am Ruder. Es ist längst wieder dunkel geworden und die nächste Nacht steht mir bevor. Ich weiß nicht wie ich das machen soll. Es kommt fast so was wie Panik oder eigentlich besser gesagt wie Verzweiflung in mir auf und ich weiß wirklich nicht wie ich das überstehen soll. Schließlich sitze ich jetzt fast dreißig Stunden am Ruder. Dass die Fock als einziges Segel steht versteht sich von selbst und dass die plötzlich in Fetzen am Stag hängt ist bei diesem herrschenden Chaos schon fast nicht mehr erwähnenswert. Also bleibt Annemarie nichts anderes übrig als das Ruder zu übernehmen und zu versuchen das Schiff bei diesem Höllenwetter so ruhig wie möglich zu halten, denn ich muss auf das Vorschiff und die Segel wechseln. Wir haben in Rio Grande starkes Bandmaterial gekauft und auf beiden Seiten des Bootes gespannt. Diese Bänder dienen mir jetzt als Laufleine in die ich mich mit der Lifleine (Sicherungsleine) mit einem Karabiner einpicke um nicht von Bord gespült zu werden. Dann taste ich mich nach vorne. Immer wieder schlagen Wellen auf das Deck. Ich bin völlig durchnässt. Aber „Nasser“ als Nass kann ich nicht werden. Also spielt das auch keine große Rolle mehr. Ich löse den Fallenstopper und das „Restsegel“ rauscht nach unten. Schnell fange ich es ein bevor es über Bord geweht werden kann und stopfe es zu einem Knäuel zusammen das ich zum Achterdeck schaffe und dort sichere. Dann hole ich ich im Cockpit die Sturmfock aus dem Segelsack und ziehe sie auf das Vordeck. Gott sei Dank haben wir eine relativ starke Deckbeleuchtung, so dass ich nicht im Dunkeln rumfummeln muss. Ich schlage die Segel mittels Stagreiter an und ziehe es hoch. Sofort ist Druck im Segel und unsere Lady verhält sich viel manierlicher. Sie reagiert erheblich besser auf das Ruder als ohne Segel. Sofort rauschen wir wieder mit acht bis neun Knoten dahin. Sekundenlang sogar wieder mit 11 Knoten wenn es den Wellenberg runter geht. Trotz aller Unbill liegt die Madam gut am Ruder. Ich habe Annemarie wieder abgelöst. Sie steht am Niedergang als eine Welle an Backbord einschlägt. Erst saust sie mit dem Kopf gegen die Verkleidung am Niedergang und dann wird sie zurückgeschleudert mit dem Rücken an den Kartentisch. Ich sehe sie regerecht zu Boden gehen wie einen k.o geschlagenen Boxer. Verdammt noch mal, wann hört diese Scheiße denn endlich mal auf. Gerade als Annemarie das Steckschott einschieben will kommt ein Brecher ins Cockpit gesaust der mit mindestens zwanzig Liter Wasser den Weg in den Salon und auf den Kartentisch findet. Das zweite Notebook das im und nicht auf dem Kartentisch liegt hat daraufhin seinen Geist aufgegeben und ist nur noch Schrott. Das Wasser findet seinen Weg sogar bis in die Schubladen in denen das Werkzeug nun fein gebadet im Salzwasser liegt. Der Rest des in den Salon geschleuderte Wasser landet auf meinem Bett im Salon und durchnässt es völlig. Da kommt so richtig Freude auf. Annemarie ist inzwischen dabei die Bilge auszuschöpfen weil natürlich aus unerfindlichen Gründen genau jetzt die elektrische Bilgenpumpe nicht arbeitet. Vermutlich deshalb weil die Elektrik die ja im Schott neben dem Kartentisch ist auch total nass vom Salzwasser ist. Bin schon froh dass da nichts ernsteres ist und noch mehr Elektrik ausfällt. Während Annemarie die Bilge ausschöpft donnert wieder mal so eine verdammte Querwelle an das Boot. Dabei fällt die Niedergangstreppe, die ausgehängt ist um an die Bilge zu kommen, um und knallt Annemarie voll auf den Hinterkopf. Also ich bin der Meinung langsam reicht´s. Die Brecher die einsteigen werden immer mehr und heftiger und ich sitze darunter wie unter einer Schwalldusche. Ich habe nämlich den Kurs korrigiert und fahre in einem Winkel von etwa 40-60 Grad quer zur Welle. Ist sehr unangenehm, geht aber nicht anders wenn wir dort hin wollen wo wir hin müssen. Fast jedes mal ist das Cockpit viertel bis