31.08.2013

Ein besch…Törn Teil 3

Ein besch… Törn Teil 3

Mit Spannung und etwas mulmigen Gefühl erwarten wir den Taucher. Lange lässt er uns nicht warten und kommt gut gelaunt und guter Dinge am Steg an. Bedächtig und konzentriert macht er sich tauchfertig. Ich gehe inzwischen in die Achterkabine wo der offene Wellentunnel vor mir liegt.

Da bewegt sich auch schon die Welle und wird samt Propeller vorbei am Ruderblatt nach achtern gezogen. Sobald sie in der Stopfbuchse verschwunden ist halte ich die Hand davor und dichte damit das 35mm große Loch der Stopfbuchse ab. Der Mechaniker reicht mir aus weichem Kunststoff einen Stopfen der genau in das Loch passt. Es dauert keine 30 Sekunden, dann hat der Taucher von außen abgedichtet. Es fließt nur noch tröpfchenweise von außen etwas Wasser , welches aber der Kunststoffstöpsel ohne Probleme zurück hält. Keine zwei Liter Wasser sind ins Boot eingedrungen. Das ist schon mal ein Erfolg. Ich gehe nach draußen und sehe mir das gute oder vielleicht besser, das kaputte Stück an. Es ist nicht zu fassen. Die Welle macht einen Bogen von etwa 2cm und ein Propellerblatt ist stark verbogen und sieht aus wie eine halb geöffnete Faust. Für meine Begriffe haben es beide Teile hinter sich und werden wohl auf dem Schrottplatz landen. Gott segne meinen Geldbeutel damit er genügend Inhalt habe.

Hier in Porto Belo ist es nicht möglich solche Teile zu reparieren oder zu kaufen. Dafür muss ich in die nächste Stadt nach Itajai ca. 40km von hier. Doreka der Mechaniker bietet sich an mich zu einer Firma zu bringen dessen Spezialität eben solche Dinge wie Wellen und Schiffspropeller sind. Der Inhaber dieser Firma, übrigens ein deutsch stämmiger Brasilianer deren Eltern aus Deutschland ausgewandert sind, heißt Hoffmann. Es gibt in Deutschland eine Firma die heißt Hoffmann Propellerwerk und die stellen Propeller für die Luftfahrt her. Meine Nachfrage ergibt, dass diese beiden Firmen nichts miteinander zu tun haben. Vom Chef der Club Werft hier in Porto Belo und vom Mechaniker erfahre ich, dass dies die beste Spezialfirma in Brasilien sei. Das lässt hoffen und ich bin guter Dinge. Der Werkmeister schaut sich den Schaden an und meint dass eine Reparatur möglich ist. Ich kann es kaum glauben. So wie die Schraube aussieht. Sie ist nicht nur verbogen sondern von einem Blatt fehlt sogar ein Stück.. (Bilder gibt es leider nicht, das Internet ist so schlecht dass man keine Anhänge verschicken kann. Werde aber ein Webalbum anlegen wenn ich wieder Zugang zu einem vernünftigen Internet habe). Aber wenn der Werkmeister sagt es geht, dann glaube ich es. Schließlich gehe ich davon aus, dass er mehr Erfahrung in dieser Angelegenheit hat als ich. Was so schwer auch gar nicht ist:-).

Ein Arbeiter holt sich sogleich die Teile ab und verschwindet damit in der Werkstatt. Wir, Dorika und ich gehen erst mal einen Kaffee trinken und treiben uns dann in diversen Geschäften mit Nautikzubehör und Werkzeug rum. Am liebsten würde ich den halben Laden aufkaufen. So viele Dinge die ich unbedingt brauche. Aber leider….

Nach etwa zwei Stunden kommen wir zurück. Als erstes zeigt mir der Werkmeister einen kleinen Videoclip den er mit seinem iPod aufgenommen hat. Es zeigt die Welle in der Richtbank wie sie so vor sich hineiert. Die hat einen noch größeren Schlag weg als ich gedacht habe. Wie sie noch im Boot eingebaut war hat man das gar nicht so gesehen. Aber gleich mal vorweg, es eiert jetzt nichts mehr. Die Welle ist ausgerichtet und ausgewuchtet, sie läuft jetzt wieder wie eine Eins. Der Werkmeister deutet auf einen Propeller und meint das sei meiner. Ich lächle etwas süßsauer weil ich der Meinung bin er will mich auf den Arm nehmen. Nein, Nein meint er, es ist wirklich mein Propeller. Das gibt es nicht. Der sieht aus wie nagelneu. Das fehlende Stück wurde aufgeschweißt. Aufgeschweißt, nicht angeschweißt. Es wurde Bronzematerial Stück für Stück aufgeschweißt und dann geschliffen bis der Propeller seine normale Form wieder hatte. Abgesehen davon, dass ich gar nicht wusste dass man Bronze (Messing) überhaupt schweißen kann.

