26.08.2013

Ein besch…Törn Teil 2

Ein besch.. Törn Teil 2

Ich versuche das Ruder zu drehen aber es geht nicht. Ich starte nochmal den Motor, der ist in Ordnung. Den Versuch einen Gang einzulegen lasse ich lieber bleiben. Zwar ist der Anker nicht eingefahren und es liegen so etwa 40m Kette auf dem Grund aber was soll ich tun? Am besten nichts. Oder besser ausgedrückt, ich kann nichts tun. Wir machen die Schotten dicht und legen uns schlafen. Die Frage was passiert ist bleibt offen. Wir haben nur Vermutungen aber wirklich wissen tun wir es nicht. Wir vermuten dass wir in ein Fischernetz geraten sind und uns dabei irgend ein Metallstück, z.B. ein Senkblei oder Ähnliches in die Schraube bekamen. Aber warum ist das Ruder blockiert? Fragen über Fragen auf die wir, zumindest jetzt, keine Antwort wissen. Vor dem einschlafen denke ich über die bisherigen Geschehnisse nach. Komisch, der Wind hatte in der Spitze „nur“ 45kn. Ist zwar ganz schön stark aber doch nur 7bft. Aber warum hat es uns so gebeutelt und warum wurde so viel Wasser an Bord geschaufelt? Es ist doch nicht das erste mal dass wir Wind in dieser Stärke erleben. Aber so beschissen war es bisher noch nie. Jedenfalls habe ich auf die letzten Fragen vor dem einschlafen noch eine Antwort gefunden. Zu den Winden in der gleichen Stärke (45kn) die wir bisher erlebten gab es diesmal einen wesentlichen Unterschied. Bisher war es immer auf hoher See und somit im tiefen Wasser, also hundert oder auch tausend Meter oder mehr. Da sind die Wellen vielleicht noch etwas höher, so an die fünf Meter aber die sind lang, sehr lang sogar und brechen nicht. Wir aber waren diesmal nahe an der Küste mit Wassertiefen zwischen zwanzig und sechzig Metern. Da baut sich eine kurze und steile Welle auf die dann logischerweise bricht. Nicht die Wellen, die Brecher sind gefährlich und davon hatten wir beileibe genug. Und noch etwas. Solches Wetter verliertden größten Teil seines Schreckens wenn ein guter Autopilot das Boot steuert. Aber das ist eine finanzielle Frage, welche im Moment nicht gelöst werden kann

Die Erschöpfung lässt uns beide tief und Traumlos schlafen. Am nächsten Tag oder besser gesagt, einige Stunden später als es hell ist sind wir schon wieder auf den Beinen. Als Annemarie aus dem Luk schaut meint sie dass wir slippen, denn wir liegen jetzt ganz wo anders als bei der Ankunft.. Da hat sie recht aber ich glaube nicht, dass wir geslippt sind. Zum einen sieht es am Tag anders aus als Nachts und zum anderen habe ich ja 40m Kette ausgelegt die jetzt gespannt ist. Nein, der Anker hat gefasst und wir sitzen gut fest.

