21.05.2015

21. Mai 2015 Von Angra dos Reis nach Rio de Janeiro

Seit dem letzten Bericht ist schon eine etwas längere Zeit vergangen. Bei Schauspielern, Entertainer, Schriftsteller usw. nennt man das eine schöpferische Pause. Eine Pause habe ich auch gemacht ob sie allerdings Schöpferisch war wage ich dann doch zu bezweifeln. Nichtsdestotrotz versuche ich mich mal wieder einiges zu berichten.

Wir hatten Weihnachten Besuch aus Deutschland, Barbara die Nichte von Annemarie. Wir haben Ihr einen schönen Aufenthalt und kleinere Segeltouren versprochen. Schließlich war ja nur noch eine Kleinigkeit am Motor zu tun, es fehlte ein Zwischenstück um zwei verschieden dicke Schläuche zu verbinden. Die Anfertigung dauert nur Stunden und bis Weihnachten haben wir ja noch 2 Wochen Zeit.

Weihnachten ist da, unser Besuch ist da, nur der Mechaniker und das fehlende Teil sind nicht da. Und ich kann es jetzt schon sagen, der Besuch war bereits wieder weg und das Teil mit Mechaniker immer noch nicht da. Nachdem unser Besuch schon lange wieder in Deutschland ist und sich mit den Mühen des Alltags abplagen muss erscheint auch der Mechaniker. Er erzählt uns, dass er in Rio wegen eines anderen Bootes war. Telefonisch war er ebenfalls nicht erreichbar. Warum auch immer aber nun ist er hier und baut das Teil ein um die Schläuche zu verbinden. Dauert nur kurze Zeit. Ein Probelauf anschließend bringt ein zufriedenstellendes Ergebnis. Alles dicht und die Temperatur stimmt auch.

Einige Tage später machen wir eine Probefahrt. Da der Motor erst eingefahren werden muss fahren wir nur in niedriger Drehzahl. Der Motor erreicht knapp die Betriebstemperatur aber der Öldruck geht auf 1,5 bar zurück. Das erscheint mir nicht ganz richtig und nach einer halben Stunde ist unser Ausflug beendet, da wir sofort umkehren. Da scheint was nicht zu stimmen. Wenn die Ölpumpe nicht richtig funktioniert dann habe ich auf alle Fälle die A….Karte gezogen, denn dann muss der Motor wieder raus. Da kommt dann schon eine gewisse Panik auf. Was ich im Stillen den Mechaniker alles für Namen gebe ist nicht unbedingt dazu geeignet es in schriftlicher Form zu wiederholen. Also was ist jetzt zu tun. Was ich brauche ist ein Werkstatthandbuch von Mercedes in dem der OM 314 genau beschrieben wird, bzw. aus dem ich alle nötigen technischen Daten entnehmen kann. Im Internet werde ich fündig, investiere 20 Euro und lade mir die PDF Datei runter. Was eine Erleichterung als ich lese, dass der Motor bei Höchstdrehzahl mindestens 2bar und im Leerlauf mindestens 0,5 bar haben muss. Da liege ich ja mit 1200 U/Min. und 1,5 bar voll im Limit. Nun habe ich auch noch vom Mehrbereichsöl zum Einbereichsöl gewechselt, natürlich mit Mercedes Spezifikation, welches etwas dicker ist und somit liegt jetzt der Öldruck bei 2bar. Nochmal Glück gehabt.

