24.07.2015

01. Juli 2015 – Von Buzios über die Abrolhos nach St.Andre

Es gefällt uns in Buzios. Es ist ein schönes Städtchen mit viel Tourismus. Während der Saison möchten wir nicht unbedingt hier sein, da wäre uns der Rummel zu groß. Buzios lässt sich am ehesten mit Ibiza vergleichen, was den Rummel und die Preise anbelangt. Geschäfte, die wir Fahrtensegler am liebsten aufsuchen wie z.B. Schiffszubehör, Metallwarengeschäfte und sonstige nützliche Verkaufsstellen sucht man hier vergeblich.

Wir sitzen im Cockpit und genießen die Wärme und die Sonne. Ein Motorboot kommt bei uns in Rufnähe vorbei und fragt ob wir aus Rosenheim wären, was wir bestätigen. Dieter so sein Name erzählt uns, dass er seit 33 Jahren in Brasilien lebt und mit einer Brasilianerin verheiratet ist. Ihm gehört die Kneipe an der Strandstraße mit dem Namen No Moro (am Berg oder am Hang). Wir sollen ihn doch mal besuchen und das erste Bier geht auf Kosten des Hauses. Gerne nehmen wir das Angebot an.

Es ist Abend wir fahren mit dem Dinghy an Land und besuchen Dieter. Hier lernen wir auch Michael kennen. Dieter und Michael sind Freunde und Geschäftspartner. Michael ist in Brasilien geboren, seine Eltern sind aus Deutschland ausgewandert. Er machte seine Ausbildung als Automechaniker in Deutschland. Obwohl er deutsch in Brasilien gelernt hat beherrscht er die Sprache akzentfrei. Etwas später kommt noch Jürgen dazu, ebenfalls ein hier hängen gebliebener Deutscher und mit einer Einheimischen verheiratet.

Wie fast überall in Brasilien gibt es auch hier immer wieder Probleme mit dem Internet. Es fällt dann, aus welchen Gründen auch immer, für einige Tage aus. Die Leitungen sind marode und hängen mit tausend anderen Stromleitungen wirr in der Gegend rum. Aber das Wetter für die nächsten Tage können wir trotzdem runterladen.. Es sieht gut aus für die Weiterfahrt. Angesagt sind für die nächsten vier Tage Wind mit bis zu 20kn aus Süd bis Südost oder Ost. Die Entfernung zum nächsten Ziel, den Abrolhos, welche 50nm (knapp 100km) vor der brasilianischen Küste liegen beträgt 400nm(750km). Wenn uns der Wind nicht in Stich lässt sind wir in drei Tagen am Ziel. Hört sich nicht viel an aber wenn man zu zweit ist und rund um die Uhr am Ruder sein muss, dann ist es nicht unbedingt ein Vergnügen.

Das Riff

Am 24.06. gegen 10:30 geht es Anker auf. Der Wind bläst in den Böen bis zu 20kn und die Welle ist unangenehm kurz und kommt Steuerbord querab (für Nichtsegler: von der rechten Seite). Wir setzen das Groß, nicht nur um zu segeln, sondern auch um die Schaukelei in einem erträglichen Maß zu halten. Der wechselnd starke Wind und die unangenehme Welle hält an bis wir aus dem Festland und Inselbereich raus sind. Er bläst auch hier nicht weniger stark aber gleichmäßiger. Die Wellen werden höher und länger. Langsam stimmen Wind und Welle überein und es geht recht flott mit vier bis fünf Knoten voran. Der Tag geht zu Ende und langsam wird es dunkel. Unsere Lady meint es gut mit uns. Sie zieht alleine ihre Bahn ohne dass wir ins Ruder greifen müssen. Ich habe Wache, sitze im Cockpit und beobachte den Windanzeiger. Es ist leichter nach der Windanzeige den Kurs zu steuern als nach dem Kompass oder GPS. Aber wie gesagt im Moment bin ich Kontrolleur und nicht Steuermann. Ist herrlich entspannend und die Nachtwachen werden dadurch erheblich erleichtert. Alles ist mal zu Ende, so auch das relaxte Segeln. Der Wind wird schwächer, das Tempo langsamer und bald fahren wir mit Motor weiter. In zwei bis dreistündigen Rhythmus wechseln wir uns am Ruder ab. Wir nehmen das nicht so genau. Ja nach Lust und Kondition. Schlaf ist bei dieser Schaukelei und dem Motorlärm kaum möglich. So geht es weiter. Mal segeln, mal motoren. Die Scorpio hat uns nach Strich und Faden abgehängt. Wir sehen sie schon lange nicht mehr. Sie ist schneller unter Segel und auch schneller unter Motor aber die Verbindung ist nicht abgerissen. Wir haben unseren KW-Funk. Zwei mal am Tag sprechen wir miteinander und tauschen Informationen aus. Nach drei Tagen um 5:00 Uhr morgens ist die Scorpio am Ziel. Um 23:00 Uhr kommen wir mit Nervenflattern aber Wohlbehalten am Ankerplatz an der Nordseite der Hauptinsel Santa Barbara an. Der Schlammhakl saust in respektvoller Entfernung vor dem die Insel umgebenden Riff in die Tiefe. Sie beträgt zehn Meter und so kommen 50 Meter Kette zum Einsatz.

