2.10.2013

02. Oktober 2013 (K)ein besch… Törn Teil 4

Der letzte Bericht ist jetzt genau vier Wochen her und schloss mit dem Satz: „aber bis dahin wird es noch dauern“. Und das im wahrsten Sinne des Wortes, denn es dauert immer noch. Sechs Wochen sitzen wir hier fest und sind noch immer nicht fertig. Dabei hätte es so gut angefangen. Schraube und Welle waren nach einer Woche repariert und eingebaut. Doch dann habe ich, wie berichtet, den gebrochenen Bugspriet entdeckt. Ab diesem Zeitpunkt kommt dann alles ins stocken. Dorica, der Mechaniker arbeitet sozusagen nur noch „nebenbei“ an unserem Boot. Die Sommersaison beginnt und alle wollen mit ihren Booten ins Wasser.

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gebrochener Bugspriet

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Der neue Bugspriet wird geschweißt

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sieht gut aus

Er weiß nicht mehr vor lauter Arbeit wo ihm der Kopf steht. Da müssen wir uns natürlich hinten anstellen. Schon irgendwie verrückt. Die, die ins Wasser wollen hätten eigentlich Zeit (eine Woche früher oder später ist doch kein Problem) und wir, die im Wasser sind, haben keine Zeit. Die mit Zeit werden vorgezogen (klar, sind ja Club Mitglieder) und die ohne Zeit müssen warten (auch klar, sind ja keine Club Mitglieder). Abgesehen davon, wir dürfen nicht meckern und tun es auch nicht. Immerhin lässt man uns in diesem wirklich luxuriösen und exklusiven Yacht Club kostenlos liegen. Um einen kleinen Eindruck davon zu bekommen, wie exklusiv dieser Club ist ein Beispiel: die (Motor) Boote sind in einer Größe und Preisklasse die ohne weiteres mit Monaco oder Cannes konkurrieren könnten.

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 For Sale – kann gekauft werden

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 Club-Restaurant

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Quero Quero im Club-aber kein Mitglied

Es gibt innerhalb des Clubs einen Landeplatz für Hubschrauber. Dort haben zwar nur drei Helikopter Platz, ist aber nicht so schlimm, denn wenn mehr kommen, dann fliegt halt mal einer weg, zum nächst gelegenen Flugplatz wo er auf den Privatjet seines Herrn und Meisters wartet. Man gönnt sich ja sonst nichts. So ist auch auf etlichen Motoryachten Personal vorhanden. Da die Eigner nur an Wochenenden auf ihren Booten sind, haben diese Leute nicht viel zu tun. Daher werden die Schiffe täglich! geputzt und gewienert. Ich warte nur noch darauf bis ein Boot mal „weggeputzt“ ist. Wir haben hier im Club schon etliche nette Bekanntschaften geschlossen. Viele der Mitglieder sprechen deutsch was für uns die Verständigung natürlich erheblich erleichtert. Aber mit englisch kommt man (zumindest hier im Club) auch gut zurecht. Positiv aufgefallen ist uns, dass die Mitglieder, obwohl sie zur (finanziellen) Oberklasse gehörend mit beiden Beinen auf dem Boden stehen und nicht abgehoben sind. Da wir vergleichen können, muss ich sagen haben wir in Argentinien andere (Einzel)Fälle erlebt. Ganz gewaltige „Klassenunterschiede“ bestehen auch hier und zwar bei den Motoren. Einen Eigner gefragt nach dem Verbrauch seiner Yacht bekomme ich zur Antwort: „120 Liter die Stunde“. In diesem Fall stehe ich ihm mit 2-2,5 Liter pro Stunde gegenüber. Wenn das mal kein Klassenunterschied ist. Dafür macht er auch ein paar Knoten mehr als wir. ABER – wir legen die größeren Strecken zurück. Wie auch immer, jedenfalls fühlen wir uns hier sehr wohl, wenn uns nur die Zeit nicht so im Nacken säße. Diesmal meine ich nicht die Zeit für den Aufenthalt in Brasilien, sondern die Jahreszeit. Damals, als wir das erste mal versuchten nach Norden zu kommen, von Salvador de Bahia aus, haben wir uns wegen des Wetters entschlossen nach Uruguay zu segeln weil es uns nicht möglich war einen Nordkurs einzuschlagen. Das war im November 2010. Nun sind wir fast in der gleichen Lage. Im November sind wir bestimmt noch nicht so weit im Norden, dass uns der Nordost Passat nach Nordwesten schieben könnte, denn um diese Zeit weht er nämlich bis 10° Süd. Erst bei ca. 5°Süd geht es um die „Kurve“. Sind also mindestens 300 Meilen gegen den Wind. Ganz zu schweigen von den Nordwinden die wir vorher schon mitkriegen werden. Es wird ein harter Törn. Wir hoffen, nur nicht zu hart.