Wir halten Ausschau nach Hilfe. Es dauert nicht lange, da fährt ein kleines Fischerboot nahe an uns vorbei. Wir rufen ihm zu, dass wir Hilfe brauchen. Er kommt gleich wieder, meint er denn er muss erst seinen Fang abliefern. Ungefähr eine Stunde später kommt er dann mit seinem kleinen Bötchen angetuckert. Wir erzählen ihm was passiert ist und ich bitte ihn mich zum Strand zu fahren. Annemarie bleibt auf dem Boot, denn das wollen wir nicht alleine lassen. Am Strand „reicht“ mich der Fischer weiter. Abermals erzähle ich meine Geschichte und frage nach Hilfe. Ja man kann die Feuerwehr anrufen und die soll und abschleppen zur nächsten Marina. Leider weiß keiner die Nummer. Schließlich hat sie doch noch einer irgendwie erfahren und ruft die Bombiera, also die Feuerwehr an. Ohne Erfolg, keiner hebt ab. So komme ich von einem zum anderen und irgendwann unterhalte ich mich einem der meint sein Bruder habe ein großes Schiff und der könnte mich abschleppen. Im Moment ist er aber beim fischen und kommt erst am Abend zurück. Ehrlich gesagt, das hilft mir auch nicht weiter. Nach einer Zeit kommt noch jemand dazu. Als er sich die Geschichte so anhört meint er, er könne mich bis nach Florianapolis schleppen. Sein Boot ist groß genug. Wir machen den Preis aus,80 Liter Diesel und 300 Riales (100€). Das ist akzeptabel. Auf die Frage wann er uns schleppen will meint er jetzt sofort. Ich bin einverstanden und wir rudern zu seinem Boot. Unter einem großen Boot stelle ich mir eigentlich was anderes vor. Aber wenn er meint dass es geht… Er versichert mir noch, dass er seit 30 Jahren Profi ist und daher sehr erfahren. Na, mal sehen. Ich will ihm eine Leine geben aber er lehnt ab und meint seine sei sehr stark und reiche aus. Wir hängen am „Haken“ und es kann losgehen. Aber wo der hin will da will ich bestimmt nicht hin. Es treibt uns immer mehr in Richtung der Klippen. Was macht der bloß, was hat der vor? Er gibt Gas bis sein Motor anfängt schwarze Qualmwolken von sich zu geben. Nun sieht es auch ein Blinder, dass er bemüht ist sich von den Felsen fern zu halten. Aber es geht nicht. Er schafft es nicht unser Boot mit eingeschlagenen und blockiertem Ruder gerade aus zu ziehen. Ich gehe ans Ruder unseres Bootes und drehe das Rad mit einem Ruck nach Steuerbord (rechts) und mit einem mal ist es frei. Jetzt kann ich steuern, zwar nur sehr begrenzt denn viel lässt sich das Ruder nicht bewegen aber es reicht und wir kommen von den Klippen weg. Wir sind in der schmalen Einfahrt zwischen der Insel Santa Catarina und dem Festland als mit einem Ruck seine Schleppleine bricht. Langsam treiben wir auf die Untiefe einer Sandbank zu. Jetzt kommt beim Fischerboot echte Hektik auf. Er will an meine Steuerbordseite fahren und die Leine übergeben. Da er aber auf beiden Seiten die Ausleger für die Netze hat, nimmt er gleich mein Vorstag mit an dem er hängen bleibt. Die Wucht ist nicht sehr groß und ich kann ihn weg drücken. Beim zweiten Versuch klappt es etwas besser und er kann mir die Leine herüber werfen, die ich sogleich befestige. Keine Sekunde zu früh, denn schon schabt der Sandgrund leicht am Kiel. Ist nochmal gut gegangen (Profi seit dreißig Jahren, von wegen). Etwas später bricht die Leine nochmal. Nun habe ich die Nase voll und werfe meine starke 16 mm Leine zu ihm auf´s Boot. So fahren wir dann ohne Komplikationen weiter. Plötzlich ein winken und rufen vom Fischerboot. Er biegt scharf nach Backbord (links) ab. Ich folge ihm, weiß aber nicht was er eigentlich mit diesem Manöver will. Er deutet nach Steuerbord (rechts) und nun sehe ich dass wir fast in ein Fischernetz, das quer über die Fahrrinne gespannt ist, hineingeraten wären. Die restliche Strecke bis zum Yacht Club Santa Catarina verläuft ruhig und wir können uns die schöne Landschaft ansehen.

Es ist Donnerstag später Nachmittag als wir im Yacht Club ankommen. Wir haben an einer Boje festgemacht und fahren mit dem „Wassertaxi“ an Land um uns im Club im Büro anzumelden. Dort wird uns zu unserer Freude eröffnet, dass wir bis einschließlich Sonntag unseren Liegeplatz nicht bezahlen brauchen. Wir fragen ob es möglich ist uns mit dem Kran an Land zu heben. Leider nein, wir sind zu schwer, der Kran geht nur bis 10t wir aber haben ca.14-15t.

Wir fahren zurück zu unserem Boot und erst jetzt komme ich dazu nachzusehen was los ist. Ich öffne den Tunnel der Antriebswelle und sehe gleich mit freiem Auge, dass diese verbogen ist. Bei genauerer Inspektion entdecke ich eine Schraube die im Tunnel liegt. Woher kommt sie und wo gehört sie hin? Nicht lange und ich habe es entdeckt. Die Schraube hat sich aus der Halterung des Hauptlagers der Antriebswelle gelöst. Nun sehe ich auch, dass das Hauptlager leicht schräg an der verbliebenen zweiten Schraube hängt. Kann das der Fehler gewesen sein, dass der Propeller blockiert hat? Ich weiß es nicht. Ein Marinero bietet sich an kurz mal zu tauchen (brrr und das bei ca.14-15° Wassertemperatur) und nachzusehen was denn die Schraube blockiert. Er taucht auf und sagt dass er nichts entdecken kann und die Schraube frei ist. Nun stehe ich aber vollends auf dem Schlauch. Fakt ist, dass die Welle krumm ist und das Ruder nur leicht eingeschlagen werden kann.