Das schützende Riff

Am nächsten Tag verlegt die Scorpio auf die Südseite der Insel. Der Wind soll nach Nord drehen. Wir haben keine Lust. Wir wollen erst mal ausruhen und etwas von dem verlorenen Schlaf nachholen. In der Nacht dreht der Wind aber er weht nur leicht. Am Ankerplatz wird es rollig, doch wir sind so müde, dass wir trotzdem gut schlafen. Am nächsten Tag holen wir den Anker aus dem (zehn Meter) tiefen Grund und verkrümeln uns ebenfalls auf die Südseite und ankern in einer schönen Bucht neben der Scorpio. Es dauert nicht lange und es kommt ein Schlauchboot mit zwei Personen angefahren. Es ist Laura, eine Studentin der Biologie und ein junger Mann der Naturschutzbehörde deren Institut auf der Insel steht. Laura die Studentin macht hier ihr letztes Praktikum bevor sie promoviert. Der junge Mann mit seinen Rasterlocken ist Angestellter des Instituts. Er spricht sogar etwas deutsch was uns sehr verwundert. Er erzählt uns, dass er mal drei Monate in Zürich gearbeitet hat. Laura belehrt uns darüber was wir hier tun und nicht tun dürfen wie z.B. nichts von den Inseln mitnehmen, keinen Abfall ins Meer werfen auch keinen organischen, welche Inseln man besuchen darf (mit Führer natürlich) und welche nicht usw. Die Hauptinsel Santa Barbara darf auf keinen Fall ohne Genehmigung betreten werden, sie ist Militärgelände. Wir aber haben die Genehmigung bekommen. Anna von der Scorpio hat über Funk angefragt. Wir wollen nämlich den Leuchtturm besichtigen und bekommen für 16:00 Uhr einen Termin. Franz und Anne fahren bereits mit dem Dinghy an Land. Ich muss unseres erst zu Wasser lassen. Verdammt nochmal, ich habe vergessen den Lenzstopfen zu schließen und so läuft Wasser ins Boot. Ich hiefe es wieder hoch. Das Dinghy hängt am Flaschenzug und ich versuche den Stopfen in das dafür vorgesehen Loch zu stecken. Vergeblich, ich komme nicht ran. Ich versuche es mit dem Bootshaken. Die Schnur an der der Stopfen befestigt ist reißt und dieser verschwindet auf Nimmerwiedersehen im Wasser. Klasse Werner, hast du gut gemacht. Besuch gestorben, können ja schließlich nicht zur Insel schwimmen. Doch Rettung naht. Der Comandante persönlich setzt sich ins Schlauchboot und holt uns ab. Wenn das kein Service ist.

Der freundliche Onkel

Die Besichtigung ist sehr interessant, es ist schließlich mein erster Leuchtturm. Bei Dämmerung darf Milena die dreijährige Tochter von Anna und Franz den Leuchtturm einschalten. Für die Kleine ein großes Erlebnis. Ist wohl ein Familienerbe. Vor vier Jahren als Franz das erste mal hier war durfte er den Leuchtturm einschalten

Natürlich wollen wir die Ilha Redonda (runde Insel) besuchen. Der Termin ist für heute Nachmittag angesagt. Ein größer Motorcat kommt mit einen ganzen Stall voll Biologiestudenten vom Festland. Sie wollen ebenfalls Ilha Redonda besuchen. So einigen wir uns darauf, dass erst die Gruppe geführt wird, dann wir was uns auch lieber ist, denn eine Führung in englisch finden wir allemal besser als in portugiesisch.

Die Studenten sind weg, die Mittagspause längst vorbei und wir warten noch immer auf Laura.die uns führen wird. Endlich kommt sie und wir werden mit einem Schlauchboot zur Insel befördert wo wir ziemlich feucht abgesetzt werden. Es ist die Brutinsel für verschiedene Seevögel. Allein die Tölpel sind mit fünf verschiedenen Arten vertreten. Die Vögel sind so zutraulich, dass na sie fast berühren kann, was wir tunlichst vermeiden wenn wir ihre langen spitzen Schnäbel betrachten. Man kann ja nie wissen…Wir sehen Vögel in verschiedenen Stadien ihrer Entwicklung. Welche im Daunenkleid und welche die fast flügge sind. Auch einen Rotschnäbligen Tropenvogel sehen wir mit seinen Jungen unter einem Felsvorsprung. Ich habe diesen Vogel erst einmal gesehen und zwar damals bei der Atlantiküberquerung. Ein herrliches Flugbild. Ein weißer Vogel ind der Größe eines Aras. Er sieht mit seinen langen Schwanzfedern im Flug auch fast aus wie ein Papagei. Ein fast flugfähiger toter Tölpel liegt zwischen den Steinen am Boden. Vermutlich ist dem fütterndem Elternteil etwas zugestoßen. Er wurde nicht mehr gefüttert und ist verhungert. Am späten Nachmittag bevor die Dämmerung einsetzt sind wir wieder zurück auf unseren Booten. Wir fragen was wir für die Führung schuldig sind.. Eigentlich, so erfahren wir, pro Person 56 Riales (ca. 16€) aber im Moment stehen keine Rechnungsformulare zur Verfügung und deshalb ist die Führung kostenlos. Wir spenden trotzdem etwas und verabschieden uns von Laura und dem „Rasterman“, denn schon morgen wollen wir weiter nach St. Andre.