Einige Tage später steht Annemarie an Deck und ruft mir zu:“Werner, schnell komm mal rauf und schau wer da kommt“. Ich kann es nicht glauben. Es sind Franz und Anna von der Scorpio mit ihrer fast dreijährigen in Argentinien geborenen Tochter. Es sind Österreicher und kommen aus der Nähe von Innsbruck, nicht weit von Kiefersfelden wo ich die ersten 18 Jahre meines Lebens verbrachte. Wir lernten die beiden in der Marina in Piriapolis in Uruguay kennen. Später trafen wir sie in Argentinien im Club Barlovento wieder. Zu dieser Zeit wurde auch ihre Tochter geboren. Nun sind sie hier und die Wiedersehensfreude ist groß. Natürlich muss das gefeiert werden und dabei beschließen wir, da wir das gleiche Ziel haben (Karibik) es zusammen angehen zu lassen. Langsam und ohne Hetze. Erst wollen wir mal hier die Bucht Baia da Ribeira, Ilha Gipoia, Ilha Grande usw. unsicher machen, bevor es dann weiter in Richtung Rio geht. Wir segeln, d.h. die Scorpio segelt zur Ilha Gipoia (Zwiebelinsel) und wir fahren mit Motor, denn wir brauchen 50 Betriebsstunden damit wir vor der Abfahrt nach Norden die Zylinderkopfschrauben nachziehen und die Ventile nochmal neu einstellen können. Der Ankerplatz ist herrlich und ruhig gegenüber Angra. Hier fahren keine Jetski und Motorboote wie verrückt durch die Bucht dass die Ankerlieger nur so durchgebeutelt werden. Nach ein paar Tegen fahren wir weiter zur Ilha Grande und ankern dort ind er Bucht Sito Forte. Nun müssen wir unsere Vorräte aufstocken und deshalb geht es zurück nach Angra dos Reis. Wir machen Bekanntschaft mit Jens der hier ebenfalls mit seinem Kat ankert. Er will noch einige Zeit hier bleiben bis seine Familie aus Deutschland kommt und dann einige Touren hier unternehmen. Im Gespräch erfahre ich von ihm, dass eine Crew kommt umden Kat ins Mittelmeer zu überführen. Gleich frage ich ihn ob die mir, wenn sie zurück in Deutschland sind mein AIS mitnehmen können und es zurück zum Händler schicken. Ich habe mir das AIS mitbringen lassen und als ich es installiert habe und es ausprobieren wollte funktionierte es nicht. Ich habe ein kaputtes Gerät bekommen.

Inzwischen hat der Motor seine 50 Stunden und Franz macht mir den Service. Ich mache den Ölwechsel während Franz die Zylinderkopfschrauben nachzieht. Er besitzt nämlich einen Drehmomentschlüssel der dazu nötig ist.

Einige Tage später gehen wir wieder auf Reisen und ankern in verschiedenen Buchten der Ilha Grande. Die Saison ist hier bereits vorbei, ebenso die Weihnachtsferien und es kehrt in den Buchten relative Ruhe ein. Ilha Grande ist schön. Direkt am Ufer beginnt der Urwald und nachts kann man die Geräusche verschiedener Tiere hören. Die Brüllaffen, die hier stark geschützt sind, machen natürlich, wie der Name schon sagt den meisten Lärm. Als ich die zum ersten mal gehört habe dachte ich es wäre irgendeine alte rostige und nicht gefettete Maschine wie z.B. Förderband o.Ä. Am nächsten Tag wieder nur aus einer anderen Richtung. War schon komisch, ist wohl eine „Reisemaschine“. Bis wir uns dann belehren ließen, dass das die Schreie der Brüllaffen sind.

Wir fuhren weiter zur Enseada das Palmas. Einfach herrlich hier. Ein Ankerplatz schöner als der andere. Nun fühlen wir uns wirklich wie im Urlaub. Endlich mal dem ewigen Ärger mit Motor nicht eingehaltenen Terminen und nicht funktionierender Technik entflohen. Von Enseada das Palmas machen wir einen kleinen Ausflug zu Fuß. Wir durchqueren ca. eine halbe Stunde den Urwald bis wir auf der anderen Seite der Insel bei Praia dos Mangues ankommen. Du kommst aus dem Wald raus und vor dir ist der herrlichste Strand den du dir vorstellen kannst. Selbst die „krumme Palme“ am Strand fehlt nicht. Da kommt mitten in Brasilien ein richtiges Karibik Feeling auf. Nachdem wir, Anna und Franz mit Tochter, Annemarie und ich an der herrlichen Landschaft satt gesehen und uns im glasklarem und herrlich warmen Wasser ausgetobt haben, treten wir den Rückweg an. Nach einigen hundert Metern bewegt sich etwas im Gebüsch. Als Franz nachsieht ruft er uns und wir sehen eine grüne Schlange so etwa einen Meter lang, die versucht sich so schnell wie möglich aus dem Staub zu machen.

