14.08.2014

13. August 2014 – Zuverlässig

Der Motor oder besser gesagt dessen Einzelteile sind besichtigt und für „geht schon“ befunden. Wenn er so aussieht wie im vorigen Bericht beschrieben, dann bricht man nicht gerade in Begeisterungsrufe aus. Joao verspricht uns, dass nächste Woche Mittwoch der Motorblock aus der Recifica ,eine Spezialwerkstatt in der die Zylinder gehohnt und die Kurbelwelle, Nockenwelle usw geschliffen und poliert werden, zurück ist. Dann wird er mit dem Zusammenbau des Motors beginnen. In 20 Tagen, so versichert er mir, ist dann alles fertig.Wir könnten am Mittwoch vorbei schauen und begutachten.wie es mit dem Motor aussieht.

Mittwoch: Ich schwinge mich ins Dinghy und brause damit die Meile bis zur Piratas Marina. Das ist es sehr bequem, denn dann brauche ich nicht auf den Bus zu warten. Ich lasse das Boot am Steg liegen und gehe die letzten 500 Meter zu Fuß zur Werkstatt.

Ich bin in der Werkstatt kann aber keinen Motor sehen. Nach längerer Suche finde ich Joao, der mir erklärt, dass der Motor noch nicht da ist. Wäre mir gar nicht aufgefallen. Aber nächste Woche Mittwoch bestimmt dann fängt er gleich an daran zu arbeiten. Wie will der denn die versprochenen 20 Tage einhalten? Ist (noch) nicht mein Problem. Am Montag bin ich wieder in der Werkstatt, denn Robson, der den Perkins reparieren sollte, bringt das Getriebe und andere Teile die am „neuen“ Motor verwendet werden können. Nach einer Stunde warten verlasse ich frustriert die Werkstatt und schleiche zurück zum Dinghy. Kann mir schon denken warum der nicht kam. Ich habe ihm nämlich bereits 1000 Riales (330 €) für Ersatzteile gegeben die ich natürlich gerne wieder hätte, denn das mit den Teilen hat sich ja erledigt. Robson hat auch die Einspritzpumpe zur Reparatur gegeben. Ich habe sie abgeholt und 1500 Riales (500 €)bezahlt. Da wusste ich noch nicht, dass ich die Pumpe gar nicht mehr brauche, die ist ja vom Perkins und der andere Motor ist ein Mercedes. Die 1000 Riales werde ich wohl nicht mehr bekommen, meint Klaus und die 1500 sind ebenfalls für die Katz was so viel heißt, dass ich so nebenbei mal 830 € in den Sand gesetzt habe. Da kommt Freude auf. Kein Problem, Geld war schon immer das wenigste (was ich habe). Was solls, etwas Galgenhumor hat noch nie geschadet.

Mittwoch. Schwungvoll überwinde ich die Reling und fahre voller Erwartung mit dem Dinghy in Richtung Stadt. Heute kommt ja der Motor von der Recifica zurück und ich will ihn mir ansehen. Ich laufe kreuz und quer durch den Betrieb und suche Joao. Der ist nicht da. Auf die Frage wo er ist bzw. wann er kommt bekomme ich keine Antwort. Nun reicht es aber. Ich habe in den zehn Jahren die Annemarie und ich in Lanzarote waren gelernt Geduld zu haben aber jetzt reichts. Wütend suche ich den Geschäftsführer und erkläre ihm, nicht gerade leise, dass es mir reicht und wenn nicht diese Woche mit der Arbeit am Motor begonnen wird dann will ich meine angezahlten 4000 Riales ( 1330 €) wieder zurück haben und ich suche mir eine andere Werkstatt. Voll mit Adrenalin und ebenso viel Wut im Bauch verlasse ich die Werkstatt. Warum bekomme ich keine Antwort wenn ich nach Joao frage? Seit ich die 4000 angezahlt habe, habe ich ihn nicht mehr gesehen. Was ist das für ein Typ? Ist er Alkoholiker und verpulvert gerade das Geld und kommt erst zurück wenn es alle ist? So sieht er eigentlich nicht aus. Aber man kann jemand immer nur vor den Kopf schauen und nicht hinein. Solche und andere Gedanken gehen Annemarie und mir durch den Kopf. Von der Angst weitere 4000 verloren zu haben gar nicht zu sprechen. Ich erzähle es Klaus. Er ruft bei Joao an und fragt nach. Inzwischen hat man ihm bereits berichtet wie wütend ich war und was ich angedroht habe. Er erklärt sich sofort bereit das Geld zurück zu zahlen. Ich will nicht das Geld zurück ich will einen Motor, erklärt ihm Klaus. Joao meint noch warum ich so wütend bin, es ist doch gar nichts passiert. Genau! Eben das ist ja das Problem, dass noch nichts passiert ist.