Bis St. Andre sind es 90 Meilen und das heißt für uns, dass wir morgen da sind, also nur eine Nacht unterwegs. Das werden wir wohl auch noch schaffen. Wir segeln bzw. fahren los, denn der Wind lässt noch auf sich warten. Nach etwa zwei Stunden mit Motor ist es so weit, dass wir Segel setzen können. Mit vier Knoten geht es dahin. Die Scorpio hat bald wieder großen Vorsprung und wird immer kleiner. Sie segelt mit sechs Knoten. Obwohl wir Groß, Genua und Fock gesetzt haben können wir nicht mithalten. Der Wind ist sehr unbeständig. Jedes mal wenn eine größere Wolke vorbeizieht frischt es erheblich auf und wir müssen Genua wegnehmen. Der Wind weht meistens so 15-20 Minuten, dann ist es vorbei und die Genua wird wieder ausgerollt.

Kunstwerk aus Sand

Ich habe gerade Freiwache, liege im Salon und versuche etwas zu schlafen als ich Annemarie am Ruder fluchen und schimpfen höre, was mich sofort veranlasst nachzusehen was der Grund ist. Das Boot krängt 30° und reitet mit knapp 7 Knoten auf der Scheuerleiste, die bereits im Wasser ist. Annemarie hängt am Ruder wie die Fliege am Leberkäs und kann kaum das Ruder halten. Sofort nehme ich die Hälfte der Genua weg. Das Boot richtet sich auf. Jetzt segeln wir mit angenehmen fünf Knoten und der Druck ist ebenfalls aus dem Ruder. Sie ist so geschafft, dass ich wieder das Ruder übernehme. Die Meilen schmelzen nur so dahin, dass ich mich schon fast am Ziel wähne, was natürlich nicht stimmt denn es sind immerhin noch 50 Meilen bis zu unserem Ankerplatz. Der Wind wird schwächer und ich will die Genua wieder ganz ausrollen. Geht aber nicht! Also rolle ich sie ganz ein und versuche sie dann komplett auszurollen. Doch nun ist sie drin und es geht gar nichts mehr. Da passt doch mal wieder alles zusammen. Ich lege meine Lifeleine an und picke mich am Sicherungsgurt, der vom Heck bis zum Bug läuft, ein. In der kohlrabenschwarzen Nacht taste ich mich vor bis zum Bug und versuche an der Rolle zerrend, diese zu überzeugen dass sie die Genua freigeben soll. Leider sind meine Argumente zu schwach. Die Genua bleibt drin. Was hat dieses verdammte Ding bloß wieder? Es bleibt uns nichts anderes übrig als nur mit Fock statt Genua