halb voll mit Wasser wenn so eine Welle oder besser gesagt ein Teil so einer Welle unbedingt als nicht gern gesehener Gast mitkommen will. Die Laune nach ca. dreißig Stunden am Ruder macht diese nassen Gäste auch nicht willkommener. So sitze ich schon ziemlich abgestumpft und letargisch am Ruder bis mir auffällt, dass ich dieses schon eine ganze Zeit nicht mehr bewegt habe. Ich kenne unsere Lady und sofort lasse ich das Ruder ganz los. Sie segelt nun ganz und gar alleine ohne mein Zutun schnurgerade aus. So schnell hat mich noch keiner gesehen wie ich mich in den Salon verziehe und ich das Boot sich selbst überlasse. Eine Welle legt uns ganz schön zur Seite. Das Ruder dreht sich eine Umdrehung nach Steuerbord und eine nach Backbord bevor es wieder in Mittelstellung stehen bleibt. Das geht so schnell, dass es keine Auswirkung auf den Kurs hat. Der bleibt nach wie vor absolut stabil. Jetzt, wo sich unser Boot alleine steuert hat das Wetter für mich seinen Schrecken verloren. Etliche Brecher steigen nach wie vor ein aber das ist mir jetzt egal, denn ich sitze nun im Trockenen. Wir sind in der Nähe der Hufeisenbucht in Santa Catarina und hier war eine Übernachtung mittels ankern geplant. Ich werfe den Motor an um die Bucht anzusteuern. Wir sind fast schon in der Bucht und ich sage zu Annemarie, dass wir jetzt auch eigentlich gleich weitersegeln könnten, die ganze Nacht durch dann sind wir Morgen schon am Ziel. Gesagt getan ich drehe unser Boot in die entgegengesetzte Richtung und wir verlassen die Bucht. Das Wetter hat um keinen Deut nachgelassen aber das ist mir egal so lange ich nicht am Ruder sitzen muss. Ich sage zu Annemarie sie soll doch mal, rein routinemäßig, die Motortemperatur ablesen und mir sagen wo der Zeiger steht. Kurz vor dem roten Strich meint sie. Verdammt nochmal, dann kocht der Ofen doch. Dazu muss ich sagen, dass der Geber und das Instrument nicht kompatibel sind und daher die normale Betriebstemperatur dann erreicht ist wenn der Zeiger gerade mal im untersten blauen Bereich in der Mitte steht. Und nun ist er fast am roten Bereich angelangt. Der Motor muss doch kurz davor sein sich zu fressen. Trotzdem kann ich ihn nicht abstellen. Wir müssen unbedingt zurück zur Bucht. In meinem Blut ist mehr Adrenalin als Wasser im Kühler des Motors, falls dort überhaupt noch welches ist. Wir kommen der Bucht näher, sind in der Landabdeckung und mit einem Schlag ist kaum noch Wind und auch keine Welle mehr. Ich schaue auf die Motortemperatur und die steht dort wo sie stehen soll, in der Mitte des blauen Bereichs.“Welches Instrument hast du abgelesen“? Frage ich Annemarie. „Das Linke“ kommt zurück. Spitze, das ist die Volt Anzeige und die steht immer kurz vor dem roten Bereich wenn der Motor läuft. Aber nun sind wir schon mal in der Bucht und wir fahren nicht nochmal raus. Wir werden hier, wie ursprünglich geplant, ankern. Wir fahren noch ein Stück weiter in die Bucht hinein und dann geht der Schlammhackl über Bord und ich werfe ihm noch so an die vierzig Meter Kette hinterher. In Rückwärtsfahrt fahre ich den Anker ein.. Ich habe das Gefühl wir kommen überhaupt nicht von der Stelle. Plötzlich gibt es einen metallischen Knall, ein Ruck geht durchs Boot und der Motor steht. Oh verdammt das hat sich gar nicht gut angehört. Ich lasse den Motor wieder an, lege den Vorwärtsgang ein. Es gibt wieder einen Knall und der Motor steht wieder still. Das ist nicht gut, das ist gar nicht gut, denn jetzt blockiert das Ruder ebenfalls.

Ende erster Teil

Kommentare

Also seid mir jetzt bitte ned bös, aber langsam sieht mir das echt nach einem Zeichen aus. Vielleicht ist es doch wieder Zeit sesshaft zu werden… Ich lese solche Berichte echt nicht gerne…Zoe würde ihre Großeltern schon noch gerne sehen… Hoffe euch gehts trotzdem wieder gut…
Mit Sorgen
Euer Sohnemann

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