15.06.2015

01. Juni 2015 Von Rio nach Buzios

Man möchte es ja kaum glauben aber tatsächlich es ist so weit. Heute geht es ab nach Cabo Frio unserer nächsten Station in Richtung Karibik. Gestern am Sonntag waren wir noch bei der Marinha do Brazil (Hafenbehörde) und wollten uns abmelden aber da haben auch die geschlossen. Also heute nochmal hin und abgemeldet. Alles läuft easy und wir sind nach zwei Stunden zurück auf unseren Booten. Die Out of Rosenheim und die Scorpio mit Franz, Anna und Milena sind seeklar. Anker auf und los geht´s. Wir brauchen nur die Leinen los werfen, schließlich hängen wir an unserer „gefundenen“ Boje. Noch ein letzter Blick zurück zum Zuckerhut und zum „Breitarmigen“ und schon sind wir an der Ausfahrt und an den beidseitigen historischen Hafenbefestigungen vorbei. Wie bei der Einfahrt ist auch die Ausfahrt etwas turbulent. Das Wasser gurgelt und sprudelt. Es ist ablaufende Tide und so werden wir ohne viel Aufhebens raus auf den Atlantik befördert. Eine unangenehme Welle erwartet uns. Kein Wind und wir müssen mit Motor fahren bei einer seitlichen Welle von 1,5 – 2,00 Meter und mehr. Wir schaukeln unangenehm und der Mast schlägt aus wie ein Perpendikel. Jede sechste oder siebente Welle ist besonders groß und wir neigen uns so stark, dass das Boot bis zur Scheuerleiste krängt. Sehr unangenehm. Sehr viel später, zwischendurch hat es mal leicht geregnet ,kommt der Wind von achtern und es frischt etwas auf. Zwei Stunden können wir segeln, nur mit Genua. Dann dreht der Wind und hört schließlich ganz auf. Also Motor an. Unser bestes Stück, Neptun soll es verfluchen, der Autopilot, gibt mal wieder nichts von sich. Er hat sich, wie fast immer auf längeren Fahrten, verabschiedet. Am liebsten würde ich ihn aus dem Instrumentenbrett reißen und ihn in hohem Bogen zu den Fischen befördern. Sollen die sich doch damit ärgern. Könnte aber passieren, dass selbst Neptun sich über dieses Schei…Ding so ärgert dass er es wieder zurück an Bord beordert. Also müssen wir in den sauren Apfel beißen und statt abwechselnd zu schlafen am Ruder sitzen. Es gibt nichts frustrierendes als Stunde um Stunde am Ruder zu sitzen, angestrengt auf den Computer oder das GPS zu starren um nicht vom Kurs abzukommen. Das ist bei diesen Verhältnissen nicht ganz einfach, denn der Pfeil der den Kurs anzeigt dreht sich in alle Richtungen nur nicht in die in die wir fahren wollen. Und das Boot schaukelt und schaukelt und schaukelt… Irgendwann wird es mir zu dumm und ich beschließe das Großsegel aufzuziehen damit die Schaukelei etwas verringert wird. Normal tu ich es nicht gerne. Das Segel das dann fürchterlich schlägt wird sehr stark belastet. Und nicht nur das Segel sondern das gesamte Rigg. Also mache ich sämtliche Bändsel lose und bereite das Segel vor. Annemarie stellt unsere Lady in den Wind und ich ziehe am Großfall. Als das Groß knapp zur Hälfte oben ist klemmt es plötzlich. Bei genauerem hinsehen merke ich, dass sich das Fall an der zweiten Saling verhängt hat. Um das wieder lose zu machen ist jetzt nicht die rechte Zeit. Ich hole das Segel wieder runter, tuche es auf und die Sache ist gestorben. Soll es eben weiter so schaukeln. Wenn wir wieder Tageslicht haben werde ich mich darum kümmern. Es ist ziemlich frisch und angenehm ist nur, dass wir jetzt unser Cockpit rundum schließen können. Regen und Kälte kann uns so nicht mehr viel anhaben. Annemarie hat Bahnen mit Reißverschlüssen und eingelassenen „Fenstern“ genäht die auch bei geschlossenen Cockpit eine gute Sicht nach allen Seiten zulässt. So geht es die ganze Nacht weiter mit der Schaukelei und die Freiwache hat nicht die Möglichkeit zu schlafen. Endlich gegen halb sieben ist es hell. Am Ruder zu sitzen ist zwar immer noch frustrierend aber es geht wenigstens etwas leichter wenn man dabei den Horizont sieht. Durch das Manöver in der Nacht hat Franz einen Vorsprung von etwa ein bis zwei Meilen bekommen und wir fahren (segeln ist immer noch nicht möglich) hinter ihm her. Der Leuchtturm von Cabo Frio hat eine sehr große Tragweite. In der Nacht in einer Entfernung von ca. 30-35 Meilen (60-70km) haben wir ihn schon gesehen und jetzt am Tag ist unser Ziel immer noch so weit entfernt. Aber auch das geht vorbei. Angekommen am Kap umrunden wir dieses und wollen von Norden her in die „Lagune“ (was in Wirklichkeit gar keine ist) einfahren und dort in Praia do Forno ankern. Dies ist eine kleine Bucht die von allen Seiten gut geschützt und sehr ruhig ist. Aber wie gesagt, vorher müssen wir noch das Kap runden und ich lege noch einige Kohlen nach, soll heißen ich gebe etwas mehr Gas, denn die Gegenströmung wird stärker und die Wellen höher. Eine Schule mit sechs oder sieben Delphinen zieht in Gegenrichtung vorbei ohne von uns Notiz zu nehmen. Vermutlich ist ihnen unser Motor zu laut. Nach ungefähr drei Stunden ist es so weit und wir lassen in der Bucht den Anker fallen. Für die 72 Meilen mussten wir 24 Stunden schaukeln und knüppeln. Aber jetzt haben wir es geschafft.Um sechs Uhr abends gibt es Essen und ein Ankunftsbier und dann verkriechen wir beide uns in die Kojen.