1.JPGGetriebe muß noch angepasst werden

Joao erzählt ihm, dass seine Mutter gestorben ist und er deshalb nicht an seinem Arbeitsplatz war. Verdammt nochmal, warum sagt mir das keiner. Die wussten in seiner Firma doch Bescheid. Da muss ich natürlich Abbitte leisten was ich im Stillen auch tue. Ich soll am Montag um zehn Uhr morgens in die Werkstatt kommen, lässt er durch Klaus ausrichten.

Am Montag bin ich kurz vor zehn in der Werkstatt und Joao ist nicht da. Aber Robson war da und hat die verlangten Teile gebracht. Das Geld allerdings nicht. War auch nicht zu erwarten. Kurze Zeit später kommt Joao. Alles klar, wir sind wieder Freund. Er meint, dass es nicht seine Schuld sei, dass er noch nicht mit der Arbeit begonnen habe. Der Motor ist noch nicht zurück. Er bietet mir an dass wir beide zur Recifica fahren um uns nach dem Stand der Dinge zu erkundigen. Dort angekommen werden wir von der Chefin begrüßt und sie entschuldigt sich auch gleich bei mir dass noch nicht alles fertig wäre aber sie hätten im Moment sehr viel Arbeit. Scheint wohl bis hierher gekommen zu sein mein Wutausbruch. Der Motorblock steht da und ist fertig. Ich habe gedacht dass neue Laufbuchsen eingepresst werden, dabei wurden die Zylinder nur gehohnt. Ich frage warum. Man erklärt mir, dass diese alten Motoren noch mit guter Qualität gefertigt wurden und deshalb gehohnt besser seien als mit neuen Buchsen deren Qualität zu wünschen übrig lassen. Seine Worte in Gottes Ohr. Hoffe dass dies nicht nur eine Ausrede ist. Die Kurbelwelle ist gerade in der Maschine eingespannt und wird geschliffen und poliert. Nächste Woche ist alles fertig und kann abgeholt werden. Beruhigt und mit etwas mehr Zuversicht kehre ich zurück zum Boot und erzähle alles bis aufs kleinste Detail meinem angetrauten Eheweib, welche während meiner Abwesenheit unser Boot mit zum trocknen aufgehängter Wäsche beflaggt hat.

Dieses mal ist Annemarie dabei als wir uns auf den Weg in die Werkstatt machen. Joao erwartet uns schon und zeigt uns voll Stolz wie weit er mit dem Motor ist. Noch nicht weit aber immerhin ist die Kurbelwelle, mit neuen Gleitlagern versehen, bereits eingebaut. Die ebenfalls neuen Lager für die Kolben bzw. deren Pleuel liegen schon da. Kompressions und Ölabstreifringe welche auf die Kolben warten die heute noch geliefert werden sollen sind ebenfalls zum Einbau bereit. Zufrieden verlassen wir die Werkstatt und fahren zurück zu unserem Boot. Nächste Woche sehen wir weiter.

2.JPG

Zylinderkopf mit Einspritzdüsen

Die Woche ist mal wieder vorbei und die neue fängt an. Wir haben Montag, wie jeder leicht am Text erraten kann und machen uns auf den Weg. Wohin denn schon? In die Werkstatt natürlich. Mit Fotografiereisen bewaffnet ziehen wir los. Wir sind gespannt was zwischenzeitlich passiert oder soll ich lieber sagen nicht passiert ist? Egal, jedenfalls stehen wir vor dem Motor und auf den ersten Blick sieht es eigentlich ganz gut aus. Zylinderkopf, Ventile, Einspritzpumpe, Einspritzdüsen, Wasserpumpe, alles schon eingebaut. Dann sehe ich die Meisterleistung der Ingenieurskunst. Der Ölfilter! Eingebaut mit der Öffnung nach unten! Ist das beim Volvo schon der Hammer wo der Ölfilter waagerecht eingebaut ist. Aber das hier ist der Megahammer. Öffnung nach unten. Was haben die sich dabei gedacht. Gut, beim LKW ist unter dem Motor genügend Platz und man kann beim Filterwechsel eine Auffangwanne drunter stellen. Aber beim Boot ist das nicht möglich. Das Öl geht in die Motorbilge und von dort über die Bilgenpumpe ins Wasser. Das kann es nicht sein. Ich weiß, man liest ja schließlich Fachliteratur, dass es einen Ölfilterversatzadapter (was eine riesige Wortkombination)mit Schläuchen gibt. Ich sage Joao, dass er diesen Adapter besorgen soll und den Filter an eine zugängliche Stelle mit Öffnung nach oben (klar, was sonst?) anschrauben soll.