Scorpio-Aufsitzer nach Sturm

und inklusive Motorunterstützung weiterzumachen. Aber mehr als 2,5kn (4,5km/h) kommen dabei nicht raus. Das ergibt eine ganz tolle Rechnung: Weg bis zum Ziel=50nm. Fahrt 2,5kn ergibt eine Fahrzeit bis zum Ziel von 20 Stunden. Wie mich das wieder freut. Dabei dachten wir, wir könnten die gesamten 90 Meilen leicht in 24Std. schaffen. Wohl die Rechnung ohne den Wirt oder besser ohne die Rollanlage gemacht. Möchte bloß wissen was da wieder fehlt. Haben wir sie doch erst in Rio unter mithilfe von Franz komplett zerlegt, gereinigt, eingefettet und das Kugellager repariert. Als es wieder Tag wird sehe ich mir alles an und versuche nochmal die Genua auszurollen. Vergeblich! Das Teil macht keinen Mucks. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen was es sein könnte. Erst am Ankerplatz kann ich versuchen der Sache auf den Grund zu gehen. Die beiden Ankerplätze die wir anlaufen wollen scheinen aber dafür nicht besonders geeignet zu sein. Also geht es den ganzen Tag mit Schneckentempo dahin. Der Tag bzw. das Tageslicht schwindet ebenso wie meine Laune und wir tuckern wieder durch eine rabenschwarze Nacht. Es ist 22:00 Uhr die Spannung steigt und die Nerven liegen mal wieder blank denn wir sind dabei unseren Ankerplatz am Recife da Ponta da Coroa Vermelha was ungefähr so viel heißt wie: das Kap mit dem Riff mit der roten Krone anzulaufen. Vorsichtig nähern uns wir dem Riff und umfahren es weiträumig. Die Stunden und Minuten ziehen sich wie Kaugummi. Wir fahren in Richtung Norden, biegen ab nach Westen, steuern das Boot zwischen Riff und einem unter Wasser liegenden Felsen hindurch und biegen wieder ab diesmal nach Südwesten. Wir haben jetzt das Riff umfahren und liegen vor Welle geschützt direkt hinter dem Riff. Wir sind da. Mit der Lifeleine gesichert begebe ich mich in Richtung Bug zum Anker. Den Anker schiebe ich aus der Halterung und löse die Nuß der Ankerwinsch damit der Schlammhakl in die Tiefe sausen kann. Tut er aber nicht! Er baumelt nach ein paar Meter knapp unter der Wasseroberfläche vor dem Bug. Verdammter Mist. Was ist los? Ein Blich in den Ankerkasten und ich weiß Bescheid. Ein Knoten in der Ankerkette so groß wie zwei Männerfäuste. Wo kommt der denn her? Interessiert mich nicht. Viel wichtiger ist wie bringe ich den auf. Ich versuche ihn aufzuknoten. So ein Blödsinn! So geht das nicht. Also was tun? Schnell hole ich mir Werkzeug aus der Schublade und sage zur Annemarie die am Steuer steht:“Du bist mir dafür verantwortlich dass wir nicht abtreiben“. Sie macht das sehr gut und legt das Boot gleich quer zur Welle, die Gott sei Dank sehr wenig ist, was wir dem Riff hinter dem wir liegen zu verdanken haben. Ich hole mit der Hand die Kette ein und ziehe den Anker an Deck. Dann löse ich den Schekel zwischen Kette und Anker und ziehe die Ankerkette nach hinten und zurück in den Ankerkasten. Durch den Zugang zum Ankerkasten hole ich jetzt den zuvor unter der Winsch verklemmten Knoten an Deck. Bevor ich richtig versuchen kann den Knoten zu lösen zerfällt er alleine wie von Zauberhand. Es war kein eigentlicher Koten, sondern die Kette war durch den dauernden Gebrauch so verdreht dass sich ein Klumpen gebildet hat, der, da er unter Spannung stand, nicht lösen konnte. Schnell ist der Anker wieder angeschekelt und nun saust er wirklich dorthin wo er hingehört. Vierzig Meter Kette geben, rückwärts einfahren, Kette abspannen um die Winsch zu entlasten, fertig. Inzwischen ist es ein Uhr nachts und wir fallen todmüde in die Kojen. Die Scorpio ist nicht hier, sie hat uns über Funk gesagt, dass sie fünf Meilen weiter auf dem anderen von uns besprochenen Ankerplatz liegt. Dahin fahren wir aber erst morgen.

Gegenverkehr

Am nächsten Tag brechen wir sehr früh auf um an den anderen Ankerplatz zu kommen wo uns die Scorpio erwartet. Immerhin dauert es zwei Stunden bis wir dort ankommen. Segelboote sind eben keine Rennautos. Die Scorpio und wir beschließen das Hochwasser abzuwarten um dann unseren endgültigen Ankerplatz hinter dem Riff bei Santo Andre anzulaufen. Dieser Platz ist geschützt nach allen Seiten, die Einfahrt in das Riff ist jedoch ziemlich Tricki.

Zum einen wegen dem Riff selbst und zum anderen wegen der Sandbänke. Wir warten nicht den Höchststand ab sondern versuchen die Einfahrt bei ca. dreiviertel Hochwasser. Sollte einer auflaufen hat er die Möglichkeit dann bei Höchststand wieder frei zu kommen. Ich lege die Wegpunkte nach Karte. Also immer dort wo die tiefsten Stellen sind. Auf der Karte sind es teilweise nur 1,10 Meter, unser Tiefgang beträgt aber 1,80 Meter. Wir wissen, dass wir bei Hochwasser trotzdem einfahren können. Wir fahren in genügendem Abstand hinter Franz, so dass wir bei Gefahr noch Zeit haben zu reagieren. Annemarie steht am Ruder und ich bin im Salon am Computer und beobachte auf der Karte unsere Position. Nach Karte ist Annemarie in der Einfahrt viel zu weit links. Ich rufe „rechts, rechts du musst weiter rechts“. „Geht nichr, da ist doch die Sandbank“, kommt es von oben zurück. Verdammt, laut der Position auf der Karte hängt sie doch schon fast auf dem Riff. In dem Moment kommt es aus der Funke: „Werner links, links, stark nach links du rennst auf die Sandbank“. Ich flitze wie von der Tarantel gestochen vom Salon ins Cockpit und sehe, dass wir nur noch wenige Meter von der Sandbank entfernt sind. Ich schubse Annemarie vom Ruder weg und haue den Rückwärtsgang rein und gebe Vollgas. Kurz vor der Sandbank bequemt sich unsere Lady stehen zu bleiben. Wir beschließen nicht weiter zu fahren sondern umzudrehen. Annemarie teilt unsere Entscheidung Franz mit, dessen Boot sich im gleichen Augenblick zur Seite legt. Er ist auf die innere Sandbank gelaufen, während ich noch kämpfe der äußeren Sandbank auszuweichen. Ich muss das Boot in dem schmalen Kanal drehen. Im Rückwärtsgang den Schraubeneffekt ausnützend dreht sich das Boot langsam um die eigene Achse, kommt aber dabei dem Riff hinter uns ziemlich nahe. Vollgas nach vorne in Richtung Sandbank das Ruder ganz eingeschlagen. Kurz davor aufgestoppt und nochmal rückwärts. Wir stehen mit Bug um 180° gedreht in Richtung Ausfahrt. Das wäre also geschafft. Wir fahren zurück zu unseren Ankerplatz. Dort beraten wir, was wir tun sollen. Ein zweites mal will ich die Einfahrt nicht versuchen. Der Ankerplatz hier ist nicht besonders gut und so beschließen wir am nächsten Morgen die 90 Meilen nach Ilheus zu segeln.