Eseada do Abraao ist ein weiterer Ankerplatz. Dort warten wir auf günstiges Wetter um nach Rio weiterzusegeln. Die 50 Stunden sind auf dem Motor, der Service ist gemacht und nun „dürfen“ auch wir segeln. Bis Rio sind es 60 Meilen und bei einem Durchschnitt von 3kn, es ist kaum Wind, dürften wir in 20 Stunden am Ziel sein. Anfangs motoren wir, denn es ist gar kein Wind. Etwas später briest es auf und wir dümpeln mit 3kn dahin. Der wenige Wind wird noch weniger und wir machen nur noch 1,5 bis 2kn Fahrt. Da wird es uns zu dumm und schalten den Motor dazu. Er macht gerade mal einige Umdrehungen mehr als Leerlauf und wir fahren mit 2,5kn. Das bleibt dann so bis Rio. Die Fahrt an sich ist recht schön besonders als wir in die Nähe von Rio kommen. Von weitem sehen wir schon den „Breitarmigen“ wie ein Segelfreund die Christusstatue mal genannt hat. Es geht vorbei an einigen unbewohnten kleinen Inseln und an der Copacabana mit dem Zuckerhut im Hintergrund.Die Copacabana ist gesäumt von hunderten Menschen, Liegestühlen Trink und Futterbuden. Wir biegen um die „Ecke“ zwischen Pta. De Leme und Ilha de Contutuba und vor uns steht der Pao de Acucar, der Zuckerhut. Jetzt müssen wir den nur noch umrunden und wir sind am Ziel. Doch wohin fährt unser Boot? Es fährt parallel zur Brücke die einige Meilen weiter die Bucht von Rio überquert. Laut Karte müssten wir doch auf die Brücke zufahren. Ich sage zu Annemarie, die am Ruder steht, dass das auf alle Fälle der verkehrte Kurs ist. Wir müssen in die Bucht rein und sie nicht queren. „Aber das GPS zeigt mir diesen Kurs an“ meint sie ein wenig beleidigt da sie glaubt ich würde an ihr zweifeln. Sie kann nichts dafür für diesen eigenartigen Kurs. Sie schaut nur zum GPS und folgt dem Pfeil. Doch das GPS hat sich ausgeklinkt und zeigt den falschen Kurs. Ein Restart behebt das Problem, einige Drehungen am Ruder und schon ist alles wieder in Ordnung. Die Einfahrt in die Bucht ist grandios. Links (man verzeihe mir den unseemännischen Ausdruck) der Zuckerhut in seiner ganzen Größe und rechts eine große Festung aus der Zeit als man noch mit Kanonenkugeln schoss. Es ist ablaufendes Wasser und es gurgelt und brodelt nur so um uns herum. Wir fahren fast Vollgas und trotzdem machen wir nur 2kn. Hier sind bestimmt 4-5kn Gegenstrom. Wir umrunden den Zuckerhut und sind nun in der Bucht. Ein herrlicher Ankerplatz, direkt unterhalb des Zuckerhuts und gegenüber der schon genannte Breitarmige. Nur die Sauberkeit des Wassers lässt zu wünschen übrig, wie überall in der Nähe von Städten und Siedlungen in Brasilien. Wir werfen Anker und sind am (Zwischen)Ziel angelangt. Wir werden uns die Stadt ansehen und einige Besorgungen für die Weiterfahrt machen. In einer Woche etwa soll es weitergehen. Vorausgesetzt das Wetter passt. Die nächste Station ist dann Cabo Frio. Wenn wir dort ein günstiges Wetterfenster erwischen geht es in einem längeren Schlag bis zu den Abrolhos. Aber das ist noch Zukunft.

Aus einer Woche sind es inzwischen drei geworden. Nicht weil uns Rio so gut gefällt, obwohl es eine, ich möchte nicht unbedingt behaupten schöne aber eine interessante Stadt ist. Sicher sie hat auch ihre schönen Seiten, wie z.B. die Copacabana, das Theatro Municipal usw. Trotzdem, mir wäre die Stadt allein schon wegen der schlechten Luft zuwider. Nein, wir sind deshalb noch hier weil wir kein Wetterfenster hatten um weiterzusegeln.

Bis es so weit ist sitze ich nicht untätig herum. Ich baue mir eine „Tankanlage“. Damit kann ich nun den Diesel vom Haupttank in den Tagestank, aus dem der Motor versorgt wird, umpumpen oder die Reservekanister in den großen Tank umfüllen oder aber auch den Tagestank direkt aus den Reservekanistern versorgen falls es mal erforderlich sein sollte. Außerdem kann ich anhand eines Zählers kontrollieren wie viel ich in den Tagestank gefüllt habe. Eine am Tagestank angebrachte Skala erlaubt mir den genauen Verbrauch festzustellen indem ich die gefahrene Zeit am Betriebsstundenzähler ablese und so den Durchschnittsverbrauch ausrechne. Der übrigens bis jetzt bei 2,5L/Std. liegt.