Der nächste Tag beginnt für uns erst um acht Uhr. Aber wenigstens sind wir ausgeschlafen.Es ist der dritte Juni und ich schaue mich erst mal richtig um auf unserem Ankerplatz. Ein schönes, von allen Seiten geschütztes nettes Plätzchen. Ein langer Sandstrand zeiht sich durch die Bucht und etliche Bars und Restaurants warten darauf dass sie von Touristen besucht werden, was jetzt aber nicht wirklich passiert schließlich haben wir tiefsten Winter mit Tagestemperaturen von „nur“ 23°C. Das Wasser ist kalt (Cabo Frio – kaltes Kap hervorgerufen durch eine kalte antarktische Strömung die hier an die Oberfläche tritt) und die Temperatur beträgt unter 20°C. Die Berge ringsum sind, wie hier überall, mit Urwald bewachsen. Eine Besonderheit, die wir bis jetzt noch nicht beobachten konnten, sind die riesigen Kakteen zwischen den Bäumen und Sträuchern.

Wir unternehmen einen kurzen Spaziergang von unserem Ankerplatz über einen Hügel in die nächste Bucht in der ein Fischerhafen und die Stadt Arraia do Cabo liegen. Da wir Geld brauchen werden wir gleich mal eine Bank aufsuchen und den Automaten plündern. Von wegen plündern. Bei fünf Banken und Automaten haben wir es versucht. Ohne jeden Erfolg. Die nehmen tatsächlich nur nationale Kreditkarten. Unvorstellbar und das in einem Touristenort. Ist eben Brasilien. Vermutlich verbringen hier nur „Eingeborene“ ihren Urlaub, was aber eher nicht der Fall ist denn es ist ein bekanntes Tauchgebiet.Wir besichtigen einen Teil der Stadt, suchen und finden ein Restaurant. Ein „Kilorestaurant“ (ist hier in Brasilien sehr beliebt, dort wird das Essen gewogen und nach Kilo bzw. Gramm berechnet) und verzehren was wir uns auf den Teller geladen haben. Ich persönlich mag diese Restaurants nicht so gerne. Für mich sind das nur Abfütterungsstationen. Ich bin satt geworden aber das war es dann auch schon. Anschließend besuchen wir eine Kneipe, trinken ein Bier und schlendern wieder zurück. An Bord angekommen beschließen wir den Tag im Cockpit sitzend mit einem Sundowner in Form eines Caipirinha.

Nach sechs Tagen kommt endlich ein Wetterfenster um die 30 Meilen nach Buzios zu segeln. Buzios wird unser Hafen sein von dem aus es dann wirklich nach Norden geht. Er liegt 30 Meilen nördlich von Cabo Frio bzw. ca. 100 Meilen nordöstlich von Rio. So wirklich haben wir in Richtung Norden noch nicht viele Meilen gemacht. Nun aber sind wir um die „Ecke“ bei Cabo Frio und es geht nur noch in die Hauptrichtung nach NO oder Nord, je nach Küstenverlauf.