Mit dem Fernglas beobachten wir Franz wie er sich bemüht von der Sandbank freizukommen. Die Flut ist weiter gestiegen und sein Boot hat sich aufgerichtet. Plötzlich kommt er frei. Er fährt hinter einem Boot weiter in den Fluss hinein. Kurz danach meldet er sich über Funk. Ein Fischer hat ihn, nachdem er wieder frei kam zum Ankerplatz gelotst. Der Fischer sein Name ist Calindo, meint er könne uns, wenn wir wollen, morgen früh um sechs Uhr ebenfalls zum Ankerplatz lotsen. Wir sind einverstanden. Franz ist der Meinung dass wir doch gar nicht bis zum nächsten Tag warten sollen. Calindo könnte uns doch gleich abholen. Ok, wenn das Tageslicht so lange reicht, denn es fängt bald an zu dämmern und dann ist es gleich dunkel. Calindo meint dass wir es bis

dahin schaffen. Also gleich den Anker rauf und zum verabredeten Punkt gefahren. Wir kommen an und unser Lotse wartet bereits. Annemarie fährt hinter ihm her. Es geht so dicht am Riff vorbei, dass ich glaube ich könnte es berühren. An einem bestimmten Ort drehen wir ab und queren den Fluss. Noch einige Meter und wir sind da. War doch ganz einfach oder? Ich sehe mir auf der Karte den aufgezeichneten Track an und der verläuft fast AUF dem Riff. So hätte ich die Wegpunkte nie gelegt. Karten sind wichtig und ohne sie geht gar nichts aber sie stimmen oft nicht mit der Realität überein. Da ist dann „Augapfel Navigation“ unentbehrlich.

Der Ankerplatz ist wirklich schö. Geschützt. vom Riff und vom Land liegen wir im Fluss und vor uns gleich ein Restaurant. Das werden wir morgen gleich mal besuchen.

Das Wetter ist schön, gerade richtig um einen Landbesuch zu machen und das Restaurant zu inspizieren. Vorher müssen wir uns verholen, denn wir liegen in der Fahrrinne und bald kommen die großen Schoner, vollgeladen mit Touristen. Wir verlegen uns näher zum Ufer so dass es keine Probleme mit den durchfahrenden Booten geben wird. Danach gehen bzw. fahren wir mit dem Dinghy an Land und sehen uns das Restaurant an. Sieht gut aus, da werden wir evtl. heute Abend zum Essen gehen. Haben wir uns nach dem „Einfahrt-Stress“ auch redlich verdient.

Abspannung

Ohne Geld geht nichts, also gehen wir eine Bank plündern. Dazu müssen wir erst mal einige Kilometer mit dem Bus und dann mit der Fähre fahren. Ist nicht so einfach, hier sind wir wirklich am A… der Welt. Wir gehen zur Bushaltestelle und uns fällt auf, dass Bäume bzw. deren Stämme so wie die Licht und Telefonmasten abwechselnd mit den deutschen und brasilianischen Nationalfarben bemalt sind. Das geht bis Porto Seguro und darüber hinaus so etwa 50km weit. Erst sind wir verwundert aber dann fällt mir ein, dass doch eben genau hier in Santo Andre der DFB Gelände gekauft und das Camp für die deutsche Elf gebaut hat. Es wird jetzt genutzt als Trainings Camp für die DFB Elf und als Urlaubs Ressort für den DFB und die Fußballer. Wie überhaupt sind die deutsche Elf und der DFB, trotz der bitteren 7:1 Niederlage die die deutsche Elf den Brasilianern bescherte , gut angesehen. Hat der DFB doch eine geteerte Straße vom Camp bis zum Flughafen gebaut und dem Ort einen neuen Krankenwagen gestiftet.

