18.10.2014

17. Oktober 2014 – Die unendliche Geschichte oder Drama ohne Ende

Seit nun drei Wochen steht der Motor fast fertig aber unberührt bei uns im Cockpit.Weihnachten bekommen wir Besuch aus Deutschland und wir hoffen, dass er bis dahin betriebsbereit an der Stelle ist wo er hingehört, nämlich im Motorraum. Ob wir das noch schaffen wird die Zukunft zeigen. Wie heißt der schöne Satz? Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Anfang Juni stehen wir, das sind Klaus, Annemarie, Joao der Mechaniker und ich in Angra dos Reis in der Bosch Werkstatt und verhandeln über einen Mercedes OM 314, 3,8 Liter, Vierzylinder Diesel mit 80 PS. Wir werden uns über folgende Punkte schnell einig: Der Motor bekommt eine Grundüberholung mit neuen „Innereien“, allen nötigen Anbauteilen, äußere Entrostung, eine Grundierung, neue Farbgebung inklusive der nötigen Umbauten zum Schiffsdiesel (Marinisierung). Ich nenne der Einfachheit halber die Preise in Euro. Also, der Preis: ca. 3000 € . Fertigstellung in 20 Tagen. 50% Anzahlung und den Rest bei Fertigstellung. Einbau des Motors nochmal 500 € extra. Wir besiegeln mit Handschlag die Vereinbarung. War schon der erste Fehler. Schriftlich heißt die Devise. Nachher ist man immer schlauer. Einen Tag später bringe ich die Anzahlung vorbei und Joao ward eine Woche nicht mehr gesehen (siehe Bericht Motor, Motor, Motor). Die Abwesenheit hat sich aufgeklärt (wenn sie stimmt) und die Arbeit kann beginnen. Weit gefehlt. Die Werkstatt die den Motorblock überholen soll hat keine Termine frei. Eine Woche später ist es so weit. Die Arbeit geht schleppend voran. Ich frage was denn los sei. Joao meint es fehlen etliche Teile und er kann nicht weiter machen. Ich müsste sie erst kaufen (das ist der zweite Fehler). Das kenne ich von Lanzarote her. Die Leute haben nie Geld und man muss ihnen das Material erst kaufen bevor sie weiter machen. Ist auch nicht so schlimm, abgerechnet wird dann eben am Schluss. Trotzdem verlangt Joao von mir eine Zwischenzahlung (dritter Fehler). Schließlich müsse er ja noch Teile besorgen. Weitere 300 € wechseln den Besitzer. Die Zeit zieht sich in die Länge und ich muss immer wieder Teile kaufen. Was die Marinisierung anbelangt erkläre ich Joao, dass er doch die Teile von meinem alten Motor hernehmen könne. Getriebe, Wärmetauscher, Ölkühler usw. Das muss doch nicht zusätzlich gekauft werden. Klar das geht, keine Frage.