Hart geworden wäre es auf jeden Fall, falls wir, wie gehofft, die letzte Woche hätten los segeln können. Die ganze Woche Südwind. Das ist doch was. Aber nein, wir sitzen hier und der Südwind bläst umsonst. Trotzdem Glück gehabt, denn der angesagte Südwind entwickelt sich im Laufe der Woche, eben diese Woche die wir gebraucht hätten um nach Rio de Janeiro zu kommen, zu einem Cyclone Tropical. Die Vorstufe zu einem Hurrikan. Danke, da hätten wir ganz schön in der Tinte gesessen. Trotz allem wieder mal Glück gehabt.

Die Zeit, die Zeit. Wir hätten nichts dagegen länger zu bleiben. Aber man soll die Freizügigkeit seiner Gastgeber nicht über strapazieren.

Über strapaziert hat allerdings der Beamte der Einwanderungsbehörde unsere Nerven. Wir haben unsere drei Monate Aufenthalt fast „aufgebraucht“. Seit sechs Wochen liegen wir nun schon hier in Porto Belo. Vom Yacht Clubs haben wir ein Schreiben, dass unser Boot in Reparatur und daher nicht seeklar ist. Mit dem Bus geht es in die nächste Stadt nach Itajai, vierzig Kilometer von hier. Bei der Policia Federal angekommen erklärt man uns, und das ziemlich unwirsch, dass nur Spanier, Portugiesen und ? (hab ich vergessen) Verlängerung bekommen aber keine Deutschen. Der Einwand, dass wir mit einem nicht seetüchtigen Boot im Yacht Club zwecks Reparatur sind lässt dieser „freundliche“ Herr nicht gelten. „Keine Ausnahmen, basta“ ist sein Kommentar. „Was soll ich denn tun“, ist meine nächste Frage, die mit der Gegenfrage „und was soll ich tun“ beantwortet wird. Einen Stempel in unsere Pässe drücken, denke ich mir, sage aber nichts. Verärgert über so viel Ignoranz ziehen wir ab. Habe aber bereits mit Angras dos Reis Verbindung aufgenommen und erfahren, dass es dort ohne Probleme die Verlängerung gibt. Wir werden sie, wenn wir dort sind nachholen.

Eigentlich ist so weit alles am Boot in Ordnung bis eben auf den Bugspriet. Da wir in dieser Beziehung auf den Mechaniker angewiesen sind und ich die Arbeit nicht selbst ausführen kann, versuche ich, ebenso wie Annemarie, krampfhaft nach Beschäftigung. Unser Dinghy ist seit zwei Wochen (aus Bequemlichkeit)im Wasser und hat Bewuchs angesetzt. Es wird Zeit es zu säubern bevor es nur noch aus Tieren und Pflanzen besteht. Mich trifft fast der Schlag als ich sehe wie der Boden aussieht. Ein leuchtendes Rot grinst mir entgegen. Sogleich gehe ich daran dieses „Gestrüpp“ mit Wasser und Bürste zu entfernen und bin froh, dass es doch recht leicht ist das Zeugs los zu werden. Bequemlichkeit wird eben bestraft.