Angekommen in Cabralia, so der Name der nächsten Ortschaft, suchen wir eine Bank. Haben sie auch gleich gefunden, die Tür aufgerissen und den Automaten überfallen. Doch der pfeift uns was und wir bekommen von ihm zu hören bzw. zu lesen, dass die Transaktion nicht erlaubt ist. Dann eben die nächste Bank. Und siehe da, der gleiche Mist wie zuvor. Haben wir schon mal erlebt in einer kleinen Ortschaft. Die geben auf internationale Karten kein Geld raus. Also ab in die nächste Stadt nach Porto Seguro, sind ja von hier „nur“ 23km! Gerechnet ab Ankerplatz sind es 30. Eine gute Strecke um an Geld zu kommen. Also geht es mit dem Sammeltaxi in die Stadt. Dort angekommen versuchen wir es bei drei Banken. Ohne Erfolg. Irgendwas stimmt da nicht mit der Karte. Wir fahren zurück und gehen ins Restaurant, die haben Internet und ich eine Mail. Von Visa. Es wird mir mitgeteilt, dass die Karte aus Sicherheitsgründen gesperrt ist. Die haben einen Betrugsversuch entdeckt. Das ist wirklich Klasse, denn vor einigen Wochen wurde meine Karte ebenfalls aus dem gleichen Grund gesperrt und ich musste eine neue beantragen. Die liegt jetzt natürlich wegen fehlender Adresse in Brasilien gut verwahrt in Deutschland. Das hilft mir wirklich sehr viel. Kann nicht verloren gehen und nicht gefälscht werden. Von Visa werde ich in dem Bref, den mir mein Sohn per Mail zugeschickt hat, aufgefordert eine bestimmte Nummer anzurufen um die Angelegenheit zu regeln. Da wir fünf Stunden Unterschied zu Deutschland haben ist das gar nicht so einfach. Das Restaurant macht erst mittags auf und da ist es schon zu spät um etwas zu erreichen. Also fahren wir am nächsten Tag mit Bus und Fähre nach Cabralia, suchen und finden ein Internet Cafe. Wir versuchen per Skype anzurufen. So ein Mist, habe ich doch meine Zugangsdaten auf dem Schiff gelassen. Den Tag kann man abhaken. Wir fahren wieder zurück und versuchen es morgen.

Mit den nötigen Daten bewaffnet sitzen wir wieder im Bus der uns zur Fähre bringt. In Cabralia angekommen suchen wir voller Hoffnung das Internet Cafe auf, setzen uns an den Computer und geben die Daten ein. Geht nicht. Neuer Versuch. Geht wieder nicht. Nach dem dritten Versuch geben wir frustrietrt auf und beschliessen wieder nach Porto Seguro zu fahren. Hier suchen wir einen Internet Laden. Der erste den wir finden, in einem großen Eikaufs Center, ist geschlossen mit dem Hinweis: bin gleich wieder da. Nach einer Stunde ist immer noch niemand „gleich wieder da.“. Wir verziehen uns und suchen ein anderes Geschäft. Nach einiger Zeit haben wir auch eins gefunden.Geschlossen! Obwohl da steht von Montag bis Freitg von…bis… Wir kehren zurück zum „bin gleich wieder da“ Und siehe da, die Tür lässt sich öffnen. Die Frage nach Skype wird abschlägig beantwortet und wir beide stehen da wie begossene Pudel.Total niedergeschlagen schleichen wir zum Bus und fahren die 30km wieder zurück. Wir versuchen es morgen nochmal. Irgendwie müssen wir doch an WIFI bzw. Skype kommen. Diesmal nehme ich meinen Schlepptop mit um irgendwo einen Internetzugang zu finden. Also auf zum Kampf und die 30km nach Porto Seguro von neuem angegangen. Dort angekommen fragen wir erst mal in einem Internet Cafe ob wir mit unserem Läppi arbeiten können. Nein, können wir nicht. Fängt ja gut an. Wir kommen an einem Hotel vorbei, diesmal sind Anna, Franz und Tochter mit von der Partie. Anna fragt in dem Hotel ob wir hier ins Internet können. Ja, können wir. Jedoch die Versuche bleiben erfolglos. Bekommen keine Verbindung zum Internet. Wir können es ja noch in dem Einkaufszentrum versuchen. Auf dem Weg dorthin kommen wir an einem Cafe vorbei. Aus den Augenwinkel sehe ich das Schild WIFI Zone. Wir fragen nach dem Passwort und schon sind wir im Internet. Skype aufgerufen und die Nummer gewählt. Es tut sich auch was. Am anderen Ende der Leitung wird abgehoben. Das Gespräch dauert 30 Sekunden und die Leitung ist tot. Alle weiteren Versuche bleiben ohne Erfolg. Wir haben noch eine Möglichkeit. Versuchen wir es in dem Einkaufszentrum.

Hoffentlich hat sie nicht wieder das Schild bin gleich wieder da aufgehängt. Nein, hat sie nicht. Doch unser Versuch endlich zu telefonieren ist wieder nicht von Erfolg gekrönt, denn nun erfahren wir, dass das Internet (wieder mal) ausgefallen ist. Wir haben Freitag also Wochenende. Vor Montag brauchen wir keinen neuen Versuch zu starten.

Noch haben wir das Problem mit der Genua die sich nicht mehr ausrollen lässt nicht beseitigt. Bisher konnten wir nichts unternehmen, denn dazu brauchen wir Windstille und die hatten wir bisher noch nicht. Aber heute, am Sonntag ist es still. Also frage ich Franz ob er mir helfen kann. Erst versuchen wir ob sie sich wirklich nicht ausrollen lässt. Nein, geht nicht. Ich mache das Fall lose und wir fädeln die Genua aus dem Profil. Dann versuchen wir die Top Rolle zu drehen. Ein krachen und knirschen. Nur sehr schwer lässt sie sich bewegen. Es hat sich Salz und und andere Verunreinigungim Laufe der Zeit in den Kugellagern festgesetzt. Sie sind, obwohl aus Edelstahl, etwas angerostet. Mit viel Hürth Rostlöser eingesprüht, nicht mit WD 40, das taugt nichts, habe ich die Erfahrung gemacht, bis die braune Suppe unten wieder rauskommt. Gedreht, eingesprüht, wieder gedreht usw. Nach einer viertel Stunde ist das Lager samt der Rolle wieder leichtgängig. Wir ziehen die Genua wieder hoch, rollen sie aus, rollen sie ein. Es funktioniert und da Kas is bissn (für Nicht Bayern: der Käse ist gegessen).