Da das Boot hier nicht aus dem Wasser kann muss irgend was anderes geschehen. Die nächste Möglichkeit, so erfahre ich, ist gut 30 Meilen weiter in Porto Belo. Aber wie soll ich da hinkommen? Mit eigener Kraft? Als erstes bestelle ich mal einen Mechaniker der die verlorene Schraube wieder anbringt. Nicht dass jetzt jemand meint ich schaffe es nicht selbst die Schraube einzudrehen oder bei uns ist der Wohlstand ausgebrochen und iwir haben es nicht mehr nötig selbst Hand anzulegen. Schön wär´s aber so ist es nicht. Ich will vom Mechaniker wissen was da zu tun ist. Der Mechaniker kommt und dreht die Schraube wieder ein. Er fordert mich auf den Motor zu starten und einen Gang einzulegen. Ich höre es jetzt schon wieder krachen. Ich lege den Gang ein und es kracht nicht. Das Boot bewegt sich langsam vorwärts. Die Welle eiert zwar aber der Propeller dreht sich ohne zu blockieren. Das Beste dabei ist, dass der Mechaniker meint damit könnte ich ohne Probleme die 30 Meilen (55km) bis Porto Belo motoren. Es sollte nicht unerwähnt bleiben, dass die Marineros so wie das Personal im Büro des Clubs überaus freundlich, nett und Hilfsbereit sind.

Am Abend gehen wir noch in die Stadt, wir wollen ein Restaurant suchen und etwas essen. Fast eine Stunde suchen wir, dann wird es uns zu bunt. Wir fragen einen Taxifahrer nach einem Restaurant. Aber wie fast überall in Brasilien sind die Restaurants Abends nicht geöffnet. Auch hier nicht, obwohl es ein Touristengebiet ist. Wir nehmen mit einem Schnellimbiss vorlieb und gehen wieder zurück zum Schiff.

Wir fragen am nächsten Tag ob wir unsere Waschmaschine vielleicht am Steg aufstellen dürfen um die Salzgetränkte Wäsche zu waschen. Nein, das geht nicht erklärt man uns aber sie könnten uns von der Boje an den Steg verlegen und dann können wir unsere Wäsche auf dem Boot waschen. Alles klar, ist ja noch besser. Annemarie wäscht und schleudert und ich hänge auf. Nach einigen Stunden ist es geschafft. Vom Boot ist kaum noch was zu sehen es ist mit Wäsche zugehängt.

Am Sonntag morgen legen wir in Florianapolis ab. Allein das ist schon das reinste Abenteuer, denn der Platz den ich zum manövrieren habe ist nicht sehr groß und immer wenn ich das Ruder etwas zu viel einschlage schlägt die Schraube dagegen.. Durch vorwärts und rückwärts fahren bringe ich es fertig das Boot um 180° zu drehen, so dass der Bug endlich in Fahrtrichtung zeigt und wir los können. Die Welle eiert so vor sich hin und wir fahren nur mit tausend Umdrehungen. Dementsprechend langsam geht es vorwärts. Mehr als 3,5 – 3,8kn erreichen wir nicht. Es kommt mal kurze Zeit leichter Wind auf aber zum Segeln reicht es nicht. Wenn die verbogene Welle nicht wäre und wir dadurch nicht dauernd unter Spannung stehen würden, eben wegen der kaputten Welle, dann wäre dies eine gemütliche und erholsame Fahrt. Sogar Wale sehen wir, leider nicht viel, nur den Rücken und das gekräuselte Wasser wo sie knapp unter der Oberfläche schwimmen. Da wir (wieder mal) zu spät von Florianapolis weg kommen ist es dunkel bevor wir in Porto Belo sind. Dank der elektronischen Karte ist der Weg zwischen einer Insel und dem Festland gut zu finden. Kurz danach sind wir auch schon am Ziel. Zumindest sagt uns das die Karte, die nicht sehr detailliert ist. Wir suchen im Dunkel den Yacht Club der hier sein muss. Wir sehen ihn nicht aber er muss hier sein. Also Anker runter gut Kette gegeben und rückwärts eingefahren, Motor aus, wir sind da.