Wir warten auf Herrn Hoffmann vor seinem Büro um die Rechnung zu begleichen. Ganz wohl ist mir nicht in meiner Haut. Was wird das wohl alles kosten? Solche Spezialwerkstätten, die Propeller nicht nur reparieren, sondern sie auch selbst anfertigen, sind normal nicht ganz billig. Wenn dann noch das Wort Boot, Schiff oder Nautik vorkommt, dann ist es von Haus aus schon mal 30-50% teurer. Wir sitzen also im Büro mit Herrn Hoffmann und unterhalten uns. Er fragt mich woher, wohin, wie das passiert ist, was wir noch vor haben usw. usw. Er hält die Rechnung in der Hand, sieht sie an und faltet sie zusammen. Danach meint er: „ich werde ihnen dafür nichts abnehmen“. „Ich wünsche ihnen für die Zukunft alles Gute“. Ich bin perplex und weiß im Moment erst mal gar nicht was ich dazu sagen soll. Schließlich stottere ich ein Danke das ich vor Freude und vor Überraschung kaum über die Lippen bekomme. Wann passiert einem so was schon mal in Deutschland? Meine Angst die Rechnung könnte mein Budget zu sehr belasten war also umsonst.

Wir laden alles ins Auto und fahren zurück nach Porto Belo. Ich versuche an der Tankstelle die Tankrechnung zu bezahlen, schließlich fährt Dorika extra wegen mir nach Itajai. Es nützte alles nichts. Es bleibt beim Versuch.

Am nächsten Tag morgen stehen der Taucher, er heißt übrigens Morillo (denke da an den Zeichner aber der heißt Mordillo) und Dorika am Steg. Der Propeller und die Welle werden zusammengebaut und können wieder dorthin wo sie hingehören. Wieder gehe ich in die Achterkabine, nehme den Stopfen aus der Stopfbuchse und halte die Hand davor bis ich die Welle spüre die von außen eingeschoben wird. Noch ein kleiner Ruck und sie sitzt im Hauptlager an der richtigen Stelle. Der Mechaniker zieht alle Schrauben fest und alles ist in bester Ordnung. Der Probelauf ergibt keinerlei Beanstandung. Funktioniert alles einwandfrei. Der Testlauf ergibt aber etwas anderes. Die Rücklaufleitung ist am vierten Zylinder undicht. Ein Ersatz ist nicht zu bekommen und so baut der Mechaniker diese aus und verspricht mir sie morgen repariert wieder zu bringen und einzubauen. Tatsächlich kommt er am nächsten Tag und baut die Leitung wieder ein. Ergebnis: alles Paletti.

Die Arbeit ist getan und ich frage Dorika um die Rechnung oder wenn schon keine Rechnung was es kostet. Er wehrt ab und meint das hat Zeit. Wieso hat es Zeit? Ich möchte so langsam weiter.

Ich mache mit dem Dinghy eine „Rundfahrt“ um unsere Lady und kontrolliere die Wanten und Stagen. Das Wasserstag ist locker. Wie das? Bei der Inspektion des Vorstags sehe ich, dass auch dieses nicht die Spannung hat welche es haben sollte. Jetzt sehe ich auch, dass der Bugspriet nicht gerade nach vorne zeigt, sondern nach oben gebogen ist. Mir schwant fürchterliches. Ich wackle am Bugspriet. Das vordere Teil ist locker und lässt sich bewegen. Das hintere Teil sitzt fest in der Halterung. Jetzt weiß ich es mit Bestimmtheit: der Bugspriet ist gebrochen! Passt mal wieder wie die Faust aufs Auge. Eigentlich kann mich so leicht nichts mehr schocken und so bin ich froh, dass ich es jetzt entdeckt habe und nicht wenn mal wieder 45kn Wind sind. Hier kann ich den Schaden in Ruhe beheben. Bei 45kn Wind…