Aprpos da Kas is bissn. Wir haben keinen Käse gegessen sondern im Restaurant vor unserer „Haustür“ ganz toll gespeist. Eine Moqueca Baiana. Ein für hier typisches Fischgericht. Eine Mischung aus afrikanischer und einheimischer Küche. Es ist das Nationalgericht, ein Fischeintopf mit Fischfilet, Scampis (hier sagt man Camarons) Cocosmilch und einheimischen Gewürzen. Das früher verwendete Palmöl wird durch Olivenöl ersetzt und mit Amatto, (Colorante) für die Farbgebung angereichert. Es wird heiß in einem irdenen Topf serviert. Das ist das bisher beste Fischgericht das ich gegessen habe. Ist in diesem Lokal nicht gerade billig aber es ist den Preis wert.Übrigens ist bzw. war das „GAIVOTA“ (Möwe) das Stammlokal der deutschen und ausländischen Journalisten während der Fußball WM 2014.

30kn Wind gegen den Strom

Starkwind vor Anker

Montag. Sind heute früh aufgestanden damit uns Zeit bleibt falls wir mit Deutschland eine Verbindung bekommen sollten. Übers Wochenende habe ich erfahren, dass man in den Internet Läden nicht nach Skype fragen soll, sondern nach Telefon International. Also haben wir dauernd die falschen Fragen gestellt. Wir wollen gerade vom Schiff und da fängt es an zu schütten. Bei dem Wtter brauchen wir nicht zu fahren. Da sind wir durchnässt bevor wir aus dem Dinghy steigen. Eine Stunde später (wofür sind wir so früh aufgestanden?) wird das Wetter besser und wir fahren los. Also die 30km… aber das ist ja schon bekannt habe es ja oft genug wiederholt. Franz hat mir verraten, dass er in Areal da Ajuda war und einen Telefonladen gefunden hat. Erst hat er auch nach Skype gefragt. Nein war die Antwort. Als er aber auf die Idee kommt zu fragen ob sie Telefon für internationale Gespräche haben ist die Antwort ja. Wenn es nicht anders geht müssen wir dorthin. Also heisst das Bus, dann Fähre, wieder Bus bis Porto Seguro. Von dort mit einem anderen Bus und einer weiteren Fähre nach Areal da Ajuda. Kann sich jemand vorstellen wo wir hier sind? 50km bis zum nächsten öffentlichen Telefon. Das kann es wohl nicht sein. Brasilien an der Schwelle zur ersten Welt? Wer hat denn den Witz erzählt? Sollten wir nichts anderes finden müssen wir wohl in den sauren Apfel beissen.Jedenfalls sind wir schon mal in Porto Seguro und suchen die uns bekannten Läden auf. Beimersten wird die Frage nach Telefon gleich mit nein beantwortet. Ich schlage meinem holden Weib vor dass wir es im Einkauf Center versuchen sollen. Weg und Zeit sind umsonst, kommt es mürrisch zurück. Lass es uns trotzdem versuchen. Also schlurfen wir, ziemlich entmutigt, und das schon am Montag morgen, zum nächsten Internet Laden. Ich gehe auf die Tür zu und erwarte das Schild bin gleich… aber nein, der Laden ist offen. Auf die Frage nach Telefon International ist die Antwort, wie wohl? Falsch geraten! Sie ist ja. Auf die Frage wohin ist meine Antwort nach Hause telefonieren. Unsinn, bin doch nich ET. Nach Deutschland. Wir bekommen die Vorwahl, nicht die 0049, nein die nicht. Wir brauchen erst die Vorwahl der Telefongesellschaft. Wie überhaupt in Brasilien keiner telefonieren kann, auch nicht national, wenn er die Vorwahl des Anbieters nicht kennt. Also erst Vorwahl Anbieter, dann Vorwahl Deutschland, dann Vorwahl Stadt und dann die Telefonnummer. Es meldet sich eine Stimme auf portugiesisch die erzählt dass das Gespräch, warum auch immer, nicht möglich ist. Ich habe gute Lust den ganzen Laden zu zerlegen, aber der kann auch nichts dafür. Mit jeder Menge Frust in der Stimme sage ich der freundlichen Dame im Laden dass da jemand was quasselt was mir gar nicht gefällt. Versuchen Sie es in der zweiten Zelle kommt die gelassenen Antwort. Also zweite Zelle. Gleiche Prozedur wie vor, keine unbekannte portugiesische Stimme mit Quasselei, sondern das Freizeichen am anderen Ende der Leitung mit dem so bekannten Wortlaut: alle Stellen sind besetzt, bitte warten Sie einen Augenblick, sobald eine Stelle frei ist werden sie sofort verbunden. Kennt man ja. Und das bei einem Preis von einem Euro/Min. Das nennt man hier Billig Anbieter. Es dauert wirklich nur 10-15 Sekunden bevor die Verbindung steht. Nach Identifikation durch mehrere Fragen kann das Gespräch über den eigentlichen Zweck des Anrufs beginnen. Nachdem Annemarie ihr Leid geklagt hat schlägt die nette Dame am anderen Ende der Leitung vor, dass sie die Kartensperre für 15 Minuten aufheben kann und wir können in dieser Zeit Geld abheben. Das ist doch schon mal was. Aber was machen wir dann, wir brauchen eine neue Karte. Kein Problem kommt von der anderen Seite, wenn Sie mir eine Adresse in Brasilien geben können schicken wir ihnen die Karte dorthin. Komisch, bei meinem Anruf wegen meiner gesperrten Karte wollte die (unfreundliche) Dame nicht mal die Karte an meine Postadresse schicken sondern an meine Meldeadresse. Nein ich kann die Karte nur an die Meldeadresse senden, flötete die damals ins Telefon. Zufrieden und mit Geld in der Tasche kehren wir nach vielen Kilometern und fast 50€ Fahrtkosten zu unserem „Haus“ auf dem Wasser zurück.