Am nächsten Tag rudern Annemarie und ich mit dem Dinghy in den (sehr exklusiven) Yacht Club. Im Büro fragen wir ob wir hier unser Boot reparieren dürfen und dass wir aus dem Wasser müssen wegen eines Schadens am Propeller und an der Welle. Das Büropersonal ist ausnehmend freundlich, entgegenkommend und Hilfsbereit. Trotzdem bekommen wir abschlägigen Bescheid.. Das geht nicht, wir sind vermutlich zu schwer für die Slippwagen. Einen Kran oder Travellift gibt es hier nicht. Wir müssten weiter fahren in den nächsten Club, dort stehen diese Anlagen zur Verfügung. Die Entfernung ist nicht so groß, nur eine halbe Stunde Fahrt. Die Dame im Büro ruft dort an und fragt nach einem Platz. Nicht vor dem 10. September bekommt sie zur Antwort. Auch das noch. So viel Zeit haben wir nicht, denn bald läuft unser Visum ab und wir müssen es vor dem 15. September verlängern lassen. Das geht aber hier nicht, dazu müssen wir nach Angra dos Reis, über 300 Meilen weiter nördlich.

Nach telefonischer Rücksprache mit einer uns nicht bekannten und sichtbaren Person bekommen wir die Erlaubnis zu bleiben. Ich frage ob es möglich ist den Stützpunktleiter von Trans Ocean anzurufen. Trans Ocean ist ein Verein für Hochseesegler dem auch wir angehören und er hat Stützpunkte auf der ganzen Welt. Der Stützpunktleiter in Porto Belo ist Peter M. K.Wiedemann. Zwar ist er aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr tätig aber in Notfällen ist er trotzdem zu erreichen. Peter genießt hier im Club einen hervorragenden Ruf und auf sein Wort wird gehört obwohl er kein Clubmitglied ist. In der folgenden Zeit ist er immer zur Stelle um zu übersetzen oder zu organisieren. Jetzt ist für uns vieles einfacher und leichter geworden. Es gibt keine Probleme mehr wenn diffizile Fragen geklärt werden müssen.. Das was Peter für uns tut und getan hat ist nicht hoch genug einzuschätzen. Danke Peter, vielen Dank.

Am nächsten Tag sollen wir mit dem Slippwagen aus dem Wasser geholt werden. Ich werde vom Ankerplatz in den Club geschleppt und in die Box manövriert. Der mehrmalige Versuch unser Boot auf den Wagen zu ziehen scheitert. Es ist zu wenig Wasser. Das ganze wird auf den nächsten Tag, wenn wieder Hochwasser ist, verschoben. Am nächsten Tag sieht es leider nicht besser aus. Der Wasserstand ist zu niedrig. Was also tun? Es wird uns vorgeschlagen einen Taucher kommen zu lassen und den Wechsel der Welle im Wasser vorzunehmen. Taucher!! Was Taucher anbelangt bin ich oder besser sind wir gebrannte Kinder. Vor zwei Jahren in Rio Grande hat uns ein Taucher den Ruderschaft abgeschnitten obwohl dies gar nicht nötig gewesen wäre. Aber wie heißt es so schön? Neues Spiel, neues Glück. Ich hoffe wir haben welches. Der Taucher kommt und sieht sich unsere Lady von unten an. Als er auftaucht hält er ein Stück Leine in der Hand und gibt uns zu verstehen dass dies mal zu einem Fischernetz gehörte. Also doch! Der Schaden rührt von einem Fischernetz her. Jetzt haben wir die Gewissheit. Es wird vereinbart, dass der Taucher am nächsten Tag kommt und die Welle zieht. Ich brauche einen Mechaniker der mir die Welle löst. Der ist bald da und schnell ist die Welle fertig zum Ausbau. Die Welle unter Wasser ziehen. Ich habe jede Menge Bedenken, dass zu viel Wasser ins Boot kommt und äußere dies auch. Nein, keine Sorge das wird nicht passieren. Erst vor kurzem hat der Taucher bei einem Kat diese Arbeit durchgeführt und der hatte zwei Motoren. Ist ja gut aber so ganz beruhigt mich das dann doch nicht.

Am nächsten Tag kommt der Taucher und zieht die Welle.

Ende Teil zw

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