Endlich ist es so weit. Morgen geht’s los. Wir brauchen den ganzen Tag um unser Boot Seeklar zu machen. Am nächsten Tag ist es so weit. Ich starte schon mal den Motor, Annemarie ist am Ruder. Mit der Fernsteuerung betätige ich die Ankerwinde und sie holt langsam den Anker nach oben. Die Leinen der Abspannung sind komplett mit Algen bewachsen und stinken. Nebenbei verursachen sie noch eine gehörige Sauerei an Deck. Immer mehr Ankerkette kommt ans Tageslicht und was ich sehe lässt mich nicht unbedingt jubeln. Schlamm, Algen und kleine Muscheln die die Kette belagern ziehen wir nach oben. Ich nehme mir eine Bürste und schrubbe Meter für Meter die Kette. Trotzdem wandert noch einiges an Dreck in den Ankerkasten. Irgendwann sind dann die vierzig Meter Kette oben und verstaut und der Anker hängt an seinem Platz an der Spitze des Bugspriets. Es kann losgehen. Plötzlich sagt Annemarie: „hier riecht es nach Plastik“. Ich schnuppere. Ja Plastik. Ich schaue in den Motorraum. Kann nichts sehen. Ich öffne den Zugang zum Motorraum von der Seite, vom Durchgang aus. Sehen kann ich nichts aber im Motorraum ist es heißer als sonst. Ich kann immer noch nichts sehen. Ich gehe nach oben ins Cockpit schaue auf die Temperaturanzeige des Kühlwassers. Scheiße!! Über hundert Grad. Sofort betätige ich den Stoppzug und der Motor steht. Wir aber stehen mit unserem Boot so ziemlich genau in der Einfahrt in die Bucht. Was soll ich tun? Ich kann daran auch nichts ändern und schon rauscht der Anker in die Tiefe. Franz der vor uns fährt bekommt von alledem nichts mit. Ich versuche ihn über Funk zu erreichen. Nichts. Da kommt ein Boot von einer Segelschule an und will uns erklären, dass wir hier in der Einfahrt nicht ankern können. Das wissen wir selber auch(hab ich natürlich nicht gesagt). Ich erkläre denen was passiert ist und bitte zu versuchen die Scorpio einzuholen und ihnen von unserem Malheur zu berichten. Sie schaffen es auch und die Scorpio dreht um. Einstweilen ist der Motor bzw. das Kühlwasser auf unter 60° abgekühlt. Ich lasse den Motor wieder an und Annemarie fährt die eine Meile wieder zurück zu unserem alten Ankerplatz. Gerade noch so, bevor die Temperatur wieder ihre 100° erreicht hat. Erst mal abkühlen lassen und dann nach der Ursache schauen.

Ich steige in den Motorraum. Erst mal den Kühlwassertank überprüfen. Wasser ist genügend drin, hatte ich vor der Abfahrt schließlich überprüft. Es könnte vielleicht die Impellerpumpe (Salzwasserpumpe) sein. Sieht nicht so aus. Die Schläuche, welche das Salzwasser durch den Wärmetauscher führen sind heiß und weich. Dort wo der Schlauch in den Aspuff geht, also die Wassereinspritzung, dort ist der Schlauch abgeknickt. Schon mal schlecht, denn da kommt kein Wasser mehr durch. Die Kontrolle der Schläuche ergibt, dass sie nicht nur am Auspuff, sondern auch an anderen Stellen abgeknickt sind und kein Durchfluss mehr stattfinden kann. Die Schläuche waren so beschissen verlegt, dass sie am Filterausgang, am Eingang zum Kühlwassertank und am Wärmetauscher viel zu enge Kurven machten. Dadurch wurde wurde der Durchfluss des Salzwassers verringert was zur Folge hatte, dass das Kühlwasser nicht genügend gekühlt wurde. Dadurch wurde das Salzwasser noch wärmer, ebenfalls das Kühlwasser. Das hat sich so lange aufgeschaukelt bis die Schläuche heiß wurden und jeweils dort wo sie in Kurven gelegt waren abknickten. Somit war jede Kühlung außer Gefecht.

Franz verspricht mir (was würde ich ohne ihn tun) am nächsten Tag mit mir in die Industriezone zu fahren um die Schläuche und andere benötigten Ersatzteile zu beschaffen. Wir wollen nämlich nicht nur Schläuche sondern auch Schlauchanschlüsse und Bogenstücke kaufen um zu verhindern dass uns das gleiche nochmal passiert.

Wir sind ja eigentlich nicht legal hier in Brasilien. Man darf nur drei Monate im Land bleiben und wir sind nun schon erheblich länger als ein Jahr hier. So lange keine Kontrolle kommt ist es auch egal. Aber genau diese hält in Form der Receite Federal (Zoll) mit ihrem Boot genau auf uns zu. Sofort verkrümele ich mich in den Salon. Annemarie bleibt im Cockpit. Sie wollen natürlich die Papiere sehen, welche wir ja nicht haben. Aber das bindet Annemarie ihnen ja nicht gerade auf die Nase. Sie macht ganz was anderes. Sie erklärt denen, in noch schlechteren englisch wie sie eh schon spricht, den Leuten dass sie in zwei Stunden wiederkommen sollen, denn ich bin nicht da und sie kennt sich nicht aus. Dann fahren sie ab. Bei der Scorpio genau das gleiche. Wir warten genau zwei Stunden (wir kennen die Pünktlichkeit der Brasilianer) und dann sind wir weg in die Stadt. Wir gehen jetzt einklarieren. Es geht erst zur zur Immigration dann zur Reseite (Zoll) und dann zur Marhina do Brasil (Hafenbehörde). Wir werden gefragt wie lange wir schon hier sind. Seit zwei Tagen, ist die Antwort. Gut. Wo sind die Ausklarierungspapiere des letzten Hafens? Brauchen wir nicht ist die Antwort. Wir sind Europäer und kommen direkt aus Europa. Wir sind von den Kanaren direkt ohne Zwischenstation nach Rio gesegelt und wollen dann weiter in die Karibik. Passoporte por favor. Wir reichen die jungfräulichen Pässe, welche bar jedes Stempels sind. Stempel rein, gute Fahrt und das war´s. Beim Zoll genau so. Ebenso bei der Marhina do Brasil keinerlei Probleme. Abgesehen von der Zeit die beansprucht wird Können wir doch an einem Tag nur zwei Behörden machen. Die dritte dann erst am Tag (von der Wiege bis zur Bahre, Formulare, Formulare). Dabei hatten die noch Humor und uns gefragt ob es in Europa auch so einen Papierkrieg gibt. Was wir nur bestätigen können.

Also alles klar, nun sind wir offiziell und ganz legal in Brasilien. Wenn jetzt die Kontrolle mit ihrem Boot, besser gesagt mit ihrer schnellen Motoryacht nicht mehr kommen sollte, dann stinkt es uns aber ganz gewaltig.

Zwei Tage später. Annemarie und ich wollen gerade an Land und haben die Hälfte des Weges mit unserem Dinghy bereits zurückgelegt, da sehe ich eine Motoryacht mit Vollgas durch die Bucht sausen und genau auf uns zu halten. Ich mache Annemarie darauf aufmerksam. Wir tun aber so als hätten wir nichts gesehen. Da sind sie auch schon so nahe dass sie rufen können. Ein bisschen grinse ich in mich hinein ob der Situation. Natürlich gebe ich ihm zu verstehen, dass ich sofort umdrehen und zum Boot zurück fahre. Ich gebe ihnen die Papiere in einem Schnellhefter sorgfältig eingeordnet nebst Pass. Ich glaube einen erstaunten Ausdruck auf seinem Gesicht zu sehen.Er wirft nur einen kurzen Blick darauf, lächelt und gibt sie mir zurück. Ich entschuldige mich noch dafür, dass ich nicht da war als sie zum ersten mal hier waren. Mit einem großzügigen nao problemo (kein Problem) und einem welcome in Rio and have a nice time rauschen sie wieder ab.

Vorher sagte ich, dass wir wieder an unseren alten Ankerplatz zurückkehrten. Das stimmt nicht ganz, denn wir liegen etliche Meter näher am Ufer. Das wäre an sich kein Problem. Das eigentliche Problem ist, dass die Kette immer rattert und sich anhört als würde sie über einen Stein schleifen.. Ein fürchterliches Geräusch. Immer dann wenn sich das Boot etwas bewegt und die Kette mitzieht. Das nervt. Also entschließen wir uns das Boot nach weiter draußen zu verholen. Annemarie hat dazu keinen Bock und will vom Boot runter. Kein Problem, denn Franz stellt sich ans Ruder. Langsam hole ich mit der Winde den Anker hoch. Und was sehe ich? Eine dicke fette Mooringleine hängt dran. Also das war das Geräusch. Die Kette ratterte dauernd über den Betonblock der Mooring. Glück gehabt, dass sich die Kette bzw. der Anker nicht am Block verfangen hat. Franz und ich untersuchen die Leine. Sieht gut aus. Keine Algen und kein Muschelbewuchs. Also was soll´s. Wir verlängern und sichern die Mooring mit eigenen Leinen und bleiben an Ort und Stelle. Und so hängt der Anker am Bugspriet und wir an der Mooring. und warten auf ein Wetterfenster damit es weiter gehen kann

 

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