Anlegestelle Cabralia

Das Internet hier welches wir zur Verfügung haben ist nicht gerade das Gelbe vom Ei aber es reicht zumindest für E-Mails und für Wetterdaten. Das was uns die nächste Zeit erwartet, also die nächsten drei bis vier Tage sieht nicht gerade ermutigend aus. Zwar gibt es Süd bis Ostwind aber mit bis zu 30kn und 4-5 Meter Welle von der Seite. Bestimmt nicht das richtige Wetter um wegzusegeln.

Am späten Nachmittag fängt es schon an zu wehen. Erst mit 20kn zunehmend. Pech ist in diesem Fall für uns, wir liegen in einem Fluß und es ist ablaufendes Wasser. Nun passiert folgendes: wir stehen mit dem Bug gegen die Strömung die mit ca. 4kn dem Meer zufließt. Der immer stärker werdende Wind drückt uns gegen die Strömung, die Kette hängt locker vom Bug und wir fahren über die Kette.So weit kein Problem aber so bald wir nur etwas zur Seite gedrückt werden packt die Strömung das Boot und nimmt es mit.Der Bug geht immer mehr nach Steuerbord bis wir praktisch von der Strömung mitgerissen werden. Allerdings nur so lange bis die Kette sich streckt, die mit einer Leine abgespannt ist welche das Einrucken in die Winsch verhindert und sie dadurch beschädigen könnte. Die Abspannung dient auch gleichzeitig als Ruckdämpfer da sie sich dehnt. Ist die Kette gespannt zieht sie das Boot wieder zurück und das Spiel beginnt von neuem nur zur anderen Seite. Wir fahren von der einen zur anderen Seite bestimmt 50 bis 60 Meter. Sehr unangenehm aber für das ankern in einem Fluss nicht ungewöhnlich. Dass der Anker slippen könnte ist eher unwahrscheinlich (aber nicht unmöglich), da der Schlammhakl sich bei jedem Ruck tiefer in den Flussschlamm bohrt. Wenn das ganze dann noch in der Nacht abläuft, wie gerade jetzt dann ist das sehr unangenehm, denn die Nacht ist wie immer rabenschwarz Den Kat neben uns kann man gar nicht sehen obwohl wir wissen dass der Abstand relativ gering ist. Um fünf Uhr morgens hört der Wind endlich auf und wir können schlafen. Aber nicht so lange, denn um neun fängt es schon wieder an zu blasen nur diesmal erheblich stärker als in der Nacht. Hatten wir da 25-27kn steigt die Windanzeige diesmal auf 32kn. Wieder steht der Wind gegen die mit 4kn ablaufende Strömung. Die Wellen nehmen für einen Fluss eine beachtliche Höhe an und die Schaumkronen werden als weiße Streifen über das Wasser geweht. 32Kn (60km/h) ist immerhin Windstärke sieben und gehört bereits in die Kategorie Sturm. Das Boot verhält sich wie bereits vorher beschrieben, nur diesmal alles etwas schneller und heftiger. Wir haben einen etwas geringeren Tiefgang als die Scorpio und haben noch knapp 10cm Wasser unter dem Kiel während die Scorpio regelrecht an Land gespült wird und aufsitzt. Dabei hat sie noch Glück im Unglück, denn zwei Meter vor großen Steinblöcken bleibt sie im Sand stecken Ist bei diesem Wind nicht gerade angenehm, da sich das Boot quer zum Wind stellt und dadurch krängt. Zwei Stunden später ist einlaufendes Wasser, der Wind hat aufgehört und wir schwimmen alle wieder friedlich mit dem Bug gegen die Strömung, so wie es sein soll.

Ankerplatz Buzios

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