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In der Werkstatt

Anfang September macht der Motor in der Werkstatt seine ersten Umdrehungen.Das was ich eigentlich hören möchte, nämlich wie der Motor läuft, wie sich die Ventile anhören, läuft er rau leise, ruppig. Nichts davon kann ich hören, denn er hat keinen Auspuff. Hört sich an wie ein Formel eins Motor. Damit kann ich nichts anfangen. Es fehlen noch etliche Anbauteile aber ein Ende ist abzusehen (Glaube ist doch was schönes oder besser glauben heißt nichts wissen). Der Motor kann eingebaut werden, meint Joao. Was ist mit den Teilen die noch fehlen? Die werden angebaut wenn der Motor im Boot ist. Ziemlich bescheuert, denke ich. Wenn der Motor erst mal drin ist ist es doch viel komplizierter die Teile anzubauen. Irgendwie kommt mir das nicht so ganz geheuer vor. Ist gut, dann bring den Motor zum Boot. Ein Autokran muss besorgt werden und ein Platz an der Mole um den Motor ins Boot zu hieven. Den Kran und den Platz an der Mole will Joao besorgen. Klaus sagt ihm noch er soll auf jeden Fall dort vorher anrufen damit wir auch an die Mole können. Der Termin steht für den nächsten Tag elf Uhr.Das ging aber schnell denke ich noch, hoffentlich klappt das auch. Ich besorge eine Schleppmöglichkeit und einen zusätzlichen Helfer. Pünktlich zur angegebenen Zeit stehen wir vor der voll belegten Mole. Nicht nur wir stehen da sondern auch eine ganze Menge Fischerboote die warten um entladen zu werden. Ich suche den Boß und frage wann wir denn an die Mole könnten. Heute gar nicht, morgen vielleicht. Was soll das, schließlich wurde angerufen und der Termin bestätigt. Keiner hat angerufen, bekomme ich zur Antwort, denn dann hätte er gesagt, dass es heute nicht möglich ist. Es ist zum Mäuse melken. Alles was man nicht selber macht funktioniert nicht. Joao hat also nicht angerufen, obwohl er uns gesagt hat es sei alles in Ordnung. Inzwischen ist es halb zwölf geworden und Joao ist immer noch nicht da. Wenigstens könnten wir mit dem Kran und dem Verantwortlichen für die Mole einen neuen Termin ausmachen. Der Versuch den Mechaniker über Telefon zu erreichen klappt nicht. Nach ein und einer viertel Stunde geben wir es auf und lassen uns zurück an unseren Platz an der Boje schleppen. Kostenpunkt: 120 €. rausgeschmissen für die Katz. Zwei Tage später steht der Termin mit dem Platz an der Mole und dem Autokran. Klaus hat alles per Telefon abgemacht. Wieder werden wir für 120 € an die Mole geschleppt und wieder warten wir eine geschlagene Stunde bis der Kran und der Motor samt Joao endlich da sind. Schnell ist der Motor umgeladen in unser Cockpit und es geht zurück zu unserem „Parkplatz“. Jedoch nicht bevor wir 20 € für die Mole und 80 € für den Kran gelöhnt haben. Joao ist in der Zwischenzeit zu Klaus gefahren und dort treffen wir uns um alles weitere zu besprechen. Ich frage Joao bzw. ich lasse durch Klaus fragen, denn mein portugiesisch reicht da bei weitem nicht aus. Ich frage Joao wann er denn endlich dem Wärmetauscher und den Behälter für das Kühlwasser einbauen will. Kühlwasserbehälter und Wärmetauscher braucht es nicht, ist die Antwort. Das haut mich von den Socken. Wieso denn nicht? Eine Salzwasserpumpe wird noch angebaut und die leitet das Kühlwasser durch den Motor und über den Auspuff wieder nach draußen. Hat der sie noch alle? Eine Einkreiskühlung! Und in zwei Jahren (vermutlich noch früher) kann ich den Motor wegwerfen. Wieso? Die Fischer haben sie doch alle. Die Fischer!! Bin ich ein Fischer? Die fahren jeden Tag und jeden Tag läuft jede Menge Wasser durch den Motor und trotzdem werden diese Motoren nicht all zu alt. Man stelle sich mal vor, der Motor steht etliche Wochen oder Monate, was bei Langzeitseglern normal ist. Dann Salzwasser im Motor! Selbst die reinen Bootsmotoren die vom Material her schon für Salzwasser gebaut sind würden das nicht vertragen. Wie sieht´s dann erst mit einem LKW Motor wie dem unseren aus? Den kann ich dann gleich versenken und brauch´ mir die Arbeit mit dem Einbau erst gar nicht machen.Dass das so nicht geht ist doch klar. Es muss also die korrekte Marinisierung noch durchgeführt werden. Die nächste Frage des Mechanikers ist für mich doch etwas befremdend. Er fragt wann er die restlichen 1500 € bekommt und die 80 € für den Kran.. Die bitte was? Da hab ich wohl Bahnhof verstanden. Welche 80 €? Welche 1500 €? Schließlich hat er uns versetzt und ein Termin war auch nicht ausgemacht wie versprochen. Da bekomme ich höchstens 120 € von ihm ersetzt da alles in die Hose ging. Außerdem lasse ich ihm durch Klaus erklären, dass ich bereits an Teilen so viel ausgelegt habe, dass, wenn überhaupt, er nur noch 500€ bekommt und im übrigen habe ich den kompletten Marinisierungssatz selbst mitgebracht. Der muss noch zu seinen Lasten verrechnet werden da er ihn nicht neu kaufen braucht, wie anfangs ausgemacht. Jetzt war natürlich die berühmte K… ganz kräftig am dampfen. Außerdem bekomme ich von ihm auch noch einen Öldruckmesser, einen Thermofühler für die Wassertemperatur samt Instrumentensatz. Den habe ich ihm zum Einbau überlassen und jetzt hat er sie nicht mehr. Vermutlich geklaut, verkauft, was weiß ich? Unversöhnlich gehen wir auseinander und haben uns bis heute nicht mehr gesehen.