Den gebrochenen Bugspriet habe ich ausgebaut und Dorika will mit mir nochmal nach Itajai fahren um das Material für den Bugspriet zu besorgen. Diesmal wird kein Inox Vierkantmaterial mehr genommen. Der Vorschlag von Dorika ist ein 80mm galvanisiertes Stahlrohr mit 4mm Wandstärke zu nehmen. Das Rohr wird noch mit mehreren Schichten Epoxifarbe behandelt. Das hält dann die nächsten 20 Jahre (hoffe ich).

Ich habe bereits im vorigen Bericht erwähnt, dass wir hier von Peter Wiedemann überaus gut betreut werden. Er überbringt mir auch die beste Nachricht die ich mir vorstellen kann. Der Club hat beschlossen mir die Kosten des Liegeplatzes für die Zeit der Reparatur zu erlassen. Wo bin ich hier? Ich glaube es nicht. Ich fühle mich wie auf einem anderen Stern. Das Erlebte und zurückliegende samt all den Schäden hat mit einem mal viel von seinem Schrecken verloren.

Annemarie und ich gehen nun froher Dinge und neuem Elan daran unser Boot (innen) vom Salz zu befreien. Es haben ja einige Liter Salzwasser den Weg in das Schiffsinnere gefunden. Selbst die Vorräte in der Bank im Salon sind nicht verschont geblieben. Vom zweiten Notebook das nur noch Schrott ist ganz zu schweigen. Erst kommt mal den Teppich raus und wird an die frische Luft befördert. Dann geht es zur Sache. Der Salontisch wird abgeschraubt, die Bodenbretter nach draußen geschafft und alles abgespritzt. Innen wird nun der gesamte Salon unter (Süß) Wasser gesetzt bis die Bilgen voll sind. Ich will nicht nochmal zentimeterdicke Rostplatten entfernen müssen., Nachdem dies vorbei ist geht es an die Schubladen in dem das Werkzeugt aufbewahrt ist. Alles raus und im Süßwasser entsalzt und getrocknet. Danach die ganzen Vorräte auspacken und mit feuchtem Tuch abwischen und wieder verstauen. Das ist Annemaries Job. Wirklich eine Sauarbeit. Aber was hilft´s? Es muss gemacht werden. Daran haben wir zwei Tage zu knabbern bevor alles ok ist. Aber schließlich haben wir es doch geschafft. Da kann ich nur noch frei nach Goethes Gedicht Osterspaziergang (vom Eise befreit sind Strom und Bäche…) selber dichten: „vom Salze befreit sind Boot und Segel…“

Das ist nun das Ende des dritten Teils, nicht aber das Ende der Geschichte. Schließlich muss der Bugspriet noch repariert werden, wir müssen auf ein Wetterfenster warten damit wir die nächsten 400 Meilen in Richtung Norden in Angriff nehmen können und zwar nach Rio de Janeiro. Aber bis dahin wird es noch dauern.

Kommentare

Na, das klingt doch schon wieder viel, viel besser!!
Und wir kennen euch ja, trotz der grössten Katastrophen wird immer noch gelacht an Bord 🙂
Drücken euch beide Daumen, oder besser gesagt, alle vier Daumen (die brauchts bestimmt auch 😉 –
haltet die Ohren steif, das wird wieder!!
Liebe Grüsse aus der heute windstillen, heissen Karibik!

… do dadia da, do dadiada a …

do dadia da, do dadiada a … und do dadada a dadian
diese zeilen scheinen Dir wohl am besten zu gefallen, vor allem weil es kaum einer versteht was das heißt 😉 –
Freue mich von Euch mal wieder was gehört zu haben. Also wenn wir mal nicht mehr lachen und guter Dinge sind, dann werden wir uns wohl irgendwo an Land verkriecehn. Lachen ist die beste Medizin und lässt einem schneller über nicht ganz so gute Zeiten hinwegkommen. Mal sehen ob wir uns irgendwo in der Karibik, absichtlich oder unabsichtlich über den Weg laufen.
Seid herzlich gegrüßt von der Crew der Out of Rosenheim vom Admiral (Annemarie) und seinem Käpt´n (Werner)

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