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Dinghyboden – Nahaufnahme

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Die Hälfte ist geschafft

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Wieder sauber

Da fällt mir ein, seit zwei Jahren ist der Service für die Winschen überfällig und jetzt ist dafür der richtige Augenblick gekommen. Schnell sind sie abmontiert und zerlegt. Die haben es wirklich nötig. Das Fett fängt schon an fest zu werden also zu verharzen. Höchste Zeit. Sauber geputzt und eingefettet sind sie ebenso schnell wieder angeschraubt. Die verschiedenen Metalle, Stahl (vom Schiff) und Bronze (von den Winschen), in Verbindung mit Salzwasser und Luft neigen sehr stark zur Korrosion. Damit dies nicht passiert und die Metalle nicht in direkte Verbindung kommen habe ich aus einem Plastik Küchenbrett Untersetzer mit der Stichsäge ausgesägt und sie zwischen Winsch und Sockel montiert.

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Vorher

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Zerlegt und gereinigt

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Nachher

Die Kurzwellen Funke habe ich auch wieder zum „laufen“ gebracht. Irgendwer hat da wohl mal (aus Versehen?) die Steuerkabel zum Antennen Tuner abgeknipst (wer das wohl war?). Jetzt fehlt nur noch die UKW Funke. Die Antenne bzw. der Stecker des Antennenkabels am Masttop ist kaputt und muss erneuert werden. Problem ist nur, dass der Mast ohne Vorstag (wegen abgebautem Bugspriet) und somit auch mit losem Achterstag auf dem Deck steht. Er wird nur von den seitlichen Wanten gehalten und da muss ich nicht unbedingt den höchsten Punkt des Schiffes erklimmen. Würde zwar nichts passieren denn der Mast fällt nicht gleich um, aber Sicher ist Sicher. Im Moment habe ich für UKW eine Notantenne und die ist gut genug um mich täglich mit Peter dem hiesigen TO Stützpunktleiter zu unterhalten um ihm mein Leid zu klagen wenn am Boot mal wieder nichts vorwärts geht. Trotzdem hoffen wir, dass bald alles in Ordnung ist und wir von hier los segeln können.

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Fertige Winsch

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Landgang fehlgeschlagen – zu wenig Wasser

Wir hatten hier im Club eine nette Begebenheit und wenn da einer sagt die Welt wäre nicht klein…

Unser Boot liegt am Steg und ich war gerade im Cockpit als ich von einem Herrn auf deutsch angesprochen werde.  „Ich habe gerade den Namen des Bootes gelesen, sind Sie aus Rosenheim“?  Ich: „Ja ich bzw. wir sind aus Rosenheim und im Moment sind wir eben ausserhalb von Rosenheim und deshalb der Name des Bootes“.  Er: „Ich kenne Rosenheim, es ist eine sehr schöne Stadt, sie hat mir gut gefallen“.  „Kennen Sie auch Kiefrsfelden“? Ich: „Kiefrsfelden“? „Natürlich kenne ich Kiefersfelden da bin ich aufgewachsen und verbrachte dort die ersten 20 Jahre meines Lebens“   Er:  „Dann kennen Sie bestimmt auch…“. Es folgten etliche Namen die ich natürlich kenne, fast alles Leute in meinem Alter und so 10-15 Jahre älter.  Von einigen wusste ich, dass sie zu meiner Zeit, also in den 1960 igern bei der Kieferer Blasmusik spielten. Das weiß ich deshalb so genau, da ich damals im Trachtenverein aktiver Schuhplattler war und wir mit der Musikkapelle bei verschiedenen Veranstaltungen aufgetreten sind (sogar im Fernsehen).  „Ich kenne diese Leute“, sagt mein Gegenüber, „weil wir die Kieferer Blasmusik schon einige male nach Blumenau  (Brasilien, 1000km südlich von Rio) zum hiesiegen Oktoberfest eingeladen haben, das nach München übrigens das zweitgrößte Bierfest der Welt ist“.

Jetzt behaupte mal einer das Gegenteil von wegen Welt, nicht  klein und so… Übrigens beginnt das Oktoberfest in Blumenau (80km von unserem derzeitigen Liegeplatz entfernt) am 3.Oktober, genau wie in München, mit großen Trachten Umzug zu dem wieder viele bayrische Trachtengruppen eingeladen sind. Mal sehen ob wir die Mölichkeit haben dort hin zu fahren. Falls ja werde ich auf jeden Fall darüber berichten, natürlich auch mit Bildern

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