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Motor ist da

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Endlich an Bord

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 gut verschnürt

Fünf Monate, seit Juni, ärgern wir uns mit dem Motor rum und es ist noch kein Ende abzusehen. Wir sind auf der Suche nach einem Mechaniker der uns den Motor fertig macht aber diesmal so wie es sich gehört mit einer Zweikreiskühlung (heißes Süßwasser wird im Wärmetauscher durch kaltes Salzwasser gekühlt). Wir hoffen, die Götter sind uns wohlgesonnen und es klappt alles bis der Besuch aus Deutschland hier ist. Wir dagegen sind durch den ganzen Mist bis nächstes Jahr März/April dazu verdonnert hier zu bleiben. Jetzt wäre nämlich die letzte Möglichkeit in Richtung Norden, also Karibik, aufzubrechen. Wir haben Frühjahr und es geht dem Sommer zu. Damit ändert sich das Wetter und der Wind kommt überwiegend aus nördlichen Richtungen. Erst im Spätsommer, also März/April schlägt das Wetter wieder um und der SO Passat weht wieder zuverlässiger. Bis dahin ist noch viel Zeit und so kommen eben die nächsten Berichte vermutlich aus Rio und Umgebung.

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wartet auf den Einbau

Es ist ja nicht so, dass es außer über dem Motor nichts zu berichten gibt wie die kommenden Zeilen zeigen werden. Eigenartiges und Merkwürdiges.

Annemarie und ich sitzen abends im Salon, draußen ist es bereits dunkel. Plötzlich ein bum, bum, bum. Was ist los zu später Stunde, bekommen wir Besuch? Ich schaue nach aber außer dass es dunkel ist kann ich nichts sehen. Kein Besuch, keiner hat angeklopft, nichts. Das ist komisch. Es dauert nicht lange, das gleiche wieder. Wir stellen Vermutungen an was das sein könnte, kommen aber auf kein wirkliches Ergebnis. Ich lege es ab unter der Rubrik „Klabautermann“. Annemarie ist gar nicht einverstanden damit. Ist sie etwa abergläubisch?

Einige Tage später morgens um sechs Uhr. Plötzlich ein fürchterlicher Lärm im Boot als wären wir irgendwo aufgefahren oder schrappen mit dem Kiel über Fels oder Korallen. Ich sause aus der Koje ins Cockpit. Was ich sehe ist: NICHTS!!. Der Grund hier ist Schlamm und wir haben drei Meter Wassertiefe.Es gibt hier weder Korallen noch Felsen. Im übrigen ist das Wasser komplett glatt, keine Welle trübt den Wasserspiegel.Die Vermutung es könnte die Kette der Boje sein die da am Rumpf entlang schabt ist einfach zu weit her geholt. Wir bewegen uns ja nicht mal, also können wir auch nirgends entlang schaben. Einfach eigenartig. Wir lassen es auf sich beruhen und kehren zurück in den Salon als dieses Geräusch „krrrach, schab, krrrach schon wieder zu hören ist. Also wieder raus aus der Koje (ist ja schließlich erst sechs Uhr morgens) und nachgeschaut. NICHTS!! Es muss aber was sein. Frustriert gehe ich zurück in den Salon als Annemarie von draußen ruft: „Werner, Werner, schnell, komm sofort raus“! Ich mit einem Sprung wieder aus der Koje in der ich es mir gerade wieder bequem machen wollte und stürze mich ins Cockpit bzw. an Deck. Was ich sehe ist ein wunderschöner gefleckter Rochen mit ca. 2m Spannweite. Ruhig „segelt“ er um unser Schiff. Zieht eine Schleife nach der anderen.

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Wir können uns an diesem Anblick gar nicht satt sehen. Plötzlich schlägt er einen Haken legt sich mit seinem Bauch, Kopf nach oben, an den Rumpf des Bootes und krrrrach bum.schabt er mit seinen scharfen Zähnen die Muscheln vom Unterwasserschiff. Kleine und große Fische umkreisen ebenfalls unser Boot und knabbern daran herum. Eigenartige Geräusche sind zu hören. Bum, bum, bum von den kleinen und großen Fischen wenn sie einzeln die Muscheln vom Rumpf brechen und ein krrrrach wenn der Rochen sich an dem Bewuchs gütlich tut. Unsere Lady scheint für die Fische wohl ein ergiebiges Riff zu sein an dem es jede Menge Futter gibt. Muss gut schmecken Cracas (Muscheln) mit Antifouling von Hempel. Guten Appetit.

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