 

Wir segeln nicht nach Buzios sondern, wir fahren so wie die ganze vorherige Strecke wegen fehlendem Wind mit Motor. Diesmal haben wir etwas mehr Glück mit der Welle. Sie ist nicht so hoch wie im Abschnitt von Rio nach Cabo Frio und sie kommt mehr von schräg vorne, so dass die Schaukelei sich in Grenzen hält. Leider müssen wir wieder die ganze Strecke am Ruder stehen, denn der Autopilot spinnt nach wie vor. Mir wird es zu dumm und ich versuche, während Annemarie am Ruder steht das Teil zu zerlegen. Eigentlich nicht den Computer sondern nur den Kompass. Es ist kein normaler Magnetkompass sondern ein elektronisches Teil. Schnell habe ich den Fehler gefunden. Es ist ein Datenkabel im inneren des Kompassgehäuses, das ich vorher abgeschraubt habe. Das Kabel, das zuständig ist die Daten über die Lage und Richtung des Schiffes an den Computer weiterzugeben hat keinen richtigen Kontakt. Und deshalb dauernd die Meldung out of Data. Diesen Fehler kann ich jetzt, falls überhaupt reparabel, nicht reparieren. Ich schraube das Gehäuse wieder zu und wir müssen uns eben damit abfinden weiterhin am Ruder zu stehen. Die Chance hier dafür einen Ersatz zu finden ist ungefähr so groß wie mitten in der Sahara auf eine zehn Meter hohe Wasserfontäne am Gipfel einer Sanddüne zu stoßen. Die einzige Möglichkeit wird sein doch noch zu versuchen den Kompass zu reparieren.

Am Nachmittag um 16:00 Uhr ca. sechs Stunden nach unserer Abfahrt kommen wir am Ziel in Buzios an. Der kurze Törn findet seinen Abschluss in Form einer Flasche Budweiser die wir im Cockpit sitzend bei warmen Wetter und Sonnenschein genießen

 

Die Crew der der Scorpio und der Out of Rosenheim haben eine tolle Idee. Wir kaufen Fisch, Tintenfisch und Scampi und grillen. Franz stiftet ein 5L gut gekühltes Heineken. Wir, Franz und ich, ziehen los um einzukaufen. Zurück kommen wir mit 2kg Fisch, 1kg Tintenfisch und 1kg Scampi einschließlich 10kg Eis um das Bier zu kühlen.Der Preis ist recht moderat. Alles zusammen für 84 Riales, das sind beim derzeitigen Kurs ca. 28 Euronen.Kein Grund zum meckern.

 

Franz stellt einen kleinen zweiflammigen Petroleumofen ins Cockpit der Scorpio und fängt an zu grillen, während der Rest der Mannschaft Glas für Glas sein Bier vernichtet (wir sind schließlich keine Egoisten, wir haben ihm auch noch etwas übrig gelassen). Es wird gebrutzelt, gekocht, gequatscht und wir unterhalten uns über Gott und die Welt. Nach all dem guten Essen gibt es noch eine Nachspeise und einen hervorragenden Grappa zur Verdauung. Es ist bereits dunkel als wir unser Dinghy entern und zurück zu unserem Boot fahren.

Heute ist der dritte Tag, dass wir hier in Buzios vor Anker liegen und der Wind pfeift mit bis zu 25kn aus SW. Die Wellen werden höher und das Boot beginnt zu schaukeln. Alles nicht schlimm aber trotzdem beobachte ich Kette und Boot. Man kann ja nie wissen… Franz der hinter uns liegt geht plötzlich Anker auf. Beim vorbeifahren sagt er mir, dass er an einer anderen Stelle ankern will. Zwar hat sein Anker gehalten aber neben ihm liegt ein Fischer der ihm seiner Meinung nach zu sehr auf die Pelle rückt. Das ist für mich dann ebenfalls das Zeichen etwas zu unternehmen. Nur bei uns sieht es so aus, dass wir gut liegen aber etwas zu wenig Kette gegeben haben. Wir ankern auf 10m Wassertiefe und haben nur 30m Kette raus. Ich lasse den Motor an nehme die (selbstgebastelte) Fernsteuerung, Annemarie geht ans Ruder und fährt etwas vorwärts. Ich ziehe die Kette nach oben, löse den Schäkel der Abspannung und die Kettenbremse und lasse nochmal 15-20m Kette ausrauschen. Nun sind es mehr als 40m und damit sind wir auf der sicheren Seite. Das Boot liegt auch gleich etwas ruhiger und die kette ist nicht so gespannt. Ich bringe die Kettenabspannung wieder an damit die Ankerwinsch nicht unnötig belastet wird.

Drei Stunden später lässt der Wind nach um dann ganz aufzuhören und wir liegen wieder so ruhig vor Anker wie vorher.

Familienfoto Strand von Cabo Frio Stadt Sandburg Familienfoto der gute Onkel Auf dem Weg zum Ankerplatz Ankerplatz Ankerplatz Buzios Am Cabo Frio

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