Er sprüht sichtlich vor Begeisterung so ein langes Gesicht macht er. Er versucht mir zu erklären, dass das nicht so einfach sei. Erst als ich darauf bestehe und ihm sage, dass er das extra berechnen soll taut er auf und erklärt mir auch sofort wie und wo er den Filter anbauen wird. Alles nur eine Frage des Preises, ich sags ja immer. Wir verlassen nun die Werkstatt mit dem Versprechen des Mechanikers, dass mit dem Motor am Freitag die erste Funktionsprüfung gemacht wird, wir sollen kommen.

3.JPG

Total verrückt

4.JPG

sieht fast aus wie ein Motor

Das es nicht nur Ärger mit dem Motor geben kann sondern auch mit anderen wichtigen Dingen habe ich in der letzten Woche erfahren. Habe ich doch drei Notebooks auf unserem Boot und keines ist zu gebrauchen. Das erste nimmt keinen Strom mehr an, also ein Hardware Problem. Die beiden anderen sind trotz Antivirenprogramm von eben diesen Viechern lahm gelegt. Ich bringe sie zu einer Computerwerkstatt und erkläre die Probleme. Einmal Hardware, zwei mal Software. Beim einen ist Booten nicht möglich beim anderen sind Programme wie Internetbrowser, Picasa, Skype usw. außer Gefecht gesetzt. Also alles Programme mit denen ich online gehen kann. Nach vier Tagen hole ich die drei Aspiranten wieder ab und bekomme sie so zurück wie ich sie abgegeben habe. Nicht betriebsfähig. Man verzeihe mir den Ausdruck, aber das sind absolute Dumpfbacken. Nicht in der Lage mir die Viren vom Computer zu holen. Diese inkompetenten Bastler.

Was soll ich tun? Ich brauche unbedingt wieder Internet. Also mache ich mich selber an die Arbeit. Probiere hier, probiere da, nichts funktioniert so richtig. Trotzdem bringe ich es fertig 20, in Worten zwanzig mit Trojanern, PUP und anderen Viren verseuchte Dateien zu lokalisieren und sie in den Container zu verschieben. Aber ins Internet komme ich immer noch nicht. Durch Zufall entdecke ich auf meiner externen Festplatte eine alte Version von Firefox. Ich spiele sie auf und schon bin ich wieder online. Alle anderen Programme sind ebenfalls online. Was war das bloß für ein verrückter Virus. Vermutlich hat er eine wichtige Datei von Firefox zerstört. Wenigstens bin ich wieder mit der Außenwelt verbunden. Die anderen zwei Compis liegen immer noch im Koma. Mal sehen ob ich da eine Lösung finden kann. Das heißt, eine Lösung habe ich schon aber leider passt diese nicht zum Problem. Also suche ich mir jetzt ein Problem das zur Lösung passt :-/

Klaus hat André angerufen. Das ist der der auch die Computerprobleme von ihm löst. Freitag Abend um sieben will er kommen und sich meinen beiden Läppis widmen. Seit einer Stunde warte ich bereits und wer nicht kommt ist André. Klaus versucht ihn anzurufen um zu fragen was los ist. Erfolglos. Keiner geht ans Telefon. Mal wieder die A…Karte gezogen. Brasilianer und Zusagen oder Termine passen zusammen wie ein altersschwacher Ackergaul und ein Starjockey auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Wenn man sich hier auf etwas verlassen kann, dann, dass man sich auf nichts verlassen kann. Da kommt meine (noch immer) deutsche Seele doch ziemlich in Wallung. Das ist eben Brasilien. Aber was wäre das Leben wenn man nicht über andere Lästern kann.

Die Kommentare sind geschlossen